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Montag, 30. Mai 2022

Ein bisschen Pßas muss sein

Eine sehr seltene, um nicht zu sagen einzigartige Buchstabenverbindung begegnet uns im Nachnamen des Napoleon-Attentäters Friedrich Sta. Ein anderes Wort, in dem die Buchstaben p und ß aufeinandertreffen, fällt mir jedenfalls nicht ein. Meine anfängliche Begeisterung ob dieses Namensfundes wurde jedoch augenblicklich gedämpft, als ich las, dass der 1792 in Naumburg* geborene Kaufmann auch "Staps" und "Stapss" geschrieben wurde. Scheint, als wäre die Schreibung "Stapß" nur eine vorübergehende Keckheit gewesen, von wem auch immer erdacht. Lautlich ist das, was <pß> repräsentiert, ja weiß Gott nicht extravagant.

Zu relativieren ist auch etwas, das ich in einem älteren, ähnlich gelagerten Beitrag geschrieben habe. "Hat man irgendwann schon einmal die Kombination -psch- gesehen? [...] in einer Silbe", fragte ich damals in Bezug auf den Namen Pschorr. Erstens ist psch- nicht einmal als Anlaut einzigartig: Ein Kommentator erinnerte mich damals an den Pschyrembel. Zweitens sind mir seitdem weitere Beispiele für Silben, die -psch- enthalten, eingefallen. Einigermaßen bekannt ist Pepsch als Vor-, wenn auch nur Spitzname des kürzlich erst wieder im Gespräch gewesenen Süddeutsche-Karikaturisten Josef Gottscheber. Im Rheinischen gibt es das Adjektiv läpsch, das laut Wiktionary umgangssprachlich für "ohne großen Aufwand erstellt/zustande gekommen" oder "lasch und unambitioniert" verwendet wird. Aus dem Sächsischen kann ich zudem lap(p)sch mit der Bedeutung "schwächlich, kraftlos" beisteuern. Singulär ist bei den psch-Wörtern zumindest nicht nur die Schreibung, i.e. das ungewohnte Aufeinandertreffen der Grapheme <p> und <sch> (ja, genau, Letzteres ist ein Graphem, ein sogenannter Trigraph), sondern auch die Lautfolge. "Psch": das artikuliert man im Deutschen so gut wie nie, höchstens isoliert, wenn man Kinder zur Ruhe gemahnt. Es fällt denn auch auf, dass die von mir angeführten Vertreter entweder Eigennamen oder mundartliche Ausdrücke sind.

* Auch wieder unheimlich: dass dieser Ort innerhalb von fünf Tagen zweimal in meinem Blog auftaucht!

Donnerstag, 13. September 2012

Z

In seinem Buch Nicht zu knacken befasst sich der Informatiker und Kryptologie-Experte Klaus Schmeh unter anderem mit dem berühmten Fall des Somerton-Mannes und der Taman-Shud-Chiffre. In dem entsprechenden Kapitel (S. 154) wird folgender Lösungsansatz vorgestellt:
Zwei australische Studenten hatten den Verdacht, dass das rätselhafte Schreiben lediglich eine Folge von Zufallszeichen darstellen könnte. Dazu ließen sie Testpersonen 50 beliebige Buchstaben aufschreiben. Es zeigte sich jedoch schnell, "dass viele der Probanden Mühe hatten, diese scheinbar leichte Aufgabe zu erfüllen. Teilweise benötigten die Getesteten über 5 Minuten für die 50 Buchstaben, und am Ende fanden sich entgegen der Aufgabenstellung häufig doch sinnvolle Wörter darin. [...] Ähnlichkeiten mit dem Taman-Shud-Text ergaben sich nicht."
Nun hatten die zwei eine andere Idee: Der Schreiber oder die Schreiberin könnte unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln gestanden haben. "Da [die Studenten] jedoch aus naheliegenden Gründen ihre Testpersonen weder auf Drogen setzen noch vergiften konnten, versuchten sie es mit Alkohol. Insgesamt 18 Freiwillige lieferten in alkoholisiertem Zustand eine Textprobe ab. Das wichtigste Ergebnis: Der Buchstabe Z nahm mit steigendem Promille-Pegel deutlich an Beliebtheit zu."
Diese Randbemerkung fasziniert mich. Der Autor merkt noch in einer Fußnote an: "Vielleicht wäre diese Erkenntnis ein Kandidat für den berühmten Ig-Nobel-Preis." Ich werfe mal drei Theorieansätze in den Raum.
1) Mit zunehmendem Alkoholspiegel wird man wagemutiger und in seinen Entscheidungen experimentierfreudiger. Also wählt man häufiger das am Ende des Alphabets stehende, selten vorkommende Z als sagenwirmal R, A oder E.
2) Wer viel getrunken hat, wird schnell müde und schläft irgendwann ein. Und welcher Buchstabe erscheint üblicherweise in den Sprechblasen von Schlafenden? Genau: Z! (Vgl. div. Cartoons)
3) Besoffene können nicht geradeaus gehen, stattdessen laufen sie im Zickzack. Und welches Schriftzeichen ist die perfekte graphische Umsetzung des Prinzips Zickzack (und kommt obendrein gleich zwomal in dem Wort "Zickzack" vor)? Eben, noch einmal: Z!
Alles weitere überlasse ich Leuten, die Zeit für so etwas haben.