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Donnerstag, 30. Juli 2026

Angélique

Im Nackenheimer Bücherfass (s. Beitrag vom 24.7.) fiel mir etwas auf.


"Angélique" ist eine Romanreihe, deren Bände "in 45 Ländern bei 320 Herausgebern mit einer Gesamtauflage von etwa 150 Millionen Exemplaren verlegt" wurden, weiß Wikipedia. Das hier links stehende Buch der französischen Autorin (1921-2017) hielt sich "17 Wochen lang in den Jahren 1962 und 1963 auf dem Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste". Wikipedia unterschlägt dabei etwas: das Komma. "Angélique die Rebellin" heißt der Titel in der dortigen Bibliographie, womit er die später erschienene deutsche Ausgabe von "Angélique à Québec" spiegelt: "Angélique die Siegerin". Er lautet aber, wie man klar erkennen kann: "Angélique, die Rebellin". Was ist in den fast 20 Jahren zwischen "Rebellin" und "Siegerin" bei Blanvalet geschehen?

Der Berliner Verlag hat auch die überarbeiteten Fassungen ab 2008 besorgt und ist die Kommafrage dabei clever umgangen: Die Übersetzung der Neuversion von "La Marquise des Anges" trägt analog zur upgedateten französischen Vorlage den Titel: "Angélique. Die junge Marquise".

Samstag, 9. Februar 2019

Nichtigkeiten des deutschen Literaturbetriebs

Titanic 06/2008, "Briefe an die Leser":
Berlin Verlag!
Für Jonathan Littells Roman »Die Wohlgesinnten« wirbst Du mit einem Zitat des Literaturkritikers Denis Scheck: »Nichts weniger als ein Meisterwerk!« Wenn aber dieser Roman nichts weniger ist als ein Meisterwerk, dann kann er alles mögliche sein, aber eins am allerwenigsten: ein Meisterwerk. Und das sollen die ­Leser als Lob verstehen? Und zu ­einem Roman greifen, der nichts ­weniger ist als ein Meisterwerk?
Diese Kundenfangtechnik ist wahrlich nichts weniger als eine Mei­­­­ster­leistung Deiner Werbeabteilung. Wir sind sehr gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis Du merkst, welche Panne Dir da unterlaufen ist.
Mit nichtsdestoweniger schönen Grüßen:
Titanic
Magazinanzeige, Februar 2019:


Nun könnte es freilich sein, dass dieser Wälzer von etwas handelt, das alles mögliche ist, nur kein Wunder. Aber das bezweifle ich doch mal ganz stark.

Montag, 10. April 2017

King und "King"

Noch immer arbeite ich Stephen Kings "Mr. Mercedes"-Trilogie ab. Ich bin gerade mitten in Teil 2. Er heißt "Finderlohn", eine dämliche Übersetzung des Originaltitels "Finders Keepers" (ein Kinderspruch, der in etwa bedeutet "Wer's gefunden hat, darf's behalten"); um Finderlohn geht es in "Finderlohn" überhaupt nicht, was dem Heyne-Verlag, der uns ja auch schon "Die Arena" als deutschen Titel für den 100% arena-freien Roman "Under the Dome" bescherte und aus "Cell" das nichtssagende "Puls" machte, aber egal zu sein scheint. Ich bin jetzt schon gespannt, wie viel Gedankenkontrolle in der Fortsetzung "Mind Control" (OT: "End of Watch"!) steckt ...

Meine Leseliste ins Unendliche anwachsen lassen wollend, informierte ich mich auf Amazon über zukünftige Kings: Der zweite Treffer für "Stephen King" in der Rubrik "Fremdsprachige Bücher" ist ein Werk namens "The Sickness", beworben als Sammlung von "[p]ossibly the darkest and most shocking six scary short stories yet". Juchhu!, freute ich mich, sind doch Kings Kurzgeschichten der Erfahrung nach noch besser als seine Romane. Doch dann der Blick in die Kundenrezensionen: "This book was not written by Stephen King, but another writer using the name Stephen R. King" (27. Februar 2017). Und dann sah ich's auch: Ein kleiner gesetztes "R." prangt auf dem Cover. Ein Trittbrettfahrer! Als nächstes betritt womöglich ein "Steven King" oder ein "George R. Martin" den Buchmarkt, um unaufmerksame Käufer abzumelken. Dreister geht's kaum!

Montag, 3. April 2017

... die übersetzen wollen

Der Satz "Soylent Green is people!" ("Soylent Grün ist Menschenfleisch!") dürfte zu den bekanntesten Filmzitaten aller Zeiten gehören. Unter welchem Namen "Soylent Green" (1973) in die deutschen Kinos kam, ist heute vermutlich nicht so vielen Menschen bekannt. Mir schon, und ich kriege jedes Mal einen Wutanfall, wenn ich daran denke: "... Jahr 2022 ... die überleben wollen". Ja, nur echt mit Auslassungspunkten! Nur echt mit losgelöstem Relativsatz! Und nur echt mit der grundfalsch klingenden Zeitangabe "Jahr 2022"; nicht etwa "Im Jahr 2022" oder "Das Jahr 2022" oder halt einfach "2022", was man analog zu Werken der Fiktion wie "1984", "2001" oder "2012" problemlos als Jahreszahl interpretieren würde. Gaah! 

Ulkigerweise kommt das Kannibalismusthema in der Romanvorlage von Harry Harrison (Make Room! Make Room!, 1966; auf deutsch wiederum "New York 1999") gar nicht vor! Der Autor selbst soll die Verfilmung diesbezüglich stark kritisiert haben. Falls ihr das noch nicht wusstet: You read it here first! In fünf Jahren wird man das sicherlich in Hunderten Artikeln wiederkäuen wie mikrowellenerhitztes Soylent Grün.

Dienstag, 31. Mai 2016

Wer ist denn nun der neue Hitler?

Über die Herkunft der Zeile "Er ist wieder da" wird inzwischen überhaupt nicht mehr nachgedacht. In den vergangenen Monaten wurde dieser Buchtitel von verschiedenen Medien aus dem Zusammenhang gerissen und u.a. bezogen auf:

- Heiner Müller (Tiroler Tageszeitung)
- Uli Hoeneß (Welt)
- Thilos Sarrazin (Focus)
- Ossi Huber (Kleine Zeitung)
- Jan Böhmermann (Trierischer Volksfreund, Westfalen-Blatt)
- Lewis Hamilton ("Focus online")
- Yanis Varoufakis (Handelsblatt)
- Patrick Wiencek (Kieler Nachrichten)
- den Schwarzbrauenalbatros (FAZ)
- Lucien Favre ("Spiegel online")
- Benjamin von Stuckrad-Barre (Stern)
- Claus Wilcke ("RP online")
- Christian Kneisel (Märkische Allgemeine)
- Seth Rollins (heute.at)
- Benjamin Köhler (Kicker)
- Freitag den 13. (n-tv.de)


Sonntag, 20. Dezember 2015

Unverschämtheiten aus deutschen Verlagsprogrammen


Auf dreistere Weise wurde das Vermächtnis der Junggrammatiker noch nicht in den Schmutz gezogen. Diese infamen Zeilen wurden vom Verlag dtv in dessen Ankündigung des Romans "Die Grammatik der Rennpferde" von Angelika Jodl geknallt ("Die ungewöhnliche Liebesgeschichte eines Ex-Jockeys aus Kasachstan und einer Deutschlehrerin"). *kopfschüttel*

Montag, 23. November 2015

Neulich in der FAZ-Redaktion

Feuilletonkonferenz. Die Frage "Und wer rezensiert das neue Hacker-Sachbuch 'Global Hack'?" steht im Raum. Alle Köpfe drehen sich in Richtung einer Person. "Also gut, ich mach's", seufzt der Gemeinte schließlich, die Augen verdrehend.


Mittwoch, 2. September 2015

Von A bis Z

In der DDR gab es ein – inzwischen neu aufgelegtes – Buch namens "Von Anton bis Zylinder: Das Lexikon für Kinder". Mich stört daran, dass die Spanne der Lemmata von "Anton" bis "Zylinder" viel zu eng gefasst ist. Dass das Juniorlexikon auf Zysten und Zytologie verzichtet: verzeihlich. Aber mit "Anton" als ersten Eintrag verpass(t)en die Kinder doch wichtige Komplexe wie "Aal", "Abakus" und "Affe". 

Man hätte sich durchaus einen sich (fast) reimenden Buchtitel ausdenken können, der deutlich mehr abdeckt:
- Von Albert bis Zypressen: Kein Lexikon für Hessen
- Von Ahorn bis Zynismus: Ein Buch für'n Sozialismus
- Von Alkohol bis Zypern: Nach Bildung sollt ihr jiepern
- Von ABBA bis Zymase: Jetzt gibt's was auf die Nase (nämlich geballtes Wissen)

Mittwoch, 4. Februar 2015

Neulich bei Amazon gesehen


"... für Dummies"-Bücher gibt es bekanntermaßen so einige. Die zwei oder drei oder vier, die ich gelesen habe, waren tatsächlich didaktisch und lernkurventechnisch gut aufbereitet. Hier bringt allerdings schon der Titel mein Gehirn zum Taumeln. Ist das "Internet für Senioren" ein spezieller Teil des Internets, welcher der Zielgruppe (Dummies) nähergebracht werden soll? Oder sind Senioren die Zielgruppe? Oder soll man hier lernen, wie man Senioren das Internet erklärt? Gibt es bald "'... für Dummies'-Bücher für Dummies"? Sorry, das ist mir eine Ecke zu meta.

Dienstag, 10. Juni 2014

Make love, not porn

Jepp, es ist soweit, das hat noch gefehlt. Jetzt gibt es also ein Buch mit dem plakativen Titel "War Porn" (Spon-Link).

SPIEGEL ONLINE: Was sagen Sie zu der Kritik, dass diese Bilder eher dem Voyeurismus denn der Aufklärung dienen?

Bangert: Das ist immer ein Totschlagargument. Bilder aus Kriegsgebieten zu zeigen, das sei voyeuristisch, pornografisch, entmenschlichend. Deshalb heißt das Buch auch "War Porn", um das umzukehren. Denn im Grunde ist es egal, wie man diese Bilder bezeichnet. Selbst wenn man sie als Kriegspornografie beschimpft, muss man sie dennoch betrachten und das Leid des anderen anerkennen.

Vorher im Blog:
Die neuen Pornos sind da
Porno-Update

Mittwoch, 9. Januar 2013

Die Bahnen in unseren Köpfen

Vor einiger Zeit habe ich ein Buch gelesen, das mein Denken derart nachhaltig beeinflusst hat, dass ich es glatt in eine Reihe mit "Gödel, Escher, Bach", "Der Heros in 1000 Gestalten" oder "Arm und Reich" stellen möchte. Es handelt sich um Die blinde Frau, die sehen kann des Neuropsychologen V.S. Ramachandran. Der deutsche Titel klingt zwar nach einer launigen Fallsammlung à la Oliver Sacks, doch ist das Werk eine grundlegende Auseinandersetzung mit den vielen Facetten des menschlichen Gehirns und hangelt sich lediglich zu Zwecken der Veranschaulichung an herausragenden Patientengeschichten des Doktors entlang (das Original heißt Phantoms in the Brain: Probing the Mysteries of the Human Mind). 

Man lernt bei der Lektüre, dass praktisch jedes abweichende Verhalten neurologisch zu erklären ist. Setzt man voraus, dass jede menschliche Aktion eine Reaktion auf etwas ist, so muss man jede Anomalie als logische Reaktion auf eine Störung in der Wahrnehmung deuten. Ramachandran berichtet zum Beispiel von einem jungen Mann, der steif und fest behauptete, seine Eltern wären nicht seine Eltern, sondern mit zwei ihnen ähnlich sehenden Schauspielern ausgetauscht worden. Diese Wahnvorstellung ist nun nicht bloß eine unheilbare "seelische Macke", sondern ist konkret auf eine defekte Nervenverbindung zur Amygdala zurückzuführen (oder so ähnlich; ganz genau hab' ich mir's nicht merken können). Normale Menschen spüren beim Anblick ihrer Eltern etwas schwer in Worte zu kleidendes "Besonderes", irgendetwas wird da emotional getriggert. Das war und ist evolutionär sinnvoll: Kinder wissen, dass sie ihren Eltern trauen können (und müssen), bevor sich überhaupt eine Art Gesichtsunterscheidungsfähigkeit herausgebildet hat – es fühlt sich einfach "richtig" an. Bei dem besagten Patienten war diese emotionale Brücke kaputt. Für sein Gehirn war nun die einzig mögliche Interpretation: Seine Eltern mussten Doppelgänger sein, denn das vormals bekannte Gefühl, das sich beim Kontakt mit den Eltern einstellte, fehlte jetzt. Interessanterweise galt das nur für visuellen Kontakt; am Telefon glaubte der Mann sofort, mit seinem Vater oder seiner Mutter zu kommunizieren.

Das menschliche Sehen ist nämlich kein einfacher Vorgang (no shit). Es gibt nicht nur einen Sehnerv, der vom Augapfel zum Hirnkasten führt. Tatsächlich sind es mehrere visuelle Verarbeitungsbahnen, die dafür sorgen, dass wir erkennen, was sich vor uns befindet. Dass die Größe, die Farbe, die relative Position im Raum eines Objekts separat übermittelt wird, kann man sich ja noch vorstellen. Von "Wo-" und "Was-Bahnen" ist dabei die Rede. Es gibt aber auch eine "Wie-Bahn", die klärt, wie wir mit dem gesehenen Objekt interagieren. Die "blinde Frau, die sehen kann" aus dem Titel des Buches hatte eine noch funktionale "Wie-Bahn", während die übrigen Bahnen gestört waren. Das hatte zur Folge, dass die Patientin nach Aufforderung des Arztes einen Gegenstand korrekt greifen konnte, von dem sie schwor, ihn nicht sehen zu können. Wenn die "Was-Bahn" defekt und die "Wie-Bahn" intakt ist, kann das Klüver-Bucy-Syndrom auftreten: Die Betroffenen zeigen unkontrollierbares, übersteigertes Sexualverhalten oder versuchen, sich nichtessbare Dinge in den Mund zu stopfen. Sie sind also in der Lage zu handeln, wissen aber nicht, womit sie das tun, wobei sie nicht wissen, dass sie es nicht wissen. (Rhesusaffen, bei denen man mittels Hirnlappenschnibbelei eine solche "psychische Blindheit" ausgelöst hatte, besprangen plötzlich Vertreter anderer Spezies.)

Ein Hauptinteressengebiet Ramachandrans ist der Phantomschmerz. In einem der ersten Kapitel stellt der Autor ein Verfahren vor, mit dem man unter Zuhilfenahme einer "Spiegelbox" jemanden, der eine Hand oder einen Arm verloren hat, "überlisten" und schließlich vollständig von seinen Phantomschmerzen befreien kann (Diese Methode wird übrigens – wenn auch als ein bisschen zu simpel und erfolgversprechend – in der TV-Serie Dr. House, Ep. 6x03, gezeigt.)
  
Es mag sein, dass diese Physiologieverehrung in ein paar Jahrzehnten ähnlich belächelt wird wie heute Freud. Mich jedenfalls haben die Argumente und Beweisketten im Wesentlichen überzeugt. Aber was mühe ich mich überhaupt ab und gebe den Inhalt des Buches ungeschickt wieder? Lest es halt selbst. Rasch!

Donnerstag, 21. Juni 2012

Filmtitel VIII

Dem Thema Filmtitel habe ich mich knapp zweieinhalb Jahre nicht gewidmet. 'Könnte man mal wieder machen', dachte ich mir jetzt und blätterte die letzten zwei CINEMA-Ausgaben auf der Suche nach Kuriosa durch. Herausragend waren lediglich drei Filme, deren englische Titel man für das deutsche Publikum dergestalt "angepasst" hat, dass man sie leicht variiert und daraus neue, ebenfalls englische Titel gemacht hat, ein Prozedere, das ich bereits in früheren Blogposts vorgestellt habe. So wurde aus The Sitter auf "Deutsch" Bad Sitter, wohl in Anlehnung an die Cameron-Diaz-Komödie Bad Teacher. Aus Beneath the Darkness wiederum (ein grotesk schlechter Thriller mit Dennis Quaid als psychopathischen Bestatter) wurde Beyond the Darkness. Ist die Präposition beyond geläufiger als beneath? Warum schließlich aus Lay the Favorite bei uns Lady Vegas gemacht wurde, weiß wohl nur der Verleih. Man kann sich aber vorstellen, dass "Lay the Favorite", durch eine schlechte Telefonleitung genuschelt, durchaus ein bisschen wie "Lady Vegas" klingt. Also nur ein Kommunikationsproblem?

Noch ein paar Worte zu einem anderen Phänomen. Wenn ein nicht-englischsprachiges Land einen Film international vermarkten will, wird häufig - verständlicherweise - ein englischer Titel gewählt. Unter diesem kommt er dann oft auch in die Kinos deutschsprachiger Länder. Ein paar Beispiele:

Serbuan Maut --> The Raid (Indonesien 2011) 
Mientras duermas --> Sleep Tight (Spanien 2011) 
Sønner av Norge --> Sons of Norway (Norwegen 2011) 
Koi no tsumi --> Guilty of Romance (Japan 2011) 
Slovenka --> Call Girl (Slowenien et al. 2009) 
Ni à vendre, ni à louer --> Holidays by the Sea (Frankreich 2011) 
Sisanje --> Skinning (Serbien 2010) 

Ganz skurril wird es, wenn der Verleih sich entscheidet, den Film unter einem englischen, aber nicht dem internationalen Titel auf unsere Leinwände bzw. Bildschirme zu bringen. 
So heißt der chilenische Horrorfilm Solos zwar international Descendents, die deutsche DVD jedoch marktschreierisch Armageddon of the Living Dead
Der schwedische Film Försvunnen wird im deutschsprachigen Raum als Night Hunt - Die Zeit des Jägers vertrieben, während er als internationalen Titel schlicht Gone trägt. 
Ein südkoreanisches Kriegspic heißt dort My Way, bzw. nach Transliteration der koreanischen Schrift Mai Wei, nur in Deutschland seltsamerweise Prisoners of War.

Abschließend ein Blick auf den Buchmarkt: Warum erscheint der amerikanische Pornoroman Fifty Shades of Grey (der übrigens auf einer Twilight Fan Fiction beruht!) bei uns lediglich als Shades of Grey?
50 Grautöne - das dürfte doch zumindest die in der DDR aufgewachsenen Leser(innen) ansprechen.

Sonntag, 12. Juli 2009

Filmtitel IV (mit Bonus: Buchtitel)

Diesmal sind auch einige italienische Titel in der Liste. Ich bin des Italienischen nicht mächtig, aber auch dem ungeübten Auge fällt auf, dass da irgendetwas nicht stimmen kann.
  • What Happens in Vegas --> Love Vegas
  • Tremors --> Im Land der Raketenwürmer
  • Mo' Money --> Meh' Geld
  • Toxic Avenger --> Atomic Hero
  • Cradle 2 the Grave --> Born 2 Die
  • Il Grande Silenzio --> Leichen pflastern seinen Weg
  • Ghosts of Girlfriends Past --> Der Womanizer - Die Nacht der Ex-Freundinnen
  • The Promotion --> Topjob - Showdown im Supermarkt
  • Che: Part One --> Che - Revolución
  • Paura nella città dei morti viventi --> Ein Zombie hing am Glockenseil
  • Airplane --> Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug
  • Bride of the Monster --> Die Rache des Würgers
  • Se sei vivo spara --> Django - Leck Staub von meinem Colt
  • Buon funerale amigos... paga Sartana --> Sartana - Noch warm und schon Sand drauf
  • Revenge of the Pink Panther --> Inspector Clouseau - Der irre Flic mit dem heißen Blick
  • Don't Be a Menace to South Central While Drinking Your Juice in the Hood --> Hip Hop Hood – Im Viertel ist die Hölle los
  • Spy Hard --> Agent 00 – Mit der Lizenz zum Totlachen
  • The Return of the Living Dead --> Verdammt, die Zombies kommen
  • Welcome to the Dollhouse --> Willkommen im Tollhaus
Das letzte ist schon richtiggehend dreist. Zu toppen ist das nur noch von der Stephen-King-Geschichte Children of the Corn, die im deutschen (zumindest in der Filmfassung) zu Kinder des Zorns wurde. Wo wir schon bei Literatur sind, sei auf den Joseph-Heller-Klassiker Catch-22 hingewiesen. Das Wort "Catch-22" bezieht sich auf ein fiktives paradoxes militärisches Gesetz und ist in der Bedeutung einer Situation, in der man nicht gewinnen kann, als geflügeltes Wort in den englischen Wortschatz eingegangen. Dass der Roman im deutschen Sprachraum unter dem Titel Der IKS-Haken erschien, ist fast schon putzig, aber kaum bekannt.
Der Zeichner bob wusste bereits vor fünfeinhalb Jahren folgendes zu berichten:

>>ich wiederum konsultiere mein vor ein paar jahren mitgebrungenes richard brautigan-poesiebüchel, "die pille gegen das grubenunglück von springhill" (rororo), welches im original zwar ähnlich, aber irgendwie auch wieder ganz anders, nämlich "the pill versus the springhill mine disaster" heisst.
dem überträger, günter ohnemus, ist die malaise dabei noch aufgefallen, er schreibt dazu im kleingedruckten:
(Das "gegen" im Titel dieses Buches ist eine unkorrekte Übersetzung des "versus" in der Originalfassung, die dem Übersezter merkwürdigerweise erst sehr spät aufgefallen ist. Zu spät, denn er mag diesen Titel inzwischen so gern, daß er sich außerstande sieht, ihn noch zu ändern - ganz im Sinne von Richard Brautigans Gedicht

Der Amelia Earhart Pfannkuchen
Ich kann einfach kein Gedicht finden
für diesen Titel.
Ich habe jahrelang nach einem gesucht,
und jetzt geb' ich auf.)


wobei, praktischerweise, zwar nicht brautigans gedicht, wohl aber brautigan selbst seit einigen jahren (genau seit 1984) tot, verstorben und in seinem eventuellen widerspruchswillen nicht unerheblich eingeschränkt ist.<<