Sonntag, 22. Dezember 2019

Wo Vanille ist, ist auch ein Weg

Ich blätterte durch die aktuelle Zeit und las, mehr oder weniger aus dem Augenwinkel heraus, diese Überschrift:


"Die Königin der Gewürze". Noch bevor ich erfasst hatte, worum es ging, dachte mein Gehirn: 'Ah, Vanille!' Dabei war mir weder klar, dass Vanille diesen Ehrentitel trägt, noch war ich jemals einer leibhaftigen Vanillepflanze begegnet. Trotzdem kann man Vanille mühelos und blitzartig identifizieren, gerade als moderner Konsument hat man die charakteristischen gelben Blüten schon auf unzähligen Lebensmittelverpackungen gesehen. Hat man eine Packung Speiseeis vor sich und auf dem Deckel überwiegen Weiß- und Gelbtöne, steht fest: Das ist Vanilleeis.
In den letzten Jahren hat Vanille, zumindest meinem Gefühl nach, eine Aufwertung erfahren. Besonders das Label "echte Bourbon-Vanille" verheißt etwas Edles, Exquisites und rechtfertigt mutige Bepreisungen. Dabei fand ich schon immer, dass Vanille die langweiligste Eissorte ist. Niemals würde ich mir am Eisstand eine Kugel Vanille geben lassen. Nicht umsonst ist vanilla in Bezug auf Computer-/Videospiele und sonstige Software ein Synonym für "Standard", "unmodifiziert" oder "default". (Dieses Jahr fand bereits der 11. "Vanilla Level Design Contest" statt, bei dem "Super Mario World"-Hacks mit der Vorgabe erstellt werden, ausschließlich das unveränderte Quellmaterial des Originalspiels zu verwenden und auf custom sprites etc. zu verzichten.)
Nichtsdestotrotz bin ich grundsätzlich kein Verächter des aromatischen Orchideengewächses. Stets habe ich daheim eine Schote Vanille in einem verpfropften Reagenzglas vorrätig. Dennoch ist und bleibt für mich Kreuzkümmel der König der Gewürze.

PS: Menschen, die "Wanillje" sagen – was stimmt nicht mit ihnen?

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