Sonntag, 21. Oktober 2012

Was so alles in deutschen Zeitungen steht (3 + 4)

"Elmstein. Weil ein Mann zum Lesen in den Wald fuhr und eine Spaziergängerin sein Lachen für Schmerzensschreie hielt, ist im Pfälzerwald ein Rettungshubschrauber zum Einsatz gekommen. Die Frau hatte die Polizei alarmiert, da in einem Waldstück [...] ein Mann seit drei Stunden in seinem Auto sitze und schreie. Als die Beamten zum Ort des Geschehens kamen, war auch schon ein Hubschrauber eingetroffen. Wie die Polizei sagte, versicherte der Mann den Rettungskräften, dass es ihm gut gehe. Er genieße die Ruhe im Wald und lese ein lustiges Buch. Deshalb habe er mehrmals laut lachen müssen. Um welche amüsante Lektüre es sich handelte, ist unbekannt."
[Sächsische Zeitung, 07.04.2009]

"Wuppertal. Herzzerreißendes Babygeschrei aus einem Altkleidercontainer hat in Wuppertal zu einem Blitzeinsatz der Polizei geführt. Doch konnten die sieben eingesetzten Beamten nach kurzer Zeit Entwarnung geben. Denn bei der Rettungsaktion stellte sich dann zur Freude aller Beteiligten heraus, dass in dem Container kein Säugling, sondern nur eine lebensgroße Babypuppe entsorgt worden war. Als die Polizisten versuchten, die Puppe mit einem Besen aus dem Sammelbehältnis zu angeln, stellte sich der elektronische Mechanismus auf ein lustiges, erfreutes Kichern um [...]"
[Sächsische Zeitung, 09.04.2009]

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Mit hochrotem Kopf knallte der Hauptkommissar die Zeitung auf den Tisch im Konferenzraum. "Jetzt reicht es langsam!", schnaufte er. "Wir stehen ja da wie ein Haufen von Idioten! Und damit meine ich nicht nur unser Revier! Das ist ein bundesweites Problem. Ich sage es noch einmal mit Nachdruck", – dabei sah er den Obermeister, der das gestrige Sonderkommando 'Babytonne' geleitet hatte, stechend an – "wir werden keine Einsätze mehr aufgrund von Geräuschen durchführen! Wenn uns jemand anruft, weil er etwas Verdächtiges gehört hat, interessiert uns das nicht mehr! Verstanden?" 
Ein schüchterner Neuling meldete sich zaghaft zu Wort: "Aber ... wenn wirklich mal jemand vor Schmerzen schreit, oder wirklich ein Kind ausgesetzt wurde, dann müssen wir doch helfen." – "Papperlapapp!", blaffte der Hauptkommissar. "Wo steht denn das geschrieben?" – "Na, zum Beispiel auf dem Schild vor der Polizeiwache: 'Wir helfen, wenn Sie etwas Verdächtiges hören.'", sagte ein weiterer Anwesender. – "Das Schild sofort entfernen!", wies der Chef an. 
Eine Kollegin betrat das Besprechungszimmer. "Ich möchte ja nicht stören", sagte sie, "aber ein Notruf ist gerade eingegangen. Ein Ehepaar hört seit 15 Minuten Frauenschreie aus dem Nachbarhaus kommen." Der Obermeister erhob sich von seinem Platz. "Was sollen wir tun, Chef?", fragte er. "Soll ich den Befehl ..." – "Hinsetzen!", unterbrach ihn der Hauptkommissar. Mit zusammengepressten Händen sprach er leise, aber bedacht: "Wir werden nichts unternehmen. Gar nichts. Das ist nur der Fernseher."

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