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Freitag, 14. Juni 2019

Wer Filme dreht, soll zum Arzt gehen

Nachdem ich neulich einen Filmtrailer sah, in dem w i e d e r  e i n m a l  die Phrase "from visionary director XY" (ich glaube, es war Nicolas Winding Refn) eingeblendet wurde, fasste ich den Entschluss, einen Sammelbeitrag zu schreiben, in dem ich alle Regisseure (es sind ja in der Regel Männer) aufführe, die als "visionär" vermarktet werden. Dann googelte ich und stieß ziemlich schnell auf einen gut zwei Jahre alten Artikel auf der Seite "Screen Crush": "20 Trailers that prove 'visionary director' is the most meaningless phrase in movie advertising". So konnte ich mir die Recherche sparen.

Es würde mich interessieren, wie die jeweiligen Regisseure dazu stehen. Ist es ihnen peinlich, sind sie stolz drauf, haben sie überhaupt Einfluss auf die Trailertexte? Schämen sollten sich jedenfalls jene, die ganz offensichtlich nicht besonders visionary sind; sie werden's schon wissen! "[S]ome of them are so bad that their association with the phrase devalues it completely." Für mich gibt es nur einen Regisseur, dem ich dieses Attribut zugestehe: Christopher Nolan. Prinzipiell würde ich aber dazu raten, für ein paar Jahre gänzlich auf diese Formulierung zu verzichten.

Mittwoch, 30. Januar 2019

Yo dawg, I heard you like trailers

Ein nerviger Trend, der euch vermutlich auch schon aufgefallen ist (und euch möglicherweise auch nervt): Film- oder Serientrailer, die mit einem Teaser beginnen. Da wird am Anfang schon mal in anderthalb Sekunden zusammengefasst, was jetzt gleich in anderthalb Minuten zu sehen sein wird. Eine Vorschau auf eine Vorschau! Besser kann man das Zeitalter der Aufmerksamkeitsdefizite nicht symbolisieren.

Ich möchte aber keineswegs den Kulturpessimisten raushängen lassen: Trailer, Teaser, Teaser-Trailer sehe ich mir immer noch gerne an, halt nur keine Trailer-Teaser. Nächsten Monat (und damit gleite ich ungewohnt unelegant zum eigentlichen Thema über) laufen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen TV-Adaptationen über Comic-Superhelden "der etwas anderen Art" an. Können sie die Wartezeit auf die von mir mit einiger Spannung erwartete HBO-Serien-Umsetzung von "Watchmen" (created by Damon Lindelof!) verkürzen? Der Trailer zu "The Umbrella Academy" (Netflix; Dark Horse Comics) hat mich trotz Ellen Page leider überhaupt nicht gepackt. Für Begründungen bin ich zu faul. Vielversprechender und den Flavor der Vorlage gut widerspiegelnd scheint mir anhand der launigen Teaser "Doom Patrol" zu sein. Den ersten Band dieser Reihe habe ich tatsächlich gelesen, doch hielten mich Zeitmangel und allgemeine Graphic-Novel-Unlust davon ab, das Schicksal der "super-powered misfits" weiter zu verfolgen. Insofern bin ich ausnahmsweise dankbar dafür, dass heutzutage wirklich jeder Stoff fürs Fernsehen (Streaming- oder lineares) verwurstet wird. Und DC vermag halt mit Franchises aufzuwarten, die dem Marvel-Kosmos haushoch überlegen sind, meiner bescheidenen Meinung nach.

Freitag, 16. Februar 2018

Kollektivschuld

Als ich den deutschen Trailer für "Mission: Impossible 6" sah, musste ich an einer Stelle stutzen.

Alec Baldwin: "Aber sein Team wäre tot."
Angela Bassett: "Ja, wären sie."

"Sein Team wären tot"? Kann man das sagen? Da stimmt doch was nicht!

Im Originaldialog heißt es "Yes, they would", wobei sich "they" auf "his team" bezieht, und das ist selbstverständlich korrekt. Sogenannte collective nouns wie group, staff, police und eben team sorgen im englischen Sprachraum für notorische Verwirrung. Benutzt man den Singular oder den Plural eines Verbs (ggf. nebst entsprechendem Pronomen), wenn ein Substantiv in der Einzahl eine Gruppe von mehreren Individuen/Items bezeichnet? Wie das "Oxford Dictionaries"-Blog 2011 festgehalten hat, gibt es (oder gab es zumindest anno 2011) dabei leichte Unterschiede zwischen British und American English. In den Staaten tendiert man wohl eher dazu, den Singular der finiten Verbform zu verwenden, was grammatisch am "konsequentesten" ist, während im Britischen Englisch "it’s absolutely fine to treat most collective nouns as either singular or plural". Einige wenige Wörter wie police verlangen laut dem verlinkten Blogeintrag ausschließlich den Plural, doch schon in der Zeit der Niederschrift schien diese Vorschrift im Aufweichen begriffen zu sein. Langer Rede kurzer Sinn: Das Wort team pluralisch zu interpretieren und zu behandeln, ist vollkommen legitim.

Das Übersetzungsteam haben hat das nun aufs Deutsche übertragen. Diese Inkongruenz liegt ehrlich gesagt außerhalb meiner persönlichen sprachlichen Komfortzone*, aber in Stein gemeißelt ist das Gesetz, wonach einem Nomen im Singular ein Verb im Singular zu folgen hat, keineswegs. Die Formulierungen "Die schätzungsweise große Anzahl von Menschen arbeiten in den Schattenbereichen des Berliner Arbeitsmarktes und gehören zu den schwächsten Gruppen" und "Ein Teil der Umsätze werden bereits jetzt mit internationalen Aufträgen erwirtschaftet" sind in offiziellen politischen Verlautbarungen getätigt worden, und kaum jemand stört sich daran außer Sprachkolumnistinnen wie Brigitte Grunert, die am Ende ihrer darauf Bezug nehmenden Tagesspiegel-Glosse vom 14.7.2007 jedoch einräumen muss, dass selbst der Duden anmerkt: "Oft wird aber nach dem Sinn konstruiert und das Verb in den Plural gesetzt."

Klarheit schafft eine Handreichung des Instituts für Germanistik der Uni Wien:
"a) Wenn das Subjekt im Singular steht und dennoch eine Mehrzahl bezeichnet, oder das Subjekt aus mehreren Teilen besteht kann es zu Konflikten bezüglich der Kongruenz im Numerus kommen.
Eine Reihe von Leuten hat (auch: haben) sich beschwert.
Ein Kilogramm Erbsen wurde (auch: wurden) gekocht.
Das Gelächter, die Heiterkeit klangen (auch: klang) aufgesetzt.
→ Die finite Verbform kann in diesen Fällen sowohl im Singular als auch im Plural stehen. Eine feste Regel gibt es nicht.
b) Wenn einem Mengenbegriff im Singular wie Anzahl, Gruppe, Hälfte, Hand voll, Haufen, Heer etc. das Gezählte im Plural folgt, dann steht das Verb überwiegend im Singular:
Eine Menge faule Äpfel lag unter dem Baum.
Es war wie immer eine Menge Leute da."

Auch bei Maß- und Mengenangaben sowie Brüchen und Prozentangaben im Plural ist es nicht unüblich, das Prädikat in den Singular zu setzen, und umgekehrt:
"Zwei Liter Bier reichen (auch: reicht) nicht aus, um mich betrunken zu machen.
Drei LKW Sand sind (auch: ist) genug für unsere Zwecke.
Hundert Gramm Zucker sind (auch: ist) zu schon zu viel.
[...]
Drei Fünftel Strom wird (auch: werden) atomar erzeugt.
50% Zucker wird (auch: werden) dem Produkt entzogen." (Beispiele von der Uni Wien)

Jedenfalls freue ich mich auf den neuen "Mission Impossible".

* Der Fairness halber muss man sagen, dass das beanstandete Zitat aus dem Filmtrailer kein einzelner Satz war, sondern es sich um zwei Sätze handelte und der zweite auf den ersten referierte. "Sein Team wären tot" hätten die Übersetzer/-innen vermutlich dann doch nicht ins Dialogbuch geschrieben.

Dienstag, 23. Juni 2009

Zwei kurze Bemerkungen

1. Das hat zwar nur bedingt etwas mit Übersetzungen zu tun, ist aber wert, festgehalten zu werden. Falls Sie den Film Bank Job noch nicht gesehen haben, holen Sie das jetzt nach.
Okay? Gut. Jetzt schauen Sie sich bitte den deutschen Trailer an (zum Beispiel auf YouTube).
Was fällt einem auf? Richtig: der deutsche Verleih möchte den Eindruck erwecken, es handle sich um eine Komödie im Stil von Ocean's Eleven (ich glaube, dieser Titel wird sogar auf der Rückseite der DVD-Schachtel genannt). Durch geschicktes Schneiden, Hinzufügen eines coolen Songs (T-Rex - "Get it on") und das Einbinden der einzigen zwei-drei witzigen Szenen des gesamten Films erhofft man sich, ein entsprechendes Publikum anzusprechen. Allerdings ist Bank Job beileibe keine Gangster-Comedy, sondern ein durchgängig ernster Thriller mit dramatischer Musik und bedrückenden Wendungen.
2. Ich wage zu bezweifeln, ob das Beibehalten der Umlautpunkte (im Englischen umlaut genannt) bei Brüno eine gute Idee war. Die Hauptfigur dieses sicher uninteressanten Streifens ist Österreicher, und im Bemühen um Nachahmung der deutschen Sprache haben die Macher halt die Pünktchen auf das u gesetzt (vgl. den Wikipedia-Artikel zum Thema Röckdöts). Nun habe ich neulich im Radio jemanden gehört, der das ü in Brüno tatsächlich wie ein /ü/ aussprach - so klingt der Name fast schon französisch. Was für ein Quatsch.