Sonntag, 16. September 2018

Zwei Lebensmittel-Kürzest-Tests


1. Bei Rewe drei Tortillachips-Sorten einer mir völlig unbekannten Marke entdeckt. Antica Cantina Chili (es gab noch Käse und Barbecue) hält leider nicht, was die prachtvolle Verpackungsbedruckung verspricht. Viel zu mild und maisig kommen die – immerhin stabil-knackigen – Knusperdreiecke daher. Das Mundgefühl geht in Ordnung, aber nach einer Dritteltüte hatte ich vorerst genug. Hergestellt in Deutschland und vertrieben durch Leighton Foods, Dänemark, enthalten die Chips Palmöl und Glutamat. 4/10

2. Ich bin bekanntlich weder ein Kokosnuss- noch ein Vanilleverächter, weswegen ich den veganen Kokos Aufstrich mit Vanille aus dem Hause dm-Bio ohne größeres Abwägen einsteckte. Jedoch ist die (angenehm rapshonigartig cremige) Masse auf Agavendicksaft-Basis zu anstrengend für den regelmäßigen Frühstücksgenuss. Ohne es genauer begründen zu können, fühle ich mich spätestens nach einem halben Brötchen mit dem Zeug überfordert, saturiert, bedient. Deshalb ebenfalls 4/10

Freitag, 14. September 2018

Word of the week

Positiv an der Ära Trump ist ja, dass man auch als deutschsprachiger Beobachter kontinuierlich und en passant seinen Wortschatz erweitert. Das Wort op-ed habe ich diese Woche gut ein Dutzend Mal gehört, bevor ich es gelesen habe, und jedes Mal verstand ich so etwas wie "Abed" (wie es halt auf gut US-Amerikanisch ausgesprochen wird).
Die New York Times hat ein anonymes op-ed aus der Feder eines "senior officials" in der Trump-Regierung veröffentlicht, Details siehe Medien. Ein op-ed ist ein Meinungsstück, es steht für opposite editorial und lässt sich wohl am besten mit "Gastkommentar" übersetzen. Es ist ein Essay oder auch eine Kolumne mit dem Hauptcharakteristikum, dass es eben nicht aus der eigenen Redaktion kommt und somit ein Gegenstück zu einem Editorial ist und auch sein soll.
Letzte Unklarheiten im journalismus-fachsprachlichen Dschungel beseitigt dieser (englische) Artikel im Des Moines Register.

Montag, 10. September 2018

Ich war noch niemals in New York (2018/19-Edition)

Am 29. September beginnt die 44. Staffel von "Saturday Night Live", und ich habe es zum nunmehr neunten Mal nicht geschafft, Tickets für die Live-Aufzeichnung zu ergattern. Langsam verliere ich den Mut, zumal die Show in den vergangenen drei Jahren wirklich deutlich an Qualität abgenommen hat. Einzig Heidi Gardner und Kyle Mooney waren Lichtblicke; ob sie auch Teil des diesjährigen Ensembles sein werden, steht noch nicht mal fest. 


Freitag, 7. September 2018

Das Gegenteil von Betrug

Für ein Rezept benötigte ich lediglich vier Artischockenherzen. In einem handelsüblichen Glas befinden sich mehr als vier, also kam ich auf die brillante Idee, mir die "Früchte" einzeln von der Antipastitheke des Rewe-Marktes zu holen. Als ich dort ankam und sah, dass es an jenem Tag auch an der regulären Salattheke Artischockenherzen gab – als Bestandteil eines Salates, der u.a. noch Tomaten und Oliven enthielt –, kam ich auf die verwegene Idee, mir einfach aus diesem Salat vier Artischockenherzen herauszufischen. Damit würde ich sowohl den für die Antipasti-Auswahl typischen Beifang an Öl sparen als auch bares Geld, liegt doch der 100-Gramm-Preis für Antipasti ein wenig über dem für Salat. Bevor ich die vier kleinen Gemüse-Innereien in dem dafür viel zu großen, für normalen Salattransport vorgesehenen Plastikgefäß verstaute, kam ich auf die genialische Idee, stattdessen einen (deutlich kleineren!) Becher von der Antipastitheke zu nehmen.
Ich trug nun also eine Schale zur Kasse, die etwas enthielt, das aussah wie etwas, das dort reingehört, aber billiger war als das, was üblicherweise darin vorzufinden gewesen wäre. Sogleich wies ich die Kassiererin auf dieses Chaos hin: "Das ist von der Salattheke!" Die Kassiererin sagte mit gebotenem Ernst: "Das sollten Sie nicht tun." Darauf ich: "Aber die Umwelt!" Darauf sie: "Hm."

Donnerstag, 6. September 2018

Filmtitel XVIII

Four Christmases → Mein Schatz, unsere Familie und ich 
Maid in Manhattan → Manhattan Love Story
Life of the Party → How to Party with Mom
Tout le Monde debout → Liebe bringt alles ins Rollen
Halal Daddy → Halaleluja – Iren sind menschlich!
The Layover → Mister Before Sister
On Wings of Eagles → Wings of Freedom
One of Us → Retribution
Don't Worry, He Won't Get Far on Foot → Don't Worry, Weglaufen geht nicht
Coexister → Ein Lied in Gottes Ohr
Normandie nue → Ein Dorf zieht blank
Tag → Catch me!
Blockers → Der Sex Pakt
Bachelorette → Die Hochzeit unserer dicksten Freundin
Wedding Daze → Blind Wedding – Hilfe, sie hat ja gesagt
Crazy Rich Asians → Crazy Rich 
The Predator → Predator – Upgrade

Montag, 3. September 2018

Wohnst du noch oder haust du schon?

Schon klar, dass ich hiermit kein besonders heißes Eisen anpacke, dass ich sozusagen offene Türen einrenne, aber ich halte die Tatsache, dass würdiges Wohnen in Deutschland zum Luxus geworden ist, für den größten Missstand der Gegenwart – auch weil ich mich noch deutlich an andere Zeiten erinnern kann. Um die Jahrtausendwende herum hatten schätzungsweise 85% der Familien in meinem Umfeld ein eigenes Haus. Wer es sich irgend leisten konnte (und dafür reichten i.d.R. schon zwei Berufstätige), baute oder kaufte sich eine schöne Hütte. Und heute? Heute muss man ohne Übertreibung buchstäblich MILLIONÄR/-IN sein, um etwas Besseres als eine Mietwohnung in der Stadt zu halten. Und selbst eine Mietwohnung in der Stadt ist zu fairen Preisen kaum zu finden. Popelige WG-Zimmer schlagen mit Summen zu Buche, die vor zehn Jahren für eine privat genutzte Zweiraumbutze angemessen waren. Das ist doch Wahnsinn! Und dann kommen vom Schicksal begünstigte Babyboomer-Arschlöcher wie Don Alphonso daher und werfen Millennials vor, dass sie vor dem globalen Platzen der Immobilienblase keine klugen, zukunftsträchtigen Investitionen getätigt haben. Oder noch g'schissener: "besorgte Bürger", die es schaffen, selbst für dieses Totalversagen der Regierungsparteien die bösen Refugees verantwortlich zu machen. 

Mittwoch, 29. August 2018

Taxi ins Gruseltal

Jugenderinnerung: Es ist kaum vorstellbar, aber selbst ich war früher manchmal auf Partys zugegen. Wenn diese an ungünstig, d.h. am äußersten Stadtrand gelegenen Orten stattfanden, musste man für den (nächtlichen) Nachhauseweg einen besonderen Service der regionalen Verkehrsbetriebe nutzen: das "Anruflinientaxi", kurz alita. Aus der offiziellen Beschreibung: "Zu Zeiten sehr geringer Nachfrage fahren auf bestimmten Strecken Taxis als Ersatz für reguläre Busse und Straßenbahnen. Das alita bringt Sie bis in die hintersten Winkel der Stadt und kostet dabei keinen Cent mehr als eine normale Busfahrt. [...] So funktioniert es: Als Ersatz für reguläre Bus- und Bahnlinien kommt ein alita nur bei Bedarf, das heißt, wenn Sie es bestellen. [...] Rufen Sie bitte spätestens 20 Minuten bevor Sie losfahren wollen unser Servicetelefon an." Ich fand das jedes Mal total luxuriös, und mich fasziniert bis heute, dass das Herumschicken von Taxis den Verkehrsverbund offenbar billiger kommt als der Einsatz einer regelmäßigen Buslinie.

"Alita" ist zufällig auch der Name der Hauptfigur eines Mangas, der jüngst von Robert Rodriguez verfilmt wurde. Den Trailer von "Alita: Battle Angel", der im Dezember dieses Jahres anläuft, habe ich gestern gesehen ... und ich war sofort abgeschreckt. Bei allem Gespür für visionäre Stoffe, das man James Cameron (Co-Produzent und Co-Autor) zugestehen muss, sage ich voraus, dass dieser Film hinter den kommerziellen Erwartungen zurückbleiben wird. Der Grund: Uncanny Valley, und zwar in kaum gekannten Ausmaßen. Man mag das Cyborgmädchen keine zwei Sekunden anschauen! Ich bin natürlich nicht der Erste mit derartigen Bedenken. In der Tat scheint es nach Veröffentlichung des ersten Teaser-Trailers ein Neudesign der Figur gegeben zu haben, nachdem etliche Fans ihre Verstörtheit bekundet hatten; zumindest kursieren aussagekräftige Vergleichsfotos aus den ersten und neueren Szenen ("[Comicbook.com-Autor] Bishop notes that Alita's face seems 'less squat; longer and less wide,' while ComicBook and PopCulture Editor-in-Chief Dallas Jackson notes that it's more than just a rework of her eyes with the lightning on her face, and the background, completely changing from before."). Es war also vorher noch unheimlicher!?!? Nun, ich bin gespannt. Mehr hier und hier.

Montag, 27. August 2018

Kurz notiert: Kasus-Chaos

Da schalte ich einmal den Fernseher ein und muss mich sofort aufregen! Das "Europamagazin" im Ersten Deutschen Fernsehen wird mit diesen Worten der Moderatorin eröffnet: "Tomaten aus Italien schmecken gut und gibt's in jedem Supermarkt".

Muss ich erklären, warum der Satz falsch ist? Nein? Gut. Ich habe auch gerade keine Lust dazu. An Formulierungen wie "vor, während und nach dem Spiel" hat man sich ja schon gewöhnt, aber dass jetzt sogar von meinen ZWANGSgebühren im sogenannten Qualitätsfernsehen [wird behutsam aus dem Blog entfernt]

Samstag, 25. August 2018

Donnerstag, 23. August 2018

Das Laben der Anderen

In letzter Zeit koche ich mir öfter als gewöhnlich etwas zu Abend, mit der Konsequenz, dass ich nach der "Arbeit" noch schnell fehlende Zutaten kaufen muss, was ich aus Bequemlichkeit gern in dem zwar weder günstigen noch superen, dafür aber günstig gelegenen Supermarkt Tegut erledige. Dort werde ich immer wieder eines ganz speziellen Menschenschlags ansichtig: aus dem Feierabend kommende, offensichtlich alleinstehende Kunden beiderlei Geschlechts, deren Einkauf aus maximal fünf Artikeln besteht, welche sich der Kategorie "Junkfood" oder "Feierabendsnack" zuordnen lassen. Gestern etwa stand eine business-casual gekleidete Frau vor mir, die nichts als zwei Dosen (!) Bier und eine Packung Kinder-Riegel aufs Warenband legte. 'Aha', dachte ich, 'das pfeift sie sich jetzt noch in ihrem Single-Apartment oder im Hotelzimmer rein.' Beliebt sind auch Knabberzeug, Joghurt, Eiscreme, Wein, hin und wieder etwas pro-forma-Gesundes wie eine Tüte Babykarotten, manchmal eine Tiefkühlpizza (wenn das Dinner noch nicht stattgefunden hat). 
Ich habe noch nicht entschieden, ob ich gegenüber diesen Personen Neid oder Mitleid empfinden soll. Ich belasse es vorerst bei Sympathie.

Dienstag, 21. August 2018

Callahandicapped

Zur Zeit läuft im Kino die biographische Tragikomödie "Don't Worry, He Won't Get Far on Foot". Darin spielt Joaquin Phoenix den 2010 im Alter von nur 59 Jahren verstorbenen amerikanischen Cartoonisten John Callahan. Wen?

Auf den deutschen Buchmarkt hat es zwar der eine oder andere Callahan-Sammelband geschafft, und auch die bereits 1989 erschienene Vorlage des genannten Films wurde ins Deutsche übersetzt (sie heißt, wie eben jener, nicht ganz geglückt "Don't Worry, Weglaufen geht nicht"), aber ansonsten dürfte der auch als Musiker tätige Künstler hierzulande kaum bekannt sein – außer jenen, die Anfang der 1990er Jahre Titanic gelesen haben. Darin konnte man nämlich Monat für Monat eine Seite mit je zwei Callahan-Witzen bestaunen. Diese waren stets erfrischend makaber und bizarr und fügten sich damit exzellent in das Gesamtkonzept des Heftes.

Aus Titanic 5/91

In vielen seiner Cartoons spielt körperliche Behinderung eine Rolle, was sich, wie auch der leicht ungelenke Strich, damit erklären lässt, dass Callahan selbst seit einem Autounfall mit 21 Jahren querschnittsgelähmt war; Robin Williams nannte ihn "den lustigsten Mann auf vier Rädern".

Der Cartoon zum Buch zum Film. Aus: Titanic 7/91

An dieser Stelle lohnt ein kurzer satire-historischer Exkurs. Schon immer war es bei Titanic Tradition, auch komischen Zeichnern aus dem Ausland eine Plattform zu bieten. Unter anderem hatte hier Manfred Deix (Österreich) in den Achtzigern etliche einprägsame Auftritte, ebenso der von mir zutiefst verachtete Jean-Marc Reiser (Frankreich), später Gary Larson (USA) und natürlich, bis heute, Kamagurka (Belgien). Hervorheben möchte ich den Australier Andrew Weldon, der von Ende 2004 bis Ende 2006 mit der Rubrik "Down Under" reüssierte, und zwar – dank mir! Ich hatte die Werke dieses Humortalents in Neuseeland entdeckt, stellte sie in einem Internetforum vor, in dem auch Mitglieder der damaligen Redaktion mitlasen. Die teilten sofort meine Begeisterung für Weldon und konnten sich wenig später die Nachdruckrechte sichern. Das waren die allerersten Spuren, die ich bei meinem späteren Arbeitgeber hinterlassen habe.

Worauf ich hinaus will: Publikationen sowohl von John Callahan als auch von Andrew Weldon sind hier und da antiquarisch zu haben und werden von mir ausdrücklich empfohlen.

Immer noch eines meiner All-time-Lieblingsbücher

Sonntag, 19. August 2018

Kaffee & Tee

Ich habe einem Kühlregal bei Rewe zwei 0,33-Liter-Flaschen entnommen und diese am Wochenende getestet.


"Belebend wie ein doppelter Espresso" soll der Green Coffee der Berliner Selo Green Beverages GmbH sein. Die 20 mg Koffein pro 100 ml habe ich jedoch nicht gespürt. Müder bin ich zwar nicht geworden, aber aufgeputschter als nach einem Pott grünen Tee habe ich mich nicht gefühlt. Das Etikett verspricht weiters: "erfrischend[e] Zitrone, würzige[n] Ingwer" und "alpin[e] Enzianwurzel". Das alles ist indes so dezent, dass ich es in der Blindverkostung nicht hätte identifizieren können. Auch eine Kaffeenote ist kaum auszumachen, werden die Bohnen doch ungeröstet verarbeitet. Es schmeckt in seiner Gesamtheit wie ein ordinärer Matedrink und irgendwie nach Fermentation. Gut geeist geht das Gesöff ordentlich die Kehle runter, aber ein unvergessliches Geschmackserlebnis ist der "grüne Kaffee" nicht. Immerhin sind alle Zutaten bio. Gesüßt wird mit Agavendicksaft. Neben der von mir getrunkenen Ursorte gibt es noch die Sommervariationen Kurkuma/Orange und Hibiskus. 6/10

Äußerst angetan war ich dagegen von der Sorte Blueberry von Trade Islands Iced Tea. Tatsächlich schlägt einem schon beim Öffnen ein sehr natürliches Heidelbeeraroma entgegen, und in seinem Gesamtbild schreit dieser Trunk eher "Fruchtlimonade" statt "Eistee", obwohl er freilich aus echtem Ceylon-Pekoe-Tee aufgebrüht ist. Er enthält sowohl circa doppelt so viel Zucker als auch doppelt so viele Kilokalorien wie der Coffeedrink, aber ich weiß nicht, ob solche Vergleiche überhaupt Sinn machen. Wohl aber weiß ich, dass der Koffeingehalt bei gerade einmal 7,9 mg je 100 ml liegt, womit der Wachmachereffekt noch geringer ausfiel, als ich erwartet hatte. 8/10

Mittwoch, 15. August 2018

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Es war wieder sehr, sehr anstrengend. Zweidrei waren passabel, den Rest hätte ich mir besser erspart.

Gold
Trotz Matthew McConaughey kein Bringer, dennoch angenehmer zu schauen, da weniger hysterisch, als "The Wolf of Wall Street", dem "Gold" stellenweise merklich nacheifert. Die Story, auf der das Script basiert, ist als Lehrstück über menschliche Gier durchaus faszinierend, und das Setting (Indonesien in den Achtzigern) nicht ohne Reiz.

Auslöschung
Ein Paradebeispiel für Potential und Macht von Streamingdiensten: Weil Alex Garlands Romanverfilmung bei Testvorführungen als zu abgefahren (oder zu anspruchsvoll?) durchfiel, sah man von einem theatrical release ab und entschied sich für eine Netflix-Ausstrahlung. Nach vormoderner Verwertungslogik und -tradition wäre das außergewöhnliche Science-Fiction-Abenteuer mit Natalie Portman im Giftschrank verschwunden, quasi ausgelöscht worden.

Hell or High Water
Raubzug-/Familiendrama-Neowestern, dessen Hauptfiguren mir egal bis unsympathisch waren. Allein die trostlosen Kulissen bleiben halbwegs im Gedächtnis hängen.

The Death of Stalin
Namhafte, komikgeschulte Männer spielen namhafte, komik-unaffine Sowjets, und die schauspielerischen Leistungen des Ensembles (u.a. Steve Buscemi, Jeffrey Tambor, Michael Palin) sind denn auch das einzige, was "The Death of Stalin" vor dem Prädikat "Rohrkrepierer" rettet. Der Armando Iannucci eigene Dialogwitz scheint mir bei tatsächlich existiert habenden Figuren schlechter zu funktionieren, zudem kann sich diese Farce nicht recht zwischen historischer Akkuratesse und überbordender Karikierung entscheiden. Ein schlecht durchgezogener Borschtsch.

Toni Erdmann
Puh! Mag sein, ich begebe mich auf dünnes Eis, wenn ich sage, dass mir nie eine Oscar-Nominierung schleierhafter gewesen ist. Ist aber so! Gelacht habe ich nur zu Beginn der Nacktszene. Aber bis dahin muss man sich durch fast drei Stunden Belanglosigkeit quälen, die einmal durch eine aus dem Nichts kommende Ekelszene unterbrochen wird und mehrmals mit bemühter Melancholie angedickt wird, die mich wiederum überhaupt nicht packt. Wenn mir nach gut gemachter Depressions-Comedy zumute ist, schaue ich "BoJack Horseman".

Der Clou (OT: The Sting)
Auch so ein Klassiker, den man wohl mal gesehen haben muss (allein schon wegen "The Entertainer"). Vielleicht sind meine Ansprüche an das Heist-Genre zu hoch, welches seitdem etliche gelungene Vertreter hervorgebracht hat, vielleicht lag es abermals an der Überlänge (129 Minuten!), jedenfalls habe ich mich mehrmals dabei erwischt, wie ich beim Gucken am Handy rumspielte und mir wünschte, die angestaubte Gaunerschnurre wäre endlich vorbei; ob der Clou erfolgreich oder -los über die Bühne geht, war mir wurscht.

Hail, Caesar!
Ein für die Coen-Brüder reichlich zahnloses Stück (FSK: 0) aus der Traumfabrik of yore. Erwartet hatte ich eine Mischung aus "Maps to the Stars" und "Ray Donovan". Egal, Geschichten aus dem Old Hollywood sehe ich immer gern. Der wahre Kern liegt hier in der Arbeit des sog. "Fixers" Eddie Mannix, den wir bei der Erledigung seine diversen Problemlösungen verfolgen. Die weiteren Charaktere (hochkarätigst besetzt!) sind fiktional, aber satirisch an Schauspiellegenden und sonstige Showbiz-Protagonisten angelehnt. Besonders amüsant: die kommunistische Autorenzelle, die Klatschreporterinnen-Zwillinge (Tilda Swinton) und der dümmliche, von Channing Tatum verkörperte Gene-Kelly-Verschnitt.

Fargo
Und wo ich schon einmal bei Ethan und Joel Coen war, habe ich gleich deren Gesellenstück "Fargo" nachgeholt. Gilt zurecht als Kult, ich finde aber die gleichnamige Serie (also die 1. Staffel von 2014) noch runder.

Finsterworld
Die episodenhafte Gesellschaftssatire (?) von Frauke Finsterwalder, die zusammen mit Christian Kracht, ihrem Ehemann, auch das Drehbuch geschrieben hat, ließ mich lange darüber sinnieren, was hier wohl die Botschaft sein könnte. Ich habe bis heute keine Antwort gefunden. Der (mehrfach ausgezeichnete) Film ist zynisch, abstoßend, gestelzt, unlustig, verteidigt die Gemeinen, bestraft die Wohlgesinnten und verarscht das Publikum (mich zumindest). Ätzend.

Im Namen des Vaters
Nachdem Daniel Day-Lewis sich nun leider in den Ruhestand verabschiedet hat, bleibt uns nur, immer wieder sein Vermächtnis zu würdigen. "In the Name of the Father" aus seiner mittleren Schaffensphase ist ein bestenfalls mit "ausreichend" zu bewertendes Gefängnisdrama (und once again: viiiiiel zu lang; warum 133 Minuten?!), in dem sich Day-Lewis immerhin an zwei Stellen austoben kann und in "There Will be Blood"-Manier brillant überschnappt. Die politische Stoßrichtung ist eindeutig pro-irisch, wozu ich allerdings keine ausgeklügelte Meinung habe.

Montag, 13. August 2018

Ode an Verkaufsstände für Getränke und Dinge des sofortigen Bedarfs

Wasserhäuschen, Wasserhäuschen,
bei dir macht man gern ein Päuschen.

Spätshop, oder vulgo: Späti,
bei dir kaufen Hinz und Plethi.
Doch auch Krethi sowie Kunz
holen bei dir was "Gesund's".

Bude, oder besser: Büdchen,
bei dir kühl' ich mir das Mütchen.

Auf "Kiosk" reimt sich leider nichts.
Und darum: Ende des Gedichts.

(Ich weiß, dass Max Goldt schon einmal die Hinz&Kunz/Krethi&Plethi-Vertauschung gemacht hat, aber bei mir war sie metrisch und reimtechnisch unvermeidbar.)

Dienstag, 7. August 2018

Traumprotokoll: Unangeleinte Tiere

Ich war im Urlaub in einem nordfranzösischen oder südenglischen Fischerdorf (diesen Eindruck machte die Szenerie jedenfalls) und schlenderte gedankenverloren einen menschenleeren Fußweg entlang. Da kamen plötzlich zwei Löwen um die Ecke, sprangen mich an und verbissen sich in meinen Extremitäten, während ich brüllte (wie ein Mensch, nicht wie ein Leu). Ob ihr Endziel darin bestand, mich aufzuessen, weiß ich nicht, denn ich wachte vorher auf.

Das war der kürzeste Albtraum seit dem mit den Leguanen.

Sonntag, 5. August 2018

This was a triumph

In der aktuellen Ausgabe der GameStar hat die Redaktion eine – wie sie selbst zugibt, höchst subjektive – Liste der 250 besten Spiele aller Zeiten veröffentlicht. Ich bin mit den Top 10 im Großen und Ganzen einverstanden. Auf Platz 1 wurde *Trommelwirbel* Valves 2007er Meisterwerk "Portal" gewählt. Ich selbst war bis dahin unentschieden, ob ich "Half-Life 2" (Platz 3) oder "Portal" als mein Lieblingsspiel bezeichnen würde, aber nun schließe ich mich dem Urteil des Magazins an. "Half-Life 2" mag der perfekte Shooter sein, aber es ist halt "nur" ein Shooter. "Portal" hat nicht weniger als ein eigenes Genre begründet, zumindest möchte ich behaupten, dass es vorher keinen vergleichbaren Action-Puzzler bzw. Rätsel-Actioner oder wie auch immer gab. Wenn ich eine einzige popkulturelle Erfahrung aus meinem Gedächtnis löschen könnte, dann würde ich die Erinnerung an meinen ersten "Portal"-Run tilgen, nur um das Spiel noch einmal jungfräulich und komplett unbedarft genießen zu können. Die langsame Gewöhnung an das geniale Teleportationsprinzip, die ersten Erfolgserlebnisse, die Witze, die sich überschlagende Handlung, und dann das Ende. DAS ENDE! Hach, war das alles toll. Völlig zurecht hat es "Portal" als einer von 14 Vertretern in eine Dauerausstellung für Interaktionsdesign im Museum of Modern Art geschafft.

Freitag, 3. August 2018

Albernes zum Wochenschluss

Neue, selbst ausgedachte Palindrome

"Na, Jan?"

Blatt-Alb

"Neppen, Bob? Neppen?!"

"Eiklar, Alkie!"

"Sie Eis!"

Lego v. Anna Vogel

Brotktorb

Senf-NES

"Ein Maoam, Ede?" - "Maoam? Nie!"

Tu gut, bau ab; bau ab, tu gut.

Ein Alligator am Arota gilla nie.


Mittwoch, 1. August 2018

Der Tag, an dem die Sonne stillstand

Liebes Tagebuch,
heute, am 1. August 2018, ist es passiert: Die magische Grenze wurde erreicht, ein neuer Rekord aufgestellt. In meinem Wohnzimmer herrscht eine Temperatur von 30 Grad Celsius.


Montag, 30. Juli 2018

Warum diese 26 Kreuzworträtsel-Lösungen zu den obskursten gehören

  • Käfergattung: Ips
  • Reitersäbel: Pallasch
  • jap. Gedichtform: Uta
  • Holzart: Iper
  • Rheinlastkahn: Aak
  • polynesischer Kultplatz: Marae
  • straffälliger Geistlicher: Demerit
  • rinnenartige Profilierung: Kehle
  • eng zusammengedrängt: kompress
  • wachsartiger Blätterüberzug: Kutin
  • Leguanart: Uma
  • Bettelmönch: Mendikant
  • Fabelname der Dogge: Ryn
  • Futter der Militärpferde: Furage
  • Buchgoldverzierung: Filete
  • synth. Gummi: Buna
  • Buschgelände: Loh
  • Vorbehalt: Kautel
  • dreieckiges Vorsegel: Klüver
  • Kern einer Sache: Kredo
  • Schneebeschaffenheit: Före
  • gezogener Wechsel: Tratte
  • kleine Schiffskabine: Gat
  • großer Warenposten: Partie
  • sumpfiges Gelände: Venn
  • eine Hülsenfrucht: Erve

Freitag, 27. Juli 2018

Hitzegedanken

Draußen hat's 35 Grad, in meinem Wohnzimmer "nur" 28,5, weswegen ich dankbar bin, heute nicht das Haus verlassen zu müssen. Die Zutaten für einen wohltuenden Tomaten-Brot-Salat (Panzanella, s. Foto) hatte ich mir wohlweislich gestern besorgt.

Warum sprechen wir nur dann von "schlechtem Wetter", "Mist-", "Drecks-" oder "Sch**ßwetter" (= "Scheißwetter"), wenn es regnet, stürmt und dreckig-trüb, grau, bewölkt ist? Das momentan herrschende Wetter ist doch alles andere als schön, und dies ist auch das allgemeine Empfinden, aber niemand traut sich, klipp und klar zu sagen: Das Wetter ist schlecht, ja regelrecht mies. Oder was ist es sonst? Zu sommerlich? "Hyper-schön"?  

Ob man am Ende des Monats trotz allem lesen wird, dieser Juli sei der kälteste seit Beginn der Wetteraufzeichnung gewesen? Naa, das glaube ich dann doch nicht.

Als würde es nicht reichen, dass die Sonne verrückt spielt, wird auch noch auf dem Mars Wasser in flüssigem Zustand nachgewiesen, und heute Abend gibt es eine Mondfinsternis. Ich habe übrigens geplant, während ganz Deutschland auf den sog. Blutmond starrt, den größten Diamantendiebstahl aller Zeiten durchzuführen. Wer bei dem historischen heist mitmachen will --> Kommentar abgeben!

(Rechts oben erkennt man meinen aus diesem Blog bekannten Ventilator.)

Mittwoch, 25. Juli 2018

Ganz schön albern, gel(l)?

Ich habe zwei weitere Sorten der Aromadusche-Serie "created by Michalsky" von Tetesept getestet. Nummer 03, ein transparentes Gel in weißer Flasche, heißt und enthält "Gletscherwasser | Baumwolle | Grüne Minze | Weißer Tee | Edelweiß" und kommt meiner Idealvorstellung eines Duschbades sehr nah. 9/10 Punkten.
Nummer 01, "Vulkanwasser | Aktivkohle | Hanf | Oud | Tabak", geht mir ein wenig zu sehr in Richtung Alte-Herren-Duft, ist dafür aber pechschwarz, weil an Aktivkohle offenbar nicht gegeizt wurde. Insgesamt wohlwollende 6/10.


Samstag, 21. Juli 2018

Ein Besuch im Deutschen Zusatzstoffmuseum

Knapp drei Jahre nachdem ich von der Existenz des Zusatzstoffmuseums zu Hamburg erfahren habe, hatte ich vor zwei Wochen endlich das Vergnügen einer persönlichen Besichtigung.

Schon die Lage ist außergewöhnlich: Das Gebäude versteckt sich inmitten eines rustikalen Industriegeländes zwischen Großmärkten und Obsthandelszentren. Dabei ist es leicht zu erreichen, von der Bushaltestelle Nagelsweg sind es nur ein paar Schritte bis zu dem durch Drehkreuze zu betretenden Areal. Wenn man allerdings wie ich zu dumm ist, Google Maps zu bedienen, fährt man mit der U-Bahn bis zur Station Hafencity/Universität und schleppt sich eine halbe Stunde am Oberhafen entlang. Durch einen Gitterzaun hindurch erblickt man irgendwann das Objekt der Begierde:


Doch da ist man noch lange nicht am Ziel! Über einen Schwenk am Billhafen vorbei überquert man eine Schleuse und dann dieselbe Schleuse noch einmal, bevor man bei einem Pförtner um Einlass in das am Wochenende wie ausgestorben ruhende Areal begehrt. Am sinnvollsten scheint mir die Anfahrt mit dem Auto zu sein (Voraussetzung: Auto).


Nachdem man einen geringen Eintrittspreis entrichtet hat, kann man sich auf einer ganzen Etage (Erdgeschoss) einen Überblick über alle möglichen Zusatzstoffe verschaffen. Die meisten "E"s kommen als unscheinbares Pulver daher, aber auch Flüssigkeiten sind geläufig. Kosten oder Proben entnehmen darf man leider nicht. Immerhin gibt es ein Geruchstestbrett mit zahlreichen "naturidentischen Aromen".


Zu bestimmten Uhrzeiten gibt die (einzige anwesende) freundliche Mitarbeiterin, bei der man natürlich auch Andenken und Geschenke erwerben kann, eine ca. 45minütige kostenfreie Führung. Ein so lehrreiches wie spaßiges Feature ist der integrierte "Supermarkt".


Den Regalen darin entnimmt man verschiedene "Produkte" (Täfelchen mit Barcodes) und bringt diese zu einem stationären Spezial-Handscanner.


Damit kann man aufdecken lassen, welche Zusatzstoffe sich in dem/den gewählten Lebensmittel/n befinden. Das Ergebnis darf man sich sogar ausdrucken.


Die letzte Station des Rundgangs ist ein Raum mit Fenstern, in dem eine kleine Auswahl an Getränken zu erwerben ist und ein Fernseher steht, auf dem eine thematisch passende Dokumentation in Dauerschleife läuft. Vorher passiert man Vitrinen mit Guar-Derivaten, Algenprodukten, Campingessen, sonstiger Fertignahrung und mehr. In der Mitte des Museums ist jede Menge über Milchverarbeitung zu erfahren. An der Decke hängt ein Euter:


Und hier ist ein gehäkeltes Stück Torte:


Fazit: Wer neugierig auf "die etwas andere Sehenswürdigkeit" ist, ein bisschen Interesse an Lebensmittelchemie und ein Stündchen Zeit mitbringt, sollte dieser Ausflugsstätte eine Chance geben. Besonders gefallen hat mir, dass mit dem Thema durchaus kritisch umgegangen wird. (Bereits dem Webauftritt ist die Losung "Zusatzstoffe gehören ins Museum. Nicht ins Essen" vorangestellt.)

Donnerstag, 19. Juli 2018

Traumprotokoll: Die Invasion

In der Redaktion, in der ich arbeite, fand sich eine Schulklasse ein. Es kommt tatsächlich manchmal vor, dass sich junge Leute ihre Vorstellungen von der schillernden Welt der Medien mit einem Besuch bei uns zertrümmern lassen, diese Gruppe war jedoch unangemeldet und außerdem beängstigend teilnehmerstark. Da ich seltsamerweise der einzige war, der an jenem Tag Dienst schob, konnte ich niemanden fragen, was es mit dieser jugendlichen Abordnung auf sich hatte. Jedenfalls ließen sich die Schülerinnen und Schüler schweigend und emotionslos an unseren Schreibtischen sowie am Konferenztisch nieder und begannen zu schreiben, teil an selbst mitgebrachten, teils an den büroeigenen Rechnern. Der Lehrer/Betreuer schritt zufrieden lächelnd durch die Räume, ohne auf meine Nachfragen, die ich mit wachsendem Unmut vortrug, zu reagieren. Ich wollte Chefredakteur Tim Wolff telefonisch um Rat fragen, doch seine Nummer war aus meiner Kontaktliste verschwunden und sein Name fehlte in sämtlichen Messengerdiensten – als hätte es ihn nie gegeben! Schließlich riss mir der Geduldsfaden: Ich schrie den Erwachsenen an, er solle sich entweder augenblicklich erklären oder mich mit seinem Vorgesetzten verbinden. Überraschend bereitwillig gab er mir sein Handy, wo sich am anderen Ende eine Art Oberschulrat oder Schulinspektor meldete. Diesem schilderte ich die Situation. "Und was wollen Sie jetzt von mir?", fragte er. Darauf ich, erstaunlich schlagfertig: "Dass Sie sofort Ihre Truppen abziehen! Was anderes als Militärsprache verstehen Sie ja nicht." Ohne Worte verschwand der lästige Trupp wenig später.

Festhaltenswert ist noch zweierlei: 1. dass ich mein Smartphone sehr realitätsnah bediente, inkl. erschwertem Scrollen wegen schwitziger Finger, 2. dass ich einmal mehr im Stande war, Buchstaben zu erkennen und Wörter zu erfassen.

Dienstag, 17. Juli 2018

Vermischtes

Wenn man im Müslimischer von Mymuesli eine Zutatenkombo erwischt, die vor einem noch niemand gewählt hat, wird einem das am Ende des Bestellvorgangs mitgeteilt.


Letztens war es wieder soweit: Als Erster überhaupt hatte ich ein Müsli kreiert, das exakt aus Dinkel-Quinoa-Crunch, Pekannüssen, Joghurt-Orangen-Crunchy, Granatapfel und Pflaumen bestand. Klingt bärenstark, hat aber einen gewaltigen Haken: Die Fruchtstückchen bleiben an den Joghurt-Crunchys kleben und bilden so schwer zu brechende Klumpen, die den morgendlichen Genuss stark eindämmen. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass euch dieselbe Kombination "gelingt": Lasst es! Und falls sich andere Zusammensetzungen ebenfalls als inkompatibel erweisen: Teilt diese Erfahrung! Wir könnten dann gemeinsam ein "Schwarzbuch der Mymuesli-Mixturen" erstellen.

Montag, 16. Juli 2018

Und nun: ein Wetter (nicht DAS Wetter!)


Als ich diesen Screenshot von der Seite wetter.de machte (auf wetter.com war Ähnliches zu sehen), goss es bereits seit Stunden wie aus Eimern. Und nein, ich hatte nicht versehentlich die Daten für einen anderen Ort abgerufen. Das ist doch nicht mehr normal! In keinem anderen Feld wird seit einiger Zeit so viel gepfuscht. Aber spräche ich Jörg Kachelmann darauf an, würde er mich garantiert als Vollidioten beschimpfen und behaupten, dass "Risiko" sich selbstverständlich nicht auf die Niederschlagswahrscheinlichkeit bezieht, anstatt zuzugeben, dass die Metereologie womöglich doch nicht viel zuverlässiger ist als Gedärmeleserei und Vogelflugdeutung.

Update: Just am heutigen Tag schreibt Molinarius im Techniktagebuch darüber, "wie schwer es offenbar ist, [...] lokal begrenzt[e] Unwetter vorherzusagen, und wie sich die Wetterdienste dabei offenbar täuschen können".

Freitag, 13. Juli 2018

Rettet den Scheinfriedhof

Der Wikipedia-Artikel "Scheinfriedhof" (absichtlich nicht verlinkt) "ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt", wie es bedrohlich ebendort heißt. Der vorangestellten Warnung folgt ein Text, der zu interessant ist, um ihn in einer digitalen Gruft verschwinden zu lassen, weswegen ich ihn hier herüberrette.
Der Scheinfriedhof ist ein selten verwendetes Gestaltungselement der Gartenkunst. Es handelt sich um einen Platz unechter Gräber oder Grabsteine innerhalb einer Gartenanlage oder eines Parks. Der Scheinfriedhof dient also nicht der Bestattung von Toten. Er ist zu unterscheiden vom Ehrenfriedhof und Ehrenhain. Ein einzelnes Scheingrab heißt Kenotaph.
Der Scheinfriedhof zählt zu den stimmungsschaffenden Elementen im Rahmen aufklärerischer oder romantischer Gartenschöpfungen. Die Grabdenkmale können bestimmten Persönlichkeiten gewidmet sein, sie können aber auch namenlos oder mit fingierten Namen versehen sein. Der Scheinfriedhof dient der Schaffung einer feierlichen Stimmung, die dem Besucher die Vergänglichkeit menschlichen Lebens vermitteln soll, und soll als Vanitas-Symbol verstanden werden. Die Lage auf einer Insel inmitten eines ruhigen Gewässers steigert das Gefühl von Erhabenheit und Einsamkeit.
Beispiele für Scheinfriedhöfe finden sich im Irrhain in Kraftshof bei Nürnberg und im Parc del Laberint (Fals cementiri) in Barcelona. Auch die Rousseau-Inseln können aufgrund der landschaftlichen Gestaltung hier eingeordnet werden.
Vielleicht verfügt ja jemand von euch über genug Wissen und/oder Recherchedrang, um den Beitrag zu verbessern und so vor der Löschung zu bewahren.

Mittwoch, 11. Juli 2018

Kurz notiert: Schneller herzen

Seit beinahe zweieinhalb Jahren habe ich die Instagram-App auf meinem Telefon installiert, und erst letzte Woche habe ich, indem ich jemand anderem aufs Display schielte, gelernt, wie man viel einfacher und rascher einen Beitrag liken kann. Statt – wie ich es bis dahin getan hatte – auf das winzige Herz-Icon zu tüpfeln, kann man zweimal kurz hintereinander auf das zu favorisierende Bild tippen! Wie lange es jetzt wohl dauert, bis mir diese Technik in Fleisch und Blut übergegangen ist?

Montag, 9. Juli 2018

Gut Wink will Weile haben

Kurz nach meinem letzten "Facebook und Sprache"-Beitrag fällt mir schon wieder etwas auf: Benutzen zwei Chattende die wozu auch immer gut seiende Winke-Funktion, erscheint im Chatfenster folgende Meldung:


Aber hier will ich nachsichtig sein. Neben dem korrekten Partizip gewinkt akzeptiert selbst der Duden inzwischen die Form gewunken, versieht sie gar mit dem Prädikat "häufig". Ein doppelt bemerkenswerter Prozess vollzieht sich hier. Zum einen wandelt sich ein Verb vom schwachen zum starken – üblich ist das Gegenteil (backte statt buk; schaffte statt schuf; in einem Seminar, an dem ich teilnahm, fiel sogar einmal der Übersetzungsvorschlag "er schwörte" und niemand nahm daran Anstoß). Zum anderen hat die "Stärkung" noch nicht das gesamte Paradigma erfasst: Anders als bei backen, schaffen et al. hat die alternative Konjugation von winken beim Partizip II begonnen und sich vorerst darauf beschränkt. An das Präteritum "wank" (analog zu sank und stank) hat sich noch niemand herangewagt.

Kennt eigentlich noch jemand "Gruscheln"?

Freitag, 6. Juli 2018

Sommerdrinktrend 2018: Kochtails

Michele Heinrich, deutscher Bartender des Jahres 2017, hat der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Interview gegeben ("[Der Long Island Iced Tea] ist unserer Meinung nach kein Cocktail, der wirklich schmeckt, sondern einfach was, mit dem man sich volllaufen lassen kann.") und fünf Cocktailrezepte vorgestellt. In der Hoffnung, einen oder mehrere davon vielleicht mal selbst zu mixen, las ich mir alle aufmerksam durch. Die Zutatenlisten waren nicht gänzlich unzumutbar (wobei ich bis dahin weder Verjus noch Falernum kannte), aber die Zubereitung ...

Das erste Rezept, "Louies Highball", beginnt so: "Kurkuma und Kardamom-Kapseln mit Bourbon bei 72 Grad für 90 Minuten im Sous-vide-Bad kochen." Ooooookay. Lieber weiter mit dem "Joyce Punch": "Bananen mit 1l Bourbon bei 75 Grad für 90 Minuten im Sous-vide-Bad ziehen lassen. Petersilie mit 1l Bourbon bei 52 Grad für 99 Minuten im Sous-vide-Bad ziehen lassen." Hm. Was ist mit dem "Flamboyant Redhead Punch"? "Estragon mit Salbei und Gin für 90 Minuten bei 52 Grad im Sous-vide-Bad infusionieren." Next: "Pete Parsley". "Gin mit Petersilienwurzel bei 72 Grad 90 Minuten im Sous-vide-Bad ziehen lassen." Zu guter Letzt der "Bruno": "Tonkabohnen mit Granatapfelkernen und Bourbon für 90 Minuten bei 72 Grad im Sous-vide-Bad ziehen lassen." Weitere Arbeitsschritte der verschiedenen Rezepturen beinhalten Trauben mit Zucker vakuumieren, Traubenmatsch zwei bis drei Tage ruhen lassen, doppeltes Abseihen sowie eine Zuckermasse aufkochen.

Nennt mich altmodisch, aber bei sommerlichen Getränken gelten für mich zwei Regeln: 1. Die Zubereitungszeit sollte die Konsumierzeit nicht überschreiten; 2. Es sollte niemals erforderlich sein, Dinge zu erwärmen, geschweige denn zu garen. Kosten würde ich die genannten Cocktails dennoch gerne.

Dienstag, 3. Juli 2018

Süß: Kartoffelkrapfen

Ich würde mich gerne mal in einem Rundumschlag so richtig auskotzen über die ganzen entsetzlichen Menschen, die mittlerweile fast jede Nacht dafür sorgen, dass ich vor Wut kaum einschlafen kann, von Trump über Seehofer über Alphonso bis Lewitscharoff und Poschardt undundund. Aber ich flüchte mich lieber in Lebensmittelrezensionen, Smiley!


Die neuen Sweet Potato Churros der in Sachen Mexican food bewährten Marke Fuego überzeugen mich nur bedingt, was vielleicht daran liegt, dass ich weder einen Airfryer noch eine echte Friteuse besitze. Im Backofen geraten die Krapfenartigen – wie übrigens auch Süßkartoffelpommes – jedenfalls nicht so bissfest, wie ich es mir gewünscht hätte, gehen eher in Richtung pappig-mehlig. Zudem weiß man nicht, ob man sie herzhaft oder süß genießen soll. Einerseits empfiehlt die Verpackung das Dippen der Churros in Nacho-Salsa, andererseits möchte man das Fettgebäck ganz klassisch mit Puderzucker bestreuen. Ich habe beides probiert, und beides funktioniert nur so halb. Außerdem beinhaltet eine Tüte zu viel für eine Person, aber zu wenig für zwei. Nach dem Verzehr fühlte ich mich einigermaßen schlecht. Da hätte ich mich ja gleich mit den ganzen entsetzlichen Menschen wie Spahn und Dobrindt und von Storch und von Uslar und Reichelt undundund befassen können!
4/10 


Sonntag, 1. Juli 2018

Kleines TMNT-Update

Erinnert ihr euch noch an das von xkcd erfundene Spiel "Wikipedia-Artikelnamen mit zur Teenage-Mutant-Ninja-Turtles-Titelmelodie singbarem Betonungsschema finden"? Nein? Macht nichts. Auch ich hatte ewig nicht daran gedacht, bis ich vergangene Woche dieses Blatt aus dem guten Manufactum-Apfelkalender in der Hand hielt:


"Weißer Sommer Taubenapfel / Weißer Sommer Taubenapfel" ertönte noch stundenlang als Variation des TMNT-Themes in meinem Hirnkastl. Einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat diese Apfelsorte leider nicht. Wohl aber das ebenfalls ins Muster passende Lied "Kleine weiße Friedenstaube" – für mich übrigens die heimliche Nationalhymne der DDR.

Samstag, 30. Juni 2018

Ordnungsgemäß verwendete Wörter

Dieser Hinweis wurde zwar nicht mir angezeigt, sondern jemand anderem, der ihn daraufhin screenshottete und öffentlich teilte, aber er ist echt:


Ich selbst bekam dies zu Gesicht:


Die alte "scheinbar"/"anscheinend"-Verwechslung, im Jahr 2018 und bei einem der bedeutendsten Unternehmen auf dem Erdenrund! Was machen eigentlich die unzähligen Angestellten den ganzen Tag? 

Ich möchte nicht kritteln, ich stelle nur Dinge fest. Zum Beispiel stelle ich fest, dass Facebook Seitenbetreibende nicht länger mit "Bewerbe Beitrag xy für 9 €" ermuntert, sondern mit "Bewirb". Gut.

Zuvor in diesem Blog: 

Donnerstag, 28. Juni 2018

Jack in the box

Preisfrage: Was esse ich hier?


Gulasch, oder? Das kann nur Gulasch sein! Hier ein Detailausschnitt:


Ich zumindest wäre mir, hätte man mir das Gericht ohne weitere Angaben vorgesetzt, sehr sicher gewesen, es mit einem ganz normalen – wenn auch extrazarten – Rindsgulasch zu tun zu haben. Doch nein! Es handelt sich um den neuesten Trend in der Veggieküche: 


Die Frucht des in Südwestindien heimischen Jackfruchtbaums (Artocarpus heterophyllus) "hat das Aussehen und die Textur von Fleisch" (Zitat Verpackungsrückseite) und eignet sich daher hervorragend als Basis für Fertigmahlzeiten wie das hier abgebildete, welches ich letzte Woche bei Rewe entdeckte. Es gab die Geschmacksrichtungen Curry, Teriyaki und natur, und ich entschied mich für Teriyaki, denn wann kommt einem schon mal ein fleischloses Teriyaki-Gericht unter? Die Sorte "natur" empfiehlt sich als gute Grundlage für individuelle Verfeinerungen, denn der Eigengeschmack der Jackfrucht wird mit "neutral" beschrieben. Die Konsistenz und die Faserigkeit haben mich wie gesagt ehrlich verblüfft und mir das Mundgefühl von echtem verarbeiteten Tier beschert (nicht dass ich darauf stehen würde), einzig das Fehlen von Knorpeln und Fetteinlagerungen (Dinge, auf die ich gerne verzichten kann) machte mir klar, dass ich um eine vegane Alternative verspeiste. Irre!

Der 200-Gramm-Beutel wird im Wasserbad erhitzt, man kann den Inhalt aber auch in der Pfanne anbraten. Eine Portion kostet 3,99 €. Hersteller ist das auf Reis spezialisierte Berliner Lebensmittelunternehmen Lotao.

Samstag, 23. Juni 2018

Wanderer, kommst du nach Hessen ...

Die Rubrik "Ausflug am Wochenende" in der Freitags-FAZ ist Gold wert! Wo es in einer normalen Wegbeschreibung heißen würde "Gehen Sie geradeaus dem Bach entlang bis zu einem roten Gebäude, dann biegen Sie rechts ab und folgen Sie dem Wegweiser nach Falkenstein", steht bei Thomas F. Klein, dem 77jährigen Verantwortlichen der Glosse:
"Fast alle Wanderzeichen weisen ins Urselbachtal. Deshalb muss keines hervorgehoben werden. Ausgangs der Partie durch das zunächst offenere Terrain und dem kurzzeitigen Wechsel auf die – in Gehrichtung – rechte Bachseite vor einem roten Gebäude heißt es ohnedies ab der Rückkehr über den Holzsteg vorerst ohne Markierung weiterlaufen, wenn wir uns gegenüber nach 'Falkenstein' einreihen."
Man liest solche Passagen vier-, fünfmal, und wenn man ungefähr zu ahnen glaubt, was gemeint ist, wird man von (bei dieser Textsorte besonders "sinnvollen") Zeitsprüngen überrascht ("Dieser [schwarze Punkt] wird auch relevant, nachdem es vorerst geradeaus weiterging"), wird von "zwar"-Sätzen, denen kein "aber" folgt, irre gemacht oder findet sich beim gedanklichen Skizzieren von Aussagen wieder wie "Ab dem nahen Felsklotz ist allein der Punkt links über ein Pfädchen maßgeblich, das sich auch nach Kreuzen des von den Abkürzenden benutzten Weges fortsetzt". Das Wort "hinan" spielt auch oft eine Rolle.
Am Ende tut einem der Schädel mehr weh als die Waden. Trotzdem isses immer wieder schön.


Donnerstag, 21. Juni 2018

Corny jokes

Nicht nur gibt es heute alle möglichen Mainstream-Süßigkeiten als Getränk, auch jedes denkbare Schokoprodukt, von Bounty bis Teasers, existiert inzwischen in Brotaufstrichform. Gut! Corny – auf Wikipedia leicht höhnisch "als Müsliriegel beworbenes Produkt" genannt – bringt seit neuestem zwei Aufstriche heraus: Schokocreme mit Getreidecrispies und Milchcreme mit Banane, Schoko & Getreidecrispies. Sie nennen sich "Crunchy" und sind genau das, was man sich darunter vorstellt, nämlich die zu einer streichfähigen Masse verrührten Knusperriegel. Beide Sorten finde ich eigentlich langweilig, vor allem bin ich nicht unbedingt Bananenfan. Dennoch: Alle paar Tage auf einer Brötchenhälfte genossen, bildet "Crunchy" eine willkommene Abwechslung. Die Zutatenliste offenbart nichts allzu Verwerfliches. 7/10


Mittwoch, 13. Juni 2018

Der tägliche Augenverdreher


Es wirkt heute drollig, was dem Journalismus der 1960er als "ungleiches Paar" erschienen ist -- ach nee, halt! Der Artikel ist aus dem Jahr 2018.

Montag, 11. Juni 2018

Faszinierende Insel: Hans

Die Hans-Insel – englisch Hans Island, dänisch Hans Ø, grönländisch Tartupaluk ("nierenförmig") – ist eine unbewohnte Insel bzw. ein aus dem Meer ragender "Hügel" (auf der englischsprachigen Wikipedia ist von "knoll" die Rede) im Kennedy-Kanal. Der Kennedy-Kanal verläuft zwischen der kanadischen Insel Ellesmere* und dem nordgrönländischen Washington-Land, und die Hans-Insel hat nun das "Glück", ziemlich genau in seiner Mitte und in der Zwölfmeilenzone von sowohl Kanada als auch Grönland (und damit Dänemark) zu liegen. Da ist ein permanenter Disput zwischen beiden Nationen natürlich programmiert. Der Mensch streitet halt gern, auch um unfruchtbare Gesteinsbrocken im Eismeer. Der Ständige Internationale Gerichtshof in Den Haag hat 1933 zugunsten Dänemarks entschieden. Das hat Kanada nicht davon abgehalten, seitdem Surveys verschiedener Art durchzuführen. In den 1970ern sollte dann ein für alle Mal Klarheit geschaffen werden, in Form einer definitiven Grenzfestlegung. Die strenge gedachte Linie, die durch den Kennedy-Kanal "fließt", schneidet die Hans-Insel in zwei Teile, darin war man sich einig. Doch eine gültige Vereinbarung verschob man (wahrscheinlich aus Faulheit – neben Streitlust eine andere allzu menschliche Eigenschaft) ... und hat man bis heute nicht getroffen. Man hätte natürlich eine Grenze durch die Insel hindurch ziehen und sie (à la Usedom und Hispaniola) zu einem Eiland mit zwei Staatsgebieten machen können. Auch hätte man sie zu einem Kondominium erklären können: ein Territorium, über das zwei Herrschaftsträger entweder abwechselnd oder gleichzeitig gebieten. Das wurde erst 2015 von Gelehrten vorgeschlagen. Aber nein, stattdessen hat sich seit 1984 eine inoffizielle und, wie ich finde, sehr sympathische "Zwischen"-Lösung etabliert: In unregelmäßigen Abständen besucht eine Abordnung eines der beiden Länder das Inselchen, hisst die jeweilige Flagge und hinterlässt darunter eine einheimische Spirituose. Darüber, wer damit angefangen hat, sind sich die Quellen uneins: Der New York Times zufolge war es Kanada mit einer Flasche Whisky, laut Business Insider (sich auf CBC beziehend) Dänemark mit einer Flasche Brandy. Heute sind wohl Canadian Club und dänischer Schnaps die Hoheitszeichen der Wahl. Ansonsten passiert auf dem 1,25 km² großen Felsen nicht viel.

Toubletap, Wikipedia, CC BY-SA 3.0

* Ob der Name der Insel Elsweyr aus den "Elder Scrolls" darauf anspielt? Von der Lage und der Klimazone her ist diese allerdings das glatte Gegenteil von Ellesmere.