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Freitag, 28. August 2026

Betr.: Infantilisierung, Curry, Tattoos, Flohmarkt

Ich bestelle ein Möbelstück und werde in der Lieferbestätigung geduzt, während eine Bastelanleitung die Höflichkeitsform wählt.

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Diese Woche ist der Schauspieler Tim Curry gestorben, und ich war mir bei einem Prominenten noch nie so sicher gewesen, dass er bereits tot war. Mandela-Effekt? Mitnichten! Tim Curry hat wirklich schon vor etlichen Jahren das Zeitliche gesegnet. Schließlich dachte ich erst neulich beim Schauen eines Films: 'Hach, diesen Bösewicht hätte auch Tim Curry vortrefflich mimen können! Schade, dass der nicht mehr lebt.'

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In der Bibliothek lässt sich eine leutselige Dame von einer Angestellten ausgiebigst beraten, wird hierhin und dorthin geführt, bittet schließlich um Entschuldigung dafür, "dass ich Sie hier so in Anspruch nehme und rumscheuche ...", sie hält jäh inne, schaut die Mitarbeiterin schockiert an und ruft: "Sagen Sie mal, haben Sie da etwa ein Tattoo?!" – "Ich habe sogar mehrere", gibt die Angesprochene Auskunft. Die Kundin: "Aber das tut doch weh!!!"

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Ein Aushang an der Bushaltestelle, zu dem ich mehrere Fragen habe. Eine davon betrifft die Standgebühr, welche "6,- Euro + Kuchen" beträgt: Wie hoch hat der Kuchenanteil zu sein? Reicht ein Stück? Und wenn ich gar keinen Kuchen dabeihabe, kann ich den Rest-"Betrag" mit echtem Geld ausgleichen? Außerdem wüsste ich gerne, mit welcher Begründung Schwangere eine halbe Stunde eher den Flohmarkt betreten dürfen. Reservierte Sitzplätze, spezielle Aufenthaltsbereiche: derlei befürworte ich mit ganzem Herzen. Aber dieses Privileg leuchtet mir nicht ein. Und muss die Schwangerschaft nachgewiesen werden? Gewiss, einer werdenden Mutter im achten Monat sieht man "es" an, aber wie ist es mit einer, die erst vor wenigen Wochen empfangen hat? Wird sie ohne positiven Teststreifen auf 13 Uhr vertröstet?

Sonntag, 15. Februar 2026

Diese Schölermanns

Ich habe mir neulich die naheliegende Frage gestellt, was wohl die erste Fernsehserie Deutschlands war. Die Antwort darauf ist im Handumdrehen ergoogelt: "Familie Schölermann", mit dem Unter- bzw. Übertitel "Unsere Nachbarn heute abend", wurde vom NWDR produziert und lief in 111 Folgen zur besten Sendezeit von 1954 bis 1960. Auf der Webseite des NDR findet sich eine lesenswerte Zusammenfassung. "Die Serie wird live produziert, weswegen heute nur noch wenige Aufnahmen existieren", heißt es dort. "Da auch die Namen der Schauspieler zunächst nicht genannt werden, halten viele Zuschauer die Schölermanns für real."

Heute ist die Besetzung natürlich namentlich bekannt, und zu meiner Überraschung sind einige der Darsteller noch am Leben, so etwa die in Leeds (England) geborene Margaret Cargill, deren Rolle der Tochter Eva in den "Schölermanns" tatsächlich ihre letzte war. Auch ihr Serienbruder Harald Martens, *1944, ist danach, zumindest laut imdb, nie wieder in Film oder Fernsehen in Erscheinung getreten. Für Giulia Follina, die eingedenk ihres Geburtsjahrs 1952 in der Serie nur als Baby und/oder Kleinkind vorgekommen sein muss, war dies hingegen der Startschuss einer bis 2005 anhaltenden Karriere: "Tatort", "Frühling auf Immenhof", "Großstadtrevier" und "Stubbe - von Fall zu Fall" sind die bekanntesten Einträge in ihrer Filmographie, und wer weiß, vielleicht ist ihr irgendwann ein spätes Comeback vergönnt.

Diesen jungen Hüpfern gegenüber standen Lotte Brackebusch ("Tante Marie") und Willy Birgel (unbekannte Rolle 1957), die beide noch im 19. Jahrhundert geboren wurden! Birgel (1891-1973) gab sein Leinwanddebut 1934 in dem Propagandastreifen "Ein Mann will nach Deutschland", danach folgten bis 1971 Dutzende Verpflichtungen, darunter in "Heidi" sowie "Heidi und Peter", bei denen es sich um Schweizer Realverfilmungen von Johanna Spyris Alpenschnurrpfeifereien handelt. Lotte Brackebusch (1898-1978) stieg erst nach dem Krieg ins Filmgeschäft ein und kann bis 1978 immerhin 35 Credits vorweisen; "Der Blaue Nachtfalter" habe ich sogar gesehen!

Immerhin sieben Episoden von "Familie Schölermann" sind zum Zeitpunkt dieser Niederschrift auf einer Youtube-Playlist archiviert. Ob ich sie mir ansehen werde? Vielleicht, wenn mir mal sehr langweilig ist.

Dienstag, 7. Oktober 2025

Wer ist Garrett?

Ein breites Grinsen bemächtigte sich meines Gesichts, als ich letzte Woche "Jeopardy!" sah. Einer der Kandidaten in der Sendung vom 25.9. war Erik Nielsen (M.):


Vorgestellt wurde er als "Vertretungslehrer aus Hollywood", Comedy-Fans dürfte Erik Charles Nielsen jedoch als Schauspieler bekannt sein, der eine kleine wiederkehrende Rolle in "Community" hatte. Tatsächlich war "Garrett Lambert" in jener Sitcom meine Lieblingsnebenfigur; ich musste über jeden einzelnen seiner Auftritte lachen! Dass er bei "Jeopardy!" antreten würde, hatte ich zuvor im Something-Awful-Forum gelesen. Ob ich ihn auch ohne diese Vorab-Info erkannt hätte? Gewiss hätte ich mich die ganze Zeit gefragt: Woher kenne ich den? Schade, dass er am Ende als Zweitplatzierter nach Hause gehen musste. Dabei lag er für einen kurzen Moment sogar in Führung, hatte ein "Daily Double" erwischt und korrekt beantwortet.


Es bleibt die Frage: Ab wann gilt man als berühmt genug, um nicht mehr in einer regulären "Jeopardy!"-Ausgabe an den Start gehen zu dürfen? Ist man mit 43 Credits bei "Community" und einem Stand-up-Auftritt bei Conan noch kein Fall für "Celebrity Jeopardy"? Nun, laut imdb hat sich Nielsen seit 2019 aus dem Schauspielgeschäft zurückgezogen (wobei er zurzeit immerhin in der Animationsserie "Krapopolis" regelmäßig als Sprecher zu hören ist), und schließlich wurde er weder als actor angekündigt noch war seine Fernsehkarriere Thema der Vorstellungsrunde. Ein Mann mit normalem Beruf ohne Starallüren, sympathisch! Von mir aus darf er aber bald mal wieder irgendwo vorsprechen.

Mittwoch, 12. März 2025

Immer wieder Jim

Die neue Ausgabe des Podcasts "The Dollop" befasst sich mit dem US-Schauspiler Jim Caviezel, der zuletzt mit dem mindestens fragwürdigen, weil mit QAnon-Fantasien unterfütterten Thriller "The Sound of Freedom" in die Kritik geriet (aber auch überaus erfolgreich war). Noch habe ich die Folge nicht gehört, bin aber schon gespannt auf wahnwitzige Caviezel-Fakten.

Ich habe ja immer noch die famose Network-Serie "Person of Interest" in der Mache und überlegte, nachdem die ideologischen Irrwege des "Passion Christi"-Stars ans Licht gekommen waren, ob ich damit nicht aufhören sollte. Nur, dachte ich, wäre das nicht ungerecht gegenüber all den anderen kreativen Köpfen, die an den fünf Staffeln mitgewirkt haben? Die Frage nach der Trennung von Werk und Künstler muss man von Fall zu Fall entscheiden. Sachen, in die Neil Gaiman involviert ist, kann ich inzwischen tatsächlich nicht mehr konsumieren, da wird mir schlecht. Fakt ist: Jim Caviezel ist in "Person of Interest" großartig und passt so perfekt in seine Rolle wie die übrigen Ensemblemitglieder in die ihren.

Fakt scheint auch zu sein: Der Mann hat schlicht nicht alle Murmeln beisammen. Schon vor Monaten habe ich einen Twitter-Thread mit Jim-Anekdoten gescreenshottet, und wann wäre eine bessere Gelegenheit, diese mit euch zu teilen? Viel "Vergnügen"!

Montag, 25. März 2024

Verfälschte Staatsbürgerschaften

Schon einmal habe ich editorische Patzer in den Film-Sammelkarten der Zeitschrift Cinema moniert. Zwei Fehler aus dem Bereich der Länderkunde haben mich seitdem besonders gnatzig gemacht:


Wie ich im oben verlinkten Beitrag schrieb: Der Staat hieß in den 1980er-Jahren DDR, Anklam lag in Matthias Schweighöfers und meinem Geburtsjahr nicht in "Deutschland".


Zugegeben: Der Status von Jersey und den anderen Kanalinseln ist nicht unkompliziert, aber dass sie kein Teil von Großbritannien sind, könnte man wissen. Als Kronbesitzungen gehören sie streng genommen nicht einmal zum Vereinigten Königreich, doch hätte ich über die Angabe "Jersey/UK" ggf. hinweggesehen.

Montag, 16. August 2021

Der Zauberer von Oz

Ich bin ein bisschen stolz auf mich, dass ich mittlerweile mit hoher Trefferwahrscheinlichkeit australische Kino- und TV-Produktionen identifizieren kann, wenn ich nur einen Blick auf die Cast-Liste werfe. Von "Glitch" wurde neulich im "Something Awful"-Forum geschwärmt, also suchte ich diese Serie auf imdb, scrollte direkt zum Abschnitt mit den Mitspielenden und wusste sofort: Aha, Australien – fuck it, das guck' ich nicht! (Nichts Gutes kommt aus Australien.)

Dabei bin ich in der australischen Schauspielszene überhaupt nicht sattelfest, im Gegenteil; ich komme durch das Ausschlussverfahren zu meinem Urteil. Von zwölf Namen würde ich mindestens einen wiedererkennen, handelte es sich um einen Film bzw. eine Serie aus den USA oder aus Großbritannien. Wäre es eine irische Produktion, würde ich das an dem einen oder anderen landestypischen Personennamen erkennen, wie auch innerhalb einer kanadischen Besetzungsliste französisch klingende Namen zu erwarten wären, zudem mehr als eine Person of Color. Hm, jetzt bin ich mir unsicher, ob ich ein australisches von einem neuseeländischen Bewegtbildprodukt unterscheiden könnte. Wahllos öffne ich drei imdb-Seiten zu neuseeländischen Serien. Nun gut, bei dem deutschen Titel "Brokenwood: Mord in Neuseeland" ist der Fall von vornherein klar. Bei "Wellington Paranormal" ebenso, bei "Kaitangata Twitch" im Grunde auch. Und wenn man ein bisschen mit Maori-Morphophonologie vertraut ist, weiß man, wo man einen Namen wie Rahiri Wharerau (aus der Comedyshow "Lucy Lewis Can't Lose") einzuordnen hat. Manchmal ist es aber schon tückisch. Was will ich mit dieser Abschweifung eigentlich sagen? Ach ja: Ich bin ein bisschen stolz auf mich, dass ich mittlerweile mit hoher Trefferwahrscheinlichkeit australische Kino- und TV-Produktionen identifizieren kann, wenn ich nur einen Blick auf die Cast-Liste werfe.

Dienstag, 7. Mai 2019

Ich habe Victoria Jacksons Autobiografie gelesen, damit ihr es nicht müsst

Victoria Jackson (*1959) war von 1986 bis 1992 Teil des Ensembles von "Saturday Night Live" und übernahm dort regelmäßig die Rolle dessen, was man im amerikanischen Englisch bimbo oder ditz nennt, also dem blonden Dummchen, wie man es heutzutage zum Glück kaum noch in Comedyshows zu sehen bekommt. Mit ihrem Look sowie einer kindlich-naiven Quakstimme war sie prädestiniert dazu bzw. wurde halt type-gecasted, wobei sie auch über hohes akrobatisches Geschick und musikalisches Talent verfügt(e), so dass sie regelmäßig Ukulele spielend oder radschlagend auf der Bühne glänzte. Johnny Carson war ein Fan von ihr, 20 Mal war sie in seiner Late-Night-Show zu Gast.

Weil ihre Karriere in der Unterhaltungsbranche nach 1992, wie bei so vielen SNL-Alumni, nicht so recht Fahrt aufnehmen wollte, begann sie sich allmählich auf ungute Art zu politisieren und wurde Anfang der Zehnerjahre zu einem der prominenteren Gesichter der Tea-Party-Bewegung. Über diesen Werdegang hat sie 2012 ein Buch geschrieben ("Is My Bow Too Big?"), welches ich vor kurzem endlich ausgelesen habe. Ich lese grundsätzlich alle Biografien aus dem "Saturday Night Live"-Umfeld, und diese Geschichte interessierte mich ganz besonders, denn ich finde es zu gleichen Teilen spannend und unbegreiflich, wenn jemand peu à peu ideologisch "abdriftet". Beispiel Dennis Miller: War der Comedian in seiner Zeit als "Weekend Update"-Anchor noch keinem konkreten Spektrum zuzuordnen, begriff er sich nach 9/11 plötzlich als konservativer Patriot und ging die Jahre darauf schließlich full FOX News mindset.

Auch bei Victoria Jackson war dieses zweifellos traumatische Datum offensichtlich ein Erweckungserlebnis. Jedoch scheint mir in diesem speziellen Fall die Veranlagung zum Rechtsruck noch tiefer zu liegen, nämlich in einer von früh an verabreichten Überdosis Religion. Die Jacksons waren strenge Baptisten, und weil das Familienleben im Wesentlichen harmonisch ablief und kaum Anlässe bot, die diversen schrägen Dogmen infrage zu stellen, hat sich Victoria nie davon emanzipiert. Im Gegenteil: Bibelcollege und selbstauferlegte "Reinheit" bis in die wilde New Yorker Ära hinein waren logische Folgen. Und noch die übelsten fundamental-christlichen Urteile (Abtreibung ist Mord! Homosexuelle kommen in die Hölle!) galten ihr als unanfechtbar. Dann kam der 44. Präsident der Vereinigten Staaten und das Fass lief über. Bereitwillig ließ sie sich in die Verschwörungs- und Hetz-Maschinerie der far-right einspannen: Selbstverständlich zweifelt sie Obamas Staatsbürgerschaft an, die Vorbereitung eines muslimisch-kommunistischen Umsturzes wirft sie ihm vor, nicht weniger als Jesu erneute Ermordung befürchtet sie von der "liberalen Elite". "Socialist agenda" und "anti-American ideology" sind weitere gern verwendete Schlagwörter. Dass Andrew Breitbart (in dessen Haus sie sogar übernachten durfte) seine Anhänger anhielt, Obama lediglich als "Kulturmarxisten" zu titulieren, nimmt sie immerhin zur Kenntnis, verwendet aber mehrfach und allen Ernstes das Wort jihadist. Klar, in diesem Dunstkreis gelten ja schon Bernie und Ocasio-Cortez als Ultrastalinisten, weil sie stinknormale sozialdemokratische Visionen wie das Recht auf kostenlose Ausbildung und Gesundheitsversorgung haben.

Entsprechend zermürbend und enervierend gestaltet sich die Lektüre, und einzig die Passagen über die Welt des Showbiz haben mich bei der Stange gehalten. Fast schon schade ist zudem, dass das Buch mitten in Obamas erster Amtszeit endet. Ich wüsste gern, was Frau Jackson von Donald Trumps Wahlsieg 2016 und den Folgen gehalten hat. Ist für sie der Messias gekommen? Findet sie, dass seitdem alles in ihrem Sinne läuft? Oder dass im Gegenteil alles nur noch schlimmer geworden sei, weil in Wahrheit linke Massenmedien die Fäden ziehen? Vielleicht hat sie sich ja in einer ihrer Glossen dazu geäußert, die auch noch zu lesen mir aber die Kraft fehlt. 2017 hat sie sich zumindest – Quelle: Wikipedia – via öffentlicher Ankündigung endgültig aus der Politik zurückgezogen ("The article blamed her politics for her lack of career success"). Man wünscht ihr Glück.

Montag, 11. Februar 2019

Gefragt, geplagt

Interviewtechniken, zumindest Techniken für Schriftmedien geführter Interviews, waren in diesem Blog schon mehrmals Thema. Ein Trend der letzten Jahre ist auffällig: Der oder die Interviewer/in tritt nicht mehr als neutrale Fragestellungsinstanz zurück, sondern begreift sich als Teil eines lebhaften Gesprächs, drängt sich teilweise sogar in den Vordergrund. Exemplarisches aus dem aktuellen Stern:


Das ist vermutlich nicht einmal der vorläufige Höhepunkt solcher Entwicklungen, ich widme mich diesem Genre nur selten; aber gute Güte! Da will jemand krampfhaft seine Gelehrsamkeit demonstrieren, streut jedoch geschickt Unterlegenheitsbekundungen ein ("Ich kann Ihnen nicht mehr ganz folgen"), um zu zeigen, dass er mit dem Interviewten (hier: Christoph Waltz) auf Augenhöhe schwätzt.

Ich verstehe die Intention hinter dieser "Schlagabtauschisierung" von Promi-Interviews durchaus. Man möchte einer Textsorte neues Leben einhauchen, nachdem der Leser die tausendfach abgespulten Standardfragen und -antworten mittlerweile auswendig kennt. Einfach nur ermüdend sind zum Beispiel die Interviews in der Cinema. Immerimmerimmer wieder derselbe Schmus:
- "Wie war es für Sie, mit Regisseur XY zu drehen?"
- "Es war eine riesige Ehre und eine unglaubliche Erfahrung. XY weiß genau, wie eine Szene ablaufen muss, er ist extrem präzise und strikt, gleichzeitig gibt er dir das Gefühl, die einzige Person im Raum zu sein, die ihm etwas bedeutet."
- "Sie sind selbst Mutter von zwei Söhnen, jetzt spielen Sie eine Kindsmörderin. Haben Sie gezögert, als man Ihnen die Rolle angeboten hat?"
- "Klar, zuerst musste ich schlucken, aber nachdem ich die ersten Seiten des Drehbuchs gelesen hatte, war mir klar: Das musst du einfach machen, so eine Chance bekommst du nicht jeden Tag. Es war sagenhaft intensiv, und ich bereue die Entscheidung nicht."
- "Wird man Sie jetzt öfter in solchen schweren Rollen sehen?"
- "Das kann ich so pauschal nicht sagen. Wenn es passt, dann passt es. Comedy macht mir immer noch wahnsinnigen Spaß, aber ich möchte mich auf lange Sicht nicht in einer Sparte festfahren und gerne was Neues ausprobieren. Die Leute sollen sehen, dass ich mehr kann als die ewige Ulknudel zu geben."
- "Kann man den Schauspielberuf auch nutzen, um seine dunklen Seiten auszuleben?"
- "Ich denke, jeder Mensch hat eine dunkle Seite. Ich finde es herausfordernd, aber auch unheimlich faszinierend, mich in abseitige Charaktere hineinzuversetzen."
- "Haben Sie eine geheime Facette, die Sie gerne mal auf der Leinwand präsentieren würden?"
- "Selbstverständlich, aber die verrate ich nicht. (lacht)"
Überschrift des Interviews: "Jeder Mensch hat eine dunkle Seite". Erkenntnisgewinn: nicht vorhanden.

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Was macht eigentlich ... Lutz Görner?

Diese Frage kann man relativ rasch und simpel beantworten: Er lebt noch. Erst vor drei Tagen berichtete die WAZ über ein unter Begeisterung aufgeführtes Robert-Schumann-Programm Görners in Bottrop. Der bekannte deutsche Rezitator, der sich ausweislich Wikipedia im Bergischen niedergelassen hat, scheint trotz seines Alters von immerhin 73 noch ziemlich umtriebig zu sein.
Lutz Görner hat sich mir als fester Bestandteil meiner Schulzeit auf ewig ins Gedächtnis eingebrannt. Wann immer es sich im Deutsch-Leistungskurs anbot, geleitete unser Lehrer uns in den Videokeller (ganz recht, so was gab es bei uns; nur wenn dieser belegt war, wurde ein Fernseher in das entsprechende Klassenzimmer gerollt) und führte uns Aufnahmen der 3sat-Sendung "Lyrik für alle" vor. So ersparte es sich der notorisch zurückhaltende Pädagoge, Lehrinhalte und vor allem Primärtexte selbst vorzutragen, und überantwortete dies einem professionellen Sprecher und Schauspieler. "Lyrik für alle" wurde zum letzten Mal 2010 ausgestrahlt, die viertletzte Ausgabe behandelte sogar Robert Gernhardt! Das Gute: Alle 200 Folgen sind auf Görners Webseite archiviert. Für ehemalige Schülerinnen und Schüler mit gleicher Erfahrung eröffnet sich hier die Gelegenheit für einen herrlichen Nostalgietrip.


Sonntag, 15. April 2018

Bizarre Todesanzeigen, die man nur im Kreuzworträtsel findet

Ich habe gerade ein Kreuzworträtsel vom 10. März 2018 ausgefüllt, in welchem Clint Eastwood für tot erklärt wird. Obwohl ich mir nicht zutraue, ein Promi-Ableben solchen Kalibers nicht mitzubekommen, habe ich sicherheitshalber Wikipedia konsultiert: Der 1930 geborene Schauspieler und Regisseur lebt noch.

PS: Die Frage nach einer "Direktverbindung (EDV)" nebst der Lösung "Online" ist ein weiteres Indiz dafür, dass die meisten Kreuzworträtselausdenker älter sind als Clint Eastwood.

Sonntag, 29. Oktober 2017

"Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf"

Dieses Jahr ist Jerry Lewis gestorben, und deswegen müssen wir kurz über "Filme im Giftschrank" sprechen. "The Day the Clown Cried" dürfte der bekannteste Film sein, den kaum ein Mensch gesehen hat; zu den wenigen Priveligierten gehören der "Simpsons"-Sprecher Harry Shearer und die Journalistin Lynn Hirschberg. Ihre Reaktionen ("I was appalled ... It's beyond normal computation." - Hirschberg) kann man in einer bei Google Books einsehbaren Ausgabe von Spy aus dem Jahr 1992 lesen. Weitere Kritiken und Aufsätze, vermutlich nicht wenige, werden allerdings erst 2025 folgen, denn 2015, zwei Jahre vor seinem Tod, hat Lewis verfügt, dass "The Day the Clown Cried" dann endlich aufgeführt werden darf. Bis dahin kann man sich online das Drehbuch durchlesen oder eine BBC-Dokumentation über das unfassbare Werk angucken. "Worum geht es denn nun, verdammt?", fragen sich alle, die nicht wissen, worum es geht. Nun, anno 1972 hatte Jerry Lewis Ambitionen, seiner Klamauk-Palette einen dramatischen Tupfer hinzuzufügen, und so drehte er, mit sich selbst in der Hauptrolle, eine Tragikomödie über einen – wait for it – Clown in Nazi-Deutschland, der durch gewisse Umstände als eine Art "KZ-Bajazzo" in Auschwitz landet, wo er schließlich à la "Rattenfänger von Hameln" blödelnderweise Kinder in die Gaskammern führt. Die Produktion wurde von Pannen und finanziellen Schwierigkeiten begleitet, Lewis soll im Spagat zwischen seinem Trademark-Slapstick und der inneren Zerrissenheit seiner Rolle völlig unbeholfen gewirkt haben, er selbst hatte bereits vor dem Drehstart arge Bedenken, kurzum: Vom Konzept bis zur Realisierung eine einzige Katastrophe, deren Resultat nicht nur seiner Ansicht nach, sondern eben auch jener der Gewährsleute, unwatchable geriet.

Kommen wir zu etwas weniger Herunterziehendem. Nicht im Giftschrank, aber direkt auf VHS statt in den Lichtspielhäusern landete 1995 "Theodore Rex", ein Buddy-Movie mit einer Polizistin und einem – wait for it – sprechenden Dinosaurier (TV-Tropes-Eintrag). Die Hauptdarstellerin Whoopi Goldberg schämte sich bereits während der Dreharbeiten dermaßen für diesen Streifen, der als "der Super-Mario-Film, nur in noch schlimmer" beschrieben wird, dass sie das Projekt vorzeitig abbrechen wollte, wovon sie wegen der Androhung einer immensen Vertragsstrafe absah. Dass für diesen Enorm-Flop, der bei imdb sagenhafte 2,4 Sterne hat, auch noch Armin Müller-Stahl gewonnen werden konnte, ist ein zusätzliches Faszinosum. Bitte schaut euch den offiziellen Trailer auf YouTube an und entscheidet selbst, ob dieses Monstrum in die Kategorie "so bad it's good" oder "so bad it's horrible" fällt.

Sehr gerne sähe ich "Nothing Lasts Forever" (der sogar einen deutschen Titel hat: "Alles ist vergänglich"), starring Bill Murray und Dan Aykroyd, produziert von "Saturday Night Live"-Erfinder Lorne Michaels, geschrieben und inszeniert von "SNL"-Autor Tom Schiller. Diese bisher nur einmal im nächtlichen US-Fernsehprogramm ausgestrahlte Fabel über ein dystopisches New York, magiebegabte Obdachlose und Busreisen zum Mond wird heute mit Terry Gilliams "Brazil" verglichen, stank bei der Pressevorführung 1984 aber derart ab, dass das Studio (MGM) "Nothing Lasts Forever" in die Schmuddelkiste packte, aus der es die momentane Rechteinhaberin Turner Entertainment selbst drei Jahrzehnte später nicht herauslassen mag. Wer weiß, was noch alles in den Verliesen von Hollywood lagert, das wir nicht einmal erahnen ...


Mittwoch, 12. Juli 2017

Kurz notiert: Wahre Worte über Will


Dieser Ausschnitt aus der Süddeutschen Zeitung entstammt einer Rezension von "The House" (auf deutsch, gerade noch akzeptabel: "Casino Undercover"), der neuen Komödie mit Will Ferrell und Amy Poehler. "Ob", so der Kritiker Philipp Stadelmaier zuvor, "als Fernsehmoderator Ron Burgundy in den 'Anchorman'-Filmen, als 'Ricky Bobby - König der Rennfahrer' oder als George W. Bush, den der texanische Schauspieler so genial imitiert: Ferrells große Qualität lag schon immer darin, seine Figuren so zu spielen, als würde eine fremde Macht von ihnen Besitz ergreifen und ihnen fremde Worte in den Mund legen. Was die Figuren dann selbst irgendwann am meisten erstaunt." Kann man so stehen lassen.

Freitag, 28. Oktober 2016

Der Shirley-Temple-Effekt

Ich hatte heute morgen kurz eine Vision: Ich stellte mir vor, wie es wäre, Schauspielagent im "Old Hollywood" zu sein. Ich wäre der Agent von einem aufsteigenden Kinderstar und würde dafür sorgen, dass dieser Star aufgrund einer gut versteckten Klausel im Vertrag mit einem Filmstudio bis ins hohe Alter ausschließlich in der Rolle von Kindern besetzt wird. Noch mit 60 würde der ehemalige Junge – oder noch besser: das ehemalige Mädchen – Sechsjährige verkörpern. Eine Vorstellung, die mich zum Lachen brachte.

Ganz trocken betrachtet ist type-casting natürlich eine bekämpfenswerte Unsitte. Zudem wäre mein Vorhaben heute gar nicht mehr realisierbar, weswegen ich auch "Old Hollywood" schrieb: ein Hollywood, in dem das Studiosystem vorherrschte und Schauspieler sich tatsächlich über ihre ganze Karriere hinweg an eine einzige Produktionsgesellschaft, derer es nur fünf gab, gebunden haben. Filmtipps: "Hollywoodland" (2006), "L.A. Confidential" (1997), "Sunset Boulevard" (1950).

Donnerstag, 14. August 2014

Die kleine Liste

Die gelungensten Aussagen über Veronica Ferres in der aktuellen Ausgabe des Stern

- "ein Chamäleon der eigenen Fantasie"
- "Januskopf der Prominenz"
- "Die Solinger Welt von Veronica Ferres ist eine Apfelkuchen-Welt ohne Chichi"
- "Ansonsten spricht sie voller Atemhauch mit dieser wohlvertrauten Ferres-Stimme"
- "Profi der Instant-Inszenierung"
- "Es ist, als spiele Veronica Ferres vom ersten Moment an die Hauptrolle in ihrem eigenen Melodram"
- "eine Seiltänzerin zwischen Schein und Sein"
- "Zwischendurch knabbert sie getrocknete Maulbeeren"

Mittwoch, 28. August 2013

(ab)

Schaurig-schön ist die Wikipedia-Liste Category: Deaths onstage. Sie verweist unter anderem auf: den legendären afro-amerikanischen Comedian Redd Foxx, der in einer Drehpause einem Herzinfarkt erlag; den Schauspieler John Ritter, der während einer Probe ein tödliches Aneurysma erlitt, worauf man seine Serienfigur in "8 Simple Rules For Dating My Teenage Daughter" ebenfalls einen überraschenden Tod sterben ließ, was ich damals ziemlich verstörend fand; den DDR-Starkomiker Rolf Herricht, der bei einer Aufführung von "Kiss Me, Kate" verstarb.

Auch dabei ist der hierzulande kaum bekannte britische prop comedian Tommy Cooper, ein im echten Leben wohl recht fieser, alkohol- und nikotinabhängiger Hüne, der aber auf der Bühne mit sympathisch-chaotischen Zaubernummern zu begeistern wusste. YouTube hält eine große Auswahl von Clips bereit. Als Cooper während einer Live-Show einen Herzanfall bekam und zusammenbrach, hielt das Publikum dies zunächst für einen Witz und fing an zu lachen. Angeblich kann man den entsprechenden Ausschnitt ebenfalls auf YouTube finden, aber ich glaube, ich möchte das gar nicht sehen. Was mir gefällt: Das Markenzeichen von Tommy Cooper war ein Fez. Feze fand ich schon als Kind gut. Irgendwann habe ich mir einen gekauft, in der Stadt, nach der der Fez benannt wurde.

Dienstag, 18. Juni 2013

Betr.: Kartoffeln, Kinder, Werbewörter, Straßennamen

Veronica Ferres, Tochter eines Kartoffelhändlers, wurde Anfang 2002 im Mobil-Magazin der Deutschen Bahn gefragt, woran man eine gute Kartoffel erkenne. Ihre Antwort: "An der Farbe, an der Schale und am Fruchtfleisch."

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An einer wenig befahrenen Straße mit Zebrastreifen steht eine Gruppe in signalgelbe Westen gekleideter Kindergartenkinder. Kindergärtnerin 1 nimmt sich einen der Schützlinge zur Hand, schaut mit ihm gemeinsam nach links, nach rechts und nochmals nach links, erklärt ihm äußerst einfühlsam und detailreich den Straßenüberquerungsvorgang und entlässt ihn schließlich auf die andere Seite, wo sich bereits Kindergärtnerin 2 positioniert hat. Inzwischen schickt Kindergärtnerin 3, die Nachhut bildend, das nächste Kind zu Kollegin 1, worauf sich die Prozedur wiederholt; nach 2 bis 3 Stunden dürfte die gesamte Gruppe auf der anderen Straßenseite angekommen sein.
Nun bin ich der Letzte, der sich gegen fürsorgliche Kinderbetreuung ausspräche, aber: Wird sich so ein Zuviel an Achtsamkeit nicht spätestens im Berufsleben zum gnadenlosen Bumerang auswachsen?  

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Schönes neues Wort aus der schönen neuen Warenwelt: die Iglo Dampf-Pyramide

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Ich habe schon mehrmals, nämlich mindestens drei Mal, Wohnungsanzeigen gelesen, in denen der oder die Wohnungsanbietende den betreffenden Straßennamen nicht richtig schreiben konnte. Also etwa "Schiller Straße" statt "Schillerstraße". Wie ignorant (und das meine ich im Sinne von "nicht wissen wollend") muss man eigentlich sein, um die korrekte Schreibung seiner eigenen Adresse nicht zu kennen? Das eigene Geburtsdatum nicht zu wissen wäre nur minimal verwerflicher. 

Montag, 17. Juni 2013

Die Alten und die sehr Alten

Nachdem letzte Woche der japanische Altersrekordler Jiroemon Kimura gestorben ist, gibt es nur noch zwei lebende Menschen – beides Frauen –, die im 19. Jahrhundert geboren sind: Misao Okawa (* 5.3.1898) und Jeralean Talley (* 23.5.1899). Das muss hier einfach mal festgehalten werden. [UPDATE Juni 2015: Stimmt nicht; jetzt sind es wieder drei, und das, obwohl Frau Okawa inzwischen tot ist.]
Festhaltenswert ist auch die Liste der 100+-jährigen Menschen im Showbusiness1. Hoffen wir, dass es Christopher Lee in diese Liste schaffen wird. [UPDATE Juni 2015: Schade.] Lee kann für jedes Jahr seit 1948 einen Filmcredit vorweisen! (Nun, es stimmt nicht ganz: 2006 hatte er lediglich eine Sprecherrolle in einem Herr-der-Ringe-Videospiel, und 1997 hat er "nur" in vier TV-Serien mitgespielt.) Einer der interessantesten Fakten über Christopher Lee dürfte sein, dass sich dieser 1939 unter den Anwesenden bei der letzten öffentlichen Guillotinierung in Frankreich befand. 
Ebenfalls erstaunlich: Erst 2008 starb die letzte Witwe eines amerikanischen Bürgerkriegsveteranen. (Es war in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wegen der lukrativen Rentenansprüche nicht ungewöhnlich, dass sich sehr junge Frauen sehr alte Veteranen als Ehepartner schnappten.) 
Und: John Tyler, der 10. (!) US-Präsident hat zwei heute noch lebende Enkelkinder.

Glücklicherweise ist die Lebenserwartung derzeit auf einem hohen Niveau, so dass uns weiterhin viele faszinierende Greisinnen und Senioren erhalten bleiben werden. 

1 related: Liste der noch lebenden Stummfilmstars
related Post: Goethe und wir

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Prominente, die man leicht verwechselt

Seit Jahren versuche ich vergeblich, die Schauspieler Jon Hamm, Paul Rudd, Bradley Cooper und Jason Bateman auseinanderzuhalten. Alle vier sind ungefähr gleich alt, sehen ähnlich aus und spielen dauernd in irgendwelchen amerikanischen Komödien denselben Charakter. Auffallend lustig sind sie dabei nie. 

Außerdem stellte ich beim Schauen irgendeines Bill-Paxton-Films fest, dass Bill Paxton aussieht wie der Nachrichtensprecher Peter KlöppelAuch knifflig: Mos Def, Dulé Hill und Adrien Lester, obwohl letzterer ein Brite ist. Diese Konfusion kann wohl nur Weiße ereilen. Schwarze hingegen scheinen Probleme mit Dylan McDermott und Dermot Mulroney zu haben; das wurde zumindest neulich bei Saturday Night Live thematisiert (mir waren diese Schauspieler bis dato unbekannt).

Der Klassiker des Schauspieler-Verwechselns ist freilich Jesse Eisenberg / Michael Cera:


Von der singenden Zunft machen mir Jason Mraz, Bruno Mars und Michael Bublé Schwierigkeiten. Wahrscheinlich sind diese Typen total unterschiedlich und individuell, aber irgendwie sind sie in meinem Gedächtnis als eine Kategorie Musiker abgespeichert. Gab es nicht mal bei Family Guy eine Szene, in der Peter einen der drei trifft und ruft: "Hey, it's Bruno Mars!" – "No, I'm just a guy with a hat." – "Exactly..."?

PS: Zum Stichwort Eisenberg muss noch Folgendes ergänzt werden. Der Osten Deutschlands ist ja für seine geradezu grotesk hohe Spaßbad-Dichte berüchtigt. Aber immerhin: Bis in die 1970er Jahre existierte im thüringischen Eisenberg tatsächlich ein Ernstbad.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Eine Serie wie ein Autounfall


(Hinweis: Geringfüge Spoiler möglich.)

Once Upon a Time spielt in zwei Welten. Da ist zum einen das Städtchen Storybrooke, in dem die Kopfgeldjägerin Emma mehr oder weniger zufällig landet und auf ihren Sohn stößt, den sie nach der Geburt weggegeben hat. Dieser Sohn, Henry, ist der einzige in Storybrooke, der das Geheimnis seiner Einwohner kennt. Diese sind nämlich in Wirklichkeit Märchenfiguren. Die Parallelhandlung spielt nun in jener Märchenwelt; wir sehen die Protagonisten also in zwei verschiedenen Inkarnationen. Nach und nach erfahren wir, welcher Einwohner von Storybrooke welcher Figur im Märchenreich entspricht: Die Cafébedienung ist Rotkäppchen, der mysteriöse, reiche Ladenbesitzer entpuppt sich als Rumpelstilzchen, der Psychologe ist Jiminy Grille.

Wait, what?

Das ist das erste, nun ja: gewöhnungsbedürftige Element. Once Upon a Time, das auf dem zum Disney-Konzern gehörenden Sender ABC läuft, zeigt die Märchen in ihrer jeweiligen Walt-Disney-Interpretation. Außerdem bezieht es auch modernere Erzählungen wie Pinocchio und Alice im Wunderland in seinen Kosmos mit ein. Man trifft also auf Figuren wie "Prince Charming", die Blaue Fee, den Verrückten Hutmacher und neuerdings sogar auf Mulan! Ach ja, und die 7 Zwerge haben ihre adjektivischen Disney-Namen – und sie schlüpfen aus Eiern.

Was gibt es sonst noch auszusetzen? Einiges. Die Dialoge sind grottenschlecht. Das Szenenbild ist auffallend spartanisch. Die Effekte sind manchmal über TV-Niveau, oftmals aber nicht. Die Schauspieler? Jennifer Morrison, die schon bei House den farblosesten Charakter geben musste, ist auch hier denkbar langweilig. Ginnifer Goodwin hat sich einen eigenen Spezial-Tonfall ausgedacht (traurig-erschöpft), den sie bis zum Erbrechen einsetzt. Einzig Lana Parrilla als konsequent diabolische Bürgermeisterin und Raphael Sbarge als ambivalentes Rumpelstilzchen sind Lichtblicke. Außerdem spielt die sympathische Emilie de Ravin aus Lost mit. 

Überhaupt: Weil Once Upon a Time von den Lost-Autoren/Produzenten Edward Kitsis und Adam Horowitz entwickelt wurde, gibt es hin und wieder Anspielungen auf Lost, wie ja ohnehin die Handlung ein wenig an die 6. Staffel jener Mysteryserie erinnert. 

Und wegen des letztlich doch erfrischend ungewöhnlichen Ansatzes und der wohldosierten Spannungsmomente ist mir Once Upon a Time ein kleines Guilty pleasure geworden. Die zweite Staffel hat gerade – mit einem netten Gamechanger – begonnen, und ich werde wohl wider jede Vernunft dranbleiben. Obwohl ... Mulan, really? 

Samstag, 28. November 2009

Roomies

Durch eine Folge der Serie Undeclared (doofer deutscher Titel: American Campus) habe ich gelernt, dass in amerikanischen Studentenwohnheimen, in denen sich in der Regel zwei gleichgeschlechtliche Studenten ein Zimmer teilen, folgendes üblich ist: Wenn einer der Zimmerbewohner einen Partner mit auf die Bude nimmt, muss der andere sich irgendwo - z.B. im Aufenthaltsraum - einen Alternativ-Schlafplatz suchen. Wie unverschämt! Ich würde mich weigern, meinen teuer bezahlten Raum nicht zu betreten, nur weil mein Mitbewohner eine Krawatte an die Klinke gehängt hat. Sollen die sich halt ein Stundenhotel suchen. Oder sich beim Akt beobachten lassen. Wer in einem Studentenwohnheim wohnt, hat eh jedes Privileg auf Sex verwirkt. Erbärmlicher ist nur noch, bei seinen Eltern zu wohnen. Ich rede hier natürlich nicht von deutschen Studenten. In den Wohnheimen, die ich kenne, hat zumindest jeder ein eigenes Schlafzimmer. Ich selbst habe grundsätzlich keine Probleme damit, in einem Mehrbettzimmer zu nächtigen - bei Gott, ich teilte mir mal eins mit sieben Australiern (und wie jeder weiß sind Australier die größten Proleten unter der Sonn'). Aber ein bisschen Ruhe tut, gerade in Prüfungszeiten, Not.

Bonus-Text für Nerds Es muss noch erwähnt werden, dass sich Judd Apatow, der Erfinder von Undeclared sowie dessen quasi-Vorgänger Freaks & Geeks, sich mal einen dorm room mit Adam Sandler geteilt hat - Filmmaterial aus diesen Tagen ist in dem Film Funny People (doofer deutscher Titel: Wie das Leben so spielt) (Regie: Apatow) zu sehen. Adam Sandler habe ich eine Zeit lang mit Ben Stiller verwechselt, und tatsächlich wird in einer Undeclared-Episode, in der Sandler einen Gastauftritt hat, dieser von Oliver Rohrbeck synchronisiert, dem deutschen Stamm-Sprecher von Ben Stiller. Laut dem Oracle of Bacon kommen Ben Stiller und Adam Sandler sogar in einem gemeinsamen Cast vor, nämlich dem von dem Film Happy Gilmore. Das Drehbuch dazu schrieb Tim Herlihy, ein langjähriger Autor bei Saturday Night Live. Adam Sandler war in vier Staffeln bei SNL zu sehen, aber auch Ben Stiller hatte darin einige Cameos, u.a. als Tom-Cruise-Parodist.