Samstag, 31. Dezember 2016

Just another Jahresausblick

Ich so vor einem Jahr:
Was wird uns sonst noch so erwarten? Sicherlich das Ableben einiger liebgewonnener Prominenter und abertausender weniger bekannter Menschen. Zudem: Terroranschläge, Naturkatastrophen, Flugzeugabstürze, diverse "Gates", Wetterkapriolen, beschissene Kinofilme, fruchtlose Debatten und schreckliche Dinge, die wir uns heute noch gar auszumalen wagen. Überhaupt wird bestimmt alles immer schlimmer und schlimmer.
Jetzt wird vermutlich von mir erwartet, dass ich bei dem ubiquitären Rumgehacke auf 2016 mitmache, aber no way, José! Ich fand dieses Jahr nämlich – abgesehen von den weltpolitischen Entwicklungen, dem Populismus, dem Postfaktizismus, den wahnsinnigen Verschwörungstheorien, den glaubwürdigen Verschwörungstheorien, geschredderten Küken, Terroranschlägen, Naturkatastrophen, Flugzeugabstürzen, diversen "Gates", Wetterkapriolen, beschissenen Kinofilmen, fruchtlosen Debatten, persönlichen Rückschlägen und seelischem Leid ungekannten Ausmaßes – gar nicht so übel. Ja, an einige Dinge werde ich mich noch mein ganzes Leben lang mit Freude erinnern!

Auch 2017 hält das ein oder andere freudige Ereignis für uns bereit, etwa am 21.8. eine totale Sonnenfinsternis (die leider nur in Teilen der USA zu sehen sein wird)! Eine partielle Mondfinsternis ist für den 7. August geplant. 100 Jahre alt werden geworden wären sein (hä?): Arthur C. Clarke, Heinrich Böll, Indira Gandhi, JFK und Zsa Zsa Gabor. Zum Lutherjahr muss und möchte ich mich nicht äußern. 

Bei der Natur des Jahres setzt man einerseits unverfänglich auf Mainstream-Spezies: Waldkauz (Vogel des Jahres), Flunder (Fisch), Haselmaus (Wildtier), Blindschleiche (Kriechtier), Gottesanbeterin (Insekt), Fichte (Baum), Gänseblümchen (Heilpflanze). Andererseits überrascht uns die NABU-Liste auch mit einigen ausgefalleneren Titelträgern. Die Gemeine Keiljungfer ist Libelle des Jahres, die Knautien-Sandbiene ist die Wildbiene des Jahres, die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe ist das Höhlentier des Jahres, Hepps Schönfleck ist Flechte des Jahres, die Bergenie die Staude des Jahres und das Weiße Waldvögelein das Waldvögelein -- Quatsch: die Orchidee des Jahres. Wie ich schon 2015 an dieser Stelle monierte, hängen der Verband Deutscher Sporttaucher, die Sektion Phykologie der Deutschen Botanischen Gesellschaft sowie die Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie stets mit ihren jeweiligen Benennungen hinterher. Wenigstens die 2016er Gewinner der Auszeichnungen "Wasserpflanze des Jahres", "Alge des Jahres" und "Mikrobe des Jahres" möchte ich noch nachträglich verkünden: der Flutende Wasserhahnenfuß, die Eisalge Melosira arctica und Streptomyces.

Für mein zwölftes Blogjahr habe ich mir etliche einige wenige neue Rubriken ausgedacht; man darf gespannt sein. Allen, die bis hierher gelesen haben, wünsche ich bestmögliche Bilanzen und ein beträchtliches Quantum Glückseligkeit!

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Drei Zeitreiseshows

Wer mich gut kennt, weiß: Das Wandeln durch die vierte Dimension gehört zu meinen Lieblings-Sujets der Fiktion. Dieses Jahr wurden mir gleich drei Serien vorgesetzt, die sich mehr oder weniger mit diesem Thema befassen.

1.) Timeless (NBC)
... ist leider der mieseste Vertreter der drei. Mit Müh' und Not habe ich die Pilotfolge überstanden. Die drei Zeitreisenden, um die es geht (eine Historikerin, ein Techniker und ein Soldat), müssen einem Ganoven hinterherjagen, der dem CIA eine Zeitmaschine gestohlen hat. Dazu benutzen sie eine frühere Version dieses an "Stargate" erinnernden Geräts und landen als erstes in der Woche des Hindenburg-Absturzes 1937. Die Prämisse ist nach zehn Minuten etabliert, die ersten fünf Stationen der Heldenreise (nach Christopher Vogler) werden hurtig und lieblos abgespult, auf technisches Mumbo-Jumbo wird verzichtet. Und diese Dialoge!
- "Ever heard of a closed timelike curve?"
- "Excuse me, a closed timelike what?"
Sowas muss man sich als Serienfan im Jahr 2016 nicht bieten lassen!

2.) Travelers (Netflix/Showcase)
... behandelt eine recht unkonventionelle Art des Zeitreisens. Die "Travelers" sind ein Spezialteam aus der fernen Zukunft, deren Geist/Bewusstsein in die Körper frisch verstorbener Menschen geschickt wird. In unserer Gegenwart angekommen, sollen die fünf eine Katastrophe verhindern. Das innovative Konzept wirft allerlei ethische Fragen auf: Es wird zum Beispiel darüber diskutiert, ob man andere Todgeweihte (Sterbedaten und -umstände potenzieller "menschlicher Hüllen" sind den Zeitreisenden bekannt) nicht retten solle, auch wenn dies kein Primärziel ist. Auch die Tatsache, dass die Agentinnen und Agenten das normale Leben ihrer übernommenen Personen weiterführen, sorgt für spannende und zum Teil kuriose Nebenhandlungen: Eine der "Hüllen" etwa ist bzw. war eine geistig leicht behinderte junge Frau, die nun ihrem Sozialarbeiter erklären muss, woher ihre veränderten mentalen Fähigkeiten kommen; bei einem anderen handelt es sich um einen Heroinjunkie, dessen Körper zunächst einen nicht ganz einfachen Entzug zu bewältigen hat. Fazit: kurzweilige Story mit sympathischen Hauptfiguren.

3.) 11.22.63 (Hulu)
... ist die achtteilige Verfilmung von Stephen Kings Roman "Der Anschlag". Ein Highschool-Lehrer (James Franco) reist durch ein Wurmloch in der Abstellkammer eines Diners ins Jahr 1960 zurück, um das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern. Irgendwie versucht die Vergangenheit dabei – und dies ist die esoterische Komponente, die Zeitreise-Philosophie-Freunde wie mich ein wenig vergrätzen könnte –, sich selbst zu korrigieren und dem Zeitreisenden Steine in den Weg zu legen, was zum Teil auf dramatische Weise geschieht. Es geht weniger um Schmetterlingseffekt-Probleme und Paradoxa, auch wird nicht versucht, die JFK-"Verschwörung" (neu) aufzudecken, dafür bekommt man einen geradlinigen Thriller vor stimmungsvoller Sixties-Kulisse geboten. Produziert von J.J. Abrams und King selbst.

Montag, 26. Dezember 2016

Betr.: RegSprecher, Pla Raa, Erdbeermütze, Angriffsschaum


Ob Steffen Seibert (Alumnus der London School of Economics, ehemaliger Washington-Korrespondent, Heute-Redakteur, Träger der Goldenen Kamera) manchmal in sein Kissen weint, nachdem er wieder einmal in gestrenger Ausübung seiner regierungssprecherlichen Pflichten einem Twitteruser namens "Kotzfrosch" geantwortet hat?

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Zu schreibende Liste: "Gerichte, die zu bestellen sich bei einem ersten Date verbietet"


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Neulich an einer Ampel. Eine Oma mit einer Wintermütze in Erdbeeroptik wird von einer anderen Oma wie folgt angesprochen: "Das ist eine supertolle Mütze, die Sie da haben, wirklich ganz, ganz toll!" 

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Ja ja, man ist als "Marktführer im Hygiene-Segment" mit "29 Service-Niederlassungen in Europa und 40.000 Kunden" (Eigenbeschreibung auf der Unternehmenshomepage) um Internationalität bemüht, schon klar. Als Teil von Internationalität wird heutzutage nun mal die englische Sprache angesehen. Aber "Clean Attack Foam", das ist schon reichlich dämlich.

Samstag, 24. Dezember 2016

Bes(p)innliches zum Heiligabend (Nightmare fuel inside!)

Ich war letzte Woche im Frankfurter Senckenberg-Museum, wo noch bis zum 8. Januar die Sonderausstellung "Spinnen" läuft.










Donnerstag, 22. Dezember 2016

Der Alterscode

Neulich im ICE, Fahrkartenkontrolle. Der Schaffner sieht sich mein Ticket an, sieht sich meine Bahncard an, sieht mich an und verlangt sodann meinen Personalausweis zu sehen. Ich gebe ihn ihm bzw. ihm ihn. "Kommen Sie mal bitte mit", flüstert der Zugbegleiter. Den anderen Fahrgästen einen Gesichtsausdruck zuwerfend, der sagt "Pff, was hat der denn für'n Problem?", folge ich dem Schaffner ins passagierlose Wagenende. Dort führt er dies aus: "Ich habe Sie jetzt mal weggeholt, denn das brauchen die anderen nicht zu hören. Sehen Sie die dreistellige Zahl rechts unten auf Ihrer Bahncard? Die letzten zwei Ziffern sind Ihr Alter. Da steht, dass Sie 58 Jahre alt sind. Laut Personalausweis sind Sie aber 35. Klären Sie das unbedingt mit dem Bahncard-Service!" Ich erkläre, dass ich in all meinen Jahren als Bahnkunde noch nie darauf angesprochen worden bin. Darauf er: "Es schauen halt nicht alle Kollegen so genau hin. Streng genommen könnte man ja auf den Verdacht des Betrugsversuchs kommen. Klären Sie das." Ich kehre in den Großraum zurück, den anderen Fahrgästen einen Gesichtsausdruck zuwerfend, der sagt "Haha, alles nur ein Missverständnis!"

Nachgedanke #1: Uff, wie lange ich das jetzt wohl vor mir herschieben werde ...
Nachgedanke #2: Hurra, ich sehe jünger aus als ein Achtundfünfzigjähriger!

Dienstag, 20. Dezember 2016

Forever Aloe

Aloe vera: ein Dauerbrenner. Vor zehn, fünfzehn Jahren dachte man noch, joah, das ist so'n fad, der in Bälde wieder vom Markt verschwunden sein wird, wie Bärlauch oder Chiasamen, wobei Chiasamen vor fünfzehn Jahren ausschließlich Supertopcheckern bekannt gewesen sein dürften. Heute weiß man: Vor allem die Kosmetikbranche wird Aloe vera wohl in absehbarer Zeit nicht mehr los. "Vor allem" schreibe ich, weil es auch in der Lebensmittelabteilung zu finden ist. Im Osteuropa-Regal meines Stamm-Rewes wartete dieses Getränk darauf, von mir gekauft zu werden:


"Fresh Drink Aloe Vera with Aloe Vera Pieces" steht auf der Rückseite des Tetrapaks, ich habe aber der Exotik wegen den litauischen Aufdruck fotografiert (Russisch gibt's auch noch). Für 1,99 € erhält man einen Erfrischungsdrink, der hauptsächlich aus Wasser besteht, 5% Aloe-Stückchen enthält und mit Stevia gesüßt ist. 

Ich will's kurz machen: Es schmeckt nicht. Und leider eignet es sich nicht mal als Cocktailzutat. Meh.

Sonntag, 18. Dezember 2016

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme (Okt.-Dez.)

Ist es schon wieder so weit? Das ging schnell!

Lights Out
Ein Horrorfilm mit einer simplen, aber bestechend wirkmächtigen Grundidee: Ein Geistermädchen, das sich nur in der Dunkelheit fortbewegen und angreifen kann, terrorisiert eine (mit psychischen Instabilitäten vorbelastete) Familie. Das Konzept erschöpft sich beizeiten, aber die erste Viertelstunde gehört mit zu den besten Schreckenssequenzen, die ich seit langem gesehen habe. Produziert von James Wan ("Saw").

The Equalizer
Als Mischung aus "Transporter" und "MacGyver" hat mein Bruder diesen etwas zu lang geratenen Actioner beschrieben. Recht unterhaltsam; Denzel Washington "geht immer".

Where to Invade Next
Michael Moores Dokumentation von 2015 macht da weiter, wo "Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte" (der mir etwas besser gefallen hat), aufhörte. Moore besucht verschiedene Länder der Erde und sucht sich jeweils eine wirtschaftliche/gesellschaftliche/soziale Idee aus, um diese für sein Heimatland zu kapern. Seine Begeisterung wirkt fast schon kindlich-naiv, und gerade Europa wird zu sehr durch die rosarote Brille betrachtet; etwaige Probleme – die sich fraglos in jedem europäischen Land finden ließen – werden ausgeblendet. Trotzdem muss man den dicken Michigander einfach mögen.

Freaks
Auf diesen wahrhaft berüchtigten Horrorfilm aus dem Jahr 1932 bin ich durch die 4. Staffel von "American Horror Story" gestoßen, wo dessen Handlung sowie komplette Figuren einfach dreist übernommen wurden (Hommage, Schmommage ...). "Freaks" galt nach seinem Erscheinen als das verstörendste Werk seiner Zeit, hat Regisseur Tod Browning praktisch die Karriere gekostet und auch MGM in einige Schwulitäten gebracht. Nicht nur der ziemlich kranke Plot sorgte damals für Empörung, sondern auch die Tatsache, dass die Hauptfiguren echte "Zirkusfreaks" waren. Aus dem Original-Release wurden 26 Minuten entfernt, die als unwiederbringlich verloren gelten; die heute verfügbare, restaurierte Fassung enthält ein vom Studio nachträglich eingefügtes Pro-forma-Happy-End; im Vereinigten Königreich war der Streifen 30 Jahre lang verboten. Es lohnt sich unbedingt, die ganzen Hintergründe von "Freaks" zu lesen, und wenn man schon dabei ist, sollte man sich auch gleich mit der faszinierenden Ära das "pre-Code Hollywood" befassen. 

The Martian
Was für ein makelloses Blockbuster-Vergnügen! Im Kern geht es natürlich um Menschlichkeit, um Durchhaltevermögen, um Enthusiasmus, Erfindergeist, den Sinn des Lebens; handwerklich ist das alles superb umgesetzt, die Rettungsaktion für den auf dem Mars zurückgelassenen Astronauten Mark Watney ist wirklich spannend, und das wissenschaftliche Fundament soll ja nach Einschätzung profilierter Experten einigermaßen solide sein. Ja, Ridley Scott ist hier in seinem Element (Weltraum). Ganz dickes Lob auch an die Besetzung der Nebenrollen: Kristen Wiig! Sean Bean! Donald Glover! Und das Buch soll sogar noch besser sein?

Die Poesie des Unendlichen (OT: The Man Who Knew Infinity)
Ein nettes Biopic über das indische Zahlengenie S. Ramanujan. Auszusetzen habe ich nur Folgendes: 1. Warum wird in den Szenen, die in Ramanujans tamilischer Heimat spielen, fast ausschließlich Englisch gesprochen? Da geht einiges an Flair und Authentizität verloren. 2. Ein bisschen mehr Theorie hätte der Film vertragen können. Nicht, dass ich die Theoreme und Beweise verstanden hätte, aber immerhin stehen hier Mathematiker im Zentrum der Handlung! Naja, wenigstens die berühmte Taxi-Anekdote kommt vor.

Don't Think Twice
Ein großer Traum von mir ist es, irgendwann mal eine der berühmten amerikanischen Improv-Gruppen live zu sehen, Second City zum Beispiel, oder The Groundlings oder die Upright Citizen Brigade. In Deutschland fristet das Improvisationstheater schändlicherweise ein Schattendasein, und viele wissen gar nicht, dass sich etliche international erfolgreiche Comedystars auf den Bühnen Chicagos, New Yorks oder L.A.s mit dieser unterschätzten Kunstform ihre ersten Sporen verdient haben. "Don't Think Twice" verfolgt das Schicksal der fiktiven New Yorker Improv-Troupe "The Commune". Jedes Mitglied hat eigene Zweifel und Sorgen, die Spielstätte steht kurz vor der Schließung, und der (für dieses Genre essenzielle!) Zusammenhalt der Sechs wird auf eine harte Probe gestellt, als einer von ihnen für eine "Saturday Night Live"-artige Fernsehshow gecastet wird. Das scheint mir alles sehr realistisch zu sein, wird mit feinem Humor und leiser Bedrücktheit erzählt, und das Ensemble harmoniert hervorragend: Es spielen u.a. Kate Micucci (vom Musik-Duo Garfunkel & Oats), Keegan-Michael Key (vom Sketch-Duo Key & Peele) und der Stand-up-Comedian Mike Birbiglia (auch Buch und Regie).

Freeheld
Nachdem ich letztes Mal je einen Film mit Ellen Page und mit Julianne Moore in der Liste hatte, habe ich diesmal einen in der Liste, in dem diese zwei (Achtung, Klischeewort!) Ausnahme-Aktricen gemeinsam spielen, und zwar ein lesbisches Paar (und NEIN, ich habe mir den Film nicht in Erwartung irgendwelcher "Szenen" angesehen – die es im Übrigen gar nicht gibt!). Zu Grunde liegt die wahre Geschichte einer tödlich erkrankten Polizistin, die ihre Pensionsansprüche auf ihre Lebensgefährtin übertragen möchte, was im Jahr 2005 nur verheirateten Mann-Frau-Paaren vorbehalten ist. Eine Gesetzesänderung ist nur durch ein einstimmiges Votum der sog. Freeholder (einer administrativen Kommunalinstanz in New Jersey; daher der Titel) möglich. Krebs und Homosexualität, das klingt erst mal nach Tränendrüsenreizung galore, und der Tenor der Kritik scheint sich tatsächlich auf die angebliche Holzschnittartigkeit der Charaktere und die berechnende Dramatik zu beziehen; ich jedoch finde den Film gar nicht sooo rührselig, ja geradezu (Achtung, Klischeewort) unaufgeregt. Außerdem: Steve Carell!

Rats
Neues Wort: "Horrormentory". Als solche wird diese etwas ziellos episodisch aufgebaute Doku von Morgan Spurlock ("Super Size Me") beworben. Es geht um Ratten, und nach den knapp anderthalb Stunden war mir einfach nur speiübel. Angucken auf eigene Gefahr. 

Whiplash
Hier wird viel Musik gemacht. Nicht nur getrommelt. Zwischenzeitlich hatte ich Angst, dass ich mich am Ende auch für Jazz begeistern könnte. J.K. Simmons hat freilich nicht zu Unrecht den Oscar für seine Darstellung des sadistischen Bandleaders bekommen. Man fragt sich nur, warum sich der unter ihm leidende Schüler das alles antut. Kann man sich über solches Personal nicht irgendwo beschweren? Oder vielleicht doch in ein anderes Konservatorium mit weniger Ansehen wechseln? Und der Schluss war einfach nur dämlich.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Lasst uns froh und Vermonter sein

In Michael Moores prophetischem Viraltext über den Wahlgewinn Donald Trumps habe ich zum ersten Mal das Wort Michigander gelesen. Dies ist (neben Michiganite) eine inoffizielle Bezeichnung der Einwohner des Staates Michigan. Das vom United States Government Publishing Office empfohlene Demonym ist Michiganian. Die Endung -ian ist tatsächlich die geläufigste bei Ableitungen von US-Bundesstaaten, wie ein Blick auf diese Wikipedia-Liste zeigt; sie kommt nicht nur bei Ortsnamen vor, die auf -n enden (Michigan > Michiganian, Oregon > Oregonian), sondern auch bei solchen auf -a (Alabama > Alabamian; inoffiziell aber auch Alabaman) und -y (Kentucky > Kentuckian). Staaten mit -i am Ende ergeben i.d.R. ebenfalls die Demonym-Endung -ian: Missouri > Missourian. Überraschend rar ist die Endung -er: Maine > Mainer, Maryland > Marylander, Connecticut > Connecticuter (aber inoffiziell Connecticotian und Connecticutensian), Vermont > Vermonter, New York > New Yorker, Rhode Island > Rhode Islander. Noch seltener ist die Endung -ite: New Hampshire > New Hampshirite, Wisconsin > Wisconsinite, Wyoming > Wyomingite, Massachusetts > Massachusite (inoff.), Michigan > Michiganite (inoff.; in diesem Staat geht's wahrlich drunter und drüber!), New Jersey > New Jerseyite. Dann gibt es noch Ableitungen auf -(a)n: Nebraska > Nebraskan, Colorado > Coloradan (aber: Idaho > Idahoan), Delaware > Delawarean, Tennessee > Tennessean, Utah > Utahn. The more you know...

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Lasst uns froh und munter sein

Das deutsche Wort "Weltschmerz" ist ein gutes Wort und mit Fug und Recht von zahlreichen Sprachen als Germanismus übernommen worden. Für das Leiden in und an der Welt gibt es verschiedene Copingstrategien. Mir als Teil der witzverarbeitenden Industrie scheinen Galgenhumor und Satire probate Mittel zu sein. Leider wird einem das manchmal als Zynismus und Menschenverachtung ausgelegt. In Wahrheit sind Satiriker nicht weniger empathisch als andere Zeitgenossen. 

Es sind oft gar nicht mal Nachrichtenmeldungen, die mir besonders nahegehen, sondern damit zusammenhängende Beobachtungen und Entdeckungen. Neulich blätterte ich ziellos in dem Taschenbuchbestseller "1000 Places to see before you die" herum, den mir Freunde einst zum Geburtstag geschenkt hatten. Einer dieser Orte ist: Aleppo. Konkret wird dort, auf Seite 468, der gedeckte Basar (the covered Souks) empfohlen, ein Platz aus 1001 Nacht mit Händlern aller Couleur, duftenden Gewürzen, köstlichen Speisen, abenteuerlichen Geschichten und bewegender Geschichte sowie dem Christenviertel, "where Aleppo's most interesting eateries and architectually rich boutique hotels are concentrated." Das zu lesen traf mich wie ein Huftritt in die Weichteile.


Die mir vorliegende Auflage ist von 2011. Fünf Jahre später wirkt der Text wie blanker Hohn. Ein Artikel auf Merkur.de zählt inzwischen auf, "was die Deutschen an Weihnachten am meisten nervt": doofe Verwandte, aufgewärmte Kitschfilme, "Last Christmas" im Radio, peinliche Betriebsfeiern und natürlich der schlümme "Konsumterror". Der Punkt "Wenn einem das Haus mitsamt der halben Familie weggebombt wird" fehlt. Und trotzdem stellen sich in diesem Land irgendwelche Arschlöcher hin und fordern für aus Syrien flüchtende Männer und Frauen das Prinzip "Die Schlechten ins Kröpfchen, die Guten (vorübergehend) ins Töpfchen". Das ist für mich Zynismus und Menschenverachtung.

Montag, 12. Dezember 2016

Neue Wege in der Personenbeförderung

Ich hatte gestern die beste Idee aller Zeiten, meine größte Vision ever: eine Achterbahn als öffentliches Verkehrsmittel.
Man stelle sich eine gewöhnliche Rummel-Achterbahn vor, lediglich ohne Loopings und mit reduzierter Geschwindigkeit, damit auch Hunde, Babys und Taschen mitgeführt werden können ohne Gefahr zu laufen, herausgeschleudert zu werden. Zusätzlich müsste die Bahn überdacht sein, sodass sie auch bei Niederschlag genutzt werden kann. Die Bahn schlängelt sich durch Häuserschluchten hindurch und über Straßen hinweg, um den Bodenverkehr nicht zu behindern. An strategischen Punkten gibt es Aufhängungen (man nutze dafür bereits vorhandene Stadtgestaltungselemente, stabile Gebäude etc.), zwischen zwei solchen Punkten sind die Gleise freischwebend. Eine räumliche Beanspruchung stellen freilich die Haltestellen dar; es bietet sich an, in anderweitig ÖPNV-mäßig schlecht erschlossenen Arealen dafür Platz zu schaffen: Ich denke da an ein Krankenhausgelände, einen Unicampus, den Mittelpunkt einer Parkanlage / eines Zoos, die Behindertentribüne in einem Stadion. Auch als Shuttlewagen im Flughafen kann ich mir den "Urban Coaster" (Namensvorschlag) vorstellen. An jeder Station steht eine Technik- und Sicherheitsperson, welche auch die Tickets entwertet. Neben der Effizienz und der Umweltfreundlichkeit ist natürlich der Spaß das bestechendste Argument für meinen Urban Coaster. Wenn man schon mal in die Notaufnahme muss, soll wenigstens die Anfahrt Freude bereiten.
Welche Stadt macht's als erste?

Sonntag, 11. Dezember 2016

Das gute Zitat

"I know I’m not the perfect guy. I actually kind of… hate myself, a lot of the time. But when I’m with you, I… don’t hate myself. I like being around you, and I don’t know if I ever told you that in so many words, so I’m telling you."

----- BoJack zu Diane in BoJack Horseman

Samstag, 10. Dezember 2016

Howdy, Mandel!

(Dieser Beitrag kann Spuren von Brotaufstrichen enthalten.)

In einem aufwendigen Testverfahren habe ich herausgefunden, dass Mandelcreme deutlich leckerer ist als Erdmandelcreme. Der Unterschied zwischen Mandeln und Erdmandeln ist so gewaltig wie der zwischen Kümmel und Kreuzkümmel. Ich musste mich dahingehend auch erst mal informieren, aber es fängt schon bei der Taxonomie an: Der Mandelbaum der Gattung Prunus (an welchem die Mandel wächst) gehört zur Familie der Rosengewächse, während die Erdmandel (auch: Tigernuss) ein Kraut aus der Familie der Sauergrasgewächse ist; bei den essbaren Teilen der Pflanze handelt es sich um die Knollen ihrer unterirdischen Ausläufer. Ein Grund dafür, warum mir Erdmandelcreme/-mus weniger zusagt, mag sein, dass die geläufigen Sorten natursüß daherkommen, während Mandelcreme in nicht geringen Mengen ((Voll-)Rohr-)Zucker enthält − zumindest die mir vorliegende; es gibt auch Varianten mit 100% Mandelanteil, wobei dann ausgesucht süße Mandeln verwendet werden. Letzterer wie auch der Erdmandelcreme eignet an, dass sich nach einer Weile eine Ölschicht an der Oberfläche absetzt, was man aber durch kurzes Umrühren beheben kann. Mandelcreme ist circa doppelt so teuer wie Erdmandelcreme.


Mir persönlich schmeckt Mandelcreme auch besser als Erdnussbutter. Sie ist nicht so aufgeblasen nussig, hat aber immer noch eine perfekte Kontrastwürze, um unter eine schöne Schicht Erdbeerkonfitüre oder einen anderen süßen Aufstrich geschmiert zu werden.

Freitag, 9. Dezember 2016

Wenn Kinder rot sehen

Gestern wurde ich Zeuge eines empörenden Vorgangs, nämlich eines Übergangs, eines Gangs über eine rote Ampel durch eine Kindergartengruppe vor den Augen ihrer Betreuungspersonen, ja auf ausdrücklichen Befehl ebenjener! "Wir sind sowieso schon viel zu knapp dran mit der Zeit", rief die Obererzieherin, "deshalb gehen wir jetzt AUSNAHMSWEISE bei Rot über die Straße!" Dazu positionierte sie sich nach Art eines Verkehrspolizisten quer zu der aufgeregt eine Ordnungswidrigkeit begehenden Kinderschar. Ich, der ich den Kleinen zufällig entgegenspaziert war und vorbildlich das Lichtsignal beachtete, riss demonstrativ die Augen auf, schlug mir die Hand vor den Mund und atmete gut hörbar tief ein. "Sie haben nichts gesehen!", sagte die Kindergärtnerin lachend zu mir. Zum Glück schaltete die Ampel noch während des riskanten Manövers auf Grün um. Trotzdem wäre ich nicht erstaunt, wenn ich erführe, dass die begleitenden Erwachsenen ihre Jobs losgeworden sind, nachdem entsetzte Helikoptereltern, deren Sprösslinge die Aktion gepetzt haben, Druck auf die Kindergartenleitung ausübten.

(Man vergleiche hiermit Tagebucheintrag Nr. 2 aus diesem Blogpost vom Juni 2013.)

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Betr.: Worte, Portraits, Linguistenhumor


"Fragen?" Allerdings! Was bedeutet der Spruch "Ein Anruf sagt mehr als 100 Worte"? Sagt ein Anruf (bis zu) 900 Worte weniger als ein Bild? Und sagt ein Bild mehr als 100 Pinselstriche?

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Es ist wieder Verlagskatalogsaison, und beim Durchblättern all der Neuerscheinungspamphlete überkommt mich mal wieder ein für mich typischer Gedanke:


Der Literaturgott möge verhüten, dass ich jemals bei einem Haus unter Vertrag komme, das die Portraitfotos seiner Autoren und Autorinnen so riesig wie z.B. Knaus (s.o.) da rein druckt! Frau Sichelschmidt (s.o.) kann sich ja wie die meisten anderen Menschen durchaus sehen lassen und dürfte kein Problem mit der Abbildung ihres Konterfeis haben, allein ich würde den KLAGEWEG bestreiten, würde ein Verlag versuchen, mein Buch mit meiner lebensgroßen FRESSE zu bewerben!

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Worüber ich lachen kann, Folge 1.095:


Wortspiele gehen immer, und dass die Vergleichende Sprachwissenschaft sich nicht vor ihrem Gebrauch scheut, ist schweinesympathisch. Was aber hat es nun mit Caland auf sich? Nun, das ist seit ein paar Jahren der heißeste Scheiß und – ach, ich lasse lieber den Ankündigungstext des (bereits vergangenen) Workshops sprechen:


Sonntag, 4. Dezember 2016

Torsten testet Me-too-Produkte: Croustipâte Sonntagsbrötchen

Knack & Back Sonntags-Brötchen gehören zu den grandiosesten Erfindungen der Menschheitsgeschichte und sind das Edelste, was auf einem Frühstückstisch landen kann. Kein Wunder, dass sich diverse Me-too-Produkte ein Rennen darum liefern, ihnen das Wasser zu reichen: Es gibt welche von Belbake (Lidl), von TIP (Real) und von Croustipâte (Tegut). Letztere habe ich vor kurzem getestet.


Eine Dose kostet nur 99 Cent. Die Zubereitung erfolgt so, wie man es von Knack & Back kennt: Teig entnehmen, in Stücke reißen oder schneiden, auf Backpapier überm Ofenrost legen und fertig backen. Das Ergebnis kann sich sehen und schmecken lassen.


Ich bin von Croustipâte absolut begeistert und kann kaum einen Unterschied zum Vorbild ausmachen. 

Im Jahr 2011 hat sich Stiftung Warentest zwei Dosenteigschlangenbrötchen vorgenommen, nämlich Knack & Back und Croustipâte, und kam – ebenfalls ohne einen Unterschied zwischen beiden Sorten festzustellen – zu dem Fazit: "Aber diese „Sonntagsbrötchen“ haben mit klassischen Brötchen wenig gemeinsam. Aufgebacken ist ihre Kruste kaum knusprig, sondern mürbe. Die Krume ballt im Mund zusammen, schmeckt eher süßlich. Alles erinnert an Kuchen." Pffft, mache ich da! Wer die Kuchenhaftigkeit eines Lebensmittels als Negativpunkt anführt, kann von mir nicht ernstgenommen werden, sorry. (Vgl. das Zitat "Kuchen. Wer ihn tadelt, liegt falsch" von Knack+Goldt, Quatsch: Katz+Goldt; wobei Max Goldt sich einmal abschätzig zu K&B-Brötchen geäußert hat, aber das sei ihm vergeben.)

Wertung: 9/10

Freitag, 2. Dezember 2016

Der ostasiatische Ausschlag

(Keine Angst wegen der Überschrift: Es geht jetzt nicht um im Urlaub eingefangene Hautkrankheiten.)

Nachdem im April 2015 ein mysteriöses erhöhtes Besucheraufkommen aus Israel zu registrieren war, kam es diese Woche zu einem regelrechten Ansturm aus Fernost auf mein Blog: 1311 Aufrufe aus Japan, 688 Aufrufe aus China. Weiß da jemand Genaueres?


PS: Den gestrigen Beitrag habe ich mit dem Label Literatur versehen, obwohl ich dabei im Geiste bereits Einwände dahingehend vernahm, dass Spielbücher ja wohl kaum der """"Literatuuuuur"""" per se zuzurechnen seien. Man lese "Literatur" daher stets als Tag "Bücher".

PPS: Auch der Ausdruck "Kraut-und-Rüben-Blog" könnte zu Verwunderung geführt haben. Nun, das erwähnte Tagebuch war m.M.n. so polythematisch, dass mir diese (gar nicht abwertend gemeinte) Beschreibung passend erschien. "Wald-und-Wiesen-Blog" ist ebenfalls ein schönes Wort, das sicher auch auf Kybersetzung bezogen werden kann; gelesen habe ich es erstmals im Abfallkalender des Twitterers Sebastian S. alias @Cuba_Libre_Jr.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Der mit dem Wolf spielt

Einmal, als ich ein Knabe im späten Grundschulalter war, sah ich in einer Buchhandlung ein Fantasybuch, das nach einem ganz und gar ungewöhnlichen System aufgebaut war: Anstatt man eine lineare Geschichte las, wählte man nach jedem Kapitel selbst, wie es weitergehen sollte. Zum Beispiel: "Du läufst durch einen Wald und erreichst eine Weggabelung. Wo gehst du lang? -- nach rechts: Seite 14; nach links: Seite 50." Das faszinierte mich in hohem Maße; ich bereute später, dieses Buch nicht gekauft zu haben, vergaß es dann ... bis ich nach Jahren zufällig herausfand, dass das Konzept des "Spielbuches" nicht unbekannt ist. Die beliebteste Variante dürfte die amerikanische Reihe "Choose Your Own Adventure" gewesen sein, die von 1979 bis 1998 in 184 Bänden erschienen ist (Einige haben es unter dem Titel "Entscheide Du Selbst!" auf den deutschsprachigen Markt geschafft.).
An dieser Stelle muss der legendäre Something-Awful-Beitrag "
Choose Your Own Adventure Books That Never Quite Made It" verlinkt werden, außerdem dieser Post aus dem sehr schönen Kraut-und-Rüben-Blog "The Garbage Dump", das leider 2008 stillgelegt wurde. Darin gibt der Autor, der sich an die interaktiven Bücher seiner Kindheit erinnert, zu, regelmäßig "betrogen" zu haben, und zwar so: den Finger auf der Seite mit der Auswahlfrage lassen, sodann einen Blick auf die Konsequenzen werfen und sich für die "richtige" Entscheidung zu, ääh, entscheiden. So wie Peter Griffin in der einen Szene bei "Family Guy"! Und: wie ich. Jawohl, nachdem ich nämlich von der Existenz der "Gamebooks" erfahren hatte, wollte ich sofort ein solches haben und bestellte mir ein Buch aus der Serie "Einsamer Wolf". "Einsamer Wolf ist eine 20-teilige (im englischen Original 28-teilige) Spielbuch-Reihe [... Sie] wurde ab 1984 zuerst in England und noch im selben Jahr in Deutschland veröffentlicht. Sie ist eine der erfolgreichsten Spielbuch-Serien, und bis heute wurden weltweit über 10 Millionen Exemplare verkauft." (Wikipedia) Der von mir erkorene Band 2, "Feuer über den Wassern" (gebraucht sehr günstig bei Amazon & Co. zu haben) hat mich blendend unterhalten, auch wenn ich wegen mehrmaligen Scheiterns wie gesagt zum Cheaten gezwungen wurde.
Warum ich das alles schreibe? Weil ich heute gelesen habe, dass der Erfinder des Einsamen Wolfs, Joe Dever, im Alter von nur 60 Jahren gestorben ist.




Dienstag, 29. November 2016

Die ekelhaftesten Stellen aus dem Focus-Aufmacher "40 neue Helden unter 40"

- über Paula Beer: "Als Kind Montessori-Schule. Dann Schauspielerin. Klingt nach Klischee? In ihrem Fall stimmt es."

- über Damir Doma: "Der Junge ist Nische, und er will es so."

- über Jan Böhmermann: "Wenn er es anknipst, dieses berühmte, unnachahmliche Grinsen, dann ist irgendeiner fällig."

- über Johannes Haushofer: "Akademiker auf der ganzen Welt träumen davon, nur eine dieser Stationen im Lebenslauf zu haben – Haushofer hat sie alle: [...] Wow!"

- über Katja Kipping: "Sie ist der Beweis, dass auch Emanzen Sexsymbole sein können. Männer, die sie kennen, schwärmen von ihrem süßen sächsischen Akzent. Männer, die sie wählen, von ihrem Schmollmund."

- über Julian Nagelsmann: "Bei der TSG löste er Huub Stevens als Cheftrainer ab. Dabei ist das keine Ablösung, sondern ein Paradigmenwechsel."

- über Peter Scholze: "Zahlentheorie und algebraische Geometrie – hört sich für viele wie Folterbank an. Scholze dagegen kriegt richtig gute Laune, wenn's kompliziert wird."

- über Jens Spahn: "Spahn gilt als smart, er kann Ellenbogen."

- über Jorinde Voigt: "Sie jongliert mit Medien wie ein Clown mit bunten Bällen."

(Quelle: Focus 47/16, S. 54-66)

Montag, 28. November 2016

Traumprotokoll: Von HTML zu NRW

Das menschliche Gehirn ist schon ein absonderlicher Pilz. Mehr als vier Jahre lang habe ich – von gelegentlichem Blogbeitrags-Feintuning abgesehen – keine Zeile HTML geschrieben, doch heute brachte ich im Traum eine gefühlte Stunde damit zu, eine Homepage über Hunde (!) zu erstellen. Den Auftrag dazu hatte mir meine Mutter vermittelt, und ich sollte mich bei der Gestaltung an einer bereits vorhandenen Hunderassen-Seite orientieren. Der Quelltext dieser Vorlage war allerdings voll mit Javascript und CSS, und ich hatte keine Lust, mich damit zu befassen. "Muss auch ohne gehen!", sagte ich mir und versuchte daraufhin, die gesamte Ursprungsseite ausschließlich mithilfe von HTML-Befehlen nachzubauen. Dieses Wahnsinnsunterfangen bereitete, wie zu erwarten, enormen Frust. Wenn irgendwo etwas funktionierte, ging an einer anderen Stelle etwas schief; schon simpelste Dinge wie das Festlegen der Hintergrundfarbe missglückten mir. Nach einer Weile verwirbelte sich diese neue Variante des Prüfung-unter-Zeitdruck-Schreiben-Albtraums zu einem Hurrikan aus tanzenden Tags, falschen Formatierungen und heiteren Hundebildern. Noch bis zum Frühstück dröhnte mir der Schädel. Aber halt! Bevor ich aufwachte, träumte ich noch kurz, dass man eine weitere bizarre Aufgabe an mich delegiert hatte: Für die sächsische Klebstoff-Innung (?!) sollte ich eine Rede schreiben und halten. Da ich keine Ahnung von Klebstoff habe, leitete ich gleich im ersten Satz zum Thema nordrhein-westfälische Landespolitik über (wovon ich offenbar Ahnung habe) und lieferte eine Rede ab, die vor Esprit und Bonmots geradezu barst. Der innere Druck, die komische Köter-Website zu Ende zu basteln, schwand dabei nicht.

Sonntag, 27. November 2016

The Girl from Ipomoea

Es ist wieder Zeit für einen Beitrag über süße Brotaufstriche, und zwar solche aus Nachtschattengewächsen bzw. Nachtschattenartigen! Für die möchte ich nämlich kräftig die Werbetrommel rühren. Nachdem ich bereits Konfitüre aus grünen und aus roten Tomaten probiert hatte, griff ich letzte Woche zu folgendem Produkt, das mir schon seit Jahren aus dem Rewe-Regal mit den Importwaren zuzwinkert:


Crême d'Ipomée ist eine Creme aus Süßkartoffeln (Ipomoea), hergestellt in Marokko. Ihre Konsistenz liegt ungefähr zwischen jener von Apfelmus und jener von Apfelkraut, ist also sehr gut streichfähig. Wie hoch der Süßkartoffelanteil ist, kann man dem Glas leider nicht entnehmen; ich tippe auf: 60 Prozent*. Weitere Bestandteile sind Zucker, Zitronensäure und Vanille-Aroma. Geschmacklich erinnert Süßkartoffelcreme ganz leicht an Feigenkonfitüre, sie biedert sich dabei weder mit übertriebener Süße an noch schreckt sie durch etwaige Pommesnoten ab. "Am Ende muss es köstlich gewesen sein." (Benjamin Weissinger) Probiert sie bitte selbst aus, sie wird euch munden! Den Preis habe ich vergessen.

* Ich habe recherchiert und voilà: Mit meiner 60%-Schätzung lag ich richtig!

Donnerstag, 24. November 2016

Früher war mehr Musik

Vor nunmehr über zehn Jahren habe ich mich bei last.fm angemeldet. Als Kategorisierungs- und Listenfreund sowie als Verfechter der Meinung, Menschen im Internet am besten über ihren Musikgeschmack einschätzen zu können, leuchteten mir die Vorzüge von last.fm sofort ein, als ich davon erfuhr. Am Anfang nutzte ich hauptsächlich die Kernfunktion dieses sozialen Internetradiodienstes: Bandnamen oder Musikgenre eingeben und Lieder, von denen last.fm meint, dass sie mir gefallen könnten, streamenderweise anhören. Die Datenbank des Last.fm-Radios war erfreulich groß (7 Mio. Songs lt. Wikipedia), sein großes Manko war jedoch, dass Musikstücke nicht jukeboxmäßig direktangewählt werden konnten, und 2014 wurde die Streamingfunktion schließlich eingestellt.

Jahrelang "scrobbelte", d.h. "auto-protokollierte" ich sämtliche Musik, die ich über Winamp laufen ließ. Am 1. Juli 2008 wurde mein zehntausendstes gehörtes Lied registriert, am 17. Februar 2009 Nummer 12.345. Als ich gestern nach Ewigkeiten mein Profil aufrief, wurden mir exakt 22.222 Scrobbles angezeigt. Wie man sieht, hat meine Scrobble-Aktivität über die Jahre hinweg kontinuierlich abgenommen:


... was vermutlich daran liegt, dass ich Musik heute immer öfter auf mobilen Geräten höre. Es gibt zwar auch Möglichkeiten, last.fm etwa mit dem Android-Musikplayer zu koppeln, aber das wäre des Trackings gar zu viel. Mir ist das Programm inzwischen mehr oder weniger egal. Lediglich das "Event-System" nutze ich noch ganz gerne, um mich über anstehende Auftritte meiner favorisierten Bands zu informieren.

Meine Last.fm-"Artist Library" zeigt 1131 Interpreten an. Ich gebe zu, dass ich mich kaum noch damit abgebe, neue Bands kennenzulernen. Überhaupt habe ich mich dieses Jahr schändlich wenig mit Musik beschäftigt. Gerade mal vier Alben habe ich ausweislich meiner Bestellhistorie gekauft: über Amazon "Amnesty (I)" von Crystal Castles, "Autumn" von ColdWorld und "Jumalten Aika" von Moonsorrow sowie über GooglePlay (ein Novum!) "Kodama" von Alcest. Besuchte Konzerte: eins. 2017 soll wieder stärker im Zeichen der Klangkunst stehen; das sei mein Vorsatz.

(Dieser Text ist eine leicht veränderte und erweiterte Version eines Techniktagebuch-Beitrags von 2014.)

Sonntag, 20. November 2016

Da nich' für! (Seelenstriptease)

Der Gedanke, dass Bloggen auch therapeutisches Schreiben sein soll, kam zuletzt etwas zu kurz. So geht's ja wohl nicht! (Achtung: Dramedy & Fremdschamerregung following.)

Irgend so ein Mumblecore-Film von 2012 trägt den Titel "The Perks of Being a Wallflower". Da ich ihn nicht gesehen habe, weiß ich nicht, welcher Art die Vorteile des Mauerblümchendaseins angeblich sind, ich weiß auch nicht, ob es eine taugliche Bezeichnung für das männliche Pendant zum Mauerblümchen gibt – Fakt ist: Ein solches zu sein hat allerlei Nachteile, besonders an der Uni und zumal, wenn man in dem, was man studiert, zu gut ist. Dann kann es nämlich passieren, dass man aufs Schändlichste ausgenutzt, genarrt, verarscht wird. Nicht bloß einmal, nicht zweimal, nicht dreimal, sondern viermal (!) widerfuhr es mir, dass eine Kommilitonin auf mich zukam und sagte: "Hey, du hast doch voll die Ahnung von [Altgriechisch / Althochdeutsch / wasauchimmer], kannst du mir vielleicht mit [meinem Vortrag / den Hausaufgaben / wasauchimmer] helfen? Wir können ja auch irgendwann mal [einen Kaffee trinken gehen / uns bei mir zu Hause treffen / wasauchimmer unternehmen]!" Alle vier Male war ich im positiven Sinne wie vom Blitz getroffen und hellauf begeistert: 'Eine Frau interessiert sich für mich? That's unheard of!!!' Nachdem ich dann mein ach so wertvolles Wissen weitergegeben hatte (einmal habe ich ein komplettes Referat ausgearbeitet), geschah vonseiten der jeweiligen Mitstudentin: nichts. Von allen vieren wurde ich fallen gelassen wie eine heiße bzw. unheiße, unanziehende Kartoffel. Dabei habe und hätte ich nicht mal amouröse Gegenleistungen erwartet; ich wäre schon über simpelste Nettigkeiten froh gewesen, z.B. darüber, mal nicht alleine in die Mensa schlurfen zu müssen.

Diese menschlichen Enttäuschungen führten dazu, dass ich mich mit fortschreitender Semesterzahl mehr und mehr isolierte und Kontaktaufnahmen mit fremden Studierenden vermied. N.b.: Mit dem "harten Kern", also den rund zehn Irren, die dasselbe Hauptfach wie ich hatten und mir zwangsläufig häufiger begegneten, verstand ich mich prima. Außerdem hatte ich noch meinen außeruniversitären Freundeskreis. Da fällt mir gleich etwas noch Peinlicheres ein: Ein von mir gemochtes Mädchen aus jenem Freundeskreis, das etwas anderes studierte als ich, schlug einmal vor, im Rahmen des damals vorgeschriebenen Studium generale gemeinsam eine Vorlesung zu besuchen. Wir einigten uns auf was Theaterwissenschaftliches, und ich stellte meinen gesamten Stundenplan um, nur um mit *~ihr~* diese eine Doppelstunde haben zu können. Doch wo war sie in der ersten Sitzung? Dies fragte ich sie, als ich sie danach auf dem Campus traf, woraufhin sie antwortete: "Och, ich hab jetzt doch was anderes belegt." Und ich so: "Was?! Das war der einzige Tag in der Woche, auf den ich mich gefreut habe!" Und sie so: "Awww, das ist ja süß. Tut mir leid." Zu besagter Theaterveranstaltung bin ich natürlich nie wieder gegangen. Epilog. Ein halbes Jahr der Funkstille später klingelte mein Handy, und dran war sie: "Ähm, das ist jetzt ein bisschen unverfroren, aber ... kannst du mir am Wochenende bei einem Umzug helfen?" Meine Antwort könnt ihr euch denken.

Die Lehre aus diesen Kabinettstückchen des Elends: Ich bin ziemlich dumm. :)

Samstag, 19. November 2016

Drei (neue) Audiohäppchen

"Hier wiehert der Amtsschimmel" ("Brotfabrik", Frankfurt am Main, 18.10.2016)

"Eine Tür, drei Geschichten" ("Schon schön", Mainz, 17.11.2016)

"Drei unbequeme Wahrheiten über ... Eimer" ("Schon schön", Mainz, 17.11.2016)

Freitag, 18. November 2016

Let's drink root beer (3)


Von den drei von mir getesteten Root beers präsentiert sich Blue Sky (Blue Sky Beverage Company mit Sitz in Corona, Kalifornien; eine Tochterfirma von Monster) am "wertigsten". Ohne künstliche Geschmacksverstärker, Farbstoffe, Konservierungsstoffe, ohne Koffein, Natrium, High Fructose Corn Syrup und gentechnische Modifikationen kommt diese "natural soda" daher. Vielleicht haben mich diese Versprechungen beeinflusst, vielleicht lag es auch daran, dass mein Schmecksinn erkältungsbedingt eingeschränkt war, oder mir war an diesem Punkt eh schon alles egal – jedenfalls fand ich Blue Sky Creamy Root Beer am wenigsten übel. Potenzial, mein Lieblingsprodukt zu werden, hat es beileibe nicht, aber mir kam beim Trinken nicht durchgängig die Assoziation, den Fußboden einer seit dreißig Jahren nicht geputzten Dorfapotheke zu lecken. 
Damit ist das Kapitel Root beer nun aber wirklich abgeschlossen!

Mittwoch, 16. November 2016

Satzbaustellenwarnung

(Dies ist ein kleines Update zu "Gekommen, um zu bleiben".)


Noch einmal: Wenn man den Satz so formuliert wie oben, bedeutet er, dass die Eltern Sprachen, Mathe und Rechtschreibung pauken möchten und deswegen Grundschüler in Lerncamps schicken.

Noch einmal²: Ich betreibe dieses grammatikalische Nitpicking nicht, um mich über andere zu erheben oder lustig zu machen. Mir ist bewusst, dass man auch mir zig Orthographie-, Stil- und sonstige Verstöße nachweisen könnte, wenn man es drauf anlegte. Ich mache lediglich (nicht zuletzt aus eigenem Interesse) auf sprachliche Phänomene aufmerksam, die sonst an vielen Deutschsprechenden und -schreibenden vorbeigehen würden. Selbst am Personal des altehrwürdigen Spiegel.

Sonntag, 13. November 2016

Let's drink root beer (2)


Barq's Root Beer, "currently owned and bottled by the Coca-Cola Company" (Wikipedia), ist dafür bekannt, Koffein zu enthalten. Auf der Dose, die ich erwischt habe, steht allerdings "caffeine free", außerdem "sodium free" (Natriumanteil 3%), was vermutlich einen Pluspunkt darstellt. Koffein hätte den Drink womöglich ein My lustiger gemacht, so ist das Hintergluckern aber, wie schon bei Item #1 meiner Testreihe, kein Vergnügen. Meine Zunge extrahiert Nuancen von Energydrinks, Lutschbonbons für Kinder, Salmiak, Cola, Latex, Mulch, Schwefel, vergorenem Obst, Formaldehyd und Verelendung. Barq? More like "Blargh!" Na gut, das war jetzt leicht überspitzt. Root-beer-Fans kommen sicherlich auf ihre Kosten: Wer's mag, der mag's. Ich – so viel weiß ich jetzt – mag es nicht.

Freitag, 11. November 2016

Das Sch-Wort

Jedes Mal, wenn ich einen Blick in das "Streiflicht" werfe, also einmal im Quartal, bekomme ich den Eindruck, dass der Rubrikverantwortliche in einer Parallelwelt lebt.


Nämlich in einer Parallelwelt, die so stocksteif-staubig-schnarchig ist, dass selbst die neutralste Bezeichnung des Geschlechtsaktes abgekürzt werden muss. Man sollte die Bewohner dieser Streiflicht-Welt besser nicht mit dem "F-Wort" konfrontieren. Oder "hat man sich in der Gesellschaft darauf verständigt", dass das "F" für "Fortpflanzung" steht? Huiuiui ...

Mittwoch, 9. November 2016

Let's drink root beer (1)

Von Zeit zu Zeit gelüstet es mich nach alkoholfreien Erfrischungsgetränken, die frecherweise den Wortbestandteil "-bier" im Namen tragen: Ein Malzbier gönne ich mir gerne als Echtbieralternative bei Lesungen, Ginger beer habe ich in Neuseeland zu schätzen gelernt, und vergangene Woche versuchte ich mich daran zu erinnern, wann ich zum letzten Mal Root beer getrunken habe und wie es mir gemundet hat. Gewöhnungsbedürftig wie Kwas, aber gekühlt durchaus interessant – so hatte ich es im Hinterkopf. 

In Deutschland bekommt man Root beer nur in wenigen, exotischen Läden, doch wozu gibt es das Internet? Drei Dosen habe ich mir bei einem auf US-Importe spezialisierten Händler bestellt. Die erste habe ich heute geöffnet und verköstigt.


MUG Root Beer, eine Marke von PepsiCo, wird in San Francisco gebraut, wobei ich bezweifle, dass man bei Root beer von "brauen" spricht. Ist "Zusammenpanschen" der passendere Ausdruck? Der Pfandaufkleber überdeckt einen Teil der Ingredienzenliste, was womöglich ein Segen ist: Der Hinweis "partially produced with genetic engineering" und die Zutat Quillaja könnte weniger experimentierfreudige Personen abschrecken. Mich jedoch nicht!


Abschrecken tut mich allenfalls das Aroma. Frisch eingeschenkt macht das malzig-dunkle Sprudelwasser zwar einen optisch ansprechenden Eindruck, der Geruch, der einem entgegenschlägt, erinnert aber an ein Worst-of vage vertrauter Apothekenausdünstungen. In punkto Geschmack wird es nicht besser. Man meint, ein altmodisches Mittelchen gegen Krupphusten zu schlucken, und es ist tatsächlich allein die Kühlschranktemperatur, welche die 12 Flüssigunzen reinsten Hasses einigermaßen erträglich macht. So gewöhnungsbedürftig ist Kwas dann doch nicht! Puh, was habe ich mir da aufgebürdet? Egal, da müssen wir jetzt durch ...

Dienstag, 8. November 2016

So no one told you life was gonna be this way

Am Ende kam das Ende dann doch überraschend rasch: Ich warf gestern Abend noch eine Folge "Friends" an, und tadaa!, war ich, weil die 10. Staffel nur 17 Episoden umfasste, beim Finale ("The Last One") angelangt. Im Januar 2010 hatte ich mir bei Amazon UK die "Friends"-Komplettbox gekauft, weil a) ich in die Serie vorher nur sehr sporadisch, aber stets belustigt reingeschaut hatte, b) das Angebot ein gutes war und c) der Pfundkurs günstig stand. Knapp sieben Jahre habe ich für die zehn Jahre "Friends" gebraucht. Von "Durchsuchten" kann mithin keine Rede sein. Zum Vergleich: Mit "How I Met Your Mother" habe ich circa ein Jahr vor der Ausstrahlung der letzten Season begonnen, und bis zum Finale hatte ich die Serie "eingeholt"; an manchen Tagen habe ich fünf Folgen am Stück "weggebinged". Insgesamt hat sich mir "Friends" trotzdem mehr eingebrannt als der geistige Nachfolger. Ich kann mich nicht mal mehr an die Namen aller HIMYM-Hauptfiguren erinnern! Auch das von mir anfangs hochgeschätzte "The Big Bang Theory" – um noch die zweite oft mit "Friends" verglichene Serie heranzuziehen – würde ich mittlerweile schlechter bewerten als "Friends". Woran das liegt, kann ich nur grob zu erklären versuchen: HIMYM erschien mir primär story-driven, TBBT eher character-driven, während "Friends" irgendwie beides war beziehungsweise beides nicht war. Natürlich schwebte über allem die große Frage "Werden Ross und Rachel zusammenkommen?", aber das war nie so interessant wie das Rätsel von HIMYM (Wer ist die Mutter?). Gleichzeitig fällt es schwer, den sechs "Friends" so viele Persönlichkeitsmerkmale zuzuschreiben, wie es bei den Helden von TBBT möglich ist. Der Versuch der Showrunner, den Figuren wirklich markante Wesenszüge auf den Leib zu schneidern, muss halbherzig genannt werden; gerade Ross blieb bis zuletzt furchtbar blass. Ja, schon klar, Monica ist analfixiert und Joey hat den Verstand eines Teenagers, doch dienten diese ohnehin recht spät etablierten und stets wenig subtil gezeichneten Eigenschaften niemals als mehr denn als Basis für Witze. Und das ist okay! Vor allen Dingen ist "Friends" nämlich auch nach fast 13 Jahren dies: eine hervorragend geschriebene Sitcom mit schauspielerisch perfekt umgesetztem Dialoghumor. Was ist noch anzumerken? Vielleicht, dass mir gerade zum Schluss hin einige Gags ungewöhnlich freizügig für eine NBC-Serie vorkamen. Dass ich mich über die Gastauftritte meistens gefreut habe, vor allem wenn es sich um Stars handelte, denen der große Durchbruch damals noch bevorstand. Und dass ich dem Serienende die Schulnote 2- gebe: Es war besser als befriedigend, aber nicht überwältigend.

Sonntag, 6. November 2016

Dem Stier an die Hörner gefasst

{Content warning: sexualisierte Gewalt}

Den folgenden Beitrag über einen Aspekt der hiesigen Berichterstattung über den US-Präsidentschaftswahlkampf wollte ich schon vor ein paar Wochen schreiben, habe mich dann aber dagegen entschieden, weil ich zwischenzeitlich von dem ganzen Thema genervt war – auch von der Witzelei darüber ("Drumpf"-Frisuren-Gags, ahahaha!). Zuletzt hat mich der ganze Wahnsinn aber wieder heftig mitgerissen, zudem ist jetzt womöglich die letzte Gelegenheit loszuwerden, was ich loswerden möchte, denn in drei Tagen wird Donald Trump keine Rolle im Zusammenhang mit dem höchsten Amt der Welt mehr spielen, inschallah.

Zur Sache. Die nachlässige Art und Weise, mit der deutsche Medien mit gewissen trumpschen Sprachentgleisungen umgegangen sind, hat mich irritiert bis verstört. Merkt zum Beispiel niemand beim Stern, dass man sich ungut an Trumps Duktus anlehnt, wenn man auf den Titel die Zeile "Donald Trump beleidigt die Frauen" druckt? Klingt Trumps Trademark-Ausdruck "Crooked Hillary" nicht viel weniger bösartig, wenn ihn das Fernsehen konsequent mit "die korrupte Hillary" übersetzt? Die ganzen übrigen Nuancen von crooked kommen (wie auch bei "nasty woman") bei mir als deutschsprachigem Leser/Zuschauer gar nicht an! (Kennt ihr eigentlich noch die sogenannte Supergroup Them Crooked Vultures? Eine musikalische Superenttäuschung, wenn ihr mich fragt!)

Am schlimmsten war es im Fall des Billy-Bush-"locker room talk"-Bus-Dialogs. So verzerrt hat die deutsche (Online-)Presse Trumps berüchtigte Phrase "grab them by the pussy" wiedergegeben (Auswahl):

- "ihnen an die Muschi fassen" ("Spiegel online", euronews.de)
- "ihnen zwischen die Beine fassen" (rp-online.de)
- "ihnen zwischen die Beine greifen" (Berliner Morgenpost, Tagesspiegel, tagesschau.de)
- "in den Schritt greifen" (Handelsblatt)
- "ans Geschlechtsteil fassen" (Frankfurter Rundschau)
- "ihnen in die F**** fassen" (Hamburger Morgenpost, WTF?!)

Bonus-Bigotterie-Punkte gehen an die gewöhnlich nicht für Zurückhaltung bekannten Ekel von Bild, die vor ihre Übersetzung "Greif ihnen zwischen die Beine" noch den Hinweis "Verharmlost übersetzt" gestellt haben. Man kann, nay: muss also davon ausgehen, dass deutschsprachige Journalisten – die ja in ihrer Ausbildung bestimmt mal mit der englischen Sprache in Berührung gekommen sind – das durch und durch verachtenswerte Menschenbild eines Präsidentschaftskandidaten nicht fahrlässig, sondern bewusst herunterspielen. Heutzutage wird das Wort "unerträglich" allzu leichtfertig ausgesprochen; aber das finde ich wirklich unerträglich. Gott sei dank haben deutsche Medien keinen nennenswerten Einfluss auf den Ausgang von US-Wahlen. Deutsche Nischenblogs schon gar nicht, weswegen ich meine kleine Politexkursion an dieser Stelle beende.

Dienstag, 1. November 2016

Polka-dot-com

Wenn man im deutschsprachigen Google "polka dots" eingibt, wird als Übersetzung "Punktmuster" vorgeschlagen. Das ist meiner Ansicht nach zu unpräzise. Die Punkte in einem Polka-dot-Muster müssen eine gewisse Mindestgröße aufweisen – Ameisenspuren gehen nicht – und einfarbig sein; diese Regeln lassen sich zumindest aufgrund der Google-Bildersuche ableiten. Bierdeckelgroße weiße Punkte auf rotem Grund: So stelle ich mir das prototypische Kleid einer amerikanischen Tänzerin auf einer Fünfzigerjahre-Retroparty vor. Überhaupt schwingt mit der markanten Pungierung jede Menge Zeitkolorit mit, und dementsprechend unspannend ist auch die Etymologie von "polka dots". Die deutsche Wikipedia begnügt sich mit der Auskunft "Die Herkunft des Namens ist ungeklärt; insbesondere ob ein Zusammenhang mit dem gleichnamigen Tanz besteht", die englischsprachige konstatiert hingegen mit Bezug auf das Oyford English Dictionary: "It is likely that the term originated in popularity of Polka dance at the time the pattern became fashionable, just as many other products and fashions of the era also adopted the 'polka' name." Eine schöne Analogie zu dieser einleuchtenden Erklärung gibt die Seite word-detective.com: "There were several items of clothing and even food labeled 'polka' at the time, much as the prefix 'cyber' was slapped on everything from TV news shows to dog food in the mid-1990s. Most of such 'polka' tie-ins disappeared as the dance fad faded. 'Polka dots,' however, survived (as did the polka itself)." Also: Das Aufkommen des Musters fiel in die große Ära des Polkatanzes und war damit einfach "polka" wie so manch anderes aus dem Anfang und der Mitte des 20. Jahrhunderts, etwa "polka jackets, polka hats, even polka gauze", wie Straight Dope zu ergänzen weiß. Ein netter Artikel auf thehairpin.com, der die Geschichte der "polka dots" erschöpfend behandelt, liefert einen alternativen Ansatz: "There is only a tenuous connection between dot and dance, yet surely the two are linked — it’s possible that polka dots reflect the same regulated, short bursts of energy that inflect the polka itself."

Samstag, 29. Oktober 2016

Torsten testet Me-too-Produkte: Knuspers

Das heute getestete Lebensmittel ist ein Markenprodukt. Mit ihren Funny-frisch Knuspers Honig & Senf imitiert die deutsche Intersnack GmbH ganz offensichtlich die beliebten Honey Mustard Pretzel Pieces von Snyder's of Hanover. Kann sie auch nur annähernd an das amerikanische Vorbild herankommen?


Zuerst die Daten und Fakten. Mit 1,49 € ist die Funny-frisch-Tüte 50 Cent billiger als das Snyder's-Vorbild, sie enthält allerdings statt 125 nur 120 Gramm. Beim Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe überraschen die Knuspers positiv, enthalten sie doch keinerlei böses Palmöl, sondern lediglich Sonnenblumenöl. Ansonsten sind die Zutaten nahezu identisch, nur das den pennsylvanischen Pretzel Pieces zugefügte Meerrettichpulver sucht man im Nachahmerprodukt vergeblich. Ist dies vielleicht das Zünglein an der Aromawaage? Denn, um zum Wesentlichen zu kommen, ein so intensives Flavor-Erlebnis wie die süchtig machende Snyder's-Knabberei bescherten mir die Knuspers leider nicht. Das liegt womöglich auch daran, dass die Beschaffenheit unterschiedlich ist: Knuspers haben eine niedrigere Dichte und verfügen auch nicht über jene glatten, scheinbar glasierten Flächen wie die Snyder's-Stückchen. Überhaupt wirken letztere wie echter, grob zerhauener Brezelbruch, während die Knuspers, auf deren Verpackung das Wort "Brezel" kein einziges Mal vorkommt, als biederere und uniformere Backwarenbröckchen um unsere Gunst buhlen. Hier wie da gibt es eine leichte Zwiebelnote, die aber selbst mich als ausgesprochenen Zwiebelverächter nicht stört.
Insgesamt ist mit der US-Variante gut bedient, wem es nach der ultimativen Honig-Senf-Explosion gelüstet. Wer es nicht gar so krass und kross braucht, darf getrost zur Funny-frisch-Version greifen und findet dennoch eine hochbefriedigende Chips- und Flips-Alternative. Wertung: 8/10