Dienstag, 30. Oktober 2012

Mythos Bommel

Den Satz "Andere Mütter haben auch schöne Töchter" kennt man ja. Neu war mir aber die Redewendung "Andere Mützenformen haben auch eigene Artikel", die ich auf einer Wikipedia-Diskussionsseite fand. Darin ging es um die große Frage, ob man den Artikel "Bommelmütze" als eigenständigen Eintrag ausbauen oder in den Artikel "Bommel (Textilien)" integrieren sollte. 
Auf der Diskussionsseite "Pudelmütze" wiederum streitet man sich u.a. darüber, ob es korrekt "der" oder "die Bommel" heiße und ob der oder die Bommel lediglich funktionsloses Schmuckwerk sei oder als wollener Knauf dazu diene, die Mütze leichter vom Kopf zu ziehen. Alex74 hat jedenfalls eine festgefahrene Meinung: "Qualitativ schlechte Pudelmützen bei denen der Bommel abreißt sind kein Argument gegen eine eindeutige und einleuchtende Funktion. Mit der Zunahme des Verkaufs von Wollmützen ohne Bommel und anderen Wintermützen ging lediglich seit etwa 20 Jahren das Wissen um die Funktion des Bommels zurück, der daraufhin in der heutigen Zeit zumr Deko degenerierte und daher oft mangelhafte Qualität besitzt wie ich aus eigener Erfahrung leider selbst weiß." [alles sic!] 
Die Seite wurde leider "zuletzt am 8. Februar 2006 um 21:29 Uhr geändert"; die Hoffnung auf eine zeitnahe Schlichtung im Bommelstreit darf damit wohl vorerst aufgegeben werden. Wer eine (längst fällige!) Kulturgeschichte der Bommel verfassen möchte, muss sich eine andere Anlaufstelle als die Wikipedia suchen. 
Bei mir sind Bommeln übrigens weiblich.

Montag, 29. Oktober 2012

Neue Rubrik: Torsten testet Me-too-Produkte

Vor einiger Zeit habe ich 20 von 50 derzeit erhältlichen Sorten der Geleebonbonmarke Jelly Belly einem strengen Geschmackstest unterzogen. Mein Testergebnis: Mandarine – lecker, Grüner Apfel – auch lecker, Lakritze – igitt, Wassermelone – zu künstlich, Orangensorbet – gut, Butter-Popcorn – beste, Erdbeer-Daiquiri – mjamm, Zitrone – Zitrone halt, Inselpunsch – sagt mir jetzt nix, Schokoladenpudding – abgefahren, Pfirsich – an und pfirsich ganz okay, Kokosnuss – mir schmeckt's, Zuckerwatte – vergessen, Geröstete Marshmallow – aber hallo, Kirsche – kirschig, Limone – verwechsle ich immer mit Zitrone, Kaugummi – toll, Blaubeere – dito, Tutti Frutti – so richtig schön crazy, Piña Colada – hui.

Im Lidl entdeckte ich nun ein Nachahmerprodukt namens Jelly Beans der Firma McEnnedy. Deutlich billiger als das Original, enthält eine 250g-Tüte genau zweihundertfünfzig Gramm mit 13 verschiedenen Bohnensorten für unter 2,- €.
(Kreativ und witzig: Neben dem durchsichtigen Fenster steht "Serviervorschlag" gedruckt.) Wie "lecker" sind nun die "leckeren Sorten" im Vergleich zu dem Vorbildsnack aus Amerika? Na?

Bubblegum – schmeckt wie Kaugummi (mit Zucker)
Vanille – hat fast dieselbe Farbe wie "Kaugummi", aber einen anderen (besseren) Geschmack, wenn auch nicht unbedingt Vanille
Himbeere – ein bisschen wie die Maoam-Version von Himbeere
Erdbeer-Käsekuchen – wirklich ganz gut, wie diese Fruchtjoghurts mit Kuchenstückchen drin
Ananas – widerlich, würde ich höchstens als Übertünchungs-Aroma von Hustensaft akzeptieren
Brombeere – nicht wirklich beerig, aber in Ordnung
Apfel – schmeckt exakt wie diese sauren Apfelringe
Cola – ist generell nicht mein Fall, könnte aber Fans von "Haribo Colaflaschen" ansprechen
Pfirsich – schwierig; wiederum nicht fruchtig, aber irgendwie typisch Fruchtgummi
Kirsch – eher Amaretto-Kirsch
Maracuja – könnte auch Pfirsich sein (oder umgekehrt)
Zitrone – ganz okay, seltsamer Nachgeschmack
Limone – wesentlich dezenter als Zitrone, von daher besser

Fazit: Der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf Fruchtgeschmack bzw. Imitation desselben. Experimentellere Sorten à la Zuckerwatte oder Schokopudding wie bei Jelly Belly würden die Mischung aufwerten. Nach dem Verzehr hat man eine taube Zunge und das Gefühl, gerade etwas Grundfalsches getan zu haben. Zu den Inhaltsstoffen gehören u.a. Ammonsulfit-Zuckerkulör und Brillantblau FCF, die mir nach einer Schnellrecherche nicht 100%ig unbedenklich erscheinen. Auch Jelly Belly enthält "künstliche Farbstoffe, die unter anderem im Verdacht stehen, Allergien auszulösen" sowie den Warnhinweis "Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen" (Wikipedia). Punkten kann Jelly Beans gegenüber dem Original mit seinem Preis. Wertung: 4/10

Samstag, 27. Oktober 2012

Außergewöhnliche Printprodukte: WASD


Die Anzeichen dafür, dass Videospiele sich als anerkannte Kunstform etablieren, häufen sich. In den großen Feuilletons liest man Berichte über Online-RPGs, Games Conventions und Machinima-Videos, und deutsche First Person Shooter, die man vor kurzem noch als "Killerspiele" gebrandmarkt hätte, gewinnen mit Segen des Bundes hohe Auszeichnungen.

Weil Video- und Computerspiele allmählich in der Mitte der Gesellschaft ankommen, solle sich auch die Berichterstattung über sie ändern – eine Forderung, die ich nicht unbedingt unterschreiben würde, aber nachvollziehen kann. Kritisiert wird und wurde dabei (an prominenter Stelle z.B. letztes Jahr von Ex-GameStar-Redakteur Christian Schmidt), dass die klassischen Spielepublikationen sich zu sehr als Fachorgane verstünden und "viel zu sehr auf Hardcore-Gamer ausgerichtet" seien, was sich vor allem in den Spieletests zeige. Weg von fitzeligen Hardware-Tabellen und abstrakten "Spielspaß-Punkten", hin zu subjektiver Beschreibung, Interpretation, Kreativität – das ist, kurz gefasst, der Anspruch an zeitgemäßen Games-Journalismus.

Diesen zu erfüllen hat sich WASD - Texte über Games vorgenommen. WASD – benannt nach der Standard-Tastenbelegung für PC-Shooterspiele – ist kein Heft, sondern strenggenommen ein Bookzine, weil es mit seinem A5-Format und den 200 Seiten "buchiger" ist als gängige Zeitschriften. Mit 14,50 € fällt das Büchlein recht happig aus, ist aber auf hochwertigem Papier gedruckt, völlig werbefrei und enthält viele Farbfotos. Dank schöner Typographie und (fast ausschließlich) simpler Schwarz-auf-weiß-Schrift liest sich das Print-Erzeugnis äußerst angenehm; lediglich ein paar Kommafehler trüben den Lektürespaß.

Die im Juni erschienene Ausgabe 1 "Tasty Trash" befasst sich mit "schlechten Spielen". Der Großteil besteht aus Essays von Kulturredakteuren, freien Autoren, Bloggern und anderen Textern, die irgendetwas mit Spielen zu tun haben. Es geht um persönliche Erfahrungen mit schlechten wie guten und süchtigmachenden Spielen, Nostalgie, Meinungen, Filmvergleiche; es gibt auch ein Interview mit einem Kolumnisten, der besonders obskure Spieleperlen testet. Das schönste ist der m.M.n. zu kurz geratene Rezensionsteil (Highlight: der im Stil einer biologischen Facharbeit geschriebene Text einer Zoologin über Trine 2). Am Schluss gibt es noch eine Rubrik namens "Spielwiese" mit vom Schwerpunktthema losgelösten Beiträgen (z.B. über "Live-Adventures" oder "Zum Verhältnis von Geopolitik und Spielgeschehen in der Civilization-Reihe").

Das alles ist sehr fein, und man sollte Christian Schiffer, dem alleinigen Redakteur und Herausgeber von WASD, viel Erfolg mit dem Projekt wünschen.


Donnerstag, 25. Oktober 2012

Andere Länder, andere Macken

Dass viele Krankheiten ausschließlich in bestimmten geographischen Regionen vorkommen, ist klar. Interessanterweise gibt es aber auch eine Reihe psychischer Störungen, die auf gewisse Völker bzw. Kulturkreise beschränkt sind. Am bekanntesten dürfte Amok sein, das seinen Ursprung in Malaysia hat: Das meist männliche Opfer (pengamok) zieht sich in der Anfangsphase extrem zurück, um danach in eine unkontrollierbare und (für seine Mitmenschen) tödliche Rage zu verfallen.
"Kulturgebundene Syndrome" nennt man das, und es gibt ein paar sehr faszinierende davon:

Latah (Südostasien): Betroffen sind meist erwachsene Frauen. Es handelt sich um einen tranceartigen Anfall, der durch einen heftigen Schreck oder einen anderen Trigger (etwa die bloße Erwähnung eines furchteinflößenden Begriffs) ausgelöst wird. Die Latahs (das malaysische Wort bezeichnet sowohl das Syndrom als auch das Opfer) sind "extrem leicht beeinflussbar, folgen willenlos Anweisungen, imitieren Anwesende, äußern sich vulgär oder führen obszöne Gesten aus."[1] Ähnliches gibt und gab es auch in anderen Regionen der Welt, z.B. unter Frankokanadiern im Norden Maines (die Jumping Frenchmen of Maine, entdeckt 1878[2]).

Dath (Indien): Die Angst vor dem Tod durch Spermaverlust; kommt logischerweise nur bei Männern vor. "Das Syndrom geht möglicherweise auf die im Hinduismus verankerte Vorstellung zurück, dass es 40 Tropfen Blut braucht, um einen Tropfen Knochenmark zu erzeugen, und 40 Tropfen Knochenmark, um einen Tropfen Samenflüssigkeit zu erzeugen, und dass dieser eine konzentrierte Essenz des Lebens ist."[3]

Koro (Süd- und Ostasien): Die Angstvorstellung, dass sich der Penis in den Körper zurückzieht. Trat 1967 als Massenpanik in Singapur auf. Führt dazu, dass sich die Betroffenen Gewichte an das Glied hängen oder dieses sonstwo festbinden. Nicht zu verwechseln mit Kuru, der tödlichen "Lachkrankheit", die durch das Verspeisen menschlicher Gehirne übertragen wird!

Kitsune (Japan): "Eine Störung, bei der die Betroffenen glauben, von Füchsen besessen zu sein und ihre Gesichter verzerren, um Füchsen zu ähneln. Oft sind ganze Familien betroffen und werden von der Gemeinschaft gemieden."[4]

Usog (Philippinen): So nennt man es, wenn ein (Klein-)Kind Fieber und Krämpfe bekommt, nachdem es von einem Fremden falsch angesehen wurde. Möglicherweise durch die Spanier und deren Glauben an den "Bösen Blick" beeinflusst. Das Kind kann geheilt werden, indem der Fremde mit seinen Fingern etwas von seinem Speichel auf Stirn oder Rumpf des Kindes streicht. Tatsächlich kann der Anblick einer unbekannten (zumal eindrucksvoll aussehenden) Person ein Neugeborenes stark mitnehmen, auch körperlich, "however, usog is not yet medically accepted".[5]

Auch historische CBSs (Culture-bound syndromes) sind überliefert. So gab es in der griechischen Antike die so genannten Opsophagen, die einen unnatürlichen Hunger nach ópson ("Beilagen, Würze") zeigten. Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert sind mehrere Fälle von Patienten in Europa belegt, die der Wahnvorstellung unterlagen, sie würden aus Glas bestehen, Karl VI. ("der Wahnsinnige") von Frankreich zum Beispiel.[6]
Abgrenzen von kulturgebundenen Syndromen würde ich "Culture shock"-Phänomene wie das Jerusalem- oder das Paris-Syndrom, die von manchen Kulturangehörigen an anderen Orten erfahren werden.

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Latah
2 http://en.wikipedia.org/wiki/Jumping_Frenchmen_of_Maine
3 Neel Burton - Der Sinn des Wahnsinns. Psychische Störungen verstehen. Springer. S. 168 
4 Butcher/Hooley/Mineka - Klinische Psychologie. Pearson. S. 126
5 http://en.wikipedia.org/wiki/Usog
6 http://en.wikipedia.org/wiki/Glass_delusion

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Geniale Idee: Alkoholschmuggel

Man nehme ein Schaumstoffsofa und übergieße es mit dem zu schmuggelnden Alkohol (z.B. tschechischen Absinth), bis es komplett damit getränkt ist. Dann binde man das Sofa aufs Autodach, fahre über die Grenze ("Tach, Herr Zollbeamter, ich habe nur ein Sofa gekauft!") und freue sich. Zu Hause muss man das Sofa nur noch auswringen. Prost! 

(Das war ein exakt drei Jahre alter Repost aus meinem alten Blog. Dafür schäme ich mich ein bisschen.)

Dienstag, 23. Oktober 2012

Die besten Webcomics

Incidental Comics von Grant Snider ist nicht wie andere Webcomics. Strenggenommen handelt es sich um ein Blog. Außerdem sind die Comics weder durchgehende Geschichten noch auf Pointen zugeschnittene 3-Panel-Strips, sondern hintersinnige, mit ruhiger Feder festgehaltene Gedanken.
Über dieses (neulich bei Facebook gepostete (manchmal ist es halt doch für etwas gut)) Bild bin ich ursprünglich auf die Seite gestoßen:


Aber nicht immer geht es so melancholisch zu, mitunter finden sich auch echte Humorperlen:


Montag, 22. Oktober 2012

Fragen, die ich mir selbst stelle

Heute: Was ist Futsal?

Antwort: Hallenfußball. 
"'Futsal' ist im deutschen Sprachraum derzeit (2012) noch relativ wenig bekannt und wird häufig mit dem Begriff 'Hallenfußball' gleichgesetzt; dies ist aber lediglich der Überbegriff für jede Art von Fußball-Spiel in der Halle, während Futsal die offizielle Variante ist." (Wikipedia) 
Das Wort ist mir in letzter Zeit öfter aufgefallen, wenn ich Bundesligaseiten aufgerufen habe; ich war bisher nur immer zu faul, die dazugehörigen Links zu klicken. Warum wir überhaupt plötzlich einen neuen Begriff brauchen, wo doch jedem sofort klar ist, dass mit "Hallenfußball" (auch) die von der FIFA anerkannte Variante gemeint ist, verstehe ich nicht ganz. Interessant ist das Wort allemal: Es kommt laut Wikipedia vom portugiesischen futebol de salão bzw. vom spanischen fútbol sala. Das spanische fútbol wiederum ist direkt dem britischen Englisch (football) entnommen (das portugiesische Wort auch, wie ich soeben nachgeschlagen habe).

Sonntag, 21. Oktober 2012

Was so alles in deutschen Zeitungen steht (3 + 4)

"Elmstein. Weil ein Mann zum Lesen in den Wald fuhr und eine Spaziergängerin sein Lachen für Schmerzensschreie hielt, ist im Pfälzerwald ein Rettungshubschrauber zum Einsatz gekommen. Die Frau hatte die Polizei alarmiert, da in einem Waldstück [...] ein Mann seit drei Stunden in seinem Auto sitze und schreie. Als die Beamten zum Ort des Geschehens kamen, war auch schon ein Hubschrauber eingetroffen. Wie die Polizei sagte, versicherte der Mann den Rettungskräften, dass es ihm gut gehe. Er genieße die Ruhe im Wald und lese ein lustiges Buch. Deshalb habe er mehrmals laut lachen müssen. Um welche amüsante Lektüre es sich handelte, ist unbekannt."
[Sächsische Zeitung, 07.04.2009]

"Wuppertal. Herzzerreißendes Babygeschrei aus einem Altkleidercontainer hat in Wuppertal zu einem Blitzeinsatz der Polizei geführt. Doch konnten die sieben eingesetzten Beamten nach kurzer Zeit Entwarnung geben. Denn bei der Rettungsaktion stellte sich dann zur Freude aller Beteiligten heraus, dass in dem Container kein Säugling, sondern nur eine lebensgroße Babypuppe entsorgt worden war. Als die Polizisten versuchten, die Puppe mit einem Besen aus dem Sammelbehältnis zu angeln, stellte sich der elektronische Mechanismus auf ein lustiges, erfreutes Kichern um [...]"
[Sächsische Zeitung, 09.04.2009]

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Mit hochrotem Kopf knallte der Hauptkommissar die Zeitung auf den Tisch im Konferenzraum. "Jetzt reicht es langsam!", schnaufte er. "Wir stehen ja da wie ein Haufen von Idioten! Und damit meine ich nicht nur unser Revier! Das ist ein bundesweites Problem. Ich sage es noch einmal mit Nachdruck", – dabei sah er den Obermeister, der das gestrige Sonderkommando 'Babytonne' geleitet hatte, stechend an – "wir werden keine Einsätze mehr aufgrund von Geräuschen durchführen! Wenn uns jemand anruft, weil er etwas Verdächtiges gehört hat, interessiert uns das nicht mehr! Verstanden?" 
Ein schüchterner Neuling meldete sich zaghaft zu Wort: "Aber ... wenn wirklich mal jemand vor Schmerzen schreit, oder wirklich ein Kind ausgesetzt wurde, dann müssen wir doch helfen." – "Papperlapapp!", blaffte der Hauptkommissar. "Wo steht denn das geschrieben?" – "Na, zum Beispiel auf dem Schild vor der Polizeiwache: 'Wir helfen, wenn Sie etwas Verdächtiges hören.'", sagte ein weiterer Anwesender. – "Das Schild sofort entfernen!", wies der Chef an. 
Eine Kollegin betrat das Besprechungszimmer. "Ich möchte ja nicht stören", sagte sie, "aber ein Notruf ist gerade eingegangen. Ein Ehepaar hört seit 15 Minuten Frauenschreie aus dem Nachbarhaus kommen." Der Obermeister erhob sich von seinem Platz. "Was sollen wir tun, Chef?", fragte er. "Soll ich den Befehl ..." – "Hinsetzen!", unterbrach ihn der Hauptkommissar. Mit zusammengepressten Händen sprach er leise, aber bedacht: "Wir werden nichts unternehmen. Gar nichts. Das ist nur der Fernseher."

Freitag, 19. Oktober 2012

Seltsame englische Plurale

Wie im Deutschen, so werden auch im Englischen die Mehrzahl-Endungen üblicherweise an das Ende eines Wortes gehängt (daher auch "Endungen"). Ich schreibe "üblicherweise", weil es eine Ausnahme gibt, bei der der Plural-Marker -s in die Mitte des (zusammengesetzten) Wortes gefügt wird.

passer-by "Passant" --> passers-by "Passanten"

Verrückt, verrückt. Noch verrückter: Gestern stieß ich beim Lesen der Geschichte "Old Bugs" von H.P. Lovecraft (ein sehr früher und Lovecraft-untypischer Text) auf ein zweites Beispiel: hangers-on, als Plural von hanger-on ("one that hangs around a person, place, or institution especially for personal gain", Merriam-Webster).

Dazu habe ich ein paar Fragen:
1) Gibt es möglicherweise noch weitere Beispiele für diese ungewöhnliche Pluralbildung?
2) Warum existieren überhaupt Substantive des Musters "Nomen agentis + Präposition"? Warum sind die genannten Wörter nicht analog zu bystander gebildet, also bypasser oder onhanger? Und gibt es auch hierfür noch weitere Beispiele?
Ich warte auf Ihre Antworten ...

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Zwischenstand

Seit dem Umzug zu dieser Adresse vor viereinhalb Monaten haben 2000 Besucher das Blog aufgerufen. Mittlerweile hat sich die tägliche Unique-User-Zahl bei durchschnittlich 25 eingependelt. Manche Beiträge bekommen sogar Google+-Empfehlungen. Darüber freue ich mich.

Der Blogger-Editor wurde offenbar gefixt, sodass es jetzt seltener zu Formatierungskatastrophen oder Bildverlusten kommt. Gut, im Opera funktioniert er immer noch nicht, und 100%ig WYSIWYG ist das Ganze auch nicht, aber ich bin guter Hoffnung. Ein wenig unwohl ist mir lediglich, weil jeder, der meinen Google-Account hackt, mit ein paar Klicks das gesamte Blog löschen könnte. Bei meinem alten Weblog habe ich die Page des laufenden Monats erst händisch aktualisiert und dann die HTML-Datei hochgeladen; ich hatte also das gesamte Blog immer auf der Festplatte. Das war sicherer.

Zum Schluss noch einige Suchanfragen, die auf diese Seite geführt haben:

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Betr.: TV-Duell, Demenz, Kaninchen, Subway

Selbst die ehrwürdige Frankfurter Allgemeine Zeitung ist manchmal schlampig, zum Beispiel heute. Da bezeichnet sie das gestrige US-Präsidentschaftskandidaten-Duell, das in Form eines town meetings stattfand, als "Stadthallentreffen". Ein town meeting lässt sich am ehesten als "Bürgerversammlung" oder "Gemeindesitzung" wiedergeben. Unter einer Stadthalle stelle ich mir aber ein riesiges Mehrzweckgebäude in einer Großstadt vor, in dem Rihanna oder der Cirque du Soleil auftritt.

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Auch traurig: Die eine von den Jacob Sisters ist schwer dement. So kann's gehen: Da singt man Jahrzehnte lang Volkslieder in sächsischer Mundart, während man mit drei identisch aussehenden dicken Trachten-Omas narkotisierte Pudel über die Bühne trägt, und dann verliert man unmerklich seine gesamte Würde.

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Letzte Woche hätte ich beinahe ein Kaninchen überfahren. Es war mitten in der Nacht, als mir eines dieser Frankfurter Stadtkarnickel vors Fahrrad lief und nur um ca. 10 cm dem Tod entging. Vor Schreck stieß ich einen Schrei aus, der bestimmt den einen oder anderen Anwohner aus dem Schlaf gerissen hat.

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Klassiker des Humors: Bei Subway mitgehört 
Kunde: "Gibt's das bei euch noch mit diesen Cocoons?" 
Mitarbeiter: "Was?" 
K.: "Na diese Cocoons, wo man die Angebote ..." 
M.: "Ach, Sie meinen Coupons!" 
K.: "Ja, genau!"

Montag, 15. Oktober 2012

Die ungeheuerlichsten Behauptungen der letzten 10 Jahre

Von mir gehört/gelesen – für Sie gesammelt und niedergeschrieben: 

- Auf einem durchschnittlichen Boden befinden sich 50 Spinnen pro Quadratmeter
- Der geplante Austausch von Verkehrsschildern in Deutschland hätte 400 Millionen Euro gekostet
- Der Mensch verliert durch Schwitzen und Weinen durchschnittlich 7 kg Salz pro Jahr
- Um bis 2011 ca. 12,5 Milliarden € Bürokratiekosten pro Jahr einzusparen, muss die Regierung 50 Milliarden pro Jahr für den Bürokratieabbau zahlen (Meldung stammt von 2009)
- Die Gesamtlänge der Blutbahnen im menschlichen Körper wird auf 100.000 km geschätzt
- Die längste Ameisenkolonie ist 5760 km lang und erstreckt sich von Italien bis Spanien
- Wissenschaftler haben einen Duftstoff entwickelt, mit dem man Ameisen 50 mal um den Globus locken könnte
- 85% der Weltbevölkerung hat Herpes 
- Der durchschnittliche Europäer besitzt 10.000 Dinge
- Die Zahnputzsession eines Durchschnittsdeutschen dauert nur 45 Sekunden
- 2% aller deutschen Männer schlafen im Nachthemd
- Etwa 99% der Gene der Maus haben ein funktionelles Pendant im Menschen
- Die Monkees haben mehr Platten verkauft als die Beatles und die Rolling Stones zusammen
- Queen Elizabeth II. hat ihre erste eMail im Jahr 1976 geschrieben
- Die tiefste je gemessene Außentemperatur betrug -89° C (Antarktis)
- Der Winter 2009 war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung (Meldung stammt von 2010)
- Jeder Mensch hat in seinem Leben 10,8 Autos
- Jeder Deutsche besitzt im Schnitt 13 Paar Schuhe
- Frische Äpfel bestehen zu 25% aus Luft
- 40% der organischen Masse auf der Erde sind Insekten
- 40% aller Menschen weltweit bevorzugen noch immer Rechenschieber (Meldung stammt von 2002)
- In der US-amerikanischen Fleischverpackungsindustrie gibt es die meisten Arbeitsunfälle und Krankheitsfälle
- Ein Drittel aller Schiffsunglücke geht auf Kommunikationsdefizite zurück 
- In Deutschland lagen im Februar 2010 zeitweise rund 21,6 Milliarden Tonnen Schnee. In Wasser umgerechnet, entspricht diese Menge der Hälfte des Bodensees
- Im Jahr 2005 blies ein einziger Sturm 330.000 Tonnen Sand aus der inneren Mongolei nach Beijing 

Ob die Medienverantwortlichen, die solche Nonsensemeldungen ungeprüft "rausgeben", nachts ruhig schlafen können? Ich fürchte, ja.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Eine Serie wie ein Autounfall


(Hinweis: Geringfüge Spoiler möglich.)

Once Upon a Time spielt in zwei Welten. Da ist zum einen das Städtchen Storybrooke, in dem die Kopfgeldjägerin Emma mehr oder weniger zufällig landet und auf ihren Sohn stößt, den sie nach der Geburt weggegeben hat. Dieser Sohn, Henry, ist der einzige in Storybrooke, der das Geheimnis seiner Einwohner kennt. Diese sind nämlich in Wirklichkeit Märchenfiguren. Die Parallelhandlung spielt nun in jener Märchenwelt; wir sehen die Protagonisten also in zwei verschiedenen Inkarnationen. Nach und nach erfahren wir, welcher Einwohner von Storybrooke welcher Figur im Märchenreich entspricht: Die Cafébedienung ist Rotkäppchen, der mysteriöse, reiche Ladenbesitzer entpuppt sich als Rumpelstilzchen, der Psychologe ist Jiminy Grille.

Wait, what?

Das ist das erste, nun ja: gewöhnungsbedürftige Element. Once Upon a Time, das auf dem zum Disney-Konzern gehörenden Sender ABC läuft, zeigt die Märchen in ihrer jeweiligen Walt-Disney-Interpretation. Außerdem bezieht es auch modernere Erzählungen wie Pinocchio und Alice im Wunderland in seinen Kosmos mit ein. Man trifft also auf Figuren wie "Prince Charming", die Blaue Fee, den Verrückten Hutmacher und neuerdings sogar auf Mulan! Ach ja, und die 7 Zwerge haben ihre adjektivischen Disney-Namen – und sie schlüpfen aus Eiern.

Was gibt es sonst noch auszusetzen? Einiges. Die Dialoge sind grottenschlecht. Das Szenenbild ist auffallend spartanisch. Die Effekte sind manchmal über TV-Niveau, oftmals aber nicht. Die Schauspieler? Jennifer Morrison, die schon bei House den farblosesten Charakter geben musste, ist auch hier denkbar langweilig. Ginnifer Goodwin hat sich einen eigenen Spezial-Tonfall ausgedacht (traurig-erschöpft), den sie bis zum Erbrechen einsetzt. Einzig Lana Parrilla als konsequent diabolische Bürgermeisterin und Raphael Sbarge als ambivalentes Rumpelstilzchen sind Lichtblicke. Außerdem spielt die sympathische Emilie de Ravin aus Lost mit. 

Überhaupt: Weil Once Upon a Time von den Lost-Autoren/Produzenten Edward Kitsis und Adam Horowitz entwickelt wurde, gibt es hin und wieder Anspielungen auf Lost, wie ja ohnehin die Handlung ein wenig an die 6. Staffel jener Mysteryserie erinnert. 

Und wegen des letztlich doch erfrischend ungewöhnlichen Ansatzes und der wohldosierten Spannungsmomente ist mir Once Upon a Time ein kleines Guilty pleasure geworden. Die zweite Staffel hat gerade – mit einem netten Gamechanger – begonnen, und ich werde wohl wider jede Vernunft dranbleiben. Obwohl ... Mulan, really? 

Samstag, 13. Oktober 2012

Skurrile Sammlungen: 1743 Icons

Ja, ich habe als Jugendlicher Icons gesammelt, jene Piktogramm-Dateien, die in graphisch basierten Betriebssystemen Dateien repräsentieren und z.B. als Programmverknüpfungssymbole benutzt werden.
Wie sammelt man Icons? – Indem man von jedem Datenträger, der einem in die Hände fällt, sämtliche enthaltenen Icons kopiert und in einem separaten Ordner aufbewahrt (NB: Wir sprechen hier von der Prä-Internet-Zeit!). Bei meinem letzten Umzug habe ich drei Disketten gefunden, die mit "Icons #1", "Icons #2" und "Icons #3" beschriftet waren. Nummer 3 war inzwischen nicht mehr funktionstüchtig, aber die zwei anderen Discs waren randvoll mit Icons, die zum Teil auf das Jahr 1991 datierten! Dementsprechend niedrig waren die verwendeten Farbpaletten. Aber genau das machte damals den Reiz für mich aus: 766 Bytes kleine 16-Farben-Bilder, auf denen man trotzdem etwas erkennt! Da waren Flaggen, Blumen, Bauwerke, Simpsons, Tiere und und und.
Genug der Einleitung! Ich möchte meinen Leserinnen und Lesern diese Kunstwerke nicht vorenthalten. Die Files selbst wollte ich nicht hochladen; wer weiß, welche verrückten Rechtsprobleme das nach sich ziehen könnte. Zur Großansicht der Galerien auf die Bilder klicken:









Freitag, 12. Oktober 2012

Betr.: Zigaretten, Hummus, Restaurantkritik

Neulich sah ich zwei schätzungsweise elfjährige Jungs, die sich eine Elektrozigarette teilten! Jetzt gilt also schon Ersatz-Rauchen als cool. Noch ein paar Jahre, und unsere Kinder tauschen auf dem Schulhof Nikotinpflaster.

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Ich hatte unerklärlichen Heißhunger auf Hummus. Weil ich eh noch Lebensmittel brauchte, begab ich mich in den Rewe und suchte dort nach Hummus. Aber ich fand keinen – weder im Kühlregal, noch bei den Gemüsekonserven, noch bei den Saucen und Dips. Frustriert begab ich mich an die Kasse, nur um zu sehen, dass die vor mir stehende Kundin wie zum Hohn was aufs Band legte? Genau: Hummus!

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In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gibt es die Rubrik "Hier spricht der Gast". Dort ist auch immer eine Restaurantrechnung abgebildet, die jedoch jedes Mal knapp über dem Gesamtbetrag abgerissen ist. Die Einzelpreise sind indes klar erkennbar. Warum unterschlägt man der Leserschaft die Summe? Weil man sie (die Summe) für irrelevant hält? Dann sollte man auch auf die Beträge der einzelnen Posten verzichten. Weil man den Lesern zur zusätzlichen Zerstreuung noch eine kleine Rechenübung servieren möchte? Wohl kaum.

Montag, 8. Oktober 2012

Das gute Zitat

"Beim Kloakensexen wird leichter Druck auf die Kloake ausgeübt, wodurch sie invertiert. Der Penis ist größer, gebogener und knorpliger als die Klitoris. Das Kloakensexen erfordert eine Ausbildung, hohe Fingerfertigkeit und Konzentrationsfähigkeit. Ein erfahrener Sexer kann etwa 2000 Küken pro Stunde bei einer Fehlerquote von 2 % sexen."

--- aus dem Wikipedia-Artikel Sexen

Freitag, 5. Oktober 2012

Tücke des Objekts

Mindestens zum dritten Mal in diesem Jahr ist mir kürzlich ein Regenschirm kaputtgegangen. Ich flanierte mit meinem geöffneten Schirm über eine Brücke, auf der ein so heftiger Wind wehte, dass die Teleskopstange verbogen wurde und sich fortan nicht mehr einfahren ließ, sodass der Knirps seiner Knirpshaftigkeit verlustig ging. Den Schirm behalte ich trotzdem vorerst; er schützt ja im Zweifel immer noch vor Niederschlag, nur ragt er jetzt zur Hälfte aus meinem Rucksack heraus, wenn ich ihn darin transportiere.
Die Male davor riss der Stoff, zerbrachen Speichen oder geschah sonstiges Malheur. Nein, mit Regenschirmen habe ich kein Glück.

Am Wochenende wurde ein weiterer Alltagsgegenstand unbrauchbar: mein Tee-Ei (halt!, ich schreibe aus ästhetischen Gründen lieber "Teeei"). Nachdem ich das mit einer Früchteteemischung gefüllte Ei aus der Teekanne geangelt hatte, wollte ich es öffnen, um den Inhalt im Müll zu entsorgen. Allein, das Teeei ließ sich nicht mehr öffnen. 'Lass ich's halt ein bisschen trocknen und auskühlen, dann wird's schon gehen', dachte ich. 
Doch auch später blieben die Eihälften haften wie die Magdeburger Halbkugeln. Ich drehte, zog und zerrte, sogar mit Zange und Hammer ging ich zu Werke – ohne Erfolg. In meiner Wut und Verzweiflung schmiss ich das Teeei schließlich aus meinem Fenster (1. OG) auf den steinernen Hinterhofboden. Das blöde Teil blieb unversehrt und fest verschlossen! Da warf ich es in den Abfalleimer.

Das Wort "Teeei" ist eine schöne Gelegenheit, folgende Liste zu präsentieren:

Meine Lieblings-Tripelbuchstabenwörter
- Fettteilchen
- Schneeesser
- Jazzzentrum
- Sperrrollladen
- Zooochse
- Gafffenster
- Rosssattel
- Schlammmischer


PS: 60% aller Deutschen brühen lieber losen Tee auf, nur 40% bevorzugen Beutel.
(Quelle: ZEIT)

Dienstag, 2. Oktober 2012

Klassiker des Wissens: 21ff.

Es gibt eine Organisation namens Verein zwanzigeins, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das deutsche Zahlwortbildungssystem nach dem Vorbild des Englischen und anderer Sprachen umzugestalten. Man solle z.B. statt "einundzwanzig" fürderhin "zwanzigeins" sagen (: engl. twenty-one, norw. tjueen). Angeblich behindere das aktuelle System nicht nur Kinder und Deutschlernende, es entstehe zudem durch Verständigungsprobleme ein nicht unerheblicher volkswirtschaftlicher Schaden. 
In der Tat gibt es Situationen, wo unser System krankt, etwa wenn jemand eine Telefonnummer ansagt: "Drei ... undvierzig, fünf ... zehn ..." – "Wie jetzt? 15 oder 5 und 10?" 
Wie man sieht, müsste man bereits ab der 13 "umstellen". Ich frage mich aber, wie die neue Methode bei sehr hohen Zahlen funktionieren soll. Dreihundertzwanzigviertausendneunhundertsechzigzwei? Okay, klingt plausibel. 

Man stelle sich jedoch folgendes Verkaufsgespräch vor: 

- "Ich hätte gerne zwanzigsechs Hefte."
- "Was? Zwanzig Sex-Hefte?"
- "Ja. Ich bin Lehrerin und brauche die für meine Klasse."

Oder wenn einer der Gesprächspartner noch die alte Methode benutzt (zugegeben, jetzt wird's ein wenig absurd): 

- "Bitte geben Sie mir vierzig Zweige." 
- "Ge? Was für Ge?" 
- "Vierzig Zweige." 
- "Vierzigzwei was? Was sind Ge?" 

Hier wurde wieder einmal nicht zu Ende gedacht.