Mittwoch, 3. November 2010

Linktipp: Fernsehkritik-TV über Animes

Die Welt der Animes ist mir nach wie vor fremd. Wie im Falle von Harry Potter kann ich durchaus nachvollziehen, warum es eine so große Fangemeinde gibt, erschließen tut sich mir der Reiz in beiden Fällen aber nicht.

In der aktuellen Folge von fernsehkritik.tv gibt es einen Gastbeitrag zu diesem Thema, in dessen Mittelpunkt die Ausstrahlung von Animes in Deutschland steht, v.a. die krampfhaften und unbefriedigenden Bemühungen von rtl2, Serien für ein vorrangig erwachsenes Publikum ins Kinderprogramm zu nehmen.

"Aus 18 Sekunden Anime wurden 7 Sekunden herausgeschnitten. Als Folge dieser Mega-Zensur entstehen ziemlich viele Logiklücken. Diese wiederum werden korrigiert, indem man oftmals Dialoge und manchmal ganze Teile der Handlung umschreibt."

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Goethe und wir

Gestern fiel mir Folgendes ein: Es ist, rein theoretisch, möglich, dass heute noch jemand lebt, der jemanden kannte, der Goethe persönlich gekannt hat. Nehmen wir an, 1820 wurde Person x geboren und ist im Alter von 10 Jahren (ein Alter, das man ja schon sehr bewusst erlebt) dem Dichterfürsten zwei Jahre vor dessen Tod begegnet. Person x wurde 100 Jahre alt und hat 1920 der dann ebenfalls zehnjährigen Person z (geb. 1910) von Goethe erzählt. Und z könnte heute noch unter uns weilen. 

Zugegeben, das ist abwegig, aber es zeigt, wie greifbar Goethe noch ist. Ein Glück zudem, dass seine Texte schriftlich tradiert werden. Jeder Schüler wird zwar irgendwann mal eine Ballade oder ein Gedicht auswendig gelernt haben, aber wer merkt sich sowas schon bis an sein Lebensende? 

In der 11. oder 12. Klasse wurde in dem Deutsch-Leistungskurs, den ich besuchte, eine Goethe-Rezitation angeordnet, und ich erinnere mich noch, wie fast alle Mitschüler entweder Prometheus oder Willkommen und Abschied aufsagten. Allein ich entschied mich für das recht unbekannte, aber lustige Gedicht Ritter Kurt's Brautfahrt, was unser Lehrer mit dem Prädikat "Herrlich!" quittierte. 

Noch eine weitere Goethe-Anekdote fällt mir ein: Als Knabe saß ich in der Straßenbahn. Als die Haltestelle Johann-Wolfgang-von-Goethe-Straße angesagt wurde, verdeckten ein paar mitfahrende kreative Jugendliche mit ihren Händen bestimmte Buchstaben an der elektronischen Anzeigetafel, so dass dort stand: "Johann Wolfgang on the Straße".

Donnerstag, 12. August 2010

Aus der Welt der Diplomatie

"Es ist ein skurriles Geschäft: Nordkoreas Diktator Kim Jong Il möchte die Kredite seines Landes in Naturalien bezahlen - statt 500.000 Dollar soll Tschechien bis zu 20 Tonnen der Heilpflanze Ginseng erhalten. Die Regierung in Prag ist nicht abgeneigt, verlangt aber zusätzlich noch etwas Zink." (Spiegel online)

Das ist wohl das Lustigste, das ich in dieser Woche gelesen habe, besonders das mit dem Zink.

Mittwoch, 11. August 2010

Friends - Teil 2.2

16:10
Wir hören aus dem Schlafzimmer einen lautstarken Streit zwischen Phoebe und Monica um das Telefon. Irgendwann kommt Phoebe mit dem abgeschnittenen Telefonhörer herausgerannt. Chandler, der ebenfalls im Schlafzimmer war, kommt nach ihr heraus und sagt:


Chandler: Is it wrong that I was totally aroused by that?

- auf Deutsch jedoch:

Chandler: Wie kommt es, dass ich jetzt erst sehe, wie er wirklich ist?

Was? Wer? Warum?

16:26
Joey betritt die Wohnung, bekleidet mit Chandlers Sachen, und zwar ALLEN.

Joey: Okay, buddy-boy. Here it is. You hide my clothes, I'm wearing everything you own.
Chandler: Oh my God! That is so not the opposite of taking somebody's underwear!!
Joey: Look at me! I'm Chandler! Could I be wearing any more clothes? Maybe if I wasn't going commando...


Joey: Okay mein Freund, du bist selbst schuld. Wenn du meine Sachen versteckst, dann trag ich eben alles, was du hast.
Chandler: Du bist wahnsinnig! Ist das etwa deine Rache? Ich hab dir doch nur deine Unterwäsche geklaut, Joey!
Joey: Seht mich an! Ich bin Chandler, und ich würde gern noch mehr zur Schau tragen, wenn ich könnte! Ja, am liebsten würde ich noch mehr anziehen, aber das wär' unpraktisch.


Komplett vergeigt. Zunächst hat man außer Acht gelassen, dass Joey hier Chandlers Sprechduktus imitiert ("Could I be wearing any more clothes?"). Das ist noch verzeihlich. Doch dann sagt Joey wörtlich: "Vielleicht wenn ich Unterwäsche tragen würde ..."; going commando ist Slang für "unten ohne gehen". Das erklärt natürlich auch Chandlers Schockreaktion, welche in der deutschen Fassung natürlich kaum gerechtfertigt erscheint.

18:19
Um Rachel zu beweisen, wie ernst es ihm ist, dass sie mit zu seiner Veranstaltung kommt, hat er sich überreden lassen, das Glas mit dem Fett zu trinken. Er will schon ansetzen, als ...

Rachel: No, no, no, wait! Okay, okay. Don't! I'll go, I'll go!
Ross: You will?!
Rachel: You were really gonna do that, weren't you?
Ross: Well, yeah.
Rachel: You were gonna drink the fat.
Joey: Let's see what else he'll do!


Rachel: Nein, nein, nein, trink das nicht, Ross! Ich geh ja schon mit!
Ross: Ja wirklich?
Rachel: Du hättest das da wirklich getrunken?
Ross: Aber natürlich.
Rachel: Du hättest diese komische Brühe ... Oh Liebling.
Joey: Na mach schon, trink es aus!


19:18
Monica spricht auf Richards Anrufbeantworter.

Monica: Hi, uh, Richard it's Monica, um, listen I did something kind of crazy tonight, um, maybe I'm getting my period or something, I don't know.

Monica: Hallo, Richard, hier ist Monica. Richard, ich hab heute was Blödes gemacht. Du weißt ja, wie wir Frauen sind, wir machen manchmal ganz dumme Sachen.

Und wieder einmal muss sich jemand, der die Originalzeile nicht kennt, fragen, warum nach diesem Satz ein Publikumslachen eingespielt wird. Offenbar war den Synchronautoren der Witz zu "erwachsen".

20:50
Rachel: Come on. (they start to leave) Oh! And, uh, by the way....
Ross: What?
Rachel: I'm going commando, too.


Rachel: Ach, was ich noch sagen wollte ... weißt du was?
Ross: Nö?
Rachel: Ich werde dich beschützen.


Ist das eigentlich böse Absicht der Übersetzer, oder halten die Ross' anschließendes "Oooooohhh" nebst Einknicken der Knie für eine angemessene Reaktion auf den lasziv vorgetragenen Satz "Ich werde dich beschützen"? Hier ist doch echt Hopfen und Malz verloren.


PS: Der Blogspot-Editor ist übrigens die allerletzte Ausgeburt der Hölle. Jede Zeile muss man dreimal händisch formatieren, weil sich immer alles willkürlich ändert, wenn man auf 'Vorschau' geht. Arghlmphrfff!!

Sonntag, 20. Juni 2010

Friends - Teil 2.1

Heute analysieren wir eine weitere Episode von Friends:

S03E02 - The One Where No-one's Ready (mm:ss)

02:23
Phoebe betritt das Appartment.


Phoebe: (entering) Hello.
Ross: Hey!
Joey: Whoa!
Ross: Wow, hello! You look great!
Phoebe: Thank you! I know, though.
Ross: You see this, this is a person who is ready to go. Phoebe you, oh, you are my star.
Phoebe: Ohh, well, you're my lucky penny.


Phoebe: (tritt ein) Hallo.
Ross: Hallo.
Joey: Wow.
Ross: Du siehst ja toll aus, Phoebe.
Phoebe: Ja, find ich auch. Danke sehr.
Ross: Sie ist fertig angezogen, nehmt euch ein Beispiel an ihr, das ist einfach vorbildlich. Phoebe, du bist - du bist meine Rettung!
Phoebe: Ahh, und du hast leider ein ekliges Parfum drauf.


So ganz verstehe ich den Witz mit dem Glückspfennig zwar auch nicht, aber die Anmerkung zu Ross' Parfum passt überhaupt nicht.

04:03
Rachel: (entering from her bedroom) You guys, (holds up an outfit) does this look like something the girlfriend of a paleontologist would wear?
Phoebe: I don't know, you might be the first one.


Rachel: (eintretend) Würde die Freundin eines Paläontologen so was anziehen, was meint ihr?
Phoebe: Frag doch mal die Freundin eines Paläontologen.


Während Phoebe im Original auf die Nerdigkeit von Paläontologen anspielt, indem sie dieser Berufsgruppe pauschalisierend die Bindungsfähigkeit abspricht, könnte die deutsche Aussage so verstanden werden, als wäre Rachel gar nicht Ross' Freundin. Was soll das?

07:55
Monica hört Richards Anrufbeantworter ab.

Richard: (on machine) "Hi, this is Richard. Please, leave a message at the tone."
Machine: "You have two new messages."
Joey: Wow, what a cool job. (in a machine voice) 'You have two new messages.' 'Please, pass the pie.'


Richard: (auf dem AB) Hallo, hier ist Richard. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht.
AB: Es wurden zwei Nachrichten für Sie aufgezeichnet.
Joey: Der hat ja wirklich 'nen coolen Job. "Es wurden zwei Anrufe aufgezeichnet. Beide haben mich ziemlich gelangweilt."


Okay, passt schon.

09:57
Beim Streit um den Sessel steht Joey schließlich auf, nimmt aber die Polster des Sessels mit und verlässt die Wohnung. Chandler geht noch bis zur Tür hinterher und sagt zu den (scheinbar) im Wohnzimmer Anwesenden:


Oh-ho, it'll be back. [dreht sich um und stellt fest, dass niemand mehr im Wohnzimmer ist] Oh-ho, there's nobody in the room.

Auf Deutsch jedoch sagt er: Na warte, das wirst du bereuen. [sich umdrehend] Seht ihr, jetzt hab ich's ihm aber gegeben.

Und genau diese Sachen sind symptomatisch für die deutsche Fassung: Ein grandioser, leicht zu übersetzender Gag wird einfach verschenkt. Der Zuschauer muss nicht nur an dem viel gelobten Humor von Friends zweifeln, er fragt sich in diesem Moment auch, warum Chandler mit einem leeren Raum spricht und es nicht bemerkt ...
Dieser Beitrag wird irgendwann fortgesetzt ...

Samstag, 12. Juni 2010

Zwei kurze Notizen

1. Semantik-Fans, aufgemerkt! Ich dokumentiere den Abschluss eines Bedeutungsverschiebungsprozesses im amerikanischen Englisch. Die Primärbedeutung von theater ist jetzt nicht mehr "Theater", sondern "Kino". Na gut, was heißt "jetzt" - das kann auch schon vor ein paar Jahren vollzogen worden sein, theater als verkürzte Form von movie theater wird ja schon seit längerem in Filmtrailern verwendet ("in theaters worldwide!"). Aber so richtig klar wurde mir es erst, als ein etwa sechsjähriges Mädchen in der TV-Serie Happy Town die Frage stellte: "What's cinema?" Das theater hat das cinema mit der Bedeutung "Gebäude, in dem Filme gezeigt werden" verdrängt; letzteres bezieht sich wohl nur noch auf die Kunstform.

2. Neulich in der deutschen Fassung einer beliebigen Sitcom gesehen: Das Motto "Bros before hoes" wurde übersetzt als "Bruder vor dem Luder".

Sonntag, 28. Februar 2010

Friends - Teil 1.2

S01E21 - The One with the Fake Monica (Forts.) (mm:ss)

07:28
Im Central Perk.


Ross: (Mortified) Hi.
Chandler and Joey: Hey.
Joey: Where've you been?
Ross: At the vet.
Chandler: She's not gonna make you wear one of those big plastic cones, is she?


Ross: Hi.
Chandler and Joey: Hi.
Joey: Wo bist du gewesen?
Ross: Och, ich bin beim Tierarzt gewesen.
Chandler: Hast du dich jetzt endlich mal gegen Staupe impfen lassen?


M.M.n. sind diese Trichterdinger, die man frisch operierten Hunden anlegt, damit sie nicht an den Wunden knabbern, lustiger (und auch bekannter) als die Krankheit Staupe.

08:28
Ross erzählt von seinem Affen, der die Geschlechtsreife erreicht hat und nun alles anspringt.


Ross: I know. I know. I mean, one day, he's this little thing, and before you know it, he's this little thing I can't get off my leg.

Ross: Ach ja, ich erinnere mich noch daran, wie klein sein Ding am Anfang war. Da ahnt man nichts Böses, und ehe man sich's versieht, hängt es ihm schon in den Kniekehlen.

Ich schrieb es schon einmal und wiederhole mich gern: Es gibt keinen Grund, einen schlüpfrigen Witz noch schlüpfriger zu machen.

09:46
Die drei Frauen berichten, dass sie die Identitätsdiebin zum Essen eingeladen haben.


Ross: What?! Are you insane? This woman stole from you. She stole. She's a stealer.
Monica: Y'know what? After you're with this woman for like ten minutes, you forget all that. I mean, she is this astounding person, with this, with this amazing spirit.
Ross: Yeah, which she probably stole from some cheerleader.


Ross: Ich hör' ja wohl nicht richtig. Diese böse Frau hat dich bestohlen und sie hat auf deine Kosten eingekauft.
Monica: Wenn du zehn Minuten mit dieser Frau zusammen bist, hast du alles vergessen.
Ross: Wie bitte?
Monica: Soll ich dir was sagen? Ich finde, dass sie ein ganz faszinierender Mensch ist. Was sie alles macht, ist absolut unglaublich.
Ross: Oh ja, das hast du prima formuliert. Unglaublich würd' ich das auch nennen.


Auch dies schrieb ich bereits mehrmals: Wiederholungen soll man stets mitübersetzen, denn die stehen nicht ohne Grund im Drehbuch. Besonders peinlich an dieser Szene ist, dass nach Ross' erstem Satz in der deutschen Fassung ein Publikumslachen eingespielt wurde, obwohl darin nun nicht mehr die Spur eines Witzes vorhanden ist. Und wieso man den Gag mit der Cheerleaderin entfernt hat, ist mir schleierhaft.

12:57

Joey: (entering) You know there already is a Joseph Stalin?
Chandler: You're kidding.
Joey: Apparently he was this Russian dictator who slaughtered all these people. You'd think you would've known that!
Chandler: Y'know, you'd think I would've.
Joey: Phoebe. Whaddyou think a good stage name for me would be?
Phoebe: ...Flame Boy.


Joey: Chandler, weiß du was? Es gibt schon einen Albert Einstein.
Chandler: Das ist doch nicht dein Ernst!?
Joey: Albert Einstein war ein deutscher Wissenschaftler, der irgend so eine Theorie ins Leben gerufen hat. Hast du das denn gar nicht gewusst?
Chandler: Also das ist mir relativ neu.
Joey: Phoebe, fällt dir nicht ein guter Künstlername für mich ein?
Phoebe: Ähmm ... Walter Matthau!


Falls Chandlers "relativ neu" ein beabsichtigter Scherz ist, erkenne ich das an. Aber den "Flame Boy" durch den Namen eines x-beliebigen bekannten Schauspielers zu ersetzen, ist sehr einfallslos. Die deutschsprachigen Zuschauer müssen ja nur Schlechtes von den Autoren denken ...

17:59

Fake Monica: There's nothing to wonder about, Monica. You're gonna go back to being exactly who you were, because that's who you are.
Monica: Not necessarily...
Fake Monica: Yes necessarily! I mean, I dunno what it is, maybe it's the Amish thing.
Monica: Um, I'm not actually Amish.
Fake Monica: Really? Then why are you like that?


Fake Monica: Das ist doch gar keine Frage, meine liebe Monica. Du wirst wieder genau der Mensch sein, der du bist und da neu anfangen, wo du aufgehört hast.
Monica: Nein, das kann ich nicht.
Fake Monica: Natürlich kannst du das. Ich kapier' einfach nicht, wieso ihr immer an euch zweifelt, ihr Holländer.
Monica: Mh, ich bin keine Holländerin, ich hab gelogen.
Fake Monica: Wirklich? Aber du könntest eine sein.


Spätestens hier rächt sich der Ersatz von Amish mit Holländern. Was bitte soll denn an Monica typisch holländisch sein? Das Aussehen ist es jedenfalls nicht. Es geht doch um Monicas konservative Einstellungen, die schon in vorigen Episoden zum Vorschein kamen.

21:25

Casting Director: Next. (Joey walks onstage)
Joey: Hi, uh, I'll be reading for the role of Mercutio.
Casting Director No. 2: Name?
Joey: Holden McGroin.


Castingtyp: Der Nächste!
Joey: Hi, ich möchte für den Mercutio vorsprechen, wenn's recht ist.
Castingtyp: Sie heißen?
Joey: Joe Hamlet.

Zugegeben: Sehr originell ist der ursprüngliche Gag auch nicht, aber "Joe Hamlet"? Really?

So, das war schon mal recht interessant. Seien Sie gespannt auf die nächste Analyse einer Friends-Episode!

Dienstag, 23. Februar 2010

Friends - Teil 1.1

Die Sitcom Friends lief von 1994 bis 2004 auf NBC und war zu Recht eine der erfolgreichsten und beliebtesten Serien in dieser Zeit. Seit kurzem ist bei amazon.co.uk das komplette Box-Set für relativ wenig Geld zu haben. Ich habe es mir gekauft und mich gefragt, wie die Serie wohl auf Deutsch "funktioniert". Also habe ich mir eine Folge (die mir auch ein wenig knifflig erschien) rausgesucht und auf Deutsch geschaut. Mein Beileid allen, die sich das zehn Staffeln lang angetan haben! Nicht nur, dass die Stimmen unter aller Sau sind (insbesondere die deutsche Jennifer Aniston klingt zum Würgen), es wurden auch mit schöner Regelmäßigkeit komplette Gags versemmelt. Die Cutter haben dabei stets an den Stellen mit den ursprünglichen Witzen laugh tracks eingespielt, so dass man sich als Zuschauer fragt "Hä, was war denn daran jetzt komisch?"
Hier also die Analyse von S01E21 - The One with the Fake Monica (mm:ss).

00:57
Marcel, der Affe von Ross, ist in Rachels Zimmer und "bespringt" ihren Teddy.

Rachel: (off) Stop it! Marcel! Bad monkey!
Ross: What?
Rachel: Let's just say my Curious George doll is no longer curious.

Rachel: (off) Loslassen, Marcel! Och, ich hasse diesen Affen!
Ross: Was ist denn?
Rachel: Er hat sich tatsächlich auf meinen Teddy gestürzt, und der war noch nicht aufgeklärt.

02:41
Eine Frau hat Monicas Kreditkarte geklaut. Bei der Abrechnung findet Monica heraus, dass die Identitätsdiebin ein viel interessanteres Leben führt.

Monica: This is so unfair! She's got everything I want, and she doesn't have my mother.

Monica: Das ist ungerecht, finde ich. Ja, sie macht, was sie will, ohne danach zu fragen, was meine Mutter davon hält.

Hier stimmt gar nix mehr. Was hat Monicas Mutter mit einer völlig fremden Frau zu tun?

03:17
Joey braucht einen Künstlernamen.

Chandler: Joe...Joe...Joe...Stalin?
Joey: Stalin...Stalin...do I know that name? It sounds familiar.
Chandler: Well, it does not ring a bell with me...
Joey: (Writes it down) Joe Stalin. Y'know, that's pretty good.
Chandler: Might wanna try Joseph.
Joey: Joseph Stalin. I think you'd remember that!

Chandler: Joe … Joe … Joe … Einstein!
Joey: Einstein ... Einstein, woher kenn' ich den Namen, der kommt mir so bekannt vor.
Chandler: Wirklich? Ich hör' den Namen zum ersten Mal.
Joey: Joey Einstein. Mh, der gefällt mir sehr gut.
Chandler: Und statt Joe vielleicht "Albert".
Joey: Ja, Albert Einstein. Den Namen merkt man sich.

Offenbar war der ursprüngliche Gag den Übersetzern zu heikel. Der Schritt von Joe zu Albert ist natürlich kaum nachzuvollziehen.

06:30
Beim Stepptanzkurs. Monica hat keine Partnerin gefunden.

Teacher: Well that's all right, you can come up to the front and dance with me.
Monica: Why don't I just take off my clothes and have a nightmare.

Lehrerin: Das ist doch halb so wild, du kannst mit mir tanzen. Los, komm her!
Monica: Ich könnte ja auch wieder gehen und mir sagen, das war alles nur ein Traum.

Schon klar, die deutschen Zuschauer verstehen keinen Sarkasmus ...

06:53
Monica trifft die Frau, die ihre Identität geklaut hat.

Woman: Hi. I'm Monica.
Monica: Oh. Monica! ...Hi. I'm Mo- ...nana.
Woman: (Fake Monica) Monana?
Monica: Yeah. It's Dutch.
Fake Monica: You're kidding! I-I spent three years in Amsterdam. (Asks her something in Dutch)
Monica: Um, Pennsylvania Dutch.

Frau: Hi. Ich heiße Monica.
Monica: Oh ... Monica! Ich heiße Mo- ..nana.
Frau: Monana?
Monica: Ja. Das ist holländisch.
Frau: Ach wirklich? Also, ich hab drei Jahre in Amsterdam gelebt. (fragt etwas auf Niederländisch)
Monica: Ich hab holländische Eltern.

Dazu später mehr ...

Freitag, 19. Februar 2010

Filmtitel VII

Nach dem wortreichen vorigen Beitrag nun wieder ein kleines Listen-Update hübscher deutscher Filmtitel. Entnommen sind sie dem genannten Buch von W. Maier sowie der Zeitschrift CINEMA, die in der letzten Ausgabe ein "Spaßlexikon" (als neue Rubrik?) enthielt.

  • Dragnet --> Schlappe Bullen beißen nicht
  • Jersey Girl --> Love Crash
  • Midnight Man --> Maximum Force Part 2 - Deadly Connection
  • Let's Make Love --> Machen wir's in Liebe
  • Les Femmes d'Abord --> Eddie krault nur kesse Katzen
  • Caught in the Act --> Mystery Act
  • K9 --> Mein Partner mit der kalten Schnauze
  • Black Eagle --> Red Eagle
  • I Lunghi Giorni dell'Odio --> Seine Winchester pfeift das Lied vom Tod
  • Weird Science --> L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn
  • Wise Guys --> Zwei Superpflaumen in der Unterwelt
  • Up the Creek --> Das turbogeile Gummiboot

Montag, 15. Februar 2010

Filmtitel VI

Wolfgang Maier hat in seinem Buch Spielfilmsynchronisation (Frankfurt a.M. et al.: Peter Lang 1997) ein ganzes Kapitel dem Problem des Übersetzens von Filmtiteln gewidmet. Für alle Möglichkeiten bietet er schlüssige Erklärungen. Wird der Originaltitel beibehalten, weil es sich um einen (bekannten) Eigennamen handelt, hat dies den Vorteil, dass "durch die internationale Presse der Film möglicherweise schon vor einem Deutschlandstart aufgrund des einprägsamen kurzen proper name bekannt ist; das macht das Publikum neugierig" (S. 75). Nach der "Allemanitis" der 50er/60er Jahre, wo man jeden englischen Titel (mitunter krampfhaft und misslungen) eindeutschte, begann die bis heute anhaltende Phase, in der auch unverständliche Filmtitel beibehalten werden. "Anscheinend liegen die Wurzeln darin vergraben, daß die Werbestrategen dem potentiellen Käufer/Zuschauer weiszumachen versuchen, bloß was 'neu' ist, sei 'gut'" (S. 79). Und weiter: "'Jurassic Park' hätte in den fünfziger Jahren wohl 'Panik im Dinosaurier-Park' geheißen." Die Englisch-Kompetenz des heutigen Publikums [= dem von 1997] sei jedoch nicht besser als die des Publikums von damals (diese Aussage stimmt heute, 2010, m.M.n. nicht mehr); "wichtig bleibt alleine der Erkennungseffekt der für manche inhaltslos gewordenen englischen Titel." (S. 80)
Sehr unterhaltsam sind die Ausführungen zu nicht am Original angelehnten Filmtiteln. Die schärfsten Schoten entstanden in der Trash-Horror-Welle der späten 60er bis 80er Jahre, als man das Publikum mit Titeln über "gefolterte Jungfrauen" und "gequälte Hexen" ködern wollte. The Haunted Palace (basierend auf H.P. Lovecrafts Erzählung Der Fall Charles Dexter Ward, ulkigerweise aber vermarktet als "based on a story by Edgar Allan Poe") wurde in Deutschland zu - festhalten! - "Die Folterkammer des Hexenjägers". Ein weiteres Highlight (S. 89f.):

"Nehmen wir Jean Rollins Öko-Thriller 'Les Raisins de la Mort' [...] was machte der deutsche 'A.B.'-Filmverleih daraus? Man möchte es nicht glauben, aber bei uns werden 'Die Trauben des Todes' zur 'Foltermühle der gefangenen Frauen'. Was sich der Verleiher unter einer 'Foltermühle' vorstellt, sei dahingestellt, jedenfalls kommt in diesem Film keine vor, ebensowenig wie 'gefangene Frauen'. Dem Titel entsprechend war übrigens auch die Graphik des deutschen Filmplakats ausgerichtet: Halbnackte, angekettete Mädchen (die im Film natürlich überhaupt nicht vorkommen) und grausig aussehende Totenköpfe, und als Slogan auf dem Poster die Aufschrift 'Zombie G.m.b.H. & Co. in Action' (sic!). Aber selbst so ein idiotischer Titel [...] kann noch übertroffen werden: Auf Video hieß derselbe Streifen nämlich 'Zombis geschändete Frauen' (man achte auf die Orthographie!), was zur Folge hatte, daß er umgehend indiziert wurde [...] Der Dumme ist in jedem Falle der Zuschauer: diejenigen, die wirklich 'gefangene', 'geschändete' oder 'gefolterte' Mädchen erwarten, werden enttäuscht, und die 'ernsthaften' Kinogänger müssen sich unweigerlich genieren, wenn sie an der Kinokasse eine Karte für 'Foltermühle der gefangenen Frauen' lösen [...] [D]as (übrigens minderwertige) deutsche Bauerndrama 'Das Mädchen vom Hof' versuchte man im Zuge der Horrorwelle als 'Die Totenschmecker' besser verkaufen zu können, und schließlich endete das Machwerk als 'Der Irre vom Zombiehof'."
Faszinierend sind auch die Versuche, Geld mit getürkten Franchises aufgrund früherer Erfolgsfilme zu machen:

"Man denke nur an die von Sergio Corbucci 1966 geschaffene Figur des 'Django'. Der Name wird auch heute noch gleichgesetzt mit dem Helden der Spaghetti-Western, und so fanden sich in Deutschland nicht weniger als 50 Filme, die sich des populären Namens der Kultfigur zu eigen machten. Doch wieviele 'echte' Django-Filme gibt es eigentlich wirklich? Die Antwort ist einfach: nur einen, eben den von Corbucci inszenierten. Alle anderen Produktionen, die sich daran anlehnen, haben mit dem eigentlichen 'Django' überhaupt nichts zu tun. Und trotzdem brach bald darauf eine wahre 'Django'-Flut über die bundesdeutschen Kinos herein [...]: Die Vorstellung 'Django spricht das Nachtgebet' steht in krassem Widerspruch zu 'Django spricht kein Vaterunser', ja die Palette reicht sogar bis hin zu 'Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill'."


Samstag, 30. Januar 2010

Noch ein Englisch-Fail

Es ging ja wie ein Lauffeuer durchs Internet und hernach durch die anderen Medien - Oettingers Englisch-Debakel, das ich hier nicht noch einmal verlinken möchte. Was mich an der Sache besonders traurig macht, ist der Umstand, dass hinter den Mächtigen in unserem Land fähige Mitarbeiter (ich vermute: Geisteswissenschaftler) stehen, von denen man nie etwas hören wird und die es mit noch so viel Fleiß nicht zu einem EU-Kommissarsposten bringen werden. Ein undankbarer Job! Die von Oetti gehaltene Rede ist in sich stimmig und korrekt formuliert, wenn auch manchmal (typisch deutsch) etwas sperrig. Der Schreiber gibt sich Mühe, und der Vortragende macht alles kaputt! Wenigstens legt Oettinger mit seinem Gestammel einen Offenbarungseid ab: Wer nicht einmal die Aussprache von "does", "low" oder Substantiven im Plural auf -ies beherrscht (erstes Lernjahr), kann den Text mitnichten selbst verfasst haben, ja, er weiß nicht mal, was er da eigentlich vorliest. 

Das wäre ja alles verzeihlich, wenn, ja wenn man sich dann nicht noch hinstellt und fordert, dass JEDER vom Facharbeiter bis zum Geschäftsführer in Zukunft Englisch beherrschen muss. 

Freitag, 22. Januar 2010

"Meine Mutter würde schreien."

Hui, ein neuer Beitrag!
Jawohl, das Blog lebt noch. Anlass ist folgendes Video, das in meinen Zuständigkeitsbereich fällt, über das ich aber kein Wort verlieren möchte.