Falls ihr mal Überraschungsbesuch bekommt, müsst ihr an der Tür unbedingt den Namen des Besuchs laut aussprechen und/oder in welchem Verhältnis die Person zu euch steht, also zum Beispiel "Dad!" oder "Cousin Marty!". Denn es könnte ja sein, dass ihr eine Serienfigur seid, und euer Publikum – das bekanntlich stets alles vorgekaut und auseinanderklamüsert haben will – soll sofort wissen, welcher Charakter gerade eingeführt wird.
Wenn ihr es aber vergesst und etwa nur "Oh ..." oder "Bob!" stammelt: kein Problem, dann wird der oder die Unerwartete die pflichtgemäße Klarstellung übernehmen und sagen: "Hallo, Schwester ..." oder so.
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Samstag, 6. August 2022
Ratschlag für euch
Samstag, 19. Juni 2021
Entfleucht
Wer oder was ist laut Medienberichten in jüngerer und jüngster Vergangenheit ausgebüxt?
- ein Pinscher
- eine Schildkröte
- fünf Rinder
- drei Ponys und ein Esel
- ein Papagei
- ein vierjähriger Junge
- eine 16-jährige Klinikpatientin
- drei Insassen eines "Massnahmenzentrums"
- 40.000 Bienen
- ein Schaf
- zwei Lamas
- eine Katze
- zwei Kängurus
- vier Berberaffen
- ein Kleinkind
- Dutzende Schafe
- ein Teil einer Damwildherde
- ein Sechsjähriger
- ein Ochse
- ein Serval (eine Raubkatze)
- ein Ziegenbock
- eine Südafrikanische Korallenschlange
- eine 81-jährige Seniorenheimbewohnerin
- eine Antilope
- ein Schottisches Hochlandrind
So, das reicht, ein Muster zeichnet sich nach diesen Beispielen bereits ab. Ausbüxen tun in der Regel Tiere. Wird das Wort auf Menschen bezogen, dann entweder auf Kinder, auf Alte oder sonstwie Schutzbefohlene, Entmündigte. Dem Ausbüxen scheint ein gewisses Zufallselement eigen zu sein, eventuell gehört auch eine Prise "Frechheit" dazu. Böses führen die Ausgebüxten selten im Schilde, allein in der Schweiz scheinen auch weniger harmlose Zeitgenossen ausbüxen zu können (s. "drei Insassen"). Zwar hat die B.Z. schon einmal über einen Mörder, der nach seinem Ausgang nicht in die JVA zurückkehrte, geschrieben: "Wieder ist ein Knacki ausgebüxt." Dennoch erschienen Meldungen wie "Witwenwürger ausgebüxt", "Top-Terrorist ausgebüxt" oder "El Chapo schon wieder ausgebüxt" ungewohnt und befremdlich.
Freitag, 14. Juni 2019
Wer Filme dreht, soll zum Arzt gehen
Nachdem ich neulich einen Filmtrailer sah, in dem w i e d e r e i n m a l die Phrase "from visionary director XY" (ich glaube, es war Nicolas Winding Refn) eingeblendet wurde, fasste ich den Entschluss, einen Sammelbeitrag zu schreiben, in dem ich alle Regisseure (es sind ja in der Regel Männer) aufführe, die als "visionär" vermarktet werden. Dann googelte ich und stieß ziemlich schnell auf einen gut zwei Jahre alten Artikel auf der Seite "Screen Crush": "20 Trailers that prove 'visionary director' is the most meaningless phrase in movie advertising". So konnte ich mir die Recherche sparen.
Es würde mich interessieren, wie die jeweiligen Regisseure dazu stehen. Ist es ihnen peinlich, sind sie stolz drauf, haben sie überhaupt Einfluss auf die Trailertexte? Schämen sollten sich jedenfalls jene, die ganz offensichtlich nicht besonders visionary sind; sie werden's schon wissen! "[S]ome of them are so bad that their association with the phrase devalues it completely." Für mich gibt es nur einen Regisseur, dem ich dieses Attribut zugestehe: Christopher Nolan. Prinzipiell würde ich aber dazu raten, für ein paar Jahre gänzlich auf diese Formulierung zu verzichten.
Es würde mich interessieren, wie die jeweiligen Regisseure dazu stehen. Ist es ihnen peinlich, sind sie stolz drauf, haben sie überhaupt Einfluss auf die Trailertexte? Schämen sollten sich jedenfalls jene, die ganz offensichtlich nicht besonders visionary sind; sie werden's schon wissen! "[S]ome of them are so bad that their association with the phrase devalues it completely." Für mich gibt es nur einen Regisseur, dem ich dieses Attribut zugestehe: Christopher Nolan. Prinzipiell würde ich aber dazu raten, für ein paar Jahre gänzlich auf diese Formulierung zu verzichten.
Samstag, 9. Februar 2019
Nichtigkeiten des deutschen Literaturbetriebs
Titanic 06/2008, "Briefe an die Leser":
Nun könnte es freilich sein, dass dieser Wälzer von etwas handelt, das alles mögliche ist, nur kein Wunder. Aber das bezweifle ich doch mal ganz stark.
Berlin Verlag!Magazinanzeige, Februar 2019:
Für Jonathan Littells Roman »Die Wohlgesinnten« wirbst Du mit einem Zitat des Literaturkritikers Denis Scheck: »Nichts weniger als ein Meisterwerk!« Wenn aber dieser Roman nichts weniger ist als ein Meisterwerk, dann kann er alles mögliche sein, aber eins am allerwenigsten: ein Meisterwerk. Und das sollen die Leser als Lob verstehen? Und zu einem Roman greifen, der nichts weniger ist als ein Meisterwerk?
Diese Kundenfangtechnik ist wahrlich nichts weniger als eine Meisterleistung Deiner Werbeabteilung. Wir sind sehr gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis Du merkst, welche Panne Dir da unterlaufen ist.
Mit nichtsdestoweniger schönen Grüßen:
Titanic
Nun könnte es freilich sein, dass dieser Wälzer von etwas handelt, das alles mögliche ist, nur kein Wunder. Aber das bezweifle ich doch mal ganz stark.
Montag, 26. Juni 2017
The horror! The horror!
Zweimal in den vergangenen Wochen musste ich lesen, dass sich in der wirklichen Welt Szenen "wie in einem Horrorfilm" ereignet haben, beide Male ging es um Feuer, nämlich um den Hochhausbrand in London und die Waldbrände in Portugal. Nur: Mir fällt kein einziger Horrorfilm ein, in dem verheerende Brände eine Rolle spielen. Woran denken die Leute, die sich solcher Formulierungen bedienen?
Auch gewagt die "Huffington Post": "Am Ende landet der Abfall auf einem der zahlreichen Müllberge. Diese erstrecken sich teilweise 90 Meter in die Höhe und stürzen oft ein. So entstehen richtige Mülllawinen, die zahllose Menschen das Leben kosten. Für uns Europäer hört sich das an wie der Plot für einen Horrorfilm." Für mich nicht. Umweltkatastrophen und unbeherrschte Elemente eignen sich gewiss als Sujets des Alltagsgrusels im 21. Jahrhundert, aber man bringe bitte keine Filmgenres durcheinander! Naja, wenigstens werden Bilder lodernder Gebäude und Bäume nicht in "schlechten Filmen" verortet.
Auch gewagt die "Huffington Post": "Am Ende landet der Abfall auf einem der zahlreichen Müllberge. Diese erstrecken sich teilweise 90 Meter in die Höhe und stürzen oft ein. So entstehen richtige Mülllawinen, die zahllose Menschen das Leben kosten. Für uns Europäer hört sich das an wie der Plot für einen Horrorfilm." Für mich nicht. Umweltkatastrophen und unbeherrschte Elemente eignen sich gewiss als Sujets des Alltagsgrusels im 21. Jahrhundert, aber man bringe bitte keine Filmgenres durcheinander! Naja, wenigstens werden Bilder lodernder Gebäude und Bäume nicht in "schlechten Filmen" verortet.
Dienstag, 29. November 2016
Die ekelhaftesten Stellen aus dem Focus-Aufmacher "40 neue Helden unter 40"
- über Paula Beer: "Als Kind Montessori-Schule. Dann Schauspielerin. Klingt nach Klischee? In ihrem Fall stimmt es."
- über Damir Doma: "Der Junge ist Nische, und er will es so."
- über Jan Böhmermann: "Wenn er es anknipst, dieses berühmte, unnachahmliche Grinsen, dann ist irgendeiner fällig."
- über Johannes Haushofer: "Akademiker auf der ganzen Welt träumen davon, nur eine dieser Stationen im Lebenslauf zu haben – Haushofer hat sie alle: [...] Wow!"
- über Katja Kipping: "Sie ist der Beweis, dass auch Emanzen Sexsymbole sein können. Männer, die sie kennen, schwärmen von ihrem süßen sächsischen Akzent. Männer, die sie wählen, von ihrem Schmollmund."
- über Julian Nagelsmann: "Bei der TSG löste er Huub Stevens als Cheftrainer ab. Dabei ist das keine Ablösung, sondern ein Paradigmenwechsel."
- über Peter Scholze: "Zahlentheorie und algebraische Geometrie – hört sich für viele wie Folterbank an. Scholze dagegen kriegt richtig gute Laune, wenn's kompliziert wird."
- über Jens Spahn: "Spahn gilt als smart, er kann Ellenbogen."
- über Jorinde Voigt: "Sie jongliert mit Medien wie ein Clown mit bunten Bällen."
(Quelle: Focus 47/16, S. 54-66)
- über Damir Doma: "Der Junge ist Nische, und er will es so."
- über Jan Böhmermann: "Wenn er es anknipst, dieses berühmte, unnachahmliche Grinsen, dann ist irgendeiner fällig."
- über Johannes Haushofer: "Akademiker auf der ganzen Welt träumen davon, nur eine dieser Stationen im Lebenslauf zu haben – Haushofer hat sie alle: [...] Wow!"
- über Katja Kipping: "Sie ist der Beweis, dass auch Emanzen Sexsymbole sein können. Männer, die sie kennen, schwärmen von ihrem süßen sächsischen Akzent. Männer, die sie wählen, von ihrem Schmollmund."
- über Julian Nagelsmann: "Bei der TSG löste er Huub Stevens als Cheftrainer ab. Dabei ist das keine Ablösung, sondern ein Paradigmenwechsel."
- über Peter Scholze: "Zahlentheorie und algebraische Geometrie – hört sich für viele wie Folterbank an. Scholze dagegen kriegt richtig gute Laune, wenn's kompliziert wird."
- über Jens Spahn: "Spahn gilt als smart, er kann Ellenbogen."
- über Jorinde Voigt: "Sie jongliert mit Medien wie ein Clown mit bunten Bällen."
(Quelle: Focus 47/16, S. 54-66)
Montag, 16. Mai 2016
Bandar Seri BegaWAS?
Oft hört man in Film und Fernseh Dialoge wie diesen:
"Das nennt man Determinismus!"
"Determi-was?"
Mich stört diese Art, Nichtverstehen auszudrücken. Ich denke dann: 'Komm schon, du hast es so weit geschafft, aber die letzten zwei Silben konntest du dir nicht mehr merken? Pft!' Als Faustregel gelte: Die Ersatzpartikel "was?" ist innerhalb der ersten 50% des Wortes zu verwenden. Okay: "Deter-was?" Unrealistisch: s. Überschrift.
Themenwechsel. Wieso gilt im englischen Sprachraum ausgerechnet Raketenwissenschaft als schwerstverständliche und ehrfurchtgebietendste Disziplin? Was soll das überhaupt sein? In der deutschen Wikipedia hat "Raketenwissenschaft" nicht einmal einen eigenen Eintrag. In der englischen landet man auf einer Erklärungsseite: "Rocket science may refer to: Aerospace engineering, as a colloquial term for a primary branch of engineering". Der Artikel zu "Aerospace engineering" wiederum enthält einen kleinen Unterabschnitt zur umgangssprachlichen Verwendung von "rocket scientist" für eine Person mit hoher Intelligenz. Dass "rocket science" zum Inbegriff menschlichen Forschungsdrangs und geistiger Leistung wurde, mag auf die große Ära der Raumfahrt zurückgehen. Die Wissenschaftler, denen es gelungen ist, die ersten Männer auf den Mond zu schicken, müssen für gottgleiche Wesen gehalten worden sein. Mittlerweile setzen sich Alternativen für "It's not rocket science!" durch. Ich habe zum Beispiel schon irgendwo den Satz "It's not astrophysics!" gehört, und für "It's not brain surgery" findet Google 53.500 Seiten. Wer weiß, was für komplizierte Gebiete es in 100 Jahren geben wird? Dann lacht man womöglich über das simple Zusammenschrauben einer Rakete.
"Das nennt man Determinismus!"
"Determi-was?"
Mich stört diese Art, Nichtverstehen auszudrücken. Ich denke dann: 'Komm schon, du hast es so weit geschafft, aber die letzten zwei Silben konntest du dir nicht mehr merken? Pft!' Als Faustregel gelte: Die Ersatzpartikel "was?" ist innerhalb der ersten 50% des Wortes zu verwenden. Okay: "Deter-was?" Unrealistisch: s. Überschrift.
Themenwechsel. Wieso gilt im englischen Sprachraum ausgerechnet Raketenwissenschaft als schwerstverständliche und ehrfurchtgebietendste Disziplin? Was soll das überhaupt sein? In der deutschen Wikipedia hat "Raketenwissenschaft" nicht einmal einen eigenen Eintrag. In der englischen landet man auf einer Erklärungsseite: "Rocket science may refer to: Aerospace engineering, as a colloquial term for a primary branch of engineering". Der Artikel zu "Aerospace engineering" wiederum enthält einen kleinen Unterabschnitt zur umgangssprachlichen Verwendung von "rocket scientist" für eine Person mit hoher Intelligenz. Dass "rocket science" zum Inbegriff menschlichen Forschungsdrangs und geistiger Leistung wurde, mag auf die große Ära der Raumfahrt zurückgehen. Die Wissenschaftler, denen es gelungen ist, die ersten Männer auf den Mond zu schicken, müssen für gottgleiche Wesen gehalten worden sein. Mittlerweile setzen sich Alternativen für "It's not rocket science!" durch. Ich habe zum Beispiel schon irgendwo den Satz "It's not astrophysics!" gehört, und für "It's not brain surgery" findet Google 53.500 Seiten. Wer weiß, was für komplizierte Gebiete es in 100 Jahren geben wird? Dann lacht man womöglich über das simple Zusammenschrauben einer Rakete.
Mittwoch, 21. Januar 2015
Hypokrisie
Was mich wirklich fuchsig macht: Leute, die ihr nicht gesellschaftsfähiges Verhalten dadurch legitimieren, dass sie sich durch das Eingeständnis der in Wahrheit gar nicht vorliegenden Nicht-Gesellschaftsfähigkeit entschuldigen. Zum Beispiel so: "Ich weiß ja, dass es ungesund, teuer und nicht nachhaltig ist, bei McDonald's zu essen, aber ein-, zweimal pro Monat werde ich schon schwach." Oder: "Schon klar, man soll nicht jede kleine Strecke mit dem Auto fahren, aber es geht nun mal schneller, und ich habe nicht so viel Zeit, zu Fuß zu gehen." Oder: "Ja ja, die Bild ist böse, aber die haben halt die knackigsten Schlagzeilen, und informiert bin ich am Ende auch ..."
Was soll das? Herrscht zwischen solchen Leuten (LOHAS!) ein stilles Einverständnis à la 'Wir sind nicht besser als der Rest, aber wir sind uns dessen immerhin bewusst und dadurch am Ende des Tages doch ein wenig besser als der Rest, ätschbätsch!' Objektiv betrachtet bringt diese "Der Wille ist da"-Mentalität natürlich niemandem etwas. Klappe halten wäre also wie so oft die weisere Entscheidung.
Ich bin übrigens ein großer Fan von Amazon. PUNKT.
Was soll das? Herrscht zwischen solchen Leuten (LOHAS!) ein stilles Einverständnis à la 'Wir sind nicht besser als der Rest, aber wir sind uns dessen immerhin bewusst und dadurch am Ende des Tages doch ein wenig besser als der Rest, ätschbätsch!' Objektiv betrachtet bringt diese "Der Wille ist da"-Mentalität natürlich niemandem etwas. Klappe halten wäre also wie so oft die weisere Entscheidung.
Ich bin übrigens ein großer Fan von Amazon. PUNKT.
Freitag, 5. September 2014
Sprichwörter und Volksweisheiten - deconstructed
Ausnahmen bestätigen die Regel. Falsch! Jede Ausnahme macht die Regel ungültig. Wo kommwa denn da hin? Das widerspricht doch jeder Wissenschaftlichkeit.
Das geht runter wie Öl. Öl geht total schlecht "runter". Das musste ich erst letzte Woche wieder merken, als sich das Öl aus einer undichten Antipasti-Schale über meine Finger ergoss.
Gegensätze ziehen sich an. So so, und weshalb gibt es einen Spruch, der genau das Gegenteil besagt: "Gleich und gleich gesellt sich gern"?
Es gibt keine dummen Fragen. Schon mal einen Blick auf gutefrage.net geworfen?
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Hüstel, räusper, hust.
Scherben bringen Glück. Erzähl das mal allen, die in eine schmutzige Scherbe getreten und an Tetanus gestorben sind.
Morgen ist auch noch ein Tag. Stimmt gar nicht! Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass morgen ausnahmsweise kein Tag ist.
Geteiltes Leid ist halbes Leid. Klar, Leid ist ja wie ein Kuchen, weswegen zum Beispiel Hunger (wegen Kuchenmangel) kein Leidverursacher sein kann, denn wenn du dein Leid mit 842 Millionen anderen teilst, leidest du ja nur zu gut einem Achthundertzweiundvierzigmillionstel.
Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen! Ach was, das ist gar keine Weisheit mehr, seit Prokrastination zum Volkssport geworden ist. Außerdem: Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden. Alle Wege führen nach Rom. Si fueris Romae, Romano vivito more. Krass, wie viele Sprüche über Rom es gibt! (Drei.)
Man lebt nur einmal. Weiß man's?
Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln. Aus dieser Redewendung spricht der pure Neid. So etwas sagen gehässige Leute, die anderen nichts zutrauen und dann deren Erfolge auf unverdientes Glück zurückführen. Pfui!
Kindermund tut Wahrheit kund. Unsinn! Kinder hauen sich gegenseitig die Taschen voll und sind zu Recht als Zeugen vor Gericht nicht verwertbar. Beispiel: "Ich hab 200 Pokémon-Karten!" – "Ich hab 500 Pokémon-Karten!" – "Immer einmal mehr als du!" – "Sternzahl!"
Die Zeit heilt alle Wunden. Leider nein. :( Allenfalls die schleichende Demenz vermag dies.
Das ist grottenschlecht. Hinter dieser Wendung vermute ich Antigrottenpropaganda der Wald- und Wiesenlobby. Grotten sind total geil! Ich empfehle zum Beispiel die Gautschgrotte in der Sächsischen Schweiz!
Dummheit frisst, Intelligenz säuft. Ha! Ich kenne nicht wenige intelligente Leute, die gerne fressen. Dumme Leute, die saufen, soll es auch geben.
Das geht runter wie Öl. Öl geht total schlecht "runter". Das musste ich erst letzte Woche wieder merken, als sich das Öl aus einer undichten Antipasti-Schale über meine Finger ergoss.
Gegensätze ziehen sich an. So so, und weshalb gibt es einen Spruch, der genau das Gegenteil besagt: "Gleich und gleich gesellt sich gern"?
Es gibt keine dummen Fragen. Schon mal einen Blick auf gutefrage.net geworfen?
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Hüstel, räusper, hust.
Scherben bringen Glück. Erzähl das mal allen, die in eine schmutzige Scherbe getreten und an Tetanus gestorben sind.
Morgen ist auch noch ein Tag. Stimmt gar nicht! Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass morgen ausnahmsweise kein Tag ist.
Geteiltes Leid ist halbes Leid. Klar, Leid ist ja wie ein Kuchen, weswegen zum Beispiel Hunger (wegen Kuchenmangel) kein Leidverursacher sein kann, denn wenn du dein Leid mit 842 Millionen anderen teilst, leidest du ja nur zu gut einem Achthundertzweiundvierzigmillionstel.
Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen! Ach was, das ist gar keine Weisheit mehr, seit Prokrastination zum Volkssport geworden ist. Außerdem: Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden. Alle Wege führen nach Rom. Si fueris Romae, Romano vivito more. Krass, wie viele Sprüche über Rom es gibt! (Drei.)
Man lebt nur einmal. Weiß man's?
Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln. Aus dieser Redewendung spricht der pure Neid. So etwas sagen gehässige Leute, die anderen nichts zutrauen und dann deren Erfolge auf unverdientes Glück zurückführen. Pfui!
Kindermund tut Wahrheit kund. Unsinn! Kinder hauen sich gegenseitig die Taschen voll und sind zu Recht als Zeugen vor Gericht nicht verwertbar. Beispiel: "Ich hab 200 Pokémon-Karten!" – "Ich hab 500 Pokémon-Karten!" – "Immer einmal mehr als du!" – "Sternzahl!"
Die Zeit heilt alle Wunden. Leider nein. :( Allenfalls die schleichende Demenz vermag dies.
Das ist grottenschlecht. Hinter dieser Wendung vermute ich Antigrottenpropaganda der Wald- und Wiesenlobby. Grotten sind total geil! Ich empfehle zum Beispiel die Gautschgrotte in der Sächsischen Schweiz!
Dummheit frisst, Intelligenz säuft. Ha! Ich kenne nicht wenige intelligente Leute, die gerne fressen. Dumme Leute, die saufen, soll es auch geben.
Sonntag, 6. April 2014
Liste von Ländern, die man als "Land der Widersprüche" bezeichnet
China, Israel, Sri Lanka, der Iran, Mexiko, Afghanistan, Ostpreußen, der Libanon, die Türkei, Irland, Nordirland, Deutschland, Kuba, Kosovo, Thailand, die USA, Montenegro, Bhutan, die DR Kongo, Brasilien, Italien, Indien, Finnland, Kroatien, Bosnien, Südafrika, Spanien, Japan, Somalia, Kenia, Polen, Saudi-Arabien, die DDR, Rumänien, Tunesien, die Mongolei, die Dominikanische Republik und das Deutsche Kaiserreich.
(Wahrscheinlich unvollständig. Quelle: Google)
(Wahrscheinlich unvollständig. Quelle: Google)
Donnerstag, 14. November 2013
Verhaltenstipps für Superschurken
Wahlweise mit auf dem Rücken verschränkten Armen oder mit einem Cognacschwenker in einer Hand vor dem Fenster stehen, nach draußen starren und kluge Sentenzen von sich geben – so machen es graue Eminenzen, gestürzte Königinnen oder Superschurken, kurz bevor sie von ihrem Gegenspieler bezwungen werden. Für letztere Gruppe gilt: je mehr Pathos, desto besser!
Die Zeit eines jeden Bösewichts läuft irgendwann ab. Wer Filme und Serien schaut, weiß, dass ein echter Superschurke keines natürlichen Todes stirbt, sondern von einem Helden getötet wird. Dramatisch wird es, wenn der Held zu dem Schurken nach Hause kommt. Es gilt dann, nicht wie ein Hund um Gnade zu winseln, sondern möglichst cool abzutreten. Man sollte das Eintreffen des Helden bereits antizipieren. Wenn es mitten in der Nacht ist und der Held sich ins Anwesen des Schurken schleicht, nur um festzustellen, dass dieser bereits ganz lässig in einer Ecke seines Wohnzimmers / seines Salons / seiner Bibliothek steht, staunt der Held nicht schlecht. Als Schurke sollte man dabei mit einem Anzug oder einem Seidenkimono bekleidet sein und seinem potentiellen Mörder zunächst den Rücken zugewandt haben. Dann sagt man ohne jegliche Gefühlsregung "Ich habe Sie schon erwartet" und tritt zu seiner Hausbar, um sich ein Glas Whiskey einzuschenken. Darauf dreht man sich um und gibt eine (vorher einstudierte) Anekdote oder ein Gleichnis wieder – Geschichten aus der griechischen Mythologie eignen sich gut; vielleicht hat man auch Anschauungsmaterial zur Hand, z.B. einen echten Goya ("Kennen Sie die Geschichte von Kronos und Zeus?"). Von der Geschichte kann man dann überleiten zu einem finsteren Geheimnis, das den Helden zutiefst erschüttern wird ("Ich trage gerade denselben Seidenkimono, den ich anhatte, als ich Ihren Vater erwürgte."). Vor lauter Zorn stürzt er sich auf den Schurken und bringt ihn um, doch im Gesicht des Niedergeworfenen sieht man noch ein triumphierendes Lächeln.
So geht das.
Die Zeit eines jeden Bösewichts läuft irgendwann ab. Wer Filme und Serien schaut, weiß, dass ein echter Superschurke keines natürlichen Todes stirbt, sondern von einem Helden getötet wird. Dramatisch wird es, wenn der Held zu dem Schurken nach Hause kommt. Es gilt dann, nicht wie ein Hund um Gnade zu winseln, sondern möglichst cool abzutreten. Man sollte das Eintreffen des Helden bereits antizipieren. Wenn es mitten in der Nacht ist und der Held sich ins Anwesen des Schurken schleicht, nur um festzustellen, dass dieser bereits ganz lässig in einer Ecke seines Wohnzimmers / seines Salons / seiner Bibliothek steht, staunt der Held nicht schlecht. Als Schurke sollte man dabei mit einem Anzug oder einem Seidenkimono bekleidet sein und seinem potentiellen Mörder zunächst den Rücken zugewandt haben. Dann sagt man ohne jegliche Gefühlsregung "Ich habe Sie schon erwartet" und tritt zu seiner Hausbar, um sich ein Glas Whiskey einzuschenken. Darauf dreht man sich um und gibt eine (vorher einstudierte) Anekdote oder ein Gleichnis wieder – Geschichten aus der griechischen Mythologie eignen sich gut; vielleicht hat man auch Anschauungsmaterial zur Hand, z.B. einen echten Goya ("Kennen Sie die Geschichte von Kronos und Zeus?"). Von der Geschichte kann man dann überleiten zu einem finsteren Geheimnis, das den Helden zutiefst erschüttern wird ("Ich trage gerade denselben Seidenkimono, den ich anhatte, als ich Ihren Vater erwürgte."). Vor lauter Zorn stürzt er sich auf den Schurken und bringt ihn um, doch im Gesicht des Niedergeworfenen sieht man noch ein triumphierendes Lächeln.
So geht das.
Donnerstag, 1. März 2012
... wie aus einem schlechten Film
Auf Welt online las ich heute dies:
"Eine Geschichte wie aus einem schlechten Film: Ein Deutscher hat in Österreich seinen Tod vorgetäuscht. Er hatte vor, in den USA ein neues Leben anzufangen."
Was mich daran stört, ist die Phrase "eine Geschichte wie aus einem schlechten Film". Wirklich? Ist ein Film, in dem jemand seinen eigenen Tod vortäuscht, automatisch schlecht? Die Filmdatenbank imdb listet für den Tag "Faking Own Death" 28 Titel auf, darunter Der dritte Mann (Wertung: 8,5/10), Der Mondmann (7,4/10) und James Bond: Thunderball (7,0/10). 24 der 28 Filme haben eine Bewertung von über 5,0 erhalten, sind also alles andere als schlecht.
Viel zu schnell ist man mit der abfälligen Bemerkung "wie im schlechten Film" dabei, nur weil das Leben wieder einmal die bessere Geschichte geschrieben hat.
"Eine Geschichte wie aus einem schlechten Film: Vier junge US-Bürger sind in Nord-Philadelphia festgenommen worden, nachdem sie mit einer Petition Überwachungskameras hinterfragten." (netzpolitik.org)
"Wie aus einem schlechten Film erscheint, was am Dienstag in Lüttich geschehen ist: Mit Handgranaten und einer Pistole tötete ein 33-Jähriger zunächst zuhause eine Frau und später ein Kind und zwei Jugendliche am zentralen Platz der Stadt, bevor er sich selbst durch einen Schuss in den Kopf selbst tötete." (Welt online)
"Schon fast wie aus einem schlechten Film mutet die ausgestellte Technik an, mit der das MfS Menschen ausspionierte, mit Kameras in einer Gießkanne, einem Obstkorb, einer Aktentasche, sogar einem BH-Verschluss." (otz.de)
"Ein halbnacktes weinendes Kind rennt durch die verschneiten Straßen einer Großstadt. Bilder wie aus einem schlechten Film, die für einen kleinen Buben aus New York zur Realität wurden." (austria.ch)
"Wie in einem schlechten Film müssen sich die Insassen einer U-Bahn im Münchner Untergrund am Dienstagnachmittag vorgekommen sein. Der Zug der Linie U1 fuhr vom Hauptbahnhof bis zum Mangfallplatz sieben Stationen ohne einen Halt durch, dann wurde er durch eine Zwangsbremsung gestoppt." (donaukurier.de)
Ich zumindest könnte mir die genannten Szenarien sehr gut in unter die Haut gehenden Psychothrillern vorstellen. Ein Drama über festgenommene Netzaktivisten würde ich mir sofort anschauen.
Wann wäre es denn tatsächlich gerechtfertigt, eine wahre Begebenheit mit einem schlechten Film zu vergleichen? "Bombe in letzter Sekunde entschärft" - "Frau heiratet besten Freund statt reichen Verlobten" - "Polizist einen Tag vor Pensionierung erschossen" - "Außerirdische Roboter bekämpfen sich in Form von Autos auf der Erde!" Bei diesen Schlagzeilen würde sich natürlich niemand trauen, schlechte Filme heranzuziehen.
"Eine Geschichte wie aus einem schlechten Film: Ein Deutscher hat in Österreich seinen Tod vorgetäuscht. Er hatte vor, in den USA ein neues Leben anzufangen."
Was mich daran stört, ist die Phrase "eine Geschichte wie aus einem schlechten Film". Wirklich? Ist ein Film, in dem jemand seinen eigenen Tod vortäuscht, automatisch schlecht? Die Filmdatenbank imdb listet für den Tag "Faking Own Death" 28 Titel auf, darunter Der dritte Mann (Wertung: 8,5/10), Der Mondmann (7,4/10) und James Bond: Thunderball (7,0/10). 24 der 28 Filme haben eine Bewertung von über 5,0 erhalten, sind also alles andere als schlecht.
Viel zu schnell ist man mit der abfälligen Bemerkung "wie im schlechten Film" dabei, nur weil das Leben wieder einmal die bessere Geschichte geschrieben hat.
"Eine Geschichte wie aus einem schlechten Film: Vier junge US-Bürger sind in Nord-Philadelphia festgenommen worden, nachdem sie mit einer Petition Überwachungskameras hinterfragten." (netzpolitik.org)
"Wie aus einem schlechten Film erscheint, was am Dienstag in Lüttich geschehen ist: Mit Handgranaten und einer Pistole tötete ein 33-Jähriger zunächst zuhause eine Frau und später ein Kind und zwei Jugendliche am zentralen Platz der Stadt, bevor er sich selbst durch einen Schuss in den Kopf selbst tötete." (Welt online)
"Schon fast wie aus einem schlechten Film mutet die ausgestellte Technik an, mit der das MfS Menschen ausspionierte, mit Kameras in einer Gießkanne, einem Obstkorb, einer Aktentasche, sogar einem BH-Verschluss." (otz.de)
"Ein halbnacktes weinendes Kind rennt durch die verschneiten Straßen einer Großstadt. Bilder wie aus einem schlechten Film, die für einen kleinen Buben aus New York zur Realität wurden." (austria.ch)
"Wie in einem schlechten Film müssen sich die Insassen einer U-Bahn im Münchner Untergrund am Dienstagnachmittag vorgekommen sein. Der Zug der Linie U1 fuhr vom Hauptbahnhof bis zum Mangfallplatz sieben Stationen ohne einen Halt durch, dann wurde er durch eine Zwangsbremsung gestoppt." (donaukurier.de)
Ich zumindest könnte mir die genannten Szenarien sehr gut in unter die Haut gehenden Psychothrillern vorstellen. Ein Drama über festgenommene Netzaktivisten würde ich mir sofort anschauen.
Wann wäre es denn tatsächlich gerechtfertigt, eine wahre Begebenheit mit einem schlechten Film zu vergleichen? "Bombe in letzter Sekunde entschärft" - "Frau heiratet besten Freund statt reichen Verlobten" - "Polizist einen Tag vor Pensionierung erschossen" - "Außerirdische Roboter bekämpfen sich in Form von Autos auf der Erde!" Bei diesen Schlagzeilen würde sich natürlich niemand trauen, schlechte Filme heranzuziehen.
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