Dienstag, 22. Oktober 2019

Traumprotokoll: Extreme Metal

Ich habe geträumt, es gäbe einen Metal-Künstler, der als "extremster Metal-Act der Moderne" galt – und ich hatte die Möglichkeit, ihn live zu erleben, da er in meine Stadt kam. "Künstler" ist dabei eigentlich schon falsch, denn das Ein-Personen-Projekt war offen gender-fluid: Mal trat er*sie martialisch maskulin und männlich grunzend auf, andere Male als Schulmädchen. Den Namen habe ich mir leider nur zur Hälfte gemerkt, irgendwas mit "Impala" (aber natürlich nicht "Tame Impala", ich möchte sagen "Darkened Impala" oder etwas in der Richtung).
Das Ganze trug sich in der Jetztzeit zu, ich war allerdings noch Student. Die Show fand denn auch in einer Spielstätte auf "meinem" Campus statt und war erwartungsgemäß gut besucht. Bereits als die ersten Klangteppiche aus den Boxen brummten, machte sich eine Mischung aus Vorfreude und Furcht breit; als die Musik gerade mal auf die halbe Lautstärke angeschwollen war, fingen einige Gäste zu weinen an. Der Stil erinnerte mich an Anaal Nathrakh, neben Industrial- waren auch Mathcore-Elemente auszumachen. Hin und wieder gab es melodische Mid-tempo-Abschnitte, und XYZ Impala machte sich einen Spaß daraus, diese so aufzubauen, dass man glaubte, sie würden ein besonders brutales Geknüppel einleiten, nur um dann sanft, gleich einer verlängerten Bridge, weiterzulaufen, so dass diejenigen, die schon zum Headbangen angesetzt hatten, plötzlich doof dastanden. Es war hohe Kunst, und nicht nur die Songs loteten die Grenzen des Erträglichen aus, sondern auch die Performances dazwischen. Einmal stach der*die Sänger*in sich einen Dolch durch beide Wangen wie bei einer ultra-taoistischen Straßenprozession in Südostasien. Ein anderes Mal katapultierte er*sie sich mit einem Wasserfontänen-Jetpack am Rücken mehrere Meter in die Luft.
Irgendwann ging die bizarre Kreatur wortlos von der Bühne und blieb minutenlang verschwunden. Ich wollte derweil auf die Facebook-Veranstaltungsseite des Konzerts schauen und stellte fest, dass ich von der Blabla-Impala-Fanpage ausgeschlossen worden war! Es war bekannt, dass man dieser nur beitreten durfte, wenn man sich als enormer devotee, als wahrer Superfan bewiesen hatte. In diesem Moment erreichte mich eine private Nachricht, in der stand: "Im Jahr 2011 hast du auf deinem Blog Tourdaten von verschiedenen Bands aus der Zeitschrift Metal Hammer veröffentlicht, und ich war nicht dabei!" Das war also die (unverschämte und zudem substanzlose) Begründung für meine Verbannung aus der Facebook-Gruppe. Ich bekam es mit der Angst zu tun und verließ die Location. Draußen hörte ich ein hexenartiges Kichern: Es war der Sänger in seiner Schulmädchen-Identität, der mich offenbar jagte! Alle paar Sekunden erblickte ich es, wie es übermenschlich schnell durch Seitengassen und Parallelstraßen flitzte. Ich stürmte ins Studentenwohnheim, schnappte mir aus meinem Zimmer panisch einen Stapel Schmutzwäsche (?) und floh in die Bibliothek, die für diese nächtliche Uhrzeit noch erstaunlich voll war. Durch immer enger werdende Gänge rannte ich, schob Personen beiseite, die Hände voller Textilien, Schulmädchen-Rufe dicht hinter mir. Bevor ich mich in einen Gemeinschaftsduschraum (?) retten konnte, wachte ich auf.

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