Sonntag, 14. Oktober 2012

Eine Serie wie ein Autounfall


(Hinweis: Geringfüge Spoiler möglich.)

Once Upon a Time spielt in zwei Welten. Da ist zum einen das Städtchen Storybrooke, in dem die Kopfgeldjägerin Emma mehr oder weniger zufällig landet und auf ihren Sohn stößt, den sie nach der Geburt weggegeben hat. Dieser Sohn, Henry, ist der einzige in Storybrooke, der das Geheimnis seiner Einwohner kennt. Diese sind nämlich in Wirklichkeit Märchenfiguren. Die Parallelhandlung spielt nun in jener Märchenwelt; wir sehen die Protagonisten also in zwei verschiedenen Inkarnationen. Nach und nach erfahren wir, welcher Einwohner von Storybrooke welcher Figur im Märchenreich entspricht: Die Cafébedienung ist Rotkäppchen, der mysteriöse, reiche Ladenbesitzer entpuppt sich als Rumpelstilzchen, der Psychologe ist Jiminy Grille.

Wait, what?

Das ist das erste, nun ja: gewöhnungsbedürftige Element. Once Upon a Time, das auf dem zum Disney-Konzern gehörenden Sender ABC läuft, zeigt die Märchen in ihrer jeweiligen Walt-Disney-Interpretation. Außerdem bezieht es auch modernere Erzählungen wie Pinocchio und Alice im Wunderland in seinen Kosmos mit ein. Man trifft also auf Figuren wie "Prince Charming", die Blaue Fee, den Verrückten Hutmacher und neuerdings sogar auf Mulan! Ach ja, und die 7 Zwerge haben ihre adjektivischen Disney-Namen – und sie schlüpfen aus Eiern.

Was gibt es sonst noch auszusetzen? Einiges. Die Dialoge sind grottenschlecht. Das Szenenbild ist auffallend spartanisch. Die Effekte sind manchmal über TV-Niveau, oftmals aber nicht. Die Schauspieler? Jennifer Morrison, die schon bei House den farblosesten Charakter geben musste, ist auch hier denkbar langweilig. Ginnifer Goodwin hat sich einen eigenen Spezial-Tonfall ausgedacht (traurig-erschöpft), den sie bis zum Erbrechen einsetzt. Einzig Lana Parrilla als konsequent diabolische Bürgermeisterin und Raphael Sbarge als ambivalentes Rumpelstilzchen sind Lichtblicke. Außerdem spielt die sympathische Emilie de Ravin aus Lost mit. 

Überhaupt: Weil Once Upon a Time von den Lost-Autoren/Produzenten Edward Kitsis und Adam Horowitz entwickelt wurde, gibt es hin und wieder Anspielungen auf Lost, wie ja ohnehin die Handlung ein wenig an die 6. Staffel jener Mysteryserie erinnert. 

Und wegen des letztlich doch erfrischend ungewöhnlichen Ansatzes und der wohldosierten Spannungsmomente ist mir Once Upon a Time ein kleines Guilty pleasure geworden. Die zweite Staffel hat gerade – mit einem netten Gamechanger – begonnen, und ich werde wohl wider jede Vernunft dranbleiben. Obwohl ... Mulan, really? 

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