Dass ich das noch erlebe: dass im Jahr 2026 die Entdeckung einer neuen Insel bekanntgegeben wird! Genau das ist diese Woche geschehen. Auf das Eiland gestoßen ist der deutsche Brecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) im Weddellmeer. Die nach ersten, durch Drohnenaufnahmen gewonnenen Erkenntnissen circa 130 Meter lange, 50 Meter breite und etwa 16 Meter aus dem Wasser ragende Insel war "zuvor auf den vorhandenen Seekarten lediglich als Gefahrenzone verzeichnet", wie es in der Pressemitteilung des AWI heißt. "Da es keine offizielle internationale namentliche Eintragung der Insel gibt, gilt es jetzt, den Benennungsprozess für eine solche Entdeckung zu durchlaufen." Danach kann sie in internationalen Seekarten eingezeichnet werden und hoffentlich auch bald in Google Maps erscheinen. Einer bestimmten Nation darf sie gemäß Antarktis-Vertrag nicht zugeschlagen werden.
Persönliche Randbemerkung: Eine ehemalige Mitschülerin von mir arbeitet als Geochemikerin beim AWI. Ob sie wohl Teil des 53-köpfigen Forschungsteams der Polarstern ist, die neue Insel womöglich sogar irgendwann betreten darf?
Donnerstag, 9. April 2026
Eiland in Sicht!
Donnerstag, 13. November 2025
Die Bibel für alles Mediterrane
Es gibt keine Entschuldigung dafür, dass ich als Inselfreak diesen Prachtband bis vor ein paar Wochen noch nicht in meinem Bücherregal stehen hatte: "Die Inseln des Mittelmeers" von Charles Arnold (Hg.).
Von seiner Existenz weiß ich schon lange, und vor etlichen Jahren hatte ich ihn mir auch schon mal aus der Bibliothek ausgeliehen, aber erst neulich dachte ich mir: Mensch, den musst du doch eigentlich besitzen. Nun besitze ich ihn.
Man muss vorausschicken, dass das Buch zwangsläufig nicht jede Mittelmeerinsel behandeln kann. Mehr als 1000 Inseln (Definition: "alle vom Wasser umgebenen Landflächen von mehr als einem Zehntel Quadratkilometer") werden lediglich namentlich und mit Lage und Größe aufgeführt, so etwa die recht berühmte französische Île d'If. Nicht wenige Eilande befinden sich in Privatbesitz; über jene dürfen vermutlich gar keine näheren Informationen, geschweige denn Besuchstipps herausgegeben werden.
Die 218 wichtigsten Inseln, und das heißt: alle größeren mit Übernachtungsmöglichkeiten, werden auf je einer Einzelseite mit allerlei nützlichen Informationen vorgestellt.
Locker über das Buch verteilt sind mehrere Aufsätze, z.B. zur Pflanzenwelt oder zur Entwicklung des Tourismus. Im Anhang finden sich ein umfangreicher Statistikteil sowie Satellitenaufnahmen aller relevanten Gebiete des Mittelmeers.
Ansprechende Fotos runden das Werk ab, welches ich hiermit allen, die sich irgend für Inseln begeistern können, wärmstens ans Herz lege.
Donnerstag, 20. Juli 2023
In the news: (Mir) unbekannte Inseln
Zwei Artikel auf "Spiegel online" erregten diese Woche wegen ihrer Insel-Thematik meine Aufmerksamkeit:
1.) Ein Inselparadies, das ohne Touristen auszusterben drohe, wurde, leider hinter der Bezahlschranke, portraitiert. "Vor der Küste von Mauke tanzen die Wale, und jede Urlauberin wird mit einem Blumenkranz begrüßt. Unsere Autorin entdeckt eine entschleunigte Insel, die ums Überleben kämpft." Mauke, das liest sich erst mal wie der Singular des brandenburgisch-berlinerischen Dialektwortes für "Füße", ist aber nach mündlicher Überlieferung der polynesischen Eingeborenen die "Insel von Uke", i.e. des legendären ersten Siedlers, weswegen ich für die alternative Schreibung Ma'uke plädiere. Die vormals auch als Akatokamanava oder Parry's Island bekannte Insel gehört zu den Cookinseln, und der im "Spon"-Vorspann erwähnte Blumenkranz wird aus den Blättern eines lokalen Gewächses namens maire geflochten. Die eis genannten Kränze gehören zu den wenigen Erfolgsschlagern des Eilands und werden sogar nach Hawaii exportiert, wo sie als leis um allerlei Hälse gehängt werden. Diese Informationen habe ich einer Seite mit der verwunderlichen Adresse www.ck entnommen.
2.) Nach einem grausigen Kampf zwischen rivalisierenden Banden in einem Gefängnis in Honduras, bei dem 46 weibliche Mitglieder ums Leben kamen, äußerte die honduranische Präsidentin Xiomara Castro einen radikalen Vorschlag: "Auf der Inselgruppe Islas del Cisne, rund 155 Meilen vor der Küste, soll demnach ein isoliertes Gefängnis für etwa 2000 Bandenführer entstehen." Die Islas del Cisne ("Schwaneninseln") sind ein aus drei Inseln bestehender Archipel im Karibischen Meer, der während der Kubakrise durch einen Piratensender und den Konflikt um die Schwaneninseln in die Geschichtsbücher einging. Nach dem Guano Island Act waren die "Swan Islands" nämlich ab 1856 von den USA beansprucht worden, bis diese ihren claim 1971 fallen ließen und der Archipel ein Jahr später offiziell an die spanischsprachige Republik überging. Ihre sowohl kommunikative als auch räumliche Abgeschiedenheit – die Anreise per Boot dauert einen Tag, Kontakt ist nur via Satellit möglich – prädestiniere die unbewohnten Inseln für die Unterbringung schwerstkrimineller Strippenzieher. "Die Idee ist, dass sie den Kontakt zu allem verlieren, den Kontakt zur gesamten Gesellschaft und dass sie wirklich für ihre Verbrechen bezahlen", zitiert "Spiegel online" den Chef der nationalen Streitkräfte.
Donnerstag, 15. Juni 2023
Der historische Acht-Meter-Tag
Huch, diesen Beitrag habe ich schon am 4.6. angelegt, dann aber vergessen zu Ende zu schreiben! Dabei ist diese Meldung doch das Aufregendste, was diesen Monat passiert ist. In brevi: "Deutschland ist jetzt acht Meter breiter" (bild.de)!
Es sind sogar 8,2 Meter, um die das Land gewachsen ist, denn um so viel ist der entscheidene Punkt auf der Grenzübergangsbrücke zwischen Deutschland und der Schweiz im baden-württembergischen Bad Säckingen verschoben worden. Der Südkurier weiß Genaueres: "Die Grenzverschiebung geht auf die neue Definition der Landesgrenze im Hochrhein zurück. War bislang der sogenannte Talweg, die Verbindung der tiefsten Punkte im Rhein, der Verlauf der Hoheitsgrenze, so wird es künftig die Rheinmittellinie sein. Die bisherige 'Landesgrenze Talweg', die bereits im Staatsvertrag zwischen dem Kanton Aargau und dem Großherzogtum Baden vom 17. September 1808 festgelegt wurde, wird jetzt abgelöst, weil sich die Lage der Rheintiefpunkte infolge Strömungsverhältnisse ständig ändert und diese somit keine festen Vermessungspunkte sein können."
Der faszinierendste Aspekt des novellierten Staatsvertrages ist jener: Sobald er in Kraft tritt, ist Deutschland um eine Binneninsel reicher. Lag die 0,4 Hektar große Fridolin(s)insel im Rhein ab 1808 eindeutig und vollständig auf Schweizer Territorium, war die Frage der Zugehörigkeit seit den 1960er Jahren wegen Materialabtragungen und -aufschüttungen im Zuge eines Kraftwerkbaus unklar; dass ein Teil schweizerisch und ein Teil deutsch sei, schien von da an die vorherrschende Meinung gewesen zu sein, wie ich mehreren Quellen entnehme. Nach einer Vertragsklausel von 2013 wird das Naturschutzgebiet nun, also: irgendwann in Zukunft in das deutsche Hoheitsgebiet übergehen.
Das (eher freundliche) Hickhack zwischen den Staaten kulminiert nicht zufällig im Jahr 2023: Heuer wird die Säckinger Brücke, übrigens die längste überdachte Holzbrücke Europas, 450 Jahre alt, und das Jubiläum war Anlass für die Neuvermessung.
Sonntag, 17. Juli 2022
EAZ
Quizfrage: Welches war das erste afrikanische Land, von dem die DDR offiziell anerkannt wurde? Nun, ich habe es in der Überschrift schon verraten: EAZ steht für "East Africa Zanzibar" und war das Kfz-Kennzeichen der kurzlebigen Volksrepublik Sansibar und Pemba. Die – nicht unblutigen – Umstände, die der Gründung des sozialistischen Staates Anfang 1964 vorausgingen, und wie das kleine Land keine vier Monate später in Tansania überging, können Interessierte selbst nachlesen, ich möchte die Gelegenheit aber primär nutzen, um einmal klarzustellen, was Sansibar im engeren und im weiteren Sinne überhaupt ist. Das wusste ich bis vor kurzem nämlich selbst noch nicht.
Der Sansibar-Archipel umfasst ziemlich viele Inseln. Sie waren früher als "Gewürzinseln" bekannt. Die drei größten gelten als Hauptinseln und sind: Pemba (die nördlichste); Unguja (südlich davon), die als Haupt-Hauptinsel ebenfalls Sansibar heißt und auf der die gleichnamige Hauptstadt liegt; und Mafia (die südlichste). Jede der drei großen Inseln ist wiederum von einer Reihe kleinerer Nebeninseln umgeben. Relativ abgeschieden, etwa auf der Höhe von Daressalam nördlich von Mafia, liegt noch Latham Island. Zusammen mit Pemba und Unguja bildet es den halbautonomen tansanischen Teilstaat Sansibar. Mafia hingegen zählt offiziell zu Tanganjika, also zum Festland Tansanias. Als sich Tanganjika 1964 mit der Volksrepublik Sansibar und Pemba zu dem neuen Staat vereinigte, wurde bewusst ein Name gewählt, der die Teilgebiete zum Ausdruck bringt: Tan- (von Tanganjika), -san- (von Sansibar) und -ia (von Azania).
Halten wir fest, dass "Sansibar" vier verschiedene Dinge meinen kann: eine Inselgruppe, eine Insel darin, eine Stadt darauf sowie einen Teilstaat der Republik Tansania. Zudem kann man das historische Sultanat Sansibar kurz so bezeichnen, welches, nebenbei bemerkt, in dem knappen Monat vor der Ausrufung der Volksrepublik eine Flagge führte, in der Gewürznelken zu sehen waren:
Ich hatte tatsächlich schon überlegt, ob ich diesen Beitrag in meine Reihe "Hübsche Flaggen untergegangener Staaten" integriere, aber die Flagge von Sansibar und Pemba war unspektakulär:
Das ist allerdings nur die zweite Version! Der kaum auffälligere Vorgänger, schwarz-gelb-blau, war bis zum 29. Januar 1964 in Gebrauch. Seit 2005 hat die Region Sansibar eine eigene Fahne, die alte Tricolore, mit der tansanischen Nationalflagge in der Ecke:
Der Vollständigkeit halber hier noch die in der Volksrepublik-Phase vorübergehend genutzte eigene Flagge von Pemba, die mich mit meiner leichten Rot-Grün-Farbschwäche ein wenig anstrengt:
Die übrigen Staaten in Afrika, welche die DDR anerkannt haben und sich damit gegen die Hallstein-Doktrin stellten, waren übrigens: Guinea, Algerien, der Sudan, Ägypten, die Republik Kongo (i.e. Kongo-Brazzaville, nicht das ehemalige Zaire), die Zentralafrikanische Republik und Somalia. In welcher Reihenfolge die Anerkennungen erfolgten, konnte ich auf die Schnelle nicht recherchieren.
Freitag, 17. Juni 2022
Kurz notiert: Der Frieden von Hans
Der jahrzehntelange Streit um die winzige, unbewohnte Insel Hans im Kennedy-Kanal hat ein Ende. Beigelegt wurde der dänisch-kanadische Konflikt, den die Medien wegen seiner kreativ ritualisierten Austragung gerne "Whisky-Krieg" nannten, mittels der unkreativsten aller möglichen Lösungen: indem man eine offizielle Grenze quer über das Eiland gezogen hat. Einen entsprechenden Einigungsvertrag unterzeichneten diese Woche Kanadas Außenministerin Mélanie Joly, Dänemarks Außenminister Jeppe Kofod und der grönländische Premierminister Múte B. Egede bei einer Zeremonie in Ottawa, an deren Ende noch einmal Spirituosen ausgetauscht wurden, wie u.a. die Süddeutsche Zeitung berichtete. Irgendwie ist es bedauerlich, dass dieses politisch-geographische Kuriosum nun der Vergangenheit angehört, andererseits sind territoriale Auseinandersetzungen nicht lustig. "Angesichts von Russlands Angriffskrieg in der Ukraine betonte Joly die Bedeutung der friedlichen Einigung in einem Grenzstreit: 'Wir wissen, dass wir diplomatisch zusammenarbeiten können, um Streitigkeiten auf der Grundlage von Regeln und Prinzipien beizulegen.'" (SZ)
Eine nicht uninteressante Fußnote der Chose ist, dass Grönland mit der Teilung der Hans-Insel seine erste Landgrenze bekommen hat. Kanada hat dadurch (nach jener zu den USA) eine zweite erhalten, genau wie das Königreich Dänemark (nach jener zu Deutschland; nein, die Grenze zu Schweden auf der Öresundbrücke zählt nicht). Falsch ist die Behauptung von n-tv: "Die Europäische Union grenzt zukünftig an Kanada!" Grönland ist 1985 nach einem Referendum im Jahr 1982 aus der EG ausgetreten.
Montag, 28. Februar 2022
Neu im Buchhandel, Abt. Sachbuch/Reise
Freitag, 21. Januar 2022
Klischees und Schwergewichte
Montag, 11. Juni 2018
Faszinierende Insel: Hans
* Ob der Name der Insel Elsweyr aus den "Elder Scrolls" darauf anspielt? Von der Lage und der Klimazone her ist diese allerdings das glatte Gegenteil von Ellesmere.
Mittwoch, 7. Juni 2017
Palmyra and beyond
Zum Verständnis: Als Territorium bezeichnet man alles, was kein Bundesstaat war oder ist. (Die seltsamen administrativen Sonderzustände von Washington, D.C., und Guantanamo Bay seien in diesem Zusammenhang direkt außen vor gelassen.)
Man unterscheidet
3. uneingegliederte, unorganisierte Territorien (unincorporated unorganized territories): Der Begriff der "Unorganisiertheit" scheint sich bei diesen zehn Territorien lediglich daraus zu ergeben, dass sie bis auf immer wieder vorübergehend hier stationiertes wissenschaftliches Personal gänzlich unbewohnt sind. Die im Pazifik, im Nordatlantik / in der Karibik verstreuten Gebiete werden bzw. wurden vom US-Innenministerium, vom Verteidigungsministerium, von der Navy und von der Air Force beansprucht und/oder verwaltet. Auf den Wake-Atoll erheben zusätzlich die Marshallinseln Ansprüche, auf die Insel Navassa zudem Haiti. Die Serranilla-Bank und die Bajo-Nuevo-Bank werden derzeit von Kolumbien verwaltet, aber auch Jamaika, Honduras und Nicaragua streiten immer wieder um diese Fleckchen Land. Etliche dieser Territorien wurden im Zuge des Guano Island Act von 1856 annektiert: US-Hoheit dank Vogelkacke ...
Die Hauptinsel von Palmyra ist Cooper Island. Hier befand sich während des Zweiten Weltkriegs erstmals eine größere Gruppe Menschen. "Zu dieser Zeit wurden neben der Landebahn zahlreiche Straßen gebaut, die inzwischen fast vollständig überwuchert sind. Doch noch heute sind Teile des Atolls wegen Relikten aus dieser Zeit gesperrt." (Wikipedia) Heute leisten hier rund 20 "non-occupants" Klima- und andere Forschung im Dienste verschiedener Behörden sowie der Nature Conservancy, in deren privatem Besitz der Archipel z.T. liegt. Auch der Rotfußtölpel, welcher den lateinischen Namen Sula trägt (bekannt aus diesem Blog!), nennt Palmyra sein Zuhause. Und dann gibt es da noch die Legende um einen spanischen Piratenschatz ...
Dienstag, 24. März 2015
Sprechen Sie Seegurkisch?
Sprache des täglichen Lebens ist die dritte Amtssprache, eine auf dem Englischen basierende Kreolsprache namens Bislama, welche laut Wikipedia von 210.000 Menschen gesprochen wird, wobei die Zweitsprecher schon eingerechnet sind; was die Muttersprachler angeht, so gibt Ethnologue 10.000 an (plus 2.300 in Neukaledonien) und die Seite Omniglot 6.200. Abgesehen von einigen ozeanischen Lehnwörtern (französische gibt es auch) versteht man den Inhalt von Bislama-Textsampeln ganz gut, v.a. wenn man eine englische Übersetzung danebenstellt: "Evri man mo woman i bon fri mo ikwol long respek mo ol raet. Oli gat risen mo tingting mo oli mas tritim wanwan long olgeta olsem ol brata mo sista." = "All human beings are born free and equal in dignity and rights. They are endowed with reason and conscience and should act towards one another in a spirit of brotherhood." (Beispiel aus "Omniglot" übernommen)
Kurios ist die Herkunft des Namens Bislama: Es handelt sich letztlich um eine Verballhornung des französischen bêche de mer, was "Seegurke" heißt. Bislama wurde im 19. Jahrhundert von den lokalen Arbeitern als Kontaktsprache entwickelt und genutzt – und eine von deren Hauptbeschäftigungen war das Einsammeln von ebenjenen Stachelhäutern.
Neben Seegurken sind auch Schweine von Bedeutung für die ni-Vanuatu (so heißen die Einwohner/-innen). Wer viele Schweine besitzt, gilt als reich. Sie dienen als Nahrung, Handelsgut und Opfertiere. Das Rot in der Flagge Vanuatus symbolisiert denn auch das Blut geopferter Schweinsviecher. Indigene Religionen sind jedoch von allerlei (reformierten) christlichen Glaubensrichtungen verdrängt worden. Eine kleine Rolle spielt noch die sogenannte Prinz-Philip-Bewegung, ein Kult, in welchem der britische Prinzgemahl als Gott verehrt wird!
(Neuer Eintrag auf meiner To-do-Liste: Gottheit in einem Südseekult werden)
Freitag, 26. Dezember 2014
Neun faszinierende Inseln
Die erste Insel, die ich vorstellen möchte, ist gar keine Insel, sondern ein Eiland, nämlich ein unbewohnbarer Felsen mit den Maßen 25 mal 31 Metern namens Rockall. Er befindet sich ungefähr in der Mitte der Fläche zwischen Is- und Irland. Neben diesen beiden Staaten erheben auch Dänemark (genauer: die Färöer-Inseln) und das Vereinigte Königreich territorialen Anspruch darauf. Im Juni 2010 sollte eine Konferenz der vier Länder stattfinden, die jedoch wegen des Fehlens wichtiger Teilnehmer ausfallen musste, sodass die Hoheitsfrage bis dato (Dezember 2014) nicht geklärt ist. Jedenfalls ist dieses Eiland seit langer Zeit bekannt, einer irischen Legende zufolge soll es entstanden sein, als der sagenhafte Riese Finn McCool einen Kieselstein ins Meer schleuderte. Es ist mehr als ein Mal vorgekommen, dass ein Schiff an dem Felsen aufgelaufen und daraufhin gesunken ist.
Touristisch stellt Rockall lediglich eine Nischen-Destination dar. Neben dem britischen Survival-Profi Tom McClean, der sich 40 Tage dort aufhielt, und ein paar Amateurfunkern wurde Rockall im Jahr 1997 von Greenpeace-Mitgliedern besetzt. Am Ende dieser Aktion wurde ein solarbetriebenes Warnlicht auf dem Inselchen errichtet, versehen mit der Inschrift "ROCKALL SOLAR BEACON. Let the sun and wind do their work, leave the oil beneath the waves – Greenpeace July 1999". Die geringe Fläche Rockalls wird übrigens durch seine beachtliche Höhe wettgemacht – immerhin 21 Meter ragt die Felsspitze aus dem Atlantik empor. Es gibt sogar so etwas wie eine Fauna, bestehend aus Muscheln und anderen Kleinlebewesen. Auch Zugvögel kommen gerne mal auf einen Abstecher vorbei.
Freitag, 24. August 2012
A Tale Of Two Islands (A Christmas Carol)
Eindruck kann hierzulande schinden, wer weiß, wie man den Namen des kleinen Inselstaates korrekt ausspricht, nämlich Kiribas. In der gleichnamigen Landessprache (auch I-Kiribati, Kiribatisch oder – nach den Gilbertinseln – Gilbertesisch genannt) wird die Zeichenfolge -ti- wie ein scharfes s gesprochen. Das Kiribatische, eine malayo-polynesische Sprache mit etwas mehr als 100.000 Sprechern, ist auch deswegen bemerkenswert, weil es mit nur 15 Phonemen einen sehr kleinen Lautbestand aufweist (der Durchschnitt liegt bei ca. 30). Neben 10 Konsonanten gibt es die Vokale a, e, i, o, u, jeweils kurz und lang (so dass man streng genommen von 20 Phonemen ausgehen kann). Diese Laute werden mit nur 13 Buchstaben wiedergegeben: a b e i k m n ng o r t u w. Wie man sieht, kommt <s> gar nicht vor.
Zu Kiribati gehört u.a. das Atoll Kiritimati, das – na, wer hat aufgepasst? – ungefähr Kirismas ausgesprochen wird. Und das klingt so ähnlich wie das englische Wort Christmas, weshalb man die Inselgruppe sowie die Hauptinsel auch als Weihnachtsinsel kennt. Zufall? Leider nein. Die Insel war vor dem Eintreffen der Engländer 1777 noch einwohner- und namenlos. Weil aber James Cook am 24. Dezember dort ankam, taufte er die Insel Christmas Island, was erst nachträglich an die einheimischen Schreibgewohnheiten angepasst wurde (die Verschriftlichung erfolgte erst im Rahmen der Missionierung Mitte des 19. Jahrhunderts).
Durch die Schreibweise Kiritimati besteht zumindest keine Verwechslungsgefahr mit dem bekannteren, zu Australien gehörigen Christmas Island. Dieses heißt so, weil am 1. Weihnachstfeiertag 1643 der britische Kapitän William Mynors ebenda aufkreuzte. Es gibt noch eine dritte Weihnachtsinsel: Sie ist Teil von Nova Scotia, Kanada, und nach einem Einwohner mit dem Familiennamen Christmas benannt.


























