Donnerstag, 26. April 2018

Zweierlei Wohlriechendes

1.)

Jedes Mal bekomme ich bei meinem Stammfriseur am Ende der "Behandlung" diese wunderbar zitronige Tinktur auf den Kopf geschmiert. Gestern habe ich endlich gefragt, ob ich eine Flasche davon kaufen könne. Konnte ich! Von nun an werde ich es täglich verwenden. Das türkische Wässerchen verleiht nicht nur einen viele Stunden anhaltenden Duft, es festigt das Haar auch zuverlässig, ohne es wie andere Frisurformstoffe unnatürlich zu verhärten. 

2.)

Bei dm sah ich dieses Duschgel (genauer: "2 in 1 Aromadusche & Shampoo") stehen und nahm es selbstredend mit, weil es NEU war. Es gibt noch drei andere, ebenfalls interessant aussehende und riechende Sorten, aber ich entschied mich zunächst für die herrlich erfrischende, dabei äußerst hautschmeichelnde, sanfte Nummer 02. Erst zu Hause sah ich, dass die Firma Tetesept dahintersteckt, von welcher ich meiner Erinnerung nach noch nie ein Duschbad besessen habe.

Dienstag, 24. April 2018

Filmtitel XVII

(Diesmal unter freundlicher Mitwirkung einiger Kommentatorinnen und Kommentatoren auf "Zeit online".)

The Harvest → Haus des Zorns
Centaur → Die Flügel der Menschen 
Ôtez-moi d'un Doute → Eine bretonische Liebe
La Novia del Desierto → Señora Teresas Aufbruch in ein neues Leben
Aftermath → Vendetta
Detour → To Kill a Man
In Search of Fellini → Die wunderbare Reise der Lucy
Il Decamerone Proibito → Hattu Keuschheitsgürtel muttu knabbern
I Racconti di Canterbury → Pasolinis tolldreiste Geschichten
Le Journal Érotique d'un Bûcheron → Die fröhlichen Holzfäller der nickenden Fichten
Stage Fright → Die Rote Lola
Brad's Status → Im Zweifel glücklich
7 Guardians of the Tomb → Guardians of the Tomb
You Were Never Really Here → A Beautiful Day
Only The Brave → No Way Out – Gegen die Flammen
Mission Pays Basque → Die Pariserin
C'est Quoi Cette Famille?! → Wohne lieber ungewöhnlich
Aurore → Madame Aurora und der Duft von Frühling
Bornless Ones → The Evil Ones – Die Verfluchten

Sonntag, 22. April 2018

Honig ins Maul geschmiert

Während meines halben Jahres in Neuseeland lernte ich einige kauzige Charaktere kennen. Einer davon war ein japanischer Alt-Hippie namens Abe, der mir einen der unvergesslichsten Lach-Momente meines Lebens bescherte. Freudig erregt kehrte er eines Tages von einer Shoppingtour zurück und zeigte mir voller Stolz seine neueste Erwerbung: ein rares Album der Gruppe The Platters. "Pratters!", rief er. "Pratters!" Ich sagte, dass ich mal ganz schnell aufs WC müsse, rannte ebendort hin, schloss mich ein und lachte Tränen. Warum ich das derart zum Zerreißen lustig fand, kann ich gar nicht mehr sagen – normalerweise halte ich "Falsche-Aussprache-Humor" und "Engrish-Fails" für einfallslos und dröge. Manchmal kann man seine Zwerchfellreflexe halt schwer kontrollieren.

Jedenfalls erklärte mir Abe, dass er nicht nur zum Aufstöbern popmusikalischer Kleinode regelmäßig hierher komme, sondern hauptsächlich zum Golfspielen und zum Besorgen des berühmten Manuka-Honigs, dank dem seine bald hundertjährige Mutter sich noch immer vorzüglichster Rüstigkeit erfreue. Tatsächlich wird diese neuseeländische Spezialität in der Naturheilkunde für supergesund bis antibakteriell gehalten. Ich wähle bewusst die vorsichtige Formulierung "wird für ... gehalten", denn "[d]ie Bedeutung des Methylglyoxalgehaltes" ("Methylglyoxal entsteht in der Honigwabe durch Dehydratation des im Nektar der Blüten des Manukastrauchs enthaltenen Stoffes Dihydroxyaceton") wird "kontrovers diskutiert" (Wikipedia).

Ich für meinen Teil zog nicht mal in Erwägung, mir das Zeug zu kaufen, da es mit circa 10 Euro pro Miniglas damals geradezu unerschwinglich für mich war. Und so verschwanden das Wort und der Begriff "Manuka-Honig" aus meinem aktiven und passiven Wortschatz ... bis mir letztes Jahr eine befreundete Medizinerin von Manuka-Zahnpasta vorschwärmte: Seit sie sich damit die Zähne putze, sei sie praktisch frei von Malaisen aller Art. Das musste ich nun selbst überprüfen! Ich bestellte bei Amazon einen "Manuka Health"-Dreierpack zu 26,81 € (uff!); einzelne Tuben waren zu der Zeit nicht vorrätig.


Dass in dieser Spezialsubstanz kein Fluorid drin ist, scheint mir ein gravierender Nachteil zu sein (wohl wissend, dass Fluorid selbst auch nicht unumstritten ist). Darum nehme ich sie auch nicht zur täglichen Anwendung, sondern alterniere munter mit fluoridhaltiger Wald-und-Wiesen-Pasta, vorzugsweise von Sensodyne. Als Plus ist festzuhalten, dass die 100-Gramm-Tube zusätzlich Propolis enthält, ein weiteres bienenbezogenes Wundermittel. Die Creme ist grün, hat einen interessanten Geschmack und ein eigenwilliges – nicht unangenehmes – Mundgefühl.


Neulich erreichte mich per Post eine Werbesendung des Manuka-Shops. Bestellt man dort direkt statt über Amazon, spart man ein paar Groschen und legt für einmal Zahnpasta "nur" 8,90 € hin. Ein 500-Gramm-Glas echten Manuka-Honigs kriegt man für 79,90 € und spart damit 11%. Auch Lutschbonbons gibt es. Tja, muss jeder selber wissen, ob er in diese wunderliche Welt einsteigen will. Mir ist es wie gesagt nicht gelungen, mich hundertprozentig zu committen; wer weiß, bei konsequenterer Manuka-Mundpflege wäre ich womöglich von der letzten fiesen Wintergrippe verschont geblieben. Im Südpazifik auf jeden Fall, denn dort ist Sommer, wenn in Europa Winter herrscht.

Freitag, 20. April 2018

Plane auch du Wirtschaft!

Am Mittwoch war ich zuerst bei Rewe, um ein paar Lebensmittel zu kaufen. Als ich am Regal mit der von mir gern verwendeten Zahnpasta Sensodyne Fluorid vorbeilief, wollte ich schon zugreifen, dachte aber: 'Ach, wozu? Ich gehe eh im Anschluss zu dm, hole ich sie doch dort.' Diesen Gedanken sollte ich wenig später bereuen: Im dm war Sensodyne Fluorid nicht vorrätig! Und nicht nur dort, sondern auch in einer anderen dm-Filiale ganz in der Nähe. Was für Sitten!

Mein Schimpf gilt nicht der Drogeriekette allein, denn auch im Rewe musste ich mehr als einmal erleben, dass Waren des täglichen Bedarfs einfach restlos ausverkauft waren, z.B. Kokosmilch. Wäre ich ein tumber Grantler aus der "Danke, Merkel!"-Reihe, würde ich eine Zunahme bundesweiter Lieferengpässe bei der Grundversorgung unserer Märkte imaginieren und darin ein weiteres Indiz für den Untergang Deutschlands ableiten. Naheliegender scheint mir das Übliche: Mitarbeiterabbau und infolgedessen Überforderung und Nachlässigkeit, sodass hie und da mal eine Nachbestellung versäumt wird.

Im Zuge dieser ärgerlichen Affäre habe ich übrigens gelernt, dass es sich lohnt, der Drogerie dem Supermarkt den Vorzug zu geben, wenn man Drogerieprodukte braucht: Die Tube Sensodyne war bei Rewe mit 1,99 € bepreist, während sie bei dm lediglich 1,65 € gekostet hätte (bei Tegut wiederum, wie ich vorhin sah, sogar 2,49 €)! Da ich mich um den Niedrigpreisvorteil des Einzelhandels betrogen sehe, habe ich bis jetzte aus Protest gar keine neue Zahncreme gekauft. Schließlich besitze ich noch einen höchst bemerkenswerten Ersatz, von dem ich im nächsten Beitrag erzähle ...

Mittwoch, 18. April 2018

10 Must-sees aus 100 Have-seens

Bonüschen zu gestern: Nachdem ich nun meine 100 zuletzt gesehenen Filme hier festgehalten habe, möchte ich die zehn meiner Meinung nach besten auflisten. Kuckbefehl!

  • Arrival
  • Daddy's Home
  • Dunkirk
  • Kong: Skull Island
  • Predestination
  • Rogue One: A Star Wars Story
  • The Martian
  • The Ritual
  • The Visit
  • Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
  • Zeugin der Anklage

Dienstag, 17. April 2018

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme (I/2018)

Get Out
Okay, auf seinen Schock- und Suspensefaktor reduziert ist "Get Out" formelhafter Durchschnitt. Großes Aber. Hoch- bzw. daueraktuelle Sozialkritik findet man in diesem Genre üblicherweise so selten wie schwarze Protagonisten (so sie nicht als rasch gemeuchelte Buffos herhalten müssen), und dass Jordan Peele den Oscar für das beste Drehbuch gewonnen hat, erfreut gleich doppelt. Man merkt freilich, dass der Autor seine künstlerischen Wurzeln in der Comedy hat: Neben dem subtil satirischen Überbau finden sich auch genuin schreiend komische Dialoge. Zudem bleiben einem Gruseltropenspielereien im Gedächtnis wie etwa der als comic relief eingeführte beste Freund des Helden, der sich am Ende zum kühlköpfigen Retter in der Not mausert. Sehr erfrischend.

Eine nutzlose und dumme Geste (OT: A Futile and Stupid Gesture)
... habe ich in der vergangenen Humorkritik besprochen.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Ein weiterer Academy-Awards-Liebling, zu dem ich nur sagen kann: The hype is real. Fantastisches Schauspiel, Tragikomik im bewundernswertesten Sinne, tolle Musik.

Geostorm
Ich hatte Bock auf eine stumpfe, aber unterhaltsame Over-the-top-Zerstörungsorgie im Stile des Geheimtipps "The Core" von 2003, aber nix war's. Die wenigen spektakulären Katastrophenszenen waren bereits im Trailer verheizt worden, und zwischen jenen entspann sich ein mäßig packender Weltraumkrimi mit vorhersehbarer Verschwörungs-Wendung und ohne jeglichen Witz. Die Pseudowissenschaft war dumm, aber eben nicht übertrieben lustig-dumm. Das einzige, worüber man staunen konnte, war die Tatsache, dass es Namen wie Gerard Butler, Ed Harris, Andy García und Alexandra Maria Lara in die Besetzungsliste geschafft haben.

The Ritual
Ein Netflix-exklusiver Horrorfilm, den man am besten völlig unvoreingenommen und -bereitet genießen sollte. Ich war durchweg begeistert (von den letzten ≈20 Minuten nicht ganz so sehr, aber das trübte den Gesamteindruck nicht) und möchte mir beizeiten die Bibliographie von Adam Nevill, dem Schöpfer der Buchvorlage, vornehmen.

Thirteen Days
Endlich den Klassiker über das mir kaum bekannte Kapitel Kubakrise nachgeholt! Sehr lehrreich und spannend, sofern man die amerikanische Perspektive, aus welcher der kurzweilige Politthriller erzählt wird, im Hinterkopf behält.

Betting on Zero
Eine Dokumentation über den höchst fragwürdigen Konzern Herbalife, den milliardenschweren – nicht lachen! – "investor, hedge fund manager, and philanthropist" (Wikipedia) Bill Ackman und seinen nicht ganz uneigennützigen Feldzug gegen ein mutmaßliches Pyramidensystem. Zufälligerweise vermeldete die Presse wenige Tage, nachdem ich den 2016er Film gesehen habe, wie dieser gleichermaßen auf dem Börsenparkett wie im Amerika der Abgehängten ausgetragene Krieg ausgegangen ist. Wer davon überhaupt nichts mitbekommen hat, sollte mal reinschauen.

Die Teuflischen (OT: Les diaboliques)
Französischer Klassiker von 1955. Wie schon bei "Zeugin der Anklage" wird man am Ende gebeten, anderen nichts über die Handlung zu verraten, einer Bitte, der ich gerne nachkomme. Ich kannte sie allerdings eh schon, da ich vor langer Zeit das US-Remake ("Diabolisch") gesehen habe. Plottwist-geschulte Millennials sehen die Auflösung eh aus weiter Ferne herangaloppieren. Als störender empfand ich die etwas lang geratene Dauer sowie die Darstellung des Antagonisten / alsbaldigen Mordopfers, ein Bösewicht, der mir als zu wenig hassenswert geschrieben und verkörpert erschien.

Der Butler
Stargespicktes, halbfiktionales Historienepos über einen langjährigen Butler im Weißen Haus mit einem Ende, das bedauerlicherweise zu schön ist, um wahr zu sein, aber wie man's halt gerne sieht.

Permanent
Schräge Frisuren sind natürlich eine allzu einfache Humorgrundlage, aber hier sind sie zugleich Grundlage für moderate Familientragik: Der Vater (wie immer grandios: Rainn Wilson) trägt ein albernes Toupet, dessentwegen er sich kaum traut, den für sein Aufbaustudium obligatorischen Schwimmkurs zu absolvieren; die Tochter trägt nach einer von Anfang an verdächtig kostengünstigen Prozedur eine alberne Dauerwelle (Südstaatenterm: permanent = perm), für die sie highschool-typisch gemobbt wird; die Mutter (jenseits der Schamgrenze: Patricia Arquette) trägt etwas albernes Undefinierbares und hätte gern ein My mehr Aufregung in ihrem Leben. Überhaupt fühlt sich die erst vor kurzem umgesiedelte Kleinfamilie irgendwie steckengeblieben und eingeengt. Beim Streben nach Veränderung sieht man den dreien gerne zu. Es herrscht eine positive Grundstimmung, allein der ein oder andere richtige Gag wäre nett gewesen. Und warum die Achtzigerjahre als Kulisse herhalten mussten, erschließt sich mir nicht.

Sonntag, 15. April 2018

Bizarre Todesanzeigen, die man nur im Kreuzworträtsel findet

Ich habe gerade ein Kreuzworträtsel vom 10. März 2018 ausgefüllt, in welchem Clint Eastwood für tot erklärt wird. Obwohl ich mir nicht zutraue, ein Promi-Ableben solchen Kalibers nicht mitzubekommen, habe ich sicherheitshalber Wikipedia konsultiert: Der 1930 geborene Schauspieler und Regisseur lebt noch.

PS: Die Frage nach einer "Direktverbindung (EDV)" nebst der Lösung "Online" ist ein weiteres Indiz dafür, dass die meisten Kreuzworträtselausdenker älter sind als Clint Eastwood.

Mittwoch, 11. April 2018

Kurz notiert: Fragwürdiges Werbe-Onomatopoetikon

Nach Flensburg hat es mich leider noch nie erst einmal verschlagen (woran ich mich bis heute nicht mehr erinnern konnte), und überhaupt weiß ich so gut wie nichts über die Perle an der dänischen Grenze. Das lokale Bier immerhin weiß ich zu schätzen, hin und wieder stehen ein oder mehrere Kästen Flensburger im Büro. Doch erst gestern ist mir aufgefallen, mit welchem Wort diese unter anderem bedruckt sind:


plop' – nur echt mit Apostroph! Als könnte man einfach einen doppelten Konsonanten auf diese Weise wegfallen lassen! Denn dass eigentlich "plopp!" gemeint ist, das charakteristische, fröhliche Bügelflaschenöffnungsgeräusch verschriftlichend, ist klar. Klar ist auch, dass man sich als Unternehmen irgendwie mit einprägsamen Eigenschreibweisen hervortun muss (vermutlich ist "plop'" sogar markenrechtlich geschützt), aber seien wir ehrlich: Doof sieht diese Form schon aus.

Dienstag, 10. April 2018

Montag, 9. April 2018

Brain Droppings, fortgesetzt

Ich erkenne manchmal Gegenstände in menschlichen Gesichtern.

Botengang für die Boateng-Gang

Nutzung des Wellnessbereichs nur gegen Ungebühr

Ich bin mir zu 100% sicher, dass es eine "This Is Us"-Pornoparodie mit dem Titel "This Is Ass" gibt.

Auch ich möchte so sterben, wie es sich die meisten wünschen: indem ein Schwarm Dasselfliegen in meine Ohren eindringt und langsam mein Gehirn aufisst.

Der Fußboden ist LeVar Burton!

Es ist eine so wunderschöne Fügung, dass die weltweit erste Telefon-Vermittlungsstelle in Connecticut eröffnet wurde.

Triff uns, wie wir Andam anen und Niko baren!

Lesebefehl an der innerdeutschen Grenze

Moderate Mordrate

Zugriff vs. Zug-Riff*
(* durch eine Eisenbahn erzeugtes musikalisches Motiv)

Plankton vs. Plank-Ton*
(* Geräusch beim Bodenturnen)

Ork-Angriff vs. Orkan-Griff

Akkustand, aber als Büdchen, an dem Akkus verkauft werden

*erst mal einen Kaffee*
Erse auch du mal einen Kaffee!

Samstag, 7. April 2018

Pie & I (Aufstriche der Völkerverständigung)

Ich weiß noch ganz genau, wie ich als in vielerlei Hinsicht unbeleckter junger Erwachsener bzw. alter Jugendlicher zwecks Work-and-Travel-Semester im englischsprachigen Ausland am anderen Ende der Welt aufschlug. Beizeiten stellte sich die Essensfrage: Wie ernährt man sich hier (idealerweise gleichzeitig) kostengünstig, kalorienreich und exotisch? Die Antwort war schnell gefunden: mit Pasteten. Der Neuseeländer liebt seine meat pies über alles, sogar ein "Supreme Pie Award" wird alljährlich vergeben, und in jedem noch so engen 24-Stunden-Shop erwartet einen ein breites Angebot der zudem irrsinnig billigen Mikrowellen-Fleischkuchen. Mit gesunder Experimentierfreude fraß ich mich quer durch das Sortiment, verlustierte mich an sämtlichen Steakstreifen-Käse-Ei-Soße-Kartoffel-Kombinationen. Nur um alles, was mit minced meat bedruckt war, machte ich zunächst einen Bogen. Weil ich nämlich auch sprachlich unbeleckt war (ich glaubte u.a., icing und frosting hätte irgendwas mit tiefgekühlten Backwaren zu tun), übersetzte ich minced meat nicht mit "Hackfleisch", sondern mit "geminztes Fleisch", Fleisch mit Minze. Klar, Pfefferminzsoße kannte man ja aus "Asterix bei den Briten", aber so etwas tatsächlich verspeisen? Zum Glück erschloss sich mir alsbald die wahre Bedeutung, worauf sich die Palette der konsumierbaren Snacks von einem Augenblick auf den nächsten mir noch erweiterte. Nach wenigen Wochen hatte ich dann aber auch mehr als genug von herzhaften Pasteten, und heute muss ich würgen, wenn ich bloß daran denke.

Letzte Woche nun verschlug es mich in das Wiener Feinkostgeschäft "Julius Meinl am Graben". Dort entdeckte ich im UK-Regal ein Glas mit der Aufschrift Mince Pie Filling. Iiiiiihhh, dachte ich und besah mir das Erzeugnis genauer. Es handelt sich um einen Aufstrich, der überhaupt kein Fleisch enthält, sondern lediglich die süßen Bestandteile dessen, was in England zur Weihnachtszeit als mince pie gereicht wird: ein Mürbe- oder Blätterteiggebäck, das mit einer dunklen Masse aus Apfelstückchen, Sultaninen, Rosinen, getrockneten Orangen und anderem saisonalen Fruchtzeugs gefüllt ist. Interessanterweise sahen ursprüngliche Rezepte noch bis ins 19. Jahrhundert tatsächlich Fleisch als Bestandteil vor, wie ich später nachlas. Deshalb verweist der Name auch heute noch auf mincemeat, während die mir anno 2003 liebgewonnenen Pasteten mit minced meat völlig obstfrei waren. ("In other contexts mincemeat refers to minced or ground meat." Wikipedia. Ohne Verwirrung geht's halt nicht.) Das komplett vegane und schmerzhaft teure Importprodukt habe ich mitgenommen und heute endlich zum Frühstück probiert.


Es schmeckt weniger weihnachtlich und weniger süß, als ich vermutet hatte. Für Leute mit Rosinen-Abneigung (von denen es, wie ich weiß, leider viele gibt) ist der würzige Aufstrich freilich nix, denn Rosinen machen den Hauptbestandteil aus. Leckere Molasse hält das Gemisch zusammen und gibt ihm seine dunkle Farbe, die an Jersey Black Butter erinnert. 

Herrje, wieso habe ich eigentlich in diesem Blog nie auf diese Spezialität der Kanalinseln hingewiesen? Also, in aller Kürze: Jersey Black Butter hat mit Butter nichts zu tun, sondern ist eine Art Apfelkraut mit Jersey Cider, Nelken, Zimt und und und. Besser streichfähig, da nicht stückig, hat sie mich – auch geschmacklich – sogar noch mehr angesprochen als der Mince-Pie-spread, doch ach!, diesseits des Channels habe ich das schwarze Gold noch nie erspäht.


Donnerstag, 5. April 2018

Häzzlischkeit

Gestern, kurz vor Betriebsschluss, ließ sich ein Fahrer der Frankfurter U-Bahn-Linie 4 zu dieser absolut frankfurt-untypischen Durchsage hinreißen: "Liebe Fahrgäste, jede Reise geht irgendwann zu Ende, und darum ist an der nächsten Haltestelle Endstation. Bitte alle aussteigen und schönen Abend noch!"
Smiley.

Dienstag, 3. April 2018

Briefe an den Schreiber

Schon mehr als einmal haben Beiträge, die ich für die Titanic-Rubrik "Briefe an die Leser" verfasst habe, für Reaktionen gesorgt: in der Wissenschaft (hier festgehalten), zuletzt sogar von einer Angeschriebenen selbst.
Das waren jetzt zwei Beispiele für erboste Erwiderungen. Es geht aber auch anders. 1.) Sich an einen kurzen "BadL" mit Regionalbezug erinnernd (der zufällig im selben Monat wie der oben verlinkte an die Fachbuchherausgeber erschien), bedachte mich ein aufmerksamer Leser kürzlich mit diesem Anschreiben:

(zur Großansicht druffklicken)

2.) Ein anderer netter Herr schickte mir Folgendes in Bezugnahme auf meinen Februar-Brief an Tonya Harding:


Darüber freut man sich als Redakteur.

Sonntag, 1. April 2018

26 neue obskure Kreuzworträtsel-Lösungen eingetroffen!

  • Kleinkärpfling: Platy
  • eiszeitlicher Sandhügel: Kames
  • Messgewand: Kasel
  • antik. Kranzgesims: Geison
  • randalierender Haufen: Korah
  • Hakenbüchse im 15. u. 16. Jh.: Arkebuse
  • gärender Most: Suser
  • Förderkübel in Bergwerken: Skip
  • Matte aus Reisstroh: Tatami
  • gesalzener Kabeljau: Laberdan
  • Karakulschafspelz: Persianer
  • Weideplatz: Hude
  • Lappen, Lumpen: Hudel
  • ägypt. Hohlmaß: Rub
  • zweimastiges Segelschiff: Yawl
  • engl. Garnmaß: Lea
  • hefeähnliche Pilzart: Kahm
  • buddh. Tempelfiguren: Nio
  • thailändisches Feldmaß (4 Ar): Gnam
  • türk. Laute: Saz
  • afrik. Trommel: Kas
  • asiat. Holzart: Sem
  • asiat. Nomadenzeltdort: Aul
  • asiat. Gibbonaffe: Unka
  • rauer Verputz: Berapp
  • unverdientes Glück: Torkel

Freitag, 30. März 2018

Bye-bye, Digg Reader! Welcome, Feedly!


"Gibt es ein Leben nach dem Google Reader?", fragte ich im Mai vor fünf Jahren, bevor ich den Digg Reader entdeckte, der mir von Juli 2013 bis zum 26.3.2018, dem Tag seiner endgültigen und erst kurz vorher angekündigten Einstellung, treue Dienste erwies. Diesmal ist der Wechsel zu einem neuen RSS-Reader zum Glück rasch und einfach abgelaufen, nämlich zu Feedly. Damals lediglich als Firefox-Extension zu haben, kann dieser Reader inzwischen als ganz normale Seite im Browser aufgerufen werden. Man meldet sich ganz simpel über sein bestehendes Google-, Facebook- oder Twitterprofil oder ein eigens erstelltes Feedly-Konto an. Der OPML-Import ist ein Kinderspiel, die Anordnung der Blogbeiträge legt man je nach Gusto fest ("Popular", "Latest" ...), bei der Ansicht hat man die Wahl zwischen "Title-Only View" (selbsterklärend), "Magazine View" (Titel + Teaser + Bild), "Cards View" (selbe Elemente, aber in "Kachel"-Darstellung, schaut gut aus) und "Article View" (meine Präferenz). Zudem gibt es eine für Redaktionen etc. sicher reizvolle "Share with teammates"-Option.

Damit ist Feedly sogar noch ein bisschen komfortabler als der gute, alte Digg. Hätte ich keine Alternative gefunden, wäre ich vermutlich dazu übergegangen, die von mir verfolgten Seiten einmal am Tag direkt aufzurufen. Der Grund: Die Zahl der Blogs ist mittlerweile nochmals geschrumpft. Mit Wehmut denke ich an all die ehemals so Produktiven, die im Laufe der Zeit aufgegeben haben: das Sprachlog, "USA erklärt", das Fernsehblog, Lupino, Britcoms.de – und was ist eigentlich mit Nerdcore los?! Irgendwann bin ich der last man standing, ich sag's euch ...

Montag, 26. März 2018

Der große Eisenbahnbetrug

Das goldene Zeitalter, in dem regelmäßig bewaffnete Männer ohne Gewissen, aber mit einem zum Dreieck gefalteten Stofftuch vorm Munde wagemutig dampfbetriebene Züge bestiegen, um die Passagiere um ihre Habseligkeiten zu erleichtern, sind gottlob vorbei. Ich habe allerdings schon erlebt, wie ein ICE, in dem ich saß, außerplanmäßig anhielt, um eine Einheit Polizisten zusteigen zu lassen, die wenig später drei flüchtige Verbrecher abführte. Das ruchloseste Monster, das sich je in der Nähe meines Sitzplatzes aufgehalten hat, wurde indes in einer Regionalbahn aufgegriffen und an Ort und Stelle zurechtgewiesen – ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelte, kann ich gar nicht sagen, da die Person von einer couragierten Schaffnerin temporär mundtot gemacht wurde: "Sie haben ein Ticket mit Rabatt gelöst, obwohl Sie keine Bahncard haben", brüllte jene, und nach einem kleinlauten Rechtfertigungsversuch der/des Gestellten weiter: "Egal, ob Ihr Freund das gebucht hat und eine Bahncard besitzt. Sie haben sich eine Leistung erschlichen, das ist eine STRAFTAT. Ich könnte Sie direkt aus dem Wagen werfen!" Nach einer Weile schließlich: "Ich lasse Sie ausnahmsweise weiterfahren. Aber Sie dürfen das NIE WIEDER machen, versprechen Sie mir das!" Kurz nach Ende des Schauspiels sagte ein anderer Fahrgast zu der resoluten Zugbegleiterin "Das war aber nett von Ihnen", und ich weiß bis heute nicht, ob das ernst oder sarkastisch gemeint war.

Samstag, 24. März 2018

Im Snack-Check: Kettle Bites Maple Barbecue

Seien wir ehrlich: Das Beste am Barbecue sind die Soßen, in Sonderheit die modernen Kreationen jenseits von Curryketchup und Zazikitunke, solche, die noch jeden verschmorten Grillgutklumpen gustatorisch aufwerten. Dass es selbst in deutschen 08/15-Supermärkten eine taumeln machende Auswahl verschiedenster BBQ-Saucen gibt, ist eine der glänzendsten Annehmlichkeiten unseres Jahrzehnts. Chips mit entsprechendem Flavour sind so eine Sache. Rauchiges Aroma schön und gut, aber wenn der Nachgeschmack – ihr wisst: eines meiner Hauptkriterien bei Knabberwerk – noch bis nach dem Zähneputzen anhält, bin ich erst mal "bedient".


Um es vorwegzunehmen: Auch die hier getesteten Chips hallen noch eine gute Weile nach, allerdings nicht so stark wie ähnliche Produkte. Die relativ hochwertigen und -preisigen Kesselchips der Marke Kettle mag ich grundsätzlich sehr, auch wenn ich das britische Konkurrenzsortiment von Tyrrell's ein wenig lieber esse. Seit kurzem gibt es nun sogenannte Bites, die vor allem damit angepriesen werden, nur 95 Kalorien pro Portion zu enthalten. (Eine Portion ist mit 22 Gramm festgesetzt, haha! Selbstverständlich habe ich die gesamte Tüte, also das Vierfache, auf einmal verputzt. Ob 380 Kalorien viel oder wenig sind, kann ich nicht sagen.) 

Die Maple Barbecue Wholegrain Waves sind, wie der Name schon sagt, wellenförmig, enthalten Ahornsirup und bestehen zum größten Teil (32%) aus Weizenvollkornmehl (hinzu kommen je 15% Mais- und Reismehl sowie 4% Hafermehl und eine unbestimmte Menge Gerstenmalzmehl). Soweit ich sehen kann, sind keine tierischen Erzeugnisse verarbeitet worden. Hinsichtlich der Würze erschmecken wir Oregano, Kreuzkümmel, Knoblauch und Paprika. Der Gesamteindruck ist überwiegend positiv. Zu meiner Nummer 1 wird dieses Knuspergebäck jedoch nicht avancieren. 7/10 Punkte.

Donnerstag, 22. März 2018

Videospieltipp: Life is Strange - Before the Storm

Nach dem überwältigenden Erfolg des ersten Teils lag es nahe, dem hochgelobten "Life is Strange" eine Fortsetzung zu spendieren. Von mir aus hätte es das nicht gebraucht, denn ich finde, einen grandiosen Genremeilenstein kann man auch mal für sich stehen lassen, zumal der Sechsteiler um die jugendliche Zeitmanipulatorin Max Caulfield schön abgeschlossen worden und überhaupt eine runde Sache war. Ein Sequel ist es denn auch nicht geworden, sondern ein Prequel, in welchem wir auch nicht Max, sondern ihre uns bereits bekannte Freundin Chloe spielen. Auf übernatürliche Elemente verzichtet Deck Nine diesmal. Alternatives Vorgehen und der Schmetterlingseffekt spielen dennoch eine Rolle, viele unserer Handlungen haben mehr oder weniger starke Konsequenzen. Das fehlende Uhrenzurückdreh-Feature ersetzen demzufolge vor allem Dialoge, die an wichtigen Plotpoints um eine Art Minigame erweitert werden (wir nutzen vorher gewonnenes Wissen über Schwachstellen unserer Gesprächspartner/-innen, um diese zu unseren Gunsten zu beeinflussen, und müssen dazu rasch auf die passende Antwortoption klicken). Wie zu erwarten, wird unsere Heldin ganz am Ende von "Before the Storm" vor die ultimative Entscheidung gestellt – die mir sogar noch schwieriger erschien als die am Ende des Vorgängers, wo mir die Wahl relativ leicht gefallen war. (Dass nicht nur ich dieses finale Dilemma krass fand, zeigt die Statistik nach dem Abspann: Etwa genauso viele Spieler haben sich für das eine mögliche Ende entschieden wie für das andere.) 
Hat sich das Entwicklerstudio mit der "Fortsetzung" einen Gefallen getan? Nun, ein Reinfall war das Abenteuerdrama auf keinen Fall. Die Charakterzeichnung ist abermals hervorragend, der Soundtrack mitreißend, die Achievements machen Spaß, und die Spielzeit geht in Ordnung (ich habe für die drei Episoden knapp zwölf Stunden gebraucht). Ein paar mehr Tearjerker-Momente sowie richtige Rätsel hätte ich mir trotzdem gewünscht, und generell fehlt einfach der "Zauber" von "Life is Strange 1".


Sonntag, 18. März 2018

Die drei Schriftzeichen und das verschwundene e

Zu den zahllosen Unzulänglichkeiten der alten Rechtschreibung gehörte die – rein ästhetisch motivierte – Regel, bei Aufeinanderfolgen von drei gleichen Konsonanten in Wortzusammensetzungen einen der Buchstaben zu streichen. Statt Brennnessel schrieb man also Brennessel, statt Schifffahrt Schiffahrt usw. Konsonantentripel waren nur dann erlaubt, wenn nach dem dritten ein weiterer Konsonant folgte, z.B. in Wetttrinken.

Wie verhielt es sich beim Zusammentreffen von drei gleichen Vokalen? Anders als man denken könnte, waren Schreibungen wie Teei oder Schneesser nicht korrekt; der Duden forderte die Kenntlichmachung aller Buchstaben nebst Setzung eines Bindestrichs: Tee-Ei, Schnee-Esser. Diese Formen sind auch heute die empfohlenen Schreibungen, auch wenn Seeelefant & Co. möglich sind. Eine spaßige Aufgabe wäre es, ein Wort mit drei -u- hintereinander zu finden. Substantive auf -ee gibt es, wie eben gesehen, einige, mit 3xo wären zumindest Komposita mit Zoo- denkbar (Zooonkel, Zooorganisation), mit -i- gibt es natürlich die Hawaiiinsel(n), und mit drei -a- kann man sich mit etwas Mühe und Wortspielfreude einen Aaangler vorstellen ("Aa. Substantiv, feminin - Name europäischer Flüsse und Bäche", Duden).

Ein ungeschriebenes, d.h. im amtlichen Rechtschreibwerk nicht vorgesehenes Gesetz ist mir neulich beim Biertrinken aufgefallen. Die Vokaltilgung ist zwar bei Zusammensetzungen verboten, nicht jedoch bei Wortbildungen mit dem Ableitungssuffix -er! Im Gegenteil, dort scheint das Elidieren eines -e- das einzig Zulässige zu sein. Das Bier vom Tegernsee heißt eben nicht "Tegernseeer", sondern "Tegernseer". Genauso verhält es sich beim "Chiemseer" (was allerdings gar nicht am Chiemsee, sondern in Rosenheim gebraut wird, weswegen vor einigen Jahren sogar eine Anpassung der Etiketten gerichtlich verordnet wurde). Auch das City-Magazin der Brandenburgischen Ortschaft Falkensee nennt sich Falkenseer Stadtjournal. Nota bene: Die vielen Googletreffer für "Tegernseeer" in nicht-offiziellen Dokumenten legen den Verdacht nahe, dass viele Deutschsprechende das Tripelvokalverbot intuitiv beherzigen. (Für "Chiemseeer" und "Falkenseeer" fällt die Zahl der Suchmaschinen-Ergebnisse interessanterweise überraschend niedrig aus.)

Beenden möchte ich diesen eher trockenen Beitrag, indem ich noch einmal auf das flüssige Gold zurückkomme. Ich trinke gerne mal ein Bayerisches Helles und dachte – Saupreiß, der ich quasi bin – bis vor kurzem noch: "Kennste eins, kennste alle". Zwischen den beiden "See"-Bieren herrscht allerdings ein gewaltiger Unterschied: Während ich das "Tegernseer Hell" als "süffig" zu preisen bereit bin, ist mir das "Chiemseer" dann doch zu untergärig. Das ist doch Wasser mit Biergeschmack! (Nicht böse gemeint.)

Donnerstag, 15. März 2018

Torsten testet Nachahmerprodukte: Cheesecake New York Style

(Rubrik auf vieleinfachen Wunsch und mit neuem Namen wieder da!)

Rewe hat in seinem "Feine Welt"-Segment einen Snack, der an die New York Cheesecakes im Glas von erinnert: den Cheesecake New York Style. Auch er kommt im Glas daher, allerdings nicht im Doppelpack, sondern einzeln, zu einem Preis von 1,69 € für 80 Gramm, womit er kaum billiger ist als das Markenprodukt. Inhaltlich gibt es wenige Unterschiede, der auffälligste ist, dass hier die Frischkäsezubereitungs-Schicht 44% einnimmt, wogegen GÜ sich mit 32% begnügt (zudem ist dort von "Vollfett-Frischkäse" die Rede). Das ist letztlich Geschmackssache: Mag man eher mehr oder weniger Frischkäse in seinem Cheesecake? Der Kekskrümel-Anteil (bei GÜ: Spekulatius) fällt mit 23% um einen Prozentpunkt geringer aus. Der Anteil Bourbon-Vanille-Extrakt liegt hier wie da bei 0,7%. Ansonsten liefert die Zutatenliste keine nennenswerten Besonderheiten. Mir kam der getestete Cheesecake etwas "herzhafter" vor, trotzdem "dessertig"; er ist vollmundig, lässt sich gut löffeln und macht Lust auf mehr.

Wertung: 8/10


Dienstag, 13. März 2018

Hörgeräte an!

Wenn alte Paare sich nach vielen Jahr(zehnt)en des Zusammenlebens noch unterhalten und ich davon Zeuge werde, stimmt mich das positiv. Neulich saß ich in einem Wartezimmer und konnte zwei wahrhaft greise Ehepartner dabei erleben, wie sie gemeinsam die dort ausliegenden Magazine durchschmökerten und kommentierten – statt sich anzuschweigen oder einander zu beschimpfen. Der Herr Senior hatte zwar stets ein bisschen mehr mitzuteilen als seine Gemahlin, tat dies aber ohne zu erwartendes Mansplaining oder giftige Zurechtweisungen. "Ah, hier, der hat doch jetzt den Oscar gewonnen: Gary Oldman." - "Kenn ich nicht." - "Der hat Winston Churchill gespielt." [...] "Unser neuer Innenminister, der Bazi!" - "Der Seehofer? Packt der das denn noch? Der ist doch auch schon 80, oder?" - "Achtzig glaub ich nicht, aber mindestens 70!" (Er ist 68.) Und so weiter. Verständlicherweise in leicht erhöhter Lautstärke. Irgendwie süß.

Sonntag, 11. März 2018

Endlich wieder ein Aufstrich-Tipp!

Empfehlen möchte ich heute den neuen, womöglich limitierten "Fruchtaufstrich" (das Wort "Konfitüre" oder "Marmelade" taucht auf dem Glas nicht auf) von Schwartau: Samt Hollywood Raspberry Popcorn Style. Ja, ganz recht: kernloses, stückchenfreies Himbeermus mit Popcorngeschmack – eine liebenswert alberne Kreation von himmlischer Leckernis! Da in der Zutatenliste lediglich Himbeeren (45% Fruchtgehalt), Zucker, Wasser, Pektin, Citronensäue und "natürliches Aroma" aufgelistet ist, gehe ich davon aus, dass mit letzterem das Popcornaroma gemeint ist. Aber wie genau wurde bei der Herstellung verfahren? Hat man den Dunst aus einer Popcornmaschine in das Pürierbecken geleitet? Hochgradig mystisch.


Mittwoch, 7. März 2018

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme (Dez. '17 - Jan. '18)

Nerve
Es war die dröge Zeit "zwischen den Jahren", und irgendetwas wollte weggeguckt werden. "Nerve", auf Amazon Prime verfügbar, klang dann gar nicht so schlecht, ein Thriller über ein gefährliches Handygame, in der Hauptrolle Emma Roberts. Vor allem die Userbewertungen machten Lust, allein: Viele der Fünf-Sterne-Wertungen waren bzw. sind, wie mir erst beim späteren Lesen klar wurde, ganz offensichtlich gekauft! Kein Mensch von gesundem Verstand kann doch über diesen albernen, moralinsauren Kinderquatsch Sätze schreiben wie "Richtig spannend und die Schauspieler sind toll. Würde mich über einen 2 Teil freuen. Sehr sehenswerter Film und sogar manchmal lustig" oder "Dieser Film ist einfach nur übelst geil und das beste ist es ist ein Action Film und eine Liebesgeschichte in einem" oder "Einer den besten Filme was ich gesehen habe.Spannung pur! [...] Immer wieder könnte ich den Film anschauen." Oder doch? Vielleicht sind bei der jungen Generation einfach alle Schranken in Sachen Anspruch gefallen. Andererseits sind einige der Rezensent(inn)en mit nur einem einzigen Beitrag auf Amazon vertreten, was wiederum für Gaunereien spricht. Wie dem auch sei, ich würde "Nerve" gnädigstenfalls mit eineinhalb Sternen davonkommen lassen.

Jack Reacher: Kein Weg zurück
Weniger Detektivkrimi wie im spannenden ersten Teil denn Verfolgungsaction und Verschwörungs-Hickhack im Militärmilieu. Kann man sich trotzdem "geben".

The Hateful 8
Ein durch (wie zu erwarten) ausschweifende Dialoge etwas zu sehr in die Länge gezogenes Schneewestern-Kammerspiel, das sich als klassischer Krimi entpuppt, dessen einziger Dreh die unchronologische Erzählweise ist. Kamera, Schnitt, Musik, Gewalt, alles routiniert gemacht, doch drei Dinge haben mich enorm gestört: 1. die prätentiöse Einblendung zu Beginn, "The eighth film by Quentin Tarantino" – was soll das? 2. Warum muss Tim Roth so offensichtlich Christoph Waltz in jeeeedem Aspekt imitieren? 3. Die unnötig hohe Frequenz, mit der das N-Wort eingesetzt wird.

Deepwater Horizon
Wer ein halbdokumentarisches Umweltdrama erwartet, wird womöglich enttäuscht. Der Schwerpunkt liegt auf Spektakel, auch wenn die Vorgänge, die zur Deepwater-Katastrophe geführt haben, detailliert und durchaus lehrreich geschildert werden. Dem monatelangen Nachbeben des Blowouts und des Untergangs der Plattform hätte man freilich auch noch ein paar Minuten mehr widmen können, immerhin handelte es sich um die schwerste Ölpest in amerikanischen Gewässern aller Zeiten. Beeindruckend war dieser nicht eben konzernfreundliche desaster flick dennoch.

I Love You, Daddy
Alle Bedenken bzgl. des Machers und Hauptdarstellers Louis C.K. beiseite, ist dieser mehr oder weniger "heikle" Film vor allem eins: langweilig. Sicher, John Malkovich erledigt seinen Part als creepy old guy mit Bravour, und zwei-drei solide Witze findet man auch, aber größtenteils passiert bei "I Love You, Daddy" einfach zu wenig, als dass man die MULMIGKEIT, die sich eingedenk der UMSTÄNDE seiner Veröffentlichung einstellen, ausblenden könnte.

00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse
Endlich wieder ein Helge-Film, der an die Genialität von "Texas" und "Jagd auf Nihil Baxter" anknüpft! ("Praxis Dr. Hasenbein" und "Jazzclub" waren sogar mir als Fan zu anstrengend.) Wer mit dieser Art von Humor partout nichts anfangen kann, sollte freilich die "Finger" davon lassen.

Tschick
Ein durchweg schöner Film. Nichts Substanzielles, was nicht schon darüber geschrieben worden wäre, fällt mir dazu ein. Ich bin froh, endlich eine weitere Bildungslücke geschlossen zu haben (die Buchvorlage – immerhin mittlerweile Schulstoff! – hatte ich nie gelesen). Das Theaterstück soll ja auch ganz gut sein.

Jigsaw
Ich wiederhole mich in diesem Fall gern: Den "Ur-Film" halte ich bis heute für einen der besten Horrorthriller aller Zeiten. Doch alles, was nach "Saw" kam, war überflüssig (Teil 2 gestehe ich eine gewisse Existenzberechtigung zu, und Teil 3 hat mich zumindest passabel unterhalten und geschockt). Wieso man gerade mal sieben Jahre nach dem schlicht grunzdämlichen 3D-Splatter "Vollendung" ein Reboot des Franchise' für geboten hielt, erschließt sich allein aus Marketinggründen. Traurig.
Ich gebe zu: Als in den ersten Sekunden das berühmte, catchy "Saw"-Thema einsetzte, bemächtigte sich eine gewisse Vorfreude meiner. Aber diese Logiklöcher! Wo hat Jigsaw die enorm hohen Zeit-, Kraft- und Geldressourcen her, um seine Fallen zu bauen? Woher weiß Jigsaw von den Sünden der Menschen, für die er diese bestrafen zu müssen glaubt? (Bei einem Vorfall, der via Rückblende aufgeklärt wird, hätte sich Jigsaw buchstäblich durch Zufall in einer fremden Wohnung materialisiert haben müssen, um Zeuge einer Verfehlung zu werden.) Andere Dinge dagegen geschehen scheinbar völlig unbemerkt an öffentlichen Orten. Zudem wird John Kramers Kodex, seinen Opfer stets die Wahl zwischen Sterben und – mit schmerzhaften Zugeständnissen – Überleben zu lassen, an mindestens einer Stelle komplett über Bord geworfen (Stichwort: Motorrad). Und warum zerbreche ich mir ernsthaft über diesen Stumpfsinn den Kopf?

The Killing of a Sacred Deer
Die bisherigen Werke des mystischen Griechen Giorgos Lanthimos kannte ich nicht; "TKoaSD" konnte ich mir dann aber nach all den Lobeshymnen nicht entgehen lassen. Ja, das ist schon, äh, was Besonderes. Auf die abstruse Story im Stile einer antiken Tragödie lasse ich mich bis zum gnadenlosen Ende gerne ein, nur, was ich von den Dialogen halten soll, weiß ich bis heute nicht. Wie unnatürlich, gestelzt, unmenschlich, außerirdisch, seltsam sprechen die Charaktere bitte?! Als wäre das Drehbuch nicht schon in normaler Sprache surreal genug ...

Der Staat gegen Fritz Bauer
Die Konkret warf diesem deutschen Historienstück über den Frankfurter Generalstaatsanwalt vor, sich gelegentlich in rührseligen Nebenhandlungen zu verlieren und seine Hauptfigur zum allzu nahbaren Sympathieträger zu verklären. Ich finde, es darf ruhig etwas menscheln, wenn man massenkompatibel ein so gewichtiges Thema vermitteln will. Ansonsten kann ich mir ja gleich eine Reportage anschauen. Mir hat's gefallen, sofern dies die richtige Vokabel sein kann. Man bleibt immer und immer wieder ernüchtert bis fassungslos zurück, wenn man sich mit dem Komplex "Aufarbeitung der NS-Zeit" befasst.

Samstag, 3. März 2018

Even More Brain Droppings

Das Wort Rohölzählabteilungstür enthält jeden Vokal und jeden Umlaut der deutschen Sprache exakt einmal.

Ich lasse meinen Thermomix lauter tunen, um auch im übernächsten Nachbarhaus Sozialneid zu erzeugen.

Friedlich eingeschlafene Füße

Was ist eigentlich dieses Dollybustering, was im US-Senat manchmal eingesetzt wird?

Farfalle der Sitten

Inuit-Sinti-Institut 
#schönewörterdieesnichtgibt

Das Interessanteste an mir ist, dass ich in meinen vier Wänden gelegentlich auf Quebecer Französisch fluche.

Pluderhosen vs. Pludra-Hosen*
(* Beinkleidung des DDR-Kinderschriftstellers Benno Pludra)

Antimonkuchen

Get your Estrag on

Harissa auf Haarrisse schmieren

Sperrmüll am Straßenrand – die Lootboxen des Real life (und zwar die billigsten)

Durch die Nacht mit Stana Katic und Saša Stanišić

Zuma (Südafrika) zurückgetreten, Lula (Brasilien) darf nicht mehr kandidieren – hoffen wir, dass uns wenigstens Duda (Polen) erhalten bleibt.
GuNa

Freitag, 2. März 2018

Muss ich denn alles selber machen?

Die Etymologie-Redaktion des Abreißkalenders bleibt weiterhin faul.


Unter "unter der Lupe" stelle ich mir etwas anderes vor. Der Harnisch hieß im Mittelhochdeutschen harnasch, was laut Duden-Band 7 aus altfranzösisch harnais mit der Bedeutung "kriegerische Ausrüstung" entlehnt ist und dies wiederum aus altnordisch *hernest "Heeresvorrat". (Lustig, wie mit manchen Wörtern Pingpong gespielt wird!) Anderswo wurde eine keltische Entlehnung präferiert (kymrisch haiarn "Eisen"), auch das lateinische Adjektiv coriaceus "ledern" wurde ins Spiel gebracht; eine aufregende Detektivarbeit liegt vor einem, wenn man dem Harnisch nachspürt. Auf eine Kalenderseite passt das alles mitnichten, aber zwei-drei Vorformen hätten locker Platz gehabt, gute Güte!
Weiter.


Woher kommt Julius, wovon Julian tatsächlich eine Ableitung ist, möchte man doch wissen! Zugegeben: Auch diese Herkunft ist nicht ganz sicher, Iulius könnte von einem lateinischen Namen für ein Pflanzenteil (iulus) oder vom Namen Trojas (Ilium) über Ilus abgeleitet sein. 

Fazit: Wenn die Faktenlage dunkel ist, soll man das entweder hinschreiben oder sich ein anderes vorzustellendes Wort suchen!

Mittwoch, 28. Februar 2018

Kurz notiert: Trumps Spickzettel

Vor einer Woche hat Donald Trump im Weißen Haus Überlebende des jüngsten High-School-Shootings empfangen. Dabei fingen die Kameras eine Art Erinnerungsstütze mit Konversationsfragmenten ein, die der Präsident in Händen hielt. Ein Punkt auf dem Notizzettel lautete "I hear you". Mich hat gewundert, dass diverse deutschsprachige Medien (u.a. n-tv) diese Phrase mit "Ich höre euch zu" oder "Ich höre Ihnen zu" übersetzt haben, denn das ist eine ziemlich ungenaue Wiedergabe dieser "Floskel, deren Bedeutung zwischen 'Ich höre euch zu' und 'Ich respektiere euch' schwankt; sie wird oft benutzt, um ein Gespräch am Laufen zu halten, auch wenn nicht alle einer Meinung sind" (Süddeutsche Zeitung) bzw. "bedeutet im Deutschen so viel wie: Ich höre dir zu, ich verstehe dich, ich respektiere dich. Im englischen Sprachgebrauch wird der Satz ähnlich einer Floskel der Zustimmung und Empathie verwendet." (FAZ) "Ich verstehe, was ihr meint" und "Ich sehe euren Standpunkt" wären zwei Vorschläge, die ich ins Rennen um das angemessenste Äquivalent schicken würde. Dass die eine Sprechergemeinschaft in drei Wörtchen etwas auszudrücken vermag, wofür bei der anderen ein vielsilbiges Gestammel nötig wird, darüber könnte man eine nicht dünne Monographie schreiben, aber dieser Blogpost ist mit "Kurz notiert" überschrieben, weswegen er auch jetzt (eh schon viel zu spät) endet.

Dienstag, 27. Februar 2018

Word of the week

Gestern bin ich zum ersten Mal in meinem Leben dem englischen Wort busyness begegnet. Klar, dass ich zunächst stutzte, es gar für einen Tippfehler hielt. Wenn Adjektive, die auf -y enden, mit -ness substantiviert werden, wird das y in der Regel zu i: happy > happiness, lazy > laziness usw. Nach einer Weile leuchtete es mir ein: Die Bedeutung von business hat sich mittlerweile (parallel zu seiner Aussprache) so weit von "Geschäftigkeit, Betriebsamkeit" entfernt (vgl. das deutsche Lehnwort), dass man, um Verwechslung zu vermeiden, ausnahmsweise busyness schreibt, wenn man "the state of being busy" meint.

Sonntag, 25. Februar 2018

Ende der Schicht

So, ich bin mit "Mind Control" durch und habe damit Stephen Kings "Mr. Mercedes"-Trilogie beendet, was ein uneingeschränkt weiterzuempfehlendes Lesevergnügen war, auch wenn das Finale dann doch ein wenig hinter der Qualität des herausragenden, ungemein fesselnden zweiten Teils zurückblieb. Damit, dass die Trottel vom Heyne-Verlag den Originaltitel "End of Watch" mit "Mind Control" "übersetzt" haben, wird natürlich bestätigt, um nicht zu sagen: gespoilert, was sich in "Finderlohn" bereits andeutete: dass hier nämlich nun ein übernatürliches Element hinzukommt, welches in Teil 1 und 2 fehlte. Darauf muss man sich halt einlassen. (Ich fühlte mich gelegentlich an den Film "Dämon – Trau keiner Seele" erinnert.) An klassischen Krimisujets mangelt es trotzdem nicht, und eine Prise Tragik rundet einen modernen Klassiker in Kings Spätwerk ab, an dessen sympathisches Hauptfigurentrio man noch lange mit einem bittersüßen Tränchen im Knopfloch zurückdenken wird.

Dienstag, 20. Februar 2018

Ein produktiver Tag in der Abreißkalender-Redaktion

- "Krawuttke, wo bleibt Ihr Tagesblatt zum Thema Chill-out?"
- "W-w-wiewas?"
- "Verdammt, Krawuttke, das Blatt für den 8. Februar: Wissenswertes über Chill-out!"
- "Weiß ich doch, Chef ... das ... das ist schon längst fertig."
- "Und warum liegt es dann noch nicht auf meinem Schreibtisch?"
- "Ich ... äh ... ich musste noch eine letzte Recherche anstellen. Wir wollen das Thema schließlich in allen Facetten beleuchten und weniger bekannte Hintergr--"
- "Ja ja, schon gut. Bringen Sie mir einfach die fertige Seite!"
- "Alles klar, kein Problem, gaaar kein Problem. Ich muss es nur noch ausdrucken. Geben Sie mir fünf Minuten, der Drucker hat wieder Papierstau, Sie wissen ja ..."
- "Krawuttke!"
- "Sofort, Chef!"
[Aus Krawuttkes Büro ertönt hektisches Tastengeklapper.]
- "Was machen Sie denn da drinnen?!"
- "Ich g-g-gebe dem Drucker manuelle Befehle, damit der Papier- äh -stau ... behoben ... ein Override, sozusagen, ja? Und da kommt auch schon der fertige Artikel!"


Sonntag, 18. Februar 2018

O Tannenschaum

Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit muss ich mich dem Thema "Lieder, die dieselbe Melodie wie andere Lieder haben" widmen.

Es geht um den State Song des US-Bundesstaates Maryland. Dieser hat es nämlich in sich. Er beginnt mit "The despot’s heel is on thy shore, Maryland! His torch is at thy temple door, Maryland!" (gemeint ist Abraham Lincoln) und endet mit "She is not dead, nor deaf, or dumb — Huzza! She spurns the Northern scum! She breathes! she burns! she'll come! she'll come! Maryland! My Maryland!" Insbesondere wegen der Passage mit dem "Abschaum aus dem Norden" soll "Maryland, My Maryland" noch dieses Jahr einen aktualisierten Text erhalten oder durch etwas ganz Neues ersetzt werden; darüber wird im Moment konstruktiv diskutiert. Eine längst überfällige Reform und gerade unter Trump und "nach Charlottesville" mehr als ein symbolischer Akt (n.b.: Noch bis zum Jahr 2000 wehte die Konföderiertenflagge über dem State House von South Carolina).

Was mich beim Lesen eines Artikels über diese Angelegenheit am meisten überraschte, war, dass die auf dem Prüfstand stehende Hymne nach der Melodie von "O Tannenbaum" gesungen wird! Und nicht nur diese, sondern auch die Hymnen von Florida, Iowa und Michigan sowie der Stadtsong von Albany und einiges mehr. Sicher, wir alle erinnern uns an die Simpsons-Folge "Das Schlangennest", wo ein Schulchor die Ode "O Whacking Day" zu ebenjener Melodie intoniert, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass damit u.a. traditionelles Liedgut der Pfadfinder parodiert wird.

Freitag, 16. Februar 2018

Kollektivschuld

Als ich den deutschen Trailer für "Mission: Impossible 6" sah, musste ich an einer Stelle stutzen.

Alec Baldwin: "Aber sein Team wäre tot."
Angela Bassett: "Ja, wären sie."

"Sein Team wären tot"? Kann man das sagen? Da stimmt doch was nicht!

Im Originaldialog heißt es "Yes, they would", wobei sich "they" auf "his team" bezieht, und das ist selbstverständlich korrekt. Sogenannte collective nouns wie group, staff, police und eben team sorgen im englischen Sprachraum für notorische Verwirrung. Benutzt man den Singular oder den Plural eines Verbs (ggf. nebst entsprechendem Pronomen), wenn ein Substantiv in der Einzahl eine Gruppe von mehreren Individuen/Items bezeichnet? Wie das "Oxford Dictionaries"-Blog 2011 festgehalten hat, gibt es (oder gab es zumindest anno 2011) dabei leichte Unterschiede zwischen British und American English. In den Staaten tendiert man wohl eher dazu, den Singular der finiten Verbform zu verwenden, was grammatisch am "konsequentesten" ist, während im Britischen Englisch "it’s absolutely fine to treat most collective nouns as either singular or plural". Einige wenige Wörter wie police verlangen laut dem verlinkten Blogeintrag ausschließlich den Plural, doch schon in der Zeit der Niederschrift schien diese Vorschrift im Aufweichen begriffen zu sein. Langer Rede kurzer Sinn: Das Wort team pluralisch zu interpretieren und zu behandeln, ist vollkommen legitim.

Das Übersetzungsteam haben hat das nun aufs Deutsche übertragen. Diese Inkongruenz liegt ehrlich gesagt außerhalb meiner persönlichen sprachlichen Komfortzone*, aber in Stein gemeißelt ist das Gesetz, wonach einem Nomen im Singular ein Verb im Singular zu folgen hat, keineswegs. Die Formulierungen "Die schätzungsweise große Anzahl von Menschen arbeiten in den Schattenbereichen des Berliner Arbeitsmarktes und gehören zu den schwächsten Gruppen" und "Ein Teil der Umsätze werden bereits jetzt mit internationalen Aufträgen erwirtschaftet" sind in offiziellen politischen Verlautbarungen getätigt worden, und kaum jemand stört sich daran außer Sprachkolumnistinnen wie Brigitte Grunert, die am Ende ihrer darauf Bezug nehmenden Tagesspiegel-Glosse vom 14.7.2007 jedoch einräumen muss, dass selbst der Duden anmerkt: "Oft wird aber nach dem Sinn konstruiert und das Verb in den Plural gesetzt."

Klarheit schafft eine Handreichung des Instituts für Germanistik der Uni Wien:
"a) Wenn das Subjekt im Singular steht und dennoch eine Mehrzahl bezeichnet, oder das Subjekt aus mehreren Teilen besteht kann es zu Konflikten bezüglich der Kongruenz im Numerus kommen.
Eine Reihe von Leuten hat (auch: haben) sich beschwert.
Ein Kilogramm Erbsen wurde (auch: wurden) gekocht.
Das Gelächter, die Heiterkeit klangen (auch: klang) aufgesetzt.
→ Die finite Verbform kann in diesen Fällen sowohl im Singular als auch im Plural stehen. Eine feste Regel gibt es nicht.
b) Wenn einem Mengenbegriff im Singular wie Anzahl, Gruppe, Hälfte, Hand voll, Haufen, Heer etc. das Gezählte im Plural folgt, dann steht das Verb überwiegend im Singular:
Eine Menge faule Äpfel lag unter dem Baum.
Es war wie immer eine Menge Leute da."

Auch bei Maß- und Mengenangaben sowie Brüchen und Prozentangaben im Plural ist es nicht unüblich, das Prädikat in den Singular zu setzen, und umgekehrt:
"Zwei Liter Bier reichen (auch: reicht) nicht aus, um mich betrunken zu machen.
Drei LKW Sand sind (auch: ist) genug für unsere Zwecke.
Hundert Gramm Zucker sind (auch: ist) zu schon zu viel.
[...]
Drei Fünftel Strom wird (auch: werden) atomar erzeugt.
50% Zucker wird (auch: werden) dem Produkt entzogen." (Beispiele von der Uni Wien)

Jedenfalls freue ich mich auf den neuen "Mission Impossible".

* Der Fairness halber muss man sagen, dass das beanstandete Zitat aus dem Filmtrailer kein einzelner Satz war, sondern es sich um zwei Sätze handelte und der zweite auf den ersten referierte. "Sein Team wären tot" hätten die Übersetzer/-innen vermutlich dann doch nicht ins Dialogbuch geschrieben.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Der Jokus ist schlecht

Es folgt ein Nachtrag zur "Eliten"-Schelte der Bild am vergangenen Samstag. Was davon zu halten ist, hat das "BildBlog" bereits klargestellt; ich möchte mich allein auf den Witz konzentrieren, mit dem jener Meinungskasten aufmachte:


Ich finde den Vergleich unpassend. Meiner Erfahrung nach hat Joghurt eine verhältnismäßig lange Haltbarkeit entgegen dem, was man von einem Milcherzeugnis erwarten würde. Oft ist Joghurt noch Wochen nach dem angegebenen Datum genießbar, und Schimmel bildet sich viel später als bei manchem Obst, bei Brot, bei einigen Marmeladen oder bei Antipasti vom Markt, um einige Beispiele zu nennen, die mir spontan einfallen. 
Da wäre mehr drin gewesen, vielleicht irgendwas mit "links- und rechtsdrehenden Kulturen" oder mit "sauer" oder "Quark"?