Mittwoch, 8. März 2017

Das kommt mir indianisch vor

Aus dem aktuellen Spiegel, S. 31:

"'Wenn Sie in solchen Staaten auf Lackschuh-Indianer-Ebene verhandeln, werden Sie erst gar nicht ernst genommen', sagt ein Innenministerialer."

Was zum Geier soll das bedeuten? Google findet bei der Suche nach "Lackschuhindianer" bzw. "Lackschuh-Indianer" ganze drei Stellen: 1. In einem Kunstblog wird der Maler George Grosz als "Lackschuh-Indianer und Dandy" bezeichnet. 2. Im Politikthread eines Thailand-Forums schrieb vor ungefähr einem Jahr ein User zum Thema Putin: "der chinese lässt sich von den lackschuhindianern nicht ewig vor seiner hautür provozieren." 3. Ein User mit demselben Nickname (also vermutlich dieselbe Person) ließ sich bereits 2008, ebenfalls in einer Russland-Diskussion auf einem Thailand-Board, zu dieser Formulierung hinreißen: "erstens weiss der russe was krieg ist, im gegensatz zu den lackschuhindianern aus übersee".

Ob der Innenministeriums-Mitarbeiter mit dem Kunstblogbetreiber oder dem Forenmitglied identisch ist? Wenn nicht: Kennen diese drei einander? Wie sonst ist das anderswo nicht belegte Kompositum unabhängig in ihre aktiven Wortschätze gelangt? 

Aber halt! Gerade fällt mir noch ein, dass die Google-Büchersuche möglicherweise Anhaltspunkte liefern könnte. Und siehe da, in einer Ausgabe der Wirtschaftswoche von 1998 finden wir diese Zeilen: "Im Auswärtigen Amt liegt ein Gutachten der Hausjuristen vor, in dem die 'Lackschuhindianer' (kanzleramtsinterner Spottname für die AA-Diplomaten) von den rechtlichen und finanziellen Folgen des von Rot-Grün geplanten Endes der Kernenergie in Deutschland warnen."

Halten wir fest: Im Innenministerium wie im Kanzleramt blickt man auf das Auswärtige Amt hinab. Die Motivation hinter "Lackschuh-Indianer" bleibt trotzdem dunkel. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand hülfe, dieses Rätsel zu lösen.

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