Montag, 19. November 2018

Just dough it

Über die Berliner Bar, die rohen Keksteig (minus die Eier) als quasi Speiseeis-Alternative feilbietet, wurde bereits genug geschrieben, weswegen ich mich im Folgenden einigermaßen kurz fasse. Keksteig naschen ohne das lästige Backprozedere davor, das klingt erst mal nach dem ultimativen Kindheitstraum. Und natürlich wollte ich mir diesen Traum erfüllen, seit ich zum ersten Mal von jenem "Café" (es ist ein wirklich sehr kleines Geschäft mit gerade mal vier Sitzplätzen am Rand) las. Letztes Wochenende habe ich ihn mir nun erfüllt.

Aus den acht verschienden Sorten wählte ich "Caramel Overload" und "Brownie Peanut Crunch". Letztere war sogar vegan, was man an der fehlenden Butterigkeit durchaus schmeckte. Auf Toppings verzichtete ich, obwohl diese zum Teil auch sehr verlockend klangen (Streuselteigstückchen, Butterscotch-Soße). Das war weise. Noch weiser wäre es gewesen, sich auf eine einzige "Kugel" zu beschränken. Denn my-oh-my, hat man das Zeug schnell über! Nach dem Leeren meines Becherchens war ich jedenfalls nicht nur pappsatt, ich fühlte mich regelrecht mies und einfach nur voll. Unlecker sind die gut löffelbaren Massen keineswegs, aber das Gesamterlebnis tritt weit hinter der liebgewonnenen Erfahrung des Schüsselauskratzens zurück. "Das ist halt so eine Idee, die man spontan für genial hält, und dann setzt man es einfach um und es stellt sich heraus, dass es gar nicht sooo geil ist", fasste einer meiner Begleiter diese vermeintlich revolutionäre Süßspeisen-Innovation zusammen. Der Besucherflow scheint trotzdem konstant hoch zu bleiben. Man muss es eben einmal erlebt haben, werden sich die meisten sagen; dass sie wegen der Ernüchterung bzw. der sich einstellenden Selbsthassanfälle kein zweites Mal kommen, tut dem Erfolg keinen Abbruch. In einer Stadt wie Berlin hält genug auswärtige Laufkundschaft den Laden am Brummen. Zumal es zusätzlich eine Filiale in Stuttgart gibt und der Keksteig neuerdings auch für Zuhause erworben werden kann, sogar in ausgewählten Supermarktketten – wohlgemerkt nicht fertig, sondern als Mischung zum Selberanrühren ("Margarine oder Butter mit etwas Wasser oder Milch zur Cookie-Mischung geben und im Handumdrehen ist das cremig-köstliche Teigvergnügen fertig!"). Das werde ich aber nicht auch noch testen. Da kann man doch gleich richtig backen!

Mittwoch, 14. November 2018

Kurz verlinkt: Schuss-Wortwahl

Das BildBlog nimmt sich des Themas "deutschsprachige Berichterstattung bei schusswaffenbasierten Verbrechen in Amerika" an und kritisiert dabei vor allem die Übersetzung von shooting mit "Schießerei", die fast immer ungenau und meistens voreilig ist. Anlass ist der Massenmord von Thousand Oaks. Solange die Situation unklar ist, mag es sich anbieten, lediglich von "Schüssen" zu sprechen, da hier sowohl offen ist, wie viele Menschen geschossen haben als auch, ob jemand getroffen worden ist.
Mein Fazit: Solange wir nicht das englische Wort shooting samt seinem Bedeutungsspektrum entlehnen, bleibt die Situation kompliziert.

(Dies ist ein Update zu "Den Schuss nicht gehört".)

Dienstag, 13. November 2018

Wie seed das denn aus?!


Wenn ich so etwas im Regal eines Supermarktes (in diesem Fall: Tegut) stehen sehe, kann ich einfach nicht vorbeilaufen, ohne es mitzunehmen! Und 1,95 € zahle ich natürlich gern für ein Getränk, in dem etwas schwimmt, das aussieht wie Chiasamen. Es handelt sich allerdings um Basilikumsamen, basil seeds, und die werden auf einschlägigen Blogs bereits als "die neuen Chiasamen" gehandelt. Supergesund sollen sie sein und ein ähnliches Quellvermögen wie jene aufweisen, weshalb sie nicht nur ähnlich ausschauen, sondern auch vom Mundgefühl her nicht von Chia zu unterscheiden sind. 

Abgesehen von Basilikum, der in seiner Samenform übrigens nicht im Geringsten wie Basilikum schmeckt, steckt in dieser 290-ml-Flasche: Honig (steht ja auch drauf: "Honey Drink"), Zucker, Wasser, Gellangummi (E418; "gilt als völlig harmlos", lebensmittel-warenkunde.de), Zitronen- und Ascorbinsäure. Der unter der Marke "American Drinks" vertriebene Drink ist süß. Sehr süß. So honig-zuckrig, dass er frappant an ostasiatische Dosengetränke erinnert. So verwundert es denn auch kaum, dass dieser "Saft", den es übrigens noch in der Variante "Ananas" gab, in Vietnam hergestellt wird. Ordentlich gekühlt lässt er sich gut wegschlürfen. Leider kann ich unterm Strich nur 6/10 Punkten vergeben. Einen Punkt muss ich abziehen, weil die Flasche mit einem eigenartigen Kronkorkenmechanismus gesichert ist, von welchem mir beim Versuch, sie zu öffnen, die Lasche abriss und -- ach, es war eine Schinderei sondergleichen!


Dienstag, 6. November 2018

YFood – Why?

Einmal mehr begab es sich, dass in einem Supermarkt etwas rumstand, das ich noch nicht kannte und das darum sofort von mir gekauft werden musste.


"This is Food" aus dem Hause YFood (München) behauptet von sich nicht nur, Nahrung (wörtlich: eine "ausgewogene Trinkmahlzeit") zu sein, sondern preist sich gar als "Ernährung der neuen Generation" an. Erhältlich war es bei Rewe in 500-ml-Flaschen zu je 2,69 € und in den Sorten "Alpine Chocolate", "Fresh Berry" und "Smooth Vanilla". Ich entschied mich für letztere. Der Geschmack ist tatsächlich vanillern, die Konsistenz liegt irgendwo zwischen Milch und Shake. Ein ganz leicht pulverig-sandiges Mundgefühl stellt sich ein, alles schreit geradezu "Vollwert-Fitness-Protein-Drink". Insgesamt aber durchaus genießbar. 
Nun die entscheidende Frage: Ersetzt der Flüssigmisch tatsächlich ein vollwertiges Essen? Laut Verpackungsaufdruck deckt der Inhalt 25% des Tagesbedarfs an Energie, 31% an Fett, 67% an Eiweiß. In absoluter Zahl sind es exakt 500 Kilokalorien, die man sich in den Korpus schüttet. Man sollte mithin für ein paar Stunden gut gesättigt sein, right? Weit gefehlt! Offensichtlich sind 500 kCal für mich entschieden zu wenig, denn bereits um 15 Uhr – zwei Stunden nach Einnahme des Getränks – hatte ich schon wieder Hunger und musste mir im hervorragenden, nahe meinem Arbeitsplatz gelegenen Laden "Wurst - Backwaren - Milch" ("WuBaMi") ein Schälchen Nudelsalat holen.
Ungesund ist "This is Food" keineswegs. Neben allerlei Vitaminen enthält das (glutenfreie) Produkt eine ordentliche Schippe an Mineralien, darunter sogar Selen, Mangan und Molybdän! Die die Basis bildende Milch (Fettgehalt 1,5%) ist laktosefrei, zudem wird auf Zuckerzusatz verzichtet. Als Süßungsmittel kommen Acesulfam-K und Sucralose zum Einsatz, wobei die Mengenangaben fehlen – leider: Denn während Zweiteres einhellig als unbedenklich gilt, möchte ich von Ersterem ungern mehr als 15 mg konsumieren (Blogleser/innen wissen mehr).
Fazit: Als eine Art "mächtigeres" Dessert taugt dieser Trunk allemal. Eine der drei Hauptmahlzeiten des Tages damit zu ersetzen, kann ich mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen. Ich vergebe 5/10 Punkten.
Übrigens lädt das deutsche Start-up auf seiner Homepage "Influencer" dazu ein, es "zu unterstützen", also vermutlich, sich für ein paar Gratisflaschen YFood-verherrlichend auf Instagram zu inszenieren. Igitt.

Sonntag, 4. November 2018

2x13 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen

  • Geburtsvorgang beim Schaf: Lammen
  • Eckbronzen an alten Möbeln: Chute
  • Orgelregister: Jeu
  • gotisches Türmchen: Fiale
  • warmer Saharawind: Leste
  • Löcher in einer Eisdecke: Waken
  • livländischer Kümmellikör: Allasch
  • altes Rundholzmaß: Palm
  • Getreideschober: Seim
  • Paket aus Geldrollen: Grupp
  • Zielgerät: Diopter
  • Schiffsfracht: Fret
  • Dachform: Shed
  • europ. Affenart: Magot
  • osteurop. Gewicht (400 g): Funt
  • Giftpflanze: Germer
  • Stufe des alpinen Trias: Nor
  • eine Edelsteinfassung: Pave
  • heißer Saharawind: Harmattan
  • kleinasiat. Gebetsteppich: Melas
  • staatl. Dienstflagge (Auto): Stander
  • alte Kreidestufe (geolog.): Gault
  • sandalenartiger Schuh: Opanke
  • Abart des Quarzes: Mocha
  • Kirchenlesepult: Ambo
  • Feingehaltsstempel für Gold: Repunze

Freitag, 2. November 2018

RoSS-Post

Eine Premiere in meinem Spamordner: die erste Mail aus dem Südsudan (amtlich: Republic of South Sudan [RoSS])!


Nun gut, wie man unschwer erkennen kann, wurde die Nachricht von einer portugiesischen Adresse versendet. Trotzdem freue ich mich, mal was anderes als Werbung für Gartenschläuche und Antischnarchmittel vorzufinden.

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Der letzte Schrei

Zum heutigen Halloween-Tag soll es nicht, auch wenn's passend wäre, um Scream-Queen Jamie Lee Curtis gehen, sondern um Scream-Princes(ses), i.e. Kinder (für die der beliebte westliche "Feiertag" ja auch da ist). Ich möchte keineswegs den Pfad eines Altherrenkolumnisten einschlagen, aber ab und an muss ein kritisches Wort bezüglich unseres Nachwuchses erlaubt sein. Sollten those goddamn kids heute Abend an meiner Tür schellen, werde ich ihnen nicht eher Süßigkeiten in den Eimer werfen, bevor sie mir diese Frage beantworten: Warum schreit ihr immer so??? Nein, Quatsch, selbstverständlich werde ich den Blagen gar nicht erst öffnen. Trotzdem wüsste ich gern, was mit denen los ist. Mein Arbeitsplatz befindet sich direkt neben einer Grundschule, die sich selbst als "Schule aller Kinder" bezeichnet, weswegen ich davon ausgehe, dass die dort aufbewahrten Schüler/innen exemplarisch für ihre Alterskohorte sind – und damit auch deren liebste Beschäftigung: Brüllen wie am Spieß. In jeder Hofpause hört man sie gellen, und damit meine ich nicht, dass sie sich besonders hochamplitudig unterhalten würden, nein, sie geben einfach nur unartikulierte Laute von sich. Sie quieken, kreischen, plärren, und ich habe weder eine Ahnung, was sie währenddessen treiben (ich kann ja nicht wie ein Creep über die Schulmauer lugen), noch wie ihre zierlichen Lungen und Zwerchfelle derartige akustische Meisterleistungen zu vollbringen in der Lage sind. Andererseits: Soll man sie daran hindern, sich ein paar Mal am Tag für wenige Minuten richtig auszuleben, sich abzureagieren? Den armen Rackern wird in ihrem Leben gewiss noch oft genug der Mund verboten werden.

Montag, 29. Oktober 2018

Was ich mir verkniffen habe

Ich war gestern als Wahlhelfer im Einsatz, und jedes Mal, wenn eine Wählerin oder ein Wähler aus der Kreuznacher Straße im Wahllokal aufschlug, hätte ich am liebsten gesagt: "Ah, kein Wunder, dass Sie vorbeikommen, schließlich wohnen Sie in der Kreuzmacherstraße!" Da ich meinem Ehrenamt den nötigen Respekt entgegenbringen wollte, habe ich allerdings darauf verzichtet und reiche den Witz an dieser Stelle nach. Gut, gell?

Samstag, 27. Oktober 2018

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Black Butterfly: Der Mörder in mir
Relativ neuer, bis dahin an mir vorbeigegangener Psychothriller, in dem Antonio Banderas das Klischee des zurückgezogenen Schriftstellers verkörpert, der es in seiner abgelegenen Hütte mit aufdringlichen und zunehmend bedrohlichen Fremden zu tun bekommt. Man ahnt sehr schnell, dass alles auf einen bösen Twist hinausläuft. Der kommt dann auch, und manch einer wird dabei leichte Unglaubwürdigkeit monieren. Wer aber beispielsweise "Das geheime Fenster" oder "Killing Season" mochte, wird die anderthalb Stunden nicht als absolute Zeitverschwendung bewerten.

The King's Speech
Diesen Oscar-Liebling habe ich in der deutschen Synchronisation nachgeholt, welche eingedenk dessen, dass hier das Thema (Aus-)Sprache im Mittelpunkt steht, sagenhaft gut gelungen ist. Darüber hinaus habe ich mich nicht nur am lebendigen und ergreifenden Spiel erfreut, sondern auch einiges über die delikaten Umstände der Krönung Königs Georg VI. und der Abdankung seines Bruders gelernt.

Jurassic World: Das gefallene Königreich
Konnte man dem ersten Teil des Reboots noch ein gewisses Potenzial zur Nostalgiebefriedigung zugestehen, sehe ich bei der Fortsetzung überhaupt keine Existenzberechtigung. Ja, es sieht alles makellos aus, und Chris Pratt und Bryce Dallas Howard sind nach wie vor gut gecastete Sympathieträger, aber als Nebenfiguren dienen lachhafte Karikaturen (ängstlicher Nerd, sassy Jungwissenschaftlerin, gewitzte Göre, schleimiger Erbschleicher), und der neue Super-Hybrid-Dino kann dem ollen T-Rex einfach nicht das Wasser reichen. Zudem ist der Kniff, die Monsterhatz mit allerlei dramaturgischem Aufwand und inszenatorischem Budenzauber aufs Festland zu verlegen, recht sinnlos, da sich die Action im letzten Drittel auf ein abgestecktes Areal (Anwesen im Wald plus Umgebung) konzentriert, womit die Bedrohung für die gesamte Welt – die ja auch ausweislich der Post-Credits-Szene das zentrale Sujet sein soll – kaum rüberkommt. Die Erforschungs- und Evakuierungssequenzen auf Isla Nubla sind somit das Spannendste an dem 3D-Kracher, und trotzdem zahnloser als weite Strecken von "Jurassic Park" 1 & 2. Und wie überflüssig und krampfig war bitte der Gnaden-Auftritt von Jeff Goldblum?

The Bye Bye Man
An diesen deutlich sich am Slenderman-Hype abarbeitenden Horrorstreifen kann ich mich kaum noch erinnern. Besonders miserabel war er, glaube ich, aber nicht.

Die Jagd (OT: Jagten)
Beklemmendes dänisches Drama um einen einer Ungeheuerlichkeit verdächtigen Erzieher (Mads Mikkelsen), das päzise und schonungslos die Mechanismen von kleineren bis mittelgroßen Menschengruppen aufzeigt; vermutlich sogar eine Lehrstunde in der Soziologie des Dorfes (nicht zu verwechseln mit dem "Soziologischen Dorf", wovon ich aber auch nix verstehe).

Die drei Tage des Condor
Warum dieser "Klassiker" als solcher gilt, mag sich mir nicht erschließen, vermutlich weil ich zu spät geboren bin. "Der Film", weiß Wikipedia, "verstieß gegen übliche Genre-Konventionen und dekonstruierte den klassischen Thriller, in dem Staatsdiener gegen negative Gesetzesbrecher kämpfen. Hier wurden staatliche Autoritäten infrage gestellt, sodass dieser Film dem 'New Hollywood' zuzurechnen ist." Im Jahr 2018 hat man derlei natürlich schon zigfach gesehen – und wurde jene fiktionale Paranoia bzw. paranoide Fiktion nicht eh längst von der Realität eingeholt, NSA-Skandalen & Co. sei dank? Befremdlich auch das Filmplakat: In dessen Mitte prangt als still der Kuss zwischen Robert Redford und Faye Dunaway, dabei ist dieser Liebesplot sowohl völlig nebensächlich als auch extrem unmotiviert und aufgesetzt. Naja, andere Zeiten ...

München
Reichlich unterschätzt hingegen ist Steven Spielbergs rendition des Olympia-Terrors von 1972 und der Reaktion darauf. Man sollte sich allerdings Zeit dafür nehmen, ein wenig mit den Hintergründen vertraut sein und sein Augenmerk auch auf Aspekte wie Soundmischung und Kameraführung lenken, um dieses Werk von 2005 voll goûtieren zu können.

A Quiet Place
Seit einigen Jahren werden Horrorfans geradezu verwöhnt. Sicher, ich habe in diesem Blog schon jede Menge Schrott aus diesem Genre rezensiert, aber auf fünf "Jigsaws" kommt heutzutage ein "The Ritual", und "A Quiet Place" hat das Zeug zum modernen Klassiker. Es ist schön zu sehen, wie John Krasinskis Karriere nach dem Ende von "The Office" Fahrt aufgenommen hat; möge er noch weitere tolle und viel geachtete Regieleistungen erbringen! Hier mimen er und seine Real-Life-Frau Emily Blunt ein Ehepaar, das seine Kinder in einer postapokalyptischen Welt vor menschenfressenden Monstern schützen muss, die ausschließlich auf Schall reagieren. Konsequenterweise handelt es sich um einen sehr stillen, fast dialogfreien Schocker. Was für eine Idee! Für 2020 ist ein Sequel angekündigt.

Gladiator
Noch ein Beispiel von "Muss man wohl mal gesehen haben". Kurzfazit: Selbst für die Generation "Game of Thrones" noch sehenswert, und Hans Zimmers zeitlos stimmiger Score erzeugt Gänsehaut.

#Zeitgeist (OT: Men, Women & Children)
Komischer deutscher Titel, der allerdings insoweit zutrifft, als dieses episodische Drama sehr mode- und zeitgebunden ist. Bereits vier Jahre nach Release zeigen sich die ersten Alterungserscheinungen. Außerdem stört mich, dass es der gute Jason Reitman zu sehr auf Belehrung einerseits und Versöhnlichkeit andererseits anlegt. Abermals ist die Synchronfassung zu loben: Alle Texte, die auf Displays erscheinen oder über die Szenerie laufen, wurden 1:1 durch die jeweilige Übersetzung ausgetauscht, so dass es wirkt, man schaue auf deutsches Rohmaterial. Professionell!

Dienstag, 23. Oktober 2018

Wie süß ist das denn?! (Teil 7)

Heute soll es nun endlich um Zusatzstoffe gehen, die nicht zugelassen sind, sei es weltweit, in der EU oder in Deutschland. Eine Auswahl.

1. Mabinlin
Vier Proteine mit den Namen Mabinlin I (oder Mabinlin-1) bis IV (-4) stecken in den Samen der chinesischen Pflanze Capparis masaikai, weswegen diese Samen seit jeher von Einheimischen in der Provinz Yunnan verwendet werden, auch in der traditionellen Medizin. Die Süße soll nach dem Kauen langanhaltend sein, die Süßkraft liegt im Vergleich zu Saccharose beim Faktor 10 (I) bis 375 (II). Nachteile sind eine stopfende Wirkung und ein bitterer Nachgeschmack. Die Hitzebeständigkeit schwankt je nach Protein (II ist am stabilsten). Seit seiner Entdeckung Anfang der 1980er Jahre ist keines der Mabinline je kommerziell hergestellt und vertrieben worden.

2. Miraculin
Dieses Glycoprotein ist kein Geschmacksstoff per se, sondern ein Geschmackswandler oder -veränderer, der eigentlich saure Lösungen auf der Zunge süß wirken lässt. Genau dieser Effekt gab dem Miraculin und den Früchten, in welchen es vorkommt (Wunderbeere), seinen bzw. ihren Namen. Miraculin könnte als Zuckeralternative in Softdrinks dienen und vor allem für Diabetes-Patienten ein Segen sein. Zwei Probleme verhindern jedoch im Moment noch eine massenweise Produktion. Erstens löst sich Miraculin in Säure mit der Zeit auf. Man kann es Cola & Co. also nicht einfach zusetzen. Zudem hält der "Umwandlungszauber" einige Stunden an – man müsste sich nach jedem Zitronenlimogenuss den Mundraum mit einer speziellen Lösung ausspülen. Zweitens ist die Herstellung sehr teuer. Dazu Wikipedia: "Versuche, Miraculin auf gentechnischer Basis herzustellen, könnten der Herstellung eines neuen zuckerfreien Süßungsmittels dienen. Japanische Wissenschaftler waren beispielsweise erfolgreich mit der Erzeugung genveränderter Pflanzen wie dem Gartensalat, die Miraculin produzieren. Auch Ansätze zur Produktion mittels gentechnisch veränderter Bakterien (Escherichia coli) wurden bereits beschrieben."

3. Nitroaniline
... sind giftige, schwer wasserlösliche Verbindungen, von denen für uns nur 3-Nitroanilin (auch m-Nitroanilin) interessant ist. Dessen Derivat 1-Propoxy-2-amino-4-nitrobenzol war eine Zeitlang als Süßstoff im Einsatz und trug wegen seiner hohen Süßkraft von 4100 den coolen Namen Ultrasüß P-4000 (nicht zu verwechseln mit dem Ultrasüß aus Teil 5; dabei handelte es sich um ein Anilinderivat). Es hat aber "aus toxikologischen Gründen keine Bedeutung mehr" (Wikipedia).

4. Osladin
Dieser Stoff kommt im Rhizom der auch als "Engelsüß" bekannten Spezies Gewöhnlicher Tüpfelfarn vor. Nach dem tschechischen Wort für den Tüpfelfarn (osladič < osladit "süßen") ist dieses Glycosid denn auch benannt. Man kennt diesen Farn in den USA auch als licorice fern und nutzt ihn laut S. Maries und J.R. Piggotts Handbook of Sweeteners (Springer) bereits seit langer Zeit im pazifischen Nordwesten. Der markante Lakritz-Beigeschmack, die Schwerlöslichkeit in Wasser sowie die generelle Toxizität von Saponinen (= Glycoside von Steroiden) führen dazu, dass Osladin "not at all commercially viable as sweeteners" ist (Marie/Piggott). Der anfänglich mit 5000 angegebene Wert seiner Süßkraft wurde in den 1990ern auf 500 herunterkorrigiert.

5. Phyllodulcin
Außerhalb Japans "nicht in Gebrauch" (Wikipedia) ist diese Substanz aus den Blättern einer japanischen Varietät der Gartenhortensie, die Amacha ("süßer Tee") geheißen wird. Der Süßkraftfaktor schwankt je nach Quelle zwischen 200-300, 400 und 600-800 im Vergleich zu normalem Zucker. Bereits 1916 synthetisiert, ist dieses Derivat schlecht wasserlöslich und beschränkt stabil. Es entfaltet seine Süße nur zögerlich, der Nachgeschmack bleibt zu lange. In Bezug auf Gefährlichkeit für den Menschen scheint es (noch) keine Einstufung zu geben.

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Zwei Fränkwürdigkeiten

Vorgestern habe ich mir bei einem Zwischenstopp in Nürnberg etwas zum Snacken in der Hauptbahnhofsfiliale der Bäckereikette "Der Beck" geholt. Dabei entdeckte ich
1. eine Brezn-Sorte namens Sansibarbreze,
2. mit Hiffenmark gefüllte Krapfen.
Beides lässt sich ergoogeln. Die Sansibarbreze ist laut Beck-Website mit "'scharfen' Kurven" (uff!) versehen, welche durch eine pikante Salz-Pfeffer-Mischung erzeugt werden. Erklärung: Sansibar kennt man auch als "Gewürzinseln". Und der mit Hagebuttenmark gefüllte Krapfen/Pfannkuchen/Berliner/Kreppel ist tatsächlich eine oberfränkische Eigenheit ... die ich nur allzu gern probiert hätte, wenn Krapfen wegen der Marmeladenspritzgefahr nicht ein denkbar ungeeigneter Reiseproviant wären.

Montag, 15. Oktober 2018

Tortenheber der Demokratie

Ich stelle fest, dass das Wort "Totengräber" als Metapher in der Presse häufig falsch verwendet wird, nämlich als vorwurfsvolle Bezeichnung für eine Person oder eine Gruppe, die den sprichwörtlichen Tod von etwas aktiv oder durch Unterlassen herbeiführt. Die österreichische Kronenzeitung etwa mutmaßte kurz vor der bayerischen Landtagswahl, dass "Seehofer und Söder als Totengräber der Alleinregierung durch die Christlich-Sozialen in die bayrische Geschichte eingehen" könnten. Auch die "Totengräber der Demokratie" sind beliebte wiederkehrende Figuren im Mediensprech. Weitere Beispiele ließen sich mühelos finden.
Nun ist ein Totengräber jedoch in den seltensten Fällen der Mörder von dem, den er unter die Erde bringt. Auch nimmt er den Tod der oder des zu Beerdigenden nicht billigend in Kauf, noch kann er ihn voraussehen; er wird als Unbeteiligter bestellt, wenn es zu spät ist, und erledigt dann möglichst neutral seinen Job.
Da scheint mir also wieder mal ein verunfalltes Metapherngespenst herumzuspuken. Aber es klingt halt gut.

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Was macht eigentlich ... Lutz Görner?

Diese Frage kann man relativ rasch und simpel beantworten: Er lebt noch. Erst vor drei Tagen berichtete die WAZ über ein unter Begeisterung aufgeführtes Robert-Schumann-Programm Görners in Bottrop. Der bekannte deutsche Rezitator, der sich ausweislich Wikipedia im Bergischen niedergelassen hat, scheint trotz seines Alters von immerhin 73 noch ziemlich umtriebig zu sein.
Lutz Görner hat sich mir als fester Bestandteil meiner Schulzeit auf ewig ins Gedächtnis eingebrannt. Wann immer es sich im Deutsch-Leistungskurs anbot, führte unser Lehrer uns in den Videokeller (ganz recht, so was gab es bei uns; nur wenn dieser belegt war, wurde ein Fernseher in das entsprechende Klassenzimmer gerollt) und führte uns Aufnahmen der 3sat-Sendung "Lyrik für alle" vor. So ersparte es sich der notorisch zurückhaltende Pädagoge, Lehrinhalte und vor allem Primärtexte selbst vorzutragen, und überantwortete dies einem professionellen Sprecher und Schauspieler. "Lyrik für alle" wurde zum letzten Mal 2010 ausgestrahlt, die viertletzte Ausgabe behandelte sogar Robert Gernhardt! Das Gute: Alle 200 Folgen sind auf Görners Webseite archiviert. Für ehemalige Schülerinnen und Schüler mit gleicher Erfahrung eröffnet sich hier die Gelegenheit für einen herrlichen Nostalgietrip.

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Malz verloren (Enter the Atrix)

Heute möchte ich ausdrücklich von einem Produkt abraten: dem löslichen Malzkaffee von dmBio. Ich bin ein großer Fan der Lebensmittelabteilung von dm, aber beispielsweise Caro-Kaffee oder der Instant-Malzkaffee von Alnatura ist um Welten besser. Entscheidender Minuspunkt des dm-Produkts: Es verklumpt nach nur wenigen Wochen. Ach, was sag ich – es gibt seine Pulverigkeit komplett auf, verhärtet zu einem Stück Kohle, lässt sich nicht mal durch wiederholte Messerhiebe re-granulieren. Daumen runter!

Und wo ich schon mal beim Thema Drogerie bin: Jahrelang habe ich tagein, tagaus die Klassik-Handcreme von Nivea benutzt. Der Abwechslung halber wollte ich ein einziges Mal der Creme von Atrix eine Chance geben und kaufte diese. Doch ich werde damit nicht "warm". Die Konsistenz sagt mir nicht zu, der Geruch stößt mich ab. Das sind, möchte ich betonen, subjektive Empfindungen.

Sonntag, 30. September 2018

Brain Droppings cont'd

Dass Jesus für sein Gleichnis mit dem Nadelöhr ein Kamel gewählt hat, war schon genial. Ein Dromedar, das durch ein Nadelöhr geht, kann man sich ja gerade noch vorstellen. Der zweite Höcker macht den Unterschied!

Kakadus and don'ts

Leider immer noch vielerorts verpönt: Blutung stillen in der Öffentlichkeit

Kaulquappen vs. Kauleisten

Der Schweizer Stimmungsmusiker Richard "Rickch" Ästli feierte unter dem anglisierten Namen Rick Astley internationale Erfolge.

Verfassungs-Shorts
(mit Eingriff [in die Grundrechte])

"Ich bin ein erfolgreicher Pferdezüchter. Hier ist mein Portfohlio."

Gabor Steingart, aber als Remake von "Werner - Beinhart!"

Bundeshalshaut

They're formin' in a straight line
They're goin' through a tight wind
The kids are losin' their minds
Bahn-Chef Lutz

Heimliche Überwachung - not even Wanz

Wie unsere Füße wohl heute aussehen würden, wenn der Homo sapiens niemals Schuhe erfunden hätte?

Früher gab es beim Fliegen nicht so viele spaßfeindliche Vorschriften. Da durften sogar Kinder ins Cockpit, dem Piloten über die Schulter schauen, auch mal das Steuer übernehmen, Loopings schlagen, auf andere Flugzeuge schießen... Simpler times!

Immer wenn ich am Friseursalon "Karthago" in Frankfurt-Bornheim vorbeigehe, denke ich: Warum nicht "Khaarthaargo"???

Freitag, 28. September 2018

Wie süß ist das denn?! (Teil 6)

Als eine Art Bonustrack möchte ich heute auf eine schöne doppelseitige Übersicht in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 12. August 2018 verweisen.


Der Artikel behandelte das gesamte Spektrum natürlicher und synthetischer Süßung und führte zunächst einmal die Dreiheit Einfach-, Zweifach- und Mehrfachzucker ein. Vorgestellt wurden sodann die Monosaccharide Galactose (Schleimzucker), Glucose (Traubenzucker), zu welchem ersterer beim Stoffwechsel umgewandelt wird, sowie Fructose (Fruchtzucker). Zu den Disacchariden, welche die ungefährt doppelte Molekülzahl haben (ich verstehe die Chemie dahinter nicht), zählen Lactose (Milchzucker), Maltose (Malzzucker) und natürlich der good old Haushaltszucker Saccharose. 

Weiter ging es mit den Zuckeralkoholen, welche in diesem Blog bislang noch gar keine Rolle gespielt haben: Lactit, Sorbit, Maltit, Mannit, Isomalt, Erythrit und Xylit. Diese präziser als Zuckeraustauschstoffe bezeichneten Alditole "werden unter anderem als Feuchthaltemittel und Konservierungsmittel verwendet", sie sind alle von der EU zugelassen und tragen E-Kennzeichnungen. Bedenklich sind Erythrit ("bei einem verhältnismäßig hohen Konsum") und Xylit ("für einige Tiere lebensbedrohliche Folgen").

Die eigentlichen Süßstoffe auf der rechten Seite kennt man allesamt aus meiner kleinen Reihe, nur wurden hier zusätzlich die Strukturformeln mitgeliefert, denn das FAS-Publikum hätte sich gewiss mit nicht weniger zufrieden gegeben.

Donnerstag, 27. September 2018

Kaltgestellt

Eine heutzutage fast vergessene Köstlichkeit, die in meiner Kindheit eine große Rolle spielte: Kaltschale. An heißen Sommertagen wurden diese süßen Instant-Tütensuppen (im Bild: Erdbeer von Dr. Oetker) rubbeldiekatz angerührt, eine halbe Stunde im Kühlschrank belassen und dann – gerne als Hauptmahlzeit zum Mittag – serviert. Am besten fand ich immer die Sagostückchen.

Montag, 24. September 2018

Traumprotokoll: Kondensmilch

Ich war von Oliver Maria Schmitt zu einem Abendessen am Mainufer eingeladen worden. Auf einem extra herangeschafften kleinen Klapptisch kredenzte der Titanic-Herausgeber einen deftigen Gemüseeintopf, als Dessert sollte es Pflaumenkompott geben. Bevor wir mit dem Dinieren anfingen, sagte ich, dass zu dem Kompott sehr gut gezuckerte Kondensmilch passen würde, und schlug vor, eine Tube der tschechischen Marke "Piknik" von zu Hause zu holen, es würde nur fünf Minuten dauern und sich auf jeden Fall lohnen. Ich rannte also los, doch hatte ich den Weg schändlichst unterschätzt. Es dauerte nicht fünf Minuten, sondern eine gute halbe Stunde, bis ich etwa die Hälfte der Strecke zurückgelegt hatte, und dann verirrte ich mich auch noch, passierte eine Kathedrale, die mir zuvor noch nie aufgefallen war, sowie ein altes Gerichtsgebäude, das gerade abgerissen wurde. Vor dem imposanten und mir völlig unbekannten Bau stand eine umgekippte Hinweistafel, auf der vermerkt war, welche Berühmtheiten der Jurisprudenz hier drin gewirkt hatten. Ich dachte noch 'Naja, der Eintopf ist inzwischen eh kalt, da kann ich auch schnell googeln, wer diese Personen sind', doch dazu kam es nicht mehr, denn in dem Moment wachte ich auf.

Samstag, 22. September 2018

Durchzählen, bitte!

In diesem Jahr sind folgende Video-/Computerspiele erschienen bzw. werden noch erscheinen:
- Tomb Raider III
- Hitman 2
- Battlefield V
Nun wird sich selbst jemand, der nur grobe Ahnung von der Materie hat, fragen: "Hä, es gab bis jetzt erst zwei 'Tomb Raider'-Spiele?" – Gab es freilich nicht. "Tomb Raider III" ist auch nicht der offizielle Titel; der lautet "Shadow of the Tomb Raider", und es handelt sich um den dritten Part des Lara-Craft-Reboots, das 2013 mit "Tomb Raider" (selber Name wie das Original von 1996) begann und zwei Jahre später mit "Rise of the Tomb Raider" fortgesetzt wurde. Wenn ich richtig gezählt habe, ist es allerdings das insgesamt 14. installment der ikonischen Action-Adventures (Vetreter anderer Genres, Spin-offs sowie mobile games habe ich außen vor gelassen).
Mir erscheint dieses Vorgehen als Griff in die Trickkiste, um einem angestaubten Franchise zumindest oberflächlich eine Frischzellenkur zu verpassen. Genau so wurde auch im Falle "Hitman" vorgegangen: Nachdem seit dem Jahr 2000 "Hitman: Codename 47", "Hitman 2: Silent Assassin", "Contracts", "Blood Money" und "Absolution" erschienen waren (again: Den Puzzle-Ableger "Hitman Go" und das Handyspiel "Sniper" ignoriere ich), wurde 2016 ein Neustart vorgenommen, der tabula-rasa-mäßig und simpel "Hitman" hieß und dessen Fortsetzer noch 2018 als "Hitman 2" veröffentlicht werden soll.
Halbherzig, oder auch ein wenig gaga, ist die Benamsungspolitik in der "Battlefield"-Reihe. Zwischen "Battlefield 4" und dem upcoming "Battlefield V" (nur echt mit römischer Ziffer) wurde vor zwei Jahren "Battlefield 1" geschoben, wobei man Electronic Arts zugute halten muss, dass 1. der Schauplatz des Shooters der Erste Weltkrieg (WW1) ist und es 2. bis dahin noch kein Spiel namens "Battlefield 1" oder schlicht "Battlefield" gegeben hatte – das erste von 2002 hieß "Battlefield 1942".
Ach ja, und dann wartet die Zockercommunity natürlich noch auf "Fallout 76" ... wo die Zahl halt gar nix mit irgendeiner Serienteilnummerierung zu tun hat, sondern auf den Ausgangsort der Handlung, Vault 76, verweist.

Sonntag, 16. September 2018

Zwei Lebensmittel-Kürzest-Tests


1. Bei Rewe drei Tortillachips-Sorten einer mir völlig unbekannten Marke entdeckt. Antica Cantina Chili (es gab noch Käse und Barbecue) hält leider nicht, was die prachtvolle Verpackungsbedruckung verspricht. Viel zu mild und maisig kommen die – immerhin stabil-knackigen – Knusperdreiecke daher. Das Mundgefühl geht in Ordnung, aber nach einer Dritteltüte hatte ich vorerst genug. Hergestellt in Deutschland und vertrieben durch Leighton Foods, Dänemark, enthalten die Chips Palmöl und Glutamat. 4/10

2. Ich bin bekanntlich weder ein Kokosnuss- noch ein Vanilleverächter, weswegen ich den veganen Kokos Aufstrich mit Vanille aus dem Hause dm-Bio ohne größeres Abwägen einsteckte. Jedoch ist die (angenehm rapshonigartig cremige) Masse auf Agavendicksaft-Basis zu anstrengend für den regelmäßigen Frühstücksgenuss. Ohne es genauer begründen zu können, fühle ich mich spätestens nach einem halben Brötchen mit dem Zeug überfordert, saturiert, bedient. Deshalb ebenfalls 4/10

Freitag, 14. September 2018

Word of the week

Positiv an der Ära Trump ist ja, dass man auch als deutschsprachiger Beobachter kontinuierlich und en passant seinen Wortschatz erweitert. Das Wort op-ed habe ich diese Woche gut ein Dutzend Mal gehört, bevor ich es gelesen habe, und jedes Mal verstand ich so etwas wie "Abed" (wie es halt auf gut US-Amerikanisch ausgesprochen wird).
Die New York Times hat ein anonymes op-ed aus der Feder eines "senior officials" in der Trump-Regierung veröffentlicht, Details siehe Medien. Ein op-ed ist ein Meinungsstück, es steht für opposite editorial und lässt sich wohl am besten mit "Gastkommentar" übersetzen. Es ist ein Essay oder auch eine Kolumne mit dem Hauptcharakteristikum, dass es eben nicht aus der eigenen Redaktion kommt und somit ein Gegenstück zu einem Editorial ist und auch sein soll.
Letzte Unklarheiten im journalismus-fachsprachlichen Dschungel beseitigt dieser (englische) Artikel im Des Moines Register.

Montag, 10. September 2018

Ich war noch niemals in New York (2018/19-Edition)

Am 29. September beginnt die 44. Staffel von "Saturday Night Live", und ich habe es zum nunmehr neunten Mal nicht geschafft, Tickets für die Live-Aufzeichnung zu ergattern. Langsam verliere ich den Mut, zumal die Show in den vergangenen drei Jahren wirklich deutlich an Qualität abgenommen hat. Einzig Heidi Gardner und Kyle Mooney waren Lichtblicke; ob sie auch Teil des diesjährigen Ensembles sein werden, steht noch nicht mal fest. 


Freitag, 7. September 2018

Das Gegenteil von Betrug

Für ein Rezept benötigte ich lediglich vier Artischockenherzen. In einem handelsüblichen Glas befinden sich mehr als vier, also kam ich auf die brillante Idee, mir die "Früchte" einzeln von der Antipastitheke des Rewe-Marktes zu holen. Als ich dort ankam und sah, dass es an jenem Tag auch an der regulären Salattheke Artischockenherzen gab – als Bestandteil eines Salates, der u.a. noch Tomaten und Oliven enthielt –, kam ich auf die verwegene Idee, mir einfach aus diesem Salat vier Artischockenherzen herauszufischen. Damit würde ich sowohl den für die Antipasti-Auswahl typischen Beifang an Öl sparen als auch bares Geld, liegt doch der 100-Gramm-Preis für Antipasti ein wenig über dem für Salat. Bevor ich die vier kleinen Gemüse-Innereien in dem dafür viel zu großen, für normalen Salattransport vorgesehenen Plastikgefäß verstaute, kam ich auf die genialische Idee, stattdessen einen (deutlich kleineren!) Becher von der Antipastitheke zu nehmen.
Ich trug nun also eine Schale zur Kasse, die etwas enthielt, das aussah wie etwas, das dort reingehört, aber billiger war als das, was üblicherweise darin vorzufinden gewesen wäre. Sogleich wies ich die Kassiererin auf dieses Chaos hin: "Das ist von der Salattheke!" Die Kassiererin sagte mit gebotenem Ernst: "Das sollten Sie nicht tun." Darauf ich: "Aber die Umwelt!" Darauf sie: "Hm."

Donnerstag, 6. September 2018

Filmtitel XVIII

Four Christmases → Mein Schatz, unsere Familie und ich 
Maid in Manhattan → Manhattan Love Story
Life of the Party → How to Party with Mom
Tout le Monde debout → Liebe bringt alles ins Rollen
Halal Daddy → Halaleluja – Iren sind menschlich!
The Layover → Mister Before Sister
On Wings of Eagles → Wings of Freedom
One of Us → Retribution
Don't Worry, He Won't Get Far on Foot → Don't Worry, Weglaufen geht nicht
Coexister → Ein Lied in Gottes Ohr
Normandie nue → Ein Dorf zieht blank
Tag → Catch me!
Blockers → Der Sex Pakt
Bachelorette → Die Hochzeit unserer dicksten Freundin
Wedding Daze → Blind Wedding – Hilfe, sie hat ja gesagt
Crazy Rich Asians → Crazy Rich 
The Predator → Predator – Upgrade

Montag, 3. September 2018

Wohnst du noch oder haust du schon?

Schon klar, dass ich hiermit kein besonders heißes Eisen anpacke, dass ich sozusagen offene Türen einrenne, aber ich halte die Tatsache, dass würdiges Wohnen in Deutschland zum Luxus geworden ist, für den größten Missstand der Gegenwart – auch weil ich mich noch deutlich an andere Zeiten erinnern kann. Um die Jahrtausendwende herum hatten schätzungsweise 85% der Familien in meinem Umfeld ein eigenes Haus. Wer es sich irgend leisten konnte (und dafür reichten i.d.R. schon zwei Berufstätige), baute oder kaufte sich eine schöne Hütte. Und heute? Heute muss man ohne Übertreibung buchstäblich MILLIONÄR/-IN sein, um etwas Besseres als eine Mietwohnung in der Stadt zu halten. Und selbst eine Mietwohnung in der Stadt ist zu fairen Preisen kaum zu finden. Popelige WG-Zimmer schlagen mit Summen zu Buche, die vor zehn Jahren für eine privat genutzte Zweiraumbutze angemessen waren. Das ist doch Wahnsinn! Und dann kommen vom Schicksal begünstigte Babyboomer-Arschlöcher wie Don Alphonso daher und werfen Millennials vor, dass sie vor dem globalen Platzen der Immobilienblase keine klugen, zukunftsträchtigen Investitionen getätigt haben. Oder noch g'schissener: "besorgte Bürger", die es schaffen, selbst für dieses Totalversagen der Regierungsparteien die bösen Refugees verantwortlich zu machen. 

Mittwoch, 29. August 2018

Taxi ins Gruseltal

Jugenderinnerung: Es ist kaum vorstellbar, aber selbst ich war früher manchmal auf Partys zugegen. Wenn diese an ungünstig, d.h. am äußersten Stadtrand gelegenen Orten stattfanden, musste man für den (nächtlichen) Nachhauseweg einen besonderen Service der regionalen Verkehrsbetriebe nutzen: das "Anruflinientaxi", kurz alita. Aus der offiziellen Beschreibung: "Zu Zeiten sehr geringer Nachfrage fahren auf bestimmten Strecken Taxis als Ersatz für reguläre Busse und Straßenbahnen. Das alita bringt Sie bis in die hintersten Winkel der Stadt und kostet dabei keinen Cent mehr als eine normale Busfahrt. [...] So funktioniert es: Als Ersatz für reguläre Bus- und Bahnlinien kommt ein alita nur bei Bedarf, das heißt, wenn Sie es bestellen. [...] Rufen Sie bitte spätestens 20 Minuten bevor Sie losfahren wollen unser Servicetelefon an." Ich fand das jedes Mal total luxuriös, und mich fasziniert bis heute, dass das Herumschicken von Taxis den Verkehrsverbund offenbar billiger kommt als der Einsatz einer regelmäßigen Buslinie.

"Alita" ist zufällig auch der Name der Hauptfigur eines Mangas, der jüngst von Robert Rodriguez verfilmt wurde. Den Trailer von "Alita: Battle Angel", der im Dezember dieses Jahres anläuft, habe ich gestern gesehen ... und ich war sofort abgeschreckt. Bei allem Gespür für visionäre Stoffe, das man James Cameron (Co-Produzent und Co-Autor) zugestehen muss, sage ich voraus, dass dieser Film hinter den kommerziellen Erwartungen zurückbleiben wird. Der Grund: Uncanny Valley, und zwar in kaum gekannten Ausmaßen. Man mag das Cyborgmädchen keine zwei Sekunden anschauen! Ich bin natürlich nicht der Erste mit derartigen Bedenken. In der Tat scheint es nach Veröffentlichung des ersten Teaser-Trailers ein Neudesign der Figur gegeben zu haben, nachdem etliche Fans ihre Verstörtheit bekundet hatten; zumindest kursieren aussagekräftige Vergleichsfotos aus den ersten und neueren Szenen ("[Comicbook.com-Autor] Bishop notes that Alita's face seems 'less squat; longer and less wide,' while ComicBook and PopCulture Editor-in-Chief Dallas Jackson notes that it's more than just a rework of her eyes with the lightning on her face, and the background, completely changing from before."). Es war also vorher noch unheimlicher!?!? Nun, ich bin gespannt. Mehr hier und hier.

Montag, 27. August 2018

Kurz notiert: Kasus-Chaos

Da schalte ich einmal den Fernseher ein und muss mich sofort aufregen! Das "Europamagazin" im Ersten Deutschen Fernsehen wird mit diesen Worten der Moderatorin eröffnet: "Tomaten aus Italien schmecken gut und gibt's in jedem Supermarkt".

Muss ich erklären, warum der Satz falsch ist? Nein? Gut. Ich habe auch gerade keine Lust dazu. An Formulierungen wie "vor, während und nach dem Spiel" hat man sich ja schon gewöhnt, aber dass jetzt sogar von meinen ZWANGSgebühren im sogenannten Qualitätsfernsehen [wird behutsam aus dem Blog entfernt]

Samstag, 25. August 2018

Donnerstag, 23. August 2018

Das Laben der Anderen

In letzter Zeit koche ich mir öfter als gewöhnlich etwas zu Abend, mit der Konsequenz, dass ich nach der "Arbeit" noch schnell fehlende Zutaten kaufen muss, was ich aus Bequemlichkeit gern in dem zwar weder günstigen noch superen, dafür aber günstig gelegenen Supermarkt Tegut erledige. Dort werde ich immer wieder eines ganz speziellen Menschenschlags ansichtig: aus dem Feierabend kommende, offensichtlich alleinstehende Kunden beiderlei Geschlechts, deren Einkauf aus maximal fünf Artikeln besteht, welche sich der Kategorie "Junkfood" oder "Feierabendsnack" zuordnen lassen. Gestern etwa stand eine business-casual gekleidete Frau vor mir, die nichts als zwei Dosen (!) Bier und eine Packung Kinder-Riegel aufs Warenband legte. 'Aha', dachte ich, 'das pfeift sie sich jetzt noch in ihrem Single-Apartment oder im Hotelzimmer rein.' Beliebt sind auch Knabberzeug, Joghurt, Eiscreme, Wein, hin und wieder etwas pro-forma-Gesundes wie eine Tüte Babykarotten, manchmal eine Tiefkühlpizza (wenn das Dinner noch nicht stattgefunden hat). 
Ich habe noch nicht entschieden, ob ich gegenüber diesen Personen Neid oder Mitleid empfinden soll. Ich belasse es vorerst bei Sympathie.

Dienstag, 21. August 2018

Callahandicapped

Zur Zeit läuft im Kino die biographische Tragikomödie "Don't Worry, He Won't Get Far on Foot". Darin spielt Joaquin Phoenix den 2010 im Alter von nur 59 Jahren verstorbenen amerikanischen Cartoonisten John Callahan. Wen?

Auf den deutschen Buchmarkt hat es zwar der eine oder andere Callahan-Sammelband geschafft, und auch die bereits 1989 erschienene Vorlage des genannten Films wurde ins Deutsche übersetzt (sie heißt, wie eben jener, nicht ganz geglückt "Don't Worry, Weglaufen geht nicht"), aber ansonsten dürfte der auch als Musiker tätige Künstler hierzulande kaum bekannt sein – außer jenen, die Anfang der 1990er Jahre Titanic gelesen haben. Darin konnte man nämlich Monat für Monat eine Seite mit je zwei Callahan-Witzen bestaunen. Diese waren stets erfrischend makaber und bizarr und fügten sich damit exzellent in das Gesamtkonzept des Heftes.

Aus Titanic 5/91

In vielen seiner Cartoons spielt körperliche Behinderung eine Rolle, was sich, wie auch der leicht ungelenke Strich, damit erklären lässt, dass Callahan selbst seit einem Autounfall mit 21 Jahren querschnittsgelähmt war; Robin Williams nannte ihn "den lustigsten Mann auf vier Rädern".

Der Cartoon zum Buch zum Film. Aus: Titanic 7/91

An dieser Stelle lohnt ein kurzer satire-historischer Exkurs. Schon immer war es bei Titanic Tradition, auch komischen Zeichnern aus dem Ausland eine Plattform zu bieten. Unter anderem hatte hier Manfred Deix (Österreich) in den Achtzigern etliche einprägsame Auftritte, ebenso der von mir zutiefst verachtete Jean-Marc Reiser (Frankreich), später Gary Larson (USA) und natürlich, bis heute, Kamagurka (Belgien). Hervorheben möchte ich den Australier Andrew Weldon, der von Ende 2004 bis Ende 2006 mit der Rubrik "Down Under" reüssierte, und zwar – dank mir! Ich hatte die Werke dieses Humortalents in Neuseeland entdeckt, stellte sie in einem Internetforum vor, in dem auch Mitglieder der damaligen Redaktion mitlasen. Die teilten sofort meine Begeisterung für Weldon und konnten sich wenig später die Nachdruckrechte sichern. Das waren die allerersten Spuren, die ich bei meinem späteren Arbeitgeber hinterlassen habe.

Worauf ich hinaus will: Publikationen sowohl von John Callahan als auch von Andrew Weldon sind hier und da antiquarisch zu haben und werden von mir ausdrücklich empfohlen.

Immer noch eines meiner All-time-Lieblingsbücher

Sonntag, 19. August 2018

Kaffee & Tee

Ich habe einem Kühlregal bei Rewe zwei 0,33-Liter-Flaschen entnommen und diese am Wochenende getestet.


"Belebend wie ein doppelter Espresso" soll der Green Coffee der Berliner Selo Green Beverages GmbH sein. Die 20 mg Koffein pro 100 ml habe ich jedoch nicht gespürt. Müder bin ich zwar nicht geworden, aber aufgeputschter als nach einem Pott grünen Tee habe ich mich nicht gefühlt. Das Etikett verspricht weiters: "erfrischend[e] Zitrone, würzige[n] Ingwer" und "alpin[e] Enzianwurzel". Das alles ist indes so dezent, dass ich es in der Blindverkostung nicht hätte identifizieren können. Auch eine Kaffeenote ist kaum auszumachen, werden die Bohnen doch ungeröstet verarbeitet. Es schmeckt in seiner Gesamtheit wie ein ordinärer Matedrink und irgendwie nach Fermentation. Gut geeist geht das Gesöff ordentlich die Kehle runter, aber ein unvergessliches Geschmackserlebnis ist der "grüne Kaffee" nicht. Immerhin sind alle Zutaten bio. Gesüßt wird mit Agavendicksaft. Neben der von mir getrunkenen Ursorte gibt es noch die Sommervariationen Kurkuma/Orange und Hibiskus. 6/10

Äußerst angetan war ich dagegen von der Sorte Blueberry von Trade Islands Iced Tea. Tatsächlich schlägt einem schon beim Öffnen ein sehr natürliches Heidelbeeraroma entgegen, und in seinem Gesamtbild schreit dieser Trunk eher "Fruchtlimonade" statt "Eistee", obwohl er freilich aus echtem Ceylon-Pekoe-Tee aufgebrüht ist. Er enthält sowohl circa doppelt so viel Zucker als auch doppelt so viele Kilokalorien wie der Coffeedrink, aber ich weiß nicht, ob solche Vergleiche überhaupt Sinn machen. Wohl aber weiß ich, dass der Koffeingehalt bei gerade einmal 7,9 mg je 100 ml liegt, womit der Wachmachereffekt noch geringer ausfiel, als ich erwartet hatte. 8/10

Mittwoch, 15. August 2018

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Es war wieder sehr, sehr anstrengend. Zweidrei waren passabel, den Rest hätte ich mir besser erspart.

Gold
Trotz Matthew McConaughey kein Bringer, dennoch angenehmer zu schauen, da weniger hysterisch, als "The Wolf of Wall Street", dem "Gold" stellenweise merklich nacheifert. Die Story, auf der das Script basiert, ist als Lehrstück über menschliche Gier durchaus faszinierend, und das Setting (Indonesien in den Achtzigern) nicht ohne Reiz.

Auslöschung
Ein Paradebeispiel für Potential und Macht von Streamingdiensten: Weil Alex Garlands Romanverfilmung bei Testvorführungen als zu abgefahren (oder zu anspruchsvoll?) durchfiel, sah man von einem theatrical release ab und entschied sich für eine Netflix-Ausstrahlung. Nach vormoderner Verwertungslogik und -tradition wäre das außergewöhnliche Science-Fiction-Abenteuer mit Natalie Portman im Giftschrank verschwunden, quasi ausgelöscht worden.

Hell or High Water
Raubzug-/Familiendrama-Neowestern, dessen Hauptfiguren mir egal bis unsympathisch waren. Allein die trostlosen Kulissen bleiben halbwegs im Gedächtnis hängen.

The Death of Stalin
Namhafte, komikgeschulte Männer spielen namhafte, komik-unaffine Sowjets, und die schauspielerischen Leistungen des Ensembles (u.a. Steve Buscemi, Jeffrey Tambor, Michael Palin) sind denn auch das einzige, was "The Death of Stalin" vor dem Prädikat "Rohrkrepierer" rettet. Der Armando Iannucci eigene Dialogwitz scheint mir bei tatsächlich existiert habenden Figuren schlechter zu funktionieren, zudem kann sich diese Farce nicht recht zwischen historischer Akkuratesse und überbordender Karikierung entscheiden. Ein schlecht durchgezogener Borschtsch.

Toni Erdmann
Puh! Mag sein, ich begebe mich auf dünnes Eis, wenn ich sage, dass mir nie eine Oscar-Nominierung schleierhafter gewesen ist. Ist aber so! Gelacht habe ich nur zu Beginn der Nacktszene. Aber bis dahin muss man sich durch fast drei Stunden Belanglosigkeit quälen, die einmal durch eine aus dem Nichts kommende Ekelszene unterbrochen wird und mehrmals mit bemühter Melancholie angedickt wird, die mich wiederum überhaupt nicht packt. Wenn mir nach gut gemachter Depressions-Comedy zumute ist, schaue ich "BoJack Horseman".

Der Clou (OT: The Sting)
Auch so ein Klassiker, den man wohl mal gesehen haben muss (allein schon wegen "The Entertainer"). Vielleicht sind meine Ansprüche an das Heist-Genre zu hoch, welches seitdem etliche gelungene Vertreter hervorgebracht hat, vielleicht lag es abermals an der Überlänge (129 Minuten!), jedenfalls habe ich mich mehrmals dabei erwischt, wie ich beim Gucken am Handy rumspielte und mir wünschte, die angestaubte Gaunerschnurre wäre endlich vorbei; ob der Clou erfolgreich oder -los über die Bühne geht, war mir wurscht.

Hail, Caesar!
Ein für die Coen-Brüder reichlich zahnloses Stück (FSK: 0) aus der Traumfabrik of yore. Erwartet hatte ich eine Mischung aus "Maps to the Stars" und "Ray Donovan". Egal, Geschichten aus dem Old Hollywood sehe ich immer gern. Der wahre Kern liegt hier in der Arbeit des sog. "Fixers" Eddie Mannix, den wir bei der Erledigung seine diversen Problemlösungen verfolgen. Die weiteren Charaktere (hochkarätigst besetzt!) sind fiktional, aber satirisch an Schauspiellegenden und sonstige Showbiz-Protagonisten angelehnt. Besonders amüsant: die kommunistische Autorenzelle, die Klatschreporterinnen-Zwillinge (Tilda Swinton) und der dümmliche, von Channing Tatum verkörperte Gene-Kelly-Verschnitt.

Fargo
Und wo ich schon einmal bei Ethan und Joel Coen war, habe ich gleich deren Gesellenstück "Fargo" nachgeholt. Gilt zurecht als Kult, ich finde aber die gleichnamige Serie (also die 1. Staffel von 2014) noch runder.

Finsterworld
Die episodenhafte Gesellschaftssatire (?) von Frauke Finsterwalder, die zusammen mit Christian Kracht, ihrem Ehemann, auch das Drehbuch geschrieben hat, ließ mich lange darüber sinnieren, was hier wohl die Botschaft sein könnte. Ich habe bis heute keine Antwort gefunden. Der (mehrfach ausgezeichnete) Film ist zynisch, abstoßend, gestelzt, unlustig, verteidigt die Gemeinen, bestraft die Wohlgesinnten und verarscht das Publikum (mich zumindest). Ätzend.

Im Namen des Vaters
Nachdem Daniel Day-Lewis sich nun leider in den Ruhestand verabschiedet hat, bleibt uns nur, immer wieder sein Vermächtnis zu würdigen. "In the Name of the Father" aus seiner mittleren Schaffensphase ist ein bestenfalls mit "ausreichend" zu bewertendes Gefängnisdrama (und once again: viiiiiel zu lang; warum 133 Minuten?!), in dem sich Day-Lewis immerhin an zwei Stellen austoben kann und in "There Will be Blood"-Manier brillant überschnappt. Die politische Stoßrichtung ist eindeutig pro-irisch, wozu ich allerdings keine ausgeklügelte Meinung habe.

Montag, 13. August 2018

Ode an Verkaufsstände für Getränke und Dinge des sofortigen Bedarfs

Wasserhäuschen, Wasserhäuschen,
bei dir macht man gern ein Päuschen.

Spätshop, oder vulgo: Späti,
bei dir kaufen Hinz und Plethi.
Doch auch Krethi sowie Kunz
holen bei dir was "Gesund's".

Bude, oder besser: Büdchen,
bei dir kühl' ich mir das Mütchen.

Auf "Kiosk" reimt sich leider nichts.
Und darum: Ende des Gedichts.

(Ich weiß, dass Max Goldt schon einmal die Hinz&Kunz/Krethi&Plethi-Vertauschung gemacht hat, aber bei mir war sie metrisch und reimtechnisch unvermeidbar.)

Dienstag, 7. August 2018

Traumprotokoll: Unangeleinte Tiere

Ich war im Urlaub in einem nordfranzösischen oder südenglischen Fischerdorf (diesen Eindruck machte die Szenerie jedenfalls) und schlenderte gedankenverloren einen menschenleeren Fußweg entlang. Da kamen plötzlich zwei Löwen um die Ecke, sprangen mich an und verbissen sich in meinen Extremitäten, während ich brüllte (wie ein Mensch, nicht wie ein Leu). Ob ihr Endziel darin bestand, mich aufzuessen, weiß ich nicht, denn ich wachte vorher auf.

Das war der kürzeste Albtraum seit dem mit den Leguanen.

Sonntag, 5. August 2018

This was a triumph

In der aktuellen Ausgabe der GameStar hat die Redaktion eine – wie sie selbst zugibt, höchst subjektive – Liste der 250 besten Spiele aller Zeiten veröffentlicht. Ich bin mit den Top 10 im Großen und Ganzen einverstanden. Auf Platz 1 wurde *Trommelwirbel* Valves 2007er Meisterwerk "Portal" gewählt. Ich selbst war bis dahin unentschieden, ob ich "Half-Life 2" (Platz 3) oder "Portal" als mein Lieblingsspiel bezeichnen würde, aber nun schließe ich mich dem Urteil des Magazins an. "Half-Life 2" mag der perfekte Shooter sein, aber es ist halt "nur" ein Shooter. "Portal" hat nicht weniger als ein eigenes Genre begründet, zumindest möchte ich behaupten, dass es vorher keinen vergleichbaren Action-Puzzler bzw. Rätsel-Actioner oder wie auch immer gab. Wenn ich eine einzige popkulturelle Erfahrung aus meinem Gedächtnis löschen könnte, dann würde ich die Erinnerung an meinen ersten "Portal"-Run tilgen, nur um das Spiel noch einmal jungfräulich und komplett unbedarft genießen zu können. Die langsame Gewöhnung an das geniale Teleportationsprinzip, die ersten Erfolgserlebnisse, die Witze, die sich überschlagende Handlung, und dann das Ende. DAS ENDE! Hach, war das alles toll. Völlig zurecht hat es "Portal" als einer von 14 Vertretern in eine Dauerausstellung für Interaktionsdesign im Museum of Modern Art geschafft.

Freitag, 3. August 2018

Albernes zum Wochenschluss

Neue, selbst ausgedachte Palindrome

"Na, Jan?"

Blatt-Alb

"Neppen, Bob? Neppen?!"

"Eiklar, Alkie!"

"Sie Eis!"

Lego v. Anna Vogel

Brotktorb

Senf-NES

"Ein Maoam, Ede?" - "Maoam? Nie!"

Tu gut, bau ab; bau ab, tu gut.

Ein Alligator am Arota gilla nie.


Mittwoch, 1. August 2018

Der Tag, an dem die Sonne stillstand

Liebes Tagebuch,
heute, am 1. August 2018, ist es passiert: Die magische Grenze wurde erreicht, ein neuer Rekord aufgestellt. In meinem Wohnzimmer herrscht eine Temperatur von 30 Grad Celsius.