Freitag, 10. November 2017

Eine Geschichte aus zwei Ex-Städten

In meinem fortlaufenden Tagebuch- und Weltbeobachtungsdokument befindet sich eine Notiz aus dem Anfang des Jahrzehnts, der zufolge zwei Oberlausitzer Gemeinden für den 1.1.2011 eine Fusion ankündigten: Ebersbach und Neugersdorf. Die neue Stadt solle allerdings nicht Ebersbach-Neugersdorf heißen, da sächsische Ortsnamen maximal 16 Buchstaben lang sein dürfen. Die Stadträte hätten sich deshalb auf den Namen Spreeborn geeinigt; es solle noch eine Stellungnahme einer Namenskommission eingeholt werden (etwas, das es nur in Sachsen gibt).
Doch sucht man heute nach "Spreeborn", stößt man lediglich auf Synonyme für die drei Quellen der Spree. Die neu gegründete Kleinstadt trägt tatsächlich den Namen Ebersbach-Neugersdorf! Wahrscheinlich hat man doch eingesehen, dass allzu viel Veränderung doof ist, und hat sich auf Orte mit Namensungetümen wie Morgenröthe-Rautenkranz oder Limbach-Oberfrohna berufen. Ein Rest Verwaltungschaos herrscht bis heute: In Ebersbach-Neugersdorf gemeldete Kraftfahrzeuge tragen nicht weniger als fünf verschiedene Kennzeichen (GR für Großenhain, LÖB für Löbau, NOL für Niederschlesische Oberlausitz = Landkreis Görlitz, NY für Niesky, WSW für Weißwasser und ZI für Zittau). Herrlich! Wissen muss man außerdem, dass "Neugersdorf" auf der zweiten Silbe betont wird.


Hier zu sehen: ein in diesem Jahrtausend erfundenes Stadtwappen

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