Donnerstag, 31. Oktober 2019

Meine 20 zuletzt gesehenen Filme (2/2)

A Cure for Wellness
Ein interessanter, unvorhersehbarer, unkonventioneller Mystery-Thriller mit einigen unangenehmen Momenten, aber ansprechender Optik (Regie: Gore Verbinski). Je weniger man über die in einer unheimlichen Hochgebirgs-Heilanstalt spielende Story weiß, desto besser.

Vice
Das Biopic über den "zweiten Mann" (so der deutsche Untertitel) Dick Cheney, der, das wird noch einmal klar herausgearbeitet, über Jahrzehnte hinweg die US-Politik geprägt hat und vor allem im post-9/11-Bush-Amerika nicht weniger als der erste Mann im Staate war, überzeugt noch mehr als Adam McKays letzte gesellschaftspolitische Satire, das oscar-prämierte Wirtschafts-Comedy-Drama "The Big Short". Ich habe mich zu gleichen Maßen echauffiert und amüsiert. So bedauerlich es ist, dass McKay seit diesem Jahr nicht mehr für Gaga-Komödien aus dem von ihm mitbegründeten Hause Gary Sanchez Productions (s.u.: "Casa de mi Padre") verantwortlich zeichnet, so sehr begrüße ich den Schwerpunktwechsel auf politische Themen. So großartig wie das Drehbuch ist auch Christian Bale als nicht totzukriegender Vizepräsident.

Der Diktator
Sacha Baron Cohens Filme habe ich seltsamerweise erst sehr spät begonnen "abzuarbeiten". 2016 (also bevor ich anfing, meine gesehenen Filme hier festzuhalten) sah ich dann "The Brothers Grimsby" und war begeistert von der kindlichen Freude an Albernheit und Grenzüberschreitung. Bei "Borat" sowie bei Cohens entlarvender TV-Reihe "Who is America?" ist mir dann sogar mehrmals vor Lachen die Luft weggeblieben. Während "The Dictator" sind bei mir zwar nicht die Tränen geflossen, doch gefiel mir abermals das Zelebrieren von Geschmacklosigkeit und die überzeichnete Figur, die Sacha Baron Cohen hier verkörpert. Wie schon bei "Grimsby" wurden zudem mehrere Rollen mit namhaften Charakterdarstellern besetzt, was die Lächerlichkeit ihres Spiels und die Läppischkeit der Handlung wunderbar verstärkt.
Falls Cohen nach "The Spy" vorhat, dauerhaft ins ernste Fach zu wechseln, bleiben mir immer noch "Brüno" und "Ali G in da House", die ich nämlich auch noch nicht gesehen habe!

Der große Trip – Wild
Wer glaubt, Reese Witherspoons Selbstfindungstrip von 2014 sei nur die weibliche Version von "Into the Wild" (2007) oder so etwas wie "127 Hours light", tut dieser von Nick Hornby adaptierten Romanverfilmung Unrecht. Die Motivation der Heldin ist nicht wie bei Jon Krakauer der Trieb, Naturgewalten zu "bezwingen" oder menschliche Grenzen auszuloten, Cheryl Strayed ist auch keine trotzige, zivilisationsmüde First-World-Aussteigerin, sondern eine schicksalsgebeutelte junge Frau, die auf den 1000 Meilen des Pacific Crest Trail (wieder) zu sich kommen und ihre Vergangenheit verarbeiten will. Bildgewaltig, packend und ergreifend.

The Crazies – Fürchte deinen Nächsten
Kaum erinnerungswürdiger Verschwörungs-Horror, den lediglich Timothy Olyphant sowie einige nett klaustrophobische Augenblicke über das Niveau einer "Akte X"-Episode heben.

El Camino: A Breaking Bad Movie
War dieser zweistündige Epilog zu einer der besten Fernsehserien aller Zeiten wirklich nötig? Nein. Habe ich mich trotzdem unterhalten und nostalgisch gefühlt? Ja. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen, außer dass man sich vorher vielleicht noch einmal ein "Was bisher geschah"-Video anschauen oder sich mit einem Rewatch auf den letzten Stand bringen sollte, denn "El Camino" knüpft wirklich nahtlos an das Finale von "Breaking Bad" an und ist mit teils weit zurückreichenden Verweisen und Anspielungen gespickt.

Colonia Dignidad
Auch hier ist zusätzliches Lesen angeraten. Entweder vor oder nach dem Schauen der deutschen Co-Produktion sollte man den Wikipedia-Artikel zu der 1961 gegründeten Sektensiedlung in Chile lesen. Ich habe es nach dem Ende des Films getan und wurde direkt doppelt so wütend, wie ich bereits war. Ein unfassbares Kapitel der Nachkriegsgeschichte!

Ein Mann namens Ove
In typisch skandinavischer Tradition gehen bei dieser schwedischen Bestseller-Verfilmung Tragik und Komik Hand in Hand – wobei das Komische von mir aus gern hätte überwiegen können. Skurril, makaber, rührend, aber kein Must-see.

Casa de mi Padre
Endlich wieder Will Ferrell! Diesmal spricht er durchgängig (und überraschend gut) spanisch als Held in einer Parodie auf mexikanische Western und Telenovelas. Wie auch die "Funny or Die"-Miniserien "The Spoils of Babylon" und "The Spoils Before Dying" ist diese Persiflage vollgepackt mit Stylistic sucks und Special effects failures: Es gibt gemalte Kulissen, recycelte Dauerschleifen-Hintergrundvideos, animatronische Tierpuppen (z.T. immerhin aus dem Hause Henson!), Anschluss- und Schnittfehler, schlechte Stuntdoubles und Plastikgesäße (!). Darüber hinaus kommt ordentlich Kunstblut zum Einsatz, denn mit comichafter Gewalt hält sich "Casa de mi Padre" nicht zurück.
So gefällig dieser Mix aus Persiflage und Hommage stellenweise ist, wirkt er unterm Strich doch wie ein allzu ausgewalzter Wegwerfgag. Der auf Wikipedia zitierten Einschätzung des "Hollywood Reporter" möchte ich mich daher anschließen: "It makes sense that this Spanish-lingo farce plays very much like an SNL sketch. The only problem is that it packs about as many laughs into its 85 minutes as a good skit does in eight or 10."

The Bay
Kurz vor Halloween dann noch ein so kurzer wie kurzweiliger Pseudo-Doku-Schocker, den ich seit Jahren auf der Watchlist hatte. Es geht um Umweltkatastrophen, Wasserverschmutzung, Atommüll, Erderwärmung – was den Film noch aktueller macht als im Erscheinungsjahr 2012 – und die Auswirkungen auf die Küstenfauna eines Örtchens in Maryland. Mit einer originell gewählten Killer-Spezies, die hier nicht verraten werden soll, ist "The Bay" zwar ein Creature-Feature, aber vor allem ein beklemmendes Bedrohungs-Szenario, das dem Found-Footage-Genre insofern etwas hinzufügt, als es nicht nur ein (vorgebliches) Privatvideo abspult, sondern zusätzlich Polizeistreifen-Mitschnitte, News-Übertragungen, wissenschaftliche Bewegtbildprotokolle, Überwachungskamera-Material usw. aneinanderreiht, was nebenbei gut zeigt, wie lückenlos man im digitalen Zeitalter ein Ereignis, das (wie hier) vertuscht werden soll, mit Hilfe der permanent anfallenden "Live"-Daten rekonstruieren kann.
Die niedrigen 5,6 Punkte auf imdb sind definitiv unverdient.

Samstag, 26. Oktober 2019

Filmtitel XX

Au bout des doigts → Der Klavierspieler vom Gare du Nord 
Outlaws → One Percent – 1%
Damsel → Smoking Gun
The Resident → Atlanta Medical (Serie)
Soldier → Star Force Soldier
Mercy → My Days of Mercy
Metti la nonna in freezer → Nonna mia!
Poms → Dancing Queens
Puppet Master: The Littlest Reich → Puppet Master: Das tödlichste Reich
Un homme pressé → Das zweite Leben des Monsieur Alain
Amanda → Mein Leben mit Amanda
Maleficent: Mistress of Evil → Maleficent: Mächte der Finsternis
The Art of Racing in the Rain → Enzo und die wundersame Welt der Menschen 
Intrigo: Dear Agnes → Intrigo: In Liebe, Agnes
Imitation Girl → Stargirl
Gloria Bell → Gloria – Das Leben wartet nicht
Ford v Ferrari → Le Mans 66 – Gegen jede Chance
Haunt → Halloween Haunt
En liberté! → Lieber Antoine als gar keinen Ärger

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Meine 20 zuletzt gesehenen Filme (1/2)

Brexitannia
Ich bin ja ein Anhänger der (durch eigene Erfahrung empirisch gefestigten) These, dass es keine unysmpathischen Briten gibt. Auch die in dieser O-Ton-Collage auftretenden Männer und Frauen von der Insel machen durchweg einen netten Eindruck, selbst wenn sie unmöglichen Quatsch daherreden. Die Dokumentation – auch wenn dieses Wort das Genre nicht korrekt bezeichnet – entstand kurz nach dem Brexit-Votum 2016 und zeigt, dass einfach sehr viel Unwissenheit und Unsicherheit in der Bevölkerung herrscht(e). Neben einfachen Leuten kommen auch Gelehrte zu Wort. Ein faszinierender Einblick in die "englische Seele".

Der diskrete Charme der Bourgeoisie
Eine französische Farce, von der ich bisher nur den Titel gekannt hatte. "Farce" trifft es m.M.n. ganz gut, denn dieses Stück von 1972 bewegt sich irgendwo zwischen Satire und Groteske. Hin und wieder schert es ins Klamottige aus, es geizt auch nicht mit Frivolität. Unterm Strich würde ich behaupten, dass "Der diskrete Charme", käme er heute raus, nicht den Kultfaktor erreichen würde, den er hat. Regie führte übrigens kein Geringerer als Luis Buñuel.

Die grüne Lüge
Eine Doku, die schlechte Laune macht, was natürlich Kathrin Hartmanns Intention ist: Hier werden unbequeme Wahrheiten ins Bewusstsein gerückt (Al Gores "Unbequeme Wahrheit" habe ich übrigens immer noch nicht gesehen), wobei nicht alles als völlig hoffnungslos dargestellt wird. Zudem gibt es mit Werner Boote einen unterhaltsamen Gegenpart, der häufig den verschmitzten Advocatus diaboli gibt.

Iron Man 3
Um ein bisschen Marvel-Wissen nachzuholen, damit ich mir irgendwann mal die letzten "Avengers" angucken kann, habe ich mehr als acht Jahre nach "Iron Man 2" dem Abschluss der Trilogie eine Chance gegeben. Solides Gerummse.

Mr. Holmes
Endlich durfte auch Ian McKellen den großen Sherlock Holmes verkörpern – den alten Sherlock Holmes. Der sich zur Ruhe gesetzt habende Meisterdetektiv versucht seinen letzten Fall zu rekonstruieren, aber im Grunde gibt es gar keinen richtigen Fall, wie überhaupt alles, wofür man die Holmes-Geschichten liebt, kaum eine Rolle spielt (mysteriöse Verbrechen, Deduktion, London). Sehr behäbig.

The Walk
Zu Robert Zemeckis' biografischem Abenteuerdrama von 2015 habe ich ein paar Zeilen auf Facebook geschrieben, die ich hier reinkopieren möchte:
- Ein Film, der das Potenzial hat, mich SEHR wütend zu machen: Joseph Gordon-Levitt als französischer Straßenartist (u.a. Pantomime und Jonglage!), der sich in den Kopf gesetzt hat, ein Drahtseil zwischen die Türme des gerade erst errichteten World Trade Centers in New York zu spannen, um ungesichert darüber zu balancieren. Wenn ich so jemandem in echt begegne (Backpacker-Hostels sind das natürliche Habitat dieser Spezies), suche ich das Weite. Das ist der Typ Künstler, der nicht zur Unterhaltung performt, sondern um sich selbst etwas zu beweisen, Frauen zu "verzaubern", der Staatsgewalt eins auszuwischen (was immer "eins" sei) und zu zeigen, dass er halt "verrückt" ist. An einer Stelle brüllt er das seinem Compagnon wortwörtlich entgegen - ach ja, er spricht den ganzen Film über mit französischem Akzent.
Ich schaue bis zu Ende, weil die Aufnahmen beeindruckend zu werden versprechen.
Bittersweet sind die Auftritte von Notre-Dame und der Twin Towers.
- Lol, Paul Giamatti in einer Minirolle
- Einmal zieht sich die Hauptfigur sinnloserweise nackt aus - was wieder zu ihr passt.
- Er wollte den walk ursprünglich in einem SCHWARZEN ROLLKRAGENPULLOVER absolvieren, aber der ist vom Dach geflogen, hehe.
- Okay, ich hätte das schon gern in 3D im Kino gesehen, aber da wäre mir vermutlich schlecht geworden.
- Bechdel-Test nicht bestanden btw

Jungle
Basierend auf einer wahren Geschichte: Daniel Radcliffe verirrt sich in den Urwäldern Boliviens. Schicke Schauwerte, ein bis zwei Ekelszenen und schockierend realistische Wildwasser-Sequenzen, bei denen einem die Luft wegbleibt. Man bekommt Lust auf Abenteuerurlaub und wird gleichzeitig davon abgeschreckt.

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (OT: Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales)
Der mittlerweile fünfte Teil der Reihe (ich hatte geglaubt, der sechste) macht immer noch viel Spaß, aber so langsam ist die Luft raus. Die Story, die in den ersten drei Filmen noch mit fast schon fordernder Komplexität überraschte, passt auf einen Bierdeckel. Ich fürchte, ich werde trotzdem jede weitere Fortsetzung anschauen ...
In diesem Zusammenhang eine Anekdote: Als der allererste "Fluch der Karibik" rauskam, befand ich mich gerade in Neuseeland, und ich als alter "Monkey Island"-Fan musste ihn natürlich sofort im Kino sehen. An der Kasse verlangte ich "one ticket for 'Pirates of the CaRIBbean', please", worauf die Kartenverkäuferin freundlich wiederholte: "One ticket for 'Pirates of the CaribBEan', yes." Seitdem betone ich das englische Wort für "Karibik" stets auf der dritten Silbe. Doch was musste ich vor wenigen Wochen durch einen Sketch bei "Late Night with Seth Meyers" lernen? Dass die akkurate Aussprache durchaus umstritten ist!

Happy Deathday
Kurz nachdem ich über die aktuelle "Murmeltier"-Welle geschrieben hatte, war "Happy Deathday" auf Amazon Prime verfügbar und entpuppte sich als durchaus vergnüglicher Zeitschleifen-Slasher mit dem ein oder anderen Twist. Die Heldin, die ihren eigenen Mord aufklären und letztlich verhindern muss, erlebt dabei wie Bill Murray eine Läuterung, ist anfangs noch eine (etwas überzeichnete) Zicke und am Ende empathisch, gerecht und allgemein relatable. Ob ich mir "Happy Deathday 2U" auch noch geben werde, weiß ich allerdings nicht.

Es: Kapitel 2
Während die kassensprengende erste Hälfte der neuen "Es"-Verfilmung noch Gänsehaut zu erzeugen vermochte, hat mich das "Chapter Two" vollkommen kalt gelassen. Eine einzige gruselige Stelle gibt es, und die kannte ich bereits aus dem Trailer. Der Rest ist unsubtil wie nur irgendwas. Es wird von einer übertrieben hysterischen Effekthascherei zur nächsten gesprungen, unterschwelliges Grauen, Gesellschaftskritik und Coming-of-Age-Sequenzen kann man mit der Lupe suchen. Immerhin hat Stephen King (dessen bester Roman "Es" für alle Zeiten bleiben wird) einen Gastauftritt, und Bill Hader überzeugt mit seiner Performance zwischen ernsthaftem Charakter und Comic relief.

Dienstag, 22. Oktober 2019

Traumprotokoll: Extreme Metal

Ich habe geträumt, es gäbe einen Metal-Künstler, der als "extremster Metal-Act der Moderne" galt – und ich hatte die Möglichkeit, ihn live zu erleben, da er in meine Stadt kam. "Künstler" ist dabei eigentlich schon falsch, denn das Ein-Personen-Projekt war offen gender-fluid: Mal trat er*sie martialisch maskulin und männlich grunzend auf, andere Male als Schulmädchen. Den Namen habe ich mir leider nur zur Hälfte gemerkt, irgendwas mit "Impala" (aber natürlich nicht "Tame Impala", ich möchte sagen "Darkened Impala" oder etwas in der Richtung).
Das Ganze trug sich in der Jetztzeit zu, ich war allerdings noch Student. Die Show fand denn auch in einer Spielstätte auf "meinem" Campus statt und war erwartungsgemäß gut besucht. Bereits als die ersten Klangteppiche aus den Boxen brummten, machte sich eine Mischung aus Vorfreude und Furcht breit; als die Musik gerade mal auf die halbe Lautstärke angeschwollen war, fingen einige Gäste zu weinen an. Der Stil erinnerte mich an Anaal Nathrakh, neben Industrial- waren auch Mathcore-Elemente auszumachen. Hin und wieder gab es melodische Mid-tempo-Abschnitte, und XYZ Impala machte sich einen Spaß daraus, diese so aufzubauen, dass man glaubte, sie würden ein besonders brutales Geknüppel einleiten, nur um dann sanft, gleich einer verlängerten Bridge, weiterzulaufen, so dass diejenigen, die schon zum Headbangen angesetzt hatten, plötzlich doof dastanden. Es war hohe Kunst, und nicht nur die Songs loteten die Grenzen des Erträglichen aus, sondern auch die Performances dazwischen. Einmal stach der*die Sänger*in sich einen Dolch durch beide Wangen wie bei einer ultra-taoistischen Straßenprozession in Südostasien. Ein anderes Mal katapultierte er*sie sich mit einem Wasserfontänen-Jetpack am Rücken mehrere Meter in die Luft.
Irgendwann ging die bizarre Kreatur wortlos von der Bühne und blieb minutenlang verschwunden. Ich wollte derweil auf die Facebook-Veranstaltungsseite des Konzerts schauen und stellte fest, dass ich von der Blabla-Impala-Fanpage ausgeschlossen worden war! Es war bekannt, dass man dieser nur beitreten durfte, wenn man sich als enormer devotee, als wahrer Superfan bewiesen hatte. In diesem Moment erreichte mich eine private Nachricht, in der stand: "Im Jahr 2011 hast du auf deinem Blog Tourdaten von verschiedenen Bands aus der Zeitschrift Metal Hammer veröffentlicht, und ich war nicht dabei!" Das war also die (unverschämte und zudem substanzlose) Begründung für meine Verbannung aus der Facebook-Gruppe. Ich bekam es mit der Angst zu tun und verließ die Location. Draußen hörte ich ein hexenartiges Kichern: Es war der Sänger in seiner Schulmädchen-Identität, der mich offenbar jagte! Alle paar Sekunden erblickte ich es, wie es übermenschlich schnell durch Seitengassen und Parallelstraßen flitzte. Ich stürmte ins Studentenwohnheim, schnappte mir aus meinem Zimmer panisch einen Stapel Schmutzwäsche (?) und floh in die Bibliothek, die für diese nächtliche Uhrzeit noch erstaunlich voll war. Durch immer enger werdende Gänge rannte ich, schob Personen beiseite, die Hände voller Textilien, Schulmädchen-Rufe dicht hinter mir. Bevor ich mich in einen Gemeinschaftsduschraum (?) retten konnte, wachte ich auf.

Montag, 21. Oktober 2019

Kleines Update zum letzten Kalenderwitzbildchen

Da vermutlich niemand die Kommentare unter meinen Blogposts liest (bzw. von diesen gar nicht erst Kenntnis nimmt, weil ich sie aus Spamvermeidungsgründen händisch freischalte, was sich oft um ein paar Tage verzögert), kopiere ich die Anmerkung zur 70. Folge "Humorperlen aus dem Abreißkalender" noch einmal in einen (diesen!) Extrabeitrag:
scheint mir da auf der [eigentlich beblusten] herrenbrust eine hitlerbrusthaarmaske durch, oder was bedeuten diese mir nicht recht erklaerlichen strichelschatten. und ist diese zeichnung vom [vor ein paar wochen verstorbenen] prüstel? ein verwirrender cartoon ,ich finde ihn interessant.
Der Autor, Bob Schroeder (btw: schön, Sie wiederzusehen!), hat recht: Der Cartoon ist von Andreas Prüstel; auf dem leicht zu ergoogelnden, farbigen und mit handschriftlicher Oberzeile versehenen Original erkennt man, dass die Brust keineswegs beblust, sondern tief ausgeschnitten ist.

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Kurz getestet: Balea-Schönheitsgeheimnisse


1. Das vitalisierende Duschgel mit Yuzu riecht sehr zitronig, was nicht verwundert, enthält es doch "citric acid" (Zitronensäure), "citrus limon fruit extract" (gemeint sind wohl Extrakte der Früchte von Citrus × limon, vulgo Zitronen), "limonene" (Limonen, "ein Naturstoff aus der Gruppe der Terpene"; Wikipedia) und "hydrogenated palm glycerides citrate" (letztlich Palmölfett). Auszüge der ostasiatischen Yuzu-Frucht werden, anders als es der Vorderaufdruck vermuten lässt, für dieses Duschgel nicht verwendet, was das Etikett auf der Flaschenrückseite immerhin einräumt: "... inspiriert von den Früchten Japans". Ich mag's ganz gern.


2. Das reparierende Shampoo mit Macadamia-Öl enthält tatsächlich Macadamia-Öl, daneben Extrakte von Hänge-Birken-Blättern sowie Karamell, was man leider ein wenig zu stark wahrnimmt. (Es ist jedoch nichts im Vergleich mit dem Karamell-Duschgel, das es ebenfalls von der dm-Eigenmarke gibt.) Pickt man sich aus der langen Liste der Inhaltsstoffe wahllos einen heraus, findet man leider auch Bedenkliches: Peg-4 Rapeseedamide steht etwa im Verdacht, die Barrierefunktion der Haut zu schwächen, und Ascorbyl-Palmitat (Vitamin C) muss nicht, aber kann aus Palmöl gewonnen worden sein; darauf, dass es das in diesem Fall ist, würde ich glatt wetten.

Fazit: Beide Produkte sind angenehm und aromatisch, wenn auch Geschmackssache (vor dem Kauf Geruchsprobe nehmen!). Für den unschlagbar niedrigen Preis darf man freilich keine hochwertigen Bio-Zutaten erwarten.

Dienstag, 15. Oktober 2019

Mit Kanones auf Spatzen schießen

Pünktlich zum Beginn der Frankfurter Buchmesse möchte ich ehrlich und ohne Scham gestehen, dass ich aus Denis Schecks Literaturkanon ("Die Scheck-Liste", einsehbar und kommentiert im aktuellen Stern) nur drei Dinge gelesen habe. Ich schreibe bewusst "Dinge" und nicht "Bücher", weil auch ein Gedicht darunter ist. Hinzu kommen ein abgebrochenes, zwei pausierte und drei lediglich in Auszügen studierte Werke.
Man kann über Sinn und Unsinn eines solchen Lesekanons streiten. Wenn es heißt, dies und jenes müsse man gelesen haben, weil man es halt gelesen haben muss, habe ich in der Regel gleich viel weniger Lust auf die Lektüre. Das erinnert mich nämlich an Schule (XYZ muss man lesen, weil es Prüfungsstoff ist) und hat gleichzeitig etwas von alberner Distinktion (Stichwort Bourdieu, "Die feinen Unterschiede" (muss man gelesen haben! (ich hab's nicht gelesen))): Lesen als Abgrenzung, Kenntnis von Literatur, damit man einem speziellen Zirkel angehören darf.
Im Gegensatz zu Marcel Reich-Ranickis berühmtem Kanon scheint mir der Scheck'sche aber tatsächlich mehr leidenschaftliche Empfehlung denn bildungsbürgerliche Direktive zu sein, was ich daran festmache, dass unter den 100 Items auch Modernes, Kindliches, Abseitiges ist. Da will jemand aufrichtig Neugier aufs und Freude am Lesen machen. Und darauf kommt's doch an. Kurzum: Nicht schämen, wenn man was nicht kennt! Auch wenn ich in Sachen Weltliteratur nicht mitreden kann, meine ich doch, dass die Hunderten (Tausenden?) Titel, die ich konsumiert habe, mir in hinreichendem Maße Wissen vermittelt und den Verstand geschärft haben. Ich glaube jedenfalls nicht, dass mich ein Schnarchschmöker wie "Frau Jenny Treibel" zu einem interessanteren Gesprächspartner gemacht hätte.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Hans, guck in den Loft!

Es ist schon einige Monate her, dass ich das hervorragende Bestimmungsbuch für moderne Architektur "Alles nur Fassade" von Turit Fröbe gelesen habe, und selbstverständlich habe ich so gut wie alles vergessen, was da drin steht. Allerdings hat mich die Lektüre insoweit verändert, als ich jetzt mit geschärftem Blick durch Städte laufe. Ich achte verstärkt auf Häuserfronten, auf Fenster und Dächer, überhaupt recke ich öfter meinen Kopf, um mir auch mal die oberen Abschnitte von Gebäuden genauer anzuschauen. Dabei entdecke ich auch an vertrauten Orten Details, die mir bisher entgangen sind, etwa hier an der Straße "Am Hauptbahnhof" am Frankfurter Hauptbahnhof:


Laut der Wikipediaseite "Liste der Kulturdenkmäler in Frankfurt-Bahnhofsviertel" handelt es sich um den 1908 gebauten Merkurbau. Diese Säulen! Die Fenster! Die Kulturdenkmäler in diesem von vielen gemiedenen, schlecht beleumundeten Viertel sind hauptsächlich um die Wende 19./20. Jahrhundert entstanden und weisen neben neoklassizistischen Elementen auch solche des Neobarock, des Jugendstils und der Neurenaissance auf. Zu gerne würde ich solch ein Haus mal von innen sehen, die darin enthaltenen Büroräume und vor allem Wohnungen besichtigen.

Dienstag, 8. Oktober 2019

Heute hier, morgen tot

"Bild online" hielt es gestern für nötig, die Berichterstattung zu einem Massenmord in Österreich ("DAS EIFERSUCHTS-MASSAKER VON KITZBÜHEL") mit diesen zwei Aufmachern zu garnieren:

1. "Hier tanzte Nadine noch auf einer Hochzeit"
2. "Kitzbühel-Opfer Florian J.: Am Abend vor dem Massaker war er noch 'Man of the Match'"

"Meldungen" dieser Art sind nichts Neues, aber da diese Beispiele aufmerksamkeitsheischend im Verlaufe eines halben Tages rausgehauen wurden, habe ich länger darüber nachgedacht. Welchen Mehrwert hat die Erkenntnis, dass jemand gestern noch dies und das gemacht hat und dabei glücklich war? Wäre die Bluttat weniger erschütternd, wenn die Opfer kurz vorher träge auf der Couch gelungert oder im Spielcasino zehntausend Euro verzockt hätten? Es heißt nicht umsonst, er oder sie sei "aus dem Leben gerissen worden". Nicht nur einen Tag, sondern wenige Minuten nach einem freudigen Ereignis oder einer sorglosen Aktivität kann man einem Verbrechen oder einem sonstigen Unglück zum Opfer fallen, dies ist oft wesentliches Merkmal dessen, was man nicht-literaturwissenschaftlich "Tragödie" nennt.

Auf die Schlagzeile "Kitzbühel-Schmierfinken: Letztes Jahr arbeiteten sie noch bei richtigen Tageszeitungen!" warte ich gar nicht erst.

Sonntag, 6. Oktober 2019

Maussichten


Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Absatz aus "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" (Clemens J. Setz, Suhrkamp 2011) von jungen Menschen in zehn Jahren kaum noch verstanden werden wird. Einen Laptop könnten sie gerade noch so kennen, aber ein Browser wird mangels Notwendigkeit keine Rolle mehr in ihrem Alltag spielen – wer steuert denn heute noch eine Webseite direkt an, wo sich doch alles auf eine Handvoll sozialer Netzwerke konzentriert, in die plattformfremde Inhalte als Screenshot oder Zitatblock, allenfalls als Links, auf die eh keiner klickt, eingespeist werden? Und die Erwähnung einer Maus oder gar eines Mauspads, zumal in den veraltend wirkenden nicht angepassten Schreibungen, wird Twenty-somethings, die schon anno 2019 mehrheitlich auf dieses Eingabegerät verzichten, vollends ratlos machen.
Aber womöglich irre ich mich. Technikbezogene Vorhersagen sind heikel, niemand sollte welche tätigen.

PS: Ich benutze meinen Laptop in diesem Moment notgedrungen ohne Maus, und ich hasse es!

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Die besten Webcomics (2x revisited)

Anfang 2017 hatte ich vermerkt, dass Safely Endangered "nur noch sporadisch neue Inhalte" teilt, was damals auch stimmte. Inzwischen gibt es aber unter dem "Webtoon"-Dach jeden Montag und Mittwoch neuen Stoff, mithin häufiger als 2013, als ich die Reihe mit dem Hinweis "Updates unregelmäßig" erstmals vorstellte, und sie wird m.M.n. immer besser.


VGCats hingegen hat letztes Jahr aufgegeben. Das Archiv kann man freilich noch einsehen.