Dienstag, 17. Juli 2018

Vermischtes

Wenn man im Müslimischer von Mymuesli eine Zutatenkombo erwischt, die vor einem noch niemand gewählt hat, wird einem das am Ende des Bestellvorgangs mitgeteilt.


Letztens war es wieder soweit: Als Erster überhaupt hatte ich ein Müsli kreiert, das exakt aus Dinkel-Quinoa-Crunch, Pekannüssen, Joghurt-Orangen-Crunchy, Granatapfel und Pflaumen bestand. Klingt bärenstark, hat aber einen gewaltigen Haken: Die Fruchtstückchen bleiben an den Joghurt-Crunchys kleben und bilden so schwer zu brechende Klumpen, die den morgendlichen Genuss stark eindämmen. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass euch dieselbe Kombination "gelingt": Lasst es! Und falls sich andere Zusammensetzungen ebenfalls als inkompatibel erweisen: Teilt diese Erfahrung! Wir könnten dann gemeinsam ein "Schwarzbuch der Mymuesli-Mixturen" erstellen.

Montag, 16. Juli 2018

Und nun: ein Wetter (nicht DAS Wetter!)


Als ich diesen Screenshot von der Seite wetter.de machte (auf wetter.com war Ähnliches zu sehen), goss es bereits seit Stunden wie aus Eimern. Und nein, ich hatte nicht versehentlich die Daten für einen anderen Ort abgerufen. Das ist doch nicht mehr normal! In keinem anderen Feld wird seit einiger Zeit so viel gepfuscht. Aber spräche ich Jörg Kachelmann darauf an, würde er mich garantiert als Vollidioten beschimpfen und behaupten, dass "Risiko" sich selbstverständlich nicht auf die Niederschlagswahrscheinlichkeit bezieht, anstatt zuzugeben, dass die Metereologie womöglich doch nicht viel zuverlässiger ist als Gedärmeleserei und Vogelflugdeutung.

Update: Just am heutigen Tag schreibt Molinarius im Techniktagebuch darüber, "wie schwer es offenbar ist, [...] lokal begrenzt[e] Unwetter vorherzusagen, und wie sich die Wetterdienste dabei offenbar täuschen können".

Freitag, 13. Juli 2018

Rettet den Scheinfriedhof

Der Wikipedia-Artikel "Scheinfriedhof" (absichtlich nicht verlinkt) "ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt", wie es bedrohlich ebendort heißt. Der vorangestellten Warnung folgt ein Text, der zu interessant ist, um ihn in einer digitalen Gruft verschwinden zu lassen, weswegen ich ihn hier herüberrette.
Der Scheinfriedhof ist ein selten verwendetes Gestaltungselement der Gartenkunst. Es handelt sich um einen Platz unechter Gräber oder Grabsteine innerhalb einer Gartenanlage oder eines Parks. Der Scheinfriedhof dient also nicht der Bestattung von Toten. Er ist zu unterscheiden vom Ehrenfriedhof und Ehrenhain. Ein einzelnes Scheingrab heißt Kenotaph.
Der Scheinfriedhof zählt zu den stimmungsschaffenden Elementen im Rahmen aufklärerischer oder romantischer Gartenschöpfungen. Die Grabdenkmale können bestimmten Persönlichkeiten gewidmet sein, sie können aber auch namenlos oder mit fingierten Namen versehen sein. Der Scheinfriedhof dient der Schaffung einer feierlichen Stimmung, die dem Besucher die Vergänglichkeit menschlichen Lebens vermitteln soll, und soll als Vanitas-Symbol verstanden werden. Die Lage auf einer Insel inmitten eines ruhigen Gewässers steigert das Gefühl von Erhabenheit und Einsamkeit.
Beispiele für Scheinfriedhöfe finden sich im Irrhain in Kraftshof bei Nürnberg und im Parc del Laberint (Fals cementiri) in Barcelona. Auch die Rousseau-Inseln können aufgrund der landschaftlichen Gestaltung hier eingeordnet werden.
Vielleicht verfügt ja jemand von euch über genug Wissen und/oder Recherchedrang, um den Beitrag zu verbessern und so vor der Löschung zu bewahren.

Mittwoch, 11. Juli 2018

Kurz notiert: Schneller herzen

Seit beinahe zweieinhalb Jahren habe ich die Instagram-App auf meinem Telefon installiert, und erst letzte Woche habe ich, indem ich jemand anderem aufs Display schielte, gelernt, wie man viel einfacher und rascher einen Beitrag liken kann. Statt – wie ich es bis dahin getan hatte – auf das winzige Herz-Icon zu tüpfeln, kann man zweimal kurz hintereinander auf das zu favorisierende Bild tippen! Wie lange es jetzt wohl dauert, bis mir diese Technik in Fleisch und Blut übergegangen ist?

Montag, 9. Juli 2018

Gut Wink will Weile haben

Kurz nach meinem letzten "Facebook und Sprache"-Beitrag fällt mir schon wieder etwas auf: Benutzen zwei Chattende die wozu auch immer gut seiende Winke-Funktion, erscheint im Chatfenster folgende Meldung:


Aber hier will ich nachsichtig sein. Neben dem korrekten Partizip gewinkt akzeptiert selbst der Duden inzwischen die Form gewunken, versieht sie gar mit dem Prädikat "häufig". Ein doppelt bemerkenswerter Prozess vollzieht sich hier. Zum einen wandelt sich ein Verb vom schwachen zum starken – üblich ist das Gegenteil (backte statt buk; schaffte statt schuf; in einem Seminar, an dem ich teilnahm, fiel sogar einmal der Übersetzungsvorschlag "er schwörte" und niemand nahm daran Anstoß). Zum anderen hat die "Stärkung" noch nicht das gesamte Paradigma erfasst: Anders als bei backen, schaffen et al. hat die alternative Konjugation von winken beim Partizip II begonnen und sich vorerst darauf beschränkt. An das Präteritum "wank" (analog zu sank und stank) hat sich noch niemand herangewagt.

Kennt eigentlich noch jemand "Gruscheln"?

Freitag, 6. Juli 2018

Sommerdrinktrend 2018: Kochtails

Michele Heinrich, deutscher Bartender des Jahres 2017, hat der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Interview gegeben ("[Der Long Island Iced Tea] ist unserer Meinung nach kein Cocktail, der wirklich schmeckt, sondern einfach was, mit dem man sich volllaufen lassen kann.") und fünf Cocktailrezepte vorgestellt. In der Hoffnung, einen oder mehrere davon vielleicht mal selbst zu mixen, las ich mir alle aufmerksam durch. Die Zutatenlisten waren nicht gänzlich unzumutbar (wobei ich bis dahin weder Verjus noch Falernum kannte), aber die Zubereitung ...

Das erste Rezept, "Louies Highball", beginnt so: "Kurkuma und Kardamom-Kapseln mit Bourbon bei 72 Grad für 90 Minuten im Sous-vide-Bad kochen." Ooooookay. Lieber weiter mit dem "Joyce Punch": "Bananen mit 1l Bourbon bei 75 Grad für 90 Minuten im Sous-vide-Bad ziehen lassen. Petersilie mit 1l Bourbon bei 52 Grad für 99 Minuten im Sous-vide-Bad ziehen lassen." Hm. Was ist mit dem "Flamboyant Redhead Punch"? "Estragon mit Salbei und Gin für 90 Minuten bei 52 Grad im Sous-vide-Bad infusionieren." Next: "Pete Parsley". "Gin mit Petersilienwurzel bei 72 Grad 90 Minuten im Sous-vide-Bad ziehen lassen." Zu guter Letzt der "Bruno": "Tonkabohnen mit Granatapfelkernen und Bourbon für 90 Minuten bei 72 Grad im Sous-vide-Bad ziehen lassen." Weitere Arbeitsschritte der verschiedenen Rezepturen beinhalten Trauben mit Zucker vakuumieren, Traubenmatsch zwei bis drei Tage ruhen lassen, doppeltes Abseihen sowie eine Zuckermasse aufkochen.

Nennt mich altmodisch, aber bei sommerlichen Getränken gelten für mich zwei Regeln: 1. Die Zubereitungszeit sollte die Konsumierzeit nicht überschreiten; 2. Es sollte niemals erforderlich sein, Dinge zu erwärmen, geschweige denn zu garen. Kosten würde ich die genannten Cocktails dennoch gerne.

Dienstag, 3. Juli 2018

Süß: Kartoffelkrapfen

Ich würde mich gerne mal in einem Rundumschlag so richtig auskotzen über die ganzen entsetzlichen Menschen, die mittlerweile fast jede Nacht dafür sorgen, dass ich vor Wut kaum einschlafen kann, von Trump über Seehofer über Alphonso bis Lewitscharoff und Poschardt undundund. Aber ich flüchte mich lieber in Lebensmittelrezensionen, Smiley!


Die neuen Sweet Potato Churros der in Sachen Mexican food bewährten Marke Fuego überzeugen mich nur bedingt, was vielleicht daran liegt, dass ich weder einen Airfryer noch eine echte Friteuse besitze. Im Backofen geraten die Krapfenartigen – wie übrigens auch Süßkartoffelpommes – jedenfalls nicht so bissfest, wie ich es mir gewünscht hätte, gehen eher in Richtung pappig-mehlig. Zudem weiß man nicht, ob man sie herzhaft oder süß genießen soll. Einerseits empfiehlt die Verpackung das Dippen der Churros in Nacho-Salsa, andererseits möchte man das Fettgebäck ganz klassisch mit Puderzucker bestreuen. Ich habe beides probiert, und beides funktioniert nur so halb. Außerdem beinhaltet eine Tüte zu viel für eine Person, aber zu wenig für zwei. Nach dem Verzehr fühlte ich mich einigermaßen schlecht. Da hätte ich mich ja gleich mit den ganzen entsetzlichen Menschen wie Spahn und Dobrindt und von Storch und von Uslar und Reichelt undundund befassen können!
4/10 


Sonntag, 1. Juli 2018

Kleines TMNT-Update

Erinnert ihr euch noch an das von xkcd erfundene Spiel "Wikipedia-Artikelnamen mit zur Teenage-Mutant-Ninja-Turtles-Titelmelodie singbarem Betonungsschema finden"? Nein? Macht nichts. Auch ich hatte ewig nicht daran gedacht, bis ich vergangene Woche dieses Blatt aus dem guten Manufactum-Apfelkalender in der Hand hielt:


"Weißer Sommer Taubenapfel / Weißer Sommer Taubenapfel" ertönte noch stundenlang als Variation des TMNT-Themes in meinem Hirnkastl. Einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat diese Apfelsorte leider nicht. Wohl aber das ebenfalls ins Muster passende Lied "Kleine weiße Friedenstaube" – für mich übrigens die heimliche Nationalhymne der DDR.

Samstag, 30. Juni 2018

Ordnungsgemäß verwendete Wörter

Dieser Hinweis wurde zwar nicht mir angezeigt, sondern jemand anderem, der ihn daraufhin screenshottete und öffentlich teilte, aber er ist echt:


Ich selbst bekam dies zu Gesicht:


Die alte "scheinbar"/"anscheinend"-Verwechslung, im Jahr 2018 und bei einem der bedeutendsten Unternehmen auf dem Erdenrund! Was machen eigentlich die unzähligen Angestellten den ganzen Tag? 

Ich möchte nicht kritteln, ich stelle nur Dinge fest. Zum Beispiel stelle ich fest, dass Facebook Seitenbetreibende nicht länger mit "Bewerbe Beitrag xy für 9 €" ermuntert, sondern mit "Bewirb". Gut.

Zuvor in diesem Blog: 

Donnerstag, 28. Juni 2018

Jack in the box

Preisfrage: Was esse ich hier?


Gulasch, oder? Das kann nur Gulasch sein! Hier ein Detailausschnitt:


Ich zumindest wäre mir, hätte man mir das Gericht ohne weitere Angaben vorgesetzt, sehr sicher gewesen, es mit einem ganz normalen – wenn auch extrazarten – Rindsgulasch zu tun zu haben. Doch nein! Es handelt sich um den neuesten Trend in der Veggieküche: 


Die Frucht des in Südwestindien heimischen Jackfruchtbaums (Artocarpus heterophyllus) "hat das Aussehen und die Textur von Fleisch" (Zitat Verpackungsrückseite) und eignet sich daher hervorragend als Basis für Fertigmahlzeiten wie das hier abgebildete, welches ich letzte Woche bei Rewe entdeckte. Es gab die Geschmacksrichtungen Curry, Teriyaki und natur, und ich entschied mich für Teriyaki, denn wann kommt einem schon mal ein fleischloses Teriyaki-Gericht unter? Die Sorte "natur" empfiehlt sich als gute Grundlage für individuelle Verfeinerungen, denn der Eigengeschmack der Jackfrucht wird mit "neutral" beschrieben. Die Konsistenz und die Faserigkeit haben mich wie gesagt ehrlich verblüfft und mir das Mundgefühl von echtem verarbeiteten Tier beschert (nicht dass ich darauf stehen würde), einzig das Fehlen von Knorpeln und Fetteinlagerungen (Dinge, auf die ich gerne verzichten kann) machte mir klar, dass ich um eine vegane Alternative verspeiste. Irre!

Der 200-Gramm-Beutel wird im Wasserbad erhitzt, man kann den Inhalt aber auch in der Pfanne anbraten. Eine Portion kostet 3,99 €. Hersteller ist das auf Reis spezialisierte Berliner Lebensmittelunternehmen Lotao.

Samstag, 23. Juni 2018

Wanderer, kommst du nach Hessen ...

Die Rubrik "Ausflug am Wochenende" in der Freitags-FAZ ist Gold wert! Wo es in einer normalen Wegbeschreibung heißen würde "Gehen Sie geradeaus dem Bach entlang bis zu einem roten Gebäude, dann biegen Sie rechts ab und folgen Sie dem Wegweiser nach Falkenstein", steht bei Thomas F. Klein, dem 77jährigen Verantwortlichen der Glosse:
"Fast alle Wanderzeichen weisen ins Urselbachtal. Deshalb muss keines hervorgehoben werden. Ausgangs der Partie durch das zunächst offenere Terrain und dem kurzzeitigen Wechsel auf die – in Gehrichtung – rechte Bachseite vor einem roten Gebäude heißt es ohnedies ab der Rückkehr über den Holzsteg vorerst ohne Markierung weiterlaufen, wenn wir uns gegenüber nach 'Falkenstein' einreihen."
Man liest solche Passagen vier-, fünfmal, und wenn man ungefähr zu ahnen glaubt, was gemeint ist, wird man von (bei dieser Textsorte besonders "sinnvollen") Zeitsprüngen überrascht ("Dieser [schwarze Punkt] wird auch relevant, nachdem es vorerst geradeaus weiterging"), wird von "zwar"-Sätzen, denen kein "aber" folgt, irre gemacht oder findet sich beim gedanklichen Skizzieren von Aussagen wieder wie "Ab dem nahen Felsklotz ist allein der Punkt links über ein Pfädchen maßgeblich, das sich auch nach Kreuzen des von den Abkürzenden benutzten Weges fortsetzt". Das Wort "hinan" spielt auch oft eine Rolle.
Am Ende tut einem der Schädel mehr weh als die Waden. Trotzdem isses immer wieder schön.


Donnerstag, 21. Juni 2018

Corny jokes

Nicht nur gibt es heute alle möglichen Mainstream-Süßigkeiten als Getränk, auch jedes denkbare Schokoprodukt, von Bounty bis Teasers, existiert inzwischen in Brotaufstrichform. Gut! Corny – auf Wikipedia leicht höhnisch "als Müsliriegel beworbenes Produkt" genannt – bringt seit neuestem zwei Aufstriche heraus: Schokocreme mit Getreidecrispies und Milchcreme mit Banane, Schoko & Getreidecrispies. Sie nennen sich "Crunchy" und sind genau das, was man sich darunter vorstellt, nämlich die zu einer streichfähigen Masse verrührten Knusperriegel. Beide Sorten finde ich eigentlich langweilig, vor allem bin ich nicht unbedingt Bananenfan. Dennoch: Alle paar Tage auf einer Brötchenhälfte genossen, bildet "Crunchy" eine willkommene Abwechslung. Die Zutatenliste offenbart nichts allzu Verwerfliches. 7/10


Mittwoch, 13. Juni 2018

Der tägliche Augenverdreher


Es wirkt heute drollig, was dem Journalismus der 1960er als "ungleiches Paar" erschienen ist -- ach nee, halt! Der Artikel ist aus dem Jahr 2018.

Montag, 11. Juni 2018

Faszinierende Insel: Hans

Die Hans-Insel – englisch Hans Island, dänisch Hans Ø, grönländisch Tartupaluk ("nierenförmig") – ist eine unbewohnte Insel bzw. ein aus dem Meer ragender "Hügel" (auf der englischsprachigen Wikipedia ist von "knoll" die Rede) im Kennedy-Kanal. Der Kennedy-Kanal verläuft zwischen der kanadischen Insel Ellesmere* und dem nordgrönländischen Washington-Land, und die Hans-Insel hat nun das "Glück", ziemlich genau in seiner Mitte und in der Zwölfmeilenzone von sowohl Kanada als auch Grönland (und damit Dänemark) zu liegen. Da ist ein permanenter Disput zwischen beiden Nationen natürlich programmiert. Der Mensch streitet halt gern, auch um unfruchtbare Gesteinsbrocken im Eismeer. Der Ständige Internationale Gerichtshof in Den Haag hat 1933 zugunsten Dänemarks entschieden. Das hat Kanada nicht davon abgehalten, seitdem Surveys verschiedener Art durchzuführen. In den 1970ern sollte dann ein für alle Mal Klarheit geschaffen werden, in Form einer definitiven Grenzfestlegung. Die strenge gedachte Linie, die durch den Kennedy-Kanal "fließt", schneidet die Hans-Insel in zwei Teile, darin war man sich einig. Doch eine gültige Vereinbarung verschob man (wahrscheinlich aus Faulheit – neben Streitlust eine andere allzu menschliche Eigenschaft) ... und hat man bis heute nicht getroffen. Man hätte natürlich eine Grenze durch die Insel hindurch ziehen und sie (à la Usedom und Hispaniola) zu einem Eiland mit zwei Staatsgebieten machen können. Auch hätte man sie zu einem Kondominium erklären können: ein Territorium, über das zwei Herrschaftsträger entweder abwechselnd oder gleichzeitig gebieten. Das wurde erst 2015 von Gelehrten vorgeschlagen. Aber nein, stattdessen hat sich seit 1984 eine inoffizielle und, wie ich finde, sehr sympathische "Zwischen"-Lösung etabliert: In unregelmäßigen Abständen besucht eine Abordnung eines der beiden Länder das Inselchen, hisst die jeweilige Flagge und hinterlässt darunter eine einheimische Spirituose. Darüber, wer damit angefangen hat, sind sich die Quellen uneins: Der New York Times zufolge war es Kanada mit einer Flasche Whisky, laut Business Insider (sich auf CBC beziehend) Dänemark mit einer Flasche Brandy. Heute sind wohl Canadian Club und dänischer Schnaps die Hoheitszeichen der Wahl. Ansonsten passiert auf dem 1,25 km² großen Felsen nicht viel.

Toubletap, Wikipedia, CC BY-SA 3.0

* Ob der Name der Insel Elsweyr aus den "Elder Scrolls" darauf anspielt? Von der Lage und der Klimazone her ist diese allerdings das glatte Gegenteil von Ellesmere.

Donnerstag, 7. Juni 2018

Meine Vorstellung von Luxus

Wann immer ich als junger Mensch in den Genuss einer Cocktailkirsche kam, sagte ich mir: "Oh Mann, irgendwann werde ich mir ein Glas kaufen, in dem nichts anderes drin ist als Cocktailkirschen – falls es so etwas gibt –, und es in einer einzigen Sitzung verputzen!" Schon die in Mengen von <2 in Dosenobstsalaten versteckten Kaiserkirschen übten einen ungeheuren Reiz auf mich aus: Etwas, das so selten und unerhört schmackhaft ist, muss irre teuer sein! Nun gut, Kaiserkirschen im Glas fand ich alsbald zum nicht besonders hohen Preis in einem beliebigen einheimischen Supermarkt; damit war der Zauber passé. Auf die knackigen, marmornen Kirschen, die als Garnitur in etlichen alkoholischen Mixgetränken zu finden sind, stieß ich jedoch nie und nirgends.

Letzte Woche musste ich aus heiterem Himmel daran denken, suchte kurz im Netz und wurde (natürlich in jenem mit A beginnenden großen Onlineversandhaus) fündig. 13,95 € für 400 Gramm – so eine "Hausnummer" hatte ich vermutet. Aber jetzt kann ich es mir ja leisten! Also bestellte ich ein Glas. Beim Naschen der (entgegen der Tradition nicht alkoholischen, da nicht in Maraska-Kirschlikör eingelegten) Früchte packte mich noch eine Erinnerung. Wann immer ich als junger Mensch in den Genuss von Amaretti kam (etwa weil sie mir jemand, der einen Espresso bestellt hatte, spendete), sagte ich mir: "Oh Mann, irgendwann werde ich mir eine Tüte kaufen, in der nichts anderes drin ist als Amaretti – falls es so etwas gibt –, und sie in einer einzigen Sitzung verputzen!" Nun fügte es sich, dass ein befreundetes Paar gerade durch Italien reiste und anfragte, ob man mir etwas mitbringen möge. Ich orderte entsprechend.


Nun befinden sich also diese zwei Produkte in meinem Haushalt, und ich komme mir vor, als hätte ich den Gipfel der Dekadenz erreicht. 😍

Dienstag, 5. Juni 2018

Man reiche mir die Wortschestersoße!

Als ich im Jahre 2014 zusammen mit einem Wanderfreund die erste Hälfte des legendären South West Coast Path entlangstiefelte, stolperten wir zwar selten über Stock und Stein, dafür aber umso häufiger über die Aussprache der britischen Ortsnamen. Während Westward Ho! zuvörderst wegen des enthaltenen Ausrufezeichens (!) faszinierte, fragten wir uns in Bideford, ob wir nun in "Beidford", "Biedford" oder "Bideford" gelandet seien. (Es war "Bidiferd".) In Bude und Ilfracombe ähnliche Verwirrung.

Dass die Spitze des Eisbergs mit diesen leicht kuriosen Küstenstädtchen beiweiten nicht erreicht ist, wurde mir erst letzte Woche klar, als ich auf Wikipedias "List of places in England with counterintuitive pronunciations" stieß (A-L, M-Z). Sicher, die Aussprachen von Reading, Thames, Cambridge und – spätestens seit dem überraschenden Meisterschaftssieg des örtlichen Fußballvereins – Leicester dürften den meisten Menschen auf der Welt geläufig sein und lassen einen irgendwie ahnen, dass in Angelland nicht alles so ist, wie es scheint. Aber angesichts der folgenden Schreib-Sprech-Inkonsistenzen schlackern einem dann doch die Ohren:


Sowohl beruhigend als auch ein bisschen schade ist, dass Einheimische in einigen Fällen zur intuitiven Aussprache übergehen bzw. in jüngerer Vergangenheit übergegangen sind:


Ich finde, in Deutschland sollte es auch solche Verrücktheiten geben. Eltville und Troisdorf schön und gut, aber da geht doch noch mehr: "'Villingen-Schwenningen'? Das heißt 'Vilschen'!"

Freitag, 1. Juni 2018

Wie süß ist das denn?! (Teil 5)

Acht Süßstoffe sind derzeit in der EU nicht zugelassen. Ich möchte sie in einer kurzen Übersicht vorstellen. Der Süßkraft-Faktor gibt an, wie süß das jeweilige Süßungsmittel im Vergleich zu normalem Zucker ist (Saccharose hat demnach den Süßkraftwert 1).

5. Lugdunam
Zugelassen: nirgends
Süßkraft: 220.000 - 300.000
Lugdunam wurde erst 1996 an der Universität Lyon (lateinischer Name dieser Stadt: Lugdunum) entwickelt und ist, wie ich als absolute Chemie-Null unkritisch der Wikipedia entnehme, ein Derivat der sog. Guanidincarbonsäuren, einer Süßstoff-Familie mit extrem hohem Süßegrad. Tatsächlich kann sich Lugdunam als bisher potentester Zuckerersatz rühmen. Ob es je für den Menschen zugelassen wird, steht in den Sternen.

6. Monellin
Zugelassen in Japan
Süßkraft: 1500 - 2000/3000 (je nach Quelle)
Wie Brazzein und Thaumatin kommt Monellin als natürlicher Bestandteil in einer afrikanischen Pflanze vor, die wegen ebenjener Süße von einigen Primaten genascht wird. Es handelt sich in diesem Fall um eine Kletterpflanze mit dem englischen Namen serendipity berry. Isoliert wurde Monellin erstmals 1972 im namensgebenden Monell Chemical Senses Center Philadelphia. Leider ist Monellin geschmacklich etwas unbeständig ("slow onset of sweetness and lingering aftertaste", Wikipedia), zudem ist der Süßegrad pH-abhängig, und ab 50° C bei geringem pH-Wert geht die Süße verloren.
Warum dieses Protein in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union nicht erlaubt ist, konnte ich nicht herausfinden.

7. Pentadin
Zugelassen: nirgends
Süßkraft: 500
Pentadin ist dem Letztgenannten insofern ähnlich, als es ebenfalls aus dem Fruchtfleisch einer afrikanischen Kletterpflanze isoliert wird, und zwar aus derselben wie Brazzein, der "Vergessenspflanze" Oubli.
Bzgl. gesundheitlicher Bedenken scheinen auch hier keine aussagekräftigen Studien vorzuliegen.

8. Ultrasüß (5-Nitro-2-propoxyanilin)
Zugelassen "in einigen europäischen Ländern" (Stand 2010)
Süßkraft: je nach Angabe 1000, 3100 - 3300 oder 4000 (daher auch als P-4000 bekannt)
Bedenklichkeit: Die 1940 entdeckte Verbindung 5-Nitro-2-propoxyanilin "war wegen toxischer Nebenwirkungen nur kurze Zeit (nach dem Zweiten Weltkrieg) in Gebrauch." (Macholz/Lewerenz: Lebensmitteltoxikologie) Auch in Amerika ist sie nicht zugelassen.

Fortsetzung (Bonustrack) folgt!

Dienstag, 29. Mai 2018

Wie süß ist das denn?! (Teil 4)

Fast drei Jahre ist es her, dass ich versprochen habe, mich mit den acht derzeit in der EU nicht zugelassenen Süßstoffen zu befassen. Ich weiß nicht, was mir damals dazwischen gekommen ist, aber ich bitte um Entschuldigung und löse das Versprechen endlich ein.
Der Süßkraft-Faktor gibt an, wie süß das jeweilige Süßungsmittel im Vergleich zu normalem Zucker ist (Saccharose hat demnach den Süßkraftwert 1).


1. Alitam
Zugelassen in Australien, China, Indonesien, Mexiko, Neuseeland und einigen südamerikanischen Staaten
Süßkraft: 2000
Bedenklichkeit: Bis jetzt wurden, u.a. laut dem Online-"Sugar and Sweetener Guide", noch keine Nebenwirkungen gefunden. Alitam hat null Kalorien und gefährdet die Zähne nicht. Zudem hat es einen geringeren Nachgeschmack als Aspartam. Lediglich nach längerer Lagerung von damit versetzten Getränken kann es "zu unerwünschten Geschmacksentwicklungen kommen" (Rosenplenter/Nöhle (Hgg.): Handbuch Süßungsmittel. B. Behr's Verlag 2007).
Gegen Alitam als Teil der Ernährung von sowohl Diabetes- als auch PKU-Patienten spricht also offenbar nichts. Die industrielle Herstellung ist allerdings kostenintensiv. Alitam wurde bereits 1979 von Pfizer entwickelt.

2. Brazzein
Zugelassen: nirgends
Süßkraft: 500 - 2000
Das Protein Brazzein wurde erst 1994 aus der afrikanischen Kletterpflanze Pentadiplandra brazzeana Baillon isoliert, nachdem man entdeckt hatte, dass sich manche Affenarten besonders gern an den Beeren von Pentadiplandra gütlich taten. Tatsächlich ist die Pflanze bei Einheimischen unter dem französischen Namen Oubli , was "vergessen" bedeutet, bekannt: "Man erzählt sich, dass Kinder, die von den Früchten essen, ihre Mütter vergessen würden, weil diese so süß seien." (Wikipedia) Bis zur Marktreife können etliche Jahre ins Land streichen. Bis jetzt sieht es aber danach aus, dass Brazzein alle Eigenschaften eines perfekten Zuckerersatzes mitbringt. "Im Falle einer erfolgreichen Markteinführung von Brazzein werden einschneidende Folgen für die traditionelle Zuckerindustrie erwartet." (Wikipedia)

3. Dulcin
Zugelassen: nirgends mehr
Süßkraft: ca. 250 
Dulcin war nach Saccharin der zweite synthetische Süßstoff überhaupt, 1883 entdeckt von einem polnischen Chemiker mit dem herrlichen Namen Józef Berlinerblau. Wie schon bei Saccharin wurde die Zulassung von Dulcin in Deutschland mit dem akuten Mangel an Zucker im Reich gerechtfertigt. Entsprechend kippte der Bundesrat 1916 das bis dahin bestehende Verbot der Herstellung künstlicher Süßstoffe. In einem Begleitgutachten wird vermerkt, dass mit Dulcin gefütterte Kaninchen zwar "etwas dünnere[n] Kot" aufwiesen, Menschen jedoch "keinerlei unangenehme Wirkungen des Dulcins wahrnehmen" konnten. Im 57. Band der "Arbeiten aus dem Reichsgesundheitsamte" von 1926 ist dann zu lesen, dass "kleine Gaben" an Katzen "längere Zeit ohne Schaden verabreicht werden konnten, daß größere Mengen (1,0 bis 2,0 g für ein Tier)" aber "sofort Speichelfluß, Übelkeit, Erbrechen und teilweise Durchfälle, nach 1/2 Stunde deutliche Narkose veranlaßten. Bei wiederholter Zufuhr solcher Gaben starben die Katzen an Gehirnerscheinungen." Was die Versuche mit Affen und Menschen zeitigten, ist leider dank Google-Bücher-Vorschau-Einschränkung nicht einsehbar, doch Experimente an Ratten bewiesen später die karzinogene Wirkung des Stoffes und führten dazu, dass er Anfang der 1950er Jahre durch die FDA vom amerikanischen Markt genommen wurde. 

4. Hernandulcin
Zugelassen: (noch) nirgendwo
Süßkraft: ca. 1000
Bedenklichkeit: Studien, die konkrete gesundheitliche Risiken für den Menschen nahelegen, konnte ich nicht finden; erste Tests an Ratten fielen hinsichtlich Toxizität positiv (i.S.v. "gut") aus, vermeldete der New Scientist bereits 1986. Jedoch enthält die Pflanze, aus der Hernandulcin isoliert wird, auch Kampfer, und dies über einen längeren Zeitraum einzunehmen, ist nachweislich gefährlich. Bei der Pflanze handelt es sich um das Aztekische Süßkraut (Lippia dulcis, aztekischTzonpelic xihuitl, "süßes Kraut"), erstmals um 1570 beschrieben von dem spanischen Arzt Francisco Hernández, nach welchem das daraus gewonnene farblose Öl benannt ist. Hernandulcin soll, wie etliche andere Zuckeralternativen, einen bitteren Beigeschmack haben, der andererseits als "minzig" beschrieben wurde, "which would make it a good candidate for oral hygiene products" (Wikipedia). Man wird sehen.

Montag, 28. Mai 2018

Erklommen, um zu bleiben


Des obligatorischen Rechtschreibunfalls und des kaputten Metrums ungeachtet (es fehlt eigentlich noch der typisch Oberhauser'sche Kommafehler): Wenn jemand die Hürden des Lebens leicht erklommen hat, wieso sollte er sich daran erinnern, wo er hergekommen ist? Offenbar hat er eine privilegierte Herkunft, dank der ihm keine Steine in den Weg gelegt worden sind. Und jetzt ist er halt immer noch privilegiert. Jemand, der sich ewig und drei Tage abstrampeln musste, um ganz oben anzukommen, läuft doch viel eher Gefahr, seine Wurzeln zu vergessen bzw. zu verleugnen. 
Die Lebensweisheiten aus dem Abreißkalender sind auch nicht mehr das, was sie nie sein wollten.

Sonntag, 27. Mai 2018

First responder

Am 11. September 2001 stand wieder einmal die Aufzeichnung einer Folge der beliebten TV-Show "Familienduell" an. Kurz vor Beginn kam jedoch die Nachricht von den Anschlägen in New York rein. Hinter den Kulissen wurde nun aufgeregt diskutiert, ob man die Sendung absagen sollte. Das Publikum war dagegen. Schließlich sprach Moderator Werner Schulze-Erdel ein Machtwort: All diese Menschen sind hierher gekommen, um ein paar Minuten unterhalten zu werden und dem Wahnsinn der Welt zu entfliehen. Dieses Recht darf ihnen der Terror nicht nehmen. Und so wurde das Programm souverän und gewohnt kurzweilig durchgezogen.
Dies erzählte Werner Schulze-Erdel ein paar Jahre später in einer Talkrunde, and I think that's beautiful.

Freitag, 25. Mai 2018

Auf in die nächste Runde!

Ich kenne Leute, die mit dem Eintreten der neuen Datenschutz-Grundverordnung ihren Blogbetrieb eingestellt haben, aus Angst, wegen unzureichender Absicherung abgemahnt zu werden! Aber nicht mit mir! Und sei dies auch the last blog standing: Nähme es jemand juristisch mit Kybersetzung auf, ich würde kämpfen bis zum Tod. Ein Kampf Davids gegen Goliath wäre dies, aber ich hätte bestimmt die Sympathie der Massen auf meiner Seite (kybersetzung.net). Oder? Oder? Ich bin doch bloß ein bedeutungsloser (wenn auch liebenswerter) Underdog im WWW! (Ich würde zudem versuchen, ein riesiges Mediending aus einer etwaigen Abmahnschlacht zu machen; ich habe Kontakte!!!)
Insgesamt sehe ich gelassen in die Zukunft. Weder verfolge ich Bereicherungs- oder Datensammelinteressen mit meinem kleinen Onlinetagebuch, noch glaube ich, dass ich in meinem (soeben upgedateten) Impressum irgendeine Klausel vergessen habe.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Lesetipp: "Das Internet muss weg"


Offenlegung: Ich habe dieses Buch bestellt, um es für die TITANIC-Humorkritik zu besprechen. Schnell wurde klar: Das ist kein Stoff für die Humorkritik, denn die erfolgreiche Netzpersonality Schlecky Silberstein hat hier kein ulkiges Surrogat ihres Blogs zusammengehauen, sondern eine kluge Bestandaufnahme des Internets vorgenommen, jenem "riesengroße[n] Schritt, von dem sie in 100 000 Jahren sagen werden: Das war die erste Zeitenwende der Menschheit." Warum und wie uns das Netz peu à peu fertigmacht, beweist Silberstein anhand der teuflischsten Mechanismen der letzten Jahre, beginnend mit der Einführung des Like-Daumens bzw. Gefällt-mir-Buttons 2009, die seiner Meinung nach den Tipping-point darstellt. Aber nicht nur um die psychischen Mahlströme, in die uns die sozialen Medien ziehen (Geständnis: Unter FOMO = "fear of missing out" leide auch ich), geht es in den 14 flott zu lesenden Kapiteln, sondern auch um weltpolitische Bedrohungen wie Fake News, Alt-right, Trollfabriken, den Arbeitsplatzkiller Automatisierung und Social bots. Der verheerenden Wahrnehmungsverzerrung von Teilen der Gesellschaft "dank" Filterblase wird ebenso Platz eingeräumt wie Onlinemobbing (Stichwort "Gamergate").
Die Spanne zwischen Manuskriptabgabe und Bucherscheinen war merklich kurz – Respekt! Trotzdem ist so ein Thema natürlich der Rasanz aktueller Entwicklungen unterworfen, und man muss es schade finden, dass der Facebook/Cambridge-Analytica-Skandal in seiner ganzen irrwitzigen Bandbreite nicht mehr berücksichtigt werden konnte. Der Abschnitt über Datensammelwut ("Wenn es nichts kostet, sind Sie das Produkt") ist übrigens der schwächste, denn der Autor macht es sich allzu einfach damit, mit dem Finger auf böse Krakenunternehmen zu zeigen, ohne die Systemfrage zu stellen.
Überhaupt sehe ich nicht alles so düster, wie es hier gezeichnet wird. Gewiss, Aspekte der Digitalisierung wie der Tod des klassischen Journalismus oder die Unfähigkeit nachwachsender Generationen, Vier-Augen-Gespräche zu führen (!), lassen einen schon die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Aber ist die Menschheit deswegen komplett verloren? Glaube ich nicht, zumal Christian Brandes (so der Klarname hinter dem Pseudonym, mit welchem ich einfach nicht warm werden mag) uns am Ende selbst ein Schlückchen Optimismus gönnt: "Mein Lieblingsszenario verneigt sich vorm Homo sapiens als endlos flexible Anpassungsmaschine: In diesem Szenario weiß jeder Mensch, wie das Internet funktioniert. Jeder Mensch versteht die Funktion seines eigenen Belohnungssystems [...,] kennt den Wert seiner Daten und versteht das System der Interaktionsanreize."
Die Lektüre der vorliegenden 271 Seiten könnte ein Anfang sein, dieses Szenario Wirklichkeit werden zu lassen.

Wer das Taschenbuch haben möchte, melde sich bitte via Kommentar. Bei mehreren Interessierten entscheidet der Nettigkeitsgrad des Kommentars.

Samstag, 12. Mai 2018

Antananariver-Cola

Mit steigender Nachfrage nach Zutaten für alkoholische Mixgetränke, allem voran für Gin Tonic mit dem gewissen Etwas, hat sich die Firma Fever-Tree in den letzten Jahren einen Namen gemacht; im Vereinigten Königreich hat sie im IV. Quartal 2017 sogar Schweppes als Marktführer im Softdrinksegment überholt. Auch in hiesigen Supermärkten ist sie inzwischen mit einer stattlichen Auswahl an – durchweg empfehlenswerten – Tonic Waters und Ginger Ales vertreten. Seit neuestem gibt es von Fever-Tree auch eine Cola, aber nicht irgendeine, sondern:


Madagascan Cola! Sie heißt so, weil sie neben Kolanuss und Gewürzen auch Vanille aus Madagaskar enthält. Man darf sich diesen (unbedingt eiskalt zu genießenden) Trank jedoch nicht so supervanillig wie die klassische "Vanilla Coke" vorstellen. Die Zitrusnoten sorgen für einen geschmacklichen Ausgleich, der ihn selbst für Cola-Verschmäher wie mich äußerst reizvoll macht. Das koffeinhaltige Erfrischungsgetränk mit "hochwertigen Rums, Bourbons und Whiskeys" zu mischen, habe ich noch nicht probiert, wird aber auf dem Etikett als "perfekt" angepriesen, und ich kann es mir gut vorstellen. 8/10 Punkte.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Words of the week

Zwei englische Wörter, die ich in den vergangenen Tagen gelernt habe, möchte ich heute unter die Lupe nehmen: fenugreek und hellebore. Man könnte sich "Fenugreek & Hellebore" gut als Nebenfiguren in einem Shakespeare-Drama vorstellen, doch handelt es sich um zwei Nutzpflanzen.

Fenugreek (Bockshornklee) ist unter anderem aus der indischen Küche bekannt, wo es methi heißt, und verweist, wie man anzunehmen geneigt ist, tatsächlich auf Griechenland. Der lateinische Name lautet Trigonella foenum-graecum; Ersteres bedeutet "kleines Dreieck", Letzteres "griechisches Heu". Fenugreek ist, wie französisch fenugrec und niederländisch fenegriek, eine Verbockshornung, Quatsch: Verballhornung des Epithetons. Im deutschen Sprachraum soll es auch die Volksetymologie Fein Gretchen geben (plattdeutsch Fine Grêt). Der Name Bockshornklee wiederum nimmt Bezug auf die Form der Samenhülsen des Gewürzes.

Ein drolliger Zufall wäre es, wenn hellebore ebenfalls irgendwas mit Griechenland zu tun hätte (Hellas?). Hat es aber nicht. Immerhin die Wortbestandteile sind altgriechisch, wobei nur das Hinterglied klar zu sein scheint: bora "Fraß". Das Erstglied wird an vielen Stellen, z.B. in der englischsprachigen Wikipedia, auf das Verb helein, "töten; verletzen" (auch "nehmen; machen") zurückgeführt, während eines der wichtigsten griechischen etymologischen Wörterbücher (Frisk) die Übersetzung "von Hirschkälbern gefressen" als "wahrscheinlich" ansetzt. In dem Fall wäre das Vorderglied ellós "Hirschkalb". Der deutsche Name des Helleborus, Nieswurz, ist leicht zu durchschauen: "Der Geruch der Inhaltsstoffe führt zu einem starken Niesreiz." (Wikipedia) Ergänzend sei das Grimmsche Wörterbuch zitiert: "deren gepulverte wurzel seit alter zeit als ein starkes niesmittel (gegen wahnsinn) gebraucht wurde und jetzt noch (wie auch in alter zeit) als heftiges brech- und purgiermittel in anwendung kommt, s. [...] Luther 1, 52a (ich darff keine niessenwurtz, hab auch nicht so grosze schnuppen, das ich das nicht rieche)".