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Samstag, 28. Juni 2025

R.I.P. Stern-TV-Magazin

Als ich gestern den neuen Stern (er kam mit einem Tag Verspätung) schüttelte, auf dass die TV-Beilage, die das berühmt-berüchtigte Schwedenrätsel enthält, herausfalle, wurde ich enttäuscht: Die Beilage fehlte. Hrmpf, dachte ich, die muss auf dem Postweg verloren gegangen sein; das war in der Vergangenheit schon ein-, zweimal passiert. Als ich das Magazin später durchblätterte, erwartete mich auf der letzten Doppelseite dies:


Sämtliche Rätsel des TV-Heftchens sind ins Muttermagazin gewandert! Und die TV-Beilage selbst? Scheint abgeschafft worden zu sein. Schade. Gerade jetzt, wo ich nicht mehr nur terrestrisches Antennenfernsehen empfange, sondern dank Satellitenanlage auch wieder Privatsender reinkriege, hätte ich gerne regelmäßig eine Programmzeitschrift auf dem Couchtisch liegen. Abgesehen davon habe ich das Stern-TV-Magazin stets deswegen gern aus der Redaktion mit nach Hause genommen (das ist mein Privileg als Seniorredakteur), weil es sich daheim viel behaglicher rätselt als im Büro. Das Kreuzworträtsel im dicken Stern und dann noch am Konferenztisch auszufüllen, fühlt sich nicht richtig an.

Ob wegen der Einstellung des TV-Beilegers ein Sturm der Entrüstung droht? Ich werde nächste Woche die Leserbriefe danach durchforsten.

Samstag, 30. November 2024

Süße Zwischenbilanz

Meine letzte Notiz über Süßstoffe ist rund eineinhalb Jahre her. Anlass für ein kurzes Update ist ein halbseitiger Artikel im aktuellen Stern über natürliche und synthetische Zuckeralternativen. Auszug:

Einige Wissenschaftler sehen in ihren Studien Hinweise auf Störungen des Mikrobioms, also der Darmflora. Und: Der Plan, Süßstoffe einzusetzen, um Gewicht zu verlieren, scheint nicht aufzugehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt, dass die Mittel zwar kurzfristig dabei helfen, abzunehmen, langfristig steige aber das Risiko einer Gewichtszunahme. Zudem wird diskutiert, ob einige Süßungsmittel Herzinfarkte und Schlaganfälle wahrscheinlicher machen. [...] Im Fall von Erythrit kam die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit 2023 trotzdem zu dem Schluss, dass bisherige Daten noch kein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen belegen. Für Xylit steht die Neubewertung noch aus.

Unterm Strich gelte einmal mehr: Die Menge macht's. Speziell zum "möglicherweise krebserregenden" Aspartam heißt es, dass ein Normalgewichtiger mehr als neun Dosen Cola light trinken müsse, um die zulässige Tagesdosis zu überschreiten.

Samstag, 12. Oktober 2024

Das gute Samstagsvideo

Nach langer Pause habe ich mal wieder ein Kreuzworträtsel aus dem TV-Magazin des Stern vor laufender Kamera gelöst. Ohne zu viel verraten zu wollen: Kurz bevor das Video abbricht, kommt mir ein "Heureka!"-Moment.

 

Dienstag, 5. Juli 2022

Das Wunder vom 30. Juni

Als das Stern-TV-Magazin vor über einem Jahr beschloss, seinem wöchentlichen Schwedenrätsel nur noch eine halbe Seite einzuräumen, war ich mir sicher, dass die Verantwortlichen niemals zum alten Format zurückkehren würden. Schließlich hat in dieser unserer entsetzlichen Welt alles die Tendenz, immer schlechter zu werden. Hoffnung, dass mein coram publico geäußertes Bedauern auf irgendeine Resonanz stoßen würde, machte ich mir schon gar nicht. Die erstaunte Miene, die ich beim Durchblättern des vergangenen Donnerstag erschienenen Heftes zog, kann ich mir nicht mal selbst vorstellen. Denn:


O frabjous day! Callooh! Callay! Ich habe das Rätselgitter bereits (recht erfolgreich) ausgefüllt und harre nun der kommenden Wochen. Wird diese Größe beibehalten werden? Wird der Rubrik gar eines Tages wieder eine volle Seite zur Verfügung gestellt werden? Fingers (and words) crossed ...


Samstag, 3. Juli 2021

Der Kreuzwortärger geht weiter

Jetzt drehen sie beim Stern-TV-Magazin völlig durch! Schlimm genug, dass das Kreuzworträtsel dort immer noch auf lediglich einer halben Seite erscheint; schlimmer, dass das neueste Rätsel mit dem der Vorwoche identisch ist!


Meine Formulierung mit dem "durchdrehen" war natürlich unfair überspitzt. Ich bin mir sicher, dass es sich um einen einmaligen technischen Fehler handelte. Zudem hatte ich den fälligen Déjà-vu-Moment erst, als ich bereits ein gutes Viertel ausgefüllt hatte. Zu Ende gemacht habe ich's dann trotzdem. Wie man sieht, waren meine Wissenslücken von einer auf die andere Woche nicht aufgefüllt worden, und ich werde abermals ein paar Tage warten müssen, bis ich weiß, wie die griechische Bergnymphe heißt (mein Tipp: Oreide) und das Laichkraut und der Schachausdruck.
 

Freitag, 14. Mai 2021

Kreuzwort-Update

Neues in der Causa Stern-TV-Magazin: nichts! Das Schwedenrätsel ist zum zweiten Mal in Folge nur eine halbe Seite groß. Zum Heulen! Immerhin ist das Niveau wieder leicht gestiegen, ich konnte zwei Fragen nicht beantworten (Teil des Talmuds: GE_ARA; aalförmiger Fisch: IL_ER).

Samstag, 8. Mai 2021

Kreuzwortmord

Als ich am Donnerstag das TV-Magazin des neuen Stern öffnete, stutzte ich: Wo war das Schwedenrätsel? An seiner üblichen Stelle am Ende des Heftes befand es sich nicht. Panisch blätterte ich, bis ich das Kreuzworträtsel irgendwo im Heftinnern vorfand – eingestampft auf eine halbe Seite!


Selbst die letzten Dinge, auf die man sich noch freuen kann, werden einem genommen! Dass ich das Rätsel (in wenigen Minuten) vollständig lösen konnte, war da nur ein schwacher Trost. Vermutlich sinkt der Schwierigkeitsgrad mit dem Umfang.


Womöglich war das nur eine einmalige, aus Anzeigenüberschuss erwachsene Notkürzung. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

Samstag, 10. April 2021

Precht'sches Theater

Ich habe eine Stelle aus dem Interview mit Richard David Precht im aktuellen Stern abgetippt:

Die Tuberkulose zum Beispiel gedieh dort, wo es eng und schmutzig war und wo Armut herrschte. Wenn der Staat nicht wollte, dass sehr große Teile der Bevölkerung hinweggerafft wurden, musste er dafür sorgen, dass die Wohnverhältnisse und die Hygiene besser wurden. So begann im 19. Jahrhundert das, was der Philosoph Michel Foucault Bio-Politik nennt. Der Staat fing an, sich für die Gesundheit seiner Bürger verantwortlich zu fühlen, und handelte. Zumindest, wenn es um ansteckende Krankheiten ging. Es entstand dann nach und nach das moderne Vor- und Fürsorge-System, das wir heute als Pflicht des Staates begreifen.

Dies ist, ich schwöre es, der einzige Abschnitt in zweieinhalb Seiten à drei Spalten, der so etwas wie Erkenntnisgewinn beinhaltet. Der Rest sind Platitüden, Nullsätze und Aussagen, die auch ein durchschnittlich begabter 16-Jähriger in Gemeinschaftskunde zu Papier bringen könnte. Es sollte in dem Gespräch um die Pflichten des Staates vor dem Hintergrund des sog. "Impf-Debakels" gehen. Warum auch nicht? Die Menschen dürfen und sollen während einer Pandemie nicht nur von Fachleuten aus der Medizin Erklärungen und Handreichungen bekommen, sondern auch aus den Bereichen Politologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und eben: Philosophie. Aber wenn sich die Aufklärung durch einen als Intellektueller geltenden Honorarprofessor in Sentenzen erschöpft wie "Der Staat muss verhindern, dass der Einzelne durch andere in eine bedrohliche Situation kommt", "Der Vorsorgestaat darf nie zum Bevormundungsstaat werden" oder "Es geht immer um die Frage, inwieweit andere von meinem Handeln oder Unterlassen betroffen sind", dann wirft das kein gutes Licht auf den gegenwärtigen Stand der Philosophie in Deutschland. Für die sollten Knalltüten wie Richard David Precht und Markus Gabriel natürlich nicht als stellvertretend behandelt werden, ich fürchte aber, in der öffentlichen Wahrnehmung geschieht genau das. Sonst hätte man die Niederschrift des Stern-Interviews ja direkt eingemottet, statt sie abzudrucken.

Samstag, 20. Februar 2021

No news is good news

Seit ein paar Jahren kommt kein Magazin, keine Zeitung mehr aus ohne größere und kleinere, unregelmäßige oder serielle Features darüber, dass trotz der düsteren Weltlage "alles immer besser" werde. Die Zeit überschrieb ihren Rückblick auf das vergangene Horrorjahr mit der Frage "Ist 2020 doch besser als sein Ruf?" und listete darunter "50 Dinge, die gar nicht übel waren dieses Jahr" auf. Und wie viele Interviews mit Steven Pinker müssen wir eigentlich noch ertragen? Besonders nervig finde ich den bemühten Optimismus in der Stern-Rubrik "Das sind ja mal gute Nachrichten". Wie in der genannten Zeit-Strecke finde ich hier so gut wie nie irgendetwas, das mich von meinem Fatalismus bezüglich der Menschheit abbringen könnte. Die angeblich positiven Meldungen in der letzten Ausgabe habe ich beispielhaft abgeschrieben:

  • Das "virale" Gedicht, das die junge Amerikanerin Amanda Gorman bei der Amtseinführung Joe Bidens vorgetragen hat, erscheint im März in deutscher Fassung.
  • Der britische Kontaktlinsenhersteller LGL entwickelt eine "iLens", die sich im Auge "mit dem Handy verbinden" lässt und "auf Zwinkern Fotos machen" kann.
  • Der Bierkonsum der Deutschen ist 2020 um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken.
  • Makaken auf Bali haben eine Art "ökonomischen Sachverstand" entwickelt: Sie tauschen geklaute Sonnenbrillen, Hüte etc. bei Tempelmitarbeitern gegen Leckerli ein.
  • "Das Schlosshotel Kronberg [...] ist Kulisse für den Film 'Spencer', ein Drama über das Leben der britischen Prinzessin."
Keine einzige dieser Neuigkeiten betrifft mich in irgendeiner Weise oder ist geeignet, das Leben von jemandem, den ich kenne, zu verbessern. Die genannten Fakten und Entwicklungen sind trivial, bestenfalls kurios und in einem Fall (Kontaktlinsen) sogar beängstigend. Welche Person liest so einen Beitrag und denkt sich: Och, stimmt, wir sind viel weniger übel dran als gedacht ...

Ich möchte stets fair sein. Deswegen habe ich nach dem Kopieren der Stern-Seite nicht sofort mit dem Verfassen dieses Blogeintrags begonnen, sondern eine Woche gewartet. Ich wollte weitere Beispiele ins Feld führen. Wie um meine These vom so fruchtlosen wie krampfhaften Selbstverständnis der Medien als Grundhaltungs-Korrektiv hohnlachend zu widerlegen, sind die "guten Nachrichten" im aktuellen Stern tatsächlich einigermaßen erfreulich:
  • Neue markante Flatterleinen vor der namibischen Küste könnten die Zahl der durch Fischerboote mitgetöteten Seevögel um 98 Prozent senken.
  • "Das Empire State Building deckt seine Stromversorgung jetzt zu 100 Prozent aus Windkraft."
  • In Berlin gibt es inzwischen drei mobile Stroke-Units, also auf Schlaganfälle spezialisierte Einsatzwagen.
  • Die Investitionen in umweltfreundliche Projekte, sog. Green Bonds, könnte in diesem Jahr 450 Milliarden Dollar betragen.
  • Ein Team des MIT hat Spinatwurzeln mit Nanotechnologie aufgerüstet, die "Hinweise auf Minen im Boden finden" soll.
Ja mei. Wie wäre es denn, nicht auf Teufel komm raus jede Woche fünf rosige Mitteilungen zusammenzutragen, sondern die good news so zu präsentieren, wie sie anfallen? Ich gebe ja zu, dass die Gegenwart nicht ausschließlich niederschmetternd ist. Dennoch halte ich Erfolge wie die fünf zuletzt aufgeführten für prä-mortale Zuckungen und bin mir zu 100 % sicher, dass der Niedergang der Menschheit und ihres kleinen blauen Heimat-Geoiden unabwendbar ist.

Samstag, 17. Oktober 2020

Deutschland 2020

Interviewschnipsel aus dem aktuellen Stern:


Ich betone: aus dem aktuellen Stern, nicht etwa aus einer Ausgabe von 1620. Gute Güte!

Da muss ich an eine Begebenheit aus dem Februar dieses Jahres denken. Schon eine reichliche Zeitspanne vor dem Eintreten der allgemeinen Maskenpflicht hatte ich mir angewöhnt, bei Einkäufen und sonstigen Erledigungen einen Mundschutz zu tragen. Einmal lief ich nun also derart teilvermummt über meine lokale Einkaufsgasse, als ein Passant zu seinem circa sechsjährigen Sohn, auf mich zeigend, rief: "Kuck mal, der hat Corona!" Am liebsten hätte ich erwidert: "Wenn ich wüsste, dass ich Corona hätte, würde ich dich Arschloch jetzt mit Absicht anhusten! Was bist du eigentlich für ein Vorbild für dein Kind?"
["Curb Your Enthusiasm" theme starts playing in the distance]

Samstag, 16. Mai 2020

Von Nordfries- ins Sauerland

Wir befassen uns noch einmal mit den zuletzt erwähnten Kirchspielen und machen einen Exkurs nach Schleswig-Holstein in die Zeit, als dieses eine preußische Provinz war. Im Rahmen der Einführung der Landgemeinden im Jahr 1867 gingen die Kreise Süder- und Norderdithmarschen sowie der Kreis Husum einen Sonderweg: Weil mit den dortigen eben so (Kirchspiel) genannten Gebietskörperschaften "bereits weltliche Strukturen vorhanden waren" (Wikipedia, wobei nicht erklärt wird, was das genau bedeutete), wurden aus diesen, bei räumlicher Deckungsgleichheit, kurzerhand Kirchspielslandgemeinden statt einfach nur Landgemeinden. Damit gingen bemerkenswerterweise kirchliche Verwaltungseinheiten 1:1 in politische Gemeinden über. 1934 gab es dann Neuaufteilungen und -ordnungen, Auflösungen und Eingliederungen, teilweise wurden auch ohne Gebietsveränderung aus Kirchspielslandgemeinden einfache Landgemeinden. Damit hatte jedoch nicht die letzte Stunde dieses außergewöhnlichen Wortes geschlagen: Als 1948 die Ämter (i.S.v. Bundkörperschaften aus mehreren Gemeinden, die es heute unter dieser Bezeichnung nur in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gibt) gebildet wurden, hießen diese in Dithmarschen und (zum Teil) in Husum wieder "Kirchspielslandgemeinden". Der Kreis Husum gab diese Benennung noch im selben Jahr wieder auf, doch in Dithmarschen gab es bis zur Reform von 1970 noch offiziell Kirchspielslandgemeinden. Und damit war's das immer noch nicht! Obwohl es sich nun offiziell um Ämter handelte, durften die jeweiligen Ortsnamen den vorangestellten Zusatz "Kirchspielslandgemeinde" bis 2007 behalten – und zwei tun das sogar bis heute: das Amt Kirchspielslandgemeinde Heider Umland und das Amt Kirchspielslandgemeinden [sic] Eider. Wer möchte sich das nicht in den Briefkopf schreiben!
Eine Gemeinde, die den Kirchspielbezug bereits 1934 aufgeben musste, ist das nördlich von Husum gelegene Horstedt, welches ich hier ins Feld führe, weil es heraldisch interessant ist. Der Entwurf eines neuen Gemeindewappens spaltete den Ort 2016: Der im unteren Drittel abgebildete Handschlag zweier Hände erinnerte die Bürgerinnen und Bürger an den sozialistischen Händedruck, wie man ihn vom SED-Symbol kannte. Gegen allen Protest wurde das Wappen durchgesetzt. Noch ungewöhnlicher als die zwei Hände, wenn auch nicht so ungewöhnlich wie ein Elefant, ist das, was oben links neben einem Hufeisen abgebildet ist: ein Windrad. Es befremdet mich, weil es in etwas so Altmodischem wie einem Hoheitszeichen irgendwie anachronistisch wirkt. Ein Pferd als Wappentier hätte sich angeboten, steckt doch in dem Ortsnamen Horstedt das mit engl. horse verwandte Wort dafür.
In Schleswig-Holstein gibt es viele für mich noch weiße Flecken. Sobald die Reisebeschränkungen gelockert sind, muss ich dort mal hin. In den Dutzenden Magazin-Artikeln und Online-Strecken der letzten Wochen à la "Urlaub vor der Haustür" oder "So schön ist Deutschland" taucht gerade Nordfriesland immer wieder auf. Im Stern wurde darüber hinaus diese Woche ein Gebiet vorgestellt, das ebenfalls terra incognita für mich ist: das Sauerland. Dass ausgerechnet die Stadt Schmallenberg mit einem großen Teaserfoto als Ausflugsbeispiel herhalten musste, fand ich indes unglücklich: Man sollte nicht vergessen, dass es vor SARS-CoV-2 auch schon furchterregende Viren gab ...

Dienstag, 15. Oktober 2019

Mit Kanones auf Spatzen schießen

Pünktlich zum Beginn der Frankfurter Buchmesse möchte ich ehrlich und ohne Scham gestehen, dass ich aus Denis Schecks Literaturkanon ("Die Scheck-Liste", einsehbar und kommentiert im aktuellen Stern) nur drei Dinge gelesen habe. Ich schreibe bewusst "Dinge" und nicht "Bücher", weil auch ein Gedicht darunter ist. Hinzu kommen ein abgebrochenes, zwei pausierte und drei lediglich in Auszügen studierte Werke.
Man kann über Sinn und Unsinn eines solchen Lesekanons streiten. Wenn es heißt, dies und jenes müsse man gelesen haben, weil man es halt gelesen haben muss, habe ich in der Regel gleich viel weniger Lust auf die Lektüre. Das erinnert mich nämlich an Schule (XYZ muss man lesen, weil es Prüfungsstoff ist) und hat gleichzeitig etwas von alberner Distinktion (Stichwort Bourdieu, "Die feinen Unterschiede" (muss man gelesen haben! (ich hab's nicht gelesen))): Lesen als Abgrenzung, Kenntnis von Literatur, damit man einem speziellen Zirkel angehören darf.
Im Gegensatz zu Marcel Reich-Ranickis berühmtem Kanon scheint mir der Scheck'sche aber tatsächlich mehr leidenschaftliche Empfehlung denn bildungsbürgerliche Direktive zu sein, was ich daran festmache, dass unter den 100 Items auch Modernes, Kindliches, Abseitiges ist. Da will jemand aufrichtig Neugier aufs und Freude am Lesen machen. Und darauf kommt's doch an. Kurzum: Nicht schämen, wenn man was nicht kennt! Auch wenn ich in Sachen Weltliteratur nicht mitreden kann, meine ich doch, dass die Hunderten (Tausenden?) Titel, die ich konsumiert habe, mir in hinreichendem Maße Wissen vermittelt und den Verstand geschärft haben. Ich glaube jedenfalls nicht, dass mich ein Schnarchschmöker wie "Frau Jenny Treibel" zu einem interessanteren Gesprächspartner gemacht hätte.

Montag, 11. Februar 2019

Gefragt, geplagt

Interviewtechniken, zumindest Techniken für Schriftmedien geführter Interviews, waren in diesem Blog schon mehrmals Thema. Ein Trend der letzten Jahre ist auffällig: Der oder die Interviewer/in tritt nicht mehr als neutrale Fragestellungsinstanz zurück, sondern begreift sich als Teil eines lebhaften Gesprächs, drängt sich teilweise sogar in den Vordergrund. Exemplarisches aus dem aktuellen Stern:


Das ist vermutlich nicht einmal der vorläufige Höhepunkt solcher Entwicklungen, ich widme mich diesem Genre nur selten; aber gute Güte! Da will jemand krampfhaft seine Gelehrsamkeit demonstrieren, streut jedoch geschickt Unterlegenheitsbekundungen ein ("Ich kann Ihnen nicht mehr ganz folgen"), um zu zeigen, dass er mit dem Interviewten (hier: Christoph Waltz) auf Augenhöhe schwätzt.

Ich verstehe die Intention hinter dieser "Schlagabtauschisierung" von Promi-Interviews durchaus. Man möchte einer Textsorte neues Leben einhauchen, nachdem der Leser die tausendfach abgespulten Standardfragen und -antworten mittlerweile auswendig kennt. Einfach nur ermüdend sind zum Beispiel die Interviews in der Cinema. Immerimmerimmer wieder derselbe Schmus:
- "Wie war es für Sie, mit Regisseur XY zu drehen?"
- "Es war eine riesige Ehre und eine unglaubliche Erfahrung. XY weiß genau, wie eine Szene ablaufen muss, er ist extrem präzise und strikt, gleichzeitig gibt er dir das Gefühl, die einzige Person im Raum zu sein, die ihm etwas bedeutet."
- "Sie sind selbst Mutter von zwei Söhnen, jetzt spielen Sie eine Kindsmörderin. Haben Sie gezögert, als man Ihnen die Rolle angeboten hat?"
- "Klar, zuerst musste ich schlucken, aber nachdem ich die ersten Seiten des Drehbuchs gelesen hatte, war mir klar: Das musst du einfach machen, so eine Chance bekommst du nicht jeden Tag. Es war sagenhaft intensiv, und ich bereue die Entscheidung nicht."
- "Wird man Sie jetzt öfter in solchen schweren Rollen sehen?"
- "Das kann ich so pauschal nicht sagen. Wenn es passt, dann passt es. Comedy macht mir immer noch wahnsinnigen Spaß, aber ich möchte mich auf lange Sicht nicht in einer Sparte festfahren und gerne was Neues ausprobieren. Die Leute sollen sehen, dass ich mehr kann als die ewige Ulknudel zu geben."
- "Kann man den Schauspielberuf auch nutzen, um seine dunklen Seiten auszuleben?"
- "Ich denke, jeder Mensch hat eine dunkle Seite. Ich finde es herausfordernd, aber auch unheimlich faszinierend, mich in abseitige Charaktere hineinzuversetzen."
- "Haben Sie eine geheime Facette, die Sie gerne mal auf der Leinwand präsentieren würden?"
- "Selbstverständlich, aber die verrate ich nicht. (lacht)"
Überschrift des Interviews: "Jeder Mensch hat eine dunkle Seite". Erkenntnisgewinn: nicht vorhanden.

Freitag, 4. Januar 2019

Achievement unlocked: "Kästchen für Kästchen"

Erst letzten Monat ist es mir gelungen, das Schwedenrätsel im Stern-TV-Magazin beinahe vollständig zu lösen, und gestern war es dann tatsächlich soweit:


Alles gewusst! Unbekannt war mir lediglich die Schreibweise Ghi statt Ghee ("Büffelbutter"), und ich musste kurz überlegen, ob die Wilhelm-Busch-Figuren "Plisch und Plum" oder "Plusch und Plim" heißen. Den "Stern im 'Walfisch'" kannte ich auch nicht, doch die Lösung, "Mira", ergab sich durch den Männernamen Kai (wobei es freilich auch "Myra"/"Kay" hätte sein können; man weiß ja nie!).

Jetzt kann ich zufrieden sterben.

Samstag, 1. Dezember 2018

Knapp vorbei

Eines meiner Life goals, wie die Kids von heute sagen, ist es, nur ein einziges Mal das Kreuzworträtsel in der TV-Beilage des Stern vollständig auszufüllen. Diese Woche wäre es mir um ein Haar bzw. um einen Buchstaben gelungen. Seht selbst:


Mir ist klar, dass dieses Foto kein Beweis für mein Können ist, aber ich schwör's: Alles habe ich gewusst, nur das französische Kartenspiel mit sechs Buchstaben kannte ich nicht. Ich war mir zwar zu 90% sicher, dass EKA_TE "Ekarte" heißen muss, doch ich bin fair genug, um das Handtuch zu werfen, wenn Zweifel bestehen. Also auf die nächsten (gefühlt) 500 Versuche!

Dienstag, 9. Januar 2018

Nervenkitzel Produktbegutachtung?

Bevor ich Shampoo, Duschgel, Weichspüler etc. kaufe, lasse ich es mir nicht nehmen, das ins Auge gefasste Produkt noch im Laden zu öffnen, einerseits um eine Riechprobe zu nehmen, andererseits – im Falle von Waschmittel (seit dem Waschmittelflaschenvorfall) – um zu überprüfen, ob sich die Flasche überhaupt öffnen lässt. Ich habe dabei bisher stets ein leicht schlechtes Gewissen gehabt und diese Schnelltests nur in unbeobachteten Momenten durchgeführt. In der Online-Community "Kleiderkreisel" wurde diese delikate Angelegenheit ausgiebig diskutiert. Die Meinungen gehen weit auseinander, von "find ich ätzend und wenn ich es beobachte unterbinde ich das auch immer" über "Mal dran schnuppern ist ok, aber Versiegelung öffenen oder es gar benutzen geht gar nicht!!" bis "Das mach ich auch... bevor man etwas kauft, das nach Vanillepudding riecht". Die überwiegende Intuition scheint aber meiner zu entsprechen: dass Duftschwaden aus Behältnissen zu pressen noch vertretbar ist, in Niveadosen rumzurühren indes "meeeegaeklig".
Was tatsächlich akzeptabel ist, erfuhr ich neulich in einem Stern-Bericht über die Kette dm. "Wer möchte, soll so ausgiebig wie ungeniert Shampoos aus Tuben drücken, Finger in Cremetöpfe tauchen oder Teststifte auf Lippen schmieren. Langmut gehört zum Geschäftsmodell", heißt es darin. Mit dem Segen von Drogeriechef Götz Werner dürfen wir uns also benehmen wie die Schweine. Mysophobe sollten besser ausschließlich Waren von ganz hinten aus den Regalen nehmen.

Mittwoch, 29. April 2015

Granny-Awards

Seit wann wird die bekannte Sängerin Madonna eigentlich als "Pop-Oma" tituliert? Die Google-Zeitraumsuche bringt die Antwort an den Tag. Höchstwahrscheinlich hat die Süddeutsche Zeitung damit angefangen. In einer Klickstrecke vom 30. März 2009 anlässlich des 50. Geburtstags der bis dahin eher als "Pop-Ikone", "Pop-Königin" oder "Pop-Diva" bezeichneten Pop-Künstlerin heißt es: "Knapper Gymnasikbody [sic!], die Beine gespreizt, die Haare zur blonden Porno-Welle im Stil der 1980er Jahre gefönt – wie eine Pop-Oma sieht Madonna auf dem Cover ihres aktuellen Albums 'Hard Candy' nicht gerade aus." -- WEIL MAN MIT 50 VIELLEICHT NOCH KEINE OMA IST?! Also, genealogisch ist das zwar denkbar, aber dass das prototypische Omasein gerade in Zeiten erhöhter Lebenserwartung frühestens mit 60 beginnt, hätte die – übrigens auch bald 50jährige – Autorin Violetta Simon ruhig bedenken können, bevor sie sich zu diesem spöttischen Ausdruck hinreißen ließ. Wie auch immer, die Beschwerde kommt zu spät, und in der Berichterstattung über Madonnas letztes Album und ihre Live-Auftritte Anfang des Jahres war das Wort "Pop-Oma" dann praktisch unvermeidbar. Nach der SZ war es übrigens der Stern, der am 29. Mai 2009 in der herrlich-frechen Rubrik "Abgewatscht" mit der Großmutter-Benennung nachlegte. Ist das nun eine Sonderform von Sexismus, ein symptomatischer Fall von Ageism oder speziell gegen Madonna gerichtete Promi-Häme? Das sollen kundigere Menschen erforschen.

Donnerstag, 14. August 2014

Die kleine Liste

Die gelungensten Aussagen über Veronica Ferres in der aktuellen Ausgabe des Stern

- "ein Chamäleon der eigenen Fantasie"
- "Januskopf der Prominenz"
- "Die Solinger Welt von Veronica Ferres ist eine Apfelkuchen-Welt ohne Chichi"
- "Ansonsten spricht sie voller Atemhauch mit dieser wohlvertrauten Ferres-Stimme"
- "Profi der Instant-Inszenierung"
- "Es ist, als spiele Veronica Ferres vom ersten Moment an die Hauptrolle in ihrem eigenen Melodram"
- "eine Seiltänzerin zwischen Schein und Sein"
- "Zwischendurch knabbert sie getrocknete Maulbeeren"

Samstag, 13. April 2013

Weitere 26 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen

  • Schiffstau: Reep
  • in Reihen säen: drillen 
  • Schmelzgemenge: Fritte
  • Flachsbündel: Riste
  • künstlicher Uferschutzdamm: Buhne
  • kleine Bucht: Anse 
  • Abzugsgraben: Dole
  • Spachtelwerkzeug: Schabe
  • Träger in Bahnfahrzeugen: Frame 
  • Taschenklappe: Patte
  • Schote (norddt.): Pale
  • feiner Zitrusschalenstreifen: Zeste
  • Vorbau, Vorsprung: Risalit
  • Spule: Kops
  • englischer Staatsschuldschein: Konsol
  • Stoff für Gardinen: Etam
  • altes Getreidemaß: Simmer
  • Haltepflock für Pferdeleinen: Pilar
  • Färberpflanze, Resede: Wau
  • Segelrand: Liek 
  • starker Schiffsflaschenzug: Gien 
  • Uneinigkeit (ugs.): Knies 
  • Schiffsenterbalken: Ramm
  • viereckige Wandpfeiler: Anten
  • natürliche Polsterung: Kapok
  • ungehobelter Mensch: Rekel
Anm.: Kurz nachdem ich das Wort "Zeste" notiert hatte, begegnete es mir tatsächlich in einem echten Text. In der ersten Ausgabe des gerelaunchten Stern war zu erfahren, dass Renate Künast sich ein Leben ohne Zestenreißer nicht vorstellen kann.