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Sonntag, 6. August 2023

Die Apotheken-Bibliothek

Ich hatte schon einmal erwähnt, dass ich nach jeder gesehenen Episode von "Der junge Inspektor Morse" die Sektion "Wissenswertes" auf der dazugehörigen imdb-Seite durchlese. Zuletzt hatte ich dadurch u.a. erfahren, dass man bis 1967 bei vielen Filialen der britischen Drogeriekette Boots Bücher ausleihen konnte.


Das ist ja mindestens genau so toll wie die Möglichkeit, in amerikanischen Drugstores Kaffee zu trinken

PS: Was stimmt wohl nicht mit der Person, die als einzige solch einen Knaller-Fakt mit "nicht hilfreich" markiert?

Freitag, 15. Juli 2022

Geister-Credit-Jagd

Vor einigen Tagen habe ich zum ersten Mal eine Bearbeitung in der englischsprachigen Wikipedia durchgeführt, worauf ich sehr stolz bin. Nun gut, die Bearbeitung bestand lediglich in der Entfernung eines Links. Aber der Reihe nach.

Letzte Woche verstarb der amerikanische Schauspieler und Komiker Larry Storch im Alter von 99 Jahren. Beim Durchstöbern seiner Filmographie entdeckte ich, dass er einer der drei Hauptdarsteller der 1975er Sitcom "The Ghost Busters" war, auf der die Zeichentrickserie "Ghostbusters" basierte, die man nicht mit der Trickserie "The Real Ghostbusters" verwechseln darf. Nur Letztere drehte sich um die vier Geisterjäger aus den erfolgreichen Filmen mit Bill Murray & Co. Tatsächlich hatte sich Columbia die Namensnutzungsrechte von der Produktionsfirma Filmation erst erkaufen müssen. Nach dem Erfolg der Geisterkomödie reaktivierte Filmation sein altes Franchise wieder, und so kam es, dass Mitte der Achtzigerjahre in den USA zwei Ghostbuster-Shows parallel liefen. Ich mochte als Kind beide, und nostalgisch scrollte ich mich durch die Episodenliste von "Filmation's Ghostbusters".

Für Folge 44, "That's No Alien", sind zwei Personen als Autoren angeführt, Mark Nasatir und Charles Kaufman. Hinter dem Namen des zweiten führte ein Link zu dem Wikipedia-Eintrag "Charles Kaufman (Screenwriter)". Ich überflog ihn und stutzte: Dieser Autor (1904-1991) war 1963 gemeinsam mit Wolfgang Reinhardt für einen Oscar für das beste Originaldrehbuch, nämlich das für "Freud", nominiert worden. Dieses Biopic ist sein letzter Eintrag in der imdb; auch die deutsche Wikipedia weiß: "Nach dieser Produktion trat Kaufman nicht mehr als Drehbuchautor in Erscheinung." Und nahezu unbemerkt soll so ein renommierter Schreiber mehr als 20 Jahre später aus dem Ruhestand getreten sein, um an dem Script für eine Animationsserie mitzuschreiben? Das konnte nicht sein. Mit wenig Aufwand spürte ich in der imdb einen weiteren Charles Kaufman auf (Nr. III), und unter dessen Credits findet sich in der Tat ein Eintrag für die entsprechende "Ghostbusters"-Episode. Und nicht nur das: Herr Kaufman hat außerdem für "The Real Ghostbusters" (die später in "Slimer! and the Real Ghostbusters" umbenannt wurde) geschrieben! Da diese verdienstvolle Arbeit offenbar nicht ausgereicht hat, um dem Mann einen eigenen Wikipedia-Artikel zu spendieren, blieb mir nichts anderes übrig, als die falsche Verknüpfung zu löschen und den Namen Charles Kaufman unverlinkt zu lassen.

Montag, 4. April 2022

Demnächst als Direct-to-VHS

The Long Night 2
Das bizarre Wochenende eines wahnsinnigen Paares nimmt eine ruhige Wendung, als eine apokalyptische Sekte und ihr hingebungsvoller Führer kommen, um eine albtraumhafte Prophezeiung zu erfüllen.

The Long Night 3D
Das apokalyptische Wochenende eines ruhigen Paares nimmt eine albtraumhafte Wendung, als eine wahnsinnige Sekte und ihr bizarrer Führer kommen, um eine hingebungsvolle Prophezeiung zu erfüllen.

The Long Ni4ht
Das wahnsinnige Wochenende eines albtraumhaften Paares nimmt eine hingebungsvolle Wendung, als eine ruhige Sekte und ihr apokalyptischer Führer kommen, um eine bizarre Prophezeiung zu erfüllen.

Hausaufgabe: Schreibe weitere Fortsetzungen! Wie viele verschiedene Inhaltsangaben sind möglich?

Montag, 29. November 2021

Wort des Tages

Viel zu spät, nämlich erst heute, habe ich eine famose neue Vokabel gelernt: Mockbuster. Damit bezeichnet man einen Film, der vom Hype eines aktuellen Blockbusters zu profitieren trachtet, indem er sich in Genre und Anmutung, vor allem aber über den Titel und das Filmplakat an diesen anlehnt. Man setzt auf den Verwechslungsfaktor. Um es mit Wikipedia zu formulieren: "Den Herstellern solcher Mockbuster wird vorgeworfen, die Unwissenheit über einen neuen Blockbuster auszunutzen, um so noch vor oder während des Erscheinens des Originals dessen Werbung und allgemeine Aufmerksamkeit auszunutzen, um eine Billigkopie mit einem zum Verwechseln ähnlich klingenden Namen und gleicher Aufmachung erfolgreich zu verkaufen." Solche Trittbrettfahrer-Produktionen haben mit gewöhnlichem Direct-to-DVD-Trash die extrem billige Inszenierung und das schlechte Schauspiel gemein sowie, als Folge davon, in der Regel eine beeindruckend niedrige imdb-Wertung. Die einzige erkennbare "Mühe" fließt wie gesagt in das Ranwanzen an Trends, das Auf-den-Zug-Springen, in den Versuch, oberflächig eine Erfolgsformel zu kopieren.

Das jüngste Beispiel, auf das ich heute per Zufall gestoßen bin und das mich überhaupt erst zu dem Wort "Mockbuster" geführt hat, kann sich auf imdb im Moment mit 1,9 von 10 Punkten schmücken.

Hinweis für Nachgeborene: Denis Villeneuves "Dune"-Verfilmung erfuhr 2021 weltweite Beachtung und zog Menschen ansehnlicher Zahl in die Kinosäle.

Montag, 16. August 2021

Der Zauberer von Oz

Ich bin ein bisschen stolz auf mich, dass ich mittlerweile mit hoher Trefferwahrscheinlichkeit australische Kino- und TV-Produktionen identifizieren kann, wenn ich nur einen Blick auf die Cast-Liste werfe. Von "Glitch" wurde neulich im "Something Awful"-Forum geschwärmt, also suchte ich diese Serie auf imdb, scrollte direkt zum Abschnitt mit den Mitspielenden und wusste sofort: Aha, Australien – fuck it, das guck' ich nicht! (Nichts Gutes kommt aus Australien.)

Dabei bin ich in der australischen Schauspielszene überhaupt nicht sattelfest, im Gegenteil; ich komme durch das Ausschlussverfahren zu meinem Urteil. Von zwölf Namen würde ich mindestens einen wiedererkennen, handelte es sich um einen Film bzw. eine Serie aus den USA oder aus Großbritannien. Wäre es eine irische Produktion, würde ich das an dem einen oder anderen landestypischen Personennamen erkennen, wie auch innerhalb einer kanadischen Besetzungsliste französisch klingende Namen zu erwarten wären, zudem mehr als eine Person of Color. Hm, jetzt bin ich mir unsicher, ob ich ein australisches von einem neuseeländischen Bewegtbildprodukt unterscheiden könnte. Wahllos öffne ich drei imdb-Seiten zu neuseeländischen Serien. Nun gut, bei dem deutschen Titel "Brokenwood: Mord in Neuseeland" ist der Fall von vornherein klar. Bei "Wellington Paranormal" ebenso, bei "Kaitangata Twitch" im Grunde auch. Und wenn man ein bisschen mit Maori-Morphophonologie vertraut ist, weiß man, wo man einen Namen wie Rahiri Wharerau (aus der Comedyshow "Lucy Lewis Can't Lose") einzuordnen hat. Manchmal ist es aber schon tückisch. Was will ich mit dieser Abschweifung eigentlich sagen? Ach ja: Ich bin ein bisschen stolz auf mich, dass ich mittlerweile mit hoher Trefferwahrscheinlichkeit australische Kino- und TV-Produktionen identifizieren kann, wenn ich nur einen Blick auf die Cast-Liste werfe.

Freitag, 16. Oktober 2015

Mmmh, Paranüsse ...

Gibt man bei imdb das Stichwort "Paranormal" ein, kriegt man über 200 Treffer serviert, darunter viele Filmtitel. Die erfolgreiche Paranormal Activity-Reihe hat da eine regelrechte Lawine losgetreten.

Bei Paranormal Island, Paranormal Entity, Paranormal Asylum, Paranormal Incident, Paranormal Retreat, Paranormal Captivity, Paranormal Adoption, Paranormal Proof, Paranormal Effect, The Paranormal Diaries: Clophill und Paranormal Camcorder scheint es sich mehr oder weniger um Rip-offs, jedenfalls aber um Perlen des Horror-Genres zu handeln.

Paranormal Movie, Paranormal Whacktivity, Paranormal Parody, Paranormal Calamity und Not So Paranormal Activity sind ganz offensichtlich Parodien.

Kurzfilme, Dokumentationen und Serienepisoden habe ich nicht berücksichtigt. Die Titel, die mir am besten gefallen, sind Paranormal Ghosts und Paranormal Demons. Normale Geister und Dämonen sind ja schon gruselig, aber paranormale Geister und Dämonen: Da fürchte ich mich zu sehr!

Allen hier aufgezählten Filmen gemein ist, dass sie sehr, sehr schlecht bewertet sind.

Montag, 20. Januar 2014

Plötzlich Filmtitel!

Folgende Film- und Serientitel gibt es laut imdb schon:
  • Plötzlich Prinzessin
  • Plötzlich verliebt
  • Plötzlich Star
  • Plötzlich Model
  • Plötzlich Millionär
  • Plötzlich berühmt
  • Plötzlich reich
  • Plötzlich fett
  • Plötzlich Papa - Einspruch abgelehnt!
  • Plötzlich Opa
  • Plötzlich Onkel
  • Plötzlich erwachsen
  • Plötzlich 70!
  • Plötzlich wieder 16
  • H2O – Plötzlich Meerjungfrau
  • Vorzimmer zur Hölle III - Plötzlich Boss
Ich beanspruche hiermit ganz unverbindlich Titelschutz für:
  • Plötzlich Oheim
  • Plötzlich Uhu
  • Plötzlich 71!
  • Plötzlich Hexenmeister
  • Plötzlich Bademeister
  • Plötzlich Stalker
  • Plötzlich Stasi
  • Plötzlich Penis
  • Plötzlich rothaarig
  • Plötzlich Mittelmaß
  • Plözzlich Legastheniker
  • Plötzlich Millionär II: Plötzlich Milliardär (wegen Inflation)
  • Plötzlich plötzlich – Endstation Ejaculatio praecox
  • Plötzlich hat das Wort seine Bedeutung verloren. Wie das klingt: "plötzlich" ...

Donnerstag, 1. März 2012

... wie aus einem schlechten Film

Auf Welt online las ich heute dies:

"Eine Geschichte wie aus einem schlechten Film: Ein Deutscher hat in Österreich seinen Tod vorgetäuscht. Er hatte vor, in den USA ein neues Leben anzufangen."

Was mich daran stört, ist die Phrase "eine Geschichte wie aus einem schlechten Film". Wirklich? Ist ein Film, in dem jemand seinen eigenen Tod vortäuscht, automatisch schlecht? Die Filmdatenbank imdb listet für den Tag "Faking Own Death" 28 Titel auf, darunter Der dritte Mann (Wertung: 8,5/10), Der Mondmann (7,4/10) und James Bond: Thunderball (7,0/10). 24 der 28 Filme haben eine Bewertung von über 5,0 erhalten, sind also alles andere als schlecht.
Viel zu schnell ist man mit der abfälligen Bemerkung "wie im schlechten Film" dabei, nur weil das Leben wieder einmal die bessere Geschichte geschrieben hat.

"Eine Geschichte wie aus einem schlechten Film: Vier junge US-Bürger sind in Nord-Philadelphia festgenommen worden, nachdem sie mit einer Petition Überwachungskameras hinterfragten." (netzpolitik.org)

"Wie aus einem schlechten Film erscheint, was am Dienstag in Lüttich geschehen ist: Mit Handgranaten und einer Pistole tötete ein 33-Jähriger zunächst zuhause eine Frau und später ein Kind und zwei Jugendliche am zentralen Platz der Stadt, bevor er sich selbst durch einen Schuss in den Kopf selbst tötete." (Welt online)

"Schon fast wie aus einem schlechten Film mutet die ausgestellte Technik an, mit der das MfS Menschen ausspionierte, mit Kameras in einer Gießkanne, einem Obstkorb, einer Aktentasche, sogar einem BH-Verschluss." (otz.de)

"Ein halbnacktes weinendes Kind rennt durch die verschneiten Straßen einer Großstadt. Bilder wie aus einem schlechten Film, die für einen kleinen Buben aus New York zur Realität wurden." (austria.ch)

"Wie in einem schlechten Film müssen sich die Insassen einer U-Bahn im Münchner Untergrund am Dienstagnachmittag vorgekommen sein. Der Zug der Linie U1 fuhr vom Hauptbahnhof bis zum Mangfallplatz sieben Stationen ohne einen Halt durch, dann wurde er durch eine Zwangsbremsung gestoppt." (donaukurier.de)

Ich zumindest könnte mir die genannten Szenarien sehr gut in unter die Haut gehenden Psychothrillern vorstellen. Ein Drama über festgenommene Netzaktivisten würde ich mir sofort anschauen.
Wann wäre es denn tatsächlich gerechtfertigt, eine wahre Begebenheit mit einem schlechten Film zu vergleichen? "Bombe in letzter Sekunde entschärft" - "Frau heiratet besten Freund statt reichen Verlobten" - "Polizist einen Tag vor Pensionierung erschossen" - "Außerirdische Roboter bekämpfen sich in Form von Autos auf der Erde!" Bei diesen Schlagzeilen würde sich natürlich niemand trauen, schlechte Filme heranzuziehen.