Als ich 40 wurde (und das ist nun auch schon fast fünf Jahre her, ächz!), war mir nicht klar, dass ich damit das Schwabenalter erreicht hatte. "A Schwôb wird erschd mit vierzich gscheid", heißt es in Schwaben, weswegen der Vierzigste dort einen ganz besonderen Ehrentag markiert. Das "Schwabenalter", das sogar im Duden steht und von Friedrich Rückert mit einem Gedicht bedacht wurde, basiert auf einer Jahrhunderte alten Volkscharakterisierung, die von modernen Schwäbinnen und Schwaben natürlich selbstbewusst und -ironisch reclaimed wird.
Nun bin ich ja kein Schwabe und sollte dem Klischee der spät einsetzenden Verständigkeit und Lebensweisheit also nicht entsprechen, doch nehme ich mich in manchen Aspekten durchaus als Spätzünder wahr. Mag ich heute auch über ein zufriedenstellendes Maß an Klugheit und Menschenkenntnis verfügen, so habe ich mir doch eine gewisse Kindlichkeit, wo nicht Kindischkeit bewahrt. Für die Ausübung eines seriösen Jobs, die Teilnahme an einem Krieg oder das Aufziehen von Nachwuchs bin ich jedenfalls viel zu unernst; ich let's-playe Super-Mario-Spiele, for cyring out loud! Richtig "g'scheit" werde ich, sollte in mir tatsächlich Schwaben-DNA schlummern, womöglich erst mit 50; diese alternative Reifedemarkationslinie taucht in einem Text des Berliners Friedrich Nicolai auf:
Gemächlichkeit, Zufriedenheit und Ruhe sowie eine gewisse Treuherzigkeit und ein unbefangenes Wesen, ... das selbst nichts von Arglist hat und sie bei anderen auch nicht vermuthet. Dies habe dazu geführt, dass ein Schwabe seinen Vortheil nicht genau wahrnahm. Das aber habe man den Schwaben als Dummheit ausgelegt. Und deswegen bedeute das allgemein bekannte Sprüchwort, wonach die Schwaben erst im fünfzigsten (!) Jahre klug werden, keine späte Entwicklung der Verstandeskräfte, sondern deren spätere Anwendung im gemeinen Leben. (zit. n. schwaebisch-schwaetza.de)
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