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Montag, 24. März 2025

Lutetia, Brunswick & Co.

Im Jahr 2016 fotografierte ich diesen Leserbrief eines Herrn O. aus H. ab:


Dem Abschnitt über Nizza kann ich etwas hinzufügen. Zufällig kurz nachdem ich beim Handyspeicherausmisten auf dieses Foto gestoßen bin, hörte ich nämlich in einem Zug einen Mann telefonieren, der zwar italienisch sprach, aber sowohl "Nice" statt "Nizza" als auch "Menton" statt "Mentone" sagte! (Die italienische Form Mentone ist mir überhaupt bisher nur ein einziges Mal untergekommen, nämlich in einem Roman von Dorothy Sayers. Ende der 1930er Jahre war das, zumindest in England, offenbar noch die bevorzugte Schreibweise, obwohl Menton bereits 1861 Frankreich eingegliedert wurde.)

Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass Ortsnamen politischen Sprengstoff bergen können, man denke an aktuelle Debatten à la "Kiew vs. Kyjiw". Nicht selten spielt Subjektives, Biographisches, Persönliches hinein, wenn es um die Bevorzugung der einen oder der anderen Variante geht; Robert Gernhardt nennt im Bericht einer 1993 begangenen Estlandreise seine Heimatstadt konsequent "Reval". Generell halte ich es bei der Frage Exonym oder Endonyme pragmatisch. Ich sage "Bratislava", weil ich mir sicher bin, dass acht von zehn Gesprächspartnern mit "Pressburg" nichts anzufangen wüssten; ich sage "Danzig", weil mir das leichter von der Zunge rollt als "Gdansk"; und ich sage "Thiruvananthapuram" statt "Trivandrum", weil ich mich als Freund und Kenner von Bharat zu erkennen geben möchte, haha.

Montag, 21. November 2022

Der Rosetta-Stein der Deutschen Bahn

Bei meiner letzten ICE-Fahrt habe ich zum ersten Mal einen genaueren Blick auf das über dem Nothammer hängende Warnschildchen geworfen:


Ich kam nicht umhin, die Nuancen, die sich in dem viersprachigen Hinweis finden, zu bemerken.
"Missbrauch strafbar" heißt es auf Deutsch, auf Englisch aber nicht analog "Misuse punishable", sondern "Misuse will be punished". Ein kleiner, aber feiner Unterschied: Deutschsprechende können bei Hammermissbrauch bestraft werden, Englischsprechende werden es in jedem Fall. Genau so alternativlos sind die Folgen, welche die französische und die italienische Zeile versprechen: "... wird bestraft". Man beachte außerdem, dass in jenen auch noch ein "jeder" vorangestellt ist (tout/ogni), während man sich bei der englischen Version ein "any" gespart hat.
Ob das irgendeine tiefere Bedeutung hat, kann ich nicht sagen, ich bin ja kein Kulturwissenschaftler. Vermutlich sind die Abweichungen so beliebig wie bei Mirácoli.
 

Donnerstag, 4. März 2021

Wort des Tages: Umarell

Auf eine für mich künftig unverzichtbare Vokabel wurde ich im "Something Awful"-Forum aufmerksam gemacht. Das bolognesische Dialektwort umarèl, wörtlich "Männlein", wurde Mitte der Nullerjahre als umarell in großen Teilen Italiens populär und letztes Jahr schließlich sogar in den Zingarelli, die italienische Entsprechung des Duden, aufgenommen. Es bezeichnet einen männlichen Rentner, der seine Tagesfreizeit am liebsten damit verbringt, vor Baustellenzäunen zu stehen und den Arbeitern zuzuschauen, gerne mit hinter dem Rücken verschränkten Armen und ungefragt Ratschläge gebend, wie die englische Wikipedia erklärt (wo auch ein aussagekräftiges Foto zu finden ist).

Ich selbst habe für diese freilich auch hierzulande heimische Spezies vor vielen Jahren in meinem Notizbuch den Ausdruck "Baustellenopa" festgehalten, aber umarell (manchmal auch umarèll, Plural umarells) ist viel schöner. Helft mit, es zu verbreiten! Wann findet schon mal ein italienisches Wort Eingang in die deutsche Umgangssprache?

Dienstag, 24. Februar 2015

Namenserklärungen, die man nur im Abreißkalender findet

Das ist selbst für Kalenderblättchenverhältnisse auf ärgerliche Weise unsinnig:


Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll! Erstens "stammt" der Name "Mario" nicht von einem italienischen Namen ab. Es ist ein italienischer Name, dessen lateinische Vorform Marius ist. Zweitens kann man einem Namen nicht drei verschiedene Herkunftserklärungen aus drei verschiedenen diachronen Stufen geben: Wenn Mario sich tatsächlich aus mar und rio zusammensetzte (was Quatsch ist; außerdem ist rio nicht mal das italienische Standardwort für "Fluss"), dann kann der Name doch nicht auf eine Vorform zurückgehen, die völlig anders hergeleitet wird. Das wäre, als würde ich behaupten: "Der Name Scarlett setzt sich aus 'Scar' (die Narbe) und 'Let' (lassen) zusammen und stammt vom englischen Namen Scarlet, welcher so viel wie 'scharlachrot' bedeutet."
Und Marius wird dann einerseits mit "Mann vom Meer" übersetzt, andererseits als nicht sicher geklärt angegeben. Argh! Wenigstens der letzte Satz ist korrekt.