- Archäologen entdecken Bibergrube aus der Jungsteinzeit bei Alsleben (mdr.de, 4. Mai) Ein Fund an der Saale, die rund 7000 Jahre alten Reste von mindestens zwölf Bibern, "liefert seltene Hinweise darauf, welche Rolle Pelzherstellung, Jagdstrategien und Kleidung bereits in der frühen Jungsteinzeit spielten".
- Bei Schulausflug auf Bauernhof: Bub (6) macht Sensationsfund (Kurier, 11. Mai) Der Junge entdeckte im norwegischen Dorf Brandbu ein 1,30 m langes Schwert, das aus einem Acker ragte. Das überragend gut erhaltene Objekt soll 1300 Jahre alt sein, also "aus der Merowingerzeit oder dem Beginn der Wikingerzeit" stammen.
- Stinkendes Notizbuch in mittelalterlichem Klo gefunden (wdr.de, 12. Mai) In Paderborn wurde ein in 700 bis 800 Jahre altes, gut erhaltenes, in Leder und Holz gebundenes und innen beschriebenes Buch gefunden – in einer Latrine. Womöglich handelt es sich um das Notizbuch eines Kaufmanns.
- Muscheln und Schnecken der Saison (Spektrum.de, 18. Mai) Eine Untersuchung von Weichtierschalen, die in rauen Mengen in der spanischen Höhle Las Aviones gefunden wurden und ein Alter von 115.000 Jahren aufweisen, legt nahe, dass die Ernährungsvorlieben des Neandertalers denen des Homo sapiens, der erst 100.000 Jahre später die Bühne betrat, ähnelten. Demnach wurden Meeresfrüchte bevorzugt in der kalten Jahreszeit konsumiert. Das "könnte damit zusammenhängen, dass die Neandertaler den Rest des Jahres anderswo lebten; vielleicht verdarben die Muscheln und Schnecken während des Winters aber auch weniger schnell oder schmeckten besser".
- Toter von Pompeji identifiziert – das war sein Beruf (t-online, 20. Mai) Einer jener 13 an dem als "Garten der Flüchtenden" bekannten Weinberg gefundenen Menschen hatte zum Zeitpunkt seines Todes unmittelbar nach dem Ausbruch des Vesuv einen Gegenstand bei sich, der den Eindruck eines "antiken Medizinkoffers" machte. Nach einer Analyse mit modernsten Methoden steht fest, dass das "Köfferchen eine Stofftasche mit Bronze- und Silbermünzen, ein Kästchen aus organischem Material sowie eine Reihe von Instrumenten, die zu einem medizinischen Set passen", enthielt. "Außerdem fanden sich eine Schieferplatte, die in der Antike zur Herstellung medizinischer oder kosmetischer Substanzen verwendet wurde."
- Überraschung aus der Steinzeit: Vater und Sohn durch hunderte Kilometer getrennt (Der Standard, 21. Mai) Der Sohn eines um 3100 v. Chr. im hessischen Niedertiefenbach beigesetzten Mannes "fand seine letzte Ruhe rund 225 Kilometer weiter nördlich, in einer in den Fels geschlagenen Kammer bei Sorsum" bei Hildesheim – "der bisher größte dokumentierte geografische Abstand zwischen Verwandten ersten oder zweiten Grades aus dem Neolithikum". Anschließende Untersuchungen mehrerer Bestattungsplätze ergeben das Bild eines regelrechten Netzes mit "weitreichende[n] biologische[n] Verbindungen".
- Neue Studie löst altes Rätsel: So übersteht diese Pyramide jeden Erdstoß seit Jahrtausenden (merkur.de, 26. Mai) Die Stabilität der Cheops-Pyramide: garantiert wird sie durch einen messbaren Unterschied zwischen den Eigenfrequenzen von Bauwerk und Untergrund, wodurch das sog. Resonanzphänomen vermieden wird. Druckkammern spielen dabei eine Rolle. "Die Pyramide vereint mehrere geometrische Prinzipien, die Ingenieure auch heute noch als vorbildlich bezeichnen würden."
- Der nackte Brite aus Kreide wird aufgehübscht ("Spiegel online", 28. Mai) "[S]owohl stärkere Regenfälle als auch heißere Sommer" haben dem zwischen 700 und 1100 n. Chr. angefertigten Riesen von Cerne Abbas zugesetzt, weswegen die Umrisse des 55 Meter großen Scharrbildes früher als nach dem üblichen Turnus nachgezogen werden. "Die Neuverkreidung soll bis zu 15 Tage in Anspruch nehmen. Rund 300 Mitarbeiter und Freiwillige des National Trust werden laut der BBC daran beteiligt sein und etwa 17 Tonnen frische Kreide den steilen Hang hinauftragen."
- Acht Meter unter dem Mainufer tauchen 2400 Jahre alte Gemäuer aus der Eisenzeit auf ("Welt online", 1. Juni) Eine eisenzeitliche Konstruktion aus Stein und Holz wurde am Mainufer in Aschaffenburg freigelegt. Sie stammt aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert und ist somit wohl der keltischen La-Tène-Kultur zuzuordnen. Über den Nutzen des "vermutlich auch repräsentativen Bauwerk[s]" ist (noch) nichts bekannt.
- Keltisches Fürstengrab im Taunus entdeckt (Hessenschau, 8. Juni) Teile eines Streitwagens, goldene Ringe, Schmuckperlen, eine etruskische Kanne und mehr: Die Grabbeigaben im schon jetzt als Sensation geltenden Bad Camberger Grab deuten auf eine höhergestellte Persönlichkeit hin, die zu Beginn der frühen Eisenzeit gelebt hat.
- Schülerin findet keltischen Armring aus Bronze - per Zufall (Hessenschau, 15. Juni) "Es handelt sich um ein rund 2.700 Jahre altes Schmuckstück aus der frühen Eisenzeit", welches eine Zwölfjährige in Büdingen in der Wetterau geborgen hat: einen Armring aus Bronze, der wohl Teil einer ganzen Tracht aus der Hallsteinzeit gewesen war. Der Fund bestätige, "dass der Glauberg bereits seit der frühen Eisenzeit besiedelt war. Zudem könnten solche Einzelfunde wichtige Hinweise auf mögliche bisher unentdeckte Grabhügel bieten - und seien deshalb ein Glücksfall für die Forschung".
- Unberührte Maya-Stätte im mexikanischen Dschungel entdeckt ("Spiegel online", 24. Juni) Die 15 Hektar große Stadt, deren Reste im Bundesstaat Campeche entdeckt wurde, ist Minanbé getauft worden (aus der Maya-Sprache mit "Es gibt keinen Pfad" zu übersetzen). Neben Hieroglyphentexten barg der auf die Zeit zwischen 600 und 900 n. Chr. datierte überwucherte Ruinenkomplex einen "13 Meter hohen Pyramidentempel, Altäre, palastartige Gebäude, Plätze, Wasserkanäle sowie einen Stein mit einer eingravierten Enthauptungsszene".
- Über 2.000 Jahre alte menschliche DNA in Höhlen Spaniens und Portugals entdeckt (AOL, 24. Juni) Eine internationale Studie zeigt, "dass Felsoberflächen menschliche genetische Spuren über Tausende von Jahren bewahren können", konkret "menschliche DNA nicht nur auf einer mit Pigmenten bedeckten Oberfläche der portugiesischen Höhle von Escoural, sondern auch in Bereichen ohne Malereien in [der Höhle von Maltravieso in Cáceres] und in der asturischen Höhle Covarón" sowie auf weiteren "Tafeln mit Felskunst aus elf Höhlen in Spanien und Portugal". "Von den analysierten Proben stammen drei von Frauen, eine von einem Mann; eine weitere ließ sich keinem Geschlecht eindeutig zuordnen." (Ausführlicher auch die Tagesschau)
- Neues Rätsel um Frühmensch Homo naledi: Warum lagen in einer Höhle nur weibliche Skelette? (National Geographic, 25. Juni) 20 von 20 Individuen in der südafrikanischen Rising-Star-Höhle wurden als weiblich identifiziert. Der Artikel geht ausführlich auf die Methodik der Geschlechtsbestimmung bei 300.000 Jahre alten Skeletten ein und wägt diverse Erklärungsversuche ab: Kulturelles Verhalten, sprich eine zielgerichtete Bestattung, sei bei frühen Homininen wie dem Homo naledi mit seinem relativ geringen Gehirnvolumen wenig wahrscheinlich. Solch ein Verhalten wäre tatsächlich ein Indiz für "eine Praxis, die ein Maß an abstraktem Denken voraussetzt, das bislang nur dem Menschen zugeschrieben wurde".
- Spannender Fund in Nidderau gibt Einblicke in das Leben der Kelten (Hessenschau, 30. Juni) Sieben Gräber aus der Zeit von vor 2500 Jahren bargen Angehörige der keltischen Mittel- und Oberschicht, darunter einen mutmaßlichen Krieger, der "mit Schwert und Speer bestattet" wurde. Folgeuntersuchungen sollen u.a. klären, "ob die Menschen körperlich schwer arbeiten mussten und ob sie ausreichend Nahrung hatten. Auch mögliche Krankheiten, das Alter oder Familienverhältnisse können zum Teil aufgedeckt werden".
- Stätte in Nordirland könnte zu den frühesten stadtähnlichen Siedlungen Europas gehören ("Spiegel online", 1. Juli) "In Haughey's Fort in der Nähe von Armagh soll es bereits ab etwa 1200 v. Chr. Besiedlung gegeben haben." Alles deutet auf ein bronzezeitliches "proto-urbanes Zentrum" hin, mit "Handwerksproduktion, Tauschhandel und gemeinschaftliche Aktivitäten", das zudem wahrscheinlich in Zusammenhang mit der bedeutsamen Stätte King's Stables und den Creeveroe-Erdwällen steht.
- Der Hobbit-Mensch aß, was die Drachen übrigließen (National Geographic, 8. Juli) Die "Hobbits" auf der indonesischen Insel Flores haben offenbar nicht, wie man lange annahm, selbst gejagt. Wie ein kurioses Beiß-Experiment jetzt gezeigt hat, ernährte sich der Homo floresiensis von Kadavern des Rüsseltiers Stegodon, jedoch nur von Exemplaren, die Warane zuvor erlegt hatten. Immerhin: "Um das Fleisch vom Knochen zu trennen, nutzten sie Werkzeuge."
- 2000 Jahre alte Gräber und byzantinische Stadt in der ägyptischen Wüste entdeckt (Deutschlandfunk, 6. Juli) "Die Gräber in Marina El-Alamein wurden etwa hundert Kilometer westlich von Alexandria gefunden" und enthielten "menschliche Überreste, Töpferwaren, Amphoren und andere Grabbeigaben". "Es wird angenommen, dass es sich bei dem Fundort um die antike Stadt Leukaspis handelt, ein Mittelmeerhafen, der zwischen der hellenistischen und der byzantinischen Zeit seine Blütezeit erlebte." Die Überreste einer komplexen byzantinischen Wüstensiedlung aus dem 4. Jahrhundert wurden unabhängig davon freigelegt.
- Archäologen entschlüsseln Namen eines Maya-Astronomen ("Spiegel online", 14. Juli) Der Mathematiker, der im 8. Jahrhundert (Zeit der Maya-Klassik, 250-900) gelebt haben soll, habe Sak Tahn Waax geheißen, was so viel wie "Weißbrustfuchs" bedeute. Zu Grunde lagen "astronomische Berechnungen an der Wand einer Kammer in der Maya-Ruinenstadt Xultún" (Guatemala).
- Bislang unbekanntes Grab bei Luxor entdeckt: Hinweise auf einen Würdenträger der Ramessidenzeit (herder.de, 14. Juli) Im Bereich Sheikh Abd el-Qurna stieß ein Forschungsteam auf eine dem Neuen Reich zuzuordnende "Grabanlage östlich des bekannten thebanischen Grabes TT 45". "Zu den bedeutendsten Funden gehören die Wanddekorationen im Inneren der Anlage. Mehrere Darstellungen nennen den Namen des Grabherrn 'Paser'."
Mittwoch, 15. Juli 2026
Neues Altes (April-Juli '26)
Dienstag, 28. April 2026
Neues Altes (Februar-April '26 + Nachtrag)
- [nachgereicht] Forscher finden mögliches Massengrab von Pestopfern in Thüringen (n-tv.de, 13. Januar) "Durch Auswertung historischer Quellen, geophysikalische Messungen und Sedimentbohrungen konnte ein Expertenteam nun ein Massengrab identifizieren, das den beschriebenen Pestgruben aus dem 14. Jahrhundert entspricht. Endgültige Klarheit soll eine archäologische Grabung bringen."
- Waren die ältesten Kunstwerke Europas beschriftet? (Spektrum.de, 24. Februar) Untersucht wurden die Linien, Kreuze und Punkte auf 260 "Objekten der Altsteinzeit, die zwischen 43 000 und 34 000 Jahre alt sind – darunter [ein Elfenbeinmammut], der rätselhafte Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel, Knochen- und Elfenbeinflöten bis hin zu weniger bekannten Werkzeugen". Die Eigenschaften dieser Muster, "beispielsweise wie verschiedenartig die Zeichen gestaltet sind oder wie sie sich wiederholen", wurden "mit denen anderer, jüngerer Zeichensysteme, darunter auch moderner Schrift" verglichen und seien von der Komplexität her tatsächlich der sog. Protokeilschrift nicht unähnlich. (Anm. d. Bloggers: Ich warne vor voreiligen Schlüssen und würde tunlichst davon abraten, von einer "Schrift" zu sprechen.)
- 2,000-year-old inscriptions found in Valley of the Kings offer fresh insight into Indian presence in Ancient Egypt (The Art Newspaper, 25. Februar, englisch) Im 1. bis 3. Jh. n. Chr. haben Menschen aus Indien nachweislich Austausch mit Ägypten und Griechenland gehabt. Händler hinterließen im Tal der Könige Graffiti in vier verschiedenen Sprachen und Schriften Indiens. Die Mehrheit der knapp 30 Inschriften, die sich auf sechs Gräber verteilen, wurde in der Tamil-Brahmi-Schrift verfasst. "[A]lthough archaeologists knew of an Indian presence on the Red Sea coast of Egypt during the later Roman era [...] 'until this discovery we never had any solid proof of visitors from India to the Nile Valley in this early period'."
- Wer waren die toten »Sänger des Amun«? ("Spiegel online", 3. März) Dieser Titel taucht auf mehreren der 22 bemalten und verzierten Holzsarkophage auf, die – samt unversehrten Mumien – in Theben freigelegt wurden. In der rechteckigen Grabkammer aus der Dritten Zwischenzeit (1075 bis 652 v. Chr.) lagen zudem Keramikgefäße, "die vermutlich Materialien enthielten, die während des Mumifizierungsprozesses verwendet wurden".
- Mehr als 43.000 beschriftete Tonscherben in Ägypten entdeckt (Stuttgarter Nachrichten, 13. März) Der Rekordfund aus dem Komplex Athribis gibt beredtes Zeugnis über die Sozialgeschichte der Nilregion. Die Ostraka enthalten "Steuerlisten und Lieferungen, daneben kurze Mitteilungen über alltägliche Abläufe, Übungen von Schülern, religiöse Texte und priesterliche Bescheinigungen über die Qualität von Opfertieren". Die ältesten Texte (aus dem 3. Jh. v. Chr.) liegen dabei in demotischer Schrift vor, die jüngsten (9.-11. Jh. n. Chr.) in arabischer, hinzu kommen viele griechische Inschriften sowie Texte in koptischer und hieratischer Schrift und in ägyptischen Hieroglyphen.
- When did humans arrive in the Americas? A new study reignites the debate (National Geographic, 19. März, englisch) Die südchilenische Stätte Monte Verde ist neueren Untersuchen zufolge womöglich nur weniger als 8000 Jahre alt, nicht, wie nach ihrer Entdeckung in den 1970ern angenommen, 14.500 Jahre. Damals wurde mittels der Radiocarbonmethode Holz datiert – das sich jedoch ursprünglich nicht in Monte Verde befunden haben, sondern durch Erosionsprozesse von anderswo dorthin gelangt sein könnte. "The difference between a site being 13,000, 14,500, or 21,000 years old is significant because it raises other questions about how early humans arrived. Monte Verde prompted archaeologists to look for explanations as to how people could get to the Americas before the emergence of an ice-free corridor in Canada that only arose near the end of the last Ice Age, around 13,800 years ago."
- Wurde Pompeji mit einem antiken Maschinengewehr angegriffen? ("Spiegel online", 22. März) Dies könnte zumindest die Erklärung für viereckige, fächerförmig angeordnete Einschusslöcher in den nördlichen Stadtmauern sein. "Um zu überprüfen, ob sie damit richtig lagen, verglichen die Forscherinnen die digitalen Messdaten mit griechischen Ingenieurszeichnungen aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, die die Mechanik eines Polybolos beschreiben."
- Überreste von Musketier D'Artagnan entdeckt? (Tagesschau, 26. März) "Bei einer Reparatur der Sint-Petrus-en-Pauluskirche in Maastrichter Stadtteil Wolder im Süden der Niederlande wurde das Grab entdeckt", genauer: unter dem Altar, wo i.d.R. "[n]ur königliche oder andere wichtige Personen" begraben wurden. "Auch eine Kugel sei bei den Rippen gefunden worden und eine französische Münze." Ein DNA-Abgleich mit einem Nachfahren des berühmten Anführers der Leibwache Ludwigs XIV. soll in ein paar Wochen Klarheit schaffen.
- Hügelgräber bei Ausgrabungen in Laußnitzer Heide entdeckt (n-tv.de, 26. März) "Die Grabungen erfolgten vor der Erschließung neuer Abbauflächen durch das Kieswerk Ottendorf-Okrilla." Von den zehn schnurkeramischen Gräbern aus der Zeit zwischen 2750 und 2200 v. Chr. seien neun "ungestört und mit reichen Grabbeigaben ausgestattet" gewesen.
- Archäologie enthüllt: Alexandria am Tigris war größer als gedacht (Berliner Morgenpost, 26. März) Nach einer Neuverortung mit modernen geophysikalischen Methoden und unter Zuhilfenahme von Drohnenaufnahmen kommt ein internationales Forschungsteam zu dem Schluss, dass die ein halbes Jahrtausend lang höchst bedeutende Stadt im heutigen Irak, unweit der Grenze zum Iran, eine hochkomplexe Metropole war, die es mit ihrer Namensvetterin am Nil aufnehmen konnte.
- Römische Bootsladung vom Grund des Neuenburgersees gehoben (SRF, 26. März) Die exzellent erhaltenen Gegenstände – Schwerter, Gefäße, Werkzeuge – aus dem Gewässer im Kanton Neuenburg befanden sich wohl an Bord eines im ersten nachchristlichen Jahrhundert gesunkenen zivilen Handelsschiffs und zeugen "von der Nutzung eines dualen Transportsystems, das Land- und Wasserwege miteinander verband".
- Als Neandertaler einen Elefanten schlachteten ("Spiegel online", 27. März) Bereits 1948 wurden im niedersächsischen Lehringen die ca. 125.000 Jahre alten Überreste eines Waldelefanten entdeckt, dem "ein augenscheinlich von Menschenhand geformter, etwa 2,4 Meter langer Holzstab" zwischen den Knochen steckte. "Nun geben neue Untersuchungen Gewissheit: Der etwa 30 Jahre alte Elefantenbulle wurde höchstwahrscheinlich von Neandertalern getötet, berichtet ein Forschungsteam". Das Tier war zudem noch am Ort des Erlegens ausgenommen und zerteilt worden.
- Fragmente von Homers »Ilias« in Mumie entdeckt ("Spiegel online", 22. April) Im heutigen ägyptischen Al-Bahnasa, dem antiken Oxyrhynchos, wo bereits "viele beeindruckende Gegenstände aus der griechisch-römischen und byzantinischen Zeit gefunden [wurden], darunter Tausende Papyri", wurde im Inneren einer Mumie aus römischer Zeit ein Papyrus mit Versen aus dem zweiten Buch des Epos aufgespürt.
Dienstag, 24. Februar 2026
Neues Altes (November '25 - Februar '26)
- Das steckt hinter dem "Band der Löcher" in Peru (geo.de, 11. November) Auf einem Bergkamm am Monte Sierpe ("Schlangenberg") am Fuß der Anden befindet sich ein 1,5 km langes Band aus 5.200 präzise angeordneten Löchern, das lange Zeit Anlass für vielfältige Spekulationen war. Ein internationales Forschungsteam geht nun davon aus, "dass Monte Sierpe anfangs - zur Zeit des Chincha-Reiches (etwa 1000 bis 1400 nach Christus) - als Marktplatz zum Tausch von Handelsgütern diente. Dies sei möglicherweise mit gemeinschaftlichen rituellen Feiern verbunden gewesen". Neben der Segmentierung der Löcher waren vor allem die organischen Rückstände darin auffällig: "Am prominentesten waren Spuren von Mais, der im fruchtbaren Pisco-Tal schon vor der Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert kultiviert wurde."
- Hinweise auf geheimen Pyramiden-Eingang (Tagesschau, 16. November) Mit den Methoden des Ultraschalls, des Georadars und der elektrischen Widerstandstomographie konnte die schon länger kursierende Theorie eines weiteren Eingangs zur Mykerinos-Pyramide bestätigt werden. Der Hohlraum dahinter ist verhältnismäßig groß, dient(e) aber wohl vorrangig statischen Zwecken.
- Sensationsfund in Frankfurt – 2000 Jahre altes Römerlager entdeckt (Frankfurter Neue Presse, 28. November) Bei Grabungen im Bolongarogarten in Frankfurt-Höchst wurden Reste eines festen Lagers aus augusteischer Zeit freigelegt, mithin Spuren einer deutlich älteren römischen Besiedlung als jene der Stadt Nida, die unter Kaiser Vespasian fiel und somit frühestens 70 n. Chr. begann.
- Der Neandertaler: Hatten Frühmenschen schon vor 400.000 Jahren Feuer? (National Geographic, 5. Januar) "Am Fundplatz East Farm in England traten bei jüngsten Grabungen gerötete Schluffschichten zutage, von Hitze verzogene Feuerstein-Handäxte und Fragmente eines Minerals – Eisenpyrit –, das als Funkengeber auf Zunder gedient haben könnte. Zusammen deuten diese Funde darauf hin, dass eine frühe Gruppe von Neandertalern dort vor etwa 400.000 Jahren wiederholt Feuer in einer Herdstelle entfachte", was darauf hindeuten könnte, "dass Neandertaler die Kontrolle über das Feuer unabhängig von frühen modernen Menschen entwickelten [...] – auch wenn nicht auszuschließen ist, dass das Pyrit von Homo heidelbergensis stammt".
- Giftpfeile aus der Steinzeit gefunden (Tagesschau, 8. Januar) Schon vor 60.000 Jahren haben Menschen ihre Waffen mit Pflanzengift präpariert. Das legen in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal gefundene Pfeil- oder Messerspitzen aus Quarz nahe, an denen Rückstände des Saftes der Giftzwiebel hafteten, eines auch als Gifbol bekannten Gewächses, das "bis heute sowohl als traditionelles Heilmittel als auch für die Herstellung von Gift genutzt" wird.
- Reste von römischen Lagern in Sachsen-Anhalt entdeckt (mdr.de, 15. Januar) Dass römische Legionen bis an die Elbe vorgedrungen sind, war bislang nur aus historischen Quellen überliefert. Nun liegen handfeste Beweise in Gestalt der Reste dreier Marschlager im heutigen Sachsen-Anhalt vor. "Dass es sich um römische Anlagen handelt, belegen auch gefundene Fragmente von Gewandnadeln und Münzen. [...] Landesarchäologe Meller geht davon aus, dass die Lager aus der Zeit von Caracalla stammen. [...] Den Angaben zufolge belegen auch Radiokarbon-Untersuchungen, dass die Anlagen zu Beginn des 3. Jahrhunderts nach Christus angelegt wurden."
- Vitruvs Basilika nach Jahrhunderten der Suche in Fano entdeckt (Der Standard, 21. Januar) "Die Basilika von Fanum Fortunae, dem antiken Fano [in Mittelitalien], ist das einzige Bauwerk, das Vitruv in seiner überlieferten Schrift De architectura ausdrücklich erwähnt." Jetzt wurde das öffentliche Bauwerk unter der Piazza Andrea Costa im Rahmen von Umgestaltungsmaßnahmen freigelegt und kann aufgrund exakter Übereinstimmung mit den schriftlichen Beschreibungen eindeutig dem "Vater der Architektur" zugeschrieben werden. "Als Hinweise auf vier Säulen auftauchten, nutzten die Forschenden Vitruvs Text, um zu berechnen, wo sich eine Ecksäule befinden müsste – und bei der anschließenden Grabung kam die Säule tatsächlich genau an der berechneten Stelle zum Vorschein."
- Höhlenbild in Indonesien bricht Altersrekord (Spektrum.de, 21. Januar) "Es handelt sich um ein kaum sichtbares Handnegativ, das Menschen vor mindestens 67 800 Jahren mit dem Mund an eine Höhlenwand auf der Insel Muna gesprüht hatten. Damit ist es etwa 16 600 Jahre älter als der bisherige Rekordhalter, ein Felsbild, das sich auf der größeren Nachbarinsel Sulawesi befindet." Der Abdruck untermauere den archäologischn Befund, dass der Homo sapiens auf dem Weg nach Australien vor rund 65.000 Jahren die sog. Wallace-Linie, einen tiefen Meeresgraben, via die Borneo-Sulawesi-Route überquert hat.
- 300 neue Inschriften aus Pompeji offenbaren das Leben der Antike ("Focus online", 22. Januar) Ausgegraben wurde der Durchgang im Theaterbezirk bereits vor über 200 Jahren, doch erst jetzt hat das moderne Verfahren Reflectance Transformation Imaging Zeugnisse der informellen Alltagskommunikation wie Liebesbotschaften zutage gefördert.
- Forscher machen 1.400 Jahre alten Sensationsfund (t-online, 24. Januar) Im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca wurde ein gut erhaltenes Grab der zapotekischen Kultur entdeckt, welche zwischen 300 und 900 n. Chr. ihre Hoch-Zeit erlebte. Die Grabkammer und ihr Vorraum beeindrucken mit Inschriften, Friesen und farbenfrohen Wandmalereien, die zum Teil lebhafte Einblicke in die (Bestattungs-)Kultur im Süden Mexikos bieten.
- Chemikerin löst Legionen-Rätsel: Überraschender Fund in Kalkriese (WAZ, 29. Januar) "Mithilfe der Analyse von Buntmetallen identifizierte sie die 19. römische Legion zweifelsfrei in Kalkriese. Diese gehört laut historischen Quellen zu den drei Einheiten, die in der Varusschlacht vernichtet wurden." Könnte dies ein entscheidendes Puzzlestück in der Streitfrage um den tatsächlichen Schauplatz der römisch-germanischen Schlacht sein?
- Taucher entdecken antikes Schiffswrack vor Italiens Küste ("Spiegel online", 4. Februar) Auf dem Meeresgrund vor der apulischen Stadt Gallipoli hat die Finanzpolizei bereits im Juni 2025 Überreste eines römischen Frachters aus dem 4. Jahrhundert entdeckt. Beladen mit mehreren Amphoren voller Garum, war das Schiff wahrscheinlich von Nordafrika aus gestartet.
- Antike chinesische Hochkultur endete wohl mit Überschwemmungen ("Spiegel online", 9. Februar) Der Untergang der vor 4600 Jahren ihre Blütezeit bildenden Shijiahe-Kultur (mittlere Region des Jangtsekiang) und ihr anschließendes Zerstreuen war lange Zeit ein Rätsel. Anhand eines an Stalagmitenbildung ablesbaren "Regenarchivs" konnte nun rekonstruiert werden, "dass das Tal drei Perioden mit geringen Niederschlägen [...] und zwei Perioden mit hohen Niederschlägen [...] erlebte, die 80 bis 140 Jahre dauerten. [...] Der Rückgang archäologischer Funde ab dieser Zeit deutet auf einen deutlichen Bevölkerungsrückgang hin, der über Jahrhunderte anhielt."
- Fund in Köln aus der Römerzeit ist einzigartig für Nordeuropa ("Spiegel online", 11. Februar) Ein römischer Hausaltar (ein Lararium) "wurde im Bereich des alten römischen Statthalterpalastes, des Praetoriums, gefunden". Eine Seltenheit, zumal im Innern "noch Reste der Bemalung" sowie Löcher von Nägeln, an denen Girlanden gehangen haben könnten, erkennbar sind. "Die Ausgräber stießen zudem auf eine Treppe aus dem 1. Jahrhundert."
- Zum Schluss keine Nachricht, sondern ein Online-Tool, auf das die Deutsche Welle aufmerksam macht: Hinter itiner-e verbirgt sich eine interaktive Straßenkarte des Römischen Reiches. "299.000 Kilometer Wege, die durch vier Millionen Quadratkilometer verlaufen, wurden digital rekonstruiert".
Mittwoch, 21. Januar 2026
Wort des Tages
Höhlenpopcorn: Knötchen an Skeletten und Schädeln, "korallenartige Speläotheme, kalkige Mineralablagerungen" (Spektrum der Wissenschaft). Die Knötchen, um die es in dem Artikel, in welchem ich diesen scheußlichen Terminus lesen musste, geht, fanden sich an den (Schädel-)Knochen eines vor ca. 130.000 bis 172.000 verstorbenen Neandertalers. Die Überreste, entdeckt 1993 in einer Karsthöhle in Süditalien, "stellen vermutlich die am vollständigsten erhaltenen" eines Neandertalers dar und ermöglichten die Untersuchung der "bislang einzige[n] überlieferte[n] Nasenanatomie" dieser Menschenform. Bislang hatte man vermutet, "dass eine spezielle Anatomie der oberen Atemwege die Gesichtsform der Neandertaler bedingte, vor allem die hervorspringende Gesichtsmitte". Dadurch seien sie an die damalige Kälte besonders gut angepasst gewesen. Nach der eingehenden Analyse des Atemwegssystems des sog. Altamura-Manns spricht nun allerdings einiges dafür, dass der Homo neanderthalensis uns in dieser Hinsicht doch recht ähnlich war.
Freitag, 7. November 2025
Neues Altes (Juli-Oktober '25)
- Grab des ersten Mayakönigs von Caracol entdeckt (scinexx.de) Es handelt sich um Te K’ab Chaak, der im Jahr 331 den Thron bestieg und "zum Begründer einer mehr als 460 Jahre lang regierenden Königsdynastie" wurde. In dem Grab, in dessen Nähe sich drei weitere Gräber hochrangiger Mayas fanden, lagen zahlreiche Beigaben, "darunter Jadeschmuck und eine kunstvolle Totenmaske in Form eines Jadeit-Mosaiks, sowie geschnitzte Knochenflöten, vom Pazifik stammende Muschelschalen und elf verzierte Keramikgefäße".
- Archäologen entdecken antiken Schmuck aus der Römerzeit mit besonderer Bedeutung ("Focus online", 22. Juli) Das Trilobiten-Amulett wurde auf der Müllhalde des Domus einer offenbar wohlhabenden römischen Familie in Galicien gefunden, wobei das Fossil nicht von dort stammt, "sondern aus einer Region wie Kastilien-La Mancha oder Extremadura, etwa 430 Kilometer südöstlich. Das Forschungsteam vermutet, dass das Fossil über Handelswege nach Galicien gelangte." Womöglich schrieb man dem intentionell bearbeiteten Gliederfüßerüberrest magische, schützende Wirkung zu.
- Familienrezepte bei Neandertalern? Neue Studie deutet auf Traditionen hin (stern.de, 23. Juli) "'Die feinen Unterschiede in den Schnittmustern zwischen [den 70 km voneinander entfernten Höhlen Amud und Kebara im Norden Israels] könnten lokale Traditionen in der Zerlegung von Tierkadavern widerspiegeln', sagt die Studienleiterin Anaëlle Jallon von der Hebräischen Universität Jerusalem. Demnach wurden die Traditionen über Generationen weitergegeben".
- Rätselhafte Riesenschuhe in römischem Kastell entdeckt (Telepolis, 27. Juli) Die Größe der Schuhe der am Hadrianswall in Northumberland gefundenen Kollektion entsprechen der modernen britischen Größe 41 bis 42. "Emma Frame, leitende Archäologin der Magna-Ausgrabungen, vermutet: 'Wir müssen davon ausgehen, dass es etwas mit den hier lebenden Menschen zu tun hat, die größere Füße und möglicherweise auch eine größere Statur hatten [...]'", was "bedeuten würde, dass einige Angehörige der Militärgemeinschaft in Magna tatsächlich sehr groß gewesen sein müssen. [...] Es könnte jedoch auch andere Erklärungsansätze geben. Könnte es sich beispielsweise um eine Art Schneeschuhe oder Winterstiefel handeln, die zusätzliche Polsterung oder mehrere Paar Socken erlaubten? Ein Brief, der unter ähnlichen Bedingungen wie die Schuhe in Vindolanda erhalten blieb, erwähnt ein Geschenk aus Socken und Unterhosen, das an jemanden geschickt wurde, der dort stationiert war", etwa einem Bogenschützen aus dem wärmeren Syrien, für dessen Anwesenheit es ebenfalls Belege gibt.
- Coptic City Unearthed in Egypt's Western Desert (Archaeology Magazine, 29. Juli, englisch) Wohnhäuser, Gräber und zwei Kirchen wurden in der ägyptischen Kharga-Oase freigelegt und zeugen von frühem christlichen Leben.
- Größtes Werkzeug: Archäologen entdecken im Hohle Fels Meißel aus Elfenbein (SWR, 31. Juli) Ein "Team um Archäologie-Professor Nicholas Conard [hat] das einzigartige Objekt im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren als 'Fund des Jahres' präsentiert. [...] 'Mit diesem Fund wird die allgegenwärtige Bearbeitung von Elfenbein immer deutlicher', erklärt Conard. Bisher haben die Archäologen Endprodukte aus Elfenbein gefunden, Schmuckstücke oder Figuren. 'Jetzt finden wir das Werkzeug und Hinweise, dass der Hohle Fels zum Beispiel eine ganze Elfenbein-Werkstatt war.' Die Archäologen der Universität Tübingen sprechen deshalb bereits von einem Elfenbein-Zeitalter für die Periode von vor 43.000 bis 35.000 Jahren."
- Ältestes Altenheim der Welt entdeckt (israelnetz.com, 21. August) In der antiken Stadt Hippos nahe dem See Genezareth wurde ein Mosaik aus dem 4./5. Jh. freigelegt, das "die Inschrift 'Friede sei mit den Ältesten'" enthält. "Um die Schrift herum sind Bilder angeordnet von Seerosen, Zypressen, Früchten und Gefäßen. Aus der prominenten Lage des Mosaiks am Eingang eines öffentlichen Gebäudes schließen die Forscher, dass die Inschrift damals für die Eintretenden gut sichtbar war. Sie gehen davon aus, dass die Institution ein gemeinschaftliches und spirituelles Zentrum war, das die sozialen Werte der christlichen Stadt widerspiegelte."
- Menschen haben schon vor 9200 Jahren Getreide mit Steinsicheln geerntet ("Spiegel online", 26. August) Ausgrabungen in der Toda-Höhle im Süden des heutigen Usbekistan legen nahe, "dass die Ernte von Wildgetreide viel weiter verbreitet war als vermutet. Denn dort – Tausende Kilometer nordöstlich des Fruchtbaren Halbmonds etwa auf der Breite von Athen gelegen – fand das Team Steinwerkzeuge, Holzkohle und Pflanzenreste." Die Bearbeitung der somit "ungeplanten" Domestizierung erfolgte mit Steinklingen.
- „Die Leichen wurden gehäutet und entfleischt, ihre Knochen gekocht“ ("Welt online", 1. September) "Vor rund 5700 Jahren hat in [der nordspanischen Karsthöhle] El Mirador ein regelrechtes Gemetzel stattgefunden, wie Archäologen und Anthropologen jetzt in den 'Scientific Reports' berichten. Unter den Opfern waren sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene. Womöglich wurde eine ganze Familie oder Gruppe ausgelöscht."
- Als der Mensch sich das Pferd zum Nutztier machte, waren zwei Gene entscheidend ("Welt online", 4. September) Das eine ist für die Stresstoleranz der Tiere zuständig und hat damit Einfluss auf die Domestizierbarkeit, das andere steht "sowohl mit der Anatomie von Rücken und Wirbelsäule als auch mit der Ausdauer in Zusammenhang". Die Forschungsgruppe "hatte das Erbgut von 86 Pferden aus verschiedenen Teilen der Welt und von einem Esel auf 266 verschiedene genetische Eigenschaften analysiert und aus den Ergebnissen einen Stammbaum abgeleitet", der 5000 Jahre in die Züchtungsvergangenheit zurückreicht.
- Wegweiser in der Wüste: 12.000 Jahre alte Tierabbildungen entdeckt (mdr.de, 2. Oktober) In der arabischen Nefud-Wüste hat ein Forscherteam 60 Felskunsttafeln mit 176 Gravuren entdeckt. Die teils beinahe 13.000 Jahre alten, naturalistischen Abbildungen mit Maßen von bis zu 3 Metern Länge und 2 Metern Höhe zeigen "hauptsächlich Kamele, Steinböcke, Pferde, Gazellen und Auerochsen", die mehr als "künstlerischer Ausdruck waren: '[...] sie waren wahrscheinlich Aussagen über Präsenz, Zugang und kulturelle Identität.' [...] 'Die Felskunst markiert Wasserquellen und Bewegungsrouten und symbolisiert möglicherweise territoriale Rechte und generationsübergreifendes Gedächtnis.'"
- Kolosse auf Wanderung ("Spiegel online", 9. Oktober) Die Moais auf der Osterinsel sind gewandert! In einem praktischen Experiment wurde eine gewichtsgleiche Kopie von "drei Gruppen bestehend aus je einer Handvoll Menschen abwechselnd an Seilen, die den Koloss umschlingen und ihn dadurch nach vorn schaukeln", in Trippelschritten über eine beachtliche Strecke transportiert. "Die aktuelle Studie widerspricht damit anderen Theorien, laut denen die Statuen auf Holzstämmen verladen und vorwärtsgerollt wurden."
- Der Nazi-Adler hinter der Rigipswand ("Welt online", 13. Oktober) Zum Schluss keine wirkliche Neuigkeitenmeldung, aber ein dennoch lesenswerter Kurzaufsatz zu durch Naturgewalten ans Licht gekommene historische Zeugnisse.
Mittwoch, 10. September 2025
Byzantinische Botschaften
Gerade ausgelesen:
Das war so packend wie ein Krimi und vollgestopft mit überraschenden Erkenntnissen nach neuestem Forschungsstand. Lediglich eine Passage möchte ich auszugsweise wiedergeben, bezieht sie sich doch zufällig – bzw. angesichts des Themas überhaupt nicht zufällig – auf etwas, das ich vor einiger Zeit hier im Blog behandelt habe: die nordischen Runen in der Hagia Sophia:
Überall in der Kirche finden sich Graffiti, kyrillische und griechische, armenische und lateinische. Die meisten wurden schätzungsweise zwischen dem 11. und dem 15. Jahrhundert angefertigt und enthalten sowohl Namen als auch Bilder von Tieren, Waffen und Wappen. [...]
2009 wurde eine neue aufregende Entdeckung gemacht. Auf der Suche nach weiteren kyrillischen Inschriften fotografierte ein Team russischer Forscher akribisch alle Flächen mit möglichen Schriftzeichen und nahm die Bilder genau unter die Lupe. Alles, was irgendwie nach Runen aussah, schickten sie einer Runologin, Elena Melnikova, die schließlich einen Erfolg vermeldete. Eine dritte Runeninschrift, die auf einer marmornen Fensterbank in der nördlichen Galerie gefunden wurde, besagte: "Arinbarðr hat diese Runen geschnitten." Aufgrund ihrer besonderen Ritzart wurden diese Runen von Melnikova auf die Zeit zwischen dem frühen elften und dem zwölften Jahrhundert datiert, also auf das Ende der Wikingerzeit. (S. 346f.)
Aber das ist noch nicht alles!
Das ist noch nicht alles, denn in der Kirche wurde noch eine weitere Entdeckung gemacht. Bei der Untersuchung von mehr als 30 Graffiti-Darstellungen von Schiffen stellte der Forscher Thomas Thomov fest, dass es sich bei vier von ihnen um Wikingerschiffe handelte. Das überzeugendste Beispiel ist auf einer Säule in der Ecke derselben Galerie zu sehen, in der, nur erwa zehn Meter entfernt, Halfdans Inschrift gefunden wurde. Man muss allerdings schon genau hinschauen, um das – knapp unter Augenhöhe in den Stein geritzte – Schiff zu erkennen. Ein Teil ist unverwechselbar: der nach links gewendete Kopf eines Drachen mit einem nach vorn schauenden Auge. Der Hals ist nach unten gebogen und geht in den Rumpf eines schlanken Schiffs über, dessen Proportionen von jedem, der schon einmal ein Wikingerschiff gesehen hat, sofort wiedererkannt werden. [...] Eine weitere Zeichnung auf der anderen Seite der Säule könnte zwei weitere Schiffe zeigen, die nebeneinander in einem Hafen liegen. Diese Darstellungen sind überzeugend, und es gibt keinen Grund, sie für Fälschungen zu halten. (S. 347)
Dass die Inschriften und Zeichnungen von Angehörigen der Warägergarde hinterlassen wurden, ist nicht so unzweifelhaft, wie ich es bei meiner Erstrecherche herausgelesen hatte und wie es mein Blogbeitrag vom Mai insinuiert. "Waren Halfdan und Arinbarðr Mitglieder der Warägergarde?", fragt die Autorin auf Seite 350. Tatsächlich spricht einiges dafür. Doch nicht zwangsläufig müssen alle Nordmänner, die sich zu jener Zeit in der Hagia Sophia befanden, der legendären kaiserlichen Leibgarde angehört haben. Umgekehrt waren nicht alle Warägergardisten "Wikinger". Zwar bestand die Warägergarde "überwiegend aus Skandinaviern, aber ihr konnten auch andere Nationalitäten angehören. Nach der Schlacht bei Stamford Bridge zum Beispiel wuchs die Zahl der Angelsachsen, die nach der Niederlage gegen Wilhelm der Eroberer (zufällig ebenfalls ein Nachkomme der Wikinger) aus England geflohen war." (S. 351)
Sonntag, 13. Juli 2025
Neues Altes (Mai-Juli '25)
- Enträtselt dieses Fundstück die Minoer-Schrift? (scinexx.de, 26. März) Ein Elfenbeinring mit Elfenbeingriff, von der Form an einen Handspiegel erinnernd, weist eine aus 119 Zeichen bestehende Inschrift in Linear A auf. Das Kultobjekt stammt aus einem um 1700 v. Chr. errichteten Heiligtum in Knossos, das unter den Resten eines römischen Tempels verborgen lag.
- Monumentales Relief aus dem Palast Assurbanipals entdeckt (Spektrum.de, 19. Mai) Das Fragment gehörte zu einer einst etwa zwölf Tonnen schweren, fünfeinhalb Meter langen und drei Meter hohen Reliefplatte im Thronsaal aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. Neben dem assyrischen Herrscher selbst zeige das gut erhaltene Relief die Gottheiten Assur und Ištar.
- Über 100 Ruinen der Chachapoya-Kultur in Peru entdeckt ("Spiegel online", 23. Mai) In einem schwer zugänglichen Gebiet der Anden wurden mithilfe von Lasertechnik Strukturen der als "Wolkenmenschen" oder "Nebelkrieger" bekannten prähispanischen Kultur identifiziert, die zwischen dem 7. und 16. Jahrhundert "hoch entwickelte urbane Zentren, zeremonielle Plattformen, Felsengräber und landwirtschaftliche Terrassen" in erstaunlichen Höhen angelegt hat.
- Spektakuläres antikes Mosaik ab sofort in Israel zu sehen (Evangelische Zeitung, 27. Mai) Das Mosaik von Be’er Shema (Birsama) stammt aus byzantinischer Zeit (324-638 n. Chr.) und zeigt "55 Medaillons mit Jagdszenen, Tieren und Szenen des täglichen Lebens".
- Forscher entdecken fast 3000 Jahre alte Mayastätte in Guatemala ("Spiegel online", 30. Mai) Der sich auf 16 Quadratkilometer erstreckende Ort im Regenwald wurde "Los Abuelos" ("Die Großeltern") getauft, "da dort zwei anthropomorphe Steinskulpturen gefunden wurden, die vermutlich dem Kult der Vorfahren gewidmet waren [...]. Bei den Ausgrabungen kamen zudem ein Observatorium, Pyramiden, Altäre, Stelen-Fragmente und Keramiken zum Vorschein." Rund ein Jahrtausend lang soll der unweit Tikal aufgefundene Tempel "für rituelle Zwecke genutzt und dann aufgegeben worden sein, bis er um 800 n.Chr. von späteren Bewohnern wieder in Benutzung genommen wurde".
- Qumran-Schriftrollen sind wohl älter als gedacht ("Spiegel online", 5. Juni) "Forschende um Mladen Popović von der Universität Groningen haben eine Methode entwickelt, die Radiokarbondatierung mit einem KI-System namens Enoch kombiniert. Diese KI analysiert Schriftmerkmale wie Kurven, Winkel und andere geometrische Details, um das Alter der Manuskripte präzise zu bestimmen. Das Ergebnis: Einige der Schriftrollen könnten sogar aus der Entstehungszeit des Alten Testaments stammen."
- Magdeburg: Spektakuläre Erkenntnisse zu Überresten im Grab von Otto I. (MDR, 24. Juni) Bei Sanierungsarbeiten am Kaisergrab im Magdeburger Dom wurde dieses geöffnet, und es sind "menschliche Überreste, Textilien und Grabbeigaben sichergestellt worden". Handelt es sich bei dem Skelett tatsächlich um Otto den Großen? "Erste Messungen hätten ergeben, dass der Mann im Sarg etwa 1,79 Meter groß gewesen sei. Damit sei er mindestens zehn Zentimeter größer als viele andere Männer der Zeit gewesen. Die Knochen ließen zudem darauf schließen, dass er Reiter gewesen sei. Alles spreche für Otto, betonte Meller. Die Knochenerhaltung des Schädels sei 'herausragend'. Das würde eine 'perfekte Gesichtsrekonstruktion' ermöglichen und eine realistische Abbildung des Kaisers Otto erlauben: 'In spätestens einem bis eineinhalb Jahren werden wir dem Kaiser, wenn er es denn ist, ins Gesicht sehen.'"
- Archäologen entdecken 9000 Jahre alte, rätselhafte Beweise für Matriarchat (Chip, 1. Juli) Die Analyse von rund 400 DNA-Strängen aus menschlichen Überresten in Çatalhöyük ergab, "dass die Blutlinien nicht über männliche, sondern über weibliche Nachfolger weitergegeben" wurden, somit "in erster Linie in der Familienpolitik nicht die Männer, sondern die Frauen das Sagen hatten". Dies decke sich mit der Annahme eines durch verhältnismäßig viele Funde weiblicher Figurinen indizierten Göttinnenkultes sowie der Tatsache, dass in der Stätte "weibliche Verstorbene mit weitaus mehr Grabgeschenken bedacht" wurden als männliche.
- Erstes Genom aus dem alten Ägypten offenbart Verbindung nach Mesopotamien (Der Standard, 3. Juli) Einem Team des Francis Crick Institute und der Liverpool John Moores University ist es gelungen, erstmals das vollständige Genom eines Menschen aus dem alten Ägypten zu entschlüsseln. Der Töpfer, "der vor rund 4500 bis 4800 gelebt hatte und im heutigen Dorf Nuwayrat, 265 Kilometer südlich von Kairo, begraben wurde", wo man 1902 sein Skelett fand, war demnach "zu 80 Prozent ein durchschnittlicher Nordafrikaner", doch "20 Prozent seines genetischen Erbes ließen sich zu Personen zurückverfolgen, die in der Region des Fruchtbaren Halbmonds weiter im Osten gelebt hatten".
- Hymne an Babylon nach 3.000 Jahren wieder lesbar (Deutschlandfunk, 4. Juli; Audio) Dank einer KI-gestützten Analyse liegt eine populäre, oft kopierte Hymne an die Stadt, ihre Bewohner und den Gott Marduk vollständig vor. (Mitteilung der LMU München)
- Archäologen legen 3500 Jahre alte Stadt in Peru frei ("Spiegel online", 7. Juli) Es handelt sich um die Stätte Peñico, 200 km nördlich von Lima. Erbaut wurde sie vermutlich zwischen 1800 und 1500 v. Chr. "In den Gebäuden entdeckten [die Wissenschaftler] zeremonielle Gegenstände, Tonskulpturen von menschlichen und tierischen Figuren sowie Halsketten aus Perlen und Muscheln."
- „Diese Entdeckung verändert unser Verständnis grundlegend“ – Neandertaler betrieben „Fabriken“ ("Welt online", 9. Juli) Eine Studie am Fundort Neumark-Nord 2 bei Halle "legt nahe, dass die Neandertaler prähistorische 'Fettfabriken' an einem gezielt gewählten Seeufer betrieben: Systematisch wurden dort die Knochen von mindestens 172 großen Tieren wie Hirschen, Pferden und Auerochsen verarbeitet. 'Solche komplexe Praktiken galten bislang als typisch für deutlich spätere Menschengruppen – nun ist klar, dass sie bereits vor 125.000 Jahren zum Repertoire der Neandertaler gehörten', heißt es in der Studie."
- Archäologen bergen Teile des legendären Leuchtturms von Alexandria (Telepolis, 11. Juli) Das antike Weltwunder soll (digital) rekonstruiert werden. 22 bis zu 80 Tonnen wiegende Steinblöcke werden dazu aus dem Meer gehoben und demnächst "millimetergenau per Fotogrammetrie gescannt". "Überraschend stießen die Forscher auch auf Teile eines bislang unbekannten Pylons im ägyptischen Stil aus der hellenistischen Periode."
Mittwoch, 14. Mai 2025
Neues Altes (Februar-Mai '25)
- Forscher finden Spuren von Kannibalismus aus der Steinzeit ("Spiegel online", 12. Februar) 18.000 Jahre alte Menschenknochen, die "zwischen Steinwerkzeugen, Knochenspitzen und den Resten von zuvor erbeuteten eiszeitlichen Tieren" in der südpolnischen Maszycka-Höhle gefunden wurden, weisen "Schnittstellen und andere Spuren" auf, die "auf ein systematisches Zerlegen von Verstorbenen und Kannibalismus" in der späten Altsteinzeit hindeuten. "Gewaltkannibalismus" sei dabei wahrscheinlicher als "Kannibalismus aus Not".
- Jahrhundertelang unentdeckte Basilika in London ausgegraben (Berliner Morgenpost, 15. Februar) Erstaunlich gut erhaltene Kalksteinmauerreste aus dem Untergeschoss eines Bürogebäudes legen Maße von 40 m Länge, 20 m Breite und 12 m Höhe nahe. Die Basilika wurde um 80 n. Chr. in der Nähe des Forums von Londinium errichtet.
- Forscher entdecken Grab von Thutmosis II. in Ägypten ("Spiegel online", 20. Februar) Ein ägyptisch-britisches Team hat im Tal der Könige von Luxor das letzte bisher nicht lokalisierte königliche Grab aus der 18. Dynastie (ca. 1550 bis 1292 v.u.Z.) gefunden.
- Forscher entdecken in Dänemark Stonehenge-ähnliche Anlage ("Spiegel online", 27. Februar) Im norddänischen Aars haben Archäologen eine etwa 4000 Jahre alte kreisförmige Anlage entdeckt, die an Stonehenge erinnert, jedoch aus im Abstand von ca. 2 m angeordneten hölzernen Pfählen besteht. Sie sei "ein Beweis für die engen Verbindungen der Himmerländer [= früheren Bewohner der Halbinsel im Norden Jütlands] zu anderen Gebieten und Völkern in Europa".
- Sagenumwobenes Reitervolk: Genanalyse enthüllt die wahre Herkunft der Hunnen ("Focus online", 2. März) Ein Team des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig "analysierte insgesamt 370 Genome von [...] 35 Menschen, großteils aus dem heutigen Ungarn", aus dem 4. bis 6. Jahrhundert. "Dabei zeigte sich, dass die ethnische Zusammensetzung der Hunnen divers war. Ihre Herkunft lässt sich nicht nur auf das Xiongnu-Reich in der Mongolei zurückführen", wie man ab dem 18. Jahrhundert angenommen hatte. "Es gab auch Einflüsse aus verschiedenen Teilen Europas, aber auch aus dem Kaukasus oder der zentralasiatischen Steppe."
- Archäologen entdecken bei Leipzig rätselhafte Grubenlinien ("Spiegel online", 4. April) Sechs Grabensysteme, insgesamt mehrere Kilometer lang, zwischen 1 bis 1,50 m tief und rund 3000 Jahre alt: Etwa 500 Jahre lang wurden die Gräben genutzt, doch wofür, muss vorerst Spekulation bleiben (Ackerflächentrennung, Wasserableitung?).
- Jäger und Sammler reisten schon vor 8500 Jahren nach Malta ("Spiegel online", 9. April) "Die frühen Seeleute im Mittelmeer könnten etwa einen Einbaum oder ein Floß aus Schilfrohr oder Tierhäuten genutzt haben, schreibt Dylan Gaffney von der University of Oxford in einem Nature-Kommentar. Er schließt nicht aus, dass die Menschen aus Nordafrika kamen, auch wenn das unwahrscheinlich ist. 'Zum Zeitpunkt der Seefahrt betrug die Meeresdistanz zwischen Tunesien und Malta 250 bis 300 Kilometer.' Dabei könnten Inseln dazwischen als 'Trittsteine' gedient haben." Bisher galten 50 Kilometer als am weitesten von Jägern und Sammlern zurückgelegte Distanz im Mittelmeer. Grundlage für die neuen Erkenntnisse sind Werkzeugfunde, Feuerstellen- und Essensreste aus der Höhlenausgrabungsstätte Latnija im Norden Maltas.
- Archäologen finden "fremden" Altar in der Mayastadt Tikal (scinexx.de, 9. April) Malweise und Motivik auf dem 1600 Jahre alten Altar sowie die um diesen herum gefundenen Gräber von rituell Geopferten entsprechen nicht den Traditionen der Maya, sondern deuten auf die rivalisierende Kultur von Teotihuacan.
- Gladiatoren kämpften wohl auch gegen Löwen ("Spiegel online", 24. April) Mit "Bissspuren an den Überresten eines Menschen, der wahrscheinlich vor etwa 1800 Jahren im nordenglischen York begraben wurde", liegen erstmals physische Beweise für jene römischen Spektakel vor, die bislang nur aus bildhaften Darstellungen bekannt waren.
- Röntgenanalyse macht antike Tinte auf verkohltem Papyrus lesbar ("Spiegel online", 8. Mai) Zwei Forscher für maschinelles Lernen haben die Tintenschrift auf einer karbonisierten Rolle aus Herculaneum entschlüsselt, die 79 n. Chr. unter der Asche des Vesuv begraben worden war. "Dazu analysierten sie Röntgenscans vom Inneren des Fundstücks mit Computermodellen. So wurden altgriechische Buchstaben sichtbar, die den Philosophen Philodem als Autor ausweisen und das Werk als 'Über die Laster'."
- Die ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Welt sind vielleicht doch nicht so alt ("Spiegel online", 10. Mai) Das Alter der sog. Schöninger Speere, gefunden in einem Tagebaugebiet in Helmstedt (Niedersachsen), wurde bisher auf 300.000 Jahre geschätzt. "Diese Angaben basierten allerdings auf Altersschätzungen der darüber und darunterliegenden Ablagerungen und nicht von der eigentlichen Fundschicht, schreibt das Forschungsteam um Studienleiter Olaf Jöris vom Monrepos-Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution in Neuwied". Nach der Korrektur aufgrund alternativer Datierungsmethoden gelten die bis zu 2,50 m langen Neandertalerwaffen nun als rund 200.000 Jahre alt.
Mittwoch, 5. Februar 2025
Neues Altes (November '24 - Januar '25)
- Der Mann im Brunnen: Genanalysen bestätigen eine nordische Saga (Tagesspiegel, 31. Oktober) Mithilfe von Erbgutanalysen und der Radiokarbonmethode konnten Forscher Licht in eine in der Sverris Saga überlieferte Begebenheit bei der Schlacht zwischen den "Baglern" und den "Birkebeinern" im Jahr 1197 bringen. Untersucht wurden menschliche Überreste aus den Ruinen der norwegischen Festung Sverresborg.
- Rätselhafte Zeichen aus Syrien sollen älteste Spuren eines Alphabets sein (Der Standard, 23. November) In Gräbern aus der frühen Bronzezeit fand ein Forschungsteam 2004 in der "Stätte Tell Umm-el Marra, die eine der ersten Städte mittlerer Größe im Westen Syriens war", neben Skeletten, Schmuck und Gebrauchsgegenständen vier kleine "Zylinder aus gebranntem Ton, die mit einfachen Zeichen verziert waren". Könnte es sich um Buchstaben handeln, die mithin älter als die frühesten Alphabete der Welt wären?
- Archäologie-Skandal in Koblenz weitet sich offenbar aus (swr.de, 25. November) Ein Mitarbeiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe in Koblenz soll reihenweise archäologische Funde falsch datiert haben. Unter anderem stellte sich ein Schädel des "Neandertalers von Ochtendung" als 160.000 bis 170.000 Jahre jünger heraus. "Die Ergebnisse datieren demnach das Fragment ins Frühmittelalter (7./8. Jahrhundert nach Christus) und nicht in die Altsteinzeit." Weitere Verdachtsfälle werden untersucht.
- Was Archäologen auf Karls Erdbeerhof in Döbeln freilegen (Mitteldeutsche Zeitung, 26. November) "'Anhaltspunkte gab es bereits, doch die bronzezeitliche Siedlung ist viel größer als angenommen', sagte Grabungsleiter Thomas Lukas. 'Bislang gab es ein Haus aus dieser Zeit, aber jetzt wurden in etwa 50 bis 60 Metern Entfernung weitere Gruben entdeckt. Die Siedlung ist rund 4.000 Jahre alt und gehört zur Aunjetitzer Kultur, die Epoche, aus der auch die Himmelsscheibe von Nebra stammt.'" Aus einer Siedlung aus der frühen Jungsteinzeit wiederum wurden die Grundrisse von 50 Häusern freigelegt, zudem "etliche große Speichergruben sowie Baugruben, [...] über 30.000 Keramikscherben, rund 7000 Feuerstein-Objekte, rund 500 Mahlsteinfragmente, 200 Steinbeile und Steinäxte sowie 250 Schleifsteine".
- Seltene römische Brutus-Münze für 1,98 Millionen Euro versteigert ("Spiegel online", 10. Dezember) Sie wurde kurz nach Caesars Ermordung geprägt und zeigt den Mitverschwörer von einem Lorbeerkranz umgeben.
- "Der älteste Christ nördlich der Alpen war Frankfurter" (Hessenschau, 11. Dezember) Ein 2018 entdecktes Amulett an einem Skelett aus dem Gräberfeld im heutigen Frankfurter Stadtteil Praunheim ist auf den Zeitraum zwischen 230 und 270 n. Chr. datiert worden. "Insgesamt 18 gravierte Zeilen zeigen: Das Amulett ist ein christliches Fundstück, das etwa 1.800 Jahre alt ist. 'Damit ist die sogenannte Frankfurter Inschrift der älteste Nachweis für christliches Leben und die Ausübung christlicher Religion nördlich der Alpen', sagte [Oberbürgermeister Mike] Josef." Eine Umzeichnung der Inschrift, der lateinische Originaltext sowie ihre deutsche Übersetzung finden sich auf der Seite des Archäologischen Museums. (Siehe auch: Überwältigende Presseresonanz auf Frankfurter Silberinschrift, RheinMainVerlag, 29. Januar. Viele weitere Artikel über Googlesuche "Frankfurter Silberinschrift".)
- Höhle in Galiläa war ritueller Versammlungsort (mdr.de, 12. Dezember) "In der Zusammenfassung der Studie schreiben die Autoren, dass die gewonnenen Erkenntnisse darauf hindeuten, dass die Bewohner der Manot-Höhle aus dem Jungpaläolithikum gemeinschaftliche Aktivitäten ausübten, die sich um ein symbolisches Objekt drehten, das sich im tiefen, dunklen Teil der Höhle befand", nämlich einen "mit Gravuren verzierte[n] Felsblock [...], der in einer Nische der Höhle platziert war und in dessen Oberfläche ein Schildkrötenpanzer-Muster eingeritzt ist".
- Knochen aus der Bronzezeit zeugen von kannibalischem Massaker ("Spiegel online", 16. Dezember) Knochen von 37 Frauen, Männern und Kindern, die bereits in den 1970er Jahren einer Grube der Stätte Charterhouse Warren in der britischen Grafschaft Somerset entnommen wurden, weisen Spuren massiver Gewalteinwirkung auf. Für die fragliche Zeit von ca. 2000 bis 1500 v. Chr. sei ein solches Massaker, bei dem die Opfer teilweise verzehrt wurden, eher ungewöhnlich.
- Hunderten Legionären wurde einfach der Kopf abgeschlagen ("Welt online", 30. Dezember) Das Archäologische Museum Frankfurt zeigt bis zum 15. Juni eine Ausstellung über das Massengrab von Scupi, die ich mir auf jeden Fall angucken werde. Im Norden von Skopje wurden 2011 in einer Nekropole südöstlich von dessen antikem Vorgänger mehr als 200 Skelette aus der Zeit der sog. Reichskrise des 3. Jahrhunderts freigelegt. Die überwiegend männlichen Individuen waren entkleidet, wahllos ausgerichtet und allesamt enthauptet worden; höchstwahrscheinlich gehörten sie dem römischen Heer an. "Drei Szenarien sind denkbar: An den Opfern wurde eine Strafe exekutiert [die berüchtigte decimatio]. Oder sie wurden von Invasoren aus dem Barbaricum hingemetzelt. Oder sie fielen in einem Bürgerkrieg?"
- Hat Bleiverschmutzung den IQ in Europa gesenkt? ("Spiegel online", 7. Januar) Ein internationales Forschungsteam hat "drei Eisbohrkerne aus der Arktis auf Blei-Isotope, vor allem für die Zeit von 500 vor Christus bis 600 nach Christus", untersucht, um Schlüsse auf kognitive Veränderungen der Menschen während der Blüte des Römischen Reiches zu ziehen. "Demnach sank der Intelligenzquotient (IQ) im Römischen Reich bleibedingt im Mittel um 2,5 bis 3 Punkte, in Teilen der Iberischen Halbinsel sogar um mehr als 4 Punkte." Der intensive Bergbau führte u.a. dazu, "dass die Bleibelastung der Atmosphäre im späten 2. Jahrhundert vor Christus ein erstes Maximum erreichte. Einen starken Anstieg verortet das Team dann um das Jahr 15 vor Christus bis in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus". "Außerdem wurde aus dem 10./11. Jahrhundert ein slawisches Gräberfeld mit 35 Körpergräbern entdeckt."
- Byzantinisches Kloster bei Grabung in Israel entdeckt (Deutschlandfunk Kultur, 7. Januar) Reste von mindestens zehn Gebäuden haben die Forschenden freigelegt. Zu den reichen Funden innerhalb des Klosterkomplexes aus dem 5. bis 6. Jahrhundert zählen Münzen, Gefäße, eine Weinpresse und ein Mosaikboden, der u.a. einen Bibelvers in griechischer Sprache enthält.
- Archäologen entdecken Grab von Chefzahnarzt der Pharaonen ("Spiegel online", 9. Januar) Ein französisch-schweizerisches Archäologenteam hat in der Totenstadt Sakkara bei Kairo das rund 4000 Jahre alte Grab eines Mannes namens Teti Neb Fu entdeckt, bei dem es sich den Inschriften auf einer Scheintür-Stele zufolge um den "Chefarzt des Palastes, Chefzahnarzt und Leiter der Heilpflanzenabteilung" handelte. Die Grabkammer ist "von bunten Wandgemälden geschmückt".
- 500 Jahre alte Königskronen lagen in Geheimversteck (Spektrum.de, 14. Januar) In einer Krypta der Kathedrale von Vilnius wurden im ersten Jahr des Zweiten Weltkriegs Insignien polnischer und litauischer Herrscher versteckt, die erst 1931 entdeckt worden waren. Nun sind sie wiederentdeckt worden und sollen noch dieses Jahr ausgestellt werden.
- Historisches Schiffswrack an Sylter Strand freigespült ("Spiegel online", 15. Januar) Durch heftige Stürme wurden Holzbohlen eines alten Schiffswracks freigelegt, sind jedoch nur bei Flut sichtbar und inzwischen teilweise wieder versandet. 3D-technikgestützte Untersuchungen sollen in Kürze Klarheit schaffen.
- "Frauenpower" im Keltenreich (scinexx.de, 16. Januar) Analysen der DNA von 57 Toten, die zwischen 100 v. bis 100 n. Chr. "in einer Siedlung des keltischen Stammes der Durotriges in Südengland bestattet worden waren", legen eine matrilineare und matrilokale Gesellschaft nahe – "eine Sozialstruktur, in der Frauen Status und Besitz an ihre Töchter weitergaben und auch den Wohnort der Familien bestimmten". Dies deckt sich mit entsprechenden Andeutungen römischer Geschichtsschreiber über das keltische Britannien.
- Antikes Luxus-Spa in Pompeji entdeckt ("Spiegel online", 17. Januar) In einem noch relativ unerforschten Gebiet im Zentrum Pompejis, wo kürzlich bereits "eine Bäckerei, eine Wäscherei, zwei Villen und die Knochen von drei Menschen" gefunden worden waren, stand mit Platz für 30 Personen der laut Gabriel Zuchtriegel "vielleicht größt[e] Thermalkomplex in einem Privathaus in Pompeji". "'Die Mitglieder der herrschenden Klasse von Pompeji richteten in ihren Häusern riesige Räume ein, um Bankette abzuhalten', so der Archäologe. [...] 'Es war eine Gelegenheit für die Besitzenden, ihren Reichtum zu zeigen und ihren Gästen eine angenehme thermische Behandlung anzubieten.'"
- Römischer Goldschatz in Luxemburg entdeckt (Tagesschau, 23. Januar) In den luxemburgischen Ardennen wurden 141 Goldmünzen – darunter allerdings auch Fälschungen – gefunden, die ein wohlhabender Römer um 408 n. Chr. aus Furcht vor raubenden Germanen eingegraben haben muss. Drei davon zeigen den selten abgebildeten Kaiser Eugenius, der das Weströmische Reich nur zwei Jahre lang regiert hat.
- Mit diesen Superwaffen bewiesen Fürsten ihre Macht ("Welt online", 24. Januar) "In der Nähe von Canterbury in der Grafschaft Kent haben Archäologen auf einem angelsächsischen Friedhof aus dem 6. Jahrhundert ein Langschwert freigelegt, das zu Superlativen anregt." Zu den feinen Verzierungen auf der außerordentlich gut erhaltenen Waffe gehört eine noch nicht identifizierte Runeninschrift. Auch weitere Schätze kamen an der bislang geheim gehaltenen Stätte zutage.
- Forscher entschlüsseln 1900 Jahre alten Papyrus und stoßen auf antiken Kriminalfall ("Spiegel online", 31. Januar) "Der Papyrus wurde vermutlich bereits in den Fünfzigerjahren in einer Höhle nahe dem Toten Meer gefunden. Lange lagerte er unbeachtet in den Archiven der israelischen Antikenbehörde, im Jahr 2014 entdeckte ihn dort eine Forscherin und begann mit einem Team, den schwer entzifferbaren Text zu übersetzen. Das Dokument stammt ungefähr aus dem Jahr 130 nach Christus, als in Judäa das römische Recht galt und die dortigen Bewohner Steuern nach Rom abführen mussten." Es geht u.a. um Steuerhinterziehung, Erpressung und Urkundenfälschung.
Sonntag, 17. November 2024
Neues Altes (September-November 2024)
- Archäologen legen Kapelle bei Allstedt frei (mdr.de, 19. September) Die Wallfahrtskapelle aus dem 12./13. Jahrhundert war, mutmaßlich von Anhängern des Reformators Thomas Müntzer, vor 500 Jahren niedergebrannt worden, was den Beginn des Bauernkrieges markierte. Das Dorf Mallerbach im heutigen Sachsen-Anhalt, in dem die Saalkirche stand, wurde im Spätmittelalter aufgegeben. "Auch etliche Münzen und mehrere Pilgerzeichen konnten geborgen werden."
- 10.500 Jahre altes Paddel im Duvenseer Moor entdeckt (ndr.de, 23. September) "Es lässt sich nahezu exakt auf ein altes Paddelblatt legen, das bereits vor 99 Jahren gefunden wurde. [...] Solche Funde sind von großer Bedeutung, da sie wichtige Belege für die frühe Mobilität auf Wasser darstellen. Vergleichbare Funde existieren nur an der Fundstelle Star Carr im Norden Englands." (Mehr bei "Welt online".)
- Pfeilspitze zeugt von tödlichem Kopfschuss in der Tollensetal-Schlacht (scinexx.de, 24. September) Der von einer Bronzepfeilspitze durchbohrte Schädel eines jungen Mannes beweist, dass bei der Schlacht im Tollensetal (Mecklenburg-Vorpommern) vor rund 3250 Jahren Pfeil und Bogen zum Einsatz kamen. "'Einige Pfeilspitzentypen, besonders solche mit Widerhaken, stammen hauptsächlich aus einem Gebiet zwischen dem heutigen Bayern und Mähren in Tschechien', berichtet Inselmann. Demnach war zumindest eine der Konfliktparteien bei der Schlacht von Tollense nicht lokaler Herkunft, sondern kam aus südlicheren Gefilden."
- Orcas mit Messern und abgetrennte Köpfe: Neue Nazca-Linien entdeckt (National Geographic, 27. September) Der Liste der bisher bekannten ca. 430, bis zu 2100 Jahre alten Scharrbilder im Hochland Perus können 303 weitere hinzugefügt werden, auch dank einer KI, die man mit über 1300 potentiellen neuen Geoglyphen aus der Wüste bei Nazca gefüttert hatte.
- Gingen die frühen Bauern auch auf die Jagd nach Menschen für ihre Opfer? ("Welt online", ohne Datum [Oktober]) Eilsleben bei Magdeburg: "Im Rahmen einer Lehrgrabung wird eine Fläche von 200 Quadratmetern detailliert untersucht. Zutage kommen Scherben von Keramikgefäßen, Steingeräte, Klingen, Pfeilspitzen und Beile sowie Tierknochen. Aufgedeckt wurden auch Pfostenstellungen, lehmverputzte Wände und Aktivitätszonen weiterer Häuser." Es ergeben sich neue, teils grausige Rückschlüsse auf die Lebensweise der Träger der Bandkeramischen Kultur.
- Spektakulärer Grabkammer-Fund – Neues aus der ältesten Stadt nördlich der Alpen ("Welt online", ohne Datum [Oktober]) Funde aus einer, leider leergeraubten, Grabkammer im oberschwäbischen Donautal erweisen sich als neue Teile im Puzzle der Lage von Pyrene, der bei Herodot erwähnten keltischen Großsiedlung, darunter "beispielsweise die in der Kammer verarbeiteten Hölzer, die bestens erhalten seien. Ein Stück konnte bereits datiert werden. Der Baum, aus dem es stammt, wurde im Jahr 585 vor Christus gefällt. Und dann sind da noch einige Knochen, auch sie in einem guten Zustand."
- 3900 Jahre altes Priesterinnengrab in Ägypten freigelegt ("Spiegel online", 11. Oktober) "Der Schacht", in der sich die Überreste der vermutlich mit 40 gestorbenen Hathor-Priesterin namens Idy befanden, "sei in der Antike geplündert worden, die meisten Grabbeigaben von Idy seien aber unversehrt. Gefunden wurden unter anderem ein Dolch und Statuen. [...] Das Grab enthielt zudem spezielle Gefäße, in denen die bei der Mumifizierung entnommenen Eingeweide aufbewahrt wurden – sogenannte Kanopen –, Reste von Idys Gewand und zum Teil zerstörte Knochen."
- Schmähung weit über den Tod hinaus (FAZ, 29. Oktober; nur hinter Paywall) Eine 2500 Jahre alte Inschrift voller Beschimpfungen könnte dem altgriechischen Dichter Anakreon zugeschrieben werden.
- Riesige Maya-Stadt in Mexiko entdeckt (National Geographic, 1. November) "Mithilfe der Lasertechnologie LIDAR, mit der sich verborgene Strukturen im Boden erkennen lassen", konnten nahe Campeche im Südosten Mexikos Straßen, Steinpyramiden und andere Strukturen einer 30.000 bis 50.000 Menschen Platz bietenden Konglomeration mit zwei Stadtzentren und mehreren kleineren Siedlungen entdeckt werden.
- Die „Dame von Kölleda“ trug im Grab ihre kostbare Sonntagstracht ("Welt online", 6. November) Mehr als 3700 Einzelfunde aus der Merowingerzeit brachten Grabungen in Nordthüringen zu Tage, darunter das von allerlei Grabbeigaben umgebene Skelett einer 25 bis 45 Jahre alten, wahrscheinlich adeligen Frau.
Dienstag, 10. September 2024
Neues Altes (Juli-September 2024)
- Archäologische Sensation in England: Forschende entdecken römische Villen, Gräberfelder und Bauernhöfe (Frankfurter Rundschau, 10. Juli) Mit neuartigen Scan- und Kartierungsmethoden wurde auf über 1000 Hektar in der Grafschaft Shropshire das römische Erbe der Gegend nahe Wroxeter erhellt, wo sich mit Viriconium Cornoviorum einst die viertgrößte Stadt des römischen Britanniens befand.
- "Fund des Jahres": Forscher zeigen 40.000 Jahre alte Otter-Figur (BR, 25. Juli) "5,9 Zentimeter lang, 1,5 Zentimeter hoch, 0,5 Zentimeter breit und nur wenige Gramm leicht: Es ist ein unscheinbares Objekt, das Wissenschaftler der Universität Tübingen heute vorgestellt haben", nämlich die eiszeitliche plastische Darstellung eines Tieres, dem zwar der Kopf fehlt, das aber nur ein Otter sein könne. "[B]isher sei die Forschung davon ausgegangen, dass nur gefährliche und große Tiere wie Höhlenbär und Löwe oder Mammut, Wisent und Wildpferd von den eiszeitlichen Menschen künstlerisch dargestellt wurden." Möglicherweise habe die Figur aus der Weltkulturerbe-Höhle "Hohle Fels" (Schwäbische Alb) einen Bezug zum Schamanismus.
- Neolithische Revolution: Brot oder Wildschwein? (FAZ, 25. Juli; nur hinter Paywall) Gräber auf den mir bis vor kurzem unbekannten französischen Inseln Île Téviec und Île d'Hœdic enthielten Skelette, die Auskunft über die Ernährungsgewohnheiten in der Bretagne der späten Mittelsteinzeit geben. "Wie die Isotopenwerte zeigen, standen hauptsächlich größere Fische auf dem Speiseplan, womöglich auch Robben. Solche Tiere zu fangen dürfte eine hoch entwickelte Technologie mit Booten, Angeln und anderen ausgeklügelten Gerätschaften erfordert haben." Auch auf den Phänotyp der Bewohner und die damaligen Sozialstrukturen lasse sich durch die gut erhaltene DNA schließen.
- Wurde Ägyptens älteste Pyramide mit einem hydraulischen Liftsystem errichtet? (Der Standard, 30. Juli) Hochkomplex ging es beim Bau der 4700 Jahre alten Djoser-Stufenpyramide zu. Alles deutet darauf hin, dass ein mit Wasser betriebenes Hebesystem eine entscheidende Rolle spielte.
- Mittelalterliches Dorf freigelegt: Sensationsfund bei München (BR, 6. August) "Bei Bauarbeiten in Oberschleißheim bei München sind Überreste einer mittelalterlichen Siedlung entdeckt worden", die sich über 11.000 Quadratmeter erstreckte und wahrscheinlich um 1300 aufgegeben wurde. Der Grundriss einer Kirche sowie etwa 20 Skelette wurden freigelegt.
- 900 Jahre alter Bildstein bei Bauarbeiten in Vorpommern entdeckt (NDR, 14. August) "Im kleinen Dorf Klotzow am Peenestrom ist an einem Haus in der Erde ein" 500 kg schwerer, 60 cm breiter und 40 cm tiefer Granitblock aus dem 12. Jahrhundert entdeckt worden, der "eine eingravierte menschliche Figur, die ein Kreuz vor dem Bauch hält", zeigt. Bei dieser könnte es sich um den Bischof Otto von Bamberg handeln, der in Pommern um das Jahr 1100 herum als Missionar tätig war.
- Neue Erkenntnis über Stonehenge verblüfft Forscher (Tagesschau, 15. August) Der sechs Tonnen schwere Altarstein von Stonehenge stammt offenbar "aus dem rund 750 Kilometer entfernten Nordosten Schottlands". "Die Logistik eines Transports des Steins über eine so weite Strecke verdeutliche [...] ein hohes Maß an Koordination und kultureller Verbindung zwischen diesen beiden Regionen". Dass die sog. Blausteine im Zentrum des Kreises aus Wales herangeschafft wurden, wusste man bereits. Die aufrecht stehenden Sandsteine kamen hingegen aus dem nahegelegenen Marlborough.
- Jahrhundertealtes Samurai-Schwert bei Ausgrabungen auf Molkenmarkt gefunden (rbb24.de, 22. August) "[I]n einem mit Kriegsschutt verfüllten ehemaligen Keller eines Wohngebäudes in der Stralauer Straße [...] fanden sich bei der Freilegung diverse Militaria der Artillerie wie Trensen, Steigbügel, Kandaren und Zaumzeug, die offenbar in den letzten Zügen des Zweiten Weltkrieges dort eilig entsorgt worden waren". Der spektakulärste Fund: ein Wakizashi mit einem Griff aus der Edo-Zeit (17.-19. Jahrhundert) und einer Klinge, die sogar aus dem 16. Jahrhundert stammen könnte.
- Hat Shakespeare sich hier umgezogen? (Süddeutsche Zeitung, 22. August; Paywall) Bei Untersuchungen des ältesten noch in Betrieb befindlichen Theaters des Vereinigten Königreichs, der St. George's Guildhall in King's Lynn, Norfolk, wurde ein 600 Jahre alter Torbogen entdeckt. "Es wird angenommen, die dazugehörige Tür habe zu dem Raum geführt, in der die Shakespeare-Truppe 'Earl of Pembroke's Men' sich umzog und ihre Requisiten lagerte, als sie 1593 in King's Lynn gastierte. Es wäre damit die einzig verbliebene von Shakespeare persönlich genutzte Garderobentür der Welt."
- Archäologen lüften Geheimnis um spanische Grabkammer von Menga ("Spiegel online", 26. August) Wie konnten Jungsteinzeitmenschen einen aus 32 Riesensteinen bestehenden Dolmen in Andalusien errichten, deren schwerster Deckenstein rund 150 Tonnen auf die Waage bringt? "Anhand von Messungen und geologischen Untersuchungen zeigten die Forschenden, dass die Erbauer damals offenbar zunächst Fundamentgruben für die seitlichen Großsteine aushoben. Dann zogen sie die Brocken auf Holzschlitten heran und kippten sie mithilfe von Gegengewichten und Rampen in die Gruben. So ragten die Steine, nun präzise in einem Winkel ausgerichtet, nur wenig aus dem Boden heraus."
- Haute Cuisine in der Bronzezeit (FAZ, 30. August; Paywall) "Eiweißspuren in mongolischen Kesseln verraten, was Menschen vor 2700 Jahren in Asien aßen." Genaueres war bereits im Juni auf "Archäologie Online" zu erfahren: In den Kesseln wurden neben Yakmilch (die man darin womöglich zu Joghurt hat fermentieren lassen) Blutreste von Wiederkäuern identifiziert. Aus dem bei Schlachtungen gesammelten Blut könnte Blutwurst gemacht worden sein.
- 2500 Jahre altes Observatorium in Ägypten entdeckt ("Spiegel online", 3. September) Eine Sonnenuhr, astronomische Instrumente, einen Beobachtungsturm, Wandbilder mit sternkundlichen Motiven: Das alles und mehr fanden Archäologen in einem ca. 850 qm großen Observatorium aus der altägyptischen Spätzeit etwa 80 Kilometer östlich von Alexandria.
- Versunkene Steinzeitbrücke auf Mallorca lässt Forscher staunen (t-online, 4. September) Ein Fund aus dem Jahr 2000 wurde u.a. mit Hilfe von Isotopenanalysen neu datiert und liefert die Erkenntnis, dass Mallorca bereits 1000 Jahre früher als bisher angenommen besiedelt war, mithin vor 5600 bis 6000 Jahren. Es handelt sich um eine heute unter dem Meeresspiegel liegende siebeneinhalb Meter lange Brücke, die zu einer trockenen Kammer einer Höhle an der Ostküste der Insel führte.
- So schnell segelte ein römisches Schiff durchs Mittelmeer ("Welt online", 4. September) Experimentelle Archäologie aus Deutschland: "Dass ein antikes Schiff die Route von Karthago nach Ostia an der Tiber-Mündung in nur drei Tagen bewältigen konnte, bestätigt jetzt ein interdisziplinäres Langzeitprojekt der Universität Trier zur antiken Seefahrt. Kernstück ist der originalgetreue Nachbau eines römischen Handelsschiffs, das Ende der 1970er mit anderen Wracks bei Laurons westlich von Marseille geborgen werden konnte."
Dienstag, 16. Juli 2024
Neues Altes (Mai-Juli 2024)
- Archäologen entdecken Fresken mit Bildern zum Trojanischen Krieg ("Spiegel online", 11. April; in der letzten Ausgabe durchgerutscht) Der "schwarze Raum" hat eine Fläche von 15 mal 6 Metern und wird so genannt, weil seine Wände schwarz gestrichen wurden, wohl zwecks Unkenntlichmachung von Öllampenruß. Er "ist mit einem Mosaikboden versehen und befindet sich demnach in einem ehemaligen Privathaus in der Via di Nola, der längsten Straße des antiken Pompeji." Bei den Motiven handelt es sich um Szenen aus der Ilias.
- Der pazifistische Springer (Süddeutsche Zeitung, 4. Juni) Unter einer mittelalterlichen Befestigungsanlage im Landkreis Reutlingen wurde eine fast 1000 Jahre alte Schachfigur gefunden, ein aus Horn geschnitztes Pferd.
- Vermutlich größte Felsgravuren der Welt entdeckt (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Juni) An Felswänden in Venezuela und Kolumbien sind prähistorische Petroglyphen von Dutzenden Metern Länge entdeckt worden. Sie zeigen menschliche und Tierfiguren, darunter viele Schlangen. "Nach Ansicht der Forschenden handelt es sich bei der Darstellung einer Riesenschlange um die weltweit größte einzelne Felsgravur, die bislang erfasst wurde."
- 1600 Jahre altes Buch mit Bibel-Texten in London versteigert (Rheinische Post, 11. Juni) Das älteste Buch im Privatbesitz, der sog. Crosby-Schøyen-Kodex, wurde bei Christie's für umgerechnet 3,63 Millionen Euro versteigert. Die 52 Papyrusseiten enthalten eine Abschrift des Buches Jona und des ersten Petrusbriefes in einem koptischen Dialekt. Mehr auch bei geo.de.
- Doppeltes Menschenopfer: In blutigen Zeremonien töteten die Maya bewusst Zwillingsjungen (geo.de, 13. Juni) Ein Team des Max-Planck-Instituts hat "die Überreste von 64 rituell bestatteten Kindern aus einer 1967 entdeckten unterirdischen Kammer" in Chichén Itzá untersucht: "Zusammengenommen deuten die Ergebnisse den Forschenden zufolge darauf hin, dass verwandte männliche Kinder wahrscheinlich paarweise für Rituale ausgewählt wurden. Zwillinge nähmen in den Schöpfungsmythen und im spirituellen Leben der damaligen Maya einen besonderen Platz ein, hieß es zur Erläuterung. Im 'Buch des Rates' (Popol Vuh) der Quiché-Maya seien Zwillingsopfer ein wiederkehrendes Thema."
- Ältester Weißwein in Urne gefunden – zusammen mit menschlichen Überresten ("Spiegel online", 18. Juni) Bereits 2019 wurden im spanischen Carmona in einem versunkenen Grab aus römischer Zeit etwa fünf Liter eines "sherryähnlichen Weins" gefunden, "zusammen mit verbrannten Knochenresten" sowie einer "Kristallflasche [...], die ein 2000 Jahre altes römisches Parfüm mit Patchouli-Duft enthielt". Mit ebenfalls rund 2000 Jahren handelt es sich bei dem Hauptfund um "den wohl ältesten in flüssiger Form erhaltenen Wein".
- Archäologen stoßen auf jahrhundertealte Flaschen mit eingelegten Kirschen ("Spiegel online", 19. Juni) 35 Flaschen mit großteils gut erhaltenem eingekochten Obst wurden im Vorratskeller des ersten US-Präsidenten auf dem Anwesen Mount Vernon, Virginia, zu Tage gefördert. "George Washington übernahm die Villa im Jahr 1761. Die Vorratsgruben, in denen die Flaschen lagerten, wurden wahrscheinlich zwischen den 1750er- und 1770er-Jahren genutzt."
- Israel findet mehr als 3000 Jahre altes Schiffswrack (FAZ, 20. Juni) Ein vor der Küste Israels auf dem Meeresgrund liegendes spätbronzezeitliches Schiff enthielt Hunderte intakte Amphoren, in denen von den Kanaanitern u.a. Öl, Wein und Obst aufbewahrt worden war. "Die große Menge der Amphoren an Bord eines einzigen Schiffs ist laut dem Direktor der Abteilung für Meeresarchäologie, Jacob Sharvit, ein Beleg für die bedeutenden Handelsbeziehungen mit den altorientalischen Ländern an der Mittelmeerküste. [...] Die Entdeckung ist laut der Behörde auch ein Beweis dafür, dass die Seefahrer damals das Meer durchquerten, ohne dabei die Küste sehen zu können."
- Älteste gegenständliche Höhlenmalerei auf Sulawesi gefunden (Frankfurter Rundschau, 3. Juli) Die Felsmalerei in einer Höhle im indonesischen Karstgebiet Maros Pangkep wurde mit Hilfe eines alternativen radiometrischen Verfahrens "auf mindestens 51.200 Jahre datiert. Einer Studie zufolge handelt es sich um die weltweit älteste gegenständliche Malerei, die bisher bekannt ist. Abgebildet sind nach Forscherangaben drei menschenähnliche Figuren, die mit einem Wildschwein interagieren."
- Pest könnte das Steinzeitvolk Nordeuropas ausgelöscht haben ("Spiegel online", 12. Juli) DNA-Analysen legen nahe, dass es Krankheiten, allen voran die Pest, waren, die vor ca. 5000 Jahren den neolithischen Niedergang auslösten und für den Zusammenbruch der nordeuropäischen Bauerngemeinschaften hauptverantwortlich waren. "Die Bevölkerungen Skandinaviens und Nordwesteuropas verschwanden schließlich vollständig und wurden später durch ein Volk namens Jamnaja ersetzt, das aus einer Steppenregion um Teile der heutigen Ukraine einwanderte."
