Ich hatte es in den vergangenen Jahren immer mal wieder gelesen: Jakarta geht unter. Die Metropole (10 Mio. Einwohner) droht dabei nicht wie etwa die Malediven im steigenden Meer zu versinken, sondern der Boden senkt sich ab, und zwar um bis zu 25 cm pro Jahr. Überschwemmungen aufgrund der Tatsache, dass fast die Hälfte des Stadtgebietes unter dem Meeresspiegel liegt, kommen trotzdem noch dazu, und die üblichen Megacity-Probleme wie Smog und Müll machen das Kraut fett. Nun handelt Indonesien und verlegt seine Hauptstadt. Das mit 28 Milliarden Euro veranschlagte Projekt wurde kürzlich vom Parlament abgesegnet. Im Gegensatz zu den Malediven, die seit einiger Zeit versuchen, neues Land als Lebensraum zu erwerben (beispielsweise von Indien), kann Indonesien auf eigenes Territorium zurückgreifen. Dieses steht sogar schon fest: In Ostkalimantan auf Borneo soll die zukünftige Hauptstadt erblühen. Sie wird dann nicht mehr Jakarta heißen, sondern den gleichzeitig neuen und alten Namen Nusantara tragen. "Alt" deswegen, weil das Wort ein Kompositum aus den altjavanischen Wörtern nūsa "Inseln" und antara "zwischen, unter" ist und als solches bereits im 13. Jahrhundert für das ungefähre Gebiet der späteren indonesischen Republik verwendet wurde. Ferner meint Nusantara im Sinne von "äußere Inseln" heute sowohl den Malaiischen Archipel als auch, als politischer Begriff, die gesamte malaiische Welt.
Nachdem nun rund 6000 Hektar Wald gerodet werden müssen, sollen 2024 die ersten Behörden umziehen. Der Regierung und den betroffenen Menschen ist zu wünschen, dass die Aktion flotter über die Bühne geht als der Umzug von Bonn nach Berlin; immerhin drängt die Zeit.
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Donnerstag, 27. Januar 2022
Wir begrüßen eine neue Hauptstadt (demnächst)
Freitag, 24. August 2012
A Tale Of Two Islands (A Christmas Carol)
Vor einigen Tagen tauchte in einer Randmeldung ein Land auf, dem man sonst eher selten in den Medien begegnet: Kiribati. Forscher hatten auf dem Meeresboden im Gebiet von Kiribati Spuren entdeckt, die möglicherweise zu dem verschollenen Flugzeugwrack Amelia Earharts gehören.
Eindruck kann hierzulande schinden, wer weiß, wie man den Namen des kleinen Inselstaates korrekt ausspricht, nämlich Kiribas. In der gleichnamigen Landessprache (auch I-Kiribati, Kiribatisch oder – nach den Gilbertinseln – Gilbertesisch genannt) wird die Zeichenfolge -ti- wie ein scharfes s gesprochen. Das Kiribatische, eine malayo-polynesische Sprache mit etwas mehr als 100.000 Sprechern, ist auch deswegen bemerkenswert, weil es mit nur 15 Phonemen einen sehr kleinen Lautbestand aufweist (der Durchschnitt liegt bei ca. 30). Neben 10 Konsonanten gibt es die Vokale a, e, i, o, u, jeweils kurz und lang (so dass man streng genommen von 20 Phonemen ausgehen kann). Diese Laute werden mit nur 13 Buchstaben wiedergegeben: a b e i k m n ng o r t u w. Wie man sieht, kommt <s> gar nicht vor.
Zu Kiribati gehört u.a. das Atoll Kiritimati, das – na, wer hat aufgepasst? – ungefähr Kirismas ausgesprochen wird. Und das klingt so ähnlich wie das englische Wort Christmas, weshalb man die Inselgruppe sowie die Hauptinsel auch als Weihnachtsinsel kennt. Zufall? Leider nein. Die Insel war vor dem Eintreffen der Engländer 1777 noch einwohner- und namenlos. Weil aber James Cook am 24. Dezember dort ankam, taufte er die Insel Christmas Island, was erst nachträglich an die einheimischen Schreibgewohnheiten angepasst wurde (die Verschriftlichung erfolgte erst im Rahmen der Missionierung Mitte des 19. Jahrhunderts).
Durch die Schreibweise Kiritimati besteht zumindest keine Verwechslungsgefahr mit dem bekannteren, zu Australien gehörigen Christmas Island. Dieses heißt so, weil am 1. Weihnachstfeiertag 1643 der britische Kapitän William Mynors ebenda aufkreuzte. Es gibt noch eine dritte Weihnachtsinsel: Sie ist Teil von Nova Scotia, Kanada, und nach einem Einwohner mit dem Familiennamen Christmas benannt.
Eindruck kann hierzulande schinden, wer weiß, wie man den Namen des kleinen Inselstaates korrekt ausspricht, nämlich Kiribas. In der gleichnamigen Landessprache (auch I-Kiribati, Kiribatisch oder – nach den Gilbertinseln – Gilbertesisch genannt) wird die Zeichenfolge -ti- wie ein scharfes s gesprochen. Das Kiribatische, eine malayo-polynesische Sprache mit etwas mehr als 100.000 Sprechern, ist auch deswegen bemerkenswert, weil es mit nur 15 Phonemen einen sehr kleinen Lautbestand aufweist (der Durchschnitt liegt bei ca. 30). Neben 10 Konsonanten gibt es die Vokale a, e, i, o, u, jeweils kurz und lang (so dass man streng genommen von 20 Phonemen ausgehen kann). Diese Laute werden mit nur 13 Buchstaben wiedergegeben: a b e i k m n ng o r t u w. Wie man sieht, kommt <s> gar nicht vor.
Zu Kiribati gehört u.a. das Atoll Kiritimati, das – na, wer hat aufgepasst? – ungefähr Kirismas ausgesprochen wird. Und das klingt so ähnlich wie das englische Wort Christmas, weshalb man die Inselgruppe sowie die Hauptinsel auch als Weihnachtsinsel kennt. Zufall? Leider nein. Die Insel war vor dem Eintreffen der Engländer 1777 noch einwohner- und namenlos. Weil aber James Cook am 24. Dezember dort ankam, taufte er die Insel Christmas Island, was erst nachträglich an die einheimischen Schreibgewohnheiten angepasst wurde (die Verschriftlichung erfolgte erst im Rahmen der Missionierung Mitte des 19. Jahrhunderts).
Durch die Schreibweise Kiritimati besteht zumindest keine Verwechslungsgefahr mit dem bekannteren, zu Australien gehörigen Christmas Island. Dieses heißt so, weil am 1. Weihnachstfeiertag 1643 der britische Kapitän William Mynors ebenda aufkreuzte. Es gibt noch eine dritte Weihnachtsinsel: Sie ist Teil von Nova Scotia, Kanada, und nach einem Einwohner mit dem Familiennamen Christmas benannt.
Samstag, 4. Juli 2009
Unübersetzbare Wörter
Unübersetzbare Wörter - gibt es die überhaupt? Sagen wir so: Es gibt Wörter, sehr viele sogar, die sich in anderen Sprachen nicht mit einem Wort wiedergeben lassen (über die Definition von "Wort" will ich mich jetzt nicht auslassen ...), sondern eine Paraphrasierung nötig machen. Solche obskuren Wörter - es gibt sogar ein entsprechendes Lexikon zu kaufen - entstehen infolge starker Bedeutungsverengung. Offenbar besteht manchmal das Verlangen, äußerst spezielle Sachverhalte in ein einziges Lexem zu packen. Aufgrund dessen Aussagen über die Lebenswelt der Sprecher zu treffen, ist mittlerweile nur noch bedingt zulässig; die sich hartnäckig haltende Mär von den "Schnee"-Wörtern der Eskimos wurde ja schon längst entmystifiziert. Und wer würde uns Deutschen einen Hang zum Sadismus vorwerfen, weil es für unsere "Schadenfreude" in anderen Sprachen keine Entsprechung gibt?
Trotzdem ist es mitunter amüsant, solche Wörter aufzuspüren. In seinem Roman Schlangenfieber listet Robert Twigger einige Wörter aus der zentral-ost-malayo-polynesischen Sprache der indonesischen Insel Buru auf:
Trotzdem ist es mitunter amüsant, solche Wörter aufzuspüren. In seinem Roman Schlangenfieber listet Robert Twigger einige Wörter aus der zentral-ost-malayo-polynesischen Sprache der indonesischen Insel Buru auf:
- abo: im Dunkeln seinen Weg ertasten
- ahak: einen Schrei ausstoßen wie ein Adler im Flug
- bofel: der Wasserwirbel einer Schlange, die aus einem Fluss auftaucht
- boso: sich den Anus waschen
- epkasiak: bei einem Streitgespräch die Seite vertreten, die im Unrecht ist
Weitere Wörter kann man in diesem Online-Wörterbuch finden. (Da steht allerdings, dass bofel lediglich ein Wirbel oder eine Aufwölbung im Wasser ist; nix mit Schlange.)
Das Französische scheint eine besondere Affinität zu solchen "Spezialausdrücken" zu haben. Dies ist mir schon während der Schulzeit aufgefallen. Ich legte damals eine kleine Vokabelsammlung an, die ich zum Glück bis heute aufgehoben habe und Ihnen nun auszugsweise präsentieren kann:
- resucrer qc.: etwas wiederzuckern
- un traversin: eine Schlummerrolle
- le cahier de texte: ein in der frz. Schule spezielles Heft, in das die Schüler eintragen, welche Hausaufgaben sie aufhaben (NICHT: "Hausaufgabenheft"!)
- le mercuchrome: rotes Desinfektionsmittel für Wunden
- une dérive: ein Querruder
- un feutre: ein Filzhut
- un charcutier: ein Wurstwarenhändler
- une merguez: stark gewürzte Bratwurst
- Bof!: Ausdruck der Gleichgültigkeit
Naja, so toll sind die Beispiele auch nicht, aber wenigstens veranschaulichen sie, was für einen nutzlosen Mist man zum Teil in der Schule lernt. Besser sind da schon die Wörter von Max Goldt, die er in seinem Text Der Mann, der sich wie die Kühe fühlt und die Frau, die nicht weiß, wann sie Middach kochen soll anführt:
- hongroyer: Leder ungarisch bearbeiten
- rembucher: Wild wieder in den Wald zurückjagen
Nach dem Hören dieser Kolumne bin ich überhaupt erst darauf gekommen, mich mit dem Thema zu befassen.
Die Amerikaner sind auch sehr kreativ, insbesondere was Neologismen im sexuellen Bereich angeht. Ich bin gespannt, wie das für South Park zuständige Synchronstudio das Wort queef in Episode 13.04 übersetzt. Auch gut: gaydar (aus gay + radar), guyliner (= Eyeliner für Kerle), das inflationär gebrauchte bi-curious (ich hörte mal irgendwo die holprige Übersetzung "bi-neugierig"), booty call (= ein Anruf, meist zu vorgerückter Stunde, mit dem Ziel, spontane erotische Arrangements zu treffen) oder dry-humping (is' klar, nicht?). Aber damit sind wir bereits in die Sphäre des Slangs eingedrungen, und darum es sollte es ja gar nicht gehen.
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