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Sonntag, 8. Juni 2025

Dann weh' doch nach drüben!

Dieses Jahr habe ich einen Monatskalender mit Plakaten aus der DDR. Im Juni ist dieses Motiv zu sehen:


Na, was fällt auf? – Das hier:


Da fehlen Hammer, Zirkel und Ährenkranz! Stammt das Plakat etwa gar nicht aus der DDR, trotz Bezug zu einem Sportereignis in Schwerin? Tut es wohl! Was ich bis vor kurzem nämlich nicht wusste, ist, dass beide deutschen Staaten zehn Jahre lang die gleiche Flagge führten. Erst zum 1. Oktober 1959 setzte die DDR das 1955 eingeführte Staatswappen in die Mitte der schwarz-rot-goldenen Flagge.

Dienstag, 26. Dezember 2023

Flagge zeigen (in Minnesota)! [Update]

Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Minnesota hat letzte Woche seine neue Staatsflagge enthüllt! Das Design mag nicht das ausgeklügeltste sein – oder wie es bei "Late Night with Seth Meyers" hieß:


Na ja, immerhin der Stern des Nordens ist erhalten geblieben. Glückwunsch!

Donnerstag, 30. November 2023

Flagge zeigen (in Minnesota)!

Das ist die Flagge des US-Bundesstaats Minnesota:


Bereits seit der "Mitte des 20. Jahrhunderts" wurde "über eine Umgestaltung nachgedacht", nun werden Nägel mit Köpfen gemacht. Gründe sind einerseits die "Kosten in der Herstellung der Flagge" (Wikipedia), andererseits die allgemeine Unbeliebtheit. Im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung wurden mehr als 2000 Vorschläge für eine Neugestaltung eingereicht. Die im Mai 2023 installierte Kommission stellte jüngst die Shortlist vor:

(unter Voraussetzung freundlicher Genehmigung von TYWKIWDBI geklaut. Einzeln sind die Entwürfe unter der Lizenz CC BY-SA 4.0 bei Wikipedia als *.svg-Dateien herunterladbar.)

Welche gefällt euch am besten? Ich würde für rechts oben stimmen, Platz 2 Mitte unten. Der North Star muss natürlich enthalten sein. Schade, dass es der Staatsvogel, der Eistaucher (common loon), den ihr vielleicht noch nie gesehen, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber schon mal gehört habt, nicht auf einen der sechs Finalisten geschafft hat. Man wird davon absehen, ihn abzubilden, weil er nicht in allen Regionen des Staates heimisch ist, sondern hauptsächlich in der Mitte und im Nordosten anzutreffen ist (Quelle: StarTribune). Auch die Staatsblume (Königin-Frauenschuh, englisch showy lady's slipper, pink-and-white lady's-slipper oder queen's lady's-slipper) ist lediglich stark abstrahiert auf einem Flaggenvorschlag zu sehen (rechts unten). Womöglich landet der Vogel wenigstens auf dem neuen Staatssiegel, welches im selben Zuge ebenfalls ein Make-over erhalten soll; die fünf finalists können auf dem verlinkten StarTribune-Artikel angeschaut werden. Ich bin gespannt, wofür man sich nächstes Jahr entscheiden wird.

Donnerstag, 9. November 2023

Hübsche Flaggen untergegangener Staaten: Sikkim

Das im Himalaya liegende Sikkim trat der indischen Union erst 1975 nach einer Volksabstimmung bei. Zuvor war es für eine kurze Weile ein assoziierter Staat mit konstitutioneller Monarchie, davor wiederum, seit 1642, eine Erbmonarchie, die zeitweise tibetisches, britisches und indisches Protektorat war. Das Königreich Sikkim hatte während seiner Geschichte nicht nur vier verschiedene Hauptstädte, darunter ab 1894 Gangtok, die heutige Hauptstadt des Bundesstaates, sondern auch eine eigene Flagge. Diese hatte ihre wohl wildeste Form von 1877 bis 1914 und 1962 bis 1967:


Tatsächlich war die überbordende Komplexität der Grund dafür, dass man 1967 auf ein leichter zu reproduzierendes Design umschwenkte:

Obwohl mir diese schlichte Version mit dem "Rad des Gesetzes" (Dharmachakra) auch gefällt, hätten sie mal lieber die obige behalten sollen, dann hätte das Königreich womöglich auch noch länger Bestand gehabt ... Ich wüsste zu gerne, was die Piktogramme im Einzelnen bedeuten. Gelegentlich ist zu lesen, es handele sich um sieben Glückssymbole, die mit dem Rad (khorlo) zusammen ein Ashtamangala bilden, jedoch vermag ich in den abstrakten Zeichnungen keines der klassischen Symbole einer der bei Wikipedia gelisteten Ausführungen erkennen. An der verspielten Ornamentik und den Farben kann ich mich dennoch erfreuen.

PS: Keine zwei Stunden nachdem ich diesen Beitrag abgefasst habe, schaue ich "Jeopardy!", und da wird zufällig gefragt, mit welchem Staat Indien 1967 eine militärische Auseinandersetzung an der Grenze seines Protektorats Sikkim hatte. Es war China.

Sonntag, 17. Juli 2022

EAZ

Quizfrage: Welches war das erste afrikanische Land, von dem die DDR offiziell anerkannt wurde? Nun, ich habe es in der Überschrift schon verraten: EAZ steht für "East Africa Zanzibar" und war das Kfz-Kennzeichen der kurzlebigen Volksrepublik Sansibar und Pemba. Die – nicht unblutigen – Umstände, die der Gründung des sozialistischen Staates Anfang 1964 vorausgingen, und wie das kleine Land keine vier Monate später in Tansania überging, können Interessierte selbst nachlesen, ich möchte die Gelegenheit aber primär nutzen, um einmal klarzustellen, was Sansibar im engeren und im weiteren Sinne überhaupt ist. Das wusste ich bis vor kurzem nämlich selbst noch nicht.

Der Sansibar-Archipel umfasst ziemlich viele Inseln. Sie waren früher als "Gewürzinseln" bekannt. Die drei größten gelten als Hauptinseln und sind: Pemba (die nördlichste); Unguja (südlich davon), die als Haupt-Hauptinsel ebenfalls Sansibar heißt und auf der die gleichnamige Hauptstadt liegt; und Mafia (die südlichste). Jede der drei großen Inseln ist wiederum von einer Reihe kleinerer Nebeninseln umgeben. Relativ abgeschieden, etwa auf der Höhe von Daressalam nördlich von Mafia, liegt noch Latham Island. Zusammen mit Pemba und Unguja bildet es den halbautonomen tansanischen Teilstaat Sansibar. Mafia hingegen zählt offiziell zu Tanganjika, also zum Festland Tansanias. Als sich Tanganjika 1964 mit der Volksrepublik Sansibar und Pemba zu dem neuen Staat vereinigte, wurde bewusst ein Name gewählt, der die Teilgebiete zum Ausdruck bringt: Tan- (von Tanganjika), -san- (von Sansibar) und -ia (von Azania).

Halten wir fest, dass "Sansibar" vier verschiedene Dinge meinen kann: eine Inselgruppe, eine Insel darin, eine Stadt darauf sowie einen Teilstaat der Republik Tansania. Zudem kann man das historische Sultanat Sansibar kurz so bezeichnen, welches, nebenbei bemerkt, in dem knappen Monat vor der Ausrufung der Volksrepublik eine Flagge führte, in der Gewürznelken zu sehen waren:


Ich hatte tatsächlich schon überlegt, ob ich diesen Beitrag in meine Reihe "Hübsche Flaggen untergegangener Staaten" integriere, aber die Flagge von Sansibar und Pemba war unspektakulär:


Das ist allerdings nur die zweite Version! Der kaum auffälligere Vorgänger, schwarz-gelb-blau, war bis zum 29. Januar 1964 in Gebrauch. Seit 2005 hat die Region Sansibar eine eigene Fahne, die alte Tricolore, mit der tansanischen Nationalflagge in der Ecke:


Der Vollständigkeit halber hier noch die in der Volksrepublik-Phase vorübergehend genutzte eigene Flagge von Pemba, die mich mit meiner leichten Rot-Grün-Farbschwäche ein wenig anstrengt:

Die übrigen Staaten in Afrika, welche die DDR anerkannt haben und sich damit gegen die Hallstein-Doktrin stellten, waren übrigens: Guinea, Algerien, der Sudan, Ägypten, die Republik Kongo (i.e. Kongo-Brazzaville, nicht das ehemalige Zaire), die Zentralafrikanische Republik und Somalia. In welcher Reihenfolge die Anerkennungen erfolgten, konnte ich auf die Schnelle nicht recherchieren.

Dienstag, 7. Dezember 2021

Kelten in Übersee (2)

Das, was ich in Teil 1 "keltische Spuren in der Neuen Welt" genannt habe, lässt sich in verschiedener Gestalt ausmachen, nämlich a) in Ortsnamen und Nationalsymbolen und b) in Gemeinschaften, die sich als keltischstämmig identifizieren und/oder einen keltischen Dialekt sprechen; das sind dann freilich mehr als bloße "Spuren". Manchmal fällt beides zusammen, was ich als Kategorie c) labeln möchte.

Aus der Kategorie a) war es vor allem der geographische Name Neukaledonien, der mich überhaupt zum Schreiben dieses Beitrags getrieben hat. Wie kommt es, dass eine französische Überseegemeinschaft im Pazifik den lateinischen Namen Schottlands (Caledonia) trägt? Antwort: James Cook fühlte sich bei seiner Entdeckung der Hauptinsel an Schottland erinnert. Seitdem heißt der Archipel auf englisch New Caledonia und in älterer deutschsprachiger Literatur sogar "Neuschottland". Was ist mit New South Wales / Neusüdwales? Dasselbe: Cook erkannte in der Beschaffenheit des späteren australischen Bundesstaates Ähnlichkeiten mit dem Süden von Wales.

Aber bleiben wir bei Neuschottland, allerdings nicht in der Südsee, sondern in Amerika: Die kanadische Provinz Nova Scotia ist nämlich nicht nur dem Namen nach die Fortsetzung einer tatsächlichen schottischen Kolonie! Wie ich in meiner Einleitung festhielt, war Schottland bis zum Jahr 1707 ein unabhängiges Königreich, und als solches hat es bis dahin immer wieder versucht, im Spiel der europäischen Übersee-Eroberungen mitzumischen. Die englischsprachige Wikipedia hat diese Versuche, von denen ich zuvor ebenso wenig wie von der kurzlebigen Company of Scotland je gehört hatte, in einem eigenen Artikel zusammengefasst. Die Besiedlung des vormals französischen Territoriums (Akadien) kann jedenfalls als der einzige Erfolg in dieser Richtung verbucht werden, und noch heute finden wir den Schottlandbezug in der Provinzflagge:


Und nicht nur da, denn wir haben hier ein schönes Beispiel der Kategorie c). Je nach Quelle 300 bis 1000 Menschen in Nova Scotia geben an, sog.
Canadian Gaelic zu sprechen. Sie nennen die Provinz Alba Nuadh. Eine Häufung von native speakers dieses schottisch-gälischen Dialekts gibt es auf Cape Breton Island, deren keltischer Ortsnamenbezug indes wohl eher willkürlich gewählt ist. In ganz Kanada gibt es schätzungsweise knapp 4000 Sprecher/innen irgendeiner Form des Gälischen.

Weniger stark als die Highlander konnten die Waliser dem nordamerikanischen Land ihren Stempel aufdrücken. Zwar gelangte der Kapitän Thomas Button 1612 im Auftrag der Royal Navy an die Westküste der Hudsonbai und taufte diese in Reverenz an seine Heimat "New Wales", aber wie wir wissen, setzte sich diese Bezeichnung nicht durch. Wesentlich erfolgreicher verlief die Verbreitung walisischer Kultur später weiter im Süden, nämlich im Zuge der walisischen Besiedlung (Y Wladfa) der heutigen argentinischen Provinz Chubut ab 1865. In zahlreichen Orten mit Namen wie Gaiman, Rawson oder Dolavon stößt man auf walisische Teehäuser, Heimatmuseen, Kirchen, sieht walisische Tänze, erlebt authentische Eisteddfodau und kann gleich zwei Zeitungen in kymrischer Sprache erwerben. Apropos: Die Sprache der Immigrantennachfahren wird "Patagonian Welsh" (Cymraeg y wladfa) genannt und ist äußerst lebendig. Insgesamt soll es in Argentinien 25.000 Walisisch-Sprechende geben, 5000 davon in der Diaspora von Chubut. Nebenbei gibt es in Argentinien auch eine beachtliche schottische Minderheit und damit einen weiteren Vertreter der Kategorie b).

Nachdem von Schottland und Wales die Rede war, kommen wir zur dritten "großen" der keltischen Nationen. An dieser Stelle kann ich verraten, dass (Neo-)Kornisch, Manx und Bretonisch außerhalb Europas, ja selbst außerhalb ihrer angestammten Region keinen Fuß fassen konnten. Das schmälert nicht die Bedeutung dieser Sprachen und der Traditionen ihrer Sprecher, und über die "Größe" sagt es auch nicht viel aus: 3 Millionen Walisern stehen 4 Millionen Bretonen gegenüber, nur besitzen von Ersteren nach aktuellen Angaben 750.000 Walisisch-Kenntnisse, womit das Kymrische die am weitesten verbreitete der keltischen Sprachen ist und die einzige nicht vom Aussterben bedrohte. Verfolgt man nun die Spur reisender Iren, landet man an vertrauten Orten, in Kanada (etwa in Neufundland oder auf Prince Edward Island, das 1770 "New Ireland" genannt werden sollte – mit dem Ziel, irische Siedler überhaupt erst anzulocken), in Argentinien (rund 20.000 ließen sich im 19. Jahrhundert hier nieder), aber auch in Papua-Neuguinea: Als Australien die Insel Neumecklenburg im Bismarck-Archipel nach dem Ersten Weltkrieg in "New Ireland" umbenannte, knüpfte es an die Namensgebung "Nova Hibernia" durch den britischen Seefahrer Philipp Carteret im Jahr 1767 an (analog dazu wurde Neupommern zu Neubritannien). Nun gut, die beiden "Neuirlands" fallen freilich abermals lediglich in Kategorie a).

Jetzt aber eine knifflige Quizfrage, die ich vor ein paar Monaten auch noch nicht hätte beantworten können: Auf welche Flagge und welches Wappen außerhalb Europas hat es sogar eine typisch keltische Allegorie nebst Nationalsymbol geschafft? Auflösung: Montserrat.


Was bitte hat Erin mit der irischen Harfe auf der Flagge eines britischen Überseegebiets mit spanischem Namen zu suchen? 1. Der Name der Karibikinsel geht auf Kolumbus zurück, der das Kloster Montserrat bei Barcelona darin verewigte. 2. Im Rahmen des auch in die West Indies ausgetragenen Englischen Bürgerkriegs (1642-1649) wurden irischstämmige Einwohner/innen von dem benachbarten Eiland St. Kitts hierher umgesiedelt, solche aus den amerikanischen Kolonien folgten nach. Wikipedia: "Noch heute ist ein großer Teil der europäischstämmigen Bewohner irischer Abstammung." Wie groß der gegenwärtige Anteil derer ist, die Neuirisch zumindest als Zweitsprache beherrschen, konnte ich nicht in Erfahrung bringen; er dürfte verschwindend gering bis nicht vorhanden sein.

Und damit endet unsere Rundfahrt um die Welt auf den Spuren der alten wie modernen Keltinnen und Kelten. Mit Sicherheit habe ich den ein oder anderen Schauplatz übersehen, einiges musste ich aus Ökonomiegründen außen vor lassen. Wer Nachlässigkeiten oder Falschbehauptungen entdeckt oder sonstige fruchtbringende Anmerkungen hat, möge die Kommentarfunktion nutzen.

Mittwoch, 17. November 2021

Allez les (trop) bleus

Letzte Woche befasste ich mich kurz mit Seekriegsflaggen und stieß dabei auch auf die französische. 


Zweierlei machte mich stutzig. Zum einen die Asymmetrie: Warum ist der linke Streifen schmaler als die anderen zwei? Rasch war herausgefunden, dass tatsächlich alle drei Streifen unterschiedlich breit sind, das Verhältnis ist 30:33:37. Wikipedia erklärt diese 1853 getroffene Designentscheidung damit, dass die Streifenbreiten ebenmäßig wirken, wenn die im Seewind wehende Fahne aus einer gewissen Distanz erspäht wird. Außerdem solle die leicht übertriebene Breite des roten Balkens die Sichtbarkeit erhöhen, was mir irgendwie im Widerspruch zu erster Erklärung zu stehen scheint.

Zum anderen fiel mir natürlich der enorm dunkle Ton des Blaus auf. Stellt sich heraus: Dieses satte Marineblau ist das ursprüngliche! Präsident Valéry Giscard d'Estaing hatte die hellere Variante auf der Tricolore erst im Jahr 1976 als Annäherung zum Blau der EU-Flagge eingeführt, wobei von da an beide Versionen in relativ freier Verwendung nebeneinander existierten. Und jetzt kommt's! Gestern schickte mir ein Freund den Link zu einem Artikel mit der Überschrift "Macron dreht das Blau dunkler". Ohne offizielle Ankündigung und größeres Echo ist Präsident Emmanuel Macron nämlich Mitte 2020 wieder zum maritimen Blau der Revolutionszeit zurückgekehrt, indem er zunächst die Flagge auf dem Élysée-Palast austauschen ließ, auf der, nebenbei bemerkt, nun auch das Rot ein My dunkler ausfällt. Da die Verfassung von 1958 die Farben der Nationalflagge lediglich als "blau, weiß, rot" angibt, kann das amtierende Staatsoberhaupt offenbar nach Lust und Laune die Helligkeit justieren.

Unabhängig von politischen Assoziationen gefällt mir persönlich die dunklere Tricolore besser. Aber hätte Macron nicht wenigstens die paar Monate bis zum Tod seines hochbetagten Vorvorvorvorvorgängers warten können? Apropos: Giscard d'Estaing erblickte das Licht der Welt in Koblenz zur Zeit der Rheinlandbesetzung. Das lernte ich, als ich ebendort einen Gedenkstein sah, der am einstigen Ort des Geburtshauses des großen Europäers steht. Lernen ist toll!

PS: Seit meinem letzten Beitrag mit dem Label Flaggen sind zwei weitere notierenswerte Änderungen in Sachen Hoheitszeichen eingetreten. 1.) Die finnische Luftwaffe hat im vergangenen Jahr das immer noch gebräuchliche Hakenkreuz aus all ihren Emblemen entfernen lassen. 2.) In Afghanistan hängt seit der Machtergreifung der Taliban nun wieder überall die international nicht anerkannte weiße Emiratsflagge mit dem islamischen Glaubensbekenntnis, was den nunmehr 25. Flaggenwechsel seit 1880 darstellt. (Übrigens soll das erste schwarz-rot-grüne Modell 1928 von der Deutschlandfahne inspiriert worden sein.)

Samstag, 24. August 2019

Hübsche Flaggen untergegangener Staaten: Königreich der Idrisiden


Marokko konnte in seiner Geschichte schon so manche ungewöhnliche Flagge vorweisen. Die älteste überlieferte Form (11.-13. Jh.) zeigte ein Schachbrett auf rotem Hintergrund; vom 17. bis zum 19. Jahrhundert war eine Schere auf der Flagge abgebildet; die Kriegsflagge von 1848 war blau und hatte einen Arm, der ein Schwert hält, auf der linken Seite; im 18. Jahrhundert reaktivierten einige Stämme den aus zwei übereinander gelegten Quadraten gebildeten Stern der Mariniden-Dynastie; unter den Alawiden ab dem 17. Jahrhundert wurde die rein rote Flagge geführt, die bis zur Ablösung durch die moderne Version mit dem Pentagramm anno 1915 die offizielle Flagge Marokkos war. (Heute gibt es keine einzige einfarbige Nationalflagge mehr; bis zum Fall Gaddafis hatte Libyen ein grünes Rechteck.)

Minimalistisch ging es auch auf dem Boden des heutigen Marokko zur Zeit der Idrisiden, also der von den muslimischen Prinzen Idris I. und II. begründeten Dynastie, zu. Ein weißes Seidenbanner wurde gehisst, in späterer Abwandlung durch die Almoraviden erweitert um den Spruch "Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist sein Prophet." (Weil der Hintergrund dieses Blogs weiß ist, wurde die Farbe auf dieser eher untypischen geometrischen Figur ein wenig eingedunkelt.)

Samstag, 20. Mai 2017

Hübsche Flaggen untergegangener Staaten: Republik Venedig


Der ehrwürdige und 1100 Jahre lang stabile Stadtstaat der Dogen und des Rates der Zehn, die Lagunen- und Kanalmetropole, die Serenissima genannte See- und Kolonialmacht, in welcher der venezische Dialekt (den man nicht mit der venetischen Sprache verwechseln darf) Amtssprache war, gebot über eine angemessen stilvolle und mittelalterliche Schwere ausstrahlende Flagge.

Links sehen wir den durch einen Filmpreis und aus vielen Darstellungen bekannten geflügelten Markuslöwen mit einem aufgeschlagenen Buch, in dem zu lesen ist: Pax tibi, Marce, evangelista mens ("Friede [sei mit] dir, Markus, mein Evangelist"). (Der Markuslöwe ist nicht nur auf dem heutigen Wappen der Stadt Venedig zu sehen, sondern u.a. auch auf dem der baden-württembergischen Gemeinde Marxzell.) "Die Bedeutung bzw. Definition der anderen Elemente auf der Fahne sind noch weitgehend unbekannt", sagt Wikipedia, und auch die bei Google Books dazu verfügbaren Bücher schweigen sich aus. Naheliegend ist, dass die sechs Streifen zur Rechten die sechs historischen Stadtteile Venedigs, die sestieri, deren Vertreter in der Anfangszeit den Kleinen Rat bildeten, symbolisieren. Aber wofür stehen die Kugeln?

Im Jahr 2014 gab es eine inoffizielle und daher nicht bindende Onlinepetition über die Unabhängigkeit Venedigs. Sagenhafte 89,1% stimmten für einen souveränen Staat Veneto. (Das war nicht das erste Aufbäumen venetischer Nationalisten in der jüngeren Vergangenheit.) Wenig überraschend ist, dass bei diesem "Plebiscito.eu" auch die traditionelle Flagge der Republik Venedig in leicht aktualisierter Form (ohne Kugeln!) zu sehen war. Sollte sich diese Region wirklich einmal abspalten, stehen die Chancen gut, dass der Markuslöwe in der Alten und der Neuen Welt den Bekanntheitsgrad von anno dazumal wiedererlangt.

Dienstag, 24. März 2015

Sprechen Sie Seegurkisch?

Aus traurigem Anlass (Zyklon "Pam") hat es der kleine südpazifische Inselstaat Vanuatu neulich in die Nachrichten geschafft. Ich sah den Präsidenten im Fernsehen eine Presseerklärung auf Englisch abgeben und wollte wissen, ob Englisch dort Amtssprache ist. Ja, ist es, ebenso Französisch; beides sind allerdings Erstsprachen von einer nurmehr verschwindend geringen Sprecherzahl. Tatsächlich hat Vanuatu die höchste Sprachendichte der Welt: 108 Sprachen auf eine Viertelmillion Einwohner!

Sprache des täglichen Lebens ist die dritte Amtssprache, eine auf dem Englischen basierende Kreolsprache namens Bislama, welche laut Wikipedia von 210.000 Menschen gesprochen wird, wobei die Zweitsprecher schon eingerechnet sind; was die Muttersprachler angeht, so gibt Ethnologue 10.000 an (plus 2.300 in Neukaledonien) und die Seite Omniglot 6.200. Abgesehen von einigen ozeanischen Lehnwörtern (französische gibt es auch) versteht man den Inhalt von Bislama-Textsampeln ganz gut, v.a. wenn man eine englische Übersetzung danebenstellt: "Evri man mo woman i bon fri mo ikwol long respek mo ol raet. Oli gat risen mo tingting mo oli mas tritim wanwan long olgeta olsem ol brata mo sista." = "All human beings are born free and equal in dignity and rights. They are endowed with reason and conscience and should act towards one another in a spirit of brotherhood." (Beispiel aus "Omniglot" übernommen)

Kurios ist die Herkunft des Namens Bislama: Es handelt sich letztlich um eine Verballhornung des französischen bêche de mer, was "Seegurke" heißt. Bislama wurde im 19. Jahrhundert von den lokalen Arbeitern als Kontaktsprache entwickelt und genutzt – und eine von deren Hauptbeschäftigungen war das Einsammeln von ebenjenen Stachelhäutern.

Neben Seegurken sind auch Schweine von Bedeutung für die ni-Vanuatu (so heißen die Einwohner/-innen). Wer viele Schweine besitzt, gilt als reich. Sie dienen als Nahrung, Handelsgut und Opfertiere. Das Rot in der Flagge Vanuatus symbolisiert denn auch das Blut geopferter Schweinsviecher. Indigene Religionen sind jedoch von allerlei (reformierten) christlichen Glaubensrichtungen verdrängt worden. Eine kleine Rolle spielt noch die sogenannte Prinz-Philip-Bewegung, ein Kult, in welchem der britische Prinzgemahl als Gott verehrt wird! 
(Neuer Eintrag auf meiner To-do-Liste: Gottheit in einem Südseekult werden)


Mittwoch, 21. Mai 2014

Hübsche Flaggen untergegangener Staaten: Republic of Maryland


Die Republic of Maryland ist ein Kapitel der überschaubaren US-amerikanischen Kolonisationsgeschichte und hieß auch "Maryland in Liberia", weil sie später Teil ebendieses, soweit ich sehe, einzigen echten afro-amerikanischen Staates (Liberia) wurde. Seine Geschichte beginnt 1834, als erste freigelassene (und frei geborene) afro-amerikanische Sklaven in ein vom US-Staat Maryland gekauftes Gebiet an der Westküste Afrikas rückgeführt werden. Dieses Gebiet lag im heutigen Liberia, welches selbst als eine Art "amerikanische Kolonie" gegründet wurde und seinerseits 1847 unabhängig wurde. Davon unabhängig erklärte sich wiederum die Republic of Maryland per Referendum 1853. Die Staatsgründung erfolgte am 29.5.1954; nur knapp drei Jahre später ging es dann schließlich in Liberia über und existiert seitdem als "Maryland County" mit der Hauptstadt Harper.

Die Flagge gefällt mir, weil sie einfach, aber elegant ausschaut. Schwarz-gelbe Streifen – auf welcher Flagge gibt es dieses Bienenmuster denn sonst noch? Dazu das weiße Kreuz auf dunkelblauem Grund: ein wirklich schöner Kontrast. Die Flagge des Countys Maryland ist auch nicht schlecht (der Leuchtturm!):


(Ich sehe gerade: Die Flaggen fast aller liberianischen Countys sind total ästhetisch, z.B. Rivercess.)

Samstag, 2. November 2013

Hübsche Flaggen untergegangener Staaten: Loango

Loango, was ungefähr "königliche Macht des Panters" bedeutet, war ein Land, das erst relativ spät, nämlich 1561, erstmals urkundlich erwähnt wird. Es existierte als eigenständiges Königreich auf dem Gebiet der heutigen Republik Kongo vom 16. bis zum 19. Jahrhundert: Die Abspaltung vom Königreich Kongo erfolgte irgendwann "zwischen 1512 und 1570" (Wikipedia), sein Ende war 1883 erreicht, als Loango französisches Protektorat wurde. Dennoch scheint das "Royaume Loango" und seine Herrschaftslinie noch heute zu bestehen, zumindest hat das (jedoch in keiner offiziellen Liste als autonomer Staat aufgeführte) Land einen Internetauftritt, leider in französischer Sprache, die ich nicht gut beherrsche. Die Flagge jedenfalls war und ist die hier:


Hände sind als Flaggensymbole nicht sehr häufig. Auf der Flagge Abchasiens und auf der 1953 bis 1973 von Nordirland geführten "Red Hand Flag of Ulster" ist eine Hand zu sehen. Im Falle Loangos repräsentiert die Hand den König, und die sieben Sterne stehen sowohl für die sieben Provinzen als auch Augen, Ohren, Nasenlöcher und Mund des Königs – heißt es zumindest auf einer Seite ohne weitere Quellenangaben. Hm. 

Mittwoch, 22. Mai 2013

Hübsche Flaggen untergegangener Staaten: Sitawaka

Das Königreich Sitawaka existierte von 1521 bis 1594 auf einem Gebiet im Südwesten des heutigen Sri Lankas. Es ging in einem historischen Ereignis mit dem schönen englischen Namen "The Spoiling of Vijayabahu" aus dem Königreich Kotte hervor und fiel mit dem Tod seines zweiten Herrschers, Rajasinha I., an die Portugiesen. 
Die Flagge von Sitawaka zeigte einen Elefanten auf weißem Grund. Leider konnte ich nicht herausfinden, was dieser (oder die ihn umgebenden Symbole) bedeuten, weswegen ich lediglich auf Wikipedia verweisen und das Bild für sich sprechen lassen möchte.

(Der Elefant scheint zu sagen: "Hey, wartet mal, Leute, ich glaube, ich hab' was gehört.")

Freitag, 26. April 2013

Hübsche Flaggen untergegangener Staaten: Ryukyu

Let's talk about vex, baby! "Vex" ist die soeben von mir geprägte Kurzform von vexillology. Ich hätte auch schreiben können "Let's talk about flags", denn Vexillologie ist die Flaggenkunde. Warum Flaggen? Weil es sehr hübsche davon gibt – und gab! Die Flagge des Königreichs Ryukyu (exakte Umschrift: Ryūkyū) ist die schönste Flagge, die ich jemals sah.


Das auf den Ryūkyū-Inseln südwestlich von Japan im Pazifik liegende Königreich existierte von 1429 bis 1879. Heute sind die ehemaligen Staatsgebiete Teil der japanischen Präfekturen Okinawa und Kagoshima. Herrscher des Reichs waren die zwei Shō-Dynastien, deren Emblem auf der Flagge zu sehen ist. Es handelt sich um ein sog. tomoe, ein Symbol aus "komma"-ähnlichen Formen, in diesem Fall derer drei (mitsudomoe). Es repräsentierte ursprünglich den Kriegs- und Bogenschützengott Hachiman, der u.a. von den Wōkòu-Piraten als Schutzgottheit verehrt wurde. "Möglicherweise durch Vermittlung der Wakō [= Wōkòu] wurden sowohl Hachiman als auch das Tomoe-Symbol im Inselreich Ryūkyū (heute Okinawa) bekannt und vom dortigen Königshaus übernommen." (Wikipedia) Was der darunterliegende Streifen symbolisiert, konnte ich leider nicht herausfinden.