Freitag, 20. Oktober 2017

Update bzgl. der Werbeprospekt-Situation

Jepp, es sieht so aus, als sei eingetreten, was ich bereits vor einer Woche hoffend spürte oder staunend erahnte: Das Prospektebündel einschließlich der Fernsehbeilage "Einkauf aktuell" landet ab sofort am Freitag statt am Sonnabend in den Briefkästen meines Viertels. Während ich dies schreibe, könnte ich checken, was morgen um 10 bei RTL oder in Sat.1 läuft. Nicht, dass ich das nicht schon immer hätte online tun können, und abgesehen davon, dass ich RTL und die meisten Privatsender seit der Umstellung auf DVB-T2 gar nicht empfange, und unabhängig davon, dass mein TV-Gerät beim Samstagsfrühstück in aller Regel ausgeschaltet bleibt: Dieser Zustand fühlt sich richtig an. Er beschert mir ein gutes Gefühl. Falls sich der Turnus wieder ändern sollte, werde ich das selbstredend kundtun!

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Entgleist

Querulanten können einem schon leid tun. Sie machen nicht nur anderen, sondern auch sich selbst das Leben schwer, und man sollte sie lieber – behutsam – darauf hinweisen, dass sie professioneller Hilfe bedürfen, statt sich mit ihnen zu raufen. (Wusstet ihr, dass Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mal ein Vorwort zur Neuauflage einer Fachschrift zum "Querulantenwahn" aus dem Jahr 1926 verfasst hat?) Deswegen liegt es mir fern, derartige Zeitgenossen vorzuführen oder herabzusetzen. Andererseits sorgen sie halt doch immer wieder für allgemeine Belustigung, beispielsweise im Zug, vgl. Max Goldts Text "Ein Querulant hört was knarren". Deshalb an dieser Stelle einfach mal danke! Ohne euch wäre der folgende Beitrag nicht zustande gekommen.

Am Vierertisch saß ein etwa 65jähriger Sachse in Begleitung seiner Frau. Zwei gleichaltrige Dazugestiegene fragten, ob da noch Platz sei, und wurden dafür von dem Rentner regelrecht angebellt: "In die Richtung befinden sich noch vier Wagen, die so gut wie leer sind! Gehen Sie doch dorthin!" Bedröppelt zogen die beiden weiter. Eine andere, in der Nähe sitzende Reisegruppe erzeugte durch angeregte Gespräche für erhöhten Lärmpegel, was der schlechtgelaunte Herr ununterbrochen kommentierte ("Hier ist ein Ruheabteil!" etc.). Als die Gruppe sich an ihrer Zielhaltestelle zum Aussteigen aufmachte, stöhnte er gut hörbar: "Na eeendlich!" Den Fahrkartenkontrolleur nahm er sogleich mit einem Verweis auf die Klimaanlage in Beschlag, und zwar simultan, während seine Frau eine Frage stellte. Kontrolleur: "Entschuldigung, ich kann nicht zwei Personen gleichzeitig zuhören." Querulant: "Frauen können das!" Kontrolleur: "Ich bin aber keine Frau." Als später ein anderer Schaffner ("Personalwechsel!") die Tickets zu sehen verlangte, musste der Griesgram auch dazu seinen Senf abgeben, nämlich mit einem genervten "Wie oft werden wir denn hier noch kontrolliert?". Der Schaffner erkannte, mit welcher Sorte Mensch er es zu tun hatte, und beharrte nun erst recht auf Vollzug des gesamten Kontrollprozederes: "Die Bahncard bitte." Der Querulant: "Sie sehen doch den Zangenabdruck, da müssen Sie doch nicht erst fragen!" Schaffner: "Doch, doch, wir spielen jetzt das ganze Spiel durch. Personalausweis bitte." Nun öffnete der Arsch sein Portemonnaie und zog sämtliche seiner Dokumente hervor: "Hier, bitte sehr! Wenn wir das ganze Spiel spielen, nehmen Sie ruhig alles!" Der Zugbegleiter, seelenruhig: "Nein, ich brauche nur Ihre Bahncard und Ihren Personalausweis. Danke, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag." – "Ich Ihnen nicht!" – "Das glaube ich Ihnen."

Geschnodder ähnlichen Kalibers durchzog die restliche Fahrt. An irgendeinem Haltepunkt spießte der Ochse durch das Fenster hindurch eine Person auf dem Bahnsteig auf und brummte "Nimm ja deinen Müll mit, du Sack!" Zwischendurch mansplainte er seine arme Gemahlin ("Na, wofür ist Hanau bekannt?") oder widmete sich mit kritischem Blick über die Brille seinem Frühstück, was dankbare Pausen in diesem belastenden Zetermarathon darstellte. Irgendwann, es war circa 10 Uhr, verkündete er "So, jetzt gibt's ein Bier!" und öffnete feierlich eine Dose Billig-Gerstensaft. Das besänftigte ihn bis zur Endstation.

Montag, 16. Oktober 2017

Das Freitagswunder

Vor einem Monat monierte ich, dass das Gratis-Heftchen "Einkauf aktuell", welches das TV-Programm von Samstag bis Freitag enthält, immer am Samstag, also im Grunde einen halben Tag zu spät, in meinem Briefkasten landet. Letzte Woche begab es sich nun zum ersten Male, dass der allwöchentliche Prospektepacken inkl. "Einkauf aktuell" 
bereits am Freitag ausgeliefert wurde!
Eine feiertagsbedingte Vorverlegung kann ausgeschlossen werden. Liest das für mich zuständige Logistikzentrum etwa mein Blog? Ist man zufälligerweise genau jetzt zu einem Einsehen gekommen? Wird die Entscheidung von Dauer sein? Freude, Spannung, enchantment. Bleiben Sie dran!

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Reden wir übers Wetter

Wie unzuverlässig die Wettervorhersage sei, ist freilich ein seit Jahrzehnten vorgetragenes und zum Klischee eines Klischees erstarrtes Lamento. Allein: Kann es sein, dass die Prognosen seit einiger Zeit noch seltener eintreffen als vormals? Ich öffne, bevor ich das Haus verlasse, meine Wetterapp oder die Seite wetter.de, scrolle mich durch den Tagesverlauf, sehe, dass für jede einzelne folgende Stunde eine Niederschlagswahrscheinlichkeit von 0% angegeben wird, denke 'Na, da kannste ja den Schirm zu Hause lassen', und durch was laufe oder radele ich am selben Abend? Durch Bindfäden, Schauer, Hunde, Katzen! 
Und das ist in den letzten Wochen nicht bloß einmal, sondern mehrmals geschehen. Betrogen fühle ich mich, verraten und verkauft. Den Fernseh-Wetterbericht am Vorabend schaue ich selbstverständlich gar nicht erst, wegen des zeitlichen Abstands eine noch größere Ungenauigkeit erahnend. Welche korrupte Lobby steckt dahinter? Cui bono? Ist das in anderen Ländern auch so? Was sagt Herr Kachelmann dazu? Wie kann ich meine eigenen meteorologischen Studien betreiben? Wo kriegt man günstig taugliche Frösche? [Fragment]

Freitag, 6. Oktober 2017

More Brain Droppings

So nicht: Port-au-feu im Portfolio haben

Rentnerinnen sind in unserem Land omipräsent.

Hm, jetzt noch in den Loom-Band-Trend einsteigen, nachdem ich 35 Jahre weder Freundschafts- noch Festivalarmbänder getragen habe?

Darf ich als Vegetarier überhaupt eine Hackfresse haben?

Schurken mit Shuriken schurigeln!

Chance the Rapper vs. Opportunity the Singer

Ich brauche keine Elektrolyte, ich bleibe bei den guten alten Mechanolyten.

Wie dressur kann man reiten?

Provolone Ranger

"Thanks for having me!" = "Danke, dass ihr mich esst!"

Neunauge, sei wachsam wachsam wachsam wachsam wachsam wachsam wachsam wachsam wachsam!

Traumberuf 'Entscheiden, welche Passagen in der bento-Sexkolumne fett gesetzt werden'

Selbstbild als unlöschbare Datei im temp-Ordner

Mittelguter Name für einen Bagelshop: »Bag(at)el(l)-Delik(a)t(essen)«

Dieses Jahr gehe ich zu Halloween ein.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Traumprotokoll: Über Land und See

Ich war in Helsinki und musste einen Zug erwischen, der mich bis 18 Uhr nach Deutschland bringen sollte, wo ich mit meiner Mutter zu einem um 20 Uhr beginnenden Auftritt eines "Psycho-Kabarettisten" oder auch "Entertainment-Psychiaters" verabredet war (offenbar so was wie Vince Ebert, nur eben mit Schwerpunkt Psychologie statt Physik; warum gibt es das eigentlich noch nicht?). Die Straßenbahn zum Hauptbahnhof hatte allerdings Verspätung, obendrein wurde ich im Bahnhof selbst auch noch aufgehalten, weil ich in einem Laden einen finnischen Brotaufstrich namens "Zuckerhonig" entdeckte (ein Gemisch aus Honig und Zuckerrübensirup?), der mich so lange in seinen Bann zog, bis der Zug abgefahren war. Der nächste würde erst in zwei Stunden kommen, den Showbeginn würden wir also definitiv verpassen. Das verärgerte mich derart, dass ich versuchte, kraft meiner Gedanken dieser Realität zu entkommen – was mir auch gelang. 
Nun befand ich mich in der Gesellschaft zweier superekliger Erfolgs-Douchebags (Jungmanager oder Werbeschnösel wahrscheinlich) nebst deren nicht minder unsympathischen weiblichen Anhangs. Diese Leute boten mir an, mit ihnen auf einen Törn in ihrem Privat-U-Boot zu kommen. Ich willigte ein, aber schon vor dem Untertauchen wurde mir leicht mulmig, als ich sah, dass die vier Scheiben des Gefährts sich nicht vollständig hochkurbeln ließen. "Dringt da nicht Wasser ein?", fragte ich besorgt, doch es wurde allseits abgewinkt. Unmittelbar nach dem Absinken floss tatsächlich Wasser ins Innere. Eine Insassin kannte einen Trick: Sie drehte alle Fensterscheiben komplett runter, woraufhin das Wasser wie durch eine unsichtbare Barriere zurückgehalten wurde; das hatte wohl irgendwas mit Oberflächenspannung zu tun.
Alsbald ereilte mich die nächste Panik: Was wäre, wenn mich diese komischen Menschen nach meinem Beruf fragen würden? 'Bitte stellt keine Fragen nach meinem Beruf!', flehte ich innerlich und betete für eine Ablenkung. Diese kam sogleich in Gestalt eines riesigen Ozeandampfers, der unser U-Boot mit einem Schiffskran krallte und an Bord hievte. Dort traf ich ausgerechnet auf meine Kollegen, und wir hielten eine sog. Titelkonferenz ab. Währenddessen wurde das Meer zusehends unruhig. Als ich die Anwesenden auf eine nahende Monsterwelle aufmerksam machte, brummte der wie immer tiefenentspannte Bernd Eilert seelenruhig: "Och, die geht doch direkt an uns vorbei." Ich wachte trotzdem sicherheitshalber auf.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Wie Keil ist das denn?

Neulich war ich in einem Museum, in dem eine beachtliche Menge an steinzeitlichem Werkzeug ausgestellt war. 'Guck an, ganz schön findig, unsere Vorfahren', dachte ich. Angelhaken, Ahlen, Klöppel und manches mehr vermochten die frühen Hominini herzustellen – und eben auch den guten alten Faustkeil.


Ich sah mir diese Objekte genau an und dachte weiter: 'Wann ist ein Keil ein Keil?' Soll heißen: Wo ist der Übergang von einem grob behauenen Klumpen und einem nützlichen Artefakt? Sicher, das anthropologisch geschulte Auge und erst recht elektronisches Oberflächenabtastgerät kann zuverlässig feststellen, was von Menschen bearbeitet wurde, aber wenn ich beim Spazierengehen so ein keilförmiges Felsstück am Wegesrand erblickte, würde ich unbeeindruckt daran vorbeigehen. Wer weiß, wie oft mir das schon passiert ist?

Sonntag, 1. Oktober 2017

Wochentagewoche KW 38

Wir müssen über die vergangene Woche reden, konkret: über Zahlen. Ich äußere mich normalerweise nicht zu "solchen Themen", aber diese Meldung hat mir keine Ruhe gelassen. Es ist ein Wahnsinn, und ich trete hiermit in den Widerstand. Nein zu den 280 Zeichen, ja zum 140-Zeichen-Limit bei Twitter!

Ich habe mehrmals gehört, wie jemand den Vornamen von Stephen King so ausgesprochen hat wie den Vornamen von Stephen Curry. Dass es diese Aussprachevariante überhaupt gibt, habe ich jetzt erst im Zusammenhang mit der "Knie-Affäre" gelernt. Und dass wiederum Mr. King gerade 70 geworden ist und dass gleichzeitig die Verfilmung eines seiner Romane, in dessen früherer Verfilmung jemand namens Tim Curry mitspielte, große Erfolge feiert - - das ... hängt doch bestimmt alles irgendwie zusammen.

Auf einem Linienflug fielen mir drei tarnfarbenbewehrte, bullige Männer auf, die ich als irgendwas zwischen GIs und Air Marshals einschätzte. Was genau ihre "Mission" war, konnte ich nicht ausmachen, auf jeden Fall stachen sie aus der Menge der restlichen Passagiere heraus, auch indem sie ständig im hinteren Teil des Flugzeuges auf und ab gingen, ja: patrouillierten. Nach der Landung in Deutschland sah ich sie wieder: Sie führten einen Mann in Handschellen und mit Sack überm Kopf durch den Einreisebereich, flankiert von zwei Bundespolizisten mit MGs. War ich Zeuge einer Terroristenüberführung geworden? In den Medien und den polizeilichen Pressemitteilungen der Folgetage war nix derartiges zu lesen, weswegen ich zu weiteren Details auch lieber schweige.

Ich wollte recherchieren, ob sich in Jamaika eine "Deutschland-Koalition" bilden könnte, und bin auf diese super Liste gestoßen:


In der Redaktion, in der ich arbeite, klingelte das Telefon. Ich ging ran, und ein US-Amerikaner fragte, ohne zu grüßen oder sich vorzustellen, ob er Achim Frenz sprechen könne. 
Ich sagte "No." 
Darauf der Amerikaner: "Why not?"
Ich: "Because he doesn't work here?"
Er, hörbar gereizt: "Why don't you just say he doesn't work here anymore? No need to be sarcastic!"
Ich: "Who are you again?"
Er: "That's none of your business, asshole!"
Ich: "I'm gonna hang up now."
Er: "Nazi!"
Jetzt wurde ich schon von Menschen aus vier verschiedenen Ländern fernmündlich beschimpft. Davon sagen sie dir nichts bei der Berufsberatung.

Techniktagebuch, 1. Oktober 2017. Nachdem ich es mindestens drei Jahre nicht genutzt habe, deinstalliere ich Skype von meinem Privatrechner.

Serientagebuch, Herbst 2017. Mir fällt eine Last von den Schultern. Ich habe beschlossen. "Gotham", "The Big Bang Theory" sowie "Mr. Robot" nicht weiterzuschauen. Die jeweilige Begründung spare ich mir, ich empfehle aber, es mir gleichzutun.

Produktcheck #1: Von "WC Frisch" gibt es ein limitiertes Kloschüsselreinhängedings – Entschuldigung: WC-Automat heißt das ja – mit dem Versprechen von brasilianischen Strandträumen und Sambarhythmen. Kopf in die Toilette halten, tief einatmen und genießen!


Produktcheck #2: Hiervon habe ich nicht gekostet, aber man muss sich schon fragen, ob diese Kekse "Chokini" heißen, weil man daran ersticken kann.


Produktcheck #3 (ohne Bild): Waren Tortilla-Chips der Marke "Fuego" schon immer so widerlich? 

Now playing: Fear Factory - Expiration Date

Samstag, 30. September 2017

Jetzt wird's interessant (naja ...)

Vor vielen Jahren wurde bei "Wer wird Millionär?" folgende Millionenfrage gestellt: "Der zoologische Name der Brillenschlange lautet ...?" Das war, wie ich gerade herausfand, übrigens jene Stufe der Fragenleiter, auf welcher die Kandidatin Meike Winnemuth (genau, die nachmalige und immernochige Stern-Kolumnistin!) nicht weiter wusste und daraufhin mit 500.000 Euro nach Hause ging. Zur Auswahl standen jedenfalls die Antwortmöglichkeiten "A: Oje oje; B: Naja naja; C: Aha aha; D: Soso soso".

Hätte ich die Lösung gekannt? Nun, mit der Pistole auf der Brust hätte ich mich für B entschieden, denn Naja erinnerte mich an ein altindisches Wort für "Schlange", und ist die Brillenschlange nicht in Indien beheimatet? Ich hätte richtig gelegen, der Artname geht letztlich auf nāga zurück, womit diverse Schlangen bezeichnet wurden, speziell aber, so gibt es zumindest das Standard-Sanskrit-Wörterbuch (Monier-Williams) an, die Spezies Coluber naga. Moderne zoologische Enzyklopädien scheinen diese Art allerdings nicht mehr zu kennen, in den Wikipediaeinträgen zur Gattung Coluber (Zornnattern) taucht sie jedenfalls nicht auf, vielmehr heißt es da: "Auf Grund molekulargenetischer Untersuchungen wurde die Gattung Coluber aufgesplittet und umstrukturiert. Die Untersuchungen hierzu sind noch nicht vollständig abgeschlossen." Und: "All Asiatic species of Naja were considered conspecific with Naja naja until the 1990s, often as subspecies thereof. Many of the subspecies were later found to be artificial or composites. This causes much potential confusion when interpreting older literature."

Womöglich weiß die Online-Reptiliendatenbank reptile-database.org mehr? Tut sie. Coluber naga ist demnach ein noch von Linné selbst eingeführtes Synonym zu Naja naja. Wie auch immer: Das bezeichnete Lebewesen ist eine Giftnatter, die man bei uns als "Brillenschlange" oder auch als "Südasiatische Kobra" kennt, im englischen Sprachraum als "Indian cobra" und "Asian cobra", jedenfalls als das Reptil schlechthin, wenn man an Indien denkt. Um noch einmal Wikipedia zu zitieren: "Naja naja is considered to be the prototypical cobra species within the Naja subgenus, and within the entire Naja genus."

Amüsant ist, dass nāga auch "Elefant" heißen kann; in Adolf Friedrich Stenzlers "Elementarbuch der Sanskrit-Sprache" ist dies sogar die einzig angeführte Bedeutung. Erklärung: Es handelt sich um eine Verkürzung aus *nāga-hasta, wörtlich "Schlangenhand", womit der Elefantenrüssel gemeint ist, welcher mit etwas Fantasie an eine Schlange gemahnt. 

Bleibt ein letztes Rätsel: Wieso Naja und nicht Naga? Warum hat Linné das indische -g- zu -j- latinisiert? Auch hier weiß die "Reptile Database" weiter: Das Wort ist nicht direkt von dem altindischen Wort abgeleitet, sondern – warum auch immer – vom singhalesischen Kognat, und dieses heißt naya.

Mittwoch, 27. September 2017

Jenseits der Blogosphäre

(Haha, wann hat wohl zuletzt jemand das Wort "Blogosphäre" gebraucht?)

Liebe an mir Interessierte, ich habe etwas fertiggestellt, das ich schon seit Ewigkeiten anlegen wollte: eine Liste meiner Publikationen außerhalb von Kybersetzung. Sie kann ab sofort auf der Seite "Anderswo" abgerufen werden und wird von nun an stets aktuell gehalten. Viel Spaß!

Montag, 25. September 2017

Das gute Zitat

"Saruman ist der Meinung, dass nur große Macht das Böse fernhalten kann. Aber ich habe anderes erfahren. Ich finde, es sind die kleinen Dinge, alltägliche Taten von gewöhnlichen Leuten, die die Dunkelheit auf Abstand halten. Einfache Taten aus Güte und Liebe."

----- Gandalf in Der Hobbit: Eine unerwartete Reise

Dienstag, 19. September 2017

Ragnarök

Am 29. Februar 2416 schlug ein Asteroid mit dem Durchmesser von Shanghai auf der Erde ein. Ulkigerweise schlug das Objekt ausgerechnet auf der Stadt Shanghai ein. Das gesamte menschliche Leben erlosch. Als erster musste ein vietnamesischer Tourist dran glauben; ihm fiel der Asteroid nämlich direkt auf den Kopf. Als nächstes starben sämtliche Einwohner Shanghais, gefolgt von allen weiteren Personen, die sich in China aufhielten. Der Rest der Menschheit hatte nicht einmal mehr genug Zeit, sich den Bericht über die Katastrophe im Fernsehen oder Internet zu Ende anzuschauen.

Auch Flora und Fauna wurden in den Tod gerissen, sogar die Kakerlaken, welche bekanntlich als äußerst widerstandsfähig gelten. Der Planet Erde zerbrach in mindestens vier Teile. Nichts überlebte, nichts blieb heil. Das war der Untergang des bis dahin bekanntesten, fruchtbarsten und furchtbarsten Planeten in unserem Sonnensystem.

Warum konnte die Apokalypse nicht aufgehalten werden? Nun, Fakt ist, dass die Apokalypse durchaus hätte aufgehalten werden können! Das Problem war: Man hatte zu viel Zeit verloren. Nachdem der Himmelskörper entdeckt worden war, entfachte ein vollkommen unsinniger Streit über die Benennung. Wie sollte man den Asteroiden nennen? Die Regierung des Amerikanischen Königreiches schrieb einen Wettbewerb aus. Der Großteil der Bevölkerung votierte für den Namen "Hannes", aber das gefiel der Zentralafrikanischen Föderation nicht. Sie forderte: Der Asteroid solle "Lumumba II" heißen. Zwei Wochen verstrichen, bis man sich schließlich auf "Big Bad Rock" einigte.

Einen Tag später wurde der Beschluss gefasst, den Brocken zu besiedeln und durch gutes Zureden aus seiner Bahn zu lenken. Natürlich wollte jeder mitfahren, aber der Airbus fasste nur 20 Plätze plus zwei Pilotensitze. Also wurde ein zwölfköpfiger Rat gebildet – der Rat zur Planung der Besiedlung von Big Bad Rock –, der sich wie folgt zusammensetzte: drei Menschen, zwei Zwerge, zwei Elfen, zwei Gnome, ein Vampir, ein Troll und (als Vorsitzender) ein Maulwurf. Leider war der Maulwurf durch das bekannte Peter-Prinzip der Unfähigkeit an den Posten geraten. Das Tier war unfassbar dumm, beherrschte nicht einmal die Kunst der Sprache. Leider hatte es einflussreiche Freunde bei der Luftwaffe. Fazit: Der Rat kam zu keinem vernünftigen Ergebnis. Die Rettung der Erde scheiterte schlussendlich an bürokratischen Klippen.

Es ist in den letzten 24 Stunden noch sehr viel passiert. Weltuntergangssekten und Versicherungsanstalten wurden aus dem Boden gestampft, es gab noch mal ein riesiges Feuerwerk, die Olympischen Sommerspiele wurden kurzerhand vorgezogen, der Staat Belgien wurde nach langjähriger luxemburgischer Besatzung wieder für unabhängig erklärt, und insgesamt wurde wahnsinnig viel gesoffen. 

(Geschrieben im Mai 2004)

Sonntag, 17. September 2017

Ow, wire


Grenzen sind schon etwas Ekelhaftes. Und damit meine ich nicht Grenzen als abstrakte politische Linien per se – diese können ja durchaus faszinieren und bestaunenswerte Gebilde wie Exklaven und Enklaven zeitigen. Ekelhaft sind Grenzen, deren Überwindung mit Gewalt verhindert wird, sei es aktiv qua Schießbefehl oder eben passiv durch Stacheldraht. Wenn man sich verschiedene Arten dieses immer noch nicht geächteten Sperrmittels anschaut (im Bild: Kendell Geers – Acropolis Redux, documenta 14), muss man sich doch fragen, was in den Köpfen von Menschen vorgeht, die das Zeug entwickeln, optimieren, bewerben; die es so designen, dass es sich noch effizienter durch Kleidung schneidet, noch tiefer ins Fleisch frisst als das Vorgängermodell; die von globalen Krisen profitieren und sich nicht einmal dafür schämen. Ihnen gilt meine aufrichtige Verachtung.

Donnerstag, 14. September 2017

"Das hätten Sie heute schauen können"

Jeden Samstag landet zusammen mit etlichen Werbeprospekten ein spartanisches TV-Magazin in meinem Briefkasten. Es heißt "Einkauf aktuell" und hat auf dem Titel meist eine ganzseitige Anzeige für Mittelchen gegen Altersleiden (diesmal: Erektionsstörungen und "mysteriöse Nervenschmerzen"). Die Fernsehwoche beginnt immer mit dem Tag, an dem das Heftchen ausgeliefert wird. Und hier liegt die Crux: Was nützt es mir, zu wissen, was beispielsweise am Samstag um 6 Uhr 15 auf RTL läuft beziehungsweise gelaufen ist ("Verdachtsfälle", direkt im Anschluss an "Betrugsfälle"), wenn ich die Programmübersicht erst an nämlichem Samstag gegen Mittag (da kommt nämlich die Post) in die Hände kriege? Die Verantwortlichen könnten ja so clever sein, die TV-Woche am Sonntag beginnen zu lassen, aber nein, das wäre ja ein Traditionsbruch sondergleichen! 

Dienstag, 12. September 2017

Tafelkniggelyrik

Ich 

nehme die Gänsekeule in die Hand
kann man ja mit Hähnchen auch machen
beiße vom Baguette ab und lege den Rest in die Tischmitte zurück
warum immer brechen, gell
lasse mir das Weinglas bis zum Rand füllen und leere es in zwei Zügen
da hat aber jemand Durst
spucke Olivensteine in meine Hand
nimm doch wenigstens eine Serviette
esse meinen Salat mit Messer, Gabel, Löffel und Stäbchen
was soll denn das
verzehre die Weißwurst mitsamt der Pelle
in Bayern warst du noch nicht so oft, was
stütze mich mit beiden Ellenbogen auf
pssst, Ellenbogen!
lasse Spaghetti aus dem Maul hängen und schlabbere damit herum
jetzt is' aber gut!
erhebe mich, um meinen Hosenlatz zu schließen
mit dir geh ich NIE WIEDER aus

Noch ein Digestif?                                  Hell yeah

Samstag, 9. September 2017

Unboxing

Vor knapp zwei Monaten habe ich bei Amazon die "Amazon Surprise Box" bestellt. (Dies ist kein gesponsorter Beitrag; das Angebot gibt es mittlerweile eh nicht mehr.)


Mit der Beschreibung "Staff Picks aus dem Bio & Clean Eating Store", "Thema: Gesunde-Food Trends und bewusste Ernährung" sowie "Lassen Sie sich von Snacks, Getränken und Kochzutaten überraschen" haben sie mich natürlich gekriegt. Die Überraschungsbox enthielt zehn Waren "im Wert von über 50 EUR" und kostete 24,99 €. Welche Produkte das bei mir im einzelnen waren, möchte ich euch zeigen. Seid ihr schon aufgeregt?


Lobenswert war schon mal, dass "für die Verpackung dieser Box [...] recyclebare Materialien verwendet" wurden. Hier nun die Produkte.
- Biomond Leinsamenmehl: Ich weiß nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Na gut, wenn mein herkömmliches Weizenmehl alle ist, werde ich diese glutenfreie Alternative vielleicht zum Backen verwenden. Leider backe ich selten.
- Veganz Coconut Chips Cacao: Chips aus geröstetem Kokosnussfruchtfleisch. Lässt sich so wegknabbern.
- Tropicai Kokosblüten Vinaigrette: Noch nicht ausprobiert, aber es ist nie verkehrt, eine ausgefallene Vinaigrette im Haus zu haben.
- Vitam Hokkaido-Kürbis-Aufstrich: Geht immer.
- Spacebar veganer Landjäger: Knacker- oder Wiener-Imitationen würde ich mir nicht unbedingt kaufen, aber diese Seitan"wurst" war okay, zudem recht nahrhaft.
- Garofalo Spaghetti (glutenfrei): Auf Mais-, Reis- und Quinoabasis; ich hatte nix daran auszusetzen.
- Primal Pantry Paleo Riegel: Ich habe schon weitaus schmackhaftere Rohkostriegel verputzt, aber der hier hat wenigstens schön satt gemacht.
- Kreta Natura Olivenöl: Vermutlich das wertvollste Teil in der Auswahl. Ich hab's verschenkt.
- Eisblümerl Studentenfutter Aufstrich: Bereits hier vorgestellt.
- Veganz Weizengras-Pulver: Habe ich ebenfalls noch nicht angerührt, ich fürchte aber, dass dieser chlorophyllhaltige Smoothie-Aufpimper dem "Superfood" Moringa stark ähnelt, weswegen ich ein bisschen Angst davor habe.

Gesamturteil: Interessante Mischung für Experimentierfreudige, bei der man Geld spart, das man am Ende ohnehin nicht ausgegeben hätte. Bei vier hervorragenden (Aufstriche, Öl, Vinaigrette), vier ganz netten (Chips, Spaghetti, Riegel) und zwei potentiell ungenutzt bleiben werdenden Produkten (Mehl, Pulver) würde ich dennoch sagen, dass sich dieser Blindkauf gelohnt hat.

Donnerstag, 7. September 2017

Verschiedenes aus dem Abreißkalender

Nicht nur im Humorbereich ist mein Tageskalender ganz vorne mit dabei! 

Dazu schreibt mir Michael Ziegelwagner: "PARADOX: Manch einer fährt zur Kühlung/ in den windigen Norden/ um sich dort in Fell zu hüllen/ statt sich vor Kälte selbst zu morden."

Morgen ist eure Chance, diese Behauptung einem nussharten Wahrheits-Check zu unterziehen!

Wisst ihr, was ein Blog ist? Nein? Macht nichts, die Kalenderredaktion weiß es auch nicht so genau. Ich lasse das alles mal so stehen, kann es mir gleichwohl nicht verkneifen, wenigstens den letzten Satz zu berichtigen: Das Wort "Blog" setzt sich selbstverständlich zusammen aus "B" und "log".

Bleiben wir in der mystischen Welt der Wortherkunft. To be fair: In Sachen Personennamenerklärung hat sich der Kalender in der Vergangenheit schon gröbere Schnitzer geleistet. Trotzdem: Wie kann man acht Zeilen lang die Bestandteile eines Eigennamens einigermaßen korrekt herleiten, um am Ende eine völlig andere Bedeutung aus dem Hut zu zaubern?

Dienstag, 5. September 2017

Manomasa zum Letzten

Ich muss es leider in dieser drastischen Härte niederschreiben: Bei der Sorte "White Cheddar" haben die Knusperprofis von Manomasa ihren Mund allzu voll genommen (mit ihren eigenen Chips). "The super scoop with creamy Cheddar cheese" ist nun wahrlich kein Super-Scoop, und cremig ist daran schlechterdings gar nichts. Weder den normalerweise sehr kräftigen Cheddar noch den angepriesenen Koriander (engl. cilantro) schmeckt man heraus. "Goldenen Leinsamen" ("golden linseed") hätte ich in der Blindverkostung ebenfalls nicht erkannt. Es ist insgesamt mehr maisig denn käsig und knuspert weniger als die anderen Produkte aus dem Hause Manomasa. Die griffige Ovalform gefällt mir. 5/10


"Chipotle & Lime" ist bedauerlicherweise gleichsam fad, dabei hatte ich gehofft, dass die Kombination Schärfe + Zitrus eingedenk der hervorragenden Sorte "Green Lemon & Pink Peppercorn" bei Manomasa beherrscht wird. Ein Plus vergebe ich für die klassische Tortilla-Dreiecks-Darreichung, aber finalmente sind's auch bloß 5 von 10 Punkten.


Samstag, 2. September 2017

Die besten Weblogs

Heute: Ahne International, das seit 2008 erfreulich konsequent fortlaufende Tagebuch des Berliner Autors Ahne. 

Offenlegung: Als ich diese Seite heute morgen, na gut, es war bereits Vormittag, okay: mittags ... ich war jedenfalls noch nicht ganz klar im Kopf drin, als ich diese Seite – warum überhaupt erst heute? – entdeckte, da verwechselte ich kurzzeitig Ahne mit dem ungefähr gleich alten und ebenfalls Berliner Künstler Fil und las die ersten Blogeinträge gedanklich mit dessen Stimme. Dabei habe ich beide schon live erlebt und kann dafür bürgen, dass außer wegen der Kürze ihrer beider Namen keinerlei Verwechslungsgefahr besteht.

Donnerstag, 31. August 2017

Deklinationsgedicht

Ein Derwisch wollte Urlaub machen
Und weil er Desperado war
Flog er als demütiger Moslem
Ins hinduist'sche Denpasar

Nach fünfzehn Autostunden (Diesel)
Erreicht er derangiert sein Ziel
Vor seiner Unterkunft: ein Derby
Ein Dienstagabendfußballspiel!

Dann sticht ihn eine Dasselfliege
Und "Despacito" dröhnt im Ort
Demonstrativ ruft er, sich wendend:
"Das Dasein nervt!" Dann ist er fort

Dienstag, 29. August 2017

Zwei Filmszenen, die ich gerne sähe

1.) Eine Pressekonferenz wird beendet. "Danke, das war vorerst alles", sagt der Polizeichef oder die Weiße-Haus-Sprecherin oder wer auch immer und verlässt die Bühne. Daraufhin packen sämtliche anwesenden Medienvertreter schweigend ihre Sachen zusammen und gehen besänftigt und zufrieden dreinblickend nach Hause.

2.) Im Krankenhaus. Unser Held schickt sich an, sein Bett zu verlassen, um seine Mission fortzusetzen.
Behandelnder Arzt / Krankenschwester: "Sie können noch nicht gehen! Sie sind gerade operiert worden / aus dem Koma erwacht / mit Schmerzmitteln vollgepumpt ..."
Held: "Na gut." [legt sich wieder hin]

Freitag, 25. August 2017

Ostrale'O17 (2)

Der Affe ist des Menschen Reißwolf

Mischpult

Gehhilfen

Kopfmenschen

Gipsmenschen

Mr. Robot

Wiese, Landeplatz und Geröhr

Verkleidet

Zerbrochen

Mittwoch, 23. August 2017

Ostrale'O17 (1)

Blau

Fotos

Das Ende des Elefanten

Die wandelnde Festung

Geweih

Handschurei

Kellage

Levitation

Schädel
Fortsetzung folgt.

Montag, 21. August 2017

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Trumbo
Sehenswerte Darstellung eines (Neben-)Schauplatzes des Kalten Krieges, nämlich der Verfolgung kommunistischer Filmschaffender durch das "Komitee für unamerikanische Umtriebe". Hintergrundlektüre lohnt sich: Neben der Titelfigur, dem geblacklisteten Drehbuchautor Dalton Trumbo (oscarnominiert: Bryan Cranston), sowie Ikonen des alten Hollywood wie John Wayne und Otto Preminger hat es auch die meisten auftauchenden Nebencharaktere tatsächlich gegeben, während andere wie der von Louis CK (!) gespielte Arlen Hird eher an historische Figuren angelehnt sind. Schade fand ich, dass man Kirk Douglas nicht noch einmal reaktivieren konnte, auf dass er sich im Epilog selbst verkörpert (seine junge Version hat Dean O'Gorman, der Zwerg "Fili" aus der Hobbit-Trilogie, übernommen).

The Visit
Über M. Night Shyamalan habe ich mich schon öfter positiv geäußert. Auch "The Visit" kann ich nur in hohen Tönen loben. Er ist anders als seine Vorgänger, und doch kann nur Shyamalan einen solchen Film drehen. Das Wort "Wahnsinn" schoss mir beim Schauen mehrmals durch den Kopf. Es geht um zwei Kinder, die zum allerersten Mal ihre Großeltern besuchen, und die benehmen sich ... merkwürdig. Grusel wechselt sich ab mit leisem, abseitigem Humor, und man fragt sich sehr lange, ob es einen übersinnlichen Hintergrund gibt oder nicht (am Ende weiß man's und ist befriedigt). Dass dieser Thriller von 2015 in (heutzutage ja recht abgeschmackter) First-person-Handkameraperspektive erzählt wird, ist ein Kniff, den es nicht gebraucht hätte, der aber auch nicht stört.

Der Außenseiter (OT: School Ties)
Ein von mir bis dahin übersehenes Highschool-Drama aus dem Jahr 1992 nach einem Drehbuch von Dick Wolf, dem Godfather des Crime-Procedurals ("Law & Order" & Co.), in dem man spätere Superstars wie Matt Damon und Ben Affleck in frühen Auftritten sehen kann. Die Hauptrolle übernimmt Brendan Fraser, der in den 1950er Jahren als jüdischer Arbeitersohn dank Football-Befähigung mit einem Stipendium auf ein Elite-Internat kommt.  

The Flock - Dunkle Triebe
Leicht hysterischer und in Sachen Exploitation und Selbstjustiz-Verharmlosung etwas dick auftragender Triebtäter-Thriller mit Richard Gere und Claire Danes (welche hier ihre Paraderolle in "Homeland" ein bisschen vorwegnimmt).

Bastille Day (OT: The Take)
Geschmeidig inszenierter Actioner, der mit zunehmendem Verlauf überraschend politisch wird. Von Amazon co-produziert, in Paris gedreht, mit Idris Elba und Richard Madden (Robb Stark aus "Game of Thrones") besetzt und mit rund 90 Minuten angenehm unlang.

Dunkirk
Ebenfalls nicht übermäßig lang, aber dank Nolans einzigartiger Erzählweise, Hans Zimmers ununterbrochenem Wummer-Score, der einnehmenden Kameratechnik und dem an die Schmerzgrenze gehenden Kriegsgedröhne intensiv nachwirkend. Ein Streifen, der für die große Leinwand gemacht wurde und der mindestens einen Academy Award für "Best Sound Editing" oder "Best Sound Mixing" verdient hat. Bemerkenswert ist, dass dem ganzen Bombast, quasi als Antithese, die relative Blutarmut und die, nun ja, "bescheidene" Besetzung entgegensteht (Tom Hardy trägt den bekanntesten Namen im Ensemble und hat als maskentragender, schweigsamer Kampfpilot eine fast schon undankbare Rolle). Unterm Strich kein revolutionäres Werk, aber ein weiterer Beweis dafür, dass dieser Christopher Nolan sein Handwerk schon ziemlich gut beherrscht.

Der große Coup
In diesem Gangsterstück von 1973 darf Walter Matthau mal ein kriminelles Schlitzohr geben, auch wenn der "Coup" letztlich gar nicht so "groß" ist. In Erwartung eines altmodischen Heist Movies wurde ich jedenfalls enttäuscht. Überhaupt gibt es einige Ungereimtheiten und Unzulänglichkeiten; gleich zu Beginn etwa stirbt das weibliche Mitglied des Bankräubertrios, was beim Zuseher aber keinerlei Empathie für die Verbrecher auslöst, weil die Frau bis dahin in keiner Weise etabliert wurde. Später kriegt der auf Connery-Bond getrimmte Matthau dann doch noch eine (sich total willkürlich anbahnende) Liebelei auf den behaarten Leib geschrieben; das musste wohl irgendwie noch rein. Fazit: mäßig gut gealterter Thriller.

Zeugin der Anklage
Zeitlos grandios ist hingegen dieser 60 Jahre alte Klassiker von Billy Wilder nach der – was mir zugegebenermaßen neu war – Bühnenvorlage von Agatha Christie. Beim Abspann bittet eine Stimme, den Film weiterzuempfehlen, aber auf keinen Fall die Auflösung zu verraten. So was sollte heute wieder eingeführt werden! Die deutsche Fassung ist äußerst gelungen, zum einen enthält sie zauberhafte Formulierungen wie "Sie Muffelpeter" oder "Skalpellritter" (= Ärzte), zum anderen sind die britischen Rechtstermini adäquat ins Deutsche übertragen worden, wobei interessanterweise der Jurist und Politiker Gerhard Kramer behilflich war. Nachdem ich solche alten Schinken gesehen habe, überprüfe ich gerne bei imdb, ob irgendjemand von den beteiligten Schauspieler(inne)n noch am Leben ist. Und Tatsache: Ruta Lee, die in "Zeugin der Anklage" eine junge Frau namens Diana spielt, hat dieses Jahr ihren 82. Geburtstag gefeiert und kann sogar noch zwei Credits für 2017 vorweisen. 

Train to Busan
Ein südkoreanisches "Walking Dead"-Szenario in einem Zug. Relativ stark an westliche Sehgewohnheiten anpasst, weil offensichtlich für den internationalen Markt produziert, aber auch mit dem einen oder anderen Seitenhieb auf den entmenschlichenden koreanischen Turbokapitalismus.

Daddy's Home
Als Will-Ferrell-Superfan hätte ich sowieso nicht geglaubt, von einer Will-Ferrell-Komödie enttäuscht zu werden, aber "Daddy's Home" von 2015 (co-starring Mark Wahlberg) ist nicht nur nicht enttäuschend, sondern hat es auf Anhieb in meine Top 5 der Will-Ferrell-Komödien geschafft. Bereits in den ersten Minuten habe ich mir mehrmals auf die Schenkel geklopft! Das Drehbuch kommt zwar nicht vom angestammten Will-Ferrell-Komödien-Traumduo Ferrell/McKay (die aber immerhin als Produzenten verwantwortlich zeichnen), doch die Autoren treffen den typischen Ton von Will-Ferrell-Komödien mit Bravour. Hach, Will-Ferrell-Komödien ...

Donnerstag, 17. August 2017

Balla-balla

In der Stellungnahme von True Fruits zu ihrer aktuellen Werbekampagne heißt es unter anderem: "Wir als kleiner Saftladen haben es mit einer einzelnen Aktion geschafft, derartige Themen in den Fokus der Menschen zu rücken. Wir fragen uns also: Wozu wären dann erst große Konzerne mit deutlich größeren Budgets in der Lage? Diese Unternehmen besitzen eine verdammt große Macht, haben leider nur keine Eier sich für ihre Ansichten aus dem Fenster zu lehnen."
Ich verdrehe immer die Augen bis zum Anschlag, wenn ich Sprüche des Inhalts lese, jemand, der ein Mindestmaß an Courage zeigt, habe "cojones", "dicke Eier" oder gar "balls of steel"; gern verwendet zum Beispiel beim letzten großen Bahnstreik in Bezug auf den in keiner Sekunde Repressionen zu befürchten habenden Gewerkschaftsboss Weselsky.

Sehr schön fand ich deshalb eine Stelle bei "Mad Dogs" (US): Einer der männlichen Protagonisten sagt, als Kompliment, zu einer von Allison Tolman gespielten Botschaftsmitarbeiterin "What you did, that took some balls", worauf sie herrlich genervt erwidert: "Why do people use that expression? Have you ever seen a man kicked in the balls? He's rendered completely immobile, he can't speake for, like, 30 seconds. When did balls become the symbol of strength? Why not a vagina, you know? I mean, vaginas take a pounding most of their adult life. What you should have said was, 'What you did, that took some vagina'!" Und das war dann auch einer der besseren Momente in dieser mittelmäßigen, etwas kopflosen Amazon-Produktion.

Dienstag, 15. August 2017

Das Spice muss fließen

Ich möchte ein Remake des Spice-Girl-Films "Spiceworld" sehen, in dem Scary Spice Baby Spice, Baby Spice Ginger Spice, Ginger Spice Sporty Spice, Sporty Spice Posh Spice und Posh Spice Scary Spice spielt. 
Frage: Wie viele Remakes sind möglich, wenn jedes Spice Girl jeweils ein anderes Spice Girl verkörpert? Damit begeben wir uns in die glitzernde Welt der Kombinatorik und Permuation! Soviel ist klar: Wenn jedes Spice Girl auch sich selbst spielen darf, sind 120 Filme möglich (n! = 5!). Aber es soll ja jede immer nur eine andere spielen. Dass jede in mehreren Filmen dasselbe Spice Girl spielt, soll erlaubt sein (sonst wären ja nur vier Remakes möglich). Doppelrollen hingegen seien aus Wahnsinnsvermeidungsgründen ausgeschlossen.
Also: Es sind 5 Schauspielerinnen (n) verfügbar, die 4 Rollen (k) ausfüllen dürfen bzw. müssen. Aber ist die anzuwendende Formel nun "n Fakultät geteilt durch Klammer auf n minus k Klammer zu Fakultät" (das wären ebenfalls 120 Filme), nein, Moment, Denkfehler, ich besetze ja 5 Rollen und nicht 4; sind einfach nur 25 von 120 abzuziehen; wieso 25? Aaaahh! Schwarmintelligenz, hilf!
(Serendipity-Moment bei meiner schädelsprengenden Recherche: Den Binomialkoeffizienten spricht man heute nicht mehr "n über k" – wie ich es noch in der Schule gelernt habe!!! – aus, sondern "k aus n".)

Update: Auf Facebook wurde die dann doch verhältnismäßig simple Lösung gefunden! Sie lautet 5!-4!=96. Fast hundert neue "Spiceworld"-Filme, toll!

Update #2: Es bleibt spannend! Eine Mathematikerin kommt aufgrund der sog. fixpunktfreien Permutation auf 44.

Montag, 14. August 2017

Lesesommer 2017 (IV)

Heute: Denkwürdigkeiten von Eckhard Henscheid

Der Untertitel "Aus meinem Leben" trifft die Absicht / das Anliegen des 2013 bei Schöffling erschienenen Buches ganz gut bzw. präzisiert den Haupttitel dahingehend, dass es sich weniger um eine streng runtererzählte Biographie als um eine Art Bilanzziehung handelt, um eine Niederschrift alles Auffälligen und Bemerkenswerten, das der Autor in sieben Jahrzehnten wahrgenommen hat, und zwar, wie zu erwarten, in der Hauptsache im Literatur- und Medienbetrieb. Auch um die Welt der Oper geht es sehr oft. Nun ist sowohl Literatur als auch Oper großteils Terra incognita für mich, und dennoch hatte ich großes Vergnügen an des Autors Ausführungen, die mich bei aller formalen wie inhaltlichen Kompliziertheit wegen ihrer Kunstfertigkeit, Scharfsinnigkeit und Pointiertheit die 416 Seiten (keine weniger hätte ich erwartet) gutgelaunt bei der Stange hielten (gemeint ist, dass ich gutgelaunt war, nicht die Ausführungen). (Es hilft freilich, schon mal ein paar Zeilen Henscheid gelesen zu haben.) Eine Prise mehr Privates wäre gleichwohl nett gewesen: Dass E.H. eine Tochter hat, wird nur zweimal en passant erwähnt, und auch über das frühe Wirken der Neuen Frankfurter Schule, ganz konkret die tägliche redaktionelle Arbeit von Pardon, hätte ich gern mehr aus erster Hand erfahren. Schön ist es dann aber doch, das Verhältnis Henscheids zu Bernstein, Gernhardt & Co. dargelegt zu bekommen – und seine Meinung und Haltung zu ebenjenen (da gibt es hinsichtlich der Genannten durchaus, ich sag mal: kleine Unterscheide). Auch seine über die Jahre sich angesammelt habenden Lieblingsfeinde werden noch einmal seziert. Es gibt allerlei Referenzen auf sein übriges Werk, Querverweise, Berichtigungen, Ergänzendes und Wiederholendes. Weiters spielen eine Rolle: Fußball, Geld, Rechtsstreitigkeiten, die SPD, Bayern, Gesundheit und Gott. Bei aller Glossenhaftigkeit der Textbatzen sind die Kapitel wenigstens chronologisch aneinandergereiht, man kommt sich also immerhin nicht im Nebel der Geschichte verloren vor.

Donnerstag, 10. August 2017

Brain Droppings

Gibt es Karoshi bei Karauschen?

Unter welchen Umständen ist es zu rechtfertigen, dass ein erwachsener Mensch "Eisenbahn" statt "Zug" sagt?

Das Mädchen mit dem Perlenohrring >>>>>>>>>>> Mona Lisa

Dass Englischsprechende nicht mal ansatzweise versuchen, das Wort guerilla anders als gorilla klingen zu lassen: so sympathisch-albern 😂

"The Binding of Isaac" ist ja gar keine christliche Snowboarding-Simulation!

Leute, die einem auf Twitter folgen und dann keinen einzigen Tweet faven: Was stimmt nicht mit ihnen?

Ich glaube, in der Zeile "Vater werden ist nicht schwer" geht es um Sex. ;)

Der einzige Googlebeleg für den mystischen Beruf "Progymnasiumspedell" führt nach Kusel. 

Wir sollten versuchen, nicht mehr die Enttäuschungen der Vergangenheit zu beweinen, sondern uns auf zukünftige Enttäuschungen zu freuen.

Statt das Gesicht der/des verhassten Ex aus alten Fotos auszuschneiden, lustige Wackelaugen draufkleben!

Weniges ist so magisch wie die Phrase "Would that I" = "Ich wünschte, ich". Doch wer außer George R.R. Martin verwendet die noch?

Bonbons, die bei übermäßigem Verzehr nicht abführend wirken, kann ich nicht ernst nehmen.

Bei den Simpsons haben sie mal vowel shift mit "Lautverschiebung" übersetzt. :(

Sonntag, 6. August 2017

Tagewochenbuch KW 30-31

Französische Supermärkte habe ich schon einmal in den höchsten Tönen gelobt. Heute möchte ich festhalten, dass die niederländische Kette Albert Hein den Ketten Match & Co. in nichts nachsteht! Ich habe mich jüngst mit Müsli, Müsliriegeln, Tee, Kaffee und Süßkram eingedeckt, dass es eine Art war. Dass die meisten Lebensmittel in Holland zudem billiger sind als in Deutschland, war mir vorher auch nicht klar. In einem anderen, internationalen Riesen-Tante-Emma-Laden in unserem flachen Nachbarland fand ich ein Produkt, das ich zuletzt vor vielen Jahren gegessen habe, damals allerdings von einem indischen, nicht von einem türkischen Hersteller: Rosenblütenkonfitüre. Es handelt sich hierbei weniger um Konfitüre als um ein Gelee – flüssiges Gelee, welches sich kaum als Brotaufstrich andient, sondern eher als Pfannkuchentopping. Geschmacklich ist es ... interessant.


Zur Zeit scheint im Fernsehen nichts anderes als sog. Sommerinterviews zu laufen. Mich bewegt dieses Format nicht zum Einschalten, weiß man doch, dass die Gespräche in ihrer krampfhaften Lockerheit kaum weniger dröge sind als die öffentlich-rechtlichen Standard-Talks. Warum geht man nicht einen Schritt weiter, verlegt also nicht nur das Setting vor eine angenehme Naturkulisse, sondern lässt die Politiker sich mal so richtig von ihrer menschlichen Seite zeigen? Tina Hassel flaniert mit Frank-Walter Steinmeier stundenlang am Timmendorfer Strand entlang, sie bekleckern sich mit Eis, waschen sich in der Gischt sauber. Wolfgang Schäuble liegt auf einer Picknickdecke, lässt sich von Thomas Roth mit Weintrauben füttern und bekennt seufzend: "Ich mag sie ja schon, die Griechen ..." Bettina Schausten entlockt Heiko Maas bei einer gemeinsamen Hot-stone-Massage die nächsten Gesetzesänderungspläne. Katarina Barley spielt mit Dunya Hayali im Irrgarten Kleinwelka Verstecken, stundenlang kann sie nicht gefunden werden ("Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich um ungewisse Zeit"), schließlich kommt die Familienministerin mit aufgemaltem Katzengesicht um eine Ecke gehuscht, herzhaft lachend: "Der Politalltag ist so bierernst und zermürbend, da bin ich dankbar, mich einmal etwas ausgelassener geben zu können." Der Rückhalt in der Bevölkerung = explodierend!

Ausstellungseröffnungen laufen immer gleich ab. Erst spricht jemand, dann spricht noch jemand, dann spricht noch jemand. Dann wird geklatscht und fotografiert. Man zeigt sich, schüttelt Hände. Das Betrachten der Exponate ist kein Vergnügen, weil sich so viele Leute um sie herum drängeln wie an keinem Tag während des gesamten folgenden Ausstellungszeitraums. Meist riecht es streng. Wozu also tu ich mir das alle paar Monate an? Ich verrate es euch: weil es Häppchen und Bier gibt.

Lesson learned: Bei der ersten Maschinenwäsche nach dem Wiedereinschrauben des gereinigten Flusensiebs den Wasserzulauf erst mal gaaanz langsam kommen lassen, um leichte bis mittlere Überschwemmungen zu vermeiden.

Neulich hatte ich Appetit auf Frühstück nach englischer Art. Also habe ich mir zum Abendbrot (!) zwei Spiegeleier, Baked Beans von Heinz, Kartoffelröstis und Sojawürstchen gemacht. Erwachsensein ist geil.

Man wollte after-work-mäßig auf der Dachterrasse des Frankfurter Fleming's Hotels etwas trinken. Das entzückend altmodische Gebäude ist nicht nur wegen seiner Aussicht einen Besuch wert, sondern auch, weil es eine der letzten Heimstätten von Paternostern ist. Leider waren diese beim Eintreffen unserer Gruppe außer Betrieb, der reguläre Fahrstuhl musste genommen werden. Meine vier Begleitpersonen stiegen zuerst ein, womit mir der Lift bereits panikattackeninduzierend überfüllt vorkam. "Ich nehme lieber den nächsten", sagte ich und wartete draußen. Der nächste Aufzug kam alsbald, ich stieg ein und hatte bereits den Knopf für die gewünschte Etage gedrückt, als sich aus heiterem Himmel vier merklich beschwipste Portugiesinnen dazudrängten. Nachdem sich oben die Tür aufgetan hatte, wurde ich nicht nur mit angemessenem Feixen und Kommentieren begrüßt, sondern auch mit der Ansage, dass sämtliche Plätze belegt seien. Also ging es wieder nach unten, abermals zu fünft. Die Nerven! Man landete dann wie so oft zu vorgerückter Stunde am Eschenheimer Turm.


Now playing: Caught a Ghost - No Sugar In My Coffee