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Montag, 13. Juli 2026

Abt. Gute Ortsnamen

Dass US-amerikanische Gemeinden von heute auf morgen und nach Lust und Laune ihren Namen ändern dürfen, erfuhr ich aus einem Abschnitt über Ortsnamenwechsel in Ken Jennings' Geographieschmöker "Maphead". Sicher, ein paar Hürden mag es für solche gravierenden Schritte geben, doch scheinen diese niedriger zu liegen als etwa in Deutschland. Zum Beispiel können die Einwohner einer Stadt darüber abstimmen, so geschehen im Bundesstaat New Mexico:

Ursprünglich hieß die Stadt Hot Springs. Am 31. März 1950 beschlossen die Bürger der Stadt mit 1294 zu 295 Stimmen sie nach der Quizshow Truth or Consequences von Ralph Edwards umzubenennen. Edwards hatte versprochen, die Rundfunksendung in der Stadt zu produzieren, die als erste den Namen der Show annimmt. Heute wird ihr Name von der Bevölkerung New Mexicos meist zu T or C abgekürzt. (Quelle: Wikipedia)

Könntet ihr euch vorstellen, in "Gefragt, gejagt (Bayern)" oder "Familienduell (Mecklenburg-Vorpommern)" zu leben? Nun, immerhin hatten wir kurzzeitig Swiftkirchen. Im Übrigen wollen wir das Fass Halfway, Oregon (Amerikas erste "Dot-Com-City") genau so ungeöffnet lassen wie Kiefer Sutherlands Neo-Noir-Thriller "Truth or Consequences, N.M.", in dem der nach 1950 beobachtet Umbenennungseffekt offenbar behandelt wird.

Samstag, 11. April 2026

Neues vom § 5 Abs. 3 MarkenG

Die Älteren werden sich (möglicherweise) erinnern: In der "Harald Schmidt Show" wurden in deren goldener Ära regelmäßig Eintragungen aus dem Titelschutzanzeiger vorgelesen. Schmidt und Andrack spekulierten dann, welches literarische, filmische oder sonstige Werk aus dem geschützten Titel erwachsen könnte. Heiterkeit war die Folge.

Gestern wurde mir die aktuelle Ausgabe des Titelschutz-Magazins (Eigenschreibweise: titelschutz-magazin) zugespielt. "102 neue Titel in 58 Titelschutzanzeigen" werden darin aufgeführt. Besonders Auffälliges findet sich leider nicht darunter. Am lustigsten sind noch:

- Die Zitrone im Spinnennetz
- Frauen sind wie Katzen
- Ich heiße Samantha du Arsch

Was ich generell an der Praxis des Titelschutzes bedenklich finde – abgesehen davon, dass man sich einfach so Allerweltswörter wie "Komplimente" sichern darf –, ist, dass der Schutzanspruch stets für "alle Schreibweisen, Darstellungsformen und Wortverbindungen" gilt. Wenn's nach mir ginge, würden Titel wie "Wir enden in unendlichkeit" oder "Ich liebe dich im stillen" der "besitzenden" Person nur exakt so gehören; wenn jemand anders etwas Gleichlautendes ohne die jeweiligen Groß-/Kleinschreibfehler veröffentlichen wollen würde, dürfte er das. Pech gehabt!

Freitag, 30. Januar 2026

26 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen (plus Bonus)

  • spanisches Wirtshaus: Posada
  • Kursabweichung (Flug): Gieren
  • span. Stoßdegen: Espada
  • Feigenkaktus: Opuntie
  • kleines Küstenschiff: Tjalk
  • ugs.: Laune, Grille: Mucke
  • orient. Teppichwappenmotiv: Gül
  • Mode des Biedermeiers: Gigot
  • keramische Überzugsmasse: Engobe
  • afrik. Trommelmusik: Burru
  • Blumenornament (frz.): Fleuron
  • kleiner Mensch: Fips
  • entbeerte Traube: Rapp
  • Verwalter königl. Burgen: Bailli
  • große Senke im Karstland: Polje
  • altes indisches Gewicht: Ser
  • brüstungsartige Fassade: Attika
  • Hornmelone, Kürbisgewächs: Kiwano
  • ukrainisches Saiteninstrument: Bandura
  • abgegrenztes Stück Land: Kamp
  • spitzes Gebilde an Gletschern: Serac
  • Blumenrohr: Canna
  • Nordoststurm in Nordasien: Buran
  • Holzflößung: Trift
  • Eibisch: Althee
  • Färbekessel: Küpe

Außerdem ist es mal wieder an der Zeit für obskure Frauenkurz- und -kosenamen:
  • Koseform von Marianne: Nanni
  • Kurzform v.: Franziska: Fanni
  • Kurzform von Renate: Reni
  • Frauenkurzname: Tilla
  • Kurzf. v.: Josefine: Fini
  • weibl. Vorname (Kurzform): Herma

Montag, 24. März 2025

Lutetia, Brunswick & Co.

Im Jahr 2016 fotografierte ich diesen Leserbrief eines Herrn O. aus H. ab:


Dem Abschnitt über Nizza kann ich etwas hinzufügen. Zufällig kurz nachdem ich beim Handyspeicherausmisten auf dieses Foto gestoßen bin, hörte ich nämlich in einem Zug einen Mann telefonieren, der zwar italienisch sprach, aber sowohl "Nice" statt "Nizza" als auch "Menton" statt "Mentone" sagte! (Die italienische Form Mentone ist mir überhaupt bisher nur ein einziges Mal untergekommen, nämlich in einem Roman von Dorothy Sayers. Ende der 1930er Jahre war das, zumindest in England, offenbar noch die bevorzugte Schreibweise, obwohl Menton bereits 1861 Frankreich eingegliedert wurde.)

Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass Ortsnamen politischen Sprengstoff bergen können, man denke an aktuelle Debatten à la "Kiew vs. Kyjiw". Nicht selten spielt Subjektives, Biographisches, Persönliches hinein, wenn es um die Bevorzugung der einen oder der anderen Variante geht; Robert Gernhardt nennt im Bericht einer 1993 begangenen Estlandreise seine Heimatstadt konsequent "Reval". Generell halte ich es bei der Frage Exonym oder Endonyme pragmatisch. Ich sage "Bratislava", weil ich mir sicher bin, dass acht von zehn Gesprächspartnern mit "Pressburg" nichts anzufangen wüssten; ich sage "Danzig", weil mir das leichter von der Zunge rollt als "Gdansk"; und ich sage "Thiruvananthapuram" statt "Trivandrum", weil ich mich als Freund und Kenner von Bharat zu erkennen geben möchte, haha.

Mittwoch, 4. September 2024

Kamala

Es hat sich ja mittlerweile herumgesprochen, dass der Vorname der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris aus dem Altindischen stammt und so etwas wie "Lotosblume" bedeuten soll. Ich wollte noch mehr darüber wissen und schlug das Wort in Monier-Williams' Sanskrit-English Dictionary nach:


Wie man sieht, ist kamala zunächst ein Farbadjektiv, das substantiviert alles Mögliche bezeichnen kann: eine Reh-Art, den Saruskranich (der nach neuestem Stand auf Latein Antigone antigone oder Grus antigone heißt), ein Sternbild, "an excellent woman" (mit Donald-Trump-Stimme zu lesen), vereinzelt auch "Wasser", "Blase" (das Organ) oder, was mit Blick auf Trump am lustigsten ist, eine Orange.

Doch wo kommt das Wort her? Wenn ich einen ganzen Tag Zeit hätte, würde ich mich in die Universitätsbibliothek setzen, um dem Rätsel nachzuspüren. So aber kann ich bloß rasch Mayrhofers EWA (Etymologisches Wörterbuch des Altindoarischen) konsultieren. "Nicht klar" heißt es dort lapidar unter dem Stichwort "kamalá- Adj. Bezeichnung einer Farbe, vielleicht: blaßrot". Und weiter: "Wohl kaum als '*lotosfarbig' zu ep. kl. kamala- 'Lotos' (angeblich dravid[ischen] Ursprungs ...)". Jetzt bin ich verwirrt. War das Wort für die Farbe zuerst da oder das Wort für die Pflanze, das diese Farbe hat? Und wieso liegt der Akzent mal auf der letzten, mal auf der ersten Silbe? Wie gesagt, mir fehlt leider die Zeit, mich in dieses Kaninchenloch zu stürzen.

Dienstag, 23. April 2024

Die wilden Kärle

Ich weiß leider nicht mehr, wo genau, aber in einem etwas älteren (Sach-?)Buch begegnete mir neulich der Herrscher – Charles V.!

'Mooooment!', dachte ich. 'Gerade hat doch erst Charles III. den Thron bestiegen, Hunderte Jahre nach seinem Namensvorgänger. Überprüfen wir gleich mal auf Wikipedia, wer hier gemeint sein soll.' Gemeint war: Karl V. von Frankreich; ich hätte Charles französisch und nicht englisch lesen sollen. Dass es im Laufe der Geschichte noch etliche andere Karls (Rumänien, Spanien, Neapel ...) und eben auch Charles ("Charlese"?) gab, war mir schlicht nicht in den Sinn gekommen.

Nicht nur die Namensgleichheit, sondern auch die Nummerierung von Kaisern und Königen hat einige Bizarrerien gezeitigt. In Clemens Setz' Roman "Monde vor der Landung" stieß ich gestern passenderweise auf folgende Passage. Im Ersten Weltkrieg begehen deutsche und k.u.k. Soldaten gemeinsam eine Feier, die verbündeten Kameraden tauschen sich über ihre obersten Befehlshaber aus:

Etwa staunte man auf deutscher Seite nicht wenig über die Tatsache, dass der eben eingesetzte junge Kaiser von Österreich, Karl I., zugleich als Karl IV. König von Ungarn und Kroatien und außerdem als Karl III. König von Böhmen war. In jedem Herrschaftsgebiet wurden die Karls anders gezählt, je nachdem, wie viele es da vorher gegeben hatte. Eins, drei, vier – man wiederholte die Zahlen und einigte sich darauf, dass die Zwei schmerzlich fehlte. Hoffentlich würde eines der neu eroberten Ostländer dazu passen und mit nur genau einem historischen Karol oder Karlo in seiner bisherigen Herrschergeschichte die unschöne Zahlenlücke füllen.

Wenn ich in Wikipedias Karl-Liste nichts übersehen habe, hätte sich kein Land im Osten, sondern höchstens Portugal angeboten, wo ein Karl Nummer 1 als Vorletzter die wenige Jahre vorher abgeschaffte Monarchie angeführt hatte.

Dienstag, 27. Februar 2024

Nekrolog, albern

Gestern wurden auf Wikipedias Liste der zuletzt Verstorbenen folgende Personen aufgeführt, in exakt dieser Reihenfolge:

"HAHA! Genau das habe ich auch gesehen und sofort an Dich gedacht. Dick und Dumm, Bischof und Zuhälter ❤" (Freund M. via Facebook-Messenger) Dass der Pimp namens Dumm ("Dummse Tünn") obendrein ausgebildeter Rohrleger war ... come oooon, Weltgeist.

Dienstag, 20. Februar 2024

Geographischer Spitzname der Woche

In einem Süddeutsche-Artikel über den US-amerikanischen Supreme Court gelernt: Redneck Riviera. Das ist eine Bezeichnung für den "konservativen Küstenstreifen Floridas am Golf von Mexiko". Besonders nett ist das nicht. Mit dem neutraleren, ebenfalls inoffiziellen Namen "Emerald Coast" ist denn auch der dazugehörige Wikipedia-Artikel überschrieben, der diese Region vorstellt. Im Jahr 1952, liest man darin, etablierte ein Journalist den verheißungsvollen Namen "Miracle Strip", nachdem man ab 1946 versucht hatte, den Streifen zwischen den Städten Fort Walton Beach und Panama City als "Playground of the Gulf Coast" zu vermarkten.

Mittwoch, 16. August 2023

Mehrung und Tüchtigkeit

Ich habe hier letztes Jahr ein paar Zeilen über puritanische Personennamen geschrieben und mich insbesondere über den Männernamen Increase gefreut. Neulich nun las ich in dem damals erwähnten Sachbuch weiter und stieß etliche Kapitel später (da hat das Lektorat gepatzt) auf eine Erklärung dafür, wie der nämliche Hexenjäger zu seinem ungewöhnlichen Namen gekommen sein soll: "He was called Increase because his father, Pastor Richard Mather, told his wife on hearing that she was pregnant for a sixth time: 'I have planted, but God gave the increase'. Die Benennungsmotivation ist also: "Der Vater hat gesät, der HErr ließ es wachsen." Passend zur damaligen Zeit wird der Part der Mutter vollkommen ausgeklammert.

Ein weiterer fabelhafter englischer Vorname begegnete mir im Zuge der fortgesetzten 1100-Seiten-Lektüre von Das Europa der Könige von Leonhard Horowski. Es ging um den 1. Duke von Marlborough und dessen Verdienste im Spanischen Erbfolgekrieg: "Vor allem sein Sieg bei Höchstädt ist nicht zuletzt deswegen bis heute unvergessen, weil das Parlament zum Lohn dafür dem für seinen Geiz berühmten Marlborough die Mittel zur Erbauung von Englands einzigem Barockschloss schenkte. Da Marlboroughs Landsleute die Schlacht vorsichtshalber nicht nach dem für sie unaussprechlichen Höchstädt, sondern nach dem nahegelegenen Blindheim 'Blenheim' benannt hatten, wurde Blenheim Palace auch der Name des bis heute überwältigenden Monumentalbaus, in dem 1874 Marlboroughs Ururururururuenkel und späterer Biograph Winston Churchill geboren wurde." Den Park von Blenheim Palace gestaltete der wohl berühmteste britische Landschaftsarchitekt des 18. Jahrhunderts, "England's greatest gardener". Sein Name: Capability Brown. Leider muss ich euch enttäuschen, sein Taufname ist Lancelot. "Seine eifrigen Bemühungen im Finden von Möglichkeiten (englisch capabilities) zur Umgestaltung vorhandener alter Gartenanlagen im neuen von ihm vertretenen Stil verhalfen ihm zu seinem Beinamen Capability Brown." (Wikipedia)

Donnerstag, 4. Mai 2023

Captain Ersatzersatz

In den vergangenen Jahren haben sich zwei Strategien zur Bezeichnung veganer Alternativen zu Fleisch und sonstigen tierischen Produkten durchgesetzt.
a) Verwendung vorangestellter Wörter, z.B. der Konjunktion wie: "Wie Leberkäse"; "Aufstrich nach Art einer Teewurst" o.ä.
b) Abwandlung des Wortes für das imitierte Produkt ("Molk"), am liebsten mit dem für "vegan/vegetarisch" stehenden Buchstaben V: "Visch", "Vleischsalat" etc.

Kombiniert man beide Methoden, wird es verwirrend:


"Räucherlaxx" ist für mich als modernen Konsumenten sofort einleuchtend, es handelt sich offensichtlich um Fisch-Ersatz. Das "wie" davor könnte mich nun aber glauben lassen, hier würde ein Fisch-Ersatz nachgeahmt. Handelt es sich mithin um echten Lachs? Aber halt!, danach steht ja auch noch "vegan". Was ist denn nun wieder "veganer Räucherlaxx"? Die vegane Variante eines nicht-veganen Lachsersatzes? Und ist etwas, das wie veganer Lachsersatz ist, am Ende ... echter Fisch? Nun ja, stellen wir uns nicht dümmer, als wir sind.

Freitag, 7. April 2023

Kurz notiert: Unterirdische Fehler

Folgendes ist schon eine ganze Weile her, deswegen wirklich nur in aller Kürze. Über die Wandgestaltung des runderneuerten New Yorker Mega-Metro-Bahnhofs Grand Central schrieb die Süddeutsche vor circa einem Monat:

Die Malerin Georgia O'Keeffe ist mit diesem Satz vertreten: "Man kann New York nicht so malen, wie es ist, sondern eher so, wie es sich anfühlt." Jedoch: In ihrem Nachnamen fehlt ein Buchstabe. Sie ist als "Georgia O'Keefe" vertreten. Soweit sich das nachvollziehen lässt, ist dieser Fehler zunächst dem Mediendienst Bloomberg aufgefallen, anschließend stürzte sich die New Yorker Boulevardpresse darauf. Tenor, grob verknappt gesagt: Haha, diese Idioten.

Das ist jedoch noch gar nix im Vergleich zu dem Fauxpas, den man sich in Berlin geleistet hat. In einer "Wortfeldwolke" zum Komplex (Klima-)Forschung an den Wänden der ebenfalls relativ neuen U-Bahnstation Unter den Linden findet sich die scheinbar unscheinbare Buchstabenfolge "Kondenstreifen". Sic! Bei dem nicht sehr häufigen Familiennamen einer Künstlerin danebenzuliegen, ist das eine. Ein gewöhnliches zusammengesetztes Substantiv falsch zu schreiben, das andere. Einen Kommentar des Tenors "Haha, diese Idioten" wird man mir dennoch nicht entlocken.

Sonntag, 25. Dezember 2022

Betr.: Raumfahrt, Filmtypen, Namensänderung, Zensur

Man muss auch mal unsere Massenmedien loben, wenn es angebracht ist, in diesem Fall "Spiegel online". Am 29. November meldete die Seite: "Chinesische Astronauten sind ins All gestartet". Da dachte ich noch: Meeeensch, chinesische Raumfahrende heißen doch Taikonauten. Am 4. Dezember ist zu lesen: "Taikonauten landen nach sechs Monaten wieder auf der Erde". Gut.
Neu war für mich übrigens, dass indische Kosmonauten Vyomanauten genannt werden. Zu Grunde liegt das Sanskrit-Wort vyoman-, "Himmel". Ist das nicht toll?

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Die BRD zu Zeiten Helmut Schmidts, das war ... something else.


Aus: Garncarz, Joseph (2013): Hollywood in Deutschland. Zur Internationalisierung der Kinokultur 1925-1990. Frankfurt/Basel: Stroemfeld/Nexus

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Die Schauspielerin und Miss USA 1985 Laura Harring heißt, seit sie einen Reichskanzler-Ururenkel geheiratet hat, mit vollständigem Namen Laura Harring Gräfin von Bismarck-Schönhausen. Ihr Geburtsname ist jedoch Laura Elena Martinez Herring. Wäre es nicht brillant gewesen, wenn sie als Kurzform für ihren Nachnamen Bismarck-Herring gewählt hätte?

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Aus dem Vorwort zur vierten Auflage (1895) einer englischen Schulgrammatik:
"In den ersten Auflagen waren manche Stellen aus Dickens stehen geblieben, durch die sich K a t h o l i k e n verletzt gefühlt haben; jetzt ist alles derartige getilgt und das Kapitel über Joan of Arc durch ein anderes ersetzt worden. Nunmehr kann das Buch auf p a r i t ä t i s c h e n Anstalten ohne Anstand benutzt werden." (Sperrungen im Original)

Montag, 12. Dezember 2022

Kurz notiert: Barack in England

Na so was! Da habe ich mich jahrelang, nicht zuletzt in diesem Blog, darüber echauffiert, dass es in keiner einzigen deutschen (Ton-)Medienanstalt jemand schafft, sich die korrekte Aussprache des Vornamens von Barack Obama draufzuschaffen – und dann höre ich heute in einer Folge von "Mid Morning Matters with Alan Partridge", wie gleich zwei britische Personen den Namen Barack aussprechen: nämlich genau so falsch wie hierzulande, auf der ersten Silbe betont und nahezu wie das Wort barrack, /ˈbæɹ.ək/.




Die Aussprache sieht man auf den Snapshots natürlich nicht, aber Bilder sind immer hilfreich, sind sie nicht? Nun muss man dazu sagen, dass die Serie im Jahr 2010 produziert wurde; wer weiß, womöglich hatte es der Name des 44. US-Präsidenten bis dahin noch nicht auf die Insel geschafft? (Quatsch.) Da fällt mir ein, dass in einem Kriegsstrategiespiel – ich glaube, in irgendeinem Teil der "Command & Conquer"-Reihe – das Wort barracks, also "Kaserne", konsequent mit "Baracken" übersetzt wurde, was natürlich legitim ist, weil Kaserne die ältere Grundbedeutung von "Baracke" ist, trotzdem kam es mir immer daneben vor.

Und noch etwas fällt mir in dem Zusammenhang ein. Als 2021 der ehemalige amerikanische Außenminister Colin Powell gestorben war, fragte ich mich, ob unsere Qualitätsmedien dessen Vornamen, der in der turbulenten George-W.-Bush-Ära zeitweise täglich zu hören war, noch richtig hinkriegen. Ich schaute mir in der Mediathek den entsprechenen Tagesschau-Clip an und wurde nicht enttäuscht, es wurde die zugegeben verbreitetere, aber in diesem Fall inkorrekte Aussprachevariante gewählt (links):


Ah, es tut gut, sich mal wieder aufzuregen!

Sonntag, 23. Oktober 2022

Des Landes Oberhaupt

Neulich lief, weil es sich halt manchmal nicht vermeiden lässt, der Fernseher, und in einer sich als seriöses Format gebenden Sendung fiel die Formulierung "Ukraines Präsident". Huh? Hatte ich mich verhört? "Ukraines Präsident": Ob das wohl schon mal jemandem rausgerutscht ist? Ich googelte und fand erschreckend viele Belege für diese Wortfolge, darunter in der FAZ, beim Stern, auf zdf.de, im Hamburger Abendblatt und beim BR.

Es ist doch nicht sonderlich kompliziert. Das Land heißt die Ukraine. Genitiv: der Ukraine. Wer Präsident dieses Landes ist, ist "der Präsident der Ukraine" oder, will man das Substantiv vermeiden, "der ukrainische Präsident". Man sagt doch auch nicht "Mongoleis Präsident", "Schweiz' Ständerat" oder "Walacheis Täler". Oder "Türkeis Präsident" (bzw. schon, zumindest bei RTL, in der Welt, beim Tagesspiegel u.v.a.m.).

Die Motivation hinter dem Fehlerchen ist freilich klar: Man behandelt den geographischen Namen so, als hätte er keinen Artikel, und dann kann man, analog zur Personennamen-Deklination ("Käthes Opa"), ein -s auch an den femininen Genitiv hängen. Ich sehe allerdings überhaupt keine Tendenz, dass der Ländername die Ukraine ihren Artikel verliert, wie es bei(m) Iran oder Jemen seit einigen Jahren in der Berichterstattung der Fall ist. Nun ja, mehr fällt mir dazu auch nicht ein, außer vielleicht noch dies: Manche Ländernamen haben im Deutschen einen Artikel und im Englischen keinen, andere haben im Englischen einen und im Deutschen nicht (Gambia vs. The Gambia; die Slowakei vs. Slovakia).

PS: Bei Zweifelsfällen bzgl. Namen von Orten in der Ukraine konsultiere man die Website des hier schon einmal gewürdigten Ständigen Ausschusses für Geographische Namen, der 2021 eine handliche Tabelle erstellt hat.

Montag, 8. August 2022

Einiges über, nein: unter New York

Vor ein paar Monaten bemerkte ich am Rande, dass ich nach "Access All Areas" des Herrn "Ninjalicious" Appetit auf mehr Literatur zum Thema verspürte. Ein ebenda in einer "kurzen Geschichte der Urban Exploration" erwähntes Buch machte mich besonders neugierig: "New York Underground. Anatomie einer Stadt" der in New York lebenden deutschen Untergrundforscherin Julia Solis. Sowohl die in Berlin erschienene Originalausgabe von 2002 als auch die englische Übersetzung sind nur noch antiquarisch und zu Mondpreisen zu bekommen, doch löblicher- und glücklicherweise hatte meine Lieblingsbibliothek ein Exemplar des deutschsprachigen Hardcovers im Bestand. Ich lieh es mir und kann sagen: Wer sich nur im Entferntesten für die unsichtbaren Lebensadern der US-Metropole schlechthin interessiert und irgend an das Buch herankommen kann, sollte es sich vornehmen.

Aus der Masse an spannenden Fakten und Anekdoten möchte ich ein Kuriosum wiedergeben, das mit Urbex nicht direkt etwas zu tun hat: Der erste Mann, der von einer U-Bahn überfahren wurde, hieß Leidschmudel Dreispul. Noch mal zum Mitschreiben: Leidschmudel Dreispul. Der Name mitsamt der unrühmlichen Errungenschaft seines Trägers war mir aus Ninjalicious' Buch bekannt, aber ich hielt die entsprechende Notiz für einen Insider-Gag, eine Art U-Boot, zumal man ausschließlich auf (wenige) Veröffentlichungen aus dieser Szene stößt, wenn man danach googelt. Aber warum sollte die Autorin in einem ansonsten beispiellos quellentreuen Werk eine Legende reproduzieren oder den Samen für eine solche säen? Im Detail heißt es bei ihr: "Bislang kannte man nur langsame Straßenbahnen, denen man leicht aus dem Weg gehen konnte. Vor den Straßenbahnen aus dem Weg zu springen, 'dodging' genannt, war ein so populärer Sport, daß das Brooklyner Baseball-Team sich den Namen 'Dodgers' gab. Aber der IRT-Zug fuhr 65 Stundenkilometer." (IRT = Interborough Rapid Transit) "Das erste Opfer war Leidschmudel Dreispul, der eine Woche nach der IRT-Eröffnung im Tunnel unter der 137. Straße einen Spaziergang auf den Gleisen unternahm und nach nur wenigen Metern von einem Zug erfaßt wurde. Ähnliches passierte nun leider so oft, daß die IRT-Gesellschaft Schilder aushängen mußte, die das Betreten der Gleise untersagten."

Donnerstag, 4. August 2022

Kurz notiert: Rhode Island

Warum habe ich das jetzt erst mitbekommen? Der US-Staat Rhode Island hat seine Einwohner im November 2020 – bürokratieschonend am Tag der Präsidentschaftswahl – darüber entscheiden lassen, ob sein offizieller Name einer Kürzung unterzogen werden soll. Das Referendum fiel zugunsten der Straffung aus: Aus dem State of Rhode Island and Providence Plantations wurde der State of Rhode Island.

Seitdem ist der "Ocean State" nicht länger der Bundesstaat mit dem längsten offiziellen Namen. Diesen führt nun ein anderer Neuengland-Staat, das Commonwealth of Massachusetts mit 27 Buchstaben, dicht gefolgt vom Commonwealth of Pennsylvania. "We all live in fear of the moment when the Commonwealth of the Northern Mariana Islands applies for statehood", zitiert der Boston Globe den tongue-in-cheek-Kommentar des Providencer Hobby-Historikers Robert I. Burke.

Hauptgrund für die Namensänderung war die unangenehme Assoziation, die mit dem Verweis auf Plantagen heutzutage einhergeht. "For a long time, 'plantations' did not connote slavery", so Burke gegenüber dem Globe. "But at one point, it became irretrievably tied to the concept of slavery, and Rhode Island played such a prominent role in the slave trade." Wenigstens kann sich Rhode Island nach wie vor mit dem Rekord "kleinster Staat der USA" schmücken.

Donnerstag, 7. Juli 2022

Vor- und Zuna(h)me

In einem Buch über Hexenverfolgung begegnete ich einem in Massachusetts tätig gewesenen Geistlichen namens Increase Mather. Man hat ja schon so manche im Neuengland der ersten Pilger beliebten sogenannten grace names und virtue names gehört oder gelesen, von denen einige, wie Felicity oder Prudence, bis heute überlebt haben. Increase aber war mir neu, und die Chancen, eine Person mit diesem Rufnamen in der Gegenwart zu treffen, dürften gegen null tendieren: Der letzte Mensch namens Increase von einiger Bedeutung, den die Wikipedia aufführt, war der 1888 verstorbene amerikanische Theologe Increase N. Tarbox. Ich erfuhr, dass "Increase" eine Übertragung des hebräischen Namens Josef ist, welcher übersetzt "er [bzw. Er] fügt hinzu" bedeutet.

Damit vereint Increase die beiden wichtigsten Wortschätze, aus denen sich bei der puritanischen Namensgebung bedient wurde: biblische Personennamen einerseits, andererseits als good names zusammenzufassende Abstrakta, die meist Kardinaltugenden oder allgemein als positiv bewertete Eigenschaften, die man sich von dem neugeborenen Mädchen oder Jungen wünschte (in der Tat wurden viele dieser Namen geschlechtsneutral verwendet).

Um sich als besonders gottgefällig zu erweisen (oder um ihren Nachwuchs aus der Masse herausstechen zu lassen, wie's halt auch heute der Fall ist), wurden die prä-US-amerikanischen Eltern immer kreativer. Zu Temperance, Obedience & Co. gesellten sich im 17. Jahrhundert nachweislich Erdenbürger namens Humiliation, Hate-Evil und Be Faithful Joiner. Das Online-Magazin "Slate" hat die absonderlichsten Beispiele in einem Listen-Artikel von 2013 versammelt; ich denke, "If-Christ-had-not-died-for-thee-thou-hadst-been-damned" dürfte nicht zu toppen sein.

Montag, 30. Mai 2022

Ein bisschen Pßas muss sein

Eine sehr seltene, um nicht zu sagen einzigartige Buchstabenverbindung begegnet uns im Nachnamen des Napoleon-Attentäters Friedrich Sta. Ein anderes Wort, in dem die Buchstaben p und ß aufeinandertreffen, fällt mir jedenfalls nicht ein. Meine anfängliche Begeisterung ob dieses Namensfundes wurde jedoch augenblicklich gedämpft, als ich las, dass der 1792 in Naumburg* geborene Kaufmann auch "Staps" und "Stapss" geschrieben wurde. Scheint, als wäre die Schreibung "Stapß" nur eine vorübergehende Keckheit gewesen, von wem auch immer erdacht. Lautlich ist das, was <pß> repräsentiert, ja weiß Gott nicht extravagant.

Zu relativieren ist auch etwas, das ich in einem älteren, ähnlich gelagerten Beitrag geschrieben habe. "Hat man irgendwann schon einmal die Kombination -psch- gesehen? [...] in einer Silbe", fragte ich damals in Bezug auf den Namen Pschorr. Erstens ist psch- nicht einmal als Anlaut einzigartig: Ein Kommentator erinnerte mich damals an den Pschyrembel. Zweitens sind mir seitdem weitere Beispiele für Silben, die -psch- enthalten, eingefallen. Einigermaßen bekannt ist Pepsch als Vor-, wenn auch nur Spitzname des kürzlich erst wieder im Gespräch gewesenen Süddeutsche-Karikaturisten Josef Gottscheber. Im Rheinischen gibt es das Adjektiv läpsch, das laut Wiktionary umgangssprachlich für "ohne großen Aufwand erstellt/zustande gekommen" oder "lasch und unambitioniert" verwendet wird. Aus dem Sächsischen kann ich zudem lap(p)sch mit der Bedeutung "schwächlich, kraftlos" beisteuern. Singulär ist bei den psch-Wörtern zumindest nicht nur die Schreibung, i.e. das ungewohnte Aufeinandertreffen der Grapheme <p> und <sch> (ja, genau, Letzteres ist ein Graphem, ein sogenannter Trigraph), sondern auch die Lautfolge. "Psch": das artikuliert man im Deutschen so gut wie nie, höchstens isoliert, wenn man Kinder zur Ruhe gemahnt. Es fällt denn auch auf, dass die von mir angeführten Vertreter entweder Eigennamen oder mundartliche Ausdrücke sind.

* Auch wieder unheimlich: dass dieser Ort innerhalb von fünf Tagen zweimal in meinem Blog auftaucht!

Sonntag, 24. April 2022

Nomina sunt omina (2)

"Ein Team um die Biologin Melissa Bateson von der britischen Newcastle University brachte Bienen bei, dass sie bei einem bestimmten Geruch mit einer zuckerhaltigen Lösung belohnt und bei einem anderen Geruch mit bitterem Chinin bestraft werden."

[Süddeutsche Zeitung, 14.04.2022; Hervorhebung durch mich]

Montag, 18. April 2022

Das BeNeLux der USA

Es regt mich auf – nein, aufregen ist ein zu starkes Wort: Ich finde es schade, dass die Delmarva-Halbinsel nicht "Delmarvi" heißt. Erklärung: Weil sich diese 274 Kilometer lange Halbinsel über die Gebiete dreier US-Bundesstaaten erstreckt, setzt sich ihr geographischer Name zusammen aus dem "Del" von Delaware, dem "Mar" von Maryland ... und dann eben nicht dem "Vi" von Virginia, sondern dessen Landescode gem. ISO 3166-2:US (VA).
Man hätte nur Buchstaben verwenden sollen, die innerhalb der Staatennamen unmittelbar aufeinanderfolgen. Noch eleganter wäre es freilich gewesen, die jeweils ersten Silben zusammenzuhängen, also "Demavir". Obwohl, das klingt irgendwie nach einem Kunstwort der Pharma-Industrie. (Googelt mal nach "Dermavir"!) Und Benelux heißt ja schließlich auch nicht "Belnelu".