Am Wochenende habe ich auf einer Gedenktafel an einer Burgruine den seltenen Gebrauch einer Präposition gesehen:
"Liebe und Ehrfurcht gegen den Vater" – heute würden wir "Liebe für" oder "Liebe zu" erwarten (und "Ehrfurcht vor"). Das Bedeutungswörterbuch (Duden Band 10) schreibt zwar auch noch: "gegen [...] 2. dient dazu, eine Beziehung zu jmdm., etwas zu bezeichnen; gegenüber: der Chef ist freundlich gegen seine Mitarbeiter", doch kommt uns die Verwendung im Zusammenhang mit Positivem seltsam vor. Negativ konnotierte Nomina erwartet man vor "gegen" eher: "Argwohn gegen das Rebellische" (Taz), "Abneigung gegen Finanzen?" (Süddeutsche Zeitung), "Die Feindschaft gegen Israel ist identitätsstiftend" (Jungle World).
Was der Bedeutung von "gegen" in der obigen Phrase zugrundeliegt, ist klar: Eine Tendenz, eine Richtung soll ausgedrückt werden, so wie es die (aus gegen verkürzte!) Präposition gen tut; dieser semantische Kern von gegen zeigt sich noch in der im Duden als 4. angeführten Bedeutung: "dient dazu, eine räumliche oder zeitliche Annäherung an ein Ziel oder einen Zeitpunkt zu bezeichnen: er wandte sich gegen das Haus (dem Haus zu)". So ist denn auch der Gegner letztlich jemand, der (in feindlicher Absicht) "entgegenkommt" (und eben nicht: jmd, der im übertragenen Sinne entgegenkommend ist): "Als Lehnübersetzung von lat. adversarius 'Gegner, Widersacher' tritt seit dem 14. Jh. in niederdeutschen Rechtstexten mnd. gēgenēre, jēgenēre auf, das eine Bildung zu dem Verb mnd. gēgenen, jēgenen 'entgegenkommen, begegnen' (vgl. gegen) ist. Es bezeichnete zunächst den Gegner im Rechtsstreit, dann den Gegner im allgemeinen und den auszutauschenden Kriegsgefangenen." (Duden Band 7: Das Herkunftswörterbuch) Weiterführende Lektüre, insb. zur Etymologie von gegen (in engl. again widerscheinend!), ist empfohlen.

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