Sonntag, 31. Dezember 2017

Ein Jahr geht, ein anderes kommt

Zwei der für 2017 angedachten "neuen Rubriken", die ich meinem Publikum vor einem Jahr versprochen hatte, konnte ich leider doch nicht introduzieren; eine aus Zeitgründen, die andere aus Unrealisierbarkeit. Ich bin aber zuversichtlich, dass beides 2018 klappt. Klappen wird auch die Beobachtung einer totalen Mondfinsternis am 27. Juli – außer man hält sich zu diesem Zeitpunkt in Nordamerika auf. Lediglich in der Antarktis und knapp darüber sichtbar sind hingegen die partiellen Sonnenfinsternisse am 15. Februar und am 13. Juli. Menschengemachte Spektakel sind u.a. die Olympischen Winterspiele in Südkorea und die Fußball-WM in Russland.

Von runden Gedenktagen wimmelt es geradezu: Leonard Bernstein, Rita Hayworth, Helmut Schmidt, Kurt Waldheim, Nelson Mandela und Ingmar Bergman haben 100. Geburtstag, Claude Debussy, Gustav Klimt, Lili Boulanger (die Erfinderin der Boulangerie?) und Georg Cantor sogar 100. Todestag. In Mumbai wird mit dem "World One" das höchste bewohnbare Gebäude der Welt fertiggestellt. Nach dem chinesischen Horoskop betreten wir das Jahr des Erd-Hundes. "2018 wird das Jahr der Okö-Kryptowährungen", orakelt Wired und meint vermutlich "Öko-Kryptowährungen", es wird aber auch das "Jahr der Liebe" ("Wallstreet online") und muss (!) "das Jahr der Reformen werden", fordert die Süddeutsche Zeitung. Außerdem: "Freie Wähler Bernau fordert, dass 2018 das Jahr der Bernauer Ortsteile werden soll" (moz.de). Für Fans von Brückentagen ist 2018 wohl auch sehr reizvoll. Mir gefällt, dass das Jahr an einem Montag beginnt. 

Noch rasch die Natur des Jahres abgehakt. Sehr bodenständig geht es in vielen Kategorien zu: Die Steckrübe ist das Gemüse des Jahres (exzellente Wahl, mjamm!), der Ingwer die Heilpflanze, die Esskastanie der Baum, die Wildkatze das Wildtier, der Wiesenchampignon der Pilz und der Vogel der Star des Jahres, Quatsch, andersrum. Schmetterling des Jahres ist der Große Fuchs, Wildbiene des Jahres die Gelbbindige Furchenbiene, Einzeller des Jahres sind die Tintinnen ("eine Gruppe gehäusebauender Wimpertiere", mehr weiß Wikipedia im Moment noch nicht darüber), Höhlentier des Jahres ist der Schwarze Schnurfüßer, Staude des Jahres ist die Tagliatelle, äh: die Taglilie, der Boden des Jahres ist der Alpine Felshumusboden, und der Ehrenpreis "Blume des Jahres" geht an den Langblättrigen Ehrenpreis.

Liebe Leserin, lieber Leser, stolpere frohen Mutes und erhobenen Hauptes in die frische kalendarische Großeinheit -- woah, da fällt mir ein, dass ich bis jetzt weder einen neuen Wochenplaner noch einen Tagesabreißkalender besorgt habe!

Freitag, 29. Dezember 2017

Skurrile Sammlungen: Sammelkarten

Als ich Kind war, lagen jeder Ausgabe der Zeitschrift Micky Maus Sammelkarten bei. Ich habe mir die Micky Maus nur selten gekauft, aber die örtliche Bibliothek bezog das Heft, und ich bin fast jede Woche dorthin gegangen, um die begehrten Gimmicks aus dem frisch eingetroffenen Exemplar zu klauen, hehe. Auch von Freunden bezog ich meinen Stoff gelegentlich. Nach einigen Jahren hatte ich einen beachtlichen Stapel zusammen – und der befindet sich noch heute unter meinem Hab und Gut.


Dem Gedanken verpflichtet, dass es wohltuend ist, zum Jahreswechsel alte Zöpfe abzuschneiden bzw. sich von wertlosem Papiermüll zu trennen, werde ich die Karten demnächst wegwerfen ... oder an die Person, die am schnellsten "Hier!" ruft, verschicken. Ebay ist jedenfalls keine Alternative. Bevor der Stoß aber über den Jordan geht, liste ich alle Kategorien auf, aus denen ich Sammelkarten besitze. Mein Vergangenheits-Ich hat sie seinerzeit nach einer gewissen Systematik sortiert.

  • Sportler
  • Olympiade
  • Tennis-Superstars
  • Micky Maus Staralbum
  • Star-Album
  • Berühmte Detektive
  • Zirkus-Stars
  • Stars aus Film und Fernsehen
  • Stars aus Pop und Rock
  • David Hasselhoff (!)
  • New Kids on the Block
  • Städte
  • Weltraum I: Der Flug zum Mond
  • Raumfahrt
  • Weltraum III
  • Stars der Lüfte
  • Motorräder
  • Umwelt-Mobile
  • Rennboote
  • Schiffahrt
  • Berühmte Schiffe
  • Züge der Welt
  • Traumautos auf unseren Straßen
  • Traumwagen der Straße
  • Klassische Sportwagen
  • Oldtimer
  • Die schönsten Oldtimer
  • Show auf Rädern
  • Show Cars
  • Show Cars – Sensationen auf Rädern
  • Dragster
  • Super-Flitzer
  • Trucks
  • Moto-Cross
  • Sport & Fun
  • Stunts
  • Gefährliche Stunts
  • Walt Disney World
  • Euro Disneyland
  • Toontown
  • Berühmte Pferderassen
  • Pferde
  • Pferde 2
  • Tiere und ihre Jungen
  • Tierkinder
  • Tierkinder II
  • Haustiere
  • Katzen
  • Hunde – Freunde auf vier Beinen
  • Hunde
  • Lustige Tiere
  • Affen
  • Greifvögel
  • Wale und Delphine
  • Gefährliche Tiere
  • Bedrohte Tiere
  • Bedrohte Alpenwelt
  • Tiere im Regenwald
  • Regenwald
  • Tropischer Regenwald
  • Leben im Eis
  • Leben im Korallenriff
  • Welt unter Wasser
  • Lebendige Wüste
  • Naturwunder
  • Wunder der Natur
  • Wunder der Welt
  • Wunder der Welt 1 (!)
  • Wunder der Welt II (!!)
  • Rätsel der Welt
  • Rekorde, Rekorde!
  • Rekorde
  • Disneys Film-Parade / Disney Filmparade / Disneys Filmparade
  • Disney-Autogramme
  • 65 Jahre MICKY MAUS
  • Disney-Stars
  • Disney Babys
  • Disney-Witze
  • Disney-Zeichenkurs
  • Disney Galerie
  • Die schönsten Filme von Walt Disney
  • Walt Disneys neuer Film: Arielle, die Meerjungfrau
  • Walt Disneys neuer Film: Jäger der verlorenen Lampe
  • Bernard & Bianca
  • Bernard & Bianca II
  • Walt Disneys Peter Pan
  • Peter Pan
  • Die Schöne und das Biest
  • Walt Disneys Dschungelbuch
  • Das Dschungelbuch
  • Aladdin
  • Talespin
  • Gummibären
  • Chip & Chap
  • Darkwing Duck
  • Die Dinos
  • Dinosaurier
  • Dinosaurier – Herrscher aus ferner Zeit

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Hasst du Töne?

Höhere Mächte verhindern derzeit, dass Musik und ich zusammenkommen. Erstens: Einmal im Jahr raffe ich mich dazu auf, mich vor mein Keyboard zu setzen, da funktioniert das Netzteil nicht mehr. Zwotens: Ich ringe mich endlich dazu durch, mich bei einem Musik-Streamingdienst anzumelden, wenig später ist die Kopfhörerbuchse meines Smartphones kaputt – ein Defekt, der es nicht rechtfertigt, mir schon wieder ein neues Telefon zu kaufen, aber ärgerlich genug ist, um die Streamingdienst-Mitgliedschaft zu überdenken.

Dienstag, 26. Dezember 2017

Traumprotokoll: Lampenfieber

Eine ganz neue Kategorie von Versagensalbträumen feierte heute ihren Einstand: "Kalte Füße vor der Theaterpremiere". Ich muss präzisieren: In diesem Traum war ich kein Schauspieler im eigentlichen Sinne, sondern ein Synchronsprecher. Aufgeführt wurde nämlich ein Theaterstück eines fremdländischen Ensembles, dessen fremdsprachige Zeilen von der Gruppe, der ich angehörte, live übertönt wurden. Das Publikum sah also die Gastspieler agieren und deren Lippen bewegen, hörte aber die hinter den Kulissen eingesprochenen Stimmen der Synchronriege. (Gab/Gibt es etwas derartiges schon?)
Meine Bredouille: Ich war lediglich zur allerersten Probe erschienen, hatte nach einem Blick ins Dialogbuch erkannt, dass meine Rolle nur sehr wenig Text hatte, und war danach aus Blasiertheit nie zu einem der folgenden Treffen gekommen. Erstaunlicherweise war ich nicht ersetzt worden und hatte nun den Salat; insgesamt war mein Part nämlich doch umfangreicher als gedacht, und gerade die Stellen im hinteren Teil hatte ich noch nicht einmal gelesen. (Abermals konnte ich im Traum lesen. Unter anderem fiel mir ein Rechtschreibfehler in meinem Text auf: "Beicht" statt "Bericht".) Die Regisseurin, welche mich an eine Musiklehrerin aus meiner alten Schule erinnerte, beschwor mich zischend, ja keinen Fehler zu machen. Ich markierte meine Zeilen mit einem gelben Marker, sah aber nach einer Weile, dass dieser nichts markierte, sondern alles überfärbte und also unkenntlich machte. Da beschloss ich, dass der Traum zu Ende sei.

Sonntag, 24. Dezember 2017

(Christ-)Kindheitserinnerung

Eines Jahres haben mein Bruder und ich uns gewünscht, dass heuer nicht der Weihnachtsmann, sondern ausnahmsweise das Christkind die Geschenke am Heiligabend bringen möge. Wir hatten im Fernsehen und von den (sehr wenigen uns bekannten) Gleichaltrigen aus christlichen Haushalten von dieser Alternativkreatur erfahren. Tja, und da stand dann halt einfach ein Sack mit Präsenten vor der Tür. Das war vielleicht lame!

Einer Telefonumfrage von 2012 zufolge kommt zu 91% der österreichischen Familien das Christkind! Meine Interpretation: In 91% der österreichischen Familien ist man schlicht zu faul für Schauspiel- und Verkleidungszinnober. Andererseits haben die ja den wunderbaren Krampus.

Samstag, 23. Dezember 2017

Jingle bellum

Ich wollte gerade überprüfen, ob man, so wie man den Text der DDR-Nationalhymne zur Melodie des Deutschlandliedes singen kann und umgekehrt, den Text von "Alle Vögel sind schon da" zur Melodie von "Morgen kommt der Weihnachtsmann" singen kann und umgekehrt (ja, kann man). Dabei habe ich zum ersten Mal den ungeheuerlichen Ursprungstext von "Der Weihnachtsmann" aus dem Jahre 1835 gelesen:

"Morgen kommt der Weihnachtsmann,
Kommt mit seinen Gaben.
Trommel, Pfeife und Gewehr,
Fahn und Säbel und noch mehr,
Ja ein ganzes Kriegesheer,
Möcht’ ich gerne haben."

Was zur Hölle, Hoffmann von Fallersleben? Die zweite Strophe schwingt immerhin ins angenehm Bizarre:

"Bring’ uns, lieber Weihnachtsmann,
Bring’ auch morgen, bringe
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Panthertier,
Roß und Esel, Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge."

Zottelbär und Panthertier! Das dürften sich meine Kinder gerne wünschen. Ich würde natürlich einen mahnenden Vortrag darüber halten, dass Bären und Panther zwar als Jungtiere niedlich und verspielt sein mögen, ausgewachsen aber viel Pflege, Auslauf und Lebendfutter benötigen und dazu neigen, ihre kleinen menschlichen Halter/-innen unbarmherzig zu zerfleischen.
In diesem Sinne ein friedvolles Weihnachtsfest!


Donnerstag, 21. Dezember 2017

Proposals

Vor fünfeinhalb Jahren notierte ich dies:
"Neulich las ich einen Artikel über Heiratsanträge. Die seien ja eigentlich nicht mehr nötig heutzutage, aber es gehöre halt irgendwie dazu blablabla, war die Essenz. Unvermeidlich war in jenem Text das Wort 'Fremdscham'. Und tatsächlich: Ist etwas Peinlicheres vorstellbar als ein Heiratsantrag mit negativem Ausgang? Es ist ja schon unerträglich mitanzusehen, wenn jemand einen 'Korb' bekommt. Ich wurde einmal Zeuge davon, wie ein Kommilitone eine französische Gaststudentin fragte, ob sie mit ihm nach dem Seminar noch etwas trinken gehen möchte. Sie wies ihn ab mit der Entschuldigung, sie fahre am nächsten Tag zurück nach Frankreich. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken."

Methoden, einen Antrag zu machen, gibt es Tausende. Entsprechende Videos gehen regelmäßig "viral". Ich habe mir nach dem Lesen des Artikels im Juni 2012 etwas ausgedacht, das meines Wissens noch nie publikumswirksam ausprobiert worden ist: Wenn man ein wenig nerdig drauf ist, lasse man seine/n hoffentlich gleichgesinnte/n Angebetete/n das Videospiel "Super Mario World" (oder, besser: ein Romhack davon) auf einem Emulator spielen. In einem jener darin vorkommenden markanten Infoboxen bzw. Message Blocks

befindet sich dann, weil man es so "programmiert" hat, die spezielle Frage. Alternativ kann man einen Schriftzug aus Münzen in die Landschaft setzen. Gern geschehen.

Dienstag, 19. Dezember 2017

Das gute Zitat (Doppelausgabe)

"People who make that 'ahhh' sound after taking a sip of their drink. For fuck's sake, you're an adult. What on earth compels you to make that goddamned sound? You did not just swim fifty meters under water, there's absolutely no way that swallowing a tiny sip of liquid left you with no air in your lungs. If you're not gasping for air, then why are you still making that sound? Oh, you want to let me know that you're enjoying that drink. Well, ever considered to simply TELL ME THAT you insipid shitstain?"

"Also, people who put those stupid stick figure family stickers on their cars. Hey, random guy in the SUV ahead of me: I don't know you, and therefore I give two shits about how many people are in your family, nor do I care to see them individually represented in stick figure form. What do you want, some kind of cookie for reproducing? Congratu-fucking-lations, asshole, you plowed the putrid depths of your wife's womanhood enough times to impregnate her. You are truly a Prometheus in your unique reproductive abilities. Fuck off." 

----- aus dem inzwischen in den Untiefen des Forenarchivs von "Something Awful" versunkenen Threads "Trivial Things That Unreasonably Enrage You"

Montag, 18. Dezember 2017

Berichte aus der groben Stadt (5)

"Bitte einmal 'Die fliegenden Jedis' ohne Ton."
"Originalton?"
"Nein, ohne Ton."
"Das gibt's hier nicht."
"Na gut, dann zwei Ohrenpfropfe mit dazu."
"Gerne."

[...]

"Guten Tag, zwei Tickets für 'Die nervigen Figuren 8', aber ohne Ton."
"Ha, gerade eben wollte auch jemand ohne Ton haben! Da drüben steht er n-- ... Ach nee, jetzt isser weg und an seinem Platz steht ein Emu. Das ist ja seltsam."
"Was genau finden Sie seltsam: dass schon jemand nach 'ohne Ton' gefragt hat, dass dieser Mensch verschwunden ist oder dass an seiner Stelle ein Emu steht?"
"Das mit dem Emu finde ich circa fünf Prozent seltsamer als die anderen Dinge."
"Okay. Also, bitte zweimal ohne Ton."
"Tut mir leid, ohne Ton hamwa nich'."
"Dann normal."
"Wo ist denn Ihre Begleitung, wenn ich fragen darf?"
"Hier, meine Tochter ... Huch, eben befand sie sich noch neben mir! Jetzt liegt an ihrer Stelle ein Gavial!"
"Gaviale dürfen aber erst ab zwölf in den Film!"
"Woher soll ich denn wissen, wie alt der G--"
"ICH BIN ÄLTER ALS DIE ZEIT."

Samstag, 16. Dezember 2017

Vokabel der Woche

Bis vor wenigen Tagen kannte ich es noch nicht, das Wort robocall. Der US-Präsident habe eine Wahlempfehlung für Roy Moore in Form eines robocalls ausgesprochen, hieß es dann kurz vor der special election in Alabama. Ein "Roboteranruf" ist eine voraufgezeichnete Sprachaufnahme, die quasi als "Festnetz-Spam" in eine große Zahl von Haushalten gespeist wird. Wer also irgendwo in Alabama am vergangenen Montag, dem Tag vor der Wahl, an sein Telefon gegangen ist, weil es klingelte, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Worte vernommen: "Hi, this is President Donald Trump and I need Alabama to go vote for Roy Moore. We’re already making America great again. I’m going to make America safer and stronger and better than ever before. We need that seat. We need Roy voting for us."
Eine gleichermaßen gruselige wie ulkige Vorstellung. Ob es dieses Marketinginstrument in ferner Zukunft auch in Deutschland geben wird? 

Freitag, 15. Dezember 2017

Ich packe meinen Koffer ...

Neulich stellte jemand indirekt "im Social media" die Frage, welche Webseite man auf einer einsamen Insel aufrufen würde, wenn man nur eine einzige Webseite aufrufen könnte. Jemand anders nannte als Reply meine Webseite: Kybersetzung! Da hab ich mich vielleicht gefreut. Gefreut habe ich mich auch über die Frage an sich, denn schon lange hatte ich mir überlegt, für welche Seiten ich mich entscheiden würde, dürfte ich bis zum Ende aller Tage nur noch Stücker drei lesen. Es wären dies:
1. der Forenbereich von "Something Awful". Auch wenn die Community ihre goldenen Zeiten hinter sich gelassen hat (denn das Forum als Diskussionsplattform ist nun mal am Aussterben), ist dort immer noch sehr viel los. Zu allen erdenklichen Themen wird sich pointiert, niveauvoll und konstruktiv ausgetauscht (unter legendär totalitaristischer Moderation). In letzter Zeit schaue ich leider fast nur noch in das "Post Your Favorite"-Subboard, u.a. in den Thread "PYF Macros & Memes", wo seit gut einem Jahr fast ausschließlich Simpsons-Shitposting und Loss edits zu finden sind, doch genau das braucht es manchmal, um mir den Tag aufzuhellen. Die 10 US-$, die ich vor zig Jahren für die Premiumfunktionen (Schreibrechte, Archivzugriff, Suche) gezahlt habe, waren unbestreitbar eine meiner klügsten Investitionen!  
2. Cracked.com. "America's Only Humor Site" ist lehrreich, unterhaltsam und supernerdy, schlägt seit einiger Zeit aber auch ernstere Töne an ("5 Things You Learn Being Attacked By The Alt-Right"; "6 Things You Learn As A Guy With An Eating Disorder"). Liest man an einem Tag nur einen Artikel, dann hat man an diesem Tag mindestens einmal gelacht und mindestens eine neue Sache gelernt.
3. "TV Tropes". Fast bedrohlich wirkt das Motto dieser Datenbank: "The all-devouring pop-culture wiki". Verschlungen wird hier vor allem die Lebenszeit der Lesenden. O Gott, wie oft wollte ich "nur mal eben was nachschlagen" und fand mich zwei Stunden später vor zehn offenen Tabs, nicht aufhören könnend, Querverweisen zu folgen und Hintergründe zu diesem und jenem auf Wikipedia ("the other wiki", wie sie hier genannt wird) zu recherchieren. 
Aber Wikipedia darf ich ja gar nicht in meinen virtuellen Koffer packen, denn die Höchstgrenze ist hiermit erreicht. (Interessant, dass meine Lieblingsseiten alle englischsprachig sind. Das ist reine Geschmackssache und soll nicht heißen, dass ich das deutschsprachige Internet als langweilig und belanglos abtue. Zumal von "TV Tropes" sogar eine deutsche Version im Aufbau ist.)

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Der Pate – Teil II

Ich bin nicht nur Pate einer Scheibenanemone im Frankfurter Zoo, sondern seit kurzem auch Pate einer Pfeife in der neuen Orgel der Kasseler Martinskirche. Es handelt sich um ein Kollegengeschenk. Gut!


Dienstag, 12. Dezember 2017

Ich hatte Glück (und fand's so lala)


Seit Monaten werde ich aus den Brotaufstrichregalen verschiedener Supermärkte heraus aufs Infamste provoziert. Das Wort "Glück", dazu noch in dieser Schriftart und in Kombination mit dem stilisierten Herzen untendrunter, löst in mir pure Wut aus! Vielleicht könnte mich der Inhalt eines solchen Glases milde stimmen?, sinnierte ich kürzlich und gab nach: Ich kaufte ein Glas "Glück"-Erdbeermarmelade. Das Besondere daran ist der Fruchtanteil, der sage und schreibe 70% beträgt. Ein wesentlich intensiveres Geschmackserlebnis, als es andere Sorten oder Mutters Selbstgemachte bieten, hatte ich trotzdem nicht. (Nebenbei bemerkt: Feiner als Erdbeermarmelade mit Stückchen und solche ohne Stückchen ist, weil ein Mittelding aus beiden, Erdbeerpüree.) 200 Gramm Glück kosten 2,49 Euro.

Montag, 11. Dezember 2017

Was ich mache, wenn ich nicht blogge


Hier zu sehen: sämtliche Titanic-Ausgaben, an denen ich als Teil der Redaktion mitgewirkt habe. Ob ich die Regal-Etage noch vollmache? Wahrscheinlich nicht ganz, aber ich denke, "da geht noch was" (Joach. Gauck). Smiley!

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Berichte aus der groben Stadt (4)

"Abschließende Diagnose: Überdosis Morphin" schrieb die Pathologin nach dem Ende der Obduktion auf das Whiteboard. 'Ach ja', dachte sie traurig, 'das ist die unschöne Seite meines Berufs ...' Fürwahr, der schwarze Marker verursachte auf der Tafel ein ganz und gar gänsehauterregendes Ekelgeräusch. Doch dann erinnerte sich die Medizinerin an die schöne Seite ihres Berufs, nämlich dass die Patienten niemals nervten. Schmunzelnd zog sie sich um und ging in die Kantine, wo sie sich einen Teller Geschnetzeltes und als Nachtisch ein Stück Mohnkuchen gönnte.

Montag, 4. Dezember 2017

Die Rückkehr des Kybermontags

Jaistdenndasdiemöglichkeit dot com? Der Kybermontag, zuerst und -letzt im Advent 2014 begangen, erlebt seine Wiederauferstehung! Weil ich einfach zu gerne gebe.* Und fast genau so gerne ausmiste.
* Die Leute scheinen meiner Erfahrung nach weniger gerne zu nehmen, als man meinen möchte. Letztes oder vorletztes Jahr habe ich meine Facebookfreunde dazu aufgerufen, ihre Amazon-Wunschlisten zu posten, damit ich sie mit einer kleinen Wichtelei "überraschen" könnte. Die Resonanz war bescheiden. Jetzt also bitte mitmachen: Schreibt mir in die Kommentare oder per Mail, was ihr gerne haben möchtet, und das bekommt ihr dann zugeschickt (bei mehreren "Bewerbungen" für ein Objekt entscheidet die Sympathie). Teil 1: Film & Fernseh.


Anmerkungen:
1) BluRay "Scott Pilgrim vs. The World", UK-Version, Collector's Edition. Ich war sehr enttäuscht von dieser Graphic-Novel-Verfilmung, die ich mir als geekigere Version von "Kick-ass" vorgestellt hatte. Äh, ich meine natürlich: WOW, was für ein launiges Actionfeuerwerk! Das sollte in keiner Sammlung fehlen!
2) BluRay "Firefly", die komplette Serie. Ich war sehr enttäuscht von dieser Zukunftswesternserie, die ich mir als schmutzige Desperado-SciFi ohne Aliens vorgestellt hatte. Warum hält alle Welt Joss Whedon für das Genie, das er ganz offensichtlich nicht ist? (Ausnahme: "Buffy". "Buffy" ist wirklich brillant.) I'm really selling it, aren't I?
3) DVD "Mystery Team" (Achtung, Regionalcode 1 / USA!). Hier endlich ein Schatz: Das ist die lustigste unbekannte Teenie-Komödie, die ich je gesehen habe. Es geht um ein Junior-Detektivtrio, das eigentlich schon viel zu alt ist, um noch Scooby-Doo-mäßig triviale Kriminalfälle zu lösen ... und darin liegt auch schon der ganze Witz, den man nach zweimaligem Sehen auch verstanden hat. Von und mit Multitalent Donald Glover ("Community") sowie in Nebenrollen einer Reihe bekannter Comedygesichter wie Ellie Kemper, Aubrey Plaza und Bobby Moynihan.
4) DVD "The Dark Knight". Der zweite Teil einer Trilogie um den Superhelden "Batman" von einem gewissen Christopher Nolan.
Fortsetzung folgt!

Sonntag, 3. Dezember 2017

So obskur sind diese 26 Kreuzworträtsel-Lösungen!

  • Kettfaden: Chaine
  • Fischragout: Matelote
  • grüner Wandteppich: Verdure
  • Borstenhaar: Seta
  • chinesische Laute: Pipa
  • Segelboot mit zwei Masten: Ketsch
  • einzelner Strang eines Taus: Kardeel
  • Pachtgut: Meierei
  • viereckiger Behälter: Kasten
  • Vertiefung auf einer CD: Pit
  • Orgelregister: Sordun
  • Zierstrauch: Astilbe
  • steifes Gewebe: Glasbatist
  • lateinamerikanischer Tanz: Raspa
  • ital. Fingerspiel: Mora
  • Strauch an Moorrändern: Gagel
  • Öffnung im Schiffsheck: Koker
  • Kartoffelerntegerät: Roder
  • Blätter der Kassie: Senna
  • arabische Oboe: Zurna
  • Ordenstracht: Habit
  • Rundbild in der Florentiner Kunst: Tondo
  • Karpfenfisch: Zärte
  • Werkzeuge: Knarren
  • Kristallflächen: Domen
  • langgestreckte Meeresbucht: Ria

Freitag, 1. Dezember 2017

Mit den Tagen durchs Jahr

Kauf-/Geschenktipp für zwischendurch: der "Calendar of Obscure Holidays 2018" von "The Nib" (bekannt aus diesem Blog). Weil der Mensch ja nicht nur einen Tages-, sondern auch einen Monatskalender braucht. Und in diesem hier sind die abseitigsten Gedenktage, die es tatsächlich gibt, eingetragen und (zumindest zwölf davon) von unterstützenswerten Zeichnerinnen und Illustratoren bildlich veranschaulicht. Wenn man den Kalender jetzt bei Topatoco bestellt, kommt er noch dieses Jahr an!

Im Januar wird der Luftpolsterfolienwertschätzungstag gefeiert (Spoiler!)

Donnerstag, 30. November 2017

Kurz notiert: Abreißrätsel

Ich möchte mich nicht über alles lustig machen, was mir mein im Grunde ja doch geliebter Tageskalender jeden Morgen vorsetzt. So manchen Haushaltstipp, "Was geschah vor 200 Jahren?"-Fakt oder Pflanzensteckbrief weiß ich ganz unironisch zu schätzen. Von Zeit zu Zeit gibt es auch Wissensfragen wie zum Beispiel "Welche Publizistin schrieb eine Biografie über Romy Schneider?" oder "Mit wem ist Steffi Graf seit 2001 verheiratet?". Diese Fragen erscheinen jedoch nicht in einer Rubrik namens "Quiz" oder "Hätten Sie's gewusst?", sondern unter der Überschrift "Rätsel-Raten". Das scheint mir unpassend. Denn wer eine Biografie über Romy Schneider geschrieben hat, lässt sich durch Nachdenken, Knobeln und Kombinieren nicht herausfinden. Entweder man weiß es oder nicht. "Raten" im Sinne von "ins Blaue hinein eine Antwort tippen" kann man natürlich, aber ist ein Quiz eine Spezialform des Rätsels im engeren Sinne? Meiner Definition nach nicht.
Davon abgesehen finde ich die Entscheidung der Redaktion, die Steffi-Graf-Frage in ihren Kalender zu nehmen, mehr als kühn. Promipartnerschaften, und wirken sie auch noch so gefestigt, sind nicht vorm Scheitern gefeit. In der Zeit zwischen der In-den-Druck-Gabe des Abreißkalenders und dem Erscheinen des "Rätsels" (in diesem Fall 29.11.2017) vergehen mehrere Jahre – eine Mutmaßung, die dadurch gestützt wird, dass der diesjährige 31.10. a.a.O. als "teilweiser Feiertag" ausgewiesen war, wo doch spätestens 2015 festgestanden hatte, dass der 500. Jahrestag der lutherischen Reformation bundesweit ein Feiertag sein würde –, in denen einer Ehe wer weiß was widerfahren kann: Scheidung, Annullierung, Todesfall! Aber so ist's (Stand: 30.11.2017) ja doch nicht gekommen, und Steffi Graf ist immer noch mit Andre Agassi (das war btw die Lösung) zusammen.

Mittwoch, 29. November 2017

Berichte aus der groben Stadt (3)

"Uuuuund Augen auf!"
"..."
"Na?"
"Was ..?"
"Was 'was'? Wie gefällt Ihnen Ihr neues Wohnzimmer?"
"Was ist denn das?"
"Frisch gestrichene Wände in Ihrer Wunschfarbe!"
"Aber die Wände sind knallrot! Ich wollte Eierschale!"
"Ja, klar. Die Farbe von Eiern zu Ostern, wo man die Schale färbt. Ich dachte, ich soll meiner Fantasie freien Lauf lassen, und habe mich für Rot entschieden."
"Sie unverschämter, gerissener, wunderschöner Hund!"
"Hehe."
"Und jetzt raus, bevor ich die Inneneinrichter/-innen-Innung Innsbruck rufe!"
"Die InnInnInnInn? Alles, bloß das nicht!"

Montag, 27. November 2017

Neues aus der Offenbacher Anthologie

Die folgenden Gedichte nebst Interpretationen sind die Parodie einer Parodie. Ich schrieb sie irgendwann zwischen 2010 und 2011 als Weiterspinnung von Thomas Gsellas unnormal komischer "Offenbacher Anthologie", welche freilich an die "Frankfurter Anthologie" der FAZ angelehnt war und die als preiswert zu bekommende Sammelausgabe (Ullstein-Taschenbuch "Warte nur, balde dichtest du auch", 2010) sich zuzulegen ich dringend empfehle. 


PEER FETTPO
ALLE KINDER (AUSZUG)

Alle Kinder amüsieren sich beim Faschingsfest, außer Betty, die stanzt Konfetti.
Alle Kinder tragen Seitenscheitel, außer Ronny, der hat 'nen Pony.
Alle Kinder atmen tief ein, außer Lars, der hat SARS.
Alle Kinder betreiben Wintersport, außer Bob, der ist der Bob.
Alle Kinder efreuen sich am Sex, außer Elfriede, die ist frigide.
Alle Kinder sind stark behaart, außer Max, der benutzt Wachs.
Alle Kinder haben normale Namen, außer Tankred-Olk.
Alle Kinder bleiben unvereidigt, außer Sören, der muß schwören.
Alle Kinder sind da, außer Jack, der ist weg.
Alle Kinder fahren mit der Kutsche, außer Nadine, die muß zieh'n.

Es bedarf nicht immer eines Maikäfernestes im Lehrerbett oder einer Morddrohung auf der Facebook-Pinnwand um zu erkennen, daß Kinder grausam sind. Auf schmerzliche Weise erfahren mußte dies der neunjährige Peer Fettpo, der wegen seines Namens über Monate hinweg von seinen MitschülerInnen der Benjamin-Blümchen-Grundschule in Gifhorn gehänselt wurde. "Alle Kinder laufen Schlittschuh / außer Peer, der ist zu schwer", hörte er Tag für Tag aus den Mündern der Unmündigen. Als der bösartige Spruch eines Morgens in großen gelben Kreidelettern auf der Schiefertafel prangte, riß Peer der Geduldsfaden. Da sein Vater den heimischen Waffenschrank jedoch gut abgeschlossen hatte, griff der Junge zur Macht des Wortes und schlug mit dem Füllfederhalter zurück. Über jeden einzelnen Schüler, jede einzelne Schülerin verfaßte er einen den jeweiligen Namen aufs Korn nehmenden Reim. Selbst exotische Vornamen verstand er aufs vorzüglichste einzuarbeiten (Beispiel: "Alle Kinder machen eine Autopsie / außer Trish, die liegt auf'm Tisch."). Innerhalb einer Nacht entstand so eine Sammlung von Zweizeilern – streng in der Form, gewitzt und zielsicher im Inhalt –, die demnächst als dreiseitiges Heftchen bei Luchterhand aufgelegt wird, Titel: "Alle Kinder der Klasse 3b sind doff! [sic]" Eine Frage stellt sich allerdings: Warum bleibt eine einzelne Schülerin in dem Peer'schen Gedichtsammelsurium unerwähnt? Handelt es sich um seine heimliche Angebetete? Oder ist "Silvia" einfach nur beschissen schwer auf irgendwas zu reimen?
CARMEN THOMAS

WILFRIED MAIER
STADTSZENE

Am Springbrunnen sitzt eine Gurke Teenies, trinkt Brief, Bier
Omas und Opas und Omas kaufen am und ein zu
Auf der Fußgängerzange steht ein Bettler und streicht Leierkasten
Hochbetrieb auch am Kirflu, bangert ransch!
Motorradfahrer mit Schiffschrauben Hemdknopf Schneewittchen
Wer will nicht mit ins Pfandhaus, am Neumond acht mal klopfen, Lar?

Als die Brüder Alfred und Wilfred im Juli 1998 ihren gemeinsamen Abenteuerurlaub in Vanuatu antreten, ahnen sie noch nicht, daß sich damit ihrer beide Leben grundsätzlich verändern werden. Fasziniert von den rituellen Spielen der indigenen Bevölkerung können sie einen Stammesoberen dazu überreden, sie bei dem sogenannten Naghol mitmachen zu lassen, einer extremen Vorform des Bungeespringens, bei welcher der Springer – mit den Füßen an eine Liane gebunden – mit dem Kopf auf der Erde aufschlagen muß. Alfred springt zuerst, rollt sich elegant ab, erntet Applaus von den Zuschauern. Auch Wilfred wird für seinen Jump gelobt, als er nach kurzer Benommenheit wieder aufsteht. Was niemand sehen kann, ist, daß der 40jährige ein massives Hirntrauma erlitten hat, das sich allerdings "nur" in einer sogenannten Wernicke-Aphasie manifestiert. Bei dieser Sprachstörung vertauscht der Patient beim Sprechen Laute, Silben oder Lexeme und erfindet zum Teil neue Wörter, ohne davon selbst etwas zu merken. Seinem Bruder fällt Wilfreds Leiden erst am Abend auf, als dieser an der Cocktailbar einen "Margarina mit Zitronenglas und Tapeten zum Lachen" bestellt. Doch Alfred wäre nicht der lebenslustige Schmunzelfex, als den man ihn kennt, wenn er aus der Situation nicht das Beste zu machen verstanden hätte. Noch im selben Jahr beginnt er, sämtliche Wortschwälle des Bruders mitzuschneiden und zu transkribieren. Es entsteht eine faszinierende Sammlung ungebändigten Gedankenflusses, in wirrer Sprache, doch oft mit erstaunlich tiefem, ja unheimlichem Sinn. "Der Trapp leckt" ist bei Chapman & Hall erschienen, faßt 1059 Seiten und kostet 39,99 €.
CLAUS KLEBER

Donnerstag, 23. November 2017

Mittwoch, 22. November 2017

Exklusiv: VIP-News brisant wie nie!

Die "Panorama"-Seite der Süddeutschen Zeitung widmet ihre tägliche Promispalte heute zur Gänze Boris Becker – anlässlich dessen 50. Geburtstag. Unter anderem erfährt man, dass seine Tochter Anna Ermakowa "genaue Vorstellungen von ihrem zukünftigen Traummann" hat: "'Was mir wichtig wäre, sind Ehrlichkeit, Freundlichkeit, und er muss mich zum Lachen bringen', sagte das Nachwuchsmodel dem britischen Magazin You." WOW!
Das kommt vom Sensationsgehalt jedoch nicht an die Meldung heran, die ich am 7.2.2003 in meiner Lokalzeitung vorfand: "Heike Makatsch hat es offen ausgesprochen: Sie findet die Unterlippe von Hugh Grant zu dünn." Erst sieben Jahre später, am 9.3.2010, stieß ich auf eine ähnlich festhaltenswerte Nachricht: "Sophia Loren findet ihre Lippen zu dunkel." Das hat zwar ebensowenig mit Boris Becker zu tun wie das Makatsch'sche Lippenbekenntnis, ist aber auch schon wieder sieben Jahre her und damit reif für eine Wiederveröffentlichung; ich möchte mir diese ganzen Notizen schließlich nicht umsonst gemacht haben!

Dienstag, 21. November 2017

Berichte aus der groben Stadt (2)

Über der vielbefahrenen Straße hatten sie ein Transparent aufgehängt: "Runter vom Gas – Schulanfang". Erst in einem halben Jahr würde es ausgetauscht werden: "Ferienzeit. Jetzt bitte wieder in der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fahren!" Die ABC-Schützen tollten unbedarft darunter hinweg. "Was steht'n da? Da geht's doch bestimmt um uns", mutmaßten einige von ihnen angesichts der stilisierten Kinder auf dem verkehrserzieherischen Banner. Da, ein Ball!

Samstag, 18. November 2017

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme (Spätsommer/Herbst '17)

Blair Witch 
"The Blair Witch Project" von 1999 gilt als Meilenstein sowohl im Horrorgenre als auch in der Filmerfahrungsbiographie einer ganzen Generation. Mit Minibudget und ohne Dialogbuch gedreht, war es Vorreiter der heute überstrapazierten Gattung des "Found footage" und obendrein eine der ersten Produktionen, die das noch junge Internet nutzte, um "viral" zu gehen, wie man damals noch nicht sagte. Ich kann wahrheitsgemäß und mit Stolz behaupten: Ja, ich war dabei, habe mich im Kinosaal gegruselt wie später höchstens noch bei "The Ring" (dazu etwas beim nächsten Mal!).
17 Jahre später versucht Regisseur Adam Wingard, das Franchise wiederzubeleben, und schickt abermals eine Gruppe von Teenagern in den Wald, die mit (alter und neuer) Kameratechnik auf Hexenjagd geht. Die naheliegenden Zweifel stellen sich als durchweg gerechtfertigt heraus: Die ursprüngliche Subtilität fehlt, nichts bleibt im Vagen, alles ist over the top. Wurde meine Angstlust trotzdem befriedigt? Ja.  

Predestination
Eine echte Achterbahnfahrt. Ich beginne voller Vorfreude mit dem Schauen, weil ich (lediglich) weiß, dass es um Zeitreisen geht; nach einer halben Stunde denke ich so: 'Hm, die halten sich ein bisschen zu lange mit dem persönlichen Background der Hauptfigur auf. Sind die sicher, was sie da tun?'; beim Abspann dann: pures Geflashtsein, weil die ganze Erzählung in sich "Sinn" ergibt, keine Sekunde war verschwendet, alles fügt sich zusammen. Hier liegt die Betonung von "Zeitreisedrama" eindeutig auf "Drama".

Being Charlie - Zurück ins Leben
Dieses Drama hingegen hat mich kalt gelassen. Die Charaktere, allen voran der im Zentrum der Geschichte um Drogenentzug und Heranwachsen stehende Charlie, sind einem mangels Sympathie einfach völlig wurscht.

The Circle
Ich fasse mich kurz, bevor ich mich in Rage schreibe: "The Circle" ist eine der miesesten Literaturverfilmungen, die ich je gesehen habe. Die Vorlage habe ich nicht gelesen; wie ich hörte, weicht sie in einigen Punkten vom Film ab, doch da der Autor Dave Eggers am Drehbuch mitgeschrieben hat, gehe ich von ähnlich "hoher" "Qualität" aus und spare mir die Lektüre.
Bei "The Circle" handelt es sich um eine hippe und erfolgreiche Techfirma, bei der jede/r eine Anstellung ergattern will. So auch die junge Mae (Emma Watson), der das tatsächlich gelingt, aber wer hätt's gedacht: Die Betriebsatmosphäre hat sektenhafte Züge, das Unternehmen hegt Allmachtsfantasien, und der charismatische Gründer (Tom Hanks) überredet unsere Heldin zu einem Social-Media-Experiment à la "Truman Show", was aber weder satirisch überspitzt wie in genanntem Vorbild ist noch halb so schockierend-eskalierend wie in einer durchschnittlichen Folge "Black Mirror". Das Szenario ist ein paar Jahre in die Zukunft verlegt worden und wirkt dabei gerade wegen der "Echtheit" überhaupt nicht bedrohlich, sondern schlechterdings banal. Richtig unrealistisch sind die Protagonist(inn)en sowie ärgerliche Details wie die dämlichen Smartphone-Töne, die auszuschalten offenbar niemand in dieser ach so futuristischen Umgebung in der Lage ist. Hinzu kommen Entscheidungen wie jene, den seelischen Zustand von Maes bester Freundin mit Holzhammer-Kostüm- und Make-up-Veränderungen deutlich zu machen, weil man dem Schauspieltalent von Karen Gillan nicht vertraute. Auch sind sämtliche für "The Circle" arbeitenden Personen asexuell. 
Ach, jetzt habe ich doch viel mehr geschrieben, als ich vorhatte ...

Life
Nachdem mich der Trailer zum Gähnen gebracht hatte, war ich von diesem klaustrophobischen Sci-Fi-Schocker dann doch angetan. Sicher: Dass die "Alien"-Reihe Pate gestanden hat, merkt man dem Ergebnis von vorne bis hinten an – egal. Er hat mich mit seiner konsequenten Düsternis sogar mehr gepackt als "Covenant", was gewiss auch an dem hervorragenden Soundtrack lag. Und was für ein Schluss!

The Book of Henry
Teils vernichtende Kritiken musste dieser Genrespagat zwischen Tragödie, Thriller und Kinderfilm einstecken. Wahrscheinlich sind die tonale Unentschiedenheit und die drastische Kehrtwende in der Mitte des Films der meisten Kritiker Sache nicht. Den Vorwurf, dass man gewisse Themen (ich verrate aus Spoilervermeidungsgründen nicht, welche) zu leichtfertig behandele, lasse ich gelten. Allein, wenn es ein Werk der Fiktion schafft, mich zum Weinen zu bringen, sehe ich über dramaturgische Schwächen und inhaltliche Unzulänglichkeiten hinweg (wegen der Tränen auf der Netzhaut). Zumal mit Naomi Watts und Jaeden Lieberher ("Es") zwei perfekte Rollenbesetzungen gelungen sind.

Abgang mit Stil (OT: Going in Style)
Drei Freunde (darunter Morgan Freeman und Michael Caine), die fast alles verloren, aber nichts mehr zu verlieren haben, beschließen, sich an ihrer Hausbank zu rächen, und planen einen Überfall. Was nach einer simpel gestrickten Klamotte klingt, macht am Ende wirklich Spaß. Ein warmherzig gezeichnetes Ensemble und höchst erfreuliche Nebenrollen heben diese temporeiche Heist-Comedy über den Durchschnitt. Regie: Zach Braff.

Jürgen - Heute wird gelebt
Sozusagen in der Drittverwertung durfte Heinz Strunks zweites Ich Jürgen Dose neulich via öffentlich-rechtlichem Auftritt seinen Bekanntheitsgrad abermals steigern. Gott sei dank wurde Jürgen von seinem Schöpfer verkörpert; wenigstens einer wusste also, was er tat. Die anderen Schauspieler erschienen mir heillos überfordert, besonders David Bredin als "EuropLove"-Mitreisender "Knüppel" und der eigentlich stets zuverlässige Charlie Hübner in der Rolle des Bernd Würmer. Möglicherweise habe ich den "Jürgen"-Kosmos anhand der vorangegangenen Hörspiele zu sehr verinnerlicht, um die TV-Variante nicht befremdlich zu finden. Sei's drum. Schön, dass die ARD für so etwas Geld locker macht. 

Mord im Orient-Express (1974)
Ohne zu wissen, dass bald ein Remake in die Kinos kommt, habe ich mir den Klassiker von Sidney Lumet angeschaut, um eine weitere Bildungslücke zu schließen. Wie dieser Agatha-Christie-Krimi ganze sechs Oscar-Nominierungen erhaschen konnte, kann ich leider nicht nachvollziehen. Gerade Albert Finney als Hercule Poirot wirkt, als würde er sich hinter seinem Bart und seinem albernen Akzent verstecken, man nimmt ihn weder ernst noch ist man geneigt, ihn zu unterschätzen. Auch strahlt das zweistündige Kammerspiel eine seltsame filmhistorische Uneinordenbarkeit aus, es hängt irgendwo zwischen Old und New Hollywood, die Eröffnungssequenz zum Beispiel passt überhaupt nicht zum Rest. Die Auflösung hat mich gleichzeitig erstaunt und enttäuscht.

Kind 44
Die zweite Arbeit des "Life"-Regisseurs Daniel Espinosa in dieser Aufzählung. Ein beklemmendes Suspense-Stück über Kindermorde in Stalins Sowjetunion mit Tom Hardy. Mehr fällt mir dazu nicht ein, weswegen ich ausnahmsweise Zahlen sprechen lasse: 6/10.

Donnerstag, 16. November 2017

Berichte aus der groben Stadt (1)

Ein Mann bekommt – wie das halt so üblich ist – tagtäglich auf Facebook Freundschaftsanfragen von ganz offensichtlich nichtmenschlichen Betrugsprofilinhaberinnen, meist amerikanisch anmutende Namen mit drei Bestandteilen. Einer dieser Namen kommt ihm derart lächerlich und eindeutig fake-accountig vor, dass er die Anfrage dieser "Person" aus Quatsch bestätigt: Sandy Hottie69 Sexmouse. Es stellt sich heraus, dass die Dame mit diesem Namen tatsächlich existiert und wirklich so heißt. Die beiden chatten ein wenig und beschließen, sich im "real life" zu treffen. 
Bei diesem Treffen muss der Mann überrascht feststellen, dass die junge Dame exakt so aussieht wie auf ihrem (erotischen!) Profilbild, und wie auf jenem ist sie auch jetzt nackt. Zur Begrüßung sagt sie: "Hi, I'm looking for a sex, Semikolon Klammer zu." 
'Unglaublich', denkt der Mann, 'diese Bots werden immer realistischer.'

Mittwoch, 15. November 2017

Die besten Weblogs

Heute: Salon du Fromage. Ja, doch, hm, die Notizen des Herrn Andreas Lugauer könnten allen gefallen, die auch diese meine Gedankendeponie zu schätzen wissen.


Freitag, 10. November 2017

Eine Geschichte aus zwei Ex-Städten

In meinem fortlaufenden Tagebuch- und Weltbeobachtungsdokument befindet sich eine Notiz aus dem Anfang des Jahrzehnts, der zufolge zwei Oberlausitzer Gemeinden für den 1.1.2011 eine Fusion ankündigten: Ebersbach und Neugersdorf. Die neue Stadt solle allerdings nicht Ebersbach-Neugersdorf heißen, da sächsische Ortsnamen maximal 16 Buchstaben lang sein dürfen. Die Stadträte hätten sich deshalb auf den Namen Spreeborn geeinigt; es solle noch eine Stellungnahme einer Namenskommission eingeholt werden (etwas, das es nur in Sachsen gibt).
Doch sucht man heute nach "Spreeborn", stößt man lediglich auf Synonyme für die drei Quellen der Spree. Die neu gegründete Kleinstadt trägt tatsächlich den Namen Ebersbach-Neugersdorf! Wahrscheinlich hat man doch eingesehen, dass allzu viel Veränderung doof ist, und hat sich auf Orte mit Namensungetümen wie Morgenröthe-Rautenkranz oder Limbach-Oberfrohna berufen. Ein Rest Verwaltungschaos herrscht bis heute: In Ebersbach-Neugersdorf gemeldete Kraftfahrzeuge tragen nicht weniger als fünf verschiedene Kennzeichen (GR für Großenhain, LÖB für Löbau, NOL für Niederschlesische Oberlausitz = Landkreis Görlitz, NY für Niesky, WSW für Weißwasser und ZI für Zittau). Herrlich! Wissen muss man außerdem, dass "Neugersdorf" auf der zweiten Silbe betont wird.


Hier zu sehen: ein in diesem Jahrtausend erfundenes Stadtwappen

Mittwoch, 8. November 2017

Ja, ich mag alberne Aufgussgetränke!


Ich sage es frei heraus: Für Heißgetränke mit Süßgebäck-Flavor kann ich mich durchaus erwärmen (mit kochendem Wasser). Als vorweihnachtliches Wunder gibt es nach den Sorten "Caramel Applepie" von Teekanne und "Strawberry Cheesecake" von Meßmer nun auch die Geschmacksrichtung "Zimtschnecke", yeah! Beim Trinken stelle ich mir gerne vor, wie so ein richtiger Teesnob, der nur lose Mischungen gelten lässt und sowieso streng zwischen tea und infusions unterscheidet, der sämtliche Schritte der chinesischen, der japanischen und der ostfriesischen Teezeremonie beherrscht und Matcha-Besen in fünf verschiedenen Größen besitzt, über dieses fabelhafte Produkt die Nase rümpft. Wohl bekomm's!

Sonntag, 5. November 2017

Wochenprospekte-Haul

Kreisch! Swee! Yayyyy! Willkommen zu meinem ersten Haul-Post hier auf Kybersetzung. Ich hatte ja zuletzt viel von dem Werbeprospektpacken erzählt, der jedes Wochenende in meinem Hausflur oder in meinem Briefkasten liegt, und weil der diesmal besonders dick ausgefallen ist, dachte ich mir: Sehen wir uns doch gemeinsam an, was es in der KW 45 so alles im Angebot gibt! ;) 

Vorab: Nachdem die Werbung dreimal in Folge freitags eintraf, erreichte sie mich nun wieder am Samstag! Noch dazu am späten Nachmittag. Hier muss man die Deutsche Post entschieden rüffeln! Nun aber Folie runter, Prospekte ausgepackt. Nicht weniger als zwölf Print-Erzeugnisse sind zu begutachten.


Hier das wichtigste: "Einkauf aktuell" inklusive Fernsehprogramm vom 4. bis 10. November. Auf dem Cover ausnahmsweise keine Altersleiden, sondern eine Pizza-Hut-Anzeige. Müsste es nicht "Wir sind der Pizza Profis!" heißen? Ich glaube, ich habe in diesem Jahrtausend noch nie etwas bei Pizza Hut gegessen.


Anfangs nur eine Notlösung für Last-minute-Einkäufe, da nahe gelegen, ist Tegut für mich mittlerweile ein Ort, den ich gern besuche, weil er neben einem leicht gehobenen Segment regelmäßig echt unschlagbare Schnäppchen zu bieten hat, diese Woche etwa "True Fruits"-Smoothies für sagenhafte 1,59 €, die große Rama für 99 Cent, das Landliebe-Joghurtglas zu 88 Cent und diverse Sorten "Funny frisch"-Chips je 1,39 (wobei Knabbergebäck von "Funny frisch" erfahrungsgemäß scheiße ist). Gut.


Zu Rewe muss ich nicht viel sagen. Es ist der Supermarkt, den ich nicht nur, weil er in Frankfurt eine Quasi-Monopolstellung hat, sondern auch aus Überzeugung am häufigsten frequentiere.
So. An dieser Stelle bin ich in der Regel "durch" und werfe alle anderen Prospekte fort, weil sie mir schlicht nichts nutzen. Let's see ...



In Einrichtungs-/Möbelhäuser und Baumärkte gehe ich eigentlich gerne, nur habe ich kaum Bedarf daran. Zudem wüsste ich nicht mal, wo sich der nächste Poco befindet.


Man muss aufpassen, dass man nicht versehentlich das Rewe-Heftchen entsorgt statt das Rewe-Center-Heftchen! Rewe Center bringt mir einen Dreck! Ich wüsste zwar, wo der nächste City-Rewe ist, aber Rewe Center? Keine Ahnung. Next!


Das ist neu: Staples. War mir bisher nur durch Erwähnungen in amerikanischen Filmen und Serien ein Begriff, jetzt gibt's den also auch auf der Hanauer Landstraße. Interessant, aber: weg damit!


In der Tedi-Filiale in meinem Kiez war ich ein einziges Mal drin, und das hat mich enorm heruntergezogen. Schnell weiter.


Oha, hier kommt das Highlight der Woche und der Beweis dafür, dass es sich lohnt, das Werbebündel allwöchentlich sorgfältigst durchzuchecken: Coupons für den Bäcker Eifler (nur echt mit Artikel!), z.B. zwei Plunderstücke für 2 Euro oder drei Brezeln für 1,50 €. Saugeil!


Eine weitere Konstante ist der Woolworth-Prospekt, den ich tatsächlich hin und wieder eines Blickes würdige. Ein-, zweimal habe ich dort sogar Gegenstände des täglichen Bedarfs erstanden, einmal auch einen Schlafanzug. Allein, dass die Kette immer noch existiert (seit 1879!), sollte man respektieren.


Auch das kriege ich Woche für Woche sinnloserweise vorgesetzt. Selbst wenn ich ein Haustier hätte: Würde ich die rund 7 Kilometer Weg auf mich nehmen für ein paar preisreduzierte Artikel? Vermutlich ja. So aber ist es nur Papierverschwendung. Nebenbei: Penny, Netto, Lidl und Aldi – allesamt in Fußnähe – beehren unser Wohnhaus nie mit (potenziell wirksamen) Prospektlieferungen.


Aha, so so, erstmalig buhlt das Haus Real um meine Aufmerksamkeit und mein Geld. Will da jemand Rewe das Wasser abgraben? Das versucht auch Edeka in dieser Stadt zaghaft – ohne nennenswerten Erfolg, soweit ich weiß. Was ich (abermals) nicht weiß: wo "meine" Real-Filiale überhaupt steht.


Hit. Ich ... ich weiß nicht, was das ist.


Last und sowas von least die unregelmäßig versandte Werbung für den Billigladen Kik. Danke, kein Bedarf.

Na, war das aufregend oder was? Ich hoffe, es hat euch gefallen, und ich konnte euch ein wenig inspirieren. Welche Schätze befördert ihr demnächst aus dem Briefkasten? Schreibt's in die Commies! And don't forget to subscribe! (Ich habe absolut kein Gespür dafür, wie man den richtigen Haul-Ton trifft ...)

Donnerstag, 2. November 2017

Videospieltipp: Virginia

Wieder einmal habe ich einen Vertreter jenes Genres gespielt, das ich eigentlich nicht mehr als "Walking Simulator" bezeichnen mag, auch wenn man in diesem Fall nicht gänzlich daneben liegt, wenn man das Gameplay als "minimalistisch" bis "nicht vorhanden" einstuft. Man klickt sich von Gegenstand zu Gegenstand, von Person zu Person, von Location zu Location, bewegt seine Figur, eine FBI-Agentin, dabei per WASD durch Gebiete, die maximal die Größe eines viertel Fußballfeldes haben, und etwaige Details (z.B. Blumen und Federn; sehr symbolgeladen!) aufzustöbern, bringt nichts außer ein paar Achievements. "Virginia" ist mehr interaktiver Spielfilm denn First-person-Adventure, wofür auch seine Länge spricht: Ich war in zweieinhalb Stunden fertig. Ein besonderer Kniff ist, dass die Geschichte komplett ohne Dialoge abläuft. Untermalt wird das Entführungs-Mystery, das in dem titelgebenden US-Bundesstaat der 1990er spielt, von cinematischer Musik der Prager Symphoniker. Der Look ist grob und im besten Sinne eigenwillig. Über die Handlung möchte ich Stillschweigen bewahren, ich belasse es bei den Stichworten "Twin Peaks" und "Akte X". Das Ende ist denn auch mehr als obskur, man könnte auch "uneindeutig", "ambig", "verwirrend" oder gar "verschwurbelt" sagen; einige, die es gespielt haben, waren regelrecht enttäuscht. Enttäuscht war ich nicht, aber ich hatte hinterher das Bedürfnis nach Interpretationshilfen (die man beispielsweise hier oder hier bekommt – Spoilerwarnung versteht sich von selbst). Fazit: Diese Erfahrung lohnt sich, man sollte allerdings auf den nächsten Steam-Sale warten, denn einen Preis 9,99 € finde ich dann doch ein wenig zu hoch.

(Screenshot von fanboy.com)