Mittwoch, 14. April 2021

26 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen für alle

  • lyrische Dichtform (Mz.): Gasele 
  • Kreppgewebe: Krepon 
  • Wagenplane: Plache 
  • Hochofenschacht: Gicht 
  • Trumpf im Tarockspiel: Pagat 
  • Bestandteil ätherischer Öle: Terpen 
  • kalte Quelle (unter 20°): Pege 
  • Keramiktopf für Käsefondue: Caquelon 
  • Flaumhaar des Embryos: Lanugo 
  • japan. Elfenbeindose: Inro 
  • niederl. Küstenschiff: Kag 
  • Schnur zum Zubinden: Nestel 
  • Steinkügelchen zum Spielen: Klicker 
  • ein Riedgras: Simse 
  • ein Antikörper: Lysin 
  • Altaraufsatz (franz.): Retabel 
  • Köder beim Hochseeangeln: Pilke 
  • eine Achtelnote: Fusa 
  • Meistersingerlied (Mz.): Bare 
  • Modenarr: Stutzer 
  • Moränenschutt: Tillit 
  • Bergwerksaktie: Kux 
  • Einbaum mit aufgesetzten Planken: Piroge 
  • Faden aus Naturseide: Trame 
  • erfolgreich handeln: gelingen 
  • Schutz vor Hundebissen: Maulkorb
Ihr werdet euch womöglich fragen, was an den letzten beiden Lösungen so obskur sein soll. Nun, es geht nicht um die Lösungswörter als solche, sondern um die Frage / die Definition, die mir in beiden Fällen missglückt scheint.
1.) gelingen ist, im Gegensatz zu handeln, ein impersonales Verb. "Ich gelinge" kann nicht nur nicht synonym zu "Ich handle erfolgreich" gebraucht werden, es ist schlicht eine unmögliche Konstruktion. Man kann so wenig gelingen, wie man missglücken kann.
2.) Wenn ein Maulkorb ein Schutz vor Hundebissen ist, dann ist Quarantäne ein "Schutz vor Ansteckung", ist ein Gefängnis ein "Schutz vor Verbrechen" und sind diese Raucher-Glaskästen im Flughafen ein "Schutz vor Lungenkrebs". Man probiere es aus: Ich bin mir sicher, ein Hund, der einen Maulkorb trägt, kann sehr wohl von anderen Hunden gebissen werden (oder von Menschen/Waranen). Eine bessere Definition wäre "Beißverhinderer" o.ä.

Montag, 12. April 2021

Man kann nicht gut kommunizieren

Als ich neulich wieder einmal grübelte, kam mir der Gedanke, dass ich wahrscheinlich sehr schlecht darin wäre, mich mit Amerikaner(inne)n zu unterhalten, einfach aus dem Grund, dass ich einige ihrer geläufigen Phrasen allzu wörtlich nehmen würde. Zum Beispiel würde ich auf "What did you say your name was?" erwidern: "I haven't told you my name yet." Oder auf "Why don't you take a seat?": "Because you didn't offer me one." Und auf "Do you mind"-Fragen würde ich immer "yes" antworten, wenn es mir was ausmachen würde, und "no", wenn nicht. Auch würde ich mich kaum zurückhalten können, wenn jemandem "irregardless" oder "I could care less" rausrutschte. 

Damit will ich nicht sagen, dass amerikanisches Englisch Sprechende ihre Sprache nicht beherrschen. Im Gegenteil: Sie tun das m.E. um ein Vielfaches besser, als Deutsche Deutsch beherrschen. Man vergleiche nur mal US-Podcasts, wo praktisch jeder Satz sitzt, mit deutschen Podcasts, wo restringierter Code und krudestes agrammatisches Gestammel vorherrschen und Kohärenz und Kohäsion fast komplett aufgegeben werden! Zudem ist man sich "dort drüben" der erwähnten Zweifelsfälle sehr wohl bewusst, was sich in zig Forenthreads zum "Do you mind"-Problem ebenso niederschlägt wie in humoristischer Verarbeitung in der Popkultur. Tatsächlich begegnete mir, kurz nachdem ich über all dies nachgedacht hatte, folgender Dialog in der Comedyserie "Angie Tribeca" (Episode 4x04):

- How old did you say this model was again?
- I didn't. 22. Now I have.

Haha! Man sieht: Gewisse Fälle von "Unlogik" und semantische Widersprüche werden durchaus erkannt. (Die gibt es übrigens auch im Deutschen, man denke an Sätze wie "Ich gehe nicht, bevor ich nicht gegessen habe", wo das zweite "nicht" streng genommen inkorrekt ist.) Sie können und sollten aber ignoriert werden, denn im Alltag weiß man in der Regel, was gemeint ist, und allein darauf kommt es an. Ich sozial inkompetenter Otto sollte mal lieber wieder meine Aufzeichnungen zur Einführung in die Pragmatik hervorkramen statt alles auf die Goldwaage zu legen. Andererseits ist es eh ausgeschlossen, dass ich in absehbarer Zeit mit Menschen aus den USA ins Gespräch komme.

Samstag, 10. April 2021

Precht'sches Theater

Ich habe eine Stelle aus dem Interview mit Richard David Precht im aktuellen Stern abgetippt:

Die Tuberkulose zum Beispiel gedieh dort, wo es eng und schmutzig war und wo Armut herrschte. Wenn der Staat nicht wollte, dass sehr große Teile der Bevölkerung hinweggerafft wurden, musste er dafür sorgen, dass die Wohnverhältnisse und die Hygiene besser wurden. So begann im 19. Jahrhundert das, was der Philosoph Michel Foucault Bio-Politik nennt. Der Staat fing an, sich für die Gesundheit seiner Bürger verantwortlich zu fühlen, und handelte. Zumindest, wenn es um ansteckende Krankheiten ging. Es entstand dann nach und nach das moderne Vor- und Fürsorge-System, das wir heute als Pflicht des Staates begreifen.

Dies ist, ich schwöre es, der einzige Abschnitt in zweieinhalb Seiten à drei Spalten, der so etwas wie Erkenntnisgewinn beinhaltet. Der Rest sind Platitüden, Nullsätze und Aussagen, die auch ein durchschnittlich begabter 16-Jähriger in Gemeinschaftskunde zu Papier bringen könnte. Es sollte in dem Gespräch um die Pflichten des Staates vor dem Hintergrund des sog. "Impf-Debakels" gehen. Warum auch nicht? Die Menschen dürfen und sollen während einer Pandemie nicht nur von Fachleuten aus der Medizin Erklärungen und Handreichungen bekommen, sondern auch aus den Bereichen Politologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und eben: Philosophie. Aber wenn sich die Aufklärung durch einen als Intellektueller geltenden Honorarprofessor in Sentenzen erschöpft wie "Der Staat muss verhindern, dass der Einzelne durch andere in eine bedrohliche Situation kommt", "Der Vorsorgestaat darf nie zum Bevormundungsstaat werden" oder "Es geht immer um die Frage, inwieweit andere von meinem Handeln oder Unterlassen betroffen sind", dann wirft das kein gutes Licht auf den gegenwärtigen Stand der Philosophie in Deutschland. Für die sollten Knalltüten wie Richard David Precht und Markus Gabriel natürlich nicht als stellvertretend behandelt werden, ich fürchte aber, in der öffentlichen Wahrnehmung geschieht genau das. Sonst hätte man die Niederschrift des Stern-Interviews ja direkt eingemottet, statt sie abzudrucken.

Freitag, 9. April 2021

The Great Divider

Letztens dieses Meme gesehen:

Hehe, stimmt, in Amerika liegt das Alkoholersterwerbsalter bei 21. In vielen Teilen der Welt konnten junge oder eben nicht mehr so junge Menschen solche Erweckungserlebnisse bereits 2018 haben (während es in den indischen Bundesstaaten Haryana, Meghalaya und Punjab erst 2025 so weit ist). Die Jahrtausendwende als Demarkationslinie, als großer Teiler zwischen Mündigen und Minderjährigen, als Spalter gar? Naa, ich bin seit langem der Ansicht, dass der herrschende Generationenkonflikt auch nicht dramatischer ist als alle vorangegangenen. Wenn ich höre, dass sich mittlerweile die GenZ über Millennials mokiert, fühle ich mich allerdings wirklich greisenhaft. Ich selbst wurde ja leider tief im 20. Jahrhundert geboren, und die Chancen stehen – machen wir uns nichts vor – schlecht, dass ich der letzte Überlebende mit einer 19 im Geburstjahr sein werde. Es sei denn ... *reibt sich diabolisch die Hände*

Mittwoch, 7. April 2021

Wörter unter dem Fernglas

Eine dritte Erklärung ist, dass Friedrich Wilhelm nach dem Dreißigjährigen Krieg für seine Armee schwedische Veteranen als Ausbilder einsetzte. Diese wurden "alte Schweden" genannt, eine Bezeichnung, die im Volksmund bald auf nichtmilitärische Personen übertragen wurde. Eine vierte Erklärung besagt, dass nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges Soldaten der schwedischen Armee von Friedrich Wilhelm für die Ausbildung seiner Truppen akquiriert wurden, die umgangssprachlich als "alte Schweden" adressiert wurden. Diese kumpelhafte Anrede verbreitete sich dann auch außerhalb des Heeres. Eine fünfte Erklärung geht so: Nach dem Dreißigjährigen Krieg bediente sich der Herzog Friedrich Wilhelm ehemaliger schwedischer Soldaten, um preußische Gefreite ausbilden zu lassen. "Alter Schwede" bzw., in der Mehrzahl, "alte Schweden" sagte man zu diesen fremdländischen Militärs. Erklärung Nummer 6 besagt, dass Friedrich Wilhelm nach dem Ende des Dreißigjährigen

Montag, 5. April 2021

Hier bin ich Mensch, hier will ich nicht sein

Wenn eine globale Pandemie Reisen verhindert und für Tagestouren in die Region keine Zeit bleibt, kann man immer noch durch die eigene Stadt spazieren. Allein, mir ist die Lust darauf vergangen. War ich jahrelang ein Verteidiger meines Wohnortes, sehe ich heute nur noch alles Hässliche, Verkommene, Verstandesbeleidigende. Es ist gar nicht mal das Frankfurt-Typische, das mich zermürbt – in Berlin fällt mir Vergleichbares auf; es wohnt allen Großstädten etwas zutiefst Seelentötendes inne, das in den vergangenen Monaten entweder schlimmer geworden ist oder mir aufgrund akuter Abstumpfungsabwehrschwäche massiert ins gramgedrückte Auge sticht. 

Allein die Tatsache, dass man als Flaneur alle paar Meter stehen bleiben muss, um Autos vorbeifahren zu lassen, ist irrwitzige Menschenfeindlichkeit hoch drei. Unablässiger Lärm, Krach, Tonterror raubt einem den letzten Nerv. Dreck, Tod, Elend, wohin der Blick auch streift. Die Vorteile urbanen Lebens sind mir natürlich bewusst, aber in den gegenwärtigen (und ich fürchte: noch lange anhaltenden) Einschränkungen sind sie dazu verdammt, unterzugehen. Sehe ich etwas potenziell Schönes, meldet sich der Schwarzmaler und Pessimist in mir: Ein nicht unansehnliches Wohnhaus? – Die Miete werde ich mir eh nie leisten können. / Ein nettes Café? – Darf man ja nicht rein. / Oh, ein kleines Untergrundtheater! – Ein Wunder, dass das noch nicht geschlossen ist. / Ein hübscher Park? – Da muss man joggenden Virenverteilern ausweichen oder mit Belästigungen durch die Obrigkeit rechnen. Erholung? Pfeifendeckel!

Was ist die Alternative? Aufs Land ziehen? Und sich in struktureller Unerschlossenheit, abseits jeglichen kulturellen Inputs mit unausstehlichem Volk rumschlagen? Womit ich nicht nur das angestammte meine (Der Spiegel vom 3. April: "Immer mehr Großstädter ziehen aufs Dorf, auch Hipster und Kreative.") ... Na schönen Dank!

Donnerstag, 1. April 2021

Serientagebuch 03/21

01.03. Castle Rock 1.05
02.03. Servant 2.07
Castle Rock 1.06
03.03. The Simpsons 32.13
Norm 3.22
05.03. Family Guy 19.12
Norm 3.23
The Pembrokeshire Murders 1.01
06.03. Castle Rock 1.07
07.03. Norm 3.24
The Pembrokeshire Murders 1.02
The Pembrokeshire Murders 1.03
Barry 1.01
08.03. Angie Tribeca 4.01
Barry 1.02
Castle Rock 1.08
09.03. Angie Tribeca 4.02
Castle Rock 1.09
Castle Rock 1.10
10.03. The Simpsons 32.14
Barry 1.03
11.03. Servant 2.08
12.03. Angie Tribeca 4.03
13.03. Barry 1.04
14.03. Barry 1.05
Family Guy 19.13
22.03. This Is Us 5.10
23.03. Angie Tribeca 4.05
The Simpsons 32.15
Servant 2.09
Servant 2.10
25.03. Angie Tribeca 4.04
26.03. Barry 1.06
Barry 1.07
Family Guy 19.14
27.03. This Is Us 5.11
Barry 1.08
Good Omens 1.01
29.03. Angie Tribeca 4.06
30.03. The Simpsons 32.16
Angie Tribeca 4.07
Good Omens 1.02

Wachsame Augen werden eine Besonderheit bemerkt haben: Ich habe versehentlich zwei Episoden von Angie Tribeca in der falsche Reihenfolge geschaut! Das war aber kein Beinbruch, ich konnte die Handlung der in sich abgeschlossenen Folgen trotzdem nachvollziehen, und der übergreifende arc der (sehr witzigen) Staffel spielte in beiden keine Rolle.
Durchgängig fesselnd war die Fortsetzung von Servant. Wie ich kürzlich las, setzt Executive Producer M. Night Shyamalan, der auch wieder eine Folge inszeniert hat und dessen Tochter jetzt als Autorin und Regisseurin das Team ergänzt, für den Rest der Handlung noch zwei Staffeln à zehn Folgen an. Ich bin gespannt, wie die mysteriöse Geschichte aufgelöst wird, die im Moment noch angenehm undurchsichtig ist, ohne ins Verschwurbelte abzudriften. Neben dem häppchentauglichen Halbstunden-Format sprechen mich vor allem die zwei Kontrastpunkte an, die seit Beginn an einen unverkennbaren Bestandteil des nicht nur optisch dunklen urbanen Gruseldramas bilden, nämlich 1. die Auftritte von Essen (keine Episode ohne ausgiebige Foodporn-Sequenz) und 2. der eigenwillige Humor, der sich zum Großteil aus den Dialogzeilen der Figur Julian (Rupert Grint, der trotzdem nie zum reinen Comic relief verkommt) ergibt, aber auch aus dem exaltierten Spiel von Lauren Ambrose, das mich zuweilen an Vera Farmiga in "Bates Motel" erinnert.
Seinen Lorbeeren nicht gerecht wurde meiner Meinung nach die HBO-Killerserie Barry von und mit Bill Hader. Diese Art von Humor (böse Buben tun banale Dinge / haben sympathische Seiten; Greueltaten wechseln sich mit harmonischem Geplauder ab) erscheint mir überstrapaziert und will auch weder zu den tragischen Momenten noch den Gewalteruptionen recht passen, nicht mal als Stimmunskonter. Die vielen bekannten Gesichter bewahrten den Achtteiler davor, von mir als Rohrkrepierer bewertet zu werden, zudem ist er flott weggeguckt, aber der zweiten Season werde ich keine Chance geben.
Auch bei Castle Rock bin ich mir dahingehend unsicher. (Mein Interesse weckte die Information, dass in Staffel 2 die Vorgeschichte von "Misery" erzählt werden soll, obendrein mit einer hervorragenden Schauspielerin.) Die erste Staffel war jedenfalls erzählerisch a mess. Eine Serie im Stephen-King-Universum mit neuen Stoffen, zudem unter der Aufsicht Kings himself (neben u.a. J.J. Abrams ausführender Produzent), ist natürlich nicht ohne Reiz, und es macht Freude, Querverbindungen und Easter eggs zu entdecken. Auch Besetzung, Musik und Kameraführung gehen mehr als in Ordnung. Eine stärkere Kontinuität, ein Fokussieren auf eine Storyline hätte ich mir indes gewünscht.
The Pembrokeshire Murders ist die letzte von bisher 13 ITV-Miniserien, die berühmte britische Mordfälle nacherzählt; das von mir letzten Monat gesehene "Des" gehörte ebenso dazu, und wie jenes ist dieser in Wales spielende Dreiteiler in erster Linie um realistische Darstellung der Ermittlungsarbeit bemüht. Forensik und Psychologie spielen also wieder eine größere Rolle als die – lediglich verbal beschriebenen – Taten des sog. "Game Show Killers" (die man in Deutschland übrigens eine Weile mit den Göhrde-Morden in Verbindung gebracht hat). "A case of too much cop and not enough killer", hieß es in der Times. Mag sein. Trotzdem sehenswert.