Donnerstag, 13. Oktober 2011

Gekommen, um zu bleiben

Eine kleine grammatische Schludrigkeit macht sich breit.
Material:

1. Süddeutsche Zeitung vom 9.3.2011: "Irgendwie hat er herausgefunden, dass mit zwei Töpfchen brennender Paste die Würstchen gerade noch nicht platzen, aber heiß genug sind, um sie zu verkaufen." Es geht um den Teil ab dem vorletzten Komma. Die Würstchen sind heiß genug, um sie zu verkaufen. Da stimmt doch was nicht! Die Würstchen sind hier eindeutig das Subjekt, und Subjekte stehen im Nominativ. In dem finalen Satzanschluss mit "um zu" stehen sie aber im Akkusativ (der dem Nominativ zufällig gleicht). Das (grammatische) Subjekt ist hier jedoch "er" (die Rede war von einem Imbissbudenbesitzer). Richtig wäre also: "[...] aber heiß genug sind, um verkauft zu werden." Ist es sehr päpstlich, diesen Lapsus zu bemerken und zu bemängeln? Ein Einzelfall ist dieses Beispiel nicht:

2. Die Historikerin Sybille Steinbacher im Zeit-Interview vom 17.3.11: "In der frühen Bundesrepublik wurden ehemalige NS-Verbrecher systematisch amnestiert, um sie in die Gesellschaft zu integrieren." Das Prädikat steht hier im Passiv ("wurden amnestiert"), der Infinitiv im finalen Satzanschluss aber im Aktiv. Korrekt wäre m.M.n. nur: "[...] um in die Gesellschaft integriert zu werden."

3. Süddeutsche Zeitung vom 17.3.11: "Deren Kleidung und Rucksäcke werden vor und nach den Besuchen außerdem penibel gereinigt, um keine Pflanzen oder Viren auf den Kontinent einzuschleppen." Hier ist es noch verrückter, denn das einschleppen bezieht sich hier weder auf die Kleidung und Rucksäcke noch auf die Reinigenden, sondern auf ein drittes "Subjekt", nämlich jenes, das sich hinter "deren" am Satzanfang verbirgt (im Satz davor ging es um Antarktis-Touristen). Mein Vorschlag: "Damit sie keine Pflanzen oder Viren auf den Kontinent einschleppen, werden ihre Kleidung und Rucksäcke vor und nach den Besuchen penibel gereinigt."

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