Donnerstag, 22. Januar 2015

Ausflug in die Region

Heute habe ich mir meine Kamera geschnappt und bin nach Langen (Hessen) gefahren. Allzu ergiebig war meine fotografische Ausbeute nicht. Der 37.000-Einwohner-Ort Langen ist zwar Hauptsitz der Deutschen Flugsicherung und Heimatstadt so bedeutender Promis wie Rudi Sehring (deutscher Jazzschlagzeuger), Gerd J. Grein (hessischer Volkskundler) und Jennifer Hof (Gewinnerin der dritten Staffel von Germany’s Next Topmodel), architektonische oder landschaftliche Reize sucht man indes vergeblich.

Langen, Symbolbild

Pflichtbewusst hat man zwar wie in jeder deutschen Mittelstadt ein Dutzend Fachwerkhäuser aufgestellt, und auch ein heute als Museum genutztes altes Rathaus soll es geben (was ich nicht gefunden habe), aber dazwischen: 60er-Jahre-Klötze, hässliche Klerikalbauten und Sektentempel in rätselhaft hoher Zahl sowie etliche dichtgemachte Restaurants. Irgendwo sah ich einen Hundesalon und daneben ein Geschäft, über dessen Eingang die zusammengewürfelten Schlagworte "Kids Perücken Girls Boys Beratung" prangten. Ein Laden hieß sage und schreibe "Feines für Mensch und Hund". Was soll das alles? 


Eine Art Wahrzeichen scheint diese Kirche zu sein, die gegenüber einem süßen Filmtheater steht. Davor wiederum rottet eine "Brunnenanlage" vor sich hin, die man erst anhand eines Schildes als solche identifizieren muss – in Auftrag gegeben von einem offenkundig nicht sehr aktiven "Verkehrs- und Verschönerungs Verein Langen":


Langen unterhält, wie man einer Tafel auf dem wahnsinnigerweise "Europaplatz" geheißenen Bahnhofsvorplatz entnehmen kann, Städtepartnerschaften mit Romorantin-Lanthenay (Frankreich), Long Eaton (UK), Tarsus (Türkei) und Aranda de Duero (Spanien). 

Humor haben sie

Ansonsten zieren das Stadtbild gelegentliche Versuche von Graffiti, meistens aber Bekundungen, welche/r Problemjugendliche eine "geile Nutte" bzw. ein "Hurensohn" ist. Offenbach scheint entweder wohl gelitten oder total verhasst zu sein, das konnte ich nicht genau feststellen. Eine Fußballfangruppierung namens "Langen Hools" gibt es jedenfalls. In Gleisnähe verspricht eine Döner- und Pizzabaracke vollmundig "eine Genussreise für die Sinne". Diverse karnevalistische Events werden via flächendeckender Plakatierung angedroht. 


In der Ferne lockte der Wald, doch auf halbem Weg dahin an deprimierenden Gewerbebuden vorbei verlor ich die Lust. Nicht einmal "Ingress" zu spielen lohnte sich, waren doch die (überraschend zahlreichen) Portale allesamt bereits von meiner Fraktion eingenommen und mit höchstmöglichen Resonatoren ausgestattet. Irgendwann wurde es mir zu kalt.

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