Donnerstag, 11. Juni 2020

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Official Secrets
Ein toll besetztes Polit-Thriller-Drama über Vorgänge im Zuge der Resolution für die Irak-Invasion 2003. Mir war die spannende Geschichte um die britische Geheimdienstmitarbeiterin Katherine Gun (Keira Knightley) gar nicht bekannt, muss ich gestehen. Wem es auch so geht, der sollte diese dicht erzählte Rekonstruktion aus dem Jahr 2019, bei dem es auch um die Rolle der Medien und um teils absurde Gesetzgebung geht, nicht verpassen.

Les Misérables
Seit ich-weiß-nicht-wie-vielen Jahren befand sich diese Musicaladaption auf meiner Amazon-Watchlist, dann hatte ich einen Nachmittag Zeit, und ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung! Film-Musicals sind ja so eine Sache, wobei: Jetzt, wo ich darüber nachdenke, waren die wenigen Beispiele, die ich gesehen habe, durch die Bank weg höchst amüsant und musikalisch mitreißend ("Cannibal! The Musical", Reefer Madness" [2005], "South Park: Der Film"). "Les Misérables" ist nicht nur ein Ohren-, sondern auch ein Augenschmaus: Ausstattung und Kostüme sind sensationell, und auch der Cast ist exzellent und gesanglich überraschend talentiert. Das gilt nicht nur für den Hauptdarsteller Hugh Jackman; auch Anne Hathaway, Russell Crowe, Helena Bonham Carter (in einer typischen Helena-Bonham-Carter-Rolle) sowie verrückterweise Sacha Baron Cohen überzeugen sehr.
Wer hier, gerade gegen Ende hin, nicht das ein oder andere Tränchen verdrückt, ist ein Monster!

Der Blaue Nachtfalter
Da ich vor einiger Zeit eingesehen habe, dass nicht alle deutschen Filme schlecht sein können und insbesondere Nachkriegsdramen einen Blick wert sind, habe ich mir recht wahllos den "Blauen Nachtfalter" herausgegriffen, in welchem die legendäre Zarah Leander 1959 ein Comeback feierte. Ich hatte die deutsch-schwedische Diva noch nie zuvor gesehen oder gehört und musste amüsiert feststellen, dass ihre Sprechweise an Dietmar Wischmeyers Kunstfigur "Der kleine Tierfreund" erinnert. Ihr Schauspiel ist – zumindest hier – mit "hölzern" zu beschreiben, wobei ich mich nicht gar so gehässig wie der "Spiegel" auslassen möchte. Was das Drehbuch angeht, kann ich der damaligen Kritik ("dreist gestümperte Groschenheft-Welt bei totaler geistiger Armut [...] mit handelsüblichen Gefühlssurrogaten") indes zustimmen. Der Autor schien sich nicht mal sicher gewesen zu sein, was "Der Blaue Nachtfalter" überhaupt sein will: Zu Beginn glaubt man, es mit einer Widerstandsgeschichte zu tun zu haben, dann wird es eine Familienschnulze im Chansonetten-Umfeld, es folgen Ausflüge ins Gangsterfach, und enden tut es als Gerichtsdrama (in welchem ein interessanter Strafrechtsgrundsatz eine Rolle spielt, der wohl dem größten Teil der Jurist_innen allenfalls im Studium begegnet ist). Ganz am Rande werden immerhin moderne Probleme wie Altersdiskriminierung und Emanzipation gestreift.
Fazit: Muss man sich nicht angucken. Und -hören schon gar nicht.

Marriage Story
Warum um diesen viel zu langen Scheidungs-Tearjerker ein so irrsinniges Bohei (bis hin zur mehrfachen Oscar-Nominierung) gemacht wurde, wird mir für immer ein Rätsel bleiben. Mit dem Milieu, in dem die "Story" angesiedelt ist, dürften sich 99 % des Publikums kaum identifiziert haben; schon eher die begeisterten Kritiker/-innen, deren Begeisterung den Hype denn auch maßgeblich beflügelt haben dürfte. Eine selbsterfüllende Prophezeiung. Warum das Drama eine FSK-Freigabe ab 6 erhalten hat, kann ich auch nicht nachvollziehen.
Scarlett Johansson und Adam Driver machen ihre Sache zugegebenermaßen gut. Als Theaterstück hätte das allerdings besser funktioniert, glaube ich.

The Clovehitch Killer
Ein Heranwachsender verdächtigt seinen Vater, ein lange gesuchter perverser Serienmörder zu sein. Zu Recht? Auf die Klischeeszenen, die man erwartet, wird dankenswerterweise verzichtet. Überhaupt hebt das zurückhaltende, dabei nicht unpackende, zeitversetzte Erzählen den Thriller knapp über den Durchschnitt. Der Clove hitch ist übrigens ein Knoten, der auf deutsch Webeleinenstek, Webleinstek oder Mastwurf heißt.

Seven Stages to Achieve Eternal Bliss by Passing Through the Gateway Chosen by the Holy Storsh
... habe ich in der Titanic-Humorkritik 6/20 besprochen.

Bird Box
Wie auch "Marriage Story" ein auf Netflix veröffentlichter Streifen, aber im Gegensatz zu ersterem viel zu niedrig bewertet (6,6 auf imdb). Dabei zieht der post-apokalyptische Grusler seine Spannung aus einer Prämisse, die man so noch nicht gesehen hat (wohl aber gelesen: in Josh Malermans Romanvorlage, die ich nicht kannte) und die ein wenig an "A Quiet Place" erinnert (der mir jedoch noch besser gefallen hat). Abermals ist die Besetzung zu loben, allen voran Sandra Bullock und John Malkovich.

Beautiful Boy
Aus den Amazon-Studios kommt diese an die Substanz gehende Literaturverfilmung mit Breakingstar Thimothée Chalamet als jugendliches Drogenopfer. Als seine Eltern: Steve Carell und Maura Tierney, mithin zwei Schauspielende, die mit Comedyserien groß geworden sind ("NewsRadio" wäre auch mal einen eigenen Beitrag wert). Das Ganze ist erwartbar traurig, wenn auch nicht komplett hoffnungslos und pessimistisch.

Cemetery Junction
Teenage angst zum Zweiten: Auf diese britische Dramödie von 2010 bin ich nur gestoßen, als ich in anderem Zusammenhang die Filmographie von Ricky Gervais durchgegangen bin. Ich lieh sie mir daraufhin aus der Bibliothek aus (ja, das mache ich noch gelegentlich!). Gervais ist hier nicht nur als Schauspieler in einer Nebenrolle vertreten, er hat auch gemeinsam mit seinem "Office"-Buddy Stephen Merchant das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Dementsprechend vulgär geht es hin und wieder zu, die Vulgaritäten beschränken sich aber auf die Sprache, so dass diese warmherzige 70er-Jahre-Coming-of-age-Story durchaus familientauglich ist.

Parallelwelten (OT: Durante la Tormenta)
Zum Schluss noch ein spanischer Vertreter des Zeitreisegenres. Man muss ein wenig aufpassen, aber am Ende löst sich alles einigermaßen logisch und befriedigend auf. Zur Handlung möchte ich nichts verraten.

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