Sonntag, 26. August 2012

Nach und nach

Jules Vernes Roman Voyage au centre de la terre erschien erstmals 1873 in deutscher Sprache, und zwar als "Reise nach dem Mittelpunkt der Erde". Heute kennt man die Übersetzung als "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde". In den Ohren moderner Deutschsprecher(innen) klingt die Konstruktion mit "nach" bestenfalls altertümlich, wahrscheinlicher jedoch schlicht falsch.

Das Wörtchen "nach" fungiert heutzutage nur dann als Richtungspräposition, wenn danach kein Artikel steht: nach Hause, nach Italien; aber: in die Schweiz, zum See Genezareth. Im 19. Jahrhundert aber waren Sätze wie "Wir fahren nach der Stadt" noch völlig üblich. So sagt beispielsweise die Titelfigur von Shakespeares Coriolanus in der deutschen Erstübersetzung "Ich gehe nach dem Markt", während es in heutigen Ausgaben heißt: "Ich gehe auf den Markt". (Die genauen Jahreszahlen der Übersetzungen liegen mir nicht vor.)

Aufgabe der Germanistik wäre es nun herauszufinden, a) wann diese Funktionseinschränkung der Präposition "nach" eingesetzt hat und vor allem, b) warum? Sollte es eine derartige Untersuchung schon geben, würde ich mich über entsprechende Hinweise freuen.

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