Posts mit dem Label länder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label länder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 9. Januar 2026

Good niues, everyone!

Ein historischer Tag für Fans diplomatischer Entwicklungen: Als erst zweites Land nach den USA hat die Bundesrepublik Deutschland gestern den in freier Assoziierung mit Neuseeland stehenden Inselstaat Niue anerkannt. Glückwunsch! Natürlich konnte ich den südpazifischen Vulkanfelsen, auf dem weniger Menschen leben als in Königstein-Falkenstein, geographisch grob einordnen, mein Wissen über das paradiesisch anmutende Eiland war jedoch lückenhaft. Ich verschaffte mir zusätzliche Informationen bei, na klar, Wikipedia. Behaltenswert erscheinen mir die folgenden:

- Hauptstadt ist Alofi.
- Früher nannte man Niuë (Trema optional) wohl auch "Savage Island".
- "Da Niue unmittelbar östlich der Datumsgrenze liegt, ist es einer der wenigen Orte der Erde, an denen man stets nur die Nachrichten 'von morgen' sehen kann."
- Das Land ist numismatisch reizvoll: "Seit einiger Zeit gibt die Regierung von Niue Sammler- und Anlagemünzen heraus. [...] Die Motive reichen von Tennisspielern bis zu Figuren aus Disney-Comics und den Science-Fiction-Serien Doctor Who und Star Wars."
- Das (neben Englisch) als Amtssprache dienende Niueanisch ist eng mit dem Tongaischen verwandt, was mich freilich auch nicht weiterbringt, da ich mich mit polynesischen Sprachen leider nicht auskenne.
- "Da 'nu' auf Französisch 'nackt' bedeutet, wird die Domain [.nu] auch gern für französischsprachige 'Erotikseiten' benutzt."

Sonntag, 28. April 2024

Wochenend-Quiz: Auflösung

1.) Italien
2.) Norwegen
3.) Südafrika
4.) Argentinien
5.) Schweden
6.) Dänemark
7.) Irland
8.) Quebec
9.) Niederlande
10.) Brasilien
11.) Kolumbien
12.) Polen
13.) Spanien
14.) Frankreich

Samstag, 27. April 2024

Wochenend-Quiz

Heute: Welches Ankündigungs-Poster gehört zu welcher internationalen Ausgabe der Amazon-Prime-Show "LOL - Last One Laughing"?

Zur Auswahl stehen: Argentinien, Brasilien, Dänemark, Frankreich, Irland, Italien, Kolumbien, Niederlande, Norwegen, Polen, Quebec, Schweden, Spanien, Südafrika

1.)

2.)

3.)

4.)

5.) 

6.)

7.) 

8.) 

9.) 

10.) 

11.) 

12.) 

13.) 

14.) 

Dienstag, 25. Juli 2023

Es heißt ja nicht "künstlerische Intelligenz"

Eine auf Reiseschnäppchen und Billigflüge spezialisierte Webseite hat vergangene Woche einen Beitrag veröffentlicht, dessen Überschrift mein Interesse weckte, steht doch das darin vorgestellte Land schon länger auf meiner Traumzielliste: "Äthiopien: Welche Gründe gibt es, das Land zu besuchen?" Beim Lesen wurde mir dann klar: Dieser Beitrag wurde von einer KI geschrieben ... und zwar nicht gerade gut. Schauen wir uns mal ein paar Passagen an.

1. Historisches Erbe: Äthiopien hat eine reiche Geschichte, die bis ins antike Äthiopien zurückreicht.

Ja, Mensch! Als Laie hatte ich geglaubt, die Geschichte Äthiopiens reiche gerade mal bis ins mittelalterliche Äthiopien zurück, aber sie reicht sogar bis in die graue Vorzeit zurück:

Es ist die Heimat einiger der ältesten menschlichen Fossilien, darunter das berühmte Lucy-Skelett. Das Land hat auch eine beeindruckende Sammlung von historischen Stätten wie die Felsenkirchen von Lalibela, die Ruinen von Aksum und die Schlösser von Gondar. [...]

3. Naturschönheiten: Äthiopien ist ein Land mit atemberaubenden Naturlandschaften. Es beherbergt den höchsten Berg Afrikas, den Mount Äthiopien,

Hä?

sowie den größten See des Landes, den Tana-See.

Welch glücklicher Zufall, dass der größte See des Landes im Land selbst liegt!

4. Kulinarische Erfahrungen: Äthiopische Küche ist bekannt für ihre Vielfalt und Geschmack. In Äthiopien können Besucher traditionelle Gerichte wie Injera (eine Art Fladenbrot), Doro Wat (ein würziges Hühnchen-Curry) und Kitfo (rohes Rindfleisch) probieren. Es ist auch ein Land, das für seinen Kaffeeanbau bekannt ist, und Besucher können die traditionelle äthiopische Kaffeezeremonie erleben.

Äthiopische Küche: bekannt für Geschmack. Es folgt ein neuer Abschnitt, in dem es plötzlich um ... Argentinien geht?

Was kosten Hotels und Essen in Argentinien?

Hm, vielleicht hat hier der Seitenbetreiber/Redakteur geschusselt. Menschlicher Eingriff, der allerdings nur verschlimmbessert, ist auch an anderen Stellen zu erkennen (Zwischenüberschrift: "Zur Bilde-Galerie von Äthopien"). Aber gut, weiter mit der Kostenfrage:

Die Kosten für Hotels und Essen in Äthiopien variieren je nach Standort und Art der Unterkunft bzw. des Restaurants.

Wow, das kennt man ja aus keinem anderen Land der Welt.

Es ist auch wichtig zu beachten, dass Äthiopien eine reiche kulinarische Tradition hat, insbesondere mit Gerichten wie Injera (einem sauren Fladenbrot) und Doro Wat (einem würzigen Hühnereintopf). Diese Gerichte sind oft preiswert und können ein einzigartiges kulinarisches Erlebnis bieten.

Das hatten wir schon, aber wenn es wichtig zu beachten ist ... Und immerhin lernt man was. Es folgen allgemeine "Tipps" zu Flugbuchung und Reisezeit sowie eine kleine Liste mit UNESCO-Welterbestätten ("Welche UNESCO Kulturerbe gibt es in Äthiopien?"):

2. Die historische Stadt Aksum: Aksum war einst das Zentrum des mächtigen Aksumitischen Reiches und beherbergt beeindruckende Ruinen und Stelen, darunter die berühmte Obelisk von Aksum.

3. Die archäologischen Stätten von Tiya: Diese Stätten umfassen eine große Anzahl von Stehlen mit mysteriösen Gravuren, die als Grabstätten dienen.

4. Der Simien-Nationalpark: Dieser Nationalpark ist bekannt für seine atemberaubende Landschaft, einschließlich der Simien-Berge, und beherbergt eine Vielzahl von endemischen Tierarten wie dem äthiopischen Wolf und dem Walia-Ibex.

Den Satz hinter Punkt 3 würde man einem Grundschüler um die Ohren hauen. Nun gut, ChatGPT & Co. stecken ja auch noch in den Kinderschuhen, deswegen drücken wir ein Auge zu. Dass Punkt 6 identisch mit Punkt 1 ist, fällt schon stärker ins Gewicht ("Die Felsenkirchen von Lalibela: Diese beeindruckenden Kirchen wurden im 12. Jahrhundert aus dem Fels gehauen und sind ein wichtiges Pilgerziel für äthiopische Christen.").

Halten wir fest: Dieser Artikel, der Lust auf Äthiopien machen und hilfreiche Ratschläge mit Aha-Faktor liefern soll, ist nichts als eine grobe Aufzählung von oberflächlichst "recherchierten" Fakten, unter die sich sogar reiner Blödsinn geschlichen hat ("Mount Äthiopien"), und der Stil ist mit dröge noch gnädig beschrieben (fünfmal findet sich die Wendung "Besucher können", viermal das Attribut "beeindruckend", 5x "Vielzahl", 5x "beherbergen"). Warum sollte ich so einen Beitrag lesen? Er ist nicht schön, er fesselt nicht, er setzt mir lieblos eine Handvoll Wikipedia-Schnipsel vor, die ich auch kriege, wenn ich einen modernen KI-Bot direkt konsultiere – was gewiss praktisch und noch immer ein bisschen magisch ist. Den Journalismus und Berufsschreiberei als solche, sofern diese Bereiche noch einen Rest ihres traditionellen Selbstverständnisses haben, sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt hingegen nicht bedroht.

Sonntag, 17. Juli 2022

EAZ

Quizfrage: Welches war das erste afrikanische Land, von dem die DDR offiziell anerkannt wurde? Nun, ich habe es in der Überschrift schon verraten: EAZ steht für "East Africa Zanzibar" und war das Kfz-Kennzeichen der kurzlebigen Volksrepublik Sansibar und Pemba. Die – nicht unblutigen – Umstände, die der Gründung des sozialistischen Staates Anfang 1964 vorausgingen, und wie das kleine Land keine vier Monate später in Tansania überging, können Interessierte selbst nachlesen, ich möchte die Gelegenheit aber primär nutzen, um einmal klarzustellen, was Sansibar im engeren und im weiteren Sinne überhaupt ist. Das wusste ich bis vor kurzem nämlich selbst noch nicht.

Der Sansibar-Archipel umfasst ziemlich viele Inseln. Sie waren früher als "Gewürzinseln" bekannt. Die drei größten gelten als Hauptinseln und sind: Pemba (die nördlichste); Unguja (südlich davon), die als Haupt-Hauptinsel ebenfalls Sansibar heißt und auf der die gleichnamige Hauptstadt liegt; und Mafia (die südlichste). Jede der drei großen Inseln ist wiederum von einer Reihe kleinerer Nebeninseln umgeben. Relativ abgeschieden, etwa auf der Höhe von Daressalam nördlich von Mafia, liegt noch Latham Island. Zusammen mit Pemba und Unguja bildet es den halbautonomen tansanischen Teilstaat Sansibar. Mafia hingegen zählt offiziell zu Tanganjika, also zum Festland Tansanias. Als sich Tanganjika 1964 mit der Volksrepublik Sansibar und Pemba zu dem neuen Staat vereinigte, wurde bewusst ein Name gewählt, der die Teilgebiete zum Ausdruck bringt: Tan- (von Tanganjika), -san- (von Sansibar) und -ia (von Azania).

Halten wir fest, dass "Sansibar" vier verschiedene Dinge meinen kann: eine Inselgruppe, eine Insel darin, eine Stadt darauf sowie einen Teilstaat der Republik Tansania. Zudem kann man das historische Sultanat Sansibar kurz so bezeichnen, welches, nebenbei bemerkt, in dem knappen Monat vor der Ausrufung der Volksrepublik eine Flagge führte, in der Gewürznelken zu sehen waren:


Ich hatte tatsächlich schon überlegt, ob ich diesen Beitrag in meine Reihe "Hübsche Flaggen untergegangener Staaten" integriere, aber die Flagge von Sansibar und Pemba war unspektakulär:


Das ist allerdings nur die zweite Version! Der kaum auffälligere Vorgänger, schwarz-gelb-blau, war bis zum 29. Januar 1964 in Gebrauch. Seit 2005 hat die Region Sansibar eine eigene Fahne, die alte Tricolore, mit der tansanischen Nationalflagge in der Ecke:


Der Vollständigkeit halber hier noch die in der Volksrepublik-Phase vorübergehend genutzte eigene Flagge von Pemba, die mich mit meiner leichten Rot-Grün-Farbschwäche ein wenig anstrengt:

Die übrigen Staaten in Afrika, welche die DDR anerkannt haben und sich damit gegen die Hallstein-Doktrin stellten, waren übrigens: Guinea, Algerien, der Sudan, Ägypten, die Republik Kongo (i.e. Kongo-Brazzaville, nicht das ehemalige Zaire), die Zentralafrikanische Republik und Somalia. In welcher Reihenfolge die Anerkennungen erfolgten, konnte ich auf die Schnelle nicht recherchieren.

Freitag, 21. Januar 2022

Klischees und Schwergewichte

Am 2. August 2008 schrieb ich dies in mein Tagebuch: "Erschreckend ist bisweilen meine Ignoranz. Bisher dachte ich, der König von Tonga sehe so aus: dick, braungebrannt, einen Speer in der Hand und mit nichts als einem Baströckchen bekleidet. Als ich im Zusammenhang mit der Krönung von George Tupou V. ein Bild des Pazifikmonarchen sah, war ich überrascht [...]"

Denn das Oberhaupt des Inselstaates gemahnte in seiner Gewandung an das Alte Europa; auffallend moppelig war er auch nicht. Dieser Tage ist Tonga aus dem dramatischen Anlass der Eruption eines Unterwasservulkans vermehrt in den Schlagzeilen, und im Zuge dessen kann man sich davon überzeugen, dass auch Tupou VI., der die Krone keine vier Jahre später von seinem früh verstorbenen großen Bruder erbte, in hoheitlichem Ornat wie in militärischer Montur eher den Eindruck von British royalty vermittelt. 

Gänzlich dem Reich kindlicher Fantasie entsprungen kann meine eingangs wiedergegebene naive Vorstellung indes nicht gewesen sein. Gestern nämlich las ich in einem Zeitungsportrait über Tupou VI., dass dessen Vater und Vorgänger, Tāufa'āhau Tupou IV., als "dickster König der Welt" bekannt war. Das hatte ich also korrekt irgendwo aufgeschnappt und behalten. Über 200 Kilogramm soll der illustre Herrscher auf die Waage gebracht haben. Wikipedia weiß mit den Infos aufzuwarten, dass regelmäßig vor Auslandsbesuchen, etwa nach Deutschland, vor Ort eigene Stühle für ihn sonderangefertigt wurden, und dass seine Bahre von 1000 Menschen geschleppt wurde. Nun gut, Letzteres hatte wohl eher zeremonielle Gründe. Die Sargträger hatten übrigens tatsächlich Baströcke an.

Dienstag, 7. Dezember 2021

Kelten in Übersee (2)

Das, was ich in Teil 1 "keltische Spuren in der Neuen Welt" genannt habe, lässt sich in verschiedener Gestalt ausmachen, nämlich a) in Ortsnamen und Nationalsymbolen und b) in Gemeinschaften, die sich als keltischstämmig identifizieren und/oder einen keltischen Dialekt sprechen; das sind dann freilich mehr als bloße "Spuren". Manchmal fällt beides zusammen, was ich als Kategorie c) labeln möchte.

Aus der Kategorie a) war es vor allem der geographische Name Neukaledonien, der mich überhaupt zum Schreiben dieses Beitrags getrieben hat. Wie kommt es, dass eine französische Überseegemeinschaft im Pazifik den lateinischen Namen Schottlands (Caledonia) trägt? Antwort: James Cook fühlte sich bei seiner Entdeckung der Hauptinsel an Schottland erinnert. Seitdem heißt der Archipel auf englisch New Caledonia und in älterer deutschsprachiger Literatur sogar "Neuschottland". Was ist mit New South Wales / Neusüdwales? Dasselbe: Cook erkannte in der Beschaffenheit des späteren australischen Bundesstaates Ähnlichkeiten mit dem Süden von Wales.

Aber bleiben wir bei Neuschottland, allerdings nicht in der Südsee, sondern in Amerika: Die kanadische Provinz Nova Scotia ist nämlich nicht nur dem Namen nach die Fortsetzung einer tatsächlichen schottischen Kolonie! Wie ich in meiner Einleitung festhielt, war Schottland bis zum Jahr 1707 ein unabhängiges Königreich, und als solches hat es bis dahin immer wieder versucht, im Spiel der europäischen Übersee-Eroberungen mitzumischen. Die englischsprachige Wikipedia hat diese Versuche, von denen ich zuvor ebenso wenig wie von der kurzlebigen Company of Scotland je gehört hatte, in einem eigenen Artikel zusammengefasst. Die Besiedlung des vormals französischen Territoriums (Akadien) kann jedenfalls als der einzige Erfolg in dieser Richtung verbucht werden, und noch heute finden wir den Schottlandbezug in der Provinzflagge:


Und nicht nur da, denn wir haben hier ein schönes Beispiel der Kategorie c). Je nach Quelle 300 bis 1000 Menschen in Nova Scotia geben an, sog.
Canadian Gaelic zu sprechen. Sie nennen die Provinz Alba Nuadh. Eine Häufung von native speakers dieses schottisch-gälischen Dialekts gibt es auf Cape Breton Island, deren keltischer Ortsnamenbezug indes wohl eher willkürlich gewählt ist. In ganz Kanada gibt es schätzungsweise knapp 4000 Sprecher/innen irgendeiner Form des Gälischen.

Weniger stark als die Highlander konnten die Waliser dem nordamerikanischen Land ihren Stempel aufdrücken. Zwar gelangte der Kapitän Thomas Button 1612 im Auftrag der Royal Navy an die Westküste der Hudsonbai und taufte diese in Reverenz an seine Heimat "New Wales", aber wie wir wissen, setzte sich diese Bezeichnung nicht durch. Wesentlich erfolgreicher verlief die Verbreitung walisischer Kultur später weiter im Süden, nämlich im Zuge der walisischen Besiedlung (Y Wladfa) der heutigen argentinischen Provinz Chubut ab 1865. In zahlreichen Orten mit Namen wie Gaiman, Rawson oder Dolavon stößt man auf walisische Teehäuser, Heimatmuseen, Kirchen, sieht walisische Tänze, erlebt authentische Eisteddfodau und kann gleich zwei Zeitungen in kymrischer Sprache erwerben. Apropos: Die Sprache der Immigrantennachfahren wird "Patagonian Welsh" (Cymraeg y wladfa) genannt und ist äußerst lebendig. Insgesamt soll es in Argentinien 25.000 Walisisch-Sprechende geben, 5000 davon in der Diaspora von Chubut. Nebenbei gibt es in Argentinien auch eine beachtliche schottische Minderheit und damit einen weiteren Vertreter der Kategorie b).

Nachdem von Schottland und Wales die Rede war, kommen wir zur dritten "großen" der keltischen Nationen. An dieser Stelle kann ich verraten, dass (Neo-)Kornisch, Manx und Bretonisch außerhalb Europas, ja selbst außerhalb ihrer angestammten Region keinen Fuß fassen konnten. Das schmälert nicht die Bedeutung dieser Sprachen und der Traditionen ihrer Sprecher, und über die "Größe" sagt es auch nicht viel aus: 3 Millionen Walisern stehen 4 Millionen Bretonen gegenüber, nur besitzen von Ersteren nach aktuellen Angaben 750.000 Walisisch-Kenntnisse, womit das Kymrische die am weitesten verbreitete der keltischen Sprachen ist und die einzige nicht vom Aussterben bedrohte. Verfolgt man nun die Spur reisender Iren, landet man an vertrauten Orten, in Kanada (etwa in Neufundland oder auf Prince Edward Island, das 1770 "New Ireland" genannt werden sollte – mit dem Ziel, irische Siedler überhaupt erst anzulocken), in Argentinien (rund 20.000 ließen sich im 19. Jahrhundert hier nieder), aber auch in Papua-Neuguinea: Als Australien die Insel Neumecklenburg im Bismarck-Archipel nach dem Ersten Weltkrieg in "New Ireland" umbenannte, knüpfte es an die Namensgebung "Nova Hibernia" durch den britischen Seefahrer Philipp Carteret im Jahr 1767 an (analog dazu wurde Neupommern zu Neubritannien). Nun gut, die beiden "Neuirlands" fallen freilich abermals lediglich in Kategorie a).

Jetzt aber eine knifflige Quizfrage, die ich vor ein paar Monaten auch noch nicht hätte beantworten können: Auf welche Flagge und welches Wappen außerhalb Europas hat es sogar eine typisch keltische Allegorie nebst Nationalsymbol geschafft? Auflösung: Montserrat.


Was bitte hat Erin mit der irischen Harfe auf der Flagge eines britischen Überseegebiets mit spanischem Namen zu suchen? 1. Der Name der Karibikinsel geht auf Kolumbus zurück, der das Kloster Montserrat bei Barcelona darin verewigte. 2. Im Rahmen des auch in die West Indies ausgetragenen Englischen Bürgerkriegs (1642-1649) wurden irischstämmige Einwohner/innen von dem benachbarten Eiland St. Kitts hierher umgesiedelt, solche aus den amerikanischen Kolonien folgten nach. Wikipedia: "Noch heute ist ein großer Teil der europäischstämmigen Bewohner irischer Abstammung." Wie groß der gegenwärtige Anteil derer ist, die Neuirisch zumindest als Zweitsprache beherrschen, konnte ich nicht in Erfahrung bringen; er dürfte verschwindend gering bis nicht vorhanden sein.

Und damit endet unsere Rundfahrt um die Welt auf den Spuren der alten wie modernen Keltinnen und Kelten. Mit Sicherheit habe ich den ein oder anderen Schauplatz übersehen, einiges musste ich aus Ökonomiegründen außen vor lassen. Wer Nachlässigkeiten oder Falschbehauptungen entdeckt oder sonstige fruchtbringende Anmerkungen hat, möge die Kommentarfunktion nutzen.

Dienstag, 14. Juli 2020

Wes Eis ich schleck', des Hymn' ich sing'

Es ist bemerkenswert, wie viele Nationen es gibt, die für ihr Speiseeis eine gewisse Berühmtheit erlangt haben. Italienisches Eis mag das legendärste sein, und tatsächlich habe ich schon extrem leckeres gelato verzehrt. Amerikanisches – sofern Ben & Jerry's dafür exemplarisch ist – taugt mir mit seiner überbordenden Zutatenverspieltheit ebenfalls. Auch Dänemark beansprucht einen gewissen Weltrang, wobei man abseits von Häagen-Dazs nichts kennt, oder? Mein erstes Häagen-Dazs habe ich entgegen dem Werbeversprechen vergessen; an mein letztes erinnere ich mich indessen noch sehr gut (bzw. eigentlich nur an den Mondpreis desselben). Russisches, genauer: Moskauer Eis finde ich eher langweilig. In Mexiko habe ich aus Neugierde mal eins mit einem herzhaften Frischkäse-Aroma probiert und nach wenigen Happen weggeworfen. Sehr positiv ist mir Neuseelands Eiskrem in Erinnerung geblieben. (Negativ in Erinnerung geblieben ist die – bereits an anderer Stelle erzählte – Begebenheit, wie mir mal eine Packung neuseeländisches Eis aus einem Hostelkühlschrank entwendet wurde.) Regelmäßig sah ich dort einen altmodischen ice cream truck des einheimischen Franchise' "Mr. Whippy" herumstehen, dessen mindestens 80 Jahre alten Fahrer/Verkäufer (der in meiner Fantasie einfach "Mr. Whippy" hieß) ich nie vergessen werde. Wie er stets völlig apathisch, aber freundlich dreinschauend in seinem Wagen saß, konnte man meinen bzw. musste man fürchten, dass sein Lebenslicht am Erlöschen begriffen sei. In Neuseeland wird übrigens pro Kopf das meiste Eis überhaupt konsumiert: 28,4 l pro Jahr; Italien liegt mit 8 Litern gerade mal auf Platz 9. Nicht bekannt war mir bis eben, dass auch Frankreich eine eigene Eistradition vorweisen kann: Die dortigen Sorten sollen sich wegen ihres Milchfettgehalts durch höhere Cremigkeit und "Schwere" auszeichnen. Und was ist mit Alaska und Nordkanada? Ist das nicht die Wiege des Eisessens, Stichwort Akutaq?
Bonus-fun-fact. Ich bin ja fleißiger Payback-Kunde. Neulich sah ich, dass man auch bei einem Onlineshop mit der Adresse Eis.[Top-Level-Domain] Punkte sammeln kann. 'Wie jetzt, ist das etwa ein Eiscreme-Lieferservice?', fragte ich mich. Doch ach, äh, nein, ist es nicht ...

Mittwoch, 21. November 2018

Aus der Mitte entspringt ein Land

Nachdem ich bereits vor einer Weile im Rahmen der Ausführungen zu dem kuriosen Streit um die Insel Hans den Begriff des Kondominiums eingeführt habe, möchte ich heute ein solches vorstellen, und zwar eines, das sich mitten in Europa befindet. Es handelt sich nicht um Andorra; das Kofürstentum Andorra war zwar nach allgemeiner Auffassung bis 1993 ein solches, seit der Verfassungsänderung gilt es aber lediglich als souveräner Staat mit zwei (fremdländischen!) Staatsoberhäuptern, nämlich dem Bischoff von Urgell (Spanien) und dem Präsidenten Frankreichs (in Nachfolge des Grafen von Foix).

Die Rede ist vom gemeinschaftlichen deutsch-luxemburgischen Hoheitsgebiet. Dieses umfasst im Wesentlichen die ca. 128 km lange Gewässergrenze zwischen Deutschland und Luxemburg, welche aus der Our, der Sauer und der Mosel besteht, wobei erstere in zweitere und zweitere in drittere mündet. Das heißt in der Theorie: Fahre ich beispielsweise auf der Höhe Perl (Saarland) mit einem Floß über die (bis zu >100 Meter breite) Mosel, befinde ich mich, wenn ich vom deutschen Ufer losgefahren bin, solange in Deutschland, bis ich das luxemburgische Ufer erreicht habe, und umgekehrt. Die Grenze dieses Gebiets ist dabei nicht einfach "das Ufer", sondern streng definiert als "Schnittlinie der Wasseroberfläche mit der Landoberfläche, die sich bei Mittelwasserstand frei fließend, in Staubereichen durch den hydrodynamischen Stauspiegel bildet".

Die Zone, über welche die beiden Nachbarländer gemeinsam herrschen, beinhaltet auch explizit den Luftraum oberhalb des Flusssystems sowie den Untergrund (Wortlaut im Vertrag von 1984: "die Luftsäule oberhalb sowie den Erdsockel unterhalb der Wasserfläche innerhalb seiner seitlichen Begrenzung"). Sie besteht übrigens – und jetzt wird's spannend – nicht nur aus den Grenzflüssen selbst: Von den 700,92 Hektar fallen 2,58 auf zwei kleine namenlose Inseln in der Sauer und in der Mosel; auf der Nordhälfte der Moselinsel liegt sogar ein halber Hektar Wald. Und dann gibt es natürlich noch Brücken, nicht weniger als 29, davon eine Eisenbahnbrücke und 21 für Kraftfahrzeuge. Die letzte, für Fußgänger und Radfahrer, wurde erst kürzlich bei Ralingen-Wintersdorf errichtet. Bau-, Sanierungs- und Unterhaltskosten für alle Brückenabschnitte, die im Kondominium liegen, stemmen die Bundesrepublik und das Großherzogtum zu je 50 Prozent. "Die Moselschleusen Grevenmacher und Stadtbredimus sind explizit vom Kondominium ausgenommen." (Wikipedia)

Eine weitere Besonderheit ist, dass das gesamte deutsch-luxemburgische Territorium ein gemeindefreies Gebiet darstellt. Was es mit dieser verwaltungsrechtlichen Sonderform auf sich hat, erkläre ich in einem separaten Beitrag.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Lasst uns froh und Vermonter sein

In Michael Moores prophetischem Viraltext über den Wahlgewinn Donald Trumps habe ich zum ersten Mal das Wort Michigander gelesen. Dies ist (neben Michiganite) eine inoffizielle Bezeichnung der Einwohner des Staates Michigan. Das vom United States Government Publishing Office empfohlene Demonym ist Michiganian. Die Endung -ian ist tatsächlich die geläufigste bei Ableitungen von US-Bundesstaaten, wie ein Blick auf diese Wikipedia-Liste zeigt; sie kommt nicht nur bei Ortsnamen vor, die auf -n enden (Michigan > Michiganian, Oregon > Oregonian), sondern auch bei solchen auf -a (Alabama > Alabamian; inoffiziell aber auch Alabaman) und -y (Kentucky > Kentuckian). Staaten mit -i am Ende ergeben i.d.R. ebenfalls die Demonym-Endung -ian: Missouri > Missourian. Überraschend rar ist die Endung -er: Maine > Mainer, Maryland > Marylander, Connecticut > Connecticuter (aber inoffiziell Connecticotian und Connecticutensian), Vermont > Vermonter, New York > New Yorker, Rhode Island > Rhode Islander. Noch seltener ist die Endung -ite: New Hampshire > New Hampshirite, Wisconsin > Wisconsinite, Wyoming > Wyomingite, Massachusetts > Massachusite (inoff.), Michigan > Michiganite (inoff.; in diesem Staat geht's wahrlich drunter und drüber!), New Jersey > New Jerseyite. Dann gibt es noch Ableitungen auf -(a)n: Nebraska > Nebraskan, Colorado > Coloradan (aber: Idaho > Idahoan), Delaware > Delawarean, Tennessee > Tennessean, Utah > Utahn. The more you know...

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Lasst uns froh und munter sein

Das deutsche Wort "Weltschmerz" ist ein gutes Wort und mit Fug und Recht von zahlreichen Sprachen als Germanismus übernommen worden. Für das Leiden in und an der Welt gibt es verschiedene Copingstrategien. Mir als Teil der witzverarbeitenden Industrie scheinen Galgenhumor und Satire probate Mittel zu sein. Leider wird einem das manchmal als Zynismus und Menschenverachtung ausgelegt. In Wahrheit sind Satiriker nicht weniger empathisch als andere Zeitgenossen. 

Es sind oft gar nicht mal Nachrichtenmeldungen, die mir besonders nahegehen, sondern damit zusammenhängende Beobachtungen und Entdeckungen. Neulich blätterte ich ziellos in dem Taschenbuchbestseller "1000 Places to see before you die" herum, den mir Freunde einst zum Geburtstag geschenkt hatten. Einer dieser Orte ist: Aleppo. Konkret wird dort, auf Seite 468, der gedeckte Basar (the covered Souks) empfohlen, ein Platz aus 1001 Nacht mit Händlern aller Couleur, duftenden Gewürzen, köstlichen Speisen, abenteuerlichen Geschichten und bewegender Geschichte sowie dem Christenviertel, "where Aleppo's most interesting eateries and architectually rich boutique hotels are concentrated." Das zu lesen traf mich wie ein Huftritt in die Weichteile.


Die mir vorliegende Auflage ist von 2011. Fünf Jahre später wirkt der Text wie blanker Hohn. Ein Artikel auf Merkur.de zählt inzwischen auf, "was die Deutschen an Weihnachten am meisten nervt": doofe Verwandte, aufgewärmte Kitschfilme, "Last Christmas" im Radio, peinliche Betriebsfeiern und natürlich der schlümme "Konsumterror". Der Punkt "Wenn einem das Haus mitsamt der halben Familie weggebombt wird" fehlt. Und trotzdem stellen sich in diesem Land irgendwelche Arschlöcher hin und fordern für aus Syrien flüchtende Männer und Frauen das Prinzip "Die Schlechten ins Kröpfchen, die Guten (vorübergehend) ins Töpfchen". Das ist für mich Zynismus und Menschenverachtung.

Sonntag, 6. April 2014

Liste von Ländern, die man als "Land der Widersprüche" bezeichnet

China, Israel, Sri Lanka, der Iran, Mexiko, Afghanistan, Ostpreußen, der Libanon, die Türkei, Irland, Nordirland, Deutschland, Kuba, Kosovo, Thailand, die USA, Montenegro, Bhutan, die DR Kongo, Brasilien, Italien, Indien, Finnland, Kroatien, Bosnien, Südafrika, Spanien, Japan, Somalia, Kenia, Polen, Saudi-Arabien, die DDR, Rumänien, Tunesien, die Mongolei, die Dominikanische Republik und das Deutsche Kaiserreich. 
(Wahrscheinlich unvollständig. Quelle: Google)

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Andere Länder, andere Macken

Dass viele Krankheiten ausschließlich in bestimmten geographischen Regionen vorkommen, ist klar. Interessanterweise gibt es aber auch eine Reihe psychischer Störungen, die auf gewisse Völker bzw. Kulturkreise beschränkt sind. Am bekanntesten dürfte Amok sein, das seinen Ursprung in Malaysia hat: Das meist männliche Opfer (pengamok) zieht sich in der Anfangsphase extrem zurück, um danach in eine unkontrollierbare und (für seine Mitmenschen) tödliche Rage zu verfallen.
"Kulturgebundene Syndrome" nennt man das, und es gibt ein paar sehr faszinierende davon:

Latah (Südostasien): Betroffen sind meist erwachsene Frauen. Es handelt sich um einen tranceartigen Anfall, der durch einen heftigen Schreck oder einen anderen Trigger (etwa die bloße Erwähnung eines furchteinflößenden Begriffs) ausgelöst wird. Die Latahs (das malaysische Wort bezeichnet sowohl das Syndrom als auch das Opfer) sind "extrem leicht beeinflussbar, folgen willenlos Anweisungen, imitieren Anwesende, äußern sich vulgär oder führen obszöne Gesten aus."[1] Ähnliches gibt und gab es auch in anderen Regionen der Welt, z.B. unter Frankokanadiern im Norden Maines (die Jumping Frenchmen of Maine, entdeckt 1878[2]).

Dath (Indien): Die Angst vor dem Tod durch Spermaverlust; kommt logischerweise nur bei Männern vor. "Das Syndrom geht möglicherweise auf die im Hinduismus verankerte Vorstellung zurück, dass es 40 Tropfen Blut braucht, um einen Tropfen Knochenmark zu erzeugen, und 40 Tropfen Knochenmark, um einen Tropfen Samenflüssigkeit zu erzeugen, und dass dieser eine konzentrierte Essenz des Lebens ist."[3]

Koro (Süd- und Ostasien): Die Angstvorstellung, dass sich der Penis in den Körper zurückzieht. Trat 1967 als Massenpanik in Singapur auf. Führt dazu, dass sich die Betroffenen Gewichte an das Glied hängen oder dieses sonstwo festbinden. Nicht zu verwechseln mit Kuru, der tödlichen "Lachkrankheit", die durch das Verspeisen menschlicher Gehirne übertragen wird!

Kitsune (Japan): "Eine Störung, bei der die Betroffenen glauben, von Füchsen besessen zu sein und ihre Gesichter verzerren, um Füchsen zu ähneln. Oft sind ganze Familien betroffen und werden von der Gemeinschaft gemieden."[4]

Usog (Philippinen): So nennt man es, wenn ein (Klein-)Kind Fieber und Krämpfe bekommt, nachdem es von einem Fremden falsch angesehen wurde. Möglicherweise durch die Spanier und deren Glauben an den "Bösen Blick" beeinflusst. Das Kind kann geheilt werden, indem der Fremde mit seinen Fingern etwas von seinem Speichel auf Stirn oder Rumpf des Kindes streicht. Tatsächlich kann der Anblick einer unbekannten (zumal eindrucksvoll aussehenden) Person ein Neugeborenes stark mitnehmen, auch körperlich, "however, usog is not yet medically accepted".[5]

Auch historische CBSs (Culture-bound syndromes) sind überliefert. So gab es in der griechischen Antike die so genannten Opsophagen, die einen unnatürlichen Hunger nach ópson ("Beilagen, Würze") zeigten. Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert sind mehrere Fälle von Patienten in Europa belegt, die der Wahnvorstellung unterlagen, sie würden aus Glas bestehen, Karl VI. ("der Wahnsinnige") von Frankreich zum Beispiel.[6]
Abgrenzen von kulturgebundenen Syndromen würde ich "Culture shock"-Phänomene wie das Jerusalem- oder das Paris-Syndrom, die von manchen Kulturangehörigen an anderen Orten erfahren werden.

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Latah
2 http://en.wikipedia.org/wiki/Jumping_Frenchmen_of_Maine
3 Neel Burton - Der Sinn des Wahnsinns. Psychische Störungen verstehen. Springer. S. 168 
4 Butcher/Hooley/Mineka - Klinische Psychologie. Pearson. S. 126
5 http://en.wikipedia.org/wiki/Usog
6 http://en.wikipedia.org/wiki/Glass_delusion

Dienstag, 7. August 2012

Wie die Staaten heißen

Weil gerade die Olympischen Spiele stattfinden, hört und liest man überall die Namen der teilnehmenden Länder. Und weil ich schon in der Vergangenheit einige Zeilen über Ländernamen verfasst habe, nutze ich die Gelegenheit, diese hier zu recyceln, hihi.

Zur stundenlangen Lektüre lädt die Online-Dokumentesammlung des Ständigen Ausschusses für geographische Namen (StAfGN) ein. Besonders lohnend: die Liste der Staatennamen und ihrer Ableitungen im Deutschen. Journalisten und andere Personen, die es etwas angeht, finden darin empfohlene Schreibungen sämtlicher Ländernamen, wobei für jeden Staat eine Vollform (z.B. "Bundesrepublik Deutschland") und eine Kurzform ("Deutschland") aufgeführt ist. 
Hier sind ein paar erstaunliche Fakten:
  • Bolivien heißt offiziell "Plurinationaler Staat Bolivien" 
  • die Schreibung "Botswana" ist nicht mehr zulässig; es heißt "Botsuana" 
  • ein Dominicaner ist ein Einwohner von Dominica (Vollform: "Commonwealth Domenica"), ein Dominikaner ein Einwohner der Dominikanischen Republik 
  • auch erst gelernt: Der Staat Guyana wird anders geschrieben als das "Guayana" in "Französisch-Guayana" 
  • die Schweizer schreiben das Adjektiv "kapverdisch" zusammen, alle anderen Deutschsprachigen auseinander ("kap-verdisch")
  • Libyen sollte in der Kurzform "Libysch-Arabische Dschamahirija", in der Vollform "Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija" genannt werden; zu Recht hält sich niemand daran 
  • Einwohner der Marshallinseln heißen Marshaller 
  • weder in Österreich noch in Deutschland sollte man von "Russland" oder "Russen" sprechen, nur von der "Russischen Föderation" und von "Einwohnern" derselben 
  • die Vollform von Uruguay lautet "Republik Östlich des Uruguay" 
  • die Vollform von Venezuela lautet "Bolivarische Republik Venezuela"
Quiz: Wie heißt das Land, dessen Hauptstadt Bischkek ist? Kirgistan (FAZ), Kirgisistan (heute.de) oder Kirgisien (Spiegel)?
Die meisten scheinen zu erster Variante zu tendieren, aber welche ist richtig? Wer ganz sicher gehen will, verwendet den offiziellen Namen "Kirgisische Republik"; die deutsche – nicht eineindeutige und daher schlechte – Transkription wäre Kyrgysstan, die genaue Transliteration ist Kyrgyzstan. Hier ist die iranische Endung -stan "Land" deutlich zu erkennen (evtl. stand mal ein Vokal zwischen dem z und dem s?). Kyrgyzstan ist somit das "Land der Kyrgyz" (was Kyrgyz bedeutet, ist anscheinend nicht ganz klar). Ich spreche mich also entschieden für den Namen Kirgisistan aus, wie es im Übrigen auch der StAfGN tut.
Natürlich befasst sich auch die gute Wikipedia mit dem Problem des Namens von Kirgisdings. Demnach enthalten die verschiedenen Benennungen "jeweils unterschiedliche politische Untertöne". Kirgisien wurde in der Sowjetzeit verwendet. Heißt das, dass die Leute vom Spiegel die Unabhängigkeit der GUS-Staaten nicht anerkennen?

PS: Neulich las ich, dass Bischkek, die Hauptstadt Kirgisistans, früher Frunse hieß. Frunse - was für ein putziger Name! Klingt wie direkt aus einem Dieter-Hallervorden-Sketch entsprungen: "Palim-palim, ich hätte gerne eine Frunse." – "Eine was?" – "Eine Frunnnnse!" Frunse könnte auch ein Fachbegriff aus dem Stellmacherhandwerk sein (die Knäpel über die Frunse pleißeln), ebenso könnte man sich "alte Frunse" als besonders derbes Schimpfwort für eine Hure vorstellen. Der wahre Hintergrund ist ernüchternd: Frunse hieß ein russischer Feldherr, nach dem noch eine Reihe weiterer, überwiegend ukrainischer, Städte benannt ist.