Donnerstag, 30. November 2017

Kurz notiert: Abreißrätsel

Ich möchte mich nicht über alles lustig machen, was mir mein im Grunde ja doch geliebter Tageskalender jeden Morgen vorsetzt. So manchen Haushaltstipp, "Was geschah vor 200 Jahren?"-Fakt oder Pflanzensteckbrief weiß ich ganz unironisch zu schätzen. Von Zeit zu Zeit gibt es auch Wissensfragen wie zum Beispiel "Welche Publizistin schrieb eine Biografie über Romy Schneider?" oder "Mit wem ist Steffi Graf seit 2001 verheiratet?". Diese Fragen erscheinen jedoch nicht in einer Rubrik namens "Quiz" oder "Hätten Sie's gewusst?", sondern unter der Überschrift "Rätsel-Raten". Das scheint mir unpassend. Denn wer eine Biografie über Romy Schneider geschrieben hat, lässt sich durch Nachdenken, Knobeln und Kombinieren nicht herausfinden. Entweder man weiß es oder nicht. "Raten" im Sinne von "ins Blaue hinein eine Antwort tippen" kann man natürlich, aber ist ein Quiz eine Spezialform des Rätsels im engeren Sinne? Meiner Definition nach nicht.
Davon abgesehen finde ich die Entscheidung der Redaktion, die Steffi-Graf-Frage in ihren Kalender zu nehmen, mehr als kühn. Promipartnerschaften, und wirken sie auch noch so gefestigt, sind nicht vorm Scheitern gefeit. In der Zeit zwischen der In-den-Druck-Gabe des Abreißkalenders und dem Erscheinen des "Rätsels" (in diesem Fall 29.11.2017) vergehen mehrere Jahre – eine Mutmaßung, die dadurch gestützt wird, dass der diesjährige 31.10. a.a.O. als "teilweiser Feiertag" ausgewiesen war, wo doch spätestens 2015 festgestanden hatte, dass der 500. Jahrestag der lutherischen Reformation bundesweit ein Feiertag sein würde –, in denen einer Ehe wer weiß was widerfahren kann: Scheidung, Annullierung, Todesfall! Aber so ist's (Stand: 30.11.2017) ja doch nicht gekommen, und Steffi Graf ist immer noch mit Andre Agassi (das war btw die Lösung) zusammen.

Mittwoch, 29. November 2017

Berichte aus der groben Stadt (3)

"Uuuuund Augen auf!"
"..."
"Na?"
"Was ..?"
"Was 'was'? Wie gefällt Ihnen Ihr neues Wohnzimmer?"
"Was ist denn das?"
"Frisch gestrichene Wände in Ihrer Wunschfarbe!"
"Aber die Wände sind knallrot! Ich wollte Eierschale!"
"Ja, klar. Die Farbe von Eiern zu Ostern, wo man die Schale färbt. Ich dachte, ich soll meiner Fantasie freien Lauf lassen, und habe mich für Rot entschieden."
"Sie unverschämter, gerissener, wunderschöner Hund!"
"Hehe."
"Und jetzt raus, bevor ich die Inneneinrichter/-innen-Innung Innsbruck rufe!"
"Die InnInnInnInn? Alles, bloß das nicht!"

Montag, 27. November 2017

Neues aus der Offenbacher Anthologie

Die folgenden Gedichte nebst Interpretationen sind die Parodie einer Parodie. Ich schrieb sie irgendwann zwischen 2010 und 2011 als Weiterspinnung von Thomas Gsellas unnormal komischer "Offenbacher Anthologie", welche freilich an die "Frankfurter Anthologie" der FAZ angelehnt war und die als preiswert zu bekommende Sammelausgabe (Ullstein-Taschenbuch "Warte nur, balde dichtest du auch", 2010) sich zuzulegen ich dringend empfehle. 


PEER FETTPO
ALLE KINDER (AUSZUG)

Alle Kinder amüsieren sich beim Faschingsfest, außer Betty, die stanzt Konfetti.
Alle Kinder tragen Seitenscheitel, außer Ronny, der hat 'nen Pony.
Alle Kinder atmen tief ein, außer Lars, der hat SARS.
Alle Kinder betreiben Wintersport, außer Bob, der ist der Bob.
Alle Kinder efreuen sich am Sex, außer Elfriede, die ist frigide.
Alle Kinder sind stark behaart, außer Max, der benutzt Wachs.
Alle Kinder haben normale Namen, außer Tankred-Olk.
Alle Kinder bleiben unvereidigt, außer Sören, der muß schwören.
Alle Kinder sind da, außer Jack, der ist weg.
Alle Kinder fahren mit der Kutsche, außer Nadine, die muß zieh'n.

Es bedarf nicht immer eines Maikäfernestes im Lehrerbett oder einer Morddrohung auf der Facebook-Pinnwand um zu erkennen, daß Kinder grausam sind. Auf schmerzliche Weise erfahren mußte dies der neunjährige Peer Fettpo, der wegen seines Namens über Monate hinweg von seinen MitschülerInnen der Benjamin-Blümchen-Grundschule in Gifhorn gehänselt wurde. "Alle Kinder laufen Schlittschuh / außer Peer, der ist zu schwer", hörte er Tag für Tag aus den Mündern der Unmündigen. Als der bösartige Spruch eines Morgens in großen gelben Kreidelettern auf der Schiefertafel prangte, riß Peer der Geduldsfaden. Da sein Vater den heimischen Waffenschrank jedoch gut abgeschlossen hatte, griff der Junge zur Macht des Wortes und schlug mit dem Füllfederhalter zurück. Über jeden einzelnen Schüler, jede einzelne Schülerin verfaßte er einen den jeweiligen Namen aufs Korn nehmenden Reim. Selbst exotische Vornamen verstand er aufs vorzüglichste einzuarbeiten (Beispiel: "Alle Kinder machen eine Autopsie / außer Trish, die liegt auf'm Tisch."). Innerhalb einer Nacht entstand so eine Sammlung von Zweizeilern – streng in der Form, gewitzt und zielsicher im Inhalt –, die demnächst als dreiseitiges Heftchen bei Luchterhand aufgelegt wird, Titel: "Alle Kinder der Klasse 3b sind doff! [sic]" Eine Frage stellt sich allerdings: Warum bleibt eine einzelne Schülerin in dem Peer'schen Gedichtsammelsurium unerwähnt? Handelt es sich um seine heimliche Angebetete? Oder ist "Silvia" einfach nur beschissen schwer auf irgendwas zu reimen?
CARMEN THOMAS

WILFRIED MAIER
STADTSZENE

Am Springbrunnen sitzt eine Gurke Teenies, trinkt Brief, Bier
Omas und Opas und Omas kaufen am und ein zu
Auf der Fußgängerzange steht ein Bettler und streicht Leierkasten
Hochbetrieb auch am Kirflu, bangert ransch!
Motorradfahrer mit Schiffschrauben Hemdknopf Schneewittchen
Wer will nicht mit ins Pfandhaus, am Neumond acht mal klopfen, Lar?

Als die Brüder Alfred und Wilfred im Juli 1998 ihren gemeinsamen Abenteuerurlaub in Vanuatu antreten, ahnen sie noch nicht, daß sich damit ihrer beide Leben grundsätzlich verändern werden. Fasziniert von den rituellen Spielen der indigenen Bevölkerung können sie einen Stammesoberen dazu überreden, sie bei dem sogenannten Naghol mitmachen zu lassen, einer extremen Vorform des Bungeespringens, bei welcher der Springer – mit den Füßen an eine Liane gebunden – mit dem Kopf auf der Erde aufschlagen muß. Alfred springt zuerst, rollt sich elegant ab, erntet Applaus von den Zuschauern. Auch Wilfred wird für seinen Jump gelobt, als er nach kurzer Benommenheit wieder aufsteht. Was niemand sehen kann, ist, daß der 40jährige ein massives Hirntrauma erlitten hat, das sich allerdings "nur" in einer sogenannten Wernicke-Aphasie manifestiert. Bei dieser Sprachstörung vertauscht der Patient beim Sprechen Laute, Silben oder Lexeme und erfindet zum Teil neue Wörter, ohne davon selbst etwas zu merken. Seinem Bruder fällt Wilfreds Leiden erst am Abend auf, als dieser an der Cocktailbar einen "Margarina mit Zitronenglas und Tapeten zum Lachen" bestellt. Doch Alfred wäre nicht der lebenslustige Schmunzelfex, als den man ihn kennt, wenn er aus der Situation nicht das Beste zu machen verstanden hätte. Noch im selben Jahr beginnt er, sämtliche Wortschwälle des Bruders mitzuschneiden und zu transkribieren. Es entsteht eine faszinierende Sammlung ungebändigten Gedankenflusses, in wirrer Sprache, doch oft mit erstaunlich tiefem, ja unheimlichem Sinn. "Der Trapp leckt" ist bei Chapman & Hall erschienen, faßt 1059 Seiten und kostet 39,99 €.
CLAUS KLEBER

Donnerstag, 23. November 2017

Mittwoch, 22. November 2017

Exklusiv: VIP-News brisant wie nie!

Die "Panorama"-Seite der Süddeutschen Zeitung widmet ihre tägliche Promispalte heute zur Gänze Boris Becker – anlässlich dessen 50. Geburtstag. Unter anderem erfährt man, dass seine Tochter Anna Ermakowa "genaue Vorstellungen von ihrem zukünftigen Traummann" hat: "'Was mir wichtig wäre, sind Ehrlichkeit, Freundlichkeit, und er muss mich zum Lachen bringen', sagte das Nachwuchsmodel dem britischen Magazin You." WOW!
Das kommt vom Sensationsgehalt jedoch nicht an die Meldung heran, die ich am 7.2.2003 in meiner Lokalzeitung vorfand: "Heike Makatsch hat es offen ausgesprochen: Sie findet die Unterlippe von Hugh Grant zu dünn." Erst sieben Jahre später, am 9.3.2010, stieß ich auf eine ähnlich festhaltenswerte Nachricht: "Sophia Loren findet ihre Lippen zu dunkel." Das hat zwar ebensowenig mit Boris Becker zu tun wie das Makatsch'sche Lippenbekenntnis, ist aber auch schon wieder sieben Jahre her und damit reif für eine Wiederveröffentlichung; ich möchte mir diese ganzen Notizen schließlich nicht umsonst gemacht haben!

Dienstag, 21. November 2017

Berichte aus der groben Stadt (2)

Über der vielbefahrenen Straße hatten sie ein Transparent aufgehängt: "Runter vom Gas – Schulanfang". Erst in einem halben Jahr würde es ausgetauscht werden: "Ferienzeit. Jetzt bitte wieder in der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fahren!" Die ABC-Schützen tollten unbedarft darunter hinweg. "Was steht'n da? Da geht's doch bestimmt um uns", mutmaßten einige von ihnen angesichts der stilisierten Kinder auf dem verkehrserzieherischen Banner. Da, ein Ball!

Samstag, 18. November 2017

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme (Spätsommer/Herbst '17)

Blair Witch 
"The Blair Witch Project" von 1999 gilt als Meilenstein sowohl im Horrorgenre als auch in der Filmerfahrungsbiographie einer ganzen Generation. Mit Minibudget und ohne Dialogbuch gedreht, war es Vorreiter der heute überstrapazierten Gattung des "Found footage" und obendrein eine der ersten Produktionen, die das noch junge Internet nutzte, um "viral" zu gehen, wie man damals noch nicht sagte. Ich kann wahrheitsgemäß und mit Stolz behaupten: Ja, ich war dabei, habe mich im Kinosaal gegruselt wie später höchstens noch bei "The Ring" (dazu etwas beim nächsten Mal!).
17 Jahre später versucht Regisseur Adam Wingard, das Franchise wiederzubeleben, und schickt abermals eine Gruppe von Teenagern in den Wald, die mit (alter und neuer) Kameratechnik auf Hexenjagd geht. Die naheliegenden Zweifel stellen sich als durchweg gerechtfertigt heraus: Die ursprüngliche Subtilität fehlt, nichts bleibt im Vagen, alles ist over the top. Wurde meine Angstlust trotzdem befriedigt? Ja.  

Predestination
Eine echte Achterbahnfahrt. Ich beginne voller Vorfreude mit dem Schauen, weil ich (lediglich) weiß, dass es um Zeitreisen geht; nach einer halben Stunde denke ich so: 'Hm, die halten sich ein bisschen zu lange mit dem persönlichen Background der Hauptfigur auf. Sind die sicher, was sie da tun?'; beim Abspann dann: pures Geflashtsein, weil die ganze Erzählung in sich "Sinn" ergibt, keine Sekunde war verschwendet, alles fügt sich zusammen. Hier liegt die Betonung von "Zeitreisedrama" eindeutig auf "Drama".

Being Charlie - Zurück ins Leben
Dieses Drama hingegen hat mich kalt gelassen. Die Charaktere, allen voran der im Zentrum der Geschichte um Drogenentzug und Heranwachsen stehende Charlie, sind einem mangels Sympathie einfach völlig wurscht.

The Circle
Ich fasse mich kurz, bevor ich mich in Rage schreibe: "The Circle" ist eine der miesesten Literaturverfilmungen, die ich je gesehen habe. Die Vorlage habe ich nicht gelesen; wie ich hörte, weicht sie in einigen Punkten vom Film ab, doch da der Autor Dave Eggers am Drehbuch mitgeschrieben hat, gehe ich von ähnlich "hoher" "Qualität" aus und spare mir die Lektüre.
Bei "The Circle" handelt es sich um eine hippe und erfolgreiche Techfirma, bei der jede/r eine Anstellung ergattern will. So auch die junge Mae (Emma Watson), der das tatsächlich gelingt, aber wer hätt's gedacht: Die Betriebsatmosphäre hat sektenhafte Züge, das Unternehmen hegt Allmachtsfantasien, und der charismatische Gründer (Tom Hanks) überredet unsere Heldin zu einem Social-Media-Experiment à la "Truman Show", was aber weder satirisch überspitzt wie in genanntem Vorbild ist noch halb so schockierend-eskalierend wie in einer durchschnittlichen Folge "Black Mirror". Das Szenario ist ein paar Jahre in die Zukunft verlegt worden und wirkt dabei gerade wegen der "Echtheit" überhaupt nicht bedrohlich, sondern schlechterdings banal. Richtig unrealistisch sind die Protagonist(inn)en sowie ärgerliche Details wie die dämlichen Smartphone-Töne, die auszuschalten offenbar niemand in dieser ach so futuristischen Umgebung in der Lage ist. Hinzu kommen Entscheidungen wie jene, den seelischen Zustand von Maes bester Freundin mit Holzhammer-Kostüm- und Make-up-Veränderungen deutlich zu machen, weil man dem Schauspieltalent von Karen Gillan nicht vertraute. Auch sind sämtliche für "The Circle" arbeitenden Personen asexuell. 
Ach, jetzt habe ich doch viel mehr geschrieben, als ich vorhatte ...

Life
Nachdem mich der Trailer zum Gähnen gebracht hatte, war ich von diesem klaustrophobischen Sci-Fi-Schocker dann doch angetan. Sicher: Dass die "Alien"-Reihe Pate gestanden hat, merkt man dem Ergebnis von vorne bis hinten an – egal. Er hat mich mit seiner konsequenten Düsternis sogar mehr gepackt als "Covenant", was gewiss auch an dem hervorragenden Soundtrack lag. Und was für ein Schluss!

The Book of Henry
Teils vernichtende Kritiken musste dieser Genrespagat zwischen Tragödie, Thriller und Kinderfilm einstecken. Wahrscheinlich sind die tonale Unentschiedenheit und die drastische Kehrtwende in der Mitte des Films der meisten Kritiker Sache nicht. Den Vorwurf, dass man gewisse Themen (ich verrate aus Spoilervermeidungsgründen nicht, welche) zu leichtfertig behandele, lasse ich gelten. Allein, wenn es ein Werk der Fiktion schafft, mich zum Weinen zu bringen, sehe ich über dramaturgische Schwächen und inhaltliche Unzulänglichkeiten hinweg (wegen der Tränen auf der Netzhaut). Zumal mit Naomi Watts und Jaeden Lieberher ("Es") zwei perfekte Rollenbesetzungen gelungen sind.

Abgang mit Stil (OT: Going in Style)
Drei Freunde (darunter Morgan Freeman und Michael Caine), die fast alles verloren, aber nichts mehr zu verlieren haben, beschließen, sich an ihrer Hausbank zu rächen, und planen einen Überfall. Was nach einer simpel gestrickten Klamotte klingt, macht am Ende wirklich Spaß. Ein warmherzig gezeichnetes Ensemble und höchst erfreuliche Nebenrollen heben diese temporeiche Heist-Comedy über den Durchschnitt. Regie: Zach Braff.

Jürgen - Heute wird gelebt
Sozusagen in der Drittverwertung durfte Heinz Strunks zweites Ich Jürgen Dose neulich via öffentlich-rechtlichem Auftritt seinen Bekanntheitsgrad abermals steigern. Gott sei dank wurde Jürgen von seinem Schöpfer verkörpert; wenigstens einer wusste also, was er tat. Die anderen Schauspieler erschienen mir heillos überfordert, besonders David Bredin als "EuropLove"-Mitreisender "Knüppel" und der eigentlich stets zuverlässige Charlie Hübner in der Rolle des Bernd Würmer. Möglicherweise habe ich den "Jürgen"-Kosmos anhand der vorangegangenen Hörspiele zu sehr verinnerlicht, um die TV-Variante nicht befremdlich zu finden. Sei's drum. Schön, dass die ARD für so etwas Geld locker macht. 

Mord im Orient-Express (1974)
Ohne zu wissen, dass bald ein Remake in die Kinos kommt, habe ich mir den Klassiker von Sidney Lumet angeschaut, um eine weitere Bildungslücke zu schließen. Wie dieser Agatha-Christie-Krimi ganze sechs Oscar-Nominierungen erhaschen konnte, kann ich leider nicht nachvollziehen. Gerade Albert Finney als Hercule Poirot wirkt, als würde er sich hinter seinem Bart und seinem albernen Akzent verstecken, man nimmt ihn weder ernst noch ist man geneigt, ihn zu unterschätzen. Auch strahlt das zweistündige Kammerspiel eine seltsame filmhistorische Uneinordenbarkeit aus, es hängt irgendwo zwischen Old und New Hollywood, die Eröffnungssequenz zum Beispiel passt überhaupt nicht zum Rest. Die Auflösung hat mich gleichzeitig erstaunt und enttäuscht.

Kind 44
Die zweite Arbeit des "Life"-Regisseurs Daniel Espinosa in dieser Aufzählung. Ein beklemmendes Suspense-Stück über Kindermorde in Stalins Sowjetunion mit Tom Hardy. Mehr fällt mir dazu nicht ein, weswegen ich ausnahmsweise Zahlen sprechen lasse: 6/10.

Donnerstag, 16. November 2017

Berichte aus der groben Stadt (1)

Ein Mann bekommt – wie das halt so üblich ist – tagtäglich auf Facebook Freundschaftsanfragen von ganz offensichtlich nichtmenschlichen Betrugsprofilinhaberinnen, meist amerikanisch anmutende Namen mit drei Bestandteilen. Einer dieser Namen kommt ihm derart lächerlich und eindeutig fake-accountig vor, dass er die Anfrage dieser "Person" aus Quatsch bestätigt: Sandy Hottie69 Sexmouse. Es stellt sich heraus, dass die Dame mit diesem Namen tatsächlich existiert und wirklich so heißt. Die beiden chatten ein wenig und beschließen, sich im "real life" zu treffen. 
Bei diesem Treffen muss der Mann überrascht feststellen, dass die junge Dame exakt so aussieht wie auf ihrem (erotischen!) Profilbild, und wie auf jenem ist sie auch jetzt nackt. Zur Begrüßung sagt sie: "Hi, I'm looking for a sex, Semikolon Klammer zu." 
'Unglaublich', denkt der Mann, 'diese Bots werden immer realistischer.'

Mittwoch, 15. November 2017

Die besten Weblogs

Heute: Salon du Fromage. Ja, doch, hm, die Notizen des Herrn Andreas Lugauer könnten allen gefallen, die auch diese meine Gedankendeponie zu schätzen wissen.


Freitag, 10. November 2017

Eine Geschichte aus zwei Ex-Städten

In meinem fortlaufenden Tagebuch- und Weltbeobachtungsdokument befindet sich eine Notiz aus dem Anfang des Jahrzehnts, der zufolge zwei Oberlausitzer Gemeinden für den 1.1.2011 eine Fusion ankündigten: Ebersbach und Neugersdorf. Die neue Stadt solle allerdings nicht Ebersbach-Neugersdorf heißen, da sächsische Ortsnamen maximal 16 Buchstaben lang sein dürfen. Die Stadträte hätten sich deshalb auf den Namen Spreeborn geeinigt; es solle noch eine Stellungnahme einer Namenskommission eingeholt werden (etwas, das es nur in Sachsen gibt).
Doch sucht man heute nach "Spreeborn", stößt man lediglich auf Synonyme für die drei Quellen der Spree. Die neu gegründete Kleinstadt trägt tatsächlich den Namen Ebersbach-Neugersdorf! Wahrscheinlich hat man doch eingesehen, dass allzu viel Veränderung doof ist, und hat sich auf Orte mit Namensungetümen wie Morgenröthe-Rautenkranz oder Limbach-Oberfrohna berufen. Ein Rest Verwaltungschaos herrscht bis heute: In Ebersbach-Neugersdorf gemeldete Kraftfahrzeuge tragen nicht weniger als fünf verschiedene Kennzeichen (GR für Großenhain, LÖB für Löbau, NOL für Niederschlesische Oberlausitz = Landkreis Görlitz, NY für Niesky, WSW für Weißwasser und ZI für Zittau). Herrlich! Wissen muss man außerdem, dass "Neugersdorf" auf der zweiten Silbe betont wird.


Hier zu sehen: ein in diesem Jahrtausend erfundenes Stadtwappen

Mittwoch, 8. November 2017

Ja, ich mag alberne Aufgussgetränke!


Ich sage es frei heraus: Für Heißgetränke mit Süßgebäck-Flavor kann ich mich durchaus erwärmen (mit kochendem Wasser). Als vorweihnachtliches Wunder gibt es nach den Sorten "Caramel Applepie" von Teekanne und "Strawberry Cheesecake" von Meßmer nun auch die Geschmacksrichtung "Zimtschnecke", yeah! Beim Trinken stelle ich mir gerne vor, wie so ein richtiger Teesnob, der nur lose Mischungen gelten lässt und sowieso streng zwischen tea und infusions unterscheidet, der sämtliche Schritte der chinesischen, der japanischen und der ostfriesischen Teezeremonie beherrscht und Matcha-Besen in fünf verschiedenen Größen besitzt, über dieses fabelhafte Produkt die Nase rümpft. Wohl bekomm's!

Sonntag, 5. November 2017

Wochenprospekte-Haul

Kreisch! Swee! Yayyyy! Willkommen zu meinem ersten Haul-Post hier auf Kybersetzung. Ich hatte ja zuletzt viel von dem Werbeprospektpacken erzählt, der jedes Wochenende in meinem Hausflur oder in meinem Briefkasten liegt, und weil der diesmal besonders dick ausgefallen ist, dachte ich mir: Sehen wir uns doch gemeinsam an, was es in der KW 45 so alles im Angebot gibt! ;) 

Vorab: Nachdem die Werbung dreimal in Folge freitags eintraf, erreichte sie mich nun wieder am Samstag! Noch dazu am späten Nachmittag. Hier muss man die Deutsche Post entschieden rüffeln! Nun aber Folie runter, Prospekte ausgepackt. Nicht weniger als zwölf Print-Erzeugnisse sind zu begutachten.


Hier das wichtigste: "Einkauf aktuell" inklusive Fernsehprogramm vom 4. bis 10. November. Auf dem Cover ausnahmsweise keine Altersleiden, sondern eine Pizza-Hut-Anzeige. Müsste es nicht "Wir sind der Pizza Profis!" heißen? Ich glaube, ich habe in diesem Jahrtausend noch nie etwas bei Pizza Hut gegessen.


Anfangs nur eine Notlösung für Last-minute-Einkäufe, da nahe gelegen, ist Tegut für mich mittlerweile ein Ort, den ich gern besuche, weil er neben einem leicht gehobenen Segment regelmäßig echt unschlagbare Schnäppchen zu bieten hat, diese Woche etwa "True Fruits"-Smoothies für sagenhafte 1,59 €, die große Rama für 99 Cent, das Landliebe-Joghurtglas zu 88 Cent und diverse Sorten "Funny frisch"-Chips je 1,39 (wobei Knabbergebäck von "Funny frisch" erfahrungsgemäß scheiße ist). Gut.


Zu Rewe muss ich nicht viel sagen. Es ist der Supermarkt, den ich nicht nur, weil er in Frankfurt eine Quasi-Monopolstellung hat, sondern auch aus Überzeugung am häufigsten frequentiere.
So. An dieser Stelle bin ich in der Regel "durch" und werfe alle anderen Prospekte fort, weil sie mir schlicht nichts nutzen. Let's see ...



In Einrichtungs-/Möbelhäuser und Baumärkte gehe ich eigentlich gerne, nur habe ich kaum Bedarf daran. Zudem wüsste ich nicht mal, wo sich der nächste Poco befindet.


Man muss aufpassen, dass man nicht versehentlich das Rewe-Heftchen entsorgt statt das Rewe-Center-Heftchen! Rewe Center bringt mir einen Dreck! Ich wüsste zwar, wo der nächste City-Rewe ist, aber Rewe Center? Keine Ahnung. Next!


Das ist neu: Staples. War mir bisher nur durch Erwähnungen in amerikanischen Filmen und Serien ein Begriff, jetzt gibt's den also auch auf der Hanauer Landstraße. Interessant, aber: weg damit!


In der Tedi-Filiale in meinem Kiez war ich ein einziges Mal drin, und das hat mich enorm heruntergezogen. Schnell weiter.


Oha, hier kommt das Highlight der Woche und der Beweis dafür, dass es sich lohnt, das Werbebündel allwöchentlich sorgfältigst durchzuchecken: Coupons für den Bäcker Eifler (nur echt mit Artikel!), z.B. zwei Plunderstücke für 2 Euro oder drei Brezeln für 1,50 €. Saugeil!


Eine weitere Konstante ist der Woolworth-Prospekt, den ich tatsächlich hin und wieder eines Blickes würdige. Ein-, zweimal habe ich dort sogar Gegenstände des täglichen Bedarfs erstanden, einmal auch einen Schlafanzug. Allein, dass die Kette immer noch existiert (seit 1879!), sollte man respektieren.


Auch das kriege ich Woche für Woche sinnloserweise vorgesetzt. Selbst wenn ich ein Haustier hätte: Würde ich die rund 7 Kilometer Weg auf mich nehmen für ein paar preisreduzierte Artikel? Vermutlich ja. So aber ist es nur Papierverschwendung. Nebenbei: Penny, Netto, Lidl und Aldi – allesamt in Fußnähe – beehren unser Wohnhaus nie mit (potenziell wirksamen) Prospektlieferungen.


Aha, so so, erstmalig buhlt das Haus Real um meine Aufmerksamkeit und mein Geld. Will da jemand Rewe das Wasser abgraben? Das versucht auch Edeka in dieser Stadt zaghaft – ohne nennenswerten Erfolg, soweit ich weiß. Was ich (abermals) nicht weiß: wo "meine" Real-Filiale überhaupt steht.


Hit. Ich ... ich weiß nicht, was das ist.


Last und sowas von least die unregelmäßig versandte Werbung für den Billigladen Kik. Danke, kein Bedarf.

Na, war das aufregend oder was? Ich hoffe, es hat euch gefallen, und ich konnte euch ein wenig inspirieren. Welche Schätze befördert ihr demnächst aus dem Briefkasten? Schreibt's in die Commies! And don't forget to subscribe! (Ich habe absolut kein Gespür dafür, wie man den richtigen Haul-Ton trifft ...)

Donnerstag, 2. November 2017

Videospieltipp: Virginia

Wieder einmal habe ich einen Vertreter jenes Genres gespielt, das ich eigentlich nicht mehr als "Walking Simulator" bezeichnen mag, auch wenn man in diesem Fall nicht gänzlich daneben liegt, wenn man das Gameplay als "minimalistisch" bis "nicht vorhanden" einstuft. Man klickt sich von Gegenstand zu Gegenstand, von Person zu Person, von Location zu Location, bewegt seine Figur, eine FBI-Agentin, dabei per WASD durch Gebiete, die maximal die Größe eines viertel Fußballfeldes haben, und etwaige Details (z.B. Blumen und Federn; sehr symbolgeladen!) aufzustöbern, bringt nichts außer ein paar Achievements. "Virginia" ist mehr interaktiver Spielfilm denn First-person-Adventure, wofür auch seine Länge spricht: Ich war in zweieinhalb Stunden fertig. Ein besonderer Kniff ist, dass die Geschichte komplett ohne Dialoge abläuft. Untermalt wird das Entführungs-Mystery, das in dem titelgebenden US-Bundesstaat der 1990er spielt, von cinematischer Musik der Prager Symphoniker. Der Look ist grob und im besten Sinne eigenwillig. Über die Handlung möchte ich Stillschweigen bewahren, ich belasse es bei den Stichworten "Twin Peaks" und "Akte X". Das Ende ist denn auch mehr als obskur, man könnte auch "uneindeutig", "ambig", "verwirrend" oder gar "verschwurbelt" sagen; einige, die es gespielt haben, waren regelrecht enttäuscht. Enttäuscht war ich nicht, aber ich hatte hinterher das Bedürfnis nach Interpretationshilfen (die man beispielsweise hier oder hier bekommt – Spoilerwarnung versteht sich von selbst). Fazit: Diese Erfahrung lohnt sich, man sollte allerdings auf den nächsten Steam-Sale warten, denn einen Preis 9,99 € finde ich dann doch ein wenig zu hoch.

(Screenshot von fanboy.com)