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Montag, 4. August 2025

Was sprudelt denn da?

Langsam wird's unheimlich! Vor wenigen Tagen zitiere ich in meiner allmonatlichen Titanic-Rückschau Michael Ziegelwagners Wasserfallkritik: "Schon gut, man hat's verstanden: oben noch Wasserfläche, plötzlich Wasserfall, unten wieder Wasserfläche. [...] Ja, wenn es denn andersrum wäre, das Wasser von unten nach oben stürzte, dann, ja dann! müßte ich zugeben, daß der Wasserfall einen großartigen Trick beherrscht."

Just zwei Tage später zwoscht mir auf "Spiegel online" unter der Überschrift "Wasser, das nach oben stürzt" folgender Wissenschaftsartikel entgegen:
Auf alten Satellitenbildern von Grönlands Gletschern haben Forschende ein bisher unbekanntes Phänomen entdeckt: eine Art aufwärts strömenden, gigantischen Wasserfall.
Im Juli 2014 [...] schoss aus mehreren Hundert Meter Tiefe Wasser durch den Eispanzer, wie in einem machtvollen Wasserfall. Nur dass dieser nicht abwärts, sondern aufwärts stürzte. An der Oberfläche sprengte sich die emporquellende Flut den weiteren Weg frei. Eisbrocken, groß wie achtstöckige Häuser, brachen ab und wurden vom Wasser mitgerissen.
Zehn Tage dauerte das Spektakel. Während dieser Zeit schoss so viel Wasser aufwärts, wie in den Niagarafällen binnen neun Stunden abwärts fällt: insgesamt rund 90 Millionen Kubikmeter Wasser [...]
Um zu erklären, was hier geschehen war, zog das Team aus Lancaster die AWI-Glaziologin Humbert hinzu: Offenbar, so ihre Deutung, war Schmelzwasser an einer nahen, aus dem Eis herausragenden Gebirgskuppe bis hinab aufs Felsbett geflossen, wo es sich in einer Mulde unter dem Eis gesammelt hatte. Weiter abfließen konnte es nicht, denn der Gletscher ist in dieser Region am Grund festgefroren. Die Folge: Das Wasser staute sich. Allmählich blähte sich in der Tiefe eine immer größere flüssige Blase, die den darüber liegenden Eispanzer zu einem Dom emporwölbte. [...]
Die Bedeutung des Vorgangs ist noch nicht absehbar. Möglicherweise handelt es sich um ein extrem seltenes Ereignis, wie es nur unter sehr ungewöhnlichen Umständen passieren kann.
Stark vereinfacht anhand einer Nature Geoscience entnommenen Infographik wiedergegeben: Unter die Eisschicht eines Gletschers gelangt irgendwie Wasser, das sich zu einem See sammelt, welcher immer mehr anwächst, bis die Eisschicht dem Druck nicht mehr standhalten kann und aufbricht. Das Wasser des – schönes Wort! – untereisigen Sees schießt fontänenartig heraus; danach stürzt die verbliebene Eisschicht in sich zusammen und hinterlässt einen Krater. Chapaeu, Natur!

Freitag, 15. März 2024

Offenbarungseid

Bei "Spiegel online" standen vor einer Weile diese drei Meldungen direkt untereinander:


Krieg und Spekulation, das gehört offenbar zusammen. Obwohl, nein: "Spekulation" ist ein unfair gewähltes Wort. Wer "offenbar" benutzt, weiß nicht 100-prozentig, aber geht davon aus, dass etwas so ist, wie er es mitteilt. "Allem Anschein nach" wäre eine synonyme Phrase dafür. Insofern sollte man die Redaktion vielmehr dafür loben, dass sie einen Rest an Zweifel zugibt und sich als Überbringerin von Nachrichten und nicht als Primärquelle versteht.
Es sah trotzdem für einen Augenblick kurios aus. Deswegen machte ich einen Screenshot.

Freitag, 26. Januar 2024

Betr.: Bockenheimer Gebrüll, Landmarks, Empfänger, "Journalismus"

Wer hier schon länger mitliest, mag sich daran erinnern, wie ich in meiner Frankfurter Anfangszeit gelegentlich die speziell im Stadtteil Bockenheim auffallend massierten Schreie von geistig Verwirrten, Intoxikierten und anderweitig Entrückten dokumentiert habe. Ich wohne immer noch in Bockenheim, und die Situation ist in den letzten zehn Jahren eher bedrückender als besser geworden. Meine Begegnungen mit solchen "Originalen" und ihre Rufe, Verwünschungen und sonstigen Äußerungen sind kaum noch des Aufschreibens wert.
Gestern aber sah und hörte ich auf der Leipziger Straße doch mal wieder ein besonders herausragendes Unikum. Aus einer Seitengasse plärrte mir ein rotköpfiger circa Mittfünfziger in zerschlissenem Gewand entgegen: "Die haben mich bedrängt, BEDRÄNGT! Die fetten Schweine. Die Wildecker Herzbuben!"

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Ich schäme mich immer ein bisschen, wenn ich eine Frage bei "Jeopardy!" nicht beantworten kann, die sich um Deutschland dreht. Neulich wurde in der "Final Jeopardy"-Runde dieser clue aus der Kategorie "Landmarks" gezeigt:


"Bei 213 Fuß Breite hat dieses europäische Bauwerk des späten 18. Jahrhunderts fünf Durchfahrten, deren mittlere – anfangs – dem Hofstaat vorbehalten war." Richtig wäre gewesen: "Was ist das Brandenburger Tor?" Zwei der drei Kandidaten wussten die Lösung, doch ich wollte einfach nicht drauf kommen.
Immerhin mit "Was ist Baden-Baden?" konnte ich dienen, als in einer späteren Sendung nach dem Namen einer "German spa town" mit der Bedeutung "Baths-Baths" gefragt wurde. (Ich überlegte gerade, ob nicht "Bathing-Bathing" korrekter wäre, aber Wikipedia weiß, dass "Baden [...] derives from an earlier plural form of Bad". Lernen ist toll, oder?)

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Apropos Wikipedia: "Die nachfolgende Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und enthält nur Großempfänger, die über eine eigene Postleitzahl verfügen." So ist die auszugsweise "Liste von Großempfängern" überschrieben, auf welcher u.a. das ZDF, der Frankfurter Messeturm, die Volkswagen AG, die Scanstelle des Landesamtes für Finanzen in Detmold und das Amtsgericht Wedding stehen. Auch ich hatte schon postalischen Kontakt mit Adressaten, bei denen es reichte, Name plus Ort nebst Postleitzahl aufs Kuvert zu schreiben, beispielsweise mit der Künstlersozialkasse in Wilhelmshaven (wobei die sich die Postleitzahl mit anderen Empfängerinnen teilt – man geht dann wohl davon aus, dass der Briefträger schon wissen wird, wo die KSK sitzt).
Jedenfalls: Eine eigene Postleitzahl zugeteilt bekommen, das wäre doch mal ein life goal.

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"Sie kochte formvollendete Kartoffelknödel, bezeichnete ihre Enkel als Geschenk des Himmels: Nach ihrem Tod erinnert sich unser Autor an eine pragmatische und unerschütterliche Großmutter, die ihn ein Leben lang prägen wird." Das ist die Einleitung eines Bezahl(!)-Beitrags auf "Spiegel online". Ich habe nichts gegen den Autor, kenne ihn nicht mal, und sicher war seine Oma eine ganz patente Frau. Aber ganz ehrlich, diese Art von Journalismus ist doch nur mehr einen halben Schritt entfernt von "Mein schönstes Ferienerlebnis".

Donnerstag, 20. Juli 2023

In the news: (Mir) unbekannte Inseln

Zwei Artikel auf "Spiegel online" erregten diese Woche wegen ihrer Insel-Thematik meine Aufmerksamkeit:

1.) Ein Inselparadies, das ohne Touristen auszusterben drohe, wurde, leider hinter der Bezahlschranke, portraitiert. "Vor der Küste von Mauke tanzen die Wale, und jede Urlauberin wird mit einem Blumenkranz begrüßt. Unsere Autorin entdeckt eine entschleunigte Insel, die ums Überleben kämpft." Mauke, das liest sich erst mal wie der Singular des brandenburgisch-berlinerischen Dialektwortes für "Füße", ist aber nach mündlicher Überlieferung der polynesischen Eingeborenen die "Insel von Uke", i.e. des legendären ersten Siedlers, weswegen ich für die alternative Schreibung Ma'uke plädiere. Die vormals auch als Akatokamanava oder Parry's Island bekannte Insel gehört zu den Cookinseln, und der im "Spon"-Vorspann erwähnte Blumenkranz wird aus den Blättern eines lokalen Gewächses namens maire geflochten. Die eis genannten Kränze gehören zu den wenigen Erfolgsschlagern des Eilands und werden sogar nach Hawaii exportiert, wo sie als leis um allerlei Hälse gehängt werden. Diese Informationen habe ich einer Seite mit der verwunderlichen Adresse www.ck entnommen.

2.) Nach einem grausigen Kampf zwischen rivalisierenden Banden in einem Gefängnis in Honduras, bei dem 46 weibliche Mitglieder ums Leben kamen, äußerte die honduranische Präsidentin Xiomara Castro einen radikalen Vorschlag: "Auf der Inselgruppe Islas del Cisne, rund 155 Meilen vor der Küste, soll demnach ein isoliertes Gefängnis für etwa 2000 Bandenführer entstehen." Die Islas del Cisne ("Schwaneninseln") sind ein aus drei Inseln bestehender Archipel im Karibischen Meer, der während der Kubakrise durch einen Piratensender und den Konflikt um die Schwaneninseln in die Geschichtsbücher einging. Nach dem Guano Island Act waren die "Swan Islands" nämlich ab 1856 von den USA beansprucht worden, bis diese ihren claim 1971 fallen ließen und der Archipel ein Jahr später offiziell an die spanischsprachige Republik überging. Ihre sowohl kommunikative als auch räumliche Abgeschiedenheit – die Anreise per Boot dauert einen Tag, Kontakt ist nur via Satellit möglich – prädestiniere die unbewohnten Inseln für die Unterbringung schwerstkrimineller Strippenzieher. "Die Idee ist, dass sie den Kontakt zu allem verlieren, den Kontakt zur gesamten Gesellschaft und dass sie wirklich für ihre Verbrechen bezahlen", zitiert "Spiegel online" den Chef der nationalen Streitkräfte.

Sonntag, 25. Dezember 2022

Betr.: Raumfahrt, Filmtypen, Namensänderung, Zensur

Man muss auch mal unsere Massenmedien loben, wenn es angebracht ist, in diesem Fall "Spiegel online". Am 29. November meldete die Seite: "Chinesische Astronauten sind ins All gestartet". Da dachte ich noch: Meeeensch, chinesische Raumfahrende heißen doch Taikonauten. Am 4. Dezember ist zu lesen: "Taikonauten landen nach sechs Monaten wieder auf der Erde". Gut.
Neu war für mich übrigens, dass indische Kosmonauten Vyomanauten genannt werden. Zu Grunde liegt das Sanskrit-Wort vyoman-, "Himmel". Ist das nicht toll?

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Die BRD zu Zeiten Helmut Schmidts, das war ... something else.


Aus: Garncarz, Joseph (2013): Hollywood in Deutschland. Zur Internationalisierung der Kinokultur 1925-1990. Frankfurt/Basel: Stroemfeld/Nexus

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Die Schauspielerin und Miss USA 1985 Laura Harring heißt, seit sie einen Reichskanzler-Ururenkel geheiratet hat, mit vollständigem Namen Laura Harring Gräfin von Bismarck-Schönhausen. Ihr Geburtsname ist jedoch Laura Elena Martinez Herring. Wäre es nicht brillant gewesen, wenn sie als Kurzform für ihren Nachnamen Bismarck-Herring gewählt hätte?

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Aus dem Vorwort zur vierten Auflage (1895) einer englischen Schulgrammatik:
"In den ersten Auflagen waren manche Stellen aus Dickens stehen geblieben, durch die sich K a t h o l i k e n verletzt gefühlt haben; jetzt ist alles derartige getilgt und das Kapitel über Joan of Arc durch ein anderes ersetzt worden. Nunmehr kann das Buch auf p a r i t ä t i s c h e n Anstalten ohne Anstand benutzt werden." (Sperrungen im Original)

Dienstag, 29. März 2022

Ruinen und Traumata

Wow, das erste "Porno"-Update seit über sieben Jahren ...

1. Auf das Schlagwort Ruin porn als Synonym für Ruinen-Fotografie stieß ich, als ich die fabelhafte Urban-Exploration-Bibel "Access All Areas" des viel zu früh verstorbenen "Infiltration"-Masterminds (und Schöpfer des Begriffs urban exploration) "Ninjalicious" durch hatte und noch mehr zum Thema lesen wollte.

2. In einem Gespräch mit dem Spiegel äußert die afghanische Aktivistin Pashtana Durrani den Satz "Afghanistan war zwei Jahrzehnte lang der Trauma-Porno für die ganze Welt", was in gekürzter Form auch gleich als Überschrift des Interviews Verwendung findet.

Dienstag, 5. Oktober 2021

Wissen macht *gähn*

Was mich, nun ja, "aufregt" wäre ein zu starkes Wort ... Was mich die Augen rollen lässt, ist, wenn ein uraltes Mysterium der Natur aufgeklärt wird und die Lösung geradezu trivial, um nicht zu sagen banal ausfällt. Beispiel: der "singende Sand". Wüstendünen geben unheimliche Geräusche von sich, die seit Jahrhunderten wahlweise als Brummen oder Dröhnen beschrieben werden, während die Ursache(n) im Trüben blieben. Ich hatte wiederholt von diesem Phänomen gelesen; meine Enttäuschung, als 2004 die Erklärung geliefert wurde, kann man sich vorstellen: "Französische Forscher der Université Paris 7 haben das Geheimnis nun gelöst. 'Die mysteriösen akustischen Signale stammen aus Lawinen, in denen Sandkörner aufeinander prallen und elastische Wellen auf der Dünenoberfläche erzeugen'." ("Spiegel online")

Ein zweites recht bekanntes Wüstenrätsel war das der scheinbar wandernden Steine im Death Valley. Im kalifornischen Wüstensand fanden sich immer wieder von Felsbrocken hinterlassene Schleifspuren, deren Zustandekommen aber nie jemand hatte beobachten können. 2013 dann wurde eine der zahlreichen im Laufe der Jahrzehnte aufgestellten Thesen bestätigt. "Eines Nachts passierte es: "Nachdem es geregnet hatte, bildete sich ein flacher See auf der Hochebene, er gefror. Millimeterdünnes Eis umschloss die Steine. Im Tauwetter am Morgen zerbrach es in Abertausende Schollen, die vom Wind getrieben wurden. Eingekeilt im Eis nahmen auch die Steine Fahrt auf. Die Forscher entdeckten frische Schleifspuren hinter vielen Brocken." (Nochmals "Spiegel online") Das ist schon leidlich interessanter; ernüchternd und gleichzeitig ulkig ist dabei aber, dass die These nur deshalb ewig nicht verifiziert werden konnte, weil Aufnahmen mit fest installierten Kameras im Tal des Todes nicht erlaubt sind.

Auf welt.de las ich nun heute etwas, das mich sofort an diese Art von Entzauberung erinnerte: "Geheimnis der schwebenden Steine ist gelöst". Es geht um jene flachen Steine, die häufig beispielsweise auf dem gefrorenen Baikalsee vorzufinden sind und lediglich von einer dünnen Eissäule getragen werden. Die Physik dahinter ist allerdings komplexer, als ich zuerst befürchtete, und ich möchte den Artikel gerne weiterempfehlen.

(Mit Dank an Sebastian S.!)

Donnerstag, 17. Juni 2021

Ergebnis, los!

Hier kommt eine kleine Nörgelei, für die ich kein Verständnis erwarte, die loszuwerden mir dennoch am Herzen liegt. Zurzeit findet die Fußball-EM statt, und das, was ich zu kritisieren habe, ist mir schon bei der letzten Meisterschaft aufgefallen.

Ich wollte gestern nach dem Frühstück wissen, wie die erste Begegnung der deutschen Elf am Vorabend ausgegangen ist. Zwar hatte ich bereits aus diversen Witzen auf Twitter schließen können, dass Deutschland ein Eigentor geschossen hatte, doch das Endergebnis der Partie gegen Frankreich war mir nicht bekannt. Also öffnete ich "Spiegel online". Ganz oben war schon mal nichts zu erfahren. Nach einigen Top-News aus Politik und Weltgeschehen kam der Sportteil. Aha! Die erste Meldung die EM betreffend ging so:

"Jetzt schon unter Druck
Die deutsche Nationalmannschaft hat zum EM-Auftakt defensiv ordentlich gespielt, die Offensive dagegen blieb komplett harmlos. Das muss sich im nächsten Spiel gegen Portugal ändern, will man länger im Turnier bleiben."

Hm. Ziemlich voraussetzungsreich. Vielleicht hilft der nächste Artikel-Teaser weiter? 

"Deutschland in der Einzelkritik
Das Trio Müller-Gnabry-Havertz funktionierte nicht
Bei Mats Hummels ersetzte ein Tackling fehlendes Tempo, Serge Gnabry war abgemeldet, und Joachim Löw sollte seine Offensivreihe verändern."

Aha, so so. Und wie haben "wir" nun gespielt?

"Deutsche EM-Niederlage gegen Frankreich
Pechvogel auf dem Rasen, Lebensgefahr aus der Luft
Deutschland spielt ordentlich gegen Frankreich und verliert dennoch völlig verdient. Mats Hummels hat ein umgekehrtes Déjà-vu, Antonio Rüdiger zeigt sich bissfest, und eine Protestaktion endet fast in einer Tragödie."

Hier erfährt man immerhin, dass das Spiel zum Nachteil von Deutschland geendet ist. Aber mit welchem Torverhältnis? Weiter:

"Mats Hummels über sein Eigentor
'Niederlage schmerzt uns sehr und mich besonders'"

Aaaaarrrghhh!

"Reaktionen zum deutschen EM-Auftakt
'Es war ein brutal intensives Spiel'"

Leute, bitte, gebt mir einfach die verdammten Zahlen!

"Frankreich in der Einzelkritik
Pogba mit genialen Momenten, Mbappé kaum zu bremsen
Aus München berichtet Marcus Krämer"

Kennt Marcus Krämer auch das Ergebnis? Ich will diesen Beitrag nicht öffnen. Nächster Teaser:

"Vor Anstoß zu deutschem EM-Auftakt
Motorgleitschirmflieger landet im Stadion – zwei Verletzte
Schreckmoment beim EM-Start zwischen Deutschland und Frankreich: Ein Greenpeace-Aktivist ist mit einem Gleitschirm im Stadion aufgesetzt. Bei der missglückten Protestaktion wurden zwei Menschen verletzt."

Okay, jetzt sind wir also schon beim Nebengeplänkel angelangt. Mehr Meldungen werden auf der Startseite nicht angezeigt. Erst am Ende des Blocks findet man eine simple, aussagekräftige Grafik mit Flaggen, Ländernamen und Ziffern. Frankreich hat 1:0 gewonnen, sehe ich. Warum kann spiegel.de diese Info nicht an erster Stelle platzieren?

Sonntag, 18. April 2021

Spieglein onlein an der Wand

"Spiegel online" (ja, ich unterscheide immer noch zwischen "Spiegel online" und der Printausgabe, auch wenn seit einer Weile beides unter der Dachmarke Spiegel zusammengefasst ist) teaserte neulich: "Sein Name ist unaussprechlich, die Klimawirkung tausendfach stärker als CO2". Und wie heißt der Stoff? Sulfurylfluorid. Ich habe es versucht, und mir ist die Aussprache auf Anhieb gelungen. 

Nun, man kann "Spon" gewiss Gewichtigeres vorwerfen als eine etwas dramatische Adjektivwahl. Hab ich in der Vergangenheit ja oft genug getan! Gehe ich meine Notizen rückwärts durch, fällt mir auf, dass ich früher viel mehr zu bekritteln hatte, schon in den Nullerjahren. Zwei einschlägige Posts aus meinem Ex-Blog:

[23.07.07]
Vergessen Sie alle Artikel, die Sie jemals auf "Spiegel online" gelesen haben - dieser hier stellt alle in den Schatten. Tipp für langweilige Montage im Büro: Wer schafft es, die meisten Zeilen zu lesen, ohne zu kotzen oder in die Tastatur zu beißen? Ich bin bis zur achten gekommen.

[13.08.08]
Wie sorgt man dafür, dass Klischees, Vorurteile und Allgemeinplätze, die längst aus der Mode gekommen sind, dennoch in der Mode bleiben? - Indem man immerfort darauf hinweist, dass sie aus der Mode gekommen sind. Beispiel: "Jetzt ist der Stuttgarter Abiturient Zivi in einer Jugendherberge. Und über 'Drückeberger' schimpft heute niemand mehr - das Klischee ist längst passé." - Na Gott sei Dank räumt "Spon" mal auf!
Ich erinnere mich auch noch an einen P.M.-Artikel des unsäglichen "Zukunftsforschers" Matthias Horx zum Thema Zukunft, in den ein Foto eingebettet war, das Heidi Klum und ihren Gatten Seal zeigte. Bildunterschrift: In ein paar Jahren werden solche Beziehungen nichts ungewöhnliches mehr sein. [...]

(Den letzten, nichts mit dem Spiegel zu tun habenden Absatz habe ich mit reinkopiert, weil M. Horx zuletzt wieder verstärkt durch die Medien gegeistert ist. Ab einem gewissen Bekanntheitsgrad bist du halt einfach eine "erste Adresse" für Prognosen einholende Redaktionen, auch wenn du über Jahrzehnte hinweg zuverlässig daneben gelegen hast.) Mittlerweile rege ich mich nur noch selten auf beim täglichen Durchscrollen, nachdem es eine Zeit gab (ich schätze, so 2016-19), wo ich hin und wieder "Ach komm, das ist mir zu doof" murmelnd den Browsertab schloss, noch bevor ich zum Kulturteil gekommen war.

Samstag, 20. März 2021

Oy veh, SPD!

"Spiegel online" zitiert den neuen Vorsitzenden des SPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Thomas Kutschaty: "So etwas Meschugges habe ich über mich noch nie gehört".

Hm, muss es nicht "Meschuggenes" heißen? So kenne ich die nicht-prädikative Form des jiddischen Adjektivs jedenfalls ... nun gut, zumindest aus amerikanischen Filmzeilen. Tatsächlich schreibt das Jewish English Lexicon: "In Yiddish, meshugene(r) – with the "ne(r)" ending – is used as an attributive adjective modifying a noun (e.g., a meshugene froy, 'a crazy woman'), whereas meshuge is a predicative adjective (zi iz meshuge, 'she is crazy'). This distinction is preserved for many speakers of Jewish English (e.g., 'He is absolutely meshuga!' vs. 'He is such a meshgene (guy)!')." Ob diese "Regel" auf "deutsches Jiddisch" anwendbar ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe zwar während meines Studiums an einem Jiddisch-Blockseminar teilgenommen, aber davon ist nichts hängen geblieben, und wenn ich jetzt meine Aufzeichnungen konsultiere, werde ich mich wieder stundenlang damit befassen; in diesen Kaninchenbau stürze ich mich nicht! Fragen wir das Netz. Für "meschugges" liefert Google unwesentlich mehr Belege als für "meschuggenes" (jeweils weniger als 1000 Treffer), aber womöglich könnte der Buchtitel "Das meschuggene Jahr" ein Argument für letztere Form sein.

Das Meschuggene, das Kutschaty im Spiegel-Interview meint, ist übrigens die Äußerung eines anderen Politikers: "Ein Parteifreund aus Ihrem Landesverband beschreibt Sie zum Beispiel als Krokodil: Ein Tier, das träge im Sumpf liegt, meistens nichts macht, doch wenn ein Gegner vorbeikommt, schnappt es zu."

Notiz an mich selbst: Ich muss mal wieder Meshuggah hören!

Dienstag, 30. Juni 2020

Kurz notiert: Doofschaf?

Kurioses Wort bei "Spiegel online" gelesen. In einem Artikel über NRWs Rückkehr zu strengeren Pandemie-Eindämmungsregeln wird der Gesundheitsminister des Landes, Karl-Josef Laumann, wie folgt zitiert: "Man kann das nicht dorfscharf machen. Das gesellschaftliche Leben orientiert sich nicht an Dorfgrenzen." (Hervorhebung von mir) Gemeint ist vermutlich: trennscharf bis auf die Dorfränder genau.
Offenbar stieß man sich nicht an etwaigen Bedeutungshürden und hob den Satz sogar in die Überschriftenzeile. Googelt man "dorfscharf", findet man denn auch nichts anderes als das Laumann-Zitat vom 23. Juni des Jahres. Ein mir unbekanntes Blog hat die Vokabel prompt zum "neuen Lieblingswort" erkoren.


Montag, 15. Juli 2019

Alles wird schlechter, Teil 29.781

"MP3-Dateien aus Musikvideos saugen, Kochclips auf das Tablet herunterladen und TV-Dokus auf dem Rechner speichern: Wer sich nicht damit zufrieden gibt, YouTube-Videos nur online anzuschauen, kann die Clips mit Hilfe von Sound- und Videokonvertern auch offline speichern", schreibt "Spiegel online". "Doch Google schiebt den Anbietern offenbar verstärkt einen Riegel vor. Mehrere der Umwandlungsdienste haben keinen Zugriff mehr auf die Videoplattform."
Das kann ich bestätigen! Einer meiner Lieblings-Onlinedienste (den ich nun nicht mehr zu nennen brauche) ist genau davon betroffen. "Entschuldigung, aus irgendeinem Grund kann dieses Video nicht konvertiert werden", kriege ich als Fehlermeldung angezeigt. Dutzende MP3s hatte ich in den vergangenen Jahren mit Hilfe dieses Wandlers erstellt, weil die entsprechenden Lieder nicht auf andere (legale) Weise zu besorgen waren. Damit ist nun Schluss: "Die Musikindustrie stört sich seit Jahren an den Streamrippern." Na klar.
Aber ich bin mir sicher, dass bereits an Mitteln und Wegen gearbeitet wird.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Der tägliche Augenverdreher


Es wirkt heute drollig, was dem Journalismus der 1960er als "ungleiches Paar" erschienen ist -- ach nee, halt! Der Artikel ist aus dem Jahr 2018.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Linktipp: Spon interviewt Anime-Übersetzer

Zum Lesen für zwischendurch.
SPIEGEL ONLINE: Wie viele Serien übersetzen Sie in der Woche?
Podzierski: Ungefähr drei Folgen in der Woche. Für eine 20-Minuten-Episode brauche ich drei bis sechs Stunden. Wie viel Geld ich dafür erhalte, möchte ich nicht sagen.
Das ist flink, möchte ich meinen. Respekt!

Freitag, 6. November 2015

MÜSSEN WIR ALLE ERFRIEREN?

Anfang der Woche schreckte uns "Spiegel online" mit dieser Schlagzeile auf: "Gasspeicher so leer wie noch nie im Herbst".

"Leer wie nie": eine Phrase, die einmal mehr zeigt, wie gut der Spiegel in Sprachdingen inzwischen mit der Bild mithalten kann ("Anni Friesinger nackt wie nie!"). Das Adjektiv "leer" definiert der DUDEN so: "nicht mit etwas gefüllt; ohne Inhalt". Ein Gasspeicher kann schlechterdings nicht eben mal "ein bisschen leer" oder gar "leer wie nie" sein. Ich könnte mich eventuell auf die Formulierung "leerer als im Vorjahr" einlassen, wenn verdeutlicht werden soll, dass in einem Behälter weniger drin ist als im Jahr davor. Oder warum nicht wie die FAZ, welche "Spiegel online" in seinem Artikel verlinkt, einfach "Gasreserven so gering wie lange nicht" schreiben? Das wäre freilich weniger reißerisch.

Aber wie leer sind die Erdgasspeicher denn nun? "Fast leer!", schrei(b)t ähnlich panisch "Focus online". Das Wirtschaftsministerium weiß es genauer: Die Füllstände betragen 77 Prozent. Aha. Da kann man schon mal durchdrehen. Erinnern wir uns an das Jahr 2013, als unisono vor einem kommenden Fimbulwinter gewarnt wurde, der uns, wenn nicht das Leben, so doch mindestens horrende Energienachzahlungen kosten würde. "Die Jahresrechnung 2013 könnte um bis zu 18 Prozent höher liegen als im vergangenen Jahr, wie aus einer Schätzung des Deutschen Mieterbundes (DMB) hervorgeht", wusste die Welt. Und schon im November 2012 hatte die Bild den "teuerste[n] Winter aller Zeiten" ausgerufen. Dazwischen dann immer wieder die Angstmacherei davor, dass uns der Russe den Gashahn zudreht. Ja, es wurde eine ungemütliche Jahreszeit, aber trotzdem kannte ich keine Person in meinem Umfeld, die dabei einen Zeh verlor oder einen Kredit aufnehmen musste, um die nächste Nebenkostenrechnung zu begleichen. Ich habe sogar ein paar Euro rückerstattet bekommen; dieses Jahr übrigens auch.

Deutsche Medien sollten sich in manchen Dingen die Gelassenheit Österreichs zum Vorbild nehmen: "Die österreichischen Gasspeicher sind heuer etwas weniger gefüllt als im Vorjahr. Das sei aber kein Problem, da einerseits Österreich traditionell eine der höchsten Deckungsquoten in Europa habe und andererseits die Lage in der Ukraine stabiler sei, sagte OMV Vizepräsident Controlling, Christoph Trentini, am Donnerstag bei der Gewinnmesse." (Tiroler Zeitung, 15.10.2015)

(Noch eine semantische Spitzfindigkeit als Zugabe. Der Geschäftsführer von Deutschlands größtem Gasnetzbetreiber erklärt, was das Gegenteil von "leer" ist: "Voll sein heißt 95 Prozent plus x." Wäre also auch das geklärt.)

Freitag, 16. Januar 2015

Lesetipp

Da ich dieser Tage kaum zum "richtigen" Bloggen komme, möchte ich heute ausnahmsweise nur einen Artikel empfehlen – von (ausnahmsweise) "Spiegel online":
Was die Loslösung des Schweizer Franken vom Euro für die Einwohnerinnen und Einwohner von Büsingen bedeutet, steht hier.


Donnerstag, 11. Dezember 2014

Wie "Spiegel online" neulich (mal wieder) durchdrehte


Diesen Screenshot habe ich am 9.12. um kurz nach 17 Uhr gemacht. 'Das glaubt mir keiner, dass das da stand', dachte ich, 'sicher ein zu früh als Schlagzeile freigeschaltetes Zitat aus der CDU-Pressemitteilung.' Aber nein: Gut eine Stunde lang standen diese zwei Zeilen an der Topmeldungs-Position, bevor sie anderen News Platz machten – anstatt in zu erwartenden Spon-Duktus umformuliert zu werden ("Applaus für Merkel-Rede bei CDU-Parteitag").
Was war da los?

Mittwoch, 5. November 2014

Noch mehr -porn

Von Weltraum-Pornographie war im Zusammenhang mit dem Spiel "Star Citizen" in einem GameStar-Preview-Video zu hören.
Und von Poverty porn erfuhr ich heute erstmals in Jan Fleischhauers aktueller Spon-Kolumne: "der Fachbegriff für einen Betroffenheitsjournalismus, der bei seinen Lesern das gute Gefühl hinterlässt, durch Lesen den Zustand der Welt verbessert zu haben".

Dies ist ein Update zu:
Die neuen Pornos sind da!
Porno-Update
Make love, not porn

Mittwoch, 15. Oktober 2014

In weiteren Meldungen

(zum Vergrößern klicken)

Sandro ist ein komischer Hund. Als der Yorkshire-Terrier vor vier Jahren aus seinem Heim im niedersächsischen Elze verschwand, hatte das Tier nur drei Beine; eines war ihm von seinem Herrchen versehentlich mit dem Rasenkantenschneider abgetrennt worden. Nun ist er, Sandro, zurück bei seinem Besitzer – und hat wieder vier Beine wie am ersten Tag. +++
Wilhelmine ist ein komisches Pony. Als die Ponydame (78) vor vier Jahren aus ihrem Ponyhof im niedersächsischen Gronau (bei Elze) verschwand, sprach sie kein einziges Wort Englisch. Nun ist das Tier überraschend und buchstäblich wieder aufgetaucht – im thüringischen Fluss Oelze und in Gestalt einer Forelle. +++
Herr Kauz ist ein komischer Mensch. Als der niedersächsische Journalist vor vier Wochen aus seinem Büro der "Tier macht Sachen"-Redaktion verschwand, schrieb er ein ausgeprägtes Simpeldeutsch. Nun ist er von seinem vierwöchigen Spanischkurs im elsässischen Illzach zurückgekehrt – und schreibt nur noch Spanisch ("Animal hace cosas").

Montag, 7. Juli 2014

Was mich gerade aufregt

Dieser Artikel aus dem Uni-Spiegel: "Auf Sinnsuche"

"Sie bleiben an Mülleimern stehen, stecken den Arm tief hinein und wühlen - Pfandsammler verwandeln achtlos weggeworfene Flaschen in bares Geld. Doch eine soziologische Studie zeigt jetzt: Ihnen geht es nicht in erster Linie um die paar Euro." Hintergrund: Ein Freiburger Soziologe, dessen Namen ich hier nicht nenne, hat eine Dissertation geschrieben, die der deutschen Trickle-down-Gesellschaft wunderbar in die Hände spielt. "Nicht die Armut vereint die ansonsten sehr heterogene Gruppe der Flaschensammler, sondern die Sehnsucht nach einer festen Tagesstruktur und einer Aufgabe, die an Arbeit erinnert." Seht ihr, redet uns der Kerl ein, das sind alles nützliche Teilnehmer des modernen Lebens! Hinterfragt nicht, warum in einem Erstweltland überhaupt Menschen in Mistkübel greifen müssen, sondern erfreut euch daran, dass sie unsere Straßen sauber halten und dabei ihre bescheidene Art persönlicher Erfüllung erfahren dürfen!

"Reich wird sowieso keiner mit der Suche nach Leergut", heißt es weiter. Der Studiendurchführer "schätzt den durchschnittlichen Verdienst eines Sammlers, der täglich auf Tour geht, auf etwa 100 bis 150 Euro im Monat. Die Menschen, mit denen er für seine Dissertation sprach, hatten alle noch andere Einnahmequellen wie Rente, oder Mini-Jobs." Klar, und die 150 Euro sind natürlich nicht notwendig zum Überleben, sondern ein schönes Zusatzeinkommen, von dem der Rentner oder die Minijobberin dann zwei zusätzliche Male in die Oper oder ins Sternerestaurant gehen kann. Im Ernst: Abgesehen davon, dass jemand, der von einem Studenten über seine prekäre Situation befragt wird, diese schon mal durch Lügen zu beschönigen versucht, ist es nicht weniger als ein himmelschreiender Skandal, dass hier eine alarmierende Erkenntnis – nämlich dass Bürger trotz gesetzlicher Bezüge per Griff in anderer Leute Abfall zum Aufstocken gezwungen sind – rotzfrech verklärt wird.

Der Akademiker romantisiert: "Das Pfandsammeln bietet Menschen, für die die Ausfüllung von freier Zeit ein zentrales Problem darstellt, eine Lösung an". DIE AUSFÜLLUNG VON FREIER ZEIT! Joah, das ist halt das Hobby von denen da unten. Wo wir Soziologen zum Yoga oder zum Seidenmalereikurs fahren, zieht der gelangweilte Geringverdiener abends noch ein paar Runden um den Block und räumt den Glasmüll fort. Der Uni-Spiegel weiter: "Viele wollten durch ihre Streifzüge einfach wieder Teil des sozialen Lebens werden, rauskommen, Leute sehen, mit ihnen reden." ... wie ja auch Obdachlose hauptsächlich wegen der frischen Luft und der interessanten potentiellen Gesprächspartner im Freien leben.

Am Ende lesen wir: "Wer den Sammlern ihre Arbeit ein bisschen angenehmer gestalten will, kann das übrigens mit einfachen Mitteln tun: leere Flaschen neben den Mülleimer stellen, statt sie hineinzuwerfen [...]." Dazu passt dann auch die Einführung des inzwischen preisgekrönten "Pfandrings" in immer mehr Städten (bitte selbst googeln): Wenn wir die Mittellosen schon nicht von ihrem Lieblingszeitvertreib abhalten können, sorgen wir doch wenigstens dafür, dass sie dabei nicht so eklig aussehen. Oder, wie es der Erfinder dieser Armut zementierenden Vorrichtung in einem Interview ausgedrückt hat: "Ja, es ist schon ein Unterschied, ob ich dir etwas vor die Füße werfe, oder ob ich es dir gebe." Solange das Verhältnis zwischen Geben (= oben) und Empfangen (= unten) klar erkennbar ist und bestehen bleibt. Ich kann gar nicht so viele Flaschen leeren, wie ich kotzen möchte.