Mittwoch, 31. Mai 2023

TITANIC vor zehn Jahren: 6/2013

Ich bin auf eine Art froh, dass dieses Cover nicht gezeigt werden darf, denn womöglich würde Google mein Blog mit einer Alterssperre versehen oder ganz einstampfen, zeigte ich den Akt in voller Pracht. Das Verbreitungsverbot ergab sich übrigens nicht aus einer Beschwerde Merkels, sondern war das Resultat einer Klage der Erben des Fotografen (wohl einer der bekanntesten Fotokünstler der DDR), welcher die Nutzungsrechte für dieses Nacktbild seinerzeit nicht für alle Bereiche, wenigstens nicht für die Gestaltung von Satireblättchentitel, freigegeben hatte.

Apropos Titel: Wie man nicht nur der im Heftinnern werbehalber abgebildeten Juni-Konkret entnehmen kann, war der NSU-Prozess das Top-Thema jener Tage und wurde auch in Titanic an prominenter Stelle behandelt. Moritz Hürtgen berichtete aus München zwar nicht von der Verhandlung selbst, aber von einer am Rande gelaufenen Podiumsdiskussion unter Leitung von Stern-Kolumnist Jörges ("... scheint seinen Verstand nun vollständig zu verlieren"). Leo Fischer und ich wählten für unseren Aufmacher den mediensatirischen Zugang und sponnen ein Zeit-Sommerinterview, für dessen Bebilderung einerseits M. Ziegelwagner den Befragenden, Giovanni di Lorenzo, vortrefflich verkörperte, andererseits Layout-Springerin Karina W. als Befragte ihre viel zu schmeichelhafte Parodie der Beate Zschäpe reprisete. (Ich könnte "wiederholte" schreiben, aber ich mag die englische Phrase to reprise one's role.)


Direkt im Anschluss geht es mit di Lorenzo und der Zeit im Allgemeinen weiter, wenn Stefan Gärtner eine testweise für seinen Essay gekaufte Ausgabe der Wochenzeitung sichtet und zu dem Schluss kommt, dass "es sich bei der Zeit, ihres publizistischen Klassenauftrags unbeschadet, mittlerweile um eine Art Landlust mit Politikteil und Verbraucherschutzfokus handelt, wo selbst das Magazin so biedermeierlich trutscht, als vertrage der Patient nun wirklich überhaupt keine Aufregung mehr".

Das längst vergessene, wahrscheinlich eher den Krawallmedien entnommene Thema "Gemüsemafia" (dabei ging's wohl um Preisabsprachen innerhalb eines ominösen "Kartoffel-Kartells") hielt hingegen für eine Strecke her, bei der sich die Graphikredaktion einmal mehr mit Lebensmitteln austoben durfte (Idee & Text: Wolff/Ziegelwagner).


Einigermaßen stolz bin ich auf mein "Titanic Schaubild: So funktioniert das System Bayern". Ob es das an die Wand der ein oder anderen Amtsstube im schweinösen Freistaat geschafft hat? Schließlich war es als herausnehmbares Poster in der Heftmitte platziert worden. Dunkel erinnere ich mich noch daran, wie ich mit Schere, Lineal, Kleber und verschiedenfarbigen Stiften auf einem A3-Blatt die Vorlage entwarf.


Mein diesmonatiges Highlight sind die "Beobachtungen" von Benjamin Schiffner auf S. 46/47. Wenn ich mich nicht schwerstens irre, handelt es sich hierbei um den bis heute letzten (reinen Wort-)Beitrag meines All-time-Lieblings-Ex-Redakteurs. Seufz.


In Ästhetik und Stimmung stehen die Fotografien von Sebastian Klug denen Schiffners in nichts nach, wie man sich auf der Titelseite von "55ff" überzeugen kann ("Die faszinierende Welt der Kabelbinder"). Auch der Innenteil steckt dieses Mal m.M.n. voller Perlen.


Kennt noch jemand Dirk Müller, den als "Mr. Dax" gehandelten Finanzexperten? Eine Google-Newssuche verrät mir, dass der Mann immer noch im Geschäft ist (Business Insider, November 2022: "'Mr. Dax' legt neuen Fonds auf – der alte Fonds von Dirk Müller performte unterdurchschnittlich"). Vor zehn Jahren jedenfalls hatte der "Börsen-Prophet" zu einer Buchvorstellung in den "Frankfurter Hof" geladen. Kollege Ziegelwagner ging, mit mir als moralischer Verstärkung, hin und erstattete anschließend Bericht über den windig-nichtssagenden Abend.
Wer die (mindestens) optische Persiflage auf Anlageheinis Müller'scher Prägung begutachten will, braucht im Übrigen nur drei Seiten weiter zum "Strunk-Prinzip" zu blättern.


Weiteres Notierenswertes
- Peer Steinbrück und kein Ende: Im Editorial und natürlich in einer weiteren Folge "Der unglaubliche Ulk" begegnet er uns diesmal. Es wird interessant sein zu beobachten, wie die SPD-Hoffnung binnen weniger Monate von der Bildfläche verschwindet.
- Zwei echte Anzeigen zieren dieses Heft: eine für Zapf-Umzüge und eine, sogar auf der U4, für Glashütter Nomos-Uhren! Letztere war besonders lukrativ und hatte ein unterhaltsames Nach- und Gewinnspiel zur Folge (ich glaube, bereits beim nächsten Mal).
- Komplett irre, dass in dieser Ausgabe zweimal Petersilienwurzeln vorkommen, nämlich in der "Gemüsemafia" sowie in Hurzlmeiers doppelseitigem "Rübenrevolten"-Gemälde. (Es könnte sich in beiden Fällen auch um Pastinaken handeln, so genau erkennt man es nicht.)
- Absoluter Klassiker von Katharina Greve aus S. 33!

Schlussgedanke
Ein Exemplar, das man besitzen sollte. Wer es sich jetzt online bestellt, bekommt es, soweit ich weiß, allerdings nur mit abgeschnittener U1 geliefert.

Sonntag, 28. Mai 2023

Super Mario Pfand: 3 Golden Coins

Ich habe noch nie eine Pfandleihe genauer betrachtet und hoffe, dass ich niemals in einer vorstellig werden muss*, darum kann ich nicht sagen, ob das Folgende auch auf Deutschland zutrifft. In den USA jedenfalls gibt es die – freilich in Europa beheimatete – Tradition, Pfandhäuser mit drei goldenen Kugeln zu zieren; ein Zunftzeichen vergleichbar mit dem barber pole**.

Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei den drei Kugeln um Byzantiner Münzen, engl. bezant, Wappenfiguren, die im mittelalterlichen Europa den Solidus, den "Euro des Mittelalters", und somit im erweiterten Sinne jegliche Art (oströmischer) Goldmünzen repräsentierten. Sie sollen zuerst von lombardischen Kaufleuten und Geldwechslern vor deren Geschäften aufgehängt worden sein, zunächst zweidimensional als Wappenelement, später in Kugelform an einer Stange. Das Kredit- und Pfandwesen hat in der Lombardei seine Ursprünge, man spricht nicht umsonst heute noch von Lombardsatz, Lombardkredit usw. Eine prominente Familie, die fünf (anfänglich sogar acht, dann sechs) solcher Kugeln im Wappen führte, waren die Medici.


Die hatten bekanntlich viel mit Finanzen zu tun, stammten allerdings nicht aus der Lombardei, sondern waren mit Florenz verbandelt. Es gibt denn auch alternative Erklärungen dafür, was es mit den Kugeln auf sich hat:
- Sie stehen für (drei) Säcke voller Steine. Mit diesen soll kein Geringerer als Karl der Große im Auftrag der Medici einen Riesen niedergestreckt haben.
- Es sind Darstellungen von Pillen. Damit wird auf die Bedeutung des italienischen Wortes medici verwiesen: Ärzte.
- Goldene Kugeln (abermals drei) sind ein Attribut des Heiligen Nikolaus, Bezug nehmend auf dessen Spende dreier Goldklumpen an einen verarmten Mann als Mitgift für seine drei Töchter, die er schon in die Prostitution schicken wollte. St. Nikolaus ist unter anderem der Schutzpatron der Pfandleiher.
Es hängt also alles irgendwie miteinander zusammen. Wer mehr weiß, darf mich gerne aufklären.

* Habt ihr John Mulaneys letztes Stand-up-Special gesehen und erinnert euch an die Stelle mit dem pawn shop?
** Gruselig, es ist fast auf den Tag genau zehn Jahre her, dass ich darüber schrieb!

Freitag, 26. Mai 2023

Langsam werd' ich GRRiMmig ...

Es war zu Beginn des Jahrtausends, als mir in einem damals oft von mir frequentierten Internetforum ein Thread mit dem Titel "A Song of Ice and Fire" auffiel. Als dieser auf eine Länge von mehreren hundert Antworten angewachsen war, dachte ich 'Na schön, schauste halt mal rein' und schaute mal rein. Ein Romanzyklus von einem gewissen George R.R. Martin wurde dort lebhaft diskutiert und inbrünstig bejubelt.

Obwohl ich zuvor mit Fantasy-Literatur – abgesehen von Pratchett – keine Berührung gehabt hatte, war meine Neugier geweckt. Ich sah im Online-Katalog der städtischen Bibliothek nach: Drei Bände waren dort im Bestand, jedoch entliehen. Den ersten, "Die Herren von Winterfell", ließ ich vormerken. Aus Unachtsamkeit wurde zunächst der zweite Band, "Das Erbe von Winterfell", für mich zurückgelegt; den Fehler bemerkte ich zum Glück direkt an der Ausleihtheke. Nach Neubestellung und zusätzlicher Wartezeit hielt ich irgendwann endlich den korrekten Auftaktwälzer von "Das Lied von Eis und Feuer" in meinen Händen. Ich begann mit der Lektüre und war überrascht: Da kamen ja überhaupt keine Elfen und Märchenprinzen drin vor, stattdessen Intrigen, Mord, Vergewaltigung, rohe Sprache, politische Verwicklungen und allerlei eher in der Realität verhaftete "Erwachsenenthemen" mehr. Mir wurde beizeiten klar, dass ich es hier mit einer ebenso düsteren wie komplexen Reihe zu tun hatte. Die Überzahl der Figuren und die schiere Länge schreckten mich denn auch anfänglich ab. Da ich außerdem gerade ein Studium aufgenommen hatte, sah ich mich gezwungen, die epische Reise nach kaum 300 Seiten zu pausieren. Das ist überhaupt festhaltenswert: Während meiner Unizeit habe ich hobbymäßig so gut wie keine Bücher gelesen. Vielleicht weil ich in der Nicht-Freizeit, "beruflich" quasi, schon mehr als genug lesen musste?

Erst nach meinem Abschluss fand ich wieder Muße dazu, und heute verschlinge ich einen Schmöker nach dem anderen. Als die TV-Adaption von "A Game of Thrones" startete (und mich auf Anhieb überzeugte), stürzte ich mich auch erneut auf die literarische Vorlage. Es dauerte nicht lang, da hatte ich mich mit Band 5, "A Dance with Dragons" (ich war zur Originalfassung gewechselt), auf den neuesten Stand gebracht, und nach einer weiteren Weile hatte die Fernsehserie die Ereignisse des bis dahin Niedergeschriebenen nicht nur ein-, sondern sogar überholt. Dabei war der sechste Teil schon vor Ewigkeiten angekündigt worden. Mit "The Winds of Winter" stand sogar sein Titel fest, wie auch jener des finalen siebten Bandes, "A Dream of Spring".

2016 stieg die Hoffnung auf ein Erscheinen von Band 6 im Jahr darauf. Das weiß ich noch, weil ich mir für 2017 vorgenommen hatte, hier auf Kybersetzung ein "Let's Read 'The Winds of Winter'" durchzuführen: Ich würde das Abenteuer sozusagen live mit euch als meinem Lesezirkel verfolgen und in einem Fortsetzungsbeitrag meine Gedanken zu den sagen wir jeweils drei letzten Kapiteln niederschreiben. Aber leider hat GRRM seit dem ursprünglich vorgesehenen Release-Jahr (2011!) nichts hervorgebracht außer ein paar Auszüge (auf die ich bisher keinen Blick geworfen habe) sowie diverse Ausflüchte und Entschuldigungen ... und natürlich Dutzende Nebenprojekte! Ich habe einerseits Respekt vor der Schaffenskraft dieses Mannes, andererseits würde ich mir wünschen, er würde sich auf sein Opus magnum fokussieren. Hätte er seinen Output der vergangenen Jahre aufs Wesentliche beschränkt, wären wir mit "Winds of Winter" schon durch und würden "Dream of Spring" entgegenfiebern. Stattdessen: "Wild Cards", "Nightflyers", "Elden Ring", "Dark Winds" (dazu im nächsten Serientagebucheintrag) und und und. Regelmäßig surfe ich auf Martins Blog "Not a Blog" vorbei, nur um zu erfahren, dass der umtriebige und inzwischen auch schon bedenklich alte Autor noch eine Baustelle aufgemacht hat. Oder was er alles vorhat: "I want to return to Morocco, Granada, Seville, Toledo, Madrid, Barcelona, and Asturias as well… oh, and to Portugal too. Lisbon and Porto are amazing. But not until I finish WINDS OF WINTER." Ja, bitte!!! (Dieser Eintrag stammt vom Februar 2023.)

Tja, wie stopft man als Fan so eine popkulturelle Lücke? Die Heckenritter-Trilogie war ein befriedigendes Methadon, und "Feuer und Blut" kann ich mir vorstellen demnächst nachzuholen. Ich habe es mit Steven Eriksons "Spiel der Götter"-Epos versucht, weil mich daran gereizt hat, dass die Lese-Reihenfolge bereits eine Wissenschaft für sich ist, aber ich werde damit einfach nicht warm, stecke seit circa drei Jahren in "Gardens of the Moon" fest. Zuletzt habe ich mir "Between Two Fires" von Christopher Buehlman als Leseprobe heruntergeladen und bin sehr angetan davon, auch wenn das ein etwas anderes Genre zu sein scheint. Doch werde ich jemals nach Westeros zurückkehren? Warten wir's ab.

Mittwoch, 24. Mai 2023

Aus der Art geschlagen

In manchen Belangen war ich durchaus das, was man als "aufgewecktes Kind" bezeichnet, aber weiß Gott nicht in allen. Eine Sache, die ich bis in die Grundschulzeit hinein partout nicht begreifen wollte: Geschlechtsdimorphismus im Tierreich. Ich blätterte gerne die illustrierten Tierbücher aus dem elterlichen Bestand durch und sah dabei immer wieder, dass vorgestellte Arten mit zwei Abbildungen vertreten waren, die komplett voneinander abwichen. (Sobald ich zu lesen fähig war, hatte ich sogar schriftliche Beweise dafür, dass es sich jeweils um ein und dieselbe Spezies handelte.) Dann fragte ich meine Mutter oder meinen Vater, warum da zwei offenbar verschiedene Tiere abgedruckt seien. "Das eine ist das Männchen, das andere das Weibchen", bekam ich zur Antwort. Hä? Okay, das eine ist ein Hirschkäfermännchen, aber was für ein Käfer ist das Weibchen? Das so starke Auseinanderklaffen der Phänotypen wollte mir einfach nicht in den Kopf hinein. Erst nach und nach, anhand von berühmten Sexualdimorphismus-Beispielen wie Stockenten oder Pfauen, konnte ich dieses Phänomen nachvollziehen. Peinlich!

PS: Die Schwanzfedern des männlichen Pfaus werden übrigens mit dem mir bis vor kurzem unbekannten Handicap-Prinzip erklärt.

Montag, 22. Mai 2023

UNregierbar

Neulich stellte ich mir die Frage, ob es auf der Erde Territorien gibt, die keinem Land zugeordnet werden können, sondern vollständig den Vereinten Nationen unterstellt sind. Damit meine ich nicht Treuhandgebiete als Nachfolger von vormaligen Mandats- oder Schutzmachtzonen, sondern tatsächliche "UN-Staatsgebiete", in deren Grenzen sozusagen eine inter- oder supranationale Staatsbürgerschaft gilt.

Die Antwort auf diese Frage lautet tendenziell nein, wobei sich die Sache erwartungsgemäß komplizierter darstellt, zumindest mir, der ich leider kein Völkerrechtler bin. Natürlich sind mir die drei Staatsmerkmale (Staatsgebiet, Staatsvolk, Staatsgewalt) bekannt, aber mal ganz praktisch und trivial gefragt: Können die UN beispielsweise Pässe ausstellen? Jein. Tatsächlich geben die Vereinten Nationen eine Art Reisedokument aus, das United Nations laissez-passer (UNLP), allerdings ausschließlich an Angestellte der UN inkl. der IAO sowie von internationalen Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation, der Welthandelsorganisation oder der Weltbank. Das LP ist mithin ein diplomatischer Ausweis, den man zusätzlich zu seinem nationalen Reisepass führt. Soweit ich sehe, kann kein Mensch ausschließlich einen "UN-Pass" besitzen. Und das ist auch schon der springende Punkt.

Es existieren, Stand 2023, zwei Gebiete, die meiner in der Ausgangsfrage formulierten Vorstellung nahekommen und bei Wikipedia tatsächlich als "territories governed by the United Nations" geführt werden:
- die Golanhöhen, seit 1974 der United Nations Disengagement Observer Force (UNDOF) unterstellt, und
- die Pufferzone auf Zypern, seit ebenfalls 1974 kontrolliert von der United Nations Peacekeeping Force in Cyprus (UNFICYP).
Diese Territorien nennt man nach den dort eingesetzten Kräften auf englisch auch UNDOF Zone on the Golan Heights resp. United Nations Buffer Zone in Cyprus (UNBZC).

Zwei traditionelle "Pulverfässer" also. In beiden Gebieten lebt auch Zivilbevölkerung. Diese hat jedoch nicht eine (alleinige) "UN-Staatsbürgerschaft", sondern setzt sich zusammen aus israelischen bzw. syrischen Staatsangehörigen hier und türkischen bzw. griechischen bzw. zyprischen Staatsangehörigen da. Die jeweilige prozentuale Verteilung konnte ich auf die Schnelle nicht recherchieren. Für die Pufferzone auf Zypern gibt die Webseite der UNFICYP eine Gesamtbevölkerung von 10.000 Menschen an, nicht mitgerechnet sind dabei die britischen Sovereign Base Areas; nicht dazu gehört auch die Geisterstadt Varosha. Beispielhaft für die wenigen vollständig im blauen Gürtel (der eigentlich Grüne Linie heißt) liegenden Ortschaften sei das Dorf Pyla/Pile genannt.

CC BY-SA 3.0

Wie verhält es sich nun mit den Angehörigen der Friedenstruppen? Wie schon erwähnt, sind das keine "reinen" UN-Bürger, sondern ein bunt gemischter Haufen. Die UN-Charta spricht im Abschnitt "Erklärung über Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung" (Kapitel XI) denn auch explizit von "Mitglieder[n] der Vereinten Nationen, welche die Verantwortung für die Verwaltung von Hoheitsgebieten haben oder übernehmen, deren Völker noch nicht die volle Selbstregierung erreicht haben" (Artikel 73). Um beim Fall Zypern zu bleiben: Die derzeitige Kommandeurin ist Generalmajor Ingrid Margrethe Gjerde, eine Norwegerin, und der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs ist der Kanadier Colin William Stewart. Um die vier Sektoren der Pufferzone kümmern sich Kontingente aus Argentinien (Sektor 1), Großbritannien (2) und der Slovakei (4), für den inzwischen in die Sektoren 2 und 4 aufgegangen Sektor 3 war Kanada zuständig. In der UNDOF-Zone stellt Nepal mit 435 Soldaten den Löwenanteil, daneben beteiligen sich mit Kontingenten von 1 bis 219 Mann (Daten von 10/2021): die Niederlande, Ghana, Tschechien, Bhutan, Irland, Fidschi, Uruguay und Indien.

Nicht auszuschließen ist, dass in den genannten Krisenherden auch Personen ohne Staatszugehörigkeit leben, aber Staatenlosigkeit ist noch mal ein ganz anderes Paar Schuhe, zu dem der Hohe Flüchtlingskommissar der VN ein lesenswertes FAQ herausgegeben hat.

Dienstag, 16. Mai 2023

Torsten testet Nachahmerprodukte: Cornados

Vorab: Sollte es die Cornados von Funny-frisch schon gegeben haben, bevor Bugles von der Marke Lay's eingeführt wurden, betrachtet diese Snackrezension als gegenstandslos. Es müsste aber schon mit dem Teufel zugegangen sein, sollte ich diese Mais-Hörnchen jahrelang übersehen haben, während ich wieder und wieder das berühmte amerikanische Analogon im Supermarkt (es wird nicht in jedem geführt!) bemerkt habe. Gefühlt waren Bugles hierzulande schon immer präsent; in den USA wurden sie von General Mills bereits 1966 auf den Markt gebracht. Die Sorte "Nacho Cheese" (in der grünen Tüte) schmeckt mir seit je besser als "Paprika Style" (in der roten Tüte), weshalb ich mich auch für die Käse-Variante von Funny-frisch entschieden habe. Die orangenen "Original"-Bugles hatten mich nie angemacht, die ähneln bestimmt der 08/15-Sorte von "Pom-Bär", bah.


Neben den genannten zweien hat Funny-frisch auch noch "Sweet Chili" auf der Palette. Nun aber zum Nacho-Cheese: Ich hatte das Gefühl, dass die Käsigkeit in der zweiten Kauphase eine Intensität erreicht, die manchem zu herb erscheinen könnte, beinahe möchte man von Hautgout sprechen. Unerwünschter Nachgeschmack fällt zum Glück aus. Form und Konsistenz der Hohlkegel sind kaum vom Ur-Produkt zu unterschieden, wobei mir der Knack von Bugles etwas gefälliger in Erinnerung ist.
Zum Preis kann ich nichts sagen. Was Darreichungsform und Inhaltsstoffe angeht, lassen wir die jeweiligen offiziellen Angaben sprechen. 95 Gramm Bugles stehen 96 Gramm Cornados gegenüber – Gleichstand, würde ich sagen. Die Zutaten von Bugles sind Mais, Sonnenblumenöl, Molkenpermeat, Käse-, Zwiebel-, Knoblauch-, Tomaten- und Molkenpulver, Salz, natürliche Aromen, Säureregulatoren (Citronensäure, Milchsäure) und Farbstoffe (Paprikaextrakt). Da besteht zu Cornado kaum ein Unterschied. Hier ist allerdings der Maismehlanteil mit 51 % konkret angegeben, hinzu kommt außerdem Reismehl sowie Zucker, Rapsöl, Kartoffelstärke und Hefeextrakt. Hier wie da also alles frei von geschmacksverstärkenden Zusatzstoffen, was sich beide Produkte auch stolz auf die Fahnen bzw. die Verpackung schreiben. Das Funny-frisch-Erzeugnis ist ausdrücklich glutenfrei, Bugles "kann Spuren von Weizen enthalten", aber Spuren können eh überall drin sein.
Als eigenständige Snack-Reihe würde ich Cornados somit im oberen Mittelfeld ansiedeln, für Nachahmerprodukte setze ich jedoch bekanntlich einen strengeren, oder sagen wir anderen Maßstab an: Wie nah kommt es an das Vorbild heran? Womit kann es punkten, was der Inspirationsgeber nicht hat? Hier muss ich leider festhalten, dass, wenn ich schon mal Appetit auf windhosenförmige Nachoide habe, ich auch gleich zum Original greifen kann, und gebe dem sonst oft gut bei mir wegkommenden Haus Funny-frisch hierfür 6/10 Punkten.

Sonntag, 14. Mai 2023

Verliese & Arbeiter & Drachen & Bauern

Die meisten Subkulturen des Westens gab es spätestens Ende der 1980er Jahre, zumindest in kleinem Rahmen und im Verborgenen agierend, auch in der DDR. Davon zeugen etliche Bücher sowie Film- und TV-Dokumentationen, man muss ja nur mal "Hip-Hop in der DDR", "Heavy Metal in der DDR", "Gaming-Szene in der DDR" oder was einem sonst so einfällt in eine Suchmaschine eingeben. Wovon ich aber noch nie gehört hatte: Rollenspiele in der DDR. Ob es Pen&Paper oder etwas Vergleichbares wohl im realsozialistischen Ostdeutschland gegeben hat?, fragte ich mich deswegen neulich.

Nun, auf die Suchanfrage "pen and paper in der ddr" o.ä. erhält man keine Ergebnisse. Weil Google schlau ist, leitete es mich aber immerhin auf das Fantasy-Forum "Tanelorn", wo es einen Thread mit dem Titel "'DDR-Rollenspiel'?" gibt. Er ist von 2009, und in ihm ist ein älterer (von 2005) verlinkt. Weil mir bewusst ist, dass Internetseiten so vergänglich sind wie totalitäre Staaten, kopiere ich die bemerkenswertesten Passagen hier rein, wogegen hoffentlich niemand etwas hat.

Soweit ich weiss, wurden keine Rollenspiele produziert, und ob private Westimporte erlaubt waren, weiss ich nicht. Das Interessante ist ja, dass wohl einige Leute von selbst auf die Idee gekommen sind.

----- 

Das ist in der Tat interessant. Allerdings gab es schon so ne Art RPG-light, was aber eher"Selbstauflösekrimis" waren.

Ich kann das nur von meinem Ex-Lehrer schildern. Da hat vor Ferienbeginn immer so ein Buch mitgebracht, in dem "Kriminalfälle" beschrieben waren. Das Ende war erstmal offen. Die Klasse durfte dann überlegen, warum und wie und weshalb ... zum Schluss gab es die Auflösung. So ähnlich, wie in manchen Zeitungskrimis. Ist zwar nicht ganz Rollenspiel, hat aber ähnliche Aspekte.

Etwas rollenspielähnlicheres hatte mal eine damalige Mitschülerin mitgebracht. Ein Buch, in dem man selbst bestimmen konnte, wie die Geschichte verläuft. So nach dem Motto: Wenn Du möchtest, dass XY dies tut, lies ab Seite 123 ... etc. Eigentlich also ein Soloabenteuer ;)

Mit Letzterem ist offenbar eine Art "Choose Your Own Adventure" gemeint. Kann freilich ein West-Import gewesen sein.

Spannend wird es, als sich derjenige zu Wort meldet, der tatsächlich mit Freunden zusammen ein rudimentäres Regelsystem entwickelt hat und somit als "Roleplaying-Game-Vater des Ostens" bezeichnet werden könnte:

Ich habe zu DDR-Zeiten Spiele erfunden. Das erste Spiel war ein Ding namens "Tank" und war ein 1. Weltkrieg Wargame. Da ich keine originalen Wargames kannte borgte ich Regelideen aus klassischen Brettspielen wie Schach, Mensch ärgere dich nicht!, usw.

Damit war ich sogar auf der Kinder-und Jugendmesse: "MesseMeister von Morgen" (oder so...)

Leider kam ich nicht in die engere Auswahl, obwohl ich es relativ weit schaffte (das war ein DDR-weiter Kontest), da es den Juroren zu kriegstreiberisch war.

Die nächsten Spiele waren Brettspielumsetzungen bekannter Spielautomaten, die man in der DDR nur auf Jahrmärkten zocken konnte. Ich hatte mein eigenes Jump en Run und "Von oben-Raumschiff-Ballerspiel"...

Irgendwann schaute ich auf ARD (ja, das böse West-Fernsehen) mal einen Beitrag über eine Spielemesse im Westen (verzeiht mir die billigen geographischen aber politisch angehauchten Ausdrücke - ich erinnere mich nur gerade daran wie es sich damals anfühlte...) und dort waren auch Szenen mit Figuren, die durch irgendwelche Gänge krauchten und sehr cool aussahen.

Das wollte ich auch spielen! Nur leider vergaß ich die Idee irgendwie wieder bis, ja bis ich E.T. im Kino sah. Zur Information: E.T. kam im Osten erst irgendwann 1987/88 in die Kinos. Dort spielen sie in den ersten Minuten des Films ein Spiel, mit diesen Figuren und unterhalten sich darüber! Ein Satz war dabei sehr wichtig: "Bei dem Spiel kann man nicht verlieren, Mom!" (oder so ähnlich) Dieser Satz war mein persönliches Heureka! und ab da probierten meine Freunde und ich aus wie es wäre ein Spiel zu haben, mit dem irgendwie etwas nachgespielt werden konnte - das Leben und so!!!

Wir hatten alle eine erstaunliche Sammlung an Rittern, mit denen wir uns regelmäßig Schlachten lieferten. Da hatten wir schon ein kleines Regelgerüst. Der wichtige Unterschied war nun, dass wir die Dinge die zwischen den Schlachten passierten (Wie das neue Reitpferd erkämpft oder gewonnen wurde, usw.) in das Regelgerüst einbezogen. Zum Schluss ging es dann fast ausschließlich um diese Zwischengeschichten. Wir hatten keinen Namen für unser Spiel aber es glich einem richtigen Rollenspiel auf erstaunliche Weise. Im Übrigen hatten wir ein Pool-Würfel-System und sehr harte Kampfregeln.

Nach der Wende brachte Uwe ein Spielbuch mit und kurze Zeit später - auf einer Klassenfahrt - kaufte ich DSA. Was wir, obwohl ehrfürchtig und sehr gespannt darauf, für schlechter als unser eigenes System befanden. (zu kompliziert... und langsam, meine ich zu erinnern)

Erst AD&D1st und etwas später Runequest2nd machten uns glücklich, daneben Battletech und später AD&D2nd, Shadowrunn, und viele anderen mehr.

In einem späteren Post geht er sogar ins Detail:

Zur Würfelmechanik: man musste, je nach Schwierigkeit, mit W6en einen Zielwert erreichen oder übertreffen. Wer besonders gut war, der musste halt nur 2en würfeln! Besondere Handlungen gaben einen mehr Würfel in die Hand. Zum Schluss würfelten wir immer mit mindestens 3 Würfeln - keine Ahnung mehr warum! Wahrscheinlich weil es sich so eingebürgert hatte.

Um es dann schwerer zu machen haben wir für widrige Umstände Würfel abgezogen. Also fast eine Umkehrung der ursprünglichen Mechanik. Wiederum habe ich keine Ahnung mehr warum.

Wir würfelten eigentlich bei fast allen Aktionen! Würfeln war geil! Und wir achteten das Ergebnis - es sei denn es betraf einen der Lieblingscharaktere, da konnte es schon die oben angesprochenen "Richtigstellungen" geben.

Wir hatten keine extra Kampfregeln. Alles ging mit der gleichen Mechanik. Es gab auch keinen SL. Warum auch? Es war schließlich unsere gemeinsame Welt!

Wir hatten alle Erfahrungen in diversen Kampfsportarten (Boxen und Judo) und mussten daher auch zielen, eine Technik ansagen, usw. Wer getroffen wurde bei dem geschah das, was normalerweise mit einem geschah wenn die Technik klappte. Da wir keine Erfahrung mit Waffen hatten konnten wir da nur extrapolieren - das Ergebnis war meist fatal! Es gab keine Initiative, keine HP, usw. Am Anfang, jedenfalls erinnere ich das so, würfelte der schneller Spieler und das galt, aber dann wurde dagegen gewürfelt - der bessere gewann.

Ein paar Schwierigkeiten traten mit nicht vollständig gemeinsam unternommenen Spielen auf. Meist fühlte sich derjenige, der nicht daran teil genommen hatte, hintergangen - es gab öfters Streit darüber! Ich glaube das war einer der Gründe für eine lange Pause oder sogar das Ende des Spiels!

Mehr als einmal kommt die Frage auf, ob Rollenspiele eine Chance auf kommerzielle Herstellung und Verbreitung gehabt hätten. Verschiedene Gedanken werden dazu geäußert:

Ich glaube Rollenspiele sind aus sozialistischer Sicht suspekt, weil sie eskapistische Pflaster auf den schwärenden Wunden des Kapitalismus sind. Sie lenken die arbeitenden Massen davon ab, ihre tatsächliche Situation zu erkennen, und sich übergreifend zu solidarisieren. Sie verbreiten also falsches Bewusstsein. Blablabla.

Glaube nicht, dass man das erlaubt hätte.

-----

Meine Vermutung ist, dass dieses Spiel nie hätte veröffentlicht werden können, da es eskapistische Tendenzen hatte und kriegstreiberisch war. Das gleiche Gerüst auf ein Rollenspiel im 3. Reich aufgestülpt, man spielt dann selbstverständlich einen Widerständler, hätte womöglich ein paar offene Ohren mehr gefunden... Aber trotzdem zu sehr Spiel und womöglich mit den Worten abgetan:"Mit solchen Themen spielt man nicht!"

-----

Ich könnte mir durchaus auch vorstellen, dass irgend so ein Kunstministeriuim dann - ideologisch eingefärbt - die ein oder anderen Rollenspiele in Auftrag gegeben hätte. Auch denke ich, wird heute manches zu sehr verklärt ... man hätte sich mit Sicherheit eine (private) Nische gesucht. Das gilt insbesondere, weil ja die Ostblöckler allgemein nicht unbedingt der Phantasie abgeneigt waren (z.B. genießen manch russische ScFi-Geschichten immer noch hohes Ansehen ...).

Man muss m.M.n. scharf zwischen Fantasy und Science-Fiction trennen. Auch das kommt mehrmals zur Sprache. Wie man weiß, hatte SciFi bzw. "utopische Literatur" im Ostblock ein beachtliches Standing, das Genre hatte renommierte Vertreter mit einer treuen Leserschaft hervorgebracht. Fantastische Literatur im engeren Sinne hingegen dürfte weitgehend unbekannt gewesen sein. Ob Fantasy in der DDR richtiggehend "verpönt" war und unterdrückt wurde, darüber kann ich nur spekulieren. Raumfahrt, Robotik und sonstige technische Innovationen, das waren natürlich Symbole einer glorreichen fortschrittlichen Zukunft unter dem roten Banner. Dazu muss Fantasy mit ihrem typischen Komplex Mittelalter / Hexerei / Schwertkampf / ständisches Denken usf. in krassem Widerspruch gestanden haben. Möglicherweise waren Fantasy abseits von "Herr der Ringe" und erst recht entsprechende Spielsysteme aber auch westlich des Eisernen Vorhangs schlicht zu nischig. Wer weiß, wenn Pen&Paper in der BRD der Achtziger die Popularität von heute gehabt hätte, wäre vielleicht mal ein DnD-Buch auf verschlungenen Pfaden nach Ost-Berlin gelangt und hätte Anreize für Home-brew-Systeme geschaffen.

Zum Schluss ein Wort über meine eigene Rollenspiel-Prägung. Oh, wie gerne wäre ich schon als Schüler in einer Rollenspielgruppe gewesen! Mir war das Konzept spätestens um die Jahrtausendwende herum aus dem World Wide Web bekannt, ich zockte auf Dungeons & Dragons basierende Computerspiele, studierte Regelwerke, besorgte mir sogar das "Forgotten Realms Campaign Setting", las neidvoll Kampagnen-Recaps in Message-Boards, allein, ich hatte den falschen Freundeskreis. Ach was: Ich kannte nicht mal Freundeskreise mit diesem Hobby, zu denen ich hätte stoßen können. Auch an der Uni ist mir nie jemand begegnet, der es praktizierte. (Ich war allerdings noch nie sehr kontaktfreudig.) Seit nunmehr einigen Jahren habe ich das Glück, Teil einer Pathfinder-Runde zu sein, und so kann ich meine Jugend partiell nachholen. Das war übrigens ein weiterer einschneidender Aspekt der Corona-Pandemie: dass man sich nicht mit Gleichgesinnten zum Live-Spielen treffen konnte. Ich breche eine Lanze für Fantasy-RPGs. Eskapismus, Improvisation und strenges Reglement: what's not to like?

Freitag, 12. Mai 2023

Albernes zum Wochenschluss

Nach dem Deutschlandticket kommt die nächste Innovation: das Wollknäuelticket! Es ist, wie der Name schon sagt, ein Wollknäuel und ist als Fahrschein in sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln im Lande gültig. Bei der Ticketkontrolle schneidet die Kontrollperson ein Stück Faden ab, dessen Länge sich aus der zurückgelegten bzw. zurückzulegenden Strecke ergibt. (Hier sehe ich bereits das erste Problem: Was, wenn der/die Kontrollierte falsche Angaben macht, z.B. behauptet, "gerade erst in Kassel" zugestiegen zu sein, obwohl er oder sie bereits seit Flensburg an Bord ist? Na ja, da muss einfach an die Ehrlichkeit der Bevölkerung appelliert werden.) Kinder bis zum 6. Lebensjahr reisen kostenlos, bekommen aber trotzdem vor ihrem ersten Zustieg ein Knäuel ausgehändigt, erstens wegen des schon jetzt kultigen Spruchs "Noch nicht in der Schule? Da beißt die Maus keinen Faden ab!", zweitens kann das Knäuel mit Erreichen des Beförderungsentgeltpflichtalters direkt genutzt werden (vorher aber auch – als Kopfkissen während langer Bus- oder Bahnfahrten). Ist ein Knäuel aufgebraucht, holt man sich ein neues, natürlich nicht am Automaten, denn so große Automaten gibt's ja gar nicht. Spezielle Verkaufsstellen sind zu nutzen, die sich bis spätestens 2085 in jeder Kleinstadt befinden sollen. "Pff, ich besorge mir einfach Wolle aus dem Wollladen, woher sollen die den Unterschied erkennen?!", wird so mancher Naseweis nun rufen. Nein: das Wollknäuelticket ist mit einem Mittel gefärbt, das allein die Chemieabteilung der Deutschen Bahn nach einer streng gehüteten Geheimrezeptur herzustellen in der Lage ist. Die Farbe ist eine mit menschlicher Sprache nur schwer zu beschreibende Mischung aus Türkis, Metallic-Grau und Rostrot, und wer sie länger als 30 Sekunden betrachtet, wird von einer ungeheuerlichen Woge nie erlebter Glückseligkeit überwältigt; in Zugforen berichten Menschen, sie hätten nach intensivem Schauen in die "WKT-Kolorierung" zum ersten Mal tief in ihrem Innern gewusst, was sie wirklich wollen (!), und würden fortan ihr Streben und Handeln danach ausrichten. Die mysteriöse "Fahrradabteil-Epiphanie" auf der Regionalbahnstrecke zwischen Rhumspringe und Nörten-Hardenberg wird zu einem sogar wissenschaftlich untersuchten Phänomen. Nachteil: Für Reisende aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland ist das Wort "Knäuel" schwer auszusprechen.

Mittwoch, 10. Mai 2023

Das Geld muss fließen

Mit den Motiven auf den Eurobanknoten bin ich nie warm geworden. Die dargestellten Bauwerke, die symbolisch eine bestimmte Stilepoche repräsentieren und gar keine echten Äquivalente in der Eurozone haben, finde ich bis heute fad. Zumindest den Vorwurf, dass die Brücken auf den Rückseiten reine Phantasiegebilde sind, kann man den Bildern aber seit 2013 nicht mehr machen. In jenem Jahr wurde nämlich die letzte der Spijkenisser Eurobruggen eröffnet. Diese stehen in der südholländischen Stadt Spijkenisse und sind Realisierungen der auf den Euroscheinen zu sehenden Brücken. Die 20- und die 50-Euro-Brücke wurden bereits 2011 eingeweiht. Unter den fünf übrigen befindet sich auch eine 500-Euro-Motiv-Fahrradbrücke (im Stil moderner Architektur des 20.-21. Jahrhunderts), obwohl die als "Matratzen- und Mafia-Geld" verrufene Note seit 2014 nicht mehr gedruckt und seit 2019 nicht mehr ausgegeben wird.

Auf diesem Tumblr gibt es internationale Pressemeldungen, Hintergründe und Anschauungsmaterial zu dem niederländischen Kunstprojekt.

Übrigens wurde in der Konzipierungsphase der Gemeinschaftswährung überlegt, auch Einernoten drucken zu lassen. Erst 2004 entschied die EZB endgültig, keine Scheine mit geringerem Wert als 5,- € in den Verkehr zu bringen. Die Argumente, die für eine Ein- bzw. Zweieuronote hervorgebracht wurden, fand ich interessant: 1. könnte man "die Inflation [...] senken auf Grundlage der Annahme, dass viele Menschen den Wert von Gütern als zu gering einschätzen würden, solange diese mit Münzen bezahlbar waren", 2. könnten diese Scheine "auch in andere Währungen eingewechselt werden [...], was etwa bei der Vergabe von Trinkgeldern im Ausland Vorteile hätte und so die Akzeptanz und Nutzung des Euro im Ausland stärken könne". Im Jahr 2008 wiederum "thematisierte der CDU-Politiker Alexander-Martin Sardina im Zuge vermehrt auftretender Fälschungen von 1- und 2-Euro-Münzen die Einführung von 1-Euro-Banknoten als denkbare Alternative" (alle Zitate von Wikipedia). Mir wäre höchstens der Verweis auf die USA in den Sinn gekommen: Dort liebt man seine mit George Washington bedruckten one-dollar bills, während die Münz-Alternative seit je auf Ablehnung stößt.

Montag, 8. Mai 2023

Klassen treffen

Vor einer Weile kamen wir in geselliger Runde auf das Thema Klassentreffen zu sprechen. Dabei hatten alle, aber wirklich alle, das Gleiche zu vermelden wie ich: Als die Einladung zum Zehnjährigen kam, dachte ich zunächst 'Niemals lässt du dich dort blicken! Bestimmt haben die alle schon längst ein Eigenheim abbezahlt und einen Herpes-Impfstoff mitentwickelt oder leben in Amerika, und zu diesen Overperformern soll ich Underachiever mich gesellen? Auslachen werden sie mich mit meiner Nicht-Karriere!' Und dann kam's ganz anders. Kaum jemand hatte die Heimat verlassen, manch eine/r hatte es nicht mal über die Stadtteilgrenze hinaus geschafft, die meisten waren in bescheidenen Stellungen in langweiligen Branchen tätig, sofern sie nicht eh noch in einem unglamourösen Studium festhingen oder nach mehreren Ausbildungsanläufen in einer Neuerfindungsphase steckten. Noch sympathischer war, dass die einstigen Klassenkameradinnen und -kameraden dem meinigen Lebenslauf belustigtes Interesse bis wohlwollende Anerkennung entgegenbrachten.

Ja, so und ähnlich ergeht es wohl den meisten Leuten, die nicht von einem Elite-Internat abgegangen sind. Wer mit sich hadert, der ersten Zusammenkunft nach dem Schulabschluss, sei es nach fünf oder nach zehn Jahren, beizuwohnen, dem darf ich raten: Fasse dir ein Herz, habe keine Angst und geh hin! Weil ich sehr alt bin und bereits an einem zwanzigjährigen Abitreffen teilgenommen habe, kann ich darüber hinaus versichern, dass auch diese Reunion entspannt ausfallen wird. Die Leute waren im Jahr 2021 immer noch angenehm, normal, ja: angenehm normal! Man führte bodenständige Gespräche und begegnete einander neidlos und herzlich. Einer sagte sogar zu mir: "Von dir habe ich mir am meisten gewünscht, dich wiederzusehen!" Awww. Kuriose Nebenbeobachtung: 90 % der Ex-Schüler/innen schienen sich nicht mal äußerlich verändert zu haben.

Also beim Vierteljahrhundertjubiläum bin ich wieder dabei!

Samstag, 6. Mai 2023

Läuft's noch?!

Die Süddeutsche Zeitung hatte sich bereits den Vorwurf gefallen lassen müssen, mit "legeren Ausdrücken" wie schmeißen zu leichtfertig umzugehen. Solche Kritik ist sogar noch zu toppen: Im "Sprachlabor" der letzten Wochenendausgabe wurde die Beobachtung einer Leserin Sch. festgehalten, "wonach das Verbum gehen zunehmen durch laufen ersetzt werde". Sie sei "nicht die erste, die darüber klagt, und der von ihr zitierte Bildtext, dem zufolge Frauen 1977 in Belfast an ausgebrannten Häusern 'vorbeilaufen', führt in der Tat zu der Frage, ob laufen in diesem Zusammenhang das passende Verb war".
Der Rubrikbetreuer Hermann Unterstöger weist zu Recht darauf hin, dass "gehen und laufen nicht so scharf gegeneinander abgegrenzt" sind, und ich möchte ergänzen: In der Alltagssprache ist laufen nicht derart in seiner Bedeutung eingeengt, wie es unser Sportlehrer gebetsmühlenartig postulierte. Immer wenn er von der Disziplin Laufen sprach, pflegte er hörbar abfällig "... ihr sagt 'Rennen' dazu" hinterherzuschicken. Der Sprachwandel scheint es jedenfalls so eingerichtet zu haben, dass mit laufen eine große Bandbreite von Geschwindigkeiten bei der Fortbewegung zu Fuß abgedeckt wird. Als Synonym zu gehen eignet es sich heutzutage allemal (Unterstögers Beispiel "ich lauf noch mal schnell zur Post" lasse "keineswegs an ein Laufen im klassischen Sinn" denken), auch und gerade, wenn es ums Vorbeigehen, äh, geht: "... bin ich am Botanischen Garten vorbeigelaufen".

Donnerstag, 4. Mai 2023

Captain Ersatzersatz

In den vergangenen Jahren haben sich zwei Strategien zur Bezeichnung veganer Alternativen zu Fleisch und sonstigen tierischen Produkten durchgesetzt.
a) Verwendung vorangestellter Wörter, z.B. der Konjunktion wie: "Wie Leberkäse"; "Aufstrich nach Art einer Teewurst" o.ä.
b) Abwandlung des Wortes für das imitierte Produkt ("Molk"), am liebsten mit dem für "vegan/vegetarisch" stehenden Buchstaben V: "Visch", "Vleischsalat" etc.

Kombiniert man beide Methoden, wird es verwirrend:


"Räucherlaxx" ist für mich als modernen Konsumenten sofort einleuchtend, es handelt sich offensichtlich um Fisch-Ersatz. Das "wie" davor könnte mich nun aber glauben lassen, hier würde ein Fisch-Ersatz nachgeahmt. Handelt es sich mithin um echten Lachs? Aber halt!, danach steht ja auch noch "vegan". Was ist denn nun wieder "veganer Räucherlaxx"? Die vegane Variante eines nicht-veganen Lachsersatzes? Und ist etwas, das wie veganer Lachsersatz ist, am Ende ... echter Fisch? Nun ja, stellen wir uns nicht dümmer, als wir sind.

Dienstag, 2. Mai 2023

Serientagebuch 04/23

03.04. South Park 26.06
This Time with Alan Partridge 2.05
German Crime Story 1.05
04.04. The Expanse 5.09
06.04. German Crime Story 1.06
Grace 2.01
The Expanse 5.10
07.04. The Last of Us 1.08
The Last of Us 1.09
14.04. Scrubs 4.08
This Time with Alan Partridge 2.06
Lucky Hank 1.01
15.04. Grace 2.02
17.04. Family Guy 21.16
Scrubs 4.09
The Mandalorian 3.01
18.04. Lucky Hank 1.02
Lucky Hank 1.03
20.04. The Mandalorian 3.02
Grace 2.03
21.04. Scrubs 4.10
24.04. Scrubs 4.11
The Simpsons 34.18
25.04. Family Guy 21.17
Family Guy 21.18
27.04. Lucky Hank 1.04
Lucky Hank 1.05
The Mandalorian 3.03
The Mandalorian 3.04
28.04. Scrubs 4.12
29.04. The Marvelous Mrs. Maisel 5.01
The Marvelous Mrs. Maisel 5.02

Traurig ist's, wenn eine geliebte Serie endet. Noch trauriger, wenn dies – symptomatisch für britisches Fernsehen – viel zu früh geschieht. Andererseits soll man ja aufhören, wenn es am schönsten ist, eine Tugend, die gerade jenseits des Teiches allzu gern vernachlässigt wird. So ist es doch erfreulicher, This Time with Alan Partridge auf seinem absoluten peak abgeschlossen zu wissen, als mit einer etwaigen dritten Staffel Qualitätsabfall zu befürchten. Ich schrieb es bereits an anderer Stelle: Steve Coogan hat ein untrügliches Gespür dafür, seine Kultfigur nie abgenutzt oder welk wirken zu lassen, immer wieder erfindet er sie neu, und das nun schon über Jahrzehnte hinweg. Wer weiß, vielleicht sehen wir Alan Partridge irgendwann in einem weiteren, bislang nicht getesteten Format wieder? Bis dahin bleibt mir noch eine ungesehene Staffel von "Mid Morning Matters", juchhu!
Mir jedenfalls hat "This Time" mit seinem Mix aus Vormittags-TV-Parodie und Hinter-den-Kulissen-Mockumentary von allen Partridge-Vehikeln am besten gefallen. Die Eskalation in der letzten der sechs Episoden war ein netter Höhepunkt, wenngleich das Finale von "Knowing Me, Knowing You" freilich nimmer getoppt werden konnte noch wird.

Ich habe schon vor Ewigkeiten begonnen, ein Let's Play des Playstation-Spiels The Last of Us zu gucken. Dann kam die HBO-Serienumsetzung, und ich dachte: 'Nee, die schau' ich erst, wenn ich mit dem Let's Play durch bin.' Mit dem Let's Play bin ich immer noch nicht durch, dafür aber mit der Serie. Ich weiß also bis heute nicht, ob das Game genau so endet wie die (erste Staffel der) TV-Adaption, und falls nicht, welche Unterschiede es gibt. Noch liegen 24 (!) LP-Videos vor mir, mit Laufzeiten von je mindestens 30 Minuten, uff. Es selbst zu spielen habe ich nicht vor, denn erstens reizt mich das Genre nicht mehr, zweitens soll die kürzlich erschienene PC-Portierung des Remakes unter aller Kanone sein.
Ach ja, eigentlich sollte ich ja die Serie besprechen. In aller Kürze: Die positiven Kritiken sind berechtigt. "The Last of Us" sieht schnieke aus, ist packend, tragisch, knallhart und mit Pedro Pascal und Bella Ramsay (zwei "Game of Thrones"-Ensemblemitglieder, deren Figuren auf besonders bestialische Art das Zeitliche segnen mussten) famos besetzt. Interessanterweise fand ich die "Day in the Life"-Folge um Bill (1.03) fast noch genialer und eindringlicher als die Kapitel um Joel und Ellie. Zu einem so frühen Zeitpunkt auszuscheren und die Hauptcharaktere links liegen zu lassen: Hut ab! Zumal Gaststar Nick Offerman hier triumphal aufspielt.

Warum tauchen in meinem Serientagebuch nie Produktionen aus meinem Heimatland auf? Aus demselben Grund, aus dem ich fast nie deutsche Filme bespreche: Sie sind einfach scheiße. Ich habe mal, bevor ich dieses Tagebuchprojekt begann, das fiebrig gehypte Netflix-Mystery "Dark" angefangen – und viel zu lange, nämlich bis zur Hälfte der zweiten Season, verfolgt –, und das war bei Gott die allerschlechteste Serie, die ich jemals gesehen habe. Ich könnte in einem eigenständigen Beitrag aufführen, was daran alles nicht gestimmt und gepasst hat, aber ich muss meine Nerven schonen.
Worauf will ich hinaus? Das vielbeschworene "Verlassen der Komfortzone", es ist auch mir gelegentlich ein Anliegen, und so fasste ich mir ein Herz und gab German Crime Story eine Chance. Möglicherweise Part 1 einer Anthologiereihe, erzählt das Amazon-True-Crime-Drama Gefesselt den Fall des sog. Säurefassmörders nach. Um das Fazit vorwegzunehmen: Ich fand diesen Sechsteiler überwiegend gelungen! Die Strukturierung war clever, die Musikuntermalung stimmig. Zu loben ist vor allem Oliver Masucci, der in der Rolle des so charismatischen wie soziopathischen Frauenentführers absolut glaubwürdig ist. Ja, solche Menschen existieren, davon ist man überzeugt. Mit Eloquenz und Hamburger Schnack nimmt dieser Typ bei gleichzeitiger totaler Gefühlskälte auf berechnende Weise seine Mitmenschen ein. Auch die Nebenfiguren sind ordentlich gezeichnet und geschickt besetzt. (Witzig, dass dem durch eine Hitler-Performance berühmt gewordenen Masucci mit Sylvester Groth ein profilierter Goebbels-Mime gegenübergestellt wurde.) Abgesehen von den (wenigen) Gerichtsszenen gibt es kaum faktische Schnitzer, und auch Anachronismen sind mir nicht aufgefallen. Ausnahme: Einmal wird behauptet, es gebe "mehr als 69" Jupitermonde; so viele waren zu der Zeit noch nicht entdeckt worden. Das Zeitkolorit wurde vernünftig eingefangen, Lebensgefühl und Mode unüberspannt wiedergegeben. Man merkt, dass mehrere Leute der Crew die Bundesrepublik der späten Achtziger / frühen Neunziger bewusst erlebt haben.
Zwei Kleinigkeiten, an denen ich mich kolossal gestoßen habe, müssen nichtsdestotrotz notiert werden. 1.) Nachdem der spätere "Säurefassmörder" zum ersten Mal wegen erpresserischen Menschenraubes verurteilt wird und mit einer relativ milden Strafe davonkommt, wird eine schnell geschnittene Montage aus der Zukunft eingeblendet – mit Bildmaterial von den ebenfalls ihrer gerechten Strafe entkommenen amerikanischen Erfolgsmännern Donald Trump, Jeffrey Epstein und O.J. Simpson. Das war dermaßen unpassend, peinlich und stumpf, dass mir die Kinnlade runtergeklappt ist. Nicht so sehr jedoch wie bei 2.) An einer Stelle sagt nämlich die Gegenspielerin des Killers, eine Polizistin, zu ihrem Kollegen den Satz "Seien Sie mein Gast", und zwar als Lehnübersetzung von "Be my guest!" ("Nur zu!"). Die Dialoge sind, wie in deutschen Filmen und Serien üblich, eh oftmals leicht daneben (ohne dabei je "Tatort"-Niveau zu erreichen, muss ich fairerweise anmerken), aber das macht dann doch fassungslos. Was ist da passiert? Haben die Autoren die Drehbücher zunächst auf englisch verfasst? Ist das so üblich beim Pitchen von Amazon-Deutschland-Shows? Das würde auch die o.g. Collage erklären ("Guckt mal, das ist auch für ein US-Publikum relevant!").

Eine sichere Bank im Amazon-Portfolio ist nach wie vor The Expanse, wobei ich zufälligerweise letzten Monat kurz hintereinander die divergierenden Meinungen gelesen habe, "The Expanse" sei, seit es von Prime übernommen wurde, wahlweise schlechter oder besser geworden. Nun, an die Staffeln 3 und 4 mag die fünfte nicht herankommen, aber vieles, sehr vieles stimmt hier wieder. Bin ich nun schon bereit für das Finale?

Von Grace hatte ich bereits die erste Staffel gesehen, diese aber nicht ins Serientagebuch aufgenommen, weil mir damals nicht klar war, dass es sich um eine Serie handelt: Zwei "Episoden" in Spielfilmlänge, das sind für mich zwei Spielfilme. Die zwote Staffel bestand nun, wie die soeben gelaufene dritte, aus drei Folgen. Diese spannen behutsam einen story arc, sind aber in sich geschlossen und darin der ebenfalls britischen Detective-Show "Der junge Inspektor Morse" nicht unähnlich, was kein Zufall ist, da sämtliche Scripts für beides von Russel Lewis stammen. Vergleichbar ist auch der kognitive Anspruch der Kriminalfälle an die Zusehenden: Wer auch nur eine Sekunde nicht aufpasst, wird den Faden verlieren und am Ende die Auflösung nicht raffen. In nahezu jeder Szene wird ein neuer Name eingeführt, tun sich bedeutsame Verwicklungen auf, werden weitreichende Hinweise eingestreut. Da fahren die Synapsen 90 Minuten lang Achterbahn. Der titelgebende DSI Grace wird übrigens von John Simm verkörpert, dem ehemaligen Master aus der Tennant- und Smith-Ära von "Doctor Who".

Huch, South Park ist ja auch schon wieder vorbei! Dass diese Staffel wie schon die vorige aus lediglich sechs Folgen bestand, hat mich enttäuscht. Die Einfälle, Geschichten und Gags waren gewohnt solide.