Montag, 8. Juni 2026

Zwei Trends

In den letzten Monaten sind mir zwei Entwicklungen im deutschen Alltag aufgefallen: eine die Sprache, die andere Umgangsformen betreffend.

1.) Beim Bezahlvorgang vernimmt man von Kassenpersonal bzw. Gaststättenbedienungen jetzt häufig die Frage: "Mit der Karte?" Das Augenmerk sei dabei auf den Artikel gelenkt. Wann ist dieser obligatorisch geworden? Früher reichte doch ein simples "Mit Karte?", wenn man wissen wollte, ob jemand mit Karte zahlt! Ich würde ja verstehen, dass man von "der Karte" spricht, wenn unser Waren- und Wirtschaftssystem einen Grad futuristischen Universalismus erreicht hätte, wo es tatsächlich nur noch eine einzige Chipkarte gibt, die für alle möglichen Transaktionen eingesetzt wird – Die Karte™ eben. Aber ich für meinen Teil kann allein zum Bezahlen auf vier verschiedene kartengebundene Optionen zurückgreifen.
Die Kundschaft übernimmt diese Marotte allmählich. An der Supermarktschlange hörte ich schon das ein oder andere Mal die Aussage "Mit der Karte, bitte".

2.) Die im öffentlichen Personenverkehr lange geltende Regel "Erst aussteigen lassen, dann einsteigen" scheint außer Kraft gesetzt. Möchte ich eine U- oder S-Bahn verlassen, muss ich mich neuerdings durch ungehemmte Grobianmassen quetschen und schlagen, die unmittelbar nach dem Aufgehen der Türen in das Fahrzeug strömen, als bestünden die Aussteigenden aus Luft. Willkommen in der Ellenbogengesellschaft!

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