Und die wichtigste Frage abseits jener, ob Deutschlands Juniorliteraturbetrieb die anale Phase jemals wieder verlassen wird: Was kriegen Furzipups-Fans beispielsweise in Bayern stattdessen geboten? Ich stelle mir stümperhafte Off-brand-Inszenierungen mit konkurrierenden verdauungsgestörten Folklorereptilien vor – von denen sich das minderjährige Publikum freilich nicht beeindrucken lässt. »Das ist ja gar nicht Furzipups der Knatterdrache! Wir wollen Furzipuuuups!!!« brüllt die Kindermeute. »Der ist aber genauso toll«, versuchen die erwachsenen Begleitpersonen zu beschwichtigen. »Das ist Arschibläh der Flatulenzwyrm. Schaut, jetzt klaut er seiner Freundin Stinki Säbelzahn eine Dose Kidneybohnen!«
Doch das Stück will nicht recht in Fa(h)rt kommen, sehen selbst die Eltern alsbald ein. Der Hauptfigur fällt ein Auge aus dem Stoffschädel, eine Oberlichtglühlampe platzt, mehrmals klemmt der Vorhang, die Puppen verhaspeln sich in einer Tour, und in der Pause rast ein Büffel durch die Manege, der aus einer parallel laufenden Vorstellung (»Der Müffelo«) entkommen ist. Als Zeichen des guten Willens wendet sich hinterher eine Erziehungsberechtigte an den Zirkusdirektor: »Richten Sie ein Lob an den Tontechniker aus! Die Furzgeräusche waren wirklich authentisch.« Worauf der Direktor sagt: »Wir haben gar keine Tontechniker.«
(Zuerst erschienen im Titanic-Newsletter vom 17. April 2026. Jetzt abonnieren, um in zwei Wochen meine 100. Kolumne nicht zu verpassen!)
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