Mittwoch, 9. November 2016

Let's drink root beer (1)

Von Zeit zu Zeit gelüstet es mich nach alkoholfreien Erfrischungsgetränken, die frecherweise den Wortbestandteil "-bier" im Namen tragen: Ein Malzbier gönne ich mir gerne als Echtbieralternative bei Lesungen, Ginger beer habe ich in Neuseeland zu schätzen gelernt, und vergangene Woche versuchte ich mich daran zu erinnern, wann ich zum letzten Mal Root beer getrunken habe und wie es mir gemundet hat. Gewöhnungsbedürftig wie Kwas, aber gekühlt durchaus interessant – so hatte ich es im Hinterkopf. 

In Deutschland bekommt man Root beer nur in wenigen, exotischen Läden, doch wozu gibt es das Internet? Drei Dosen habe ich mir bei einem auf US-Importe spezialisierten Händler bestellt. Die erste habe ich heute geöffnet und verköstigt.


MUG Root Beer, eine Marke von PepsiCo, wird in San Francisco gebraut, wobei ich bezweifle, dass man bei Root beer von "brauen" spricht. Ist "Zusammenpanschen" der passendere Ausdruck? Der Pfandaufkleber überdeckt einen Teil der Ingredienzenliste, was womöglich ein Segen ist: Der Hinweis "partially produced with genetic engineering" und die Zutat Quillaja könnte weniger experimentierfreudige Personen abschrecken. Mich jedoch nicht!


Abschrecken tut mich allenfalls das Aroma. Frisch eingeschenkt macht das malzig-dunkle Sprudelwasser zwar einen optisch ansprechenden Eindruck, der Geruch, der einem entgegenschlägt, erinnert aber an ein Worst-of vage vertrauter Apothekenausdünstungen. In punkto Geschmack wird es nicht besser. Man meint, ein altmodisches Mittelchen gegen Krupphusten zu schlucken, und es ist tatsächlich allein die Kühlschranktemperatur, welche die 12 Flüssigunzen reinsten Hasses einigermaßen erträglich macht. So gewöhnungsbedürftig ist Kwas dann doch nicht! Puh, was habe ich mir da aufgebürdet? Egal, da müssen wir jetzt durch ...

Kommentare:

  1. Ist jetzt vong thema her nicht related, aber ich habe neulich Dein gesamtes blog durchgelesen und mich würde sehr interessieren, woher du die theorie hast, dass wiederholungen in übersetzungen (aus dem englischen?) auf jeden fall mitübersetzt werden sollen. Ich habe - allerdings beim literarischen übersetzen - genau das gegenteil gelernt und auch bei der praktischen arbeit werden mit von lektorin wiederholungen, die ich teilweise als stilmittel erkenne, gnadenlos rausgstrichen.
    Beste Grüße,

    charlotte

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  2. Hallo Charlotte, danke für deinen Kommentar! Das ganze Blog durchgelesen - au weia ...
    Wo genau ich das mit dem Übersetzen von Wiederholungen gelesen habe, weiß ich leider nicht mehr; obwohl ich noch ungefähr sagen könnte, wo das fragliche Buch in der Unibibliothek steht/stand. Das Argument "Der Autor / die Autorin wird sich schon etwas dabei gedacht haben" hat mich jedenfalls überzeugt. Man lässt zum Beispiel eine Figur Synonymie vermeiden, um deren Wortschatz darzustellen, was wiederum Rückschlüsse auf ihre Bildung zulässt. Oder man nutzt die figura etymologica als Stilmittel.
    Ein schönes Beispiel aus den Simpsons. Homer: "I saw this movie about a bus that had to SPEED around a city, keeping its SPEED over fifty, and if its SPEED dropped, it would explode! I think it was called, 'The Bus That couldn't Slow Down.'" Der Zweck der Wiederholung dürfte klar sein. In der deutschen Übersetzung geht der Witz verloren: "Ich hab mal in einem Film gesehen, wie ein Bus mit einer stetigen Geschwindigkeit von über 80 durch die Stadt rasen musste. Und wenn er die Geschwindigkeit nicht halten könnte, würde er explodieren. Ich glaube, der Film hieß 'Der Bus, der nicht langsamer werden durfte'." Okay, es ist auch etwas vertrackt, weil der Film nun mal nicht "Geschwindigkeit" auf deutsch heißt.

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  3. Also, ich fand das ganze blog äußerst unterhaltsam und habe mir heute auch mal ein noch nie zuvor erworbenes duschgel gekauft. Werde heute nacht vor lauter vorfreude auf die morgige dusche wahrscheinlich kein auge zumachen... Es sind die kleinen dinge...

    Ich habe folgendes gelernt, quellen kann ich aber auch nicht angeben, vielleicht ist es auch eine »urban legend« unter übersetzern? Und hier jetzt die fakten, die womöglich keine sind: Im englischen sind wiederholungen okay, im deutschen aber so gar nicht. Mir fällt gerade nur ein beispiel aus dem journalismus ein. Im englischen darf man wohl 2398 mal »the city« schreiben, bei der deutschen übersetzung wäre es (um mal etwas lokalkolorit reinzubringen) ganz schnell »die domstadt«, »die metropole (naja) am rhein« usw.
    Dein beispiel leuchtet mir aber auch ein.
    Hm... vielleicht kann man sich mit dem ewigen »es kommt halt auf den kontext an« und (einen euro ins phrasenschwein) »ausnahmen bestätigen die regel« rausreden?
    ((Ich übersetze gerade ein buch, in dem es um die wiederkehr des analogen in der digitalen welt und besonders in bildungseinrichtungen geht. In einem zugegeben langen satz schreibt der autor drei mal »the students«, was ich im deutschen mit eben drei mal »die schüler« schon störend fände. Wie siehst du das? Ach ja, ich würde den satz gerne pasten, aber dann findet man das buch und das wäre ja auch doof....))

    Vielen dank für deine antwort und beste grüße

    charlotte

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  4. PS: Ich habe in meiner jugend auch viele telefonstreiche gemacht, leider aber nicht aufgenommen. Einmal haben meine freunde und ich das telefonbuch unserer kleinstadt genommen, einfach nacheinander menschen angerufen und ihnen gesagt, der bürgermeister wolle, dass sich die leute besser kennenlernen und man müsse deswegen die person unter sich im telefonbuch anrufen.
    Würde zu gerne wissen, ob das irgendwer gemacht hat...

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