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Freitag, 16. Januar 2026

Ohne, Sorgen.

Auf "Legal Tribune Online" las ich kürzlich den spaßigen Artikel "Wie ein fehlendes Komma das Recht veränderte" von Martin Rath, dessen Texte eh meistens erhellend sind. Dieser Beitrag nun, an dem mich lediglich störte, dass statt "Komma" ständig das dumme Synonym "Beistrich" gebraucht wird, streift die Beantwortung einer Frage, die ich mir noch nie gestellt hatte, ich mir aber hätte stellen müssen, als ich vor einigen Jahren das berühmteste Wahrzeichen Potsdams besichtigte: Warum steht am Schloss Sanssouci, genauer: an dessen Mittelrisalit, der Schriftzug

SANS, SOUCI.

? Mit Komma und Punkt. Der LTO-Artikel verweist auf die zurzeit vergriffene Monographie "Das Komma von SANS, SOUCI. Ein Forschungsbericht mit Fußnoten". In diesem behauptet der "sehr gewitzte Historiker H. D. Kittsteiner (1942–2008)", wohl eher augenzwinkernd und wissenschaftsparodistisch, die Lösung in einem "Lehrbuch der Geheimschreibekunst (Chiffrir- und Dechiffrirkunst) in Staats- und Privatgeschäften" von 1809 gefunden zu haben. Darin vorgestellt wird nämlich u.a. die "Geheime Polizeischrift", die als frühe und zugleich stärker formalisierte Version der verschlüsselten Patientenbeleidigungen in der Arzt-Arzt-Kommunikation ("Patient hat C2-Problem" für "... ist alkoholkrank" [C2 = C2H5OH]) oder auch der Geheimcodes in Arbeitszeugnissen ("... hat durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen" = "... hat ein C2-Problem") verstanden werden kann. Über die Farbe des Papiers zum Beispiel wurde die Herkunft der polizeilich behandelten Person vermittelt ("blaues Papier: Franzose, rotes: Spanier, grünes: Holländer, blau und rot: Kölner"). Und jetzt kommt's:

Satzzeichen sollten nach dem Namen gesetzt werden, um die Religion der Person zu markieren: "1) Katholik oder Grieche, Kolon; 2) Augsburgischer Confession verwandt (lutherisch), Semikolon; 3) Reformiert, Comma; 4) Jude, ein Strich (–); 5) Naturalist, ein Punct; 6) Atheist, kein Zeichen." – Unter einem "Naturalisten" war ein Deist zu verstehen.
Wende man diese Interpunktionschiffre auf "SANS, SOUCI." an, so Kittsteiner, erhalte man die Aussage "Ohne den Calvinisten sorgenfrei als Deist" oder auch "Ohne Fatalismus lebt man sorgenfrei als Deist" (zit. n. Wikipedia). Friedrich II., unter dem Sanssouci erbaut wurde, habe damit unbemerkt und doch unübersehbar seinen verhassten Vater kritisieren wollen. Ob dem so war, wird sich wohl nie zweifelsfrei beweisen lassen. Hatte der Alte Fritz überhaupt Kenntnis von der Geheimen Polizeischrift? Reizvoll ist die Interpretation allemal.

Donnerstag, 17. Juli 2025

Stanford and Sohn

In meinem Notizdokument (notizen.txt) stand noch ein Link, von dem ich nicht mehr weiß, warum ich ihn darin aufgenommen hatte. Er führt zum Wikipedia-Eintrag "Stanford University". Vermutlich ging es mir um diese zwei Interessantheiten: 1. Ihr Spitzname ist "Die Farm" ("the Farm"), denn auf dem Hof der Stanfords in Palo Alto wurde sie 1891 eröffnet. 2. Der Wahlspruch der Universität lautet "Der Luft der Freiheit weht". Jawoll, auf deutsch.


Das ist ein Ausspruch des Reformators Ulrich von Hutten. Zu gerne würde ich den Satz von amerikanischen Studierenden ausgesprochen hören. Ganz im Ernst, ich finde es mausig, wenn Amerikaner deutsch sprechen. Bei Latein dagegen – einer Sprache, in der viele Uni-Mottos formuliert sind – rollen sich mir die Zehennägel hoch, vernehme ich sie aus US-amerikanischen Mündern.

Sonntag, 8. September 2024

Und was sagst du so?

Ich sehe es als meine Pflicht an, wie ich es im Januar 2012 (!) zum ersten Mal getan habe, darauf hinzuweisen, dass eine neue Erhebungsrunde im "Atlas zur Deutschen Alltagssprache" gestartet ist bzw. hat, Nr. 14 inzwischen. Diesmal bin ich besonders entzückt, wird doch nicht nur auf meine Anregung hin erörtert, wie verbreitet die Formulierung "alles dreis" ist, auch geht es in einem Punkt (zufällig direkt darunter) um die dialektologisch nur peripher bedeutsame Frage nach der Zubereitung von Kartoffelsalat – ein Streitthema, das ich in einer meiner letzten Titanic-Newsletter-Kolumnen berührte.

Außerdem sind die Ergebnisse der 13. Runde da! 

Freitag, 19. April 2024

Zuerst die gute Nachricht ...

Stellt euch vor, ihr bekommt die Aufgabe, eine Minigolfanlage aufzuwerten. Wie bewerkstelligt ihr das? Mit hoher Wahrscheinlichkeit dadurch, dass ihr aufregende Features einbaut, neue Bahnen anlegen lasst, Hindernisse erweitert, kurz: indem ihr Dinge hinzufügt – auch wenn euch explizit erlaubt worden ist, Dinge zu entfernen, etwa "einen Sandbunker (eine 'Falle', aus der man den Ball nur schlecht wieder herausspielen kann)". Diese Neigung des Menschen zum Hinzufügen wird als addition bias bezeichnet und seit kurzem wissenschaftlich untersucht. Die Minigolf-Aufgabe wurde tatsächlich mit Versuchspersonen durchgespielt, das Ergebnisse 2021 in Nature veröffentlicht:

Die Teilnehmenden sollten alle ihre Ideen auflisten, wie man die Bahn verbessern könnte. Dabei wurden sie auch darum gebeten, auf die Kosten ihrer vorgeschlagenen Änderungen zu achten. Trotz dieses Hinweises generierten nur 28% aller Teilnehmenden zumindest eine einzige Idee, die das Entfernen eines Elements betraf. Und selbst von jenen Teilnehmenden, die nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen wurden, dass sie etwas [...] auch entfernen können, generierten nur 43% zumindest einen Vorschlag, bei dem ein Element entfernt würde.

Der menschliche Instinkt, Verbesserung durch "additive Transformation" erreichen zu wollen, sprich: der Gedanke "Mehr ist besser", scheint sich auch in der (deutschen) Sprache niederzuschlagen. Das legt die jüngere linguistische Forschung nahe. S. Wolfer / A. Koplenig / M. Kupietz / C. Müller-Spitzer vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache Mannheim legen ihre diesbezüglichen Erkenntnisse in Ausgabe 1/2014 des Sprachreport nieder. (Daraus auch obige Zitate, den Nature-Artikel von Adams et al. 2021 betreffend.) Das Team bediente sich eines neuen Datensatzes zu Worthäufigkeiten namens DeReKoGram, basierend auf dem DeReKo, dem riesigen Deutschen Referenzkorpus. "Gram" nimmt dabei Bezug auf sog. n-Gramme, also Einzelwörter (Unigramme), Zweiwortverbindungen (Bigramme) usf., deren Frequenz ermittelt werden soll; aus diesem Blog bekannt ist womöglich der Google Ngam Viewer.

Es stellt sich heraus: Nicht nur sprechen und schreiben wir häufiger vom Hinzufügen als vom Wegnehmen, auch geben wir, wenn von beidem die Rede ist, der Addition den Vorrang. Und nicht nur beim Dualismus Mehr/Weniger macht sich der Additionsbias bemerkbar, auch bei anderen Bereichen, "die einer gewissen Polarität unterworfen sind", scheint sich eine Bevorzugung von "positiv polarisierten Wörtern" niederzuschlagen. Beispiele für solche Gegenstandsbereiche sind Progression (mit Partnerwörtern wie vorwärts und rückwärts), Wertigkeit (z.B. nützlich vs. nutzlos), Höhe (hinauf vs. hinab usw.) und sogar Reichtum. In letzteren fallen allerdings und interessanterweise zwei der vier Paare von Wörtern, bei denen das negativ polarisierte häufiger auftrat.

Für die beiden Paare [wohlhabend vs. bedürftig und finanzstark vs. finanzschwach] liegt keine unmittelbare Erklärung auf der Hand (wobei es Ausdruck einer Präferenz in Zeitungstexten sein könnte, eher finanzschwache als finanzstarke Gesellschaftsschichten zu fokussieren).

Hier betreten wir ein interdisziplinäres Feld zwischen Soziologie, Politik, Kommunikations- und Sprachwissenschaft! Wer bisher mit Korpuslinguistik auf Kriegsfuß stand (wie ich, zugegebenermaßen), möge sich von dem achtseitigen Sprachreport-Beitrag wider jedes Vorurteil bezaubern lassen. Wer den Datensatz-Overload als zu trocken und mathematisch empfindet und die Analyse überspringen will, für den gebe ich das Entscheidende wieder: "Wir können daraus schließen, dass in der deutschen Sprache – zumindest in den untersuchten Gegenstandsbereichen und für unsere Wortauswahl – in der Tat eine Neigung besteht, positiv polarisierte Wörter häufiger zu verwenden als negativ polarisierte." Und als Parallelbefund lässt sich festhalten, "dass in der (über DeReKoGram erfassten) deutschen Sprache in der Tat positiv polarisierte Wörter in Paarnennungen mit und und oder eher als erstes genannt werden."

Der addition bias ist übrigens so unbeackert, dass er in der doppelseitigen Sammlung unbewusster Denkschemata, die im Wissensteil der Süddeutschen Zeitung vom 28./29. Mai 2022 abgedruckt wurde und die ich wohlweislich aufgehoben habe, nicht auftaucht.


Nicht weniger als 184 Fehlschlüsse, Heuristiken und Reflexe sind darin aufgelistet, darunter Klassiker wie der Dunning-Kruger-Effekt und die Überlegenheitsillusion, aber auch Putziges wie der Bias-Bias ("Möglichkeit, dass Denkfehler zu oft diagnostiziert werden"). Das ist sooo geil! Wer eine höherauflösende Ansicht haben möchte, kann mich gerne kontaktieren.

PS in eigener Sache, das nix mit diesem Beitrag zu tun hat: Am Schwerpunktteil der heutigen Ausgabe des "ZDF Magazin Royale" habe ich tatkräftig mitgewirkt. Schaltet doch mal ein!

Sonntag, 19. April 2020

Keinen Zacken aus der Krone gebrochen

Neulich las ich einen Artikel über Crown Shyness. Dabei handelt es sich um das Phänomen, dass das Kronengeäst benachbarter Bäume nicht ineinander wuchert, sondern respektvoll, aber relativ knapp Abstand hält. So ergeben sich einzigartige Muster, durch die man von unten in den Himmel schauen kann (zum Beispiel mit Hilfe der Google-Bildersuche).
Was aber steckt hinter der "Kronen-Schüchternheit"? "Manche Forscher vermuten, dass der Baum an den Enden der äußeren Zweige sein Wachstum einstellt, sobald er sich zu weit den äußeren Blättern seiner Nachbarn nähert – um eine Verschattung zu verhindern. Andere glauben, bei dem luftigen Grenzstreifen könne es sich um eine Abwehrmaßnahme gegen fressende Insektenlarven handeln." (geo.de) So oder so muss man den Bäumen, ohne gleich Peter-Wohlleben-Romantik zu beschwören, eine besondere Art, ja: intelligenten Verhaltens zuschreiben. Kommunikation zwischen Pflanzen bzw. von Pflanzen mit Tieren, das scheint mir ein unbedingt weiter zu erforschendes Gebiet zu sein. Man denke an Gewächse, die in der Lage sind, die Farbe oder gar die Geschmacksintensität ihrer Früchte zu regulieren, um sie für samenvertilgende und -verbreitende Waldbewohner mehr oder weniger attraktiv zu machen.
In diesem Zusammenhang muss noch einmal das dem ersten Teil von Clemens J. Setz' Roman "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" vorangestellte Zitat wiedergegeben werden, welches leider ebenso fiktiv ist wie der Mann, dem es zugeschrieben wird:

Ich hab's für bare Münze genommen.

Dienstag, 16. Januar 2018

Leave no pun behind

Ich ärgere mich jedes Mal, wenn die Gelegenheit, ein Wortspiel zu machen, nicht genutzt wurde. So etwa vor ein paar Monaten, als ich ein SWR2-Feature über bedrohte Klänge und ausgestorbene Geräusche hörte. Der Beitrag begann mit einem Einblick in die wissenschaftliche "akustische Spurensuche" im nächtlichen Dschungel: Zu hören war ein südamerikanischer Ochsenfrosch. Dann hieß es: "Steffen Reichle und Carmen Quiroga gehören zum 'Rapid Assessment Team', einer Gruppe von internationalen Biologen, die ein Stück bolivianischen Regenwalds erkunden und bewerten sollen". Verdammich, dachte ich, warum heißt diese Lurchbelauschungsgruppe denn nicht "Ribbit Assessment Team"?!?!?!

Donnerstag, 11. Januar 2018

Sternenstaub zu Sternenstaub

Frage: Was haben Georgi Dobrowolski, Wiktor Pazajew und Wladislaw Wolkow gemeinsam?
Antwort: Den Todestag (29.6.1971) sowie den Todesort. Dieser wird in der deutschen Wikipedia mit Karaganda im heutigen Kasachstan angegeben. Näher an der Wahrheit ist jedoch – und das ist die Besonderheit – das, was die englischsprachige Wikipedia angibt: outer space. Tatsächlich sind die genannten Herren die bisher einzigen drei Menschen, die im Weltall gestorben sind. Die Opfer anderer Raumfahrtkatastrophen wurden allesamt innerhalb der Erdatmosphäre getötet: die Challenger-Crew unmittelbar nach dem Start, die Columbia-Besatzung beim Wiedereintritt. Auch Wladimir Komarow, der als erster während einer tatsächlichen Raumfahrtmission Umgekommener gilt (die vorigen Unglücke ereigneten sich bei Tests/Simulationen), lebte noch solange, bis er mit seiner Rückkehrkapsel im Oblast Orenburg aufschlug. Die Kosmonauten Dobrowski, Pazajew und Wolkow hingegen erstickten in über 100 Kilometern Höhe. "Ein Frischluftventil hatte sich beim Absprengen des Service-Moduls nach erfolgtem Bremsmanöver noch im All zu früh geöffnet, so dass die Atemluft aus der Rückkehrkapsel entwich." (Wikipedia)
Falls mein Lebenslicht an einem anderen Ort als auf der Erde erlöschen sollte, bitte ich um korrekte Angabe in meiner Biographie. Aber natürlich auch so.

Donnerstag, 27. April 2017

Ain't no Holle-back girl

In der Ausgabe 15/2017 des Spiegel weckte ein Artikel mit dem Titel "Das Geheimnis der Schneefee" meine Leselust. Es ging darin um die durch jüngere archäologische und heimatkundliche Befunde gestützte Theorie, dass die Märchenfigur Frau Holle auf die Gemahlin Odins zurückgeht. Der Zweiseiter begeisterte mich bis kurz vorm Ende: Dann meinte der Autor, sich zu der Mutmaßung hinreißen zu lassen, solche Erkenntnisse dienten allenfalls dazu, dem strukturschwachen Nordhessen einen Touristikboom zu bescheren, er sah in all dem "Verdrehungen" und ein "Gespinst aus Märchenmurks, Götterdämmerung und Spuk". Diese unangebrachte Häme veranlasste mich dazu, den ersten Leserbrief meines Lebens zu schreiben. Und was macht die Spiegel-Redaktion damit? Druckt den Scheiß auch noch ab:


Ich hoffe, es glaubt jetzt niemand, dass ich lediglich diese zwei Sätze eingeschickt hätte! Mein ursprungliches Gemecker war deutlich umfangreicher und enthielt die geistreiche Bemerkung, die Märchenforschung werde von den Nachbardisziplinen stiefmütterlich behandelt. So, wie er da steht, kommt mein Leserbrief nur pampig und unelaboriert rüber – also genau so, wie es dieser Textsorte wesenseigen ist, waaah! Ich bin jetzt einer von denen. Bloß gut, dass ich nicht auch noch, wie es bei denen üblich ist, bei der Grußformel meinen Doktorgrad vor meinen Namen gesetzt habe ...

Dienstag, 10. Januar 2017

Mut zum Mammut!

Ende letzten Jahres wurde ich via Facebook daran erinnert, dass bereits Ende 2011 Wissenschaftler angekündigt hatten, ein Mammut zu klonen. "Jetzt geht's los! Let's play God!", freute ich mich damals. Seitdem geisterten immer wieder Meldungen, hauptsächlich aus China und Russland, über neue Fortschritte in der Mammut-Wiederauferstehung durch die Medien. Doch nichts Konkretes war und ist zu vernehmen. Stattdessen liest man unwichtige Zukunftsnews über eine "Mammut-WM"! Wie lange dauert es noch? Ich wünsche mir so sehr, den Abschluss dieses Mammutprojektes (sorry) noch zu erleben. Man sollte das Tier (oder besser: die Tiere) sodann auswildern, auf Kamtschatka etwa, denn es braucht sicherlich ähnlich viel Auslauf wie sein moderner Cousin, der Elefant. Dadurch könnte der Tourismus in Sibirien & Co. angekurbelt werden (Safaris, "mammoth watching"). Wünschenswert wäre auch, dass das Fleisch der Rüsseltiere ungenießbar und ihr Elfenbein möglichst spröde ist, damit sie nicht zur Beute geldgieriger Großwildjäger werden.

Sonntag, 12. Juni 2016

Schabe, Schmetterling & Co. (Lektüretipp)

Vor einiger Zeit habe ich antiquarisch ein herrliches Büchlein erworben:


Die abgedruckten Vorträge wurden im Winter 1860/61 in Genf, ursprünglich in französischer Sprache, gehalten und lesen sich heute wunderbar schwülstig. So endet das Vorwort mit diesen schönen Zeilen: "Fast beginne ich zu glauben, daß unser Titel falsch gewählt ist und heißen sollte: Zehn Opialpillen, zur Beruhigung aufgeregter Gemüther aus Naturbeobachtung gedreht – mit gnädigem Privilegio sämmtlicher allerhöchster, höchster und hoher Regierungen."

Beruhigend geht es bei diesem hochemotionalen Thema indes nicht durchweg zu. "Die wirkliche Natur ist ein beständiger Kriegszustand", stellt der brutaldarwinistische Autor gleich im ersten Kapitel klar, und die den jeweiligen Lebewesen zugeordneten Attribute verwendet er "ganz im Sinne des hausbackenen, menschlichen Egoismus, ohne mich weiter um die große Frage des Guten und Bösen in der Natur in irgend einer Weise zu bekümmern." Und: "Ich beschränke mich durchaus auf die Beziehung der Thiere zu dem Menschen, den ich als unbeschränkten Thyrannen der Schöpfung de facto anerkenne". Leitgedanke: Man lasse sich niemals durch Oberflächlichkeiten und Vorurteile die nüchterne Sicht auf die triebgesteuerte Tierwelt vernebeln! "Jenes Vögelchen, das so graziös von Zweig zu Zweig hüpft und zuweilen seinen Gesang ertönen läßt, hegt während seiner scheinbar friedlichen Beschäftigung nur Mordgedanken gegen die Fliegen [...]; die Schlupfwespe, welche von Blume zu Blume wippt, sucht ein unglückliches Opfer, auf dessen Kosten sich ihre Nachkommenschaft ernähren soll."

Welche Tiere sind es nun, die falsch eingeschätzt werden? Zum Beispiel der Maulwurf, welcher zwar ein paar unansehnliche Erdhaufen auf der Wiese hinterlässt, dafür aber "im Durchschnitte die Hälfte seines Gewichtes täglich" an Schadinsekten ("Werren oder Engerlinge") vertilgt. Apropos: "Die Maden sind ekelhafte Thiere", heißt es in der zehnten Vorlesung. "Moder und Koth, faulender Stoff, stinkendes Sumpfwasser, Schleim und Eiter sind die Umgebungen, in welchen sie sich gefallen". In diesem Zusammenhang lernt man u.a. "die schreckliche Hessenfliege" kennen, "von welcher man einst irriger Weise in Nordamerika glaubte, sie sei von den armen hessischen Soldaten, welche ihr gnädiger Landesvater übers Meer an die Schlachtbank gegen baares Geld verkaufte, mit dem Stroh nach Amerika eingeschleppt worden." Ein 100%-iges Harmlosigkeitszeugnis kriegt allein der Schmetterling ausgestellt: Er "lebt eigentlich nur der Liebe, wenn er diese auch nicht von dem höheren seelischen Standpunkte aus auffaßt."

Ganz wenig übrig hat Herr Vogt für Adebar. "Der Storch ist der boshafteste, zornigste und mordlustigste Egoist, der sich denken läßt: dem Mörder gleich mordet er selbst dann, wenn seine Freßgier befriedigt ist, greift selbst das brütende Weibchen und die Nestjungen seines Nachbars an, und was die gerühmte Gattentreue betrifft - - -" Besser kommen da schon die Eulen weg. Deren schlechter Ruf als Vorboten von Todesfällen lässt sich nämlich ganz rational abtun: In ländlichen Gegenden, wo es abends noch richtig dunkel wurde, musste man, anders als in den gaslaternenerstrahlten Städten, ein Licht anzünden, wenn sich ein familiärer Sterbevorgang bis in die Nacht hinzog, und diese Lampen haben halt schon mal den einen oder anderen nachtaktiven Vogel angezogen. Das Volk dann so: Oh-oh bzw. uhu, die Eule vor dem Fenster kündet vom Tode!

Am Ende gibt es dann sogar einen kleinen Shitstorm! Vogt lässt sich in der neunten Vorlesung, in welcher man auch erfährt, dass New York schon damals ein Bettwanzenproblem hatte, über die Schabe aus: "[I]n Rußland besonders wimmeln nicht nur die Bauernhäuser und Kneipen, sondern die Gasthöfe und Edelsitze von diesen häßlich riechenden Thieren so sehr, daß mir Freunde erzählen, die Wände hätten ihnen in Gaststuben anfänglich aus gebuckeltem Nußbaumholz gebildet erschienen". Dagegen habe es im Nachhinein erregten Widerspruch aus der Zuhörerschaft gegeben: "Man hat mir vorgeworfen, ich übertreibe. Nachdem man mir zuerst die Existenz der Schaben rundweg abgeleugnet hatte, versicherte man, nur in den niedrigsten Hütten gäbe es 'Preußen' [in Russland ugs. für Schaben; Anm.] und niemals in solcher Menge, wie ich behauptet hätte." Zu seiner Verteidigung zieht Vogt den Roman "Die toten Seelen" von Nikolaj Gogol heran: Dort macht der Held der Geschichte gleich am Anfang Bekanntschaft mit "dem wohlbekannten Typus der Gasthöfe [...], wo der Reisende für zwei Rubel täglich ein ruhiges Zimmer mit Myriaden von Schaben haben kann, die wie Pflaumen aus allen Winkeln hervorgucken"; er, Vogt, gebe nur jene bitteren Wahrheiten wieder, die der russische Landsmann Gogol eben auch nicht verschweige.

Der Band wurde auch für Google Books eingescannt.

Montag, 4. Januar 2016

Elementary, my dear Mendeleev

Nachdem ich versäumt habe, im Juni 2009 auf den Einzug des radioaktiven Elements Copernicium in das Periodensystem (Ordnungszahl 112, bis dahin Ununbium genannt) sowie auf die Entdeckung der Elemente Nr. 114 (Flerovium, vormals Ununquadium) und 116 (Livermorium, formerly known as Ununhexium) im Juni 2011 hinzuweisen, möchte ich hier und heute nicht hintanstehen, die größte PSE-Revolution seit Jahrzehnten in aller Knäppe zu dokumentieren: Nun gibt es nämlich auf einen Schlag auch die Elemente 113, 115, 117 und 118. Sie heißen in Fortführung des Benennungsmusters vorläufig Ununtrium, Ununpentium, Ununseptium und Ununoctium. Man darf gespannt sein, welche "echten" Namen diese künstlichen Elemente verpasst bekommen werden. Bislang bezeichnete man Ununpentium auch als Eka-Bismut, Ununseptium als Eka-Astat, Ununtrium als Eka-Thallium und Ununoctium als Eka-Radon. Das "Eka-" in diesen Namen ist wunderbarerweise das altindische Zahlwort für 1 (eka) und gibt noch nicht entdeckten Elementen die Bedeutung "eins unter Radon" usw. (= eine Periode unter Radon). Eigentlich auch ganz hübsch.

(Dies ist ein Update zu "Historischer Tag für Fans von den Elementen".)

Freitag, 10. Juli 2015

Schlaft, Kindlein, schlaft!

Schon als ich noch ein Schüler war (*Krückstock schwenk*), drangen in nicht geringer Frequenz Stimmen in die Öffentlichkeit, die sich gegen den allzu frühen Beginn des Unterrichts aussprachen. Diese Stimmen gehörten nicht irgendwelchen dahergelaufenen Faulenzern, sondern ernstzunehmenden Wissenschaftlern. Und sie sind bis heute nicht verhallt. "Lehrer [...] sollten in der ersten Unterrichtsstunde die Ansprüche an die Kinder noch nicht zu hoch schrauben, da sich die Leistungsfähigkeit des Menschen in Bezug auf Sprachfähigkeit, Koordination und Gleichgewichtssinn erst ab 8 Uhr langsam aufbaue. Bei Pubertierenden kann das dramatisch sein." (Berliner Zeitung, 9.8.2005). "'Schüler sind sogenannte Spättypen. Das heißt: spät ins Bett, spät raus', sagt Forscher Blau. Acht Stunden Schlaf müssen einfach drin sein, da sind sich Deutschlands Schlafforscher einig. Das geht aber nur, wenn der Schlaf in den Morgen hineinreicht." ("Spiegel online", 19.9.2007) "Die innere Uhr geht in der Pubertät nach, sagen Chronobiologen. Zwingen wir Teenager dazu, früh morgens schon in der Schule zu sitzen, leiden Lernfähigkeit und Gesundheit." (Spektrum der Wissenschaft, 30.4.2015) Dutzende weiterer Artikel mit ähnlichem Tenor könnte ich verlinken, entsprechende Studien häufen sich, die Forderungen werden schärfer, auf "Spon" war neulich gar von "Folter" die Rede. Doch was ändert sich? Nach Jahrhunderten dummdeutschen Gehorsams und unhinterfragter protestantischer Gängelung natürlich: nichts. Das war schon immer so, früher ging's schließlich auch, stellt euch mal nicht so an! Sicher, vereinzelte Bundesländer gehen dazu über, den Schulen ein wenig Spielraum bzgl. der Lernzeiten zu gewähren. Wenn mal eine Schule den Unterrichtsbeginn um eine halbe Stunde nach hinten verschiebt, ist das schon eine Art Sensationsmeldung.

Ich habe das Gefühl, in keinem anderen Bereich ziehen sich Reformen so kaugummiartig hin wie im Bildungswesen. Fallbeispiel: Schleswig-Holstein hat diese Woche das "Zeugnis ohne Noten" für die Jahrgangsstufen 3 und 4 vorgelegt. Hört, hört!, möchte man rufen. Das starre, ungerechte und obsolete Notensystem durch etwas Sinnvolles zu ersetzen wird doch schon lange von Experten empfohlen! Daumen hoch für Kiel! Oder? Die Realität ist ernüchternd: Statt "sehr gut", "gut", "befriedigend" usw. heißen die Bewertungsgrade jetzt "sicher", "überwiegend sicher", "teilweise sicher", "überwiegend unsicher" und "unsicher", und die Fächer wurden einfach atomisiert (z.B. Mathematik in die Subkriterien "Muster und Strukturen", "Raum und Form" sowie drei weitere), wobei es – als Verschlimmbesserung der Kopfnoten – zusätzlich sieben "überfachliche Kompetenzen" wie "Teamfähigkeit", "Engagement" und ähnlichen neoliberalen Mumpitz gibt. Eine Mogelpackung.

Es ist wohl so: Die für das Schulwesen Verantwortlichen sind allesamt selbst mal zur Schule gegangen, und weil sie dabei schlechte Erfahrungen gemacht haben und es trotzdem irgendwie geschafft haben, lautet die Devise "Augen auf und durch, lieber Nachwuchs!" Und dank dieser sich selbst in den Schlangenschwanz beißenden schlechten Metapher bleiben deutsche Schulen jene lebensfeindlichen Seelenzermürbungsanstalten, die sie schon immer waren. Kretinöse Sozialdarwinisten wie Hilmar Klute sehen darin natürlich eine Vorbereitung auf "die richtige Welt, in der immer ein paar unterwegs sind, welche die anderen überholen. Und in welcher die Überholten irgendwann kapieren, dass sie sich halt mal was ausdenken müssen, damit sie demnächst zu den Überholenden gehören." #kotz

Was ich eigentlich erzählen wollte: Als ich in der 11. Klasse war, kam einmal das tschechische Marionettenpuppenduo Spejbl und Hurvínek zu einem Gastspiel in unsere Turnhalle. Das durfte ich mir nicht entgehen lassen! Um den Auftritt sehen zu können, schwänzte ich die zur selben Zeit anstehende Biologie-Doppelstunde – als einziger in unserem Kurs. Und was durfte ich mir in der darauffolgenden Stunde anhören? Vermutlich so etwas wie "Meinen Sie, dass Sie sich das leisten können bei Ihrem Punkteschnitt?", worauf ich vermutlich etwas murmelte wie "Tschulligung". Heute sage ich mit voller Überzeugung: Ich bin froh, dass ich damals zu der Puppenshow gegangen bin, denn daran erinnere ich mich selbst nach all den Jahren noch (*Krückstock schwenk*)! Hätte ich mir stattdessen angehört, wie schnell ein endoplasmatisches Retikulum ist, wo die kleinen T-Helferzellen herkommen oder wie viele Vakuolen die Sumpfdotterblume hat: das hätte ich bis heute vergessen!


Dienstag, 19. Juni 2012

Deutsche im Netz. Eine Milljöh-Studien-Studie

In dem unstillbaren Drang des Menschen, sich selbst zu kategorisieren, wurden in der Vergangenheit verschiedene Sozialmodelle entwickelt. Beliebt ist die Einteilung in zehn so genannte Sinus-Milieus - der/die ein oder andere Leser(in) wird schon davon gehört haben. Das Sinus-Institut hat den Begriff "Sinus-Milieus" sogar schützen lassen, ich verzichte aber der Einfachheit halber mal auf das (R). Er kommt aus dem Marketing und bezeichnet somit weniger soziale Gruppen als vielmehr Zielgruppen. Link.

Neuerdings gibt es eine solche Klassifizierung auch für den (deutschen) Internet-Menschen. Erstellt wurde diese vom Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), dessen Ziel es nach eigener Auskunft ist, "vertrauliche und sichere Kommunikation im Internet zu fördern". Die "DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet" kann hier als Kurzfassung oder als 167-seitige Gesamtfassung heruntergeladen werden. 
Was wurde gemacht?

Im Sinne eines ganzheitlichen Zielgruppenansatzes wurden zunächst die in der Bevölkerung verbreiteten Meinungen, Vorstellungen und Verhaltensweisen zu Typen gebündelt und diese dann auf das Gesellschaftsmodell der Sinus-Milieus® abgebildet. [...] Die Stichprobe (2.000 Fälle) ist repräsentativ für die Grundgesamtheit der deutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren. Die Datenerhebung erfolgte in den Monaten September und Oktober 2011. Diese Erhebung ist die empirische Grundlage für das zentrale Ergebnis der Studie: die sieben Internet-Milieus zu Vertrauen und Sicherheit im Netz.

Die Studie beginnt mit einem Vorwort von keinem Geringeren als Bundespräsident Gauck, der auf den knapp zwei Seiten nur viermal das Wort "Freiheit" gebraucht. Dann kommt viel Einleitendes und Grundsätzliches, u.a. die Aspekte des zu Grunde gelegten Fragebogens (etwa "Selbsteinschätzung Internet-Kompetenz", "IT-Ausstattung und Besitz", "Online-Aktivitäten", "Sicherheitsbedenken", "Milieu- und Trend-Indikator", "Soziodemografie"). Das Ergebnis sieht dann so aus (zur Vollansicht der Bilder diese bitte anklicken):


Diese sieben Milieus lassen sich wiederum in drei Untergruppen einordnen: "Digital Outsiders", "Digital Immigrants" und "Digital Natives", wobei die letzteren nicht, wie ich dachte, zwangsläufig mit dem Internet großgeworden sein müssen; sie "bewegen sich im Internet wie ein Fisch im Wasser". Die Bezeichnung der "Digital Immigrants" finde ich etwas missverständlich, denn diese Menschen migrieren ja nicht aus der Offline- in die Online-Welt, und sie werden auch nicht mehr oder minder offen von den "Digital Natives" angefeindet und beargwöhnt. 

Und jetzt wird's (ein bisschen) lustig. Das DIVSI hat nämlich versucht, diese Gruppen mithilfe von Symbolbildern zu veranschaulichen. Da haben wir also zunächst die "Digital Outsiders":


Die zwei rechten sind besonders gut getroffen, denn genau so sehen alle Eltern von 30-Jährigen aus. Hinsichtlich ihrer Internetkompetenz kommen sie nicht gut weg: Das „Mithalten-Wollen“ ist der zentrale Motivator [...]. Dies ist jedoch beschwerlich und gilt weniger als Freizeitvergnügen. [...] Da bleibt kaum Raum, sich zu erfreuen, eine Herausforderung gemeistert zu haben. Ständig scheint der Berg an allem, was fremd und unbekannt ist, zu wachsen. [...] Aus Furcht, Fehler zu machen und für unsachgemäße Bedienung strafrechtlich zur Verantwortung gezogen zu werden, hält man sich sehr zurück. Meistens sind es vor allem wenige bekannte und vertraute Seiten (teilweise nur ca. fünf Websites), die regelmäßig aufgerufen werden. [...] Vom ziellosen „Herumsurfen“ werden sie durch Fachbegriffe und Anglizismen abgeschreckt.  

Uh, wie unsexy! Schnell weiter zu den "Digital Immigrants":


Man muss gar nicht in die Studie schauen, um zu wissen, wie die zwei links Abgebildeten ticken. Der Mann ist vermutlich Bauingenieur, hat ein Blackberry und einen XING-Account, vergleicht auch schon mal Flugpreise und bestellt spanische Weine online. Die Frau ist Pressesprecherin bei einer großen Kaufhauskette, und ich glaube, sie hat sogar ein (nur sporadisch gepflegtes) Facebookprofil. Interessant die "Postmateriellen Skeptiker": Die sehen so aus, wie man sich bis zu Beginn des Jahrtausends typische Grünen-Wähler vorgestellt hat. (Klar, die Computer-Abneigung der Grünen ist ja hinlänglich bekannt.) Der Mann könnte evangelischer Pfarrer sein, die Frau Lehramtsreferendarin für Kunst. 

Aber die Internetelite ist das immer noch nicht. Wo sind denn nun die Mover und Shaker? Die "Digital Natives"? Hier:


Die furchtbaren Business-Arschlöcher in der Mitte sind natürlich wunderbar gewählt, da möchte man direkt reinschlagen. Wie aber unterscheiden sich die jungen Leute links und rechts voneinander? Ich nehme an, die Hedonisten sind, nun ja: hedonistischer. Liegen beim Arbeiten auf'm Bett, das Fahrrad steht im Flur, das sind so Blogger, freie Werber, Studenten mit einem Tagesrhythmus, den die "Digital Outsiders" chaotisch nennen würden. Die rechts halten sich zwar für avantgardistisch, individualistisch und unabhängig, landen aber wahrscheinlich irgendwann in einer Festanstellung als Rechtsberater oder Logopädin. Sie kommen aus gutem Elternhaus und durften nach dem Abi ein Jahr nach Australien, wo sie ein wenig Freiheit schnupperten - am Ende werden sie aber genau so gutbürgerlich, wie man es von ihnen erwartet. 

Abgerundet wird die Studie von "Wohnbild-Collagen", beispielhaften Aufnahmen der Wohnungen ausgewählter Milieu-Vertreter, und da zeigt sich dann endgültig, wie schwierig es ist, Menschen in Schubladen zu stecken. Hier ein paar Beispielfotos:

So wohnt man als Digital Souveräne(r).

 ... und so, wenn man internetfern und verunsichert ist. Hallo, Oma und Opa!

Hier der Sekretär eines Effizienten Performers. Ja, da wurde bestimmt die ganze Nacht durch "effizient" "performt".

Hier eine Hedonisten-Wohnung. Bzw. jede einzelne WG, in der ich jemals war.

Hier lebt ebenfalls ein Hedonist. An dieser Stelle musste ich laut feixen, denn das Poster in der Mitte hängt bei mir im Schlafzimmer. Wie überhaupt Elemente aus sämtlichen Beispielwohnungen bei mir zu finden sind. Ich kann mich, so sehr ich es auch versuche, mit keinem der sieben Milieus zu 100% identifizieren, und ich denke, es wird vielen anderen auch so gehen. Aber schön, dass wir jetzt Klarheit haben. Und es wäre doch gelacht, wenn man nicht bei der nächsten Studie mit noch weniger Klassen operieren könnte!

Dienstag, 17. Januar 2012

In uneigener Sache

Der Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Augsburg führt seit 2003 Online-Erhebungen für einen "Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA)" durch. Soeben ist die nunmehr 9. Runde gestartet, und ich möchte alle Leserinnen und Leser ermuntern, 20 Minuten ihrer Zeit für diese Umfrage zu opfern. Das macht Spaß und ist interessant, zumal es diesmal um "Dialekt-Klassiker" wie das Brathähnchen und die Voranstellung von Artikeln bei Personennamen geht.
Hier ist der Link.
Man beachte auch die Sprachkarten, die aufgrund der zuvor durchgeführten Befragungen erstellt wurden (Links links).

Dienstag, 3. Juli 2007

Grausige Dokumente

Anstatt auf Festivals zu rocken, habe ich wieder das halbe Wochenende in der Uni-Bibo verbracht. Traurig, traurig. Ich werde alt, und Verelendung wird mein Los sein. *ritz*
Neben meinem Schreibplatz standen mehrere Jahrgangsbände der Zeitschrift Anthropos. Ich durchsuchte alle Ausgaben nach für mich Interessantem und fand dabei ein paar lustige Artikel wie "Gartenbau auf gemulchten Hügelbeeten im zentralen Hochland von Papua-Neuguinea" oder "Zur Bedeutung Drogen-induzierter Wahrnehmungsveränderungen bei den Kashinawa-Indianern Ost-Perus".

Aus dem Magazin der Bibliothek förderte ich ein Werk aus dem Jahre 1939 zu Tage. Es heißt "Kultur und Rasse" und ist ein Sammelband unschöner Gedanken, herausgegeben anlässlich des 60. Geburtstages des Rassenforschers Otto Reche. Neben ekelhafter Arier-Verherrlichung findet sich auch unfreiwillig Komisches, u.a. ein Aufsatz "Zur Verbreitung des Klystiers in Negerafrika" (es gibt vier Haupttypen, nämlich Röhren-, Trichter-, Kalebass- und Sackklystiere) und ein Traktat "Grundsätzliche Bemerkungen zum Asozialen-Problem". Lustig ist das eigentlich gar nicht, zumal es sich um ein Reprint von 1999 handelt, d.h. die Seiten sehen aus, als wäre das Buch ganz aktuell.

Jedenfalls muss noch erwähnt werden, dass die Chinesin, die mir gegenübersaß, eine Rolle Klopapier auf ihrem Arbeitsplatz stehen hatte.

Freitag, 17. November 2006

Historischer Tag für Fans von den Elementen

Heute ist ein bedeutsamer Tag: Das 111. Element des PSE, das in meinem alten Tafelwerk nur als graue Fläche erscheint, hat nun offiziell einen Namen: Roentgenium, benannt nach Wilhelm Conrad Röntgen. Es ist ein goldähnliches Übergangsmetall, wenn ich das richtig verstanden habe.
Ach ja, wenn Mendeleev das noch erleben könnte ... er würde platzen vor Wut!

PS: Ich versuche nach wie vor vergeblich, die Aufnahme des Elementes Ho (= Honig) in das Periodensystem zu erzwingen. Die Argumente, mit denen die Anträge abgeschmettert werden, lauten aber immer gleich ("Haben Sie auch nur die leiseste Ahnung von Chemie?!").