Tag 10 || Zeven – Sittensen – Ramshausen (Vierden) [– Sauensiek] – Buxtehude – Hamburg-Finkenwerder – Hamburg-Altona – Schenefeld – Pinneberg
Heute habe ich zweimal Anruflinientaxis benutzt; einmal handelte es sich um eine klassische Taxi-Limousine, einmal um einen Krankentransporter, beide Male war ich der einzige Fahrgast. Man kann diskutieren, ob das noch "Busse" im Sinne meiner Challenge sind, aber sie wurden mir als Verkehrsmittel in der Öffi-App angeboten, hatten eigene Liniennummern und waren auf den Haltestellenplänen aufgeführt – them's the rules!
Dem Fahrer, der mich von Sittensen nach Ramshausen brachte (vorher stoppte ich in Zeven, "die Einkaufsstadt"), erzählte ich auf seine Frage nach meinem Ziel von meinem Projekt. Er fand es tatsächlich interessant – "Ein Schreibender an Bord, das hat man auch nicht alle Tage" –, kam dann aber bald auf die ganz großen Themen zu sprechen. "Fragen Sie sich manchmal, wohin wir global eigentlich hinsteuern?" – "Ja, die Weltlage kann einem schon Angst machen." (...) "Wann wurden Sie konfirmiert?" – "Gar nicht. Ich komme aus dem Osten, da haben fast alle Jugendweihe." – "Was ist das denn? Heißt das, Sie glauben gar nicht an Gott? ... Überlegen Sie sich das gut. Der Mensch muss, wenn er seine Umwelt beobachtet, erkennen, dass es einen Schöpfer gibt."
Da endete die Fahrt leider schon, doch der nächste Spaß ließ nicht auf sich warten: Der Bus nach Sauensiek entpuppte sich, was die Öffi-App verschwiegen hatte, EBENFALLS als Anruftaxi. Ich konnte spontan keins bestellen, hatte aber gott(!)lob exakt eineinhalb Stunden, um die sechs Kilometer auf Schusters Rappen zurückzulegen. Die prasselnde Sonne war mir dabei lieber als Dauerregen, wie er wohl momentan den Süden heimsucht.
Der Süden! Mittlerweile ein verwehtes Echo aus der Vergangenheit. In Buxtehude hörte ich die ersten Möwen, ab Jork häufte sich die Reetdachdichte. Ja, moin! Zu gerne hätte ich bei Hamburg mit der Fähre übergesetzt, denn ich liebe Fähren, aber das hätte nun wirklich nicht gegüldet. Also mit dem Bus unter der Elbe durch und in umständlichem Zickzack nach Pinneberg.
Warum ich nicht in Hamburg Station gemacht habe, möchtet ihr wissen? Die Sache ist die: Hamburg ist meine Lieblingsstadt in Deutschland, und wenn mir nur ein Abend und ein Morgen zur Verfügung gestanden hätten, wäre ich traurig gewesen: All die Sehenswürdigkeiten und die lieben Leute, die ich dort kenne, zum Greifen nahe und doch so fern. Nee, pragmatischer, unsentimentaler Transit soll es diesmal sein.
Der heutige Abschnitt war unterm Strich der forderndste. Einmal musste ich sogar stehen, und zum Hotel 40 Minuten ins Gewerbegebiet schlurfen. Morgen werde ich Flensburg erreichen, und ich will verdammt sein, wenn ich mir zum Feierabend nicht ein lokales Ploppflaschengebräu in die Rüstung kippe!





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