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Mittwoch, 7. Dezember 2022

Recycling im Krankenlager

Schließlich hat "es" mich doch noch erwischt und ich bin mit mittelschwerem Covid-19-Verlauf ans Bett gefesselt. Damit dies nicht einer dieser typischen (aber gebt's zu: bei mir sehr seltenen!) "Sorry fürs Nicht-Bloggen"-Beiträge wird, habe ich kurz im Archiv meines alten Blogs (2006-2012) gekramt und ein paar eventuell nicht uninteressante Beiträge aus dem Jahr 2010 herausgesucht, die ich hier unredigiert und unbearbeitet reposten möchte. Dafür reicht meine Kraft gerade noch.

#891 --- 22.10.2010, 10:44
Hier fehlt eine Überschrift
Erst 7 Postings gab es diesen Monat - meine Leser sind zurecht enttäuscht. Man glaube mir aber, dass ich im Moment ein wenig gestresst bin. Ich muss mehrere hundert Seiten in Word 2007 formatieren, ein Seminar vorbereiten, einen Job und eine Wohnung suchen, und morgen fahre ich zum dritten Mal innerhalb von zwei Monaten nach Frankfurt (diesmal zu einer Titanic-Online-Autoren-Konferenz - da muss ich dabei sein). Ich habe aber schon ein paar Ideen für zukünftige Beiträge, keine Sorge.

#872 --- 15.09.2010, 11:38
Die besten Weblogs
Heute: Ein Blog mit gesammelten Entschuldigungen von Bloggern fürs Nichtposten, von "Ich hatte einen leichten Herzinfarkt" bis "Ich habe an einem Megan-Fox-Sim gearbeitet". Sorry I Haven't Posted.

#912 --- 07.12.2010, 17:18
Winter
Wir befinden uns, das muss einmal erwähnt werden, immer noch im Herbst! Dabei kommt es mir im Moment so vor, als würde der Winter gerade zu Ende gehen, machen sich doch die Schneemassen schon wieder daran, mirnixdirnix zu tauen. (Ich kann mir nie merken, was es mit der Anomalie des Wassers auf sich hat. Schmilzt Eis bei 0° oder +4° Celsius?)
Deshalb soll es hier im Blog wenigstens schneien.
(Anm. 2022: Mit einer simplen Javascript-Einbindung, snow.js, ließ ich auf meinem Blog vor grünem Hintergrund weiße Flöckchen rieseln. So was war halt einer der Vorteile einer privaten, also richtig privaten Homepage.
Das mit dem Flattr-Button war ein Witz.)

#883 --- 30.09.2010, 12:30
Fragen, die ich mir selbst stelle
Heute: Was sind eigentlich das kleine und das große Einmaleins?
Antwort: Das kleine Einmaleins sind alle Produkte aus zwei Zahlen von 1 bis 10, das große Einmaleins geht bis 20. Das hatten wir natürlich auch in der Schule, aber es wurde nicht so genannt. Ohje, ich erinnere mich noch an Mathestunden mit Herrn Birnbaum, die damit begannen, dass jeder Schüler nach einer Quadratzahl bis zu 202 gefragt wurde. Da half wirklich nur Auswendiglernen ...

#904 --- 21.11.2010, 13:36
Glas
Ich habe den Eindruck - und diesen ließ ich gestern durch eine andere Person bestätigen - dass seit diesem Jahr erheblich mehr Glasscherben auf den Fuß- und Radwegen liegen als zuvor. Ich bilde mir ein, es begann konkret im Sommer, zur Zeit der Fußball-WM. Die Menschen entwickelten eine neue Gute-Laune-Straßenkultur ("Kultur"), zu der auch das ausgelassene Flaschenschmeißen gehört. Das war während der WM '06 noch nicht so krass. Es wird Zeit für eine Kampagne gegen diese Unsitte. Angelehnt an den verrückten Amerikaner mit seiner "The rents are too damn high!"-Partei soll sie lauten: "There's too much glass on the damn streets!"

#920 --- 21.12.2010, 17:36
Die großen Fragen der Menschheit - gestellt von BILD.de
>> Warum schliddern unsere Busse?
>> Überrollt uns die Noro-Virus-Walze?
>> Müssen wir Deutsche wieder für ganz Europa blechen?
>> Wem gehört der Hintern-Hit aus dem Internet?
>> Zerhackte Riesenstorch Inselbewohner?
>> Wer schreibt die Dialoge für Sex-Filme?
>> Verschlimmerte Mondfinsternis Winter-Chaos?

Dienstag, 8. Oktober 2019

Heute hier, morgen tot

"Bild online" hielt es gestern für nötig, die Berichterstattung zu einem Massenmord in Österreich ("DAS EIFERSUCHTS-MASSAKER VON KITZBÜHEL") mit diesen zwei Aufmachern zu garnieren:

1. "Hier tanzte Nadine noch auf einer Hochzeit"
2. "Kitzbühel-Opfer Florian J.: Am Abend vor dem Massaker war er noch 'Man of the Match'"

"Meldungen" dieser Art sind nichts Neues, aber da diese Beispiele aufmerksamkeitsheischend im Verlaufe eines halben Tages rausgehauen wurden, habe ich länger darüber nachgedacht. Welchen Mehrwert hat die Erkenntnis, dass jemand gestern noch dies und das gemacht hat und dabei glücklich war? Wäre die Bluttat weniger erschütternd, wenn die Opfer kurz vorher träge auf der Couch gelungert oder im Spielcasino zehntausend Euro verzockt hätten? Es heißt nicht umsonst, er oder sie sei "aus dem Leben gerissen worden". Nicht nur einen Tag, sondern wenige Minuten nach einem freudigen Ereignis oder einer sorglosen Aktivität kann man einem Verbrechen oder einem sonstigen Unglück zum Opfer fallen, dies ist oft wesentliches Merkmal dessen, was man nicht-literaturwissenschaftlich "Tragödie" nennt.

Auf die Schlagzeile "Kitzbühel-Schmierfinken: Letztes Jahr arbeiteten sie noch bei richtigen Tageszeitungen!" warte ich gar nicht erst.

Montag, 12. August 2019

Ein Foto und seine Geschichte


- "Wirklich sehr beeindruckend, Lars. Kannst du die Schuhe mal für uns ausziehen?"
- "Wie was, nää - die Größe steht doch unten drauf."
- "Ja, schon, aber damit wir deine Füße sehen können."
- "Ach, das wollen Sie nicht, ich schwitze gerade stark."
- "Hm, einen Beweis brauchen wir schon."
- "Na gut. Hier, ein echter Abdruck!"
- "That'll do!"
- "Wer sind Sie überhaupt?"
- "Wir sind vom Guiness-Buch der Rekorde!"
- "Heißt das nicht 'Guinness'?"
- "Ähhh."

Mittwoch, 5. August 2015

Oma-Update

Dass die noch weit vom Renteneintrittsalter entfernte Sängerin Madonna seit Jahren als "Pop-Oma" bezeichnet wird: alter (!) Hut. Heute nun hat die gewohnt unverschämte Online-Bild einen neuen Maßstab gesetzt:


Sonntag, 15. März 2015

Ein paar Dinge

"Ein Kfz-Mechaniker, eine Hotelfachfrau und ihr Sohn gehen in eine Table-Dance-Bar." Das ist nicht der Beginn eines etwas komplizierten Witzes, sondern der erste Satz in einem Artikel auf bild.de mit der Überschrift "Familie in Sex-Bar abgezockt!" (Link bewusst nicht gesetzt).

Was war passiert? Drei Touristen aus dem Schwäbischen, nämlich ein Ehepaar in den Mittfünfzigern und der 28jährige Sohn, besuchen im Rahmen ihres Hamburg-Urlaubs ein Striplokal in St. Pauli, das, wie sich später herausstellt, schon in der Vergangenheit durch Abzocke aufgefallen ist. Man bestellt drei Bier. Zwei Frauen kommen an den Tisch der Familie und "bitten" den Sohn, "mit nach hinten zu kommen". Der Junge fügt sich, eine der Amüsierdamen setzt sich auf seinen Schoß, befummelt ihn, macht sich frei und verlangt nach einem Getränk, was der Barmann prompt bringt: Sekt für 1000 Euro! Der Kellner soll den Filius sodann mit nicht unsanftem Druck zum Geldautomaten begleitet haben, wo er, der Junge, schließlich die Rechnungssumme von insgesamt 1.060 Euro abhob. Knapp eineinhalb Jahre später steht der Barmann deswegen und wegen vier weiterer Fälle der räuberischen Erpressung vor Gericht.

Ich erlaube mir an dieser Stelle, meinen Beitrag an ein Segment aus der Late-Night-Show von Seth Meyers anzulehnen, weil es einfach zu gut passt:


ERSTENS Welcher Mann mit Ende 20 besucht gemeinsam mit seinen Eltern einen Amüsierbetrieb?! Dass man mit den Eltern in den Urlaub fährt, kann ich ja gerade noch so akzeptieren, aber nach St. Pauli? Wer um Himmels willen hielt es überhaupt für eine gute Idee vorzuschlagen: "Lasst uns doch mal gemeinsam eine Oben-ohne-Bar besuchen. Das bringt uns als Familie näher zusammen, und vielleicht ist es ja so nett dort, dass wir nächstes Jahr die Oma mitnehmen"?

ZWEITENS Wie verzweifelt/naiv/weltfremd muss man außerdem sein, um mit einer professionellen Reeperbahn-Bediensteten (ich wiederhole: im Beisein der Eltern!) in ein Separée zu gehen? Und was sagt man da? "Bis gleich, Mama und Papa, ich gehe mal mit dieser Table-Dancerin nach hinten. Sie scheint mich zu mögen. Bestimmt bietet sie mir kostenlosen Geschlechtsverkehr an, wenn ich ihr ein kleines Radler ausgebe. Ich mache Fotos!" Und: Hielten es besagte Eltern zu keiner Sekunde für geboten, die Entwicklung der Situation wenigstens ganz grob zu analysieren?

DRITTENS 1000 Euro für Sekt, was ist denn das für ein Betrag? Wenn man sich schon auf das unehrenhafte Geschäft des "Abziehens" spezialisiert, kann man sich dann nicht ein bisschen Mühe mit seinen Fantasie-Preisen geben? 985,- € meinetwegen, oder 1.025 € ... Tausend Euro – das würde ein Sechsjähriger vorschlagen, den man auffordert, "eine ganz, ganz hohe Zahl" für ein Getränk zu nennen. Schon allein für diesen dummdreisten Preis sollte man den Bartypen ordentlich verknacken.

VIERTENS Andererseits: Kann sich die Tatsache, dass es die Geschädigten dem Täter gar zu einfach gemacht haben, nicht strafmildernd auswirken? Da mal ansetzen als Verteidigung.

FÜNFTENS Der finanzielle Schaden scheint die Familie weniger zu ärgern als der Imageschaden: Stand in dem besagten Artikel vor einer Woche noch der genaue Herkunftsort der drei, liest man dort heute lediglich "Touristen aus der Region Stuttgart". Auch die Namen wurden geändert. Offenbar haben sich die Opfer bei der Bild-Zeitung beschwert; sie hatten wohl Angst, sich nie wieder auf den Straßen ihrer baden-württembergischen Heimatstadt blicken lassen zu können (es handelt sich um einen Ort mit gut 50.000 Einwohnern).

SECHSTENS Was sind die "Bild online"-Leser bloß für schadenfrohe Säue!


Dienstag, 1. Juli 2014

Hund und Kuckuck

Hier meine zwei Lieblings-Lachanlässe aus den Medien der letzten drei Wochen:

(bild.de, 17.06.2014)

(Focus, 30.06.2014)

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Ein Foto und seine Geschichte


Altersarmut: ein ernstes Thema, dem man sich aber durchaus spielerisch nähern kann. Diese rüstigen Rentner verliehen vergangene Woche ihrem Unmut mit einer kreativen Umhängeschilder-Aktion Ausdruck ("ARMUT!!!"). Und damit nicht genug! Ganz dem Gedanken des Sparens und Wiederverwertens verpflichtet, versammelte sich das Senioren-Sextett am Wochenende vor dem Frankfurter Sigmund-Freud-Institut, um gegen die Einsparungen im Bereich der Traumforschung zu protestieren ("TRAUM!!!"). Am Montag darauf reiste die Truppe in die Schweiz, um dort ein bildmächtiges Zeichen gegen die geplanten Schulreformen zu setzen ("MATUR!!!"). Noch am selben Tag ließen sich die sechs Freunde auf einer Pressekonferenz des FC Basel sehen, um Trainer Murat Yakin zu unterstützen ("MURAT!!!"). Leider gibt es momentan Spannungen in der Gruppe: Der Träger des Buchstaben "R" weigert sich, für die Durchsetzung der Ausländermaut auf deutschen Autobahnen zu demonstrieren. "Leider können die anderen das nur durchziehen, wenn ich nicht mitmache! Ein paradoxes Dilemma, wie es im Buche steht!", so der bärtige Buchstabenfan frustriert.

(Fotoquelle: bild.de)

Samstag, 26. Oktober 2013

4x Fotografiertes (Resterampe)

Schöner Seitenaufbau neulich bei bild.de!

Ein Volontariat im Emsland Moormuseum, das wär' schon was! Nur müssen es gleich drei Jahre sein? Ich hätte die Sorge, dort zu versumpfen.

Man sollte immer ein paar frische Snacks für eventuelle Gäste bereithalten.

Aus der Reihe "Kühlschränke, deren Inhalt man nicht kennen will"


Sonntag, 9. Juni 2013

Kleine Presseschau

Um die Jahrtausendwende schwirrten sehr viele Dokumente im Netz herum, die sich "Anarchist Cookbook" oder ähnlich nannten und Anleitungen zu allerlei illegalen Aktivitäten beinhalteten. Ich las darin besonders gern jene Artikel, die sich mit der Manipulation von Kommunikationskanälen beschäftigten. "Phreaking" hieß das Schlagwort, wobei das Ph- am Wortanfang von phone herrührt. Einen "Phantasy-Roman" könnte man sich durchaus vorstellen, geschrieben vielleicht von Neal Stephenson oder William Gibson: Eine Gruppe von Hackern im Prä-Internetzeitalter bekommt es mit überweltlichen Mächten und magischen Verschwörungen zu tun. Ich fürchte allerdings, die Süddeutsche Zeitung meint hier etwas ganz Anderes.


Den lässlichen Übersetzungsfehler hat bild.de inzwischen korrigiert. Man könnte natürlich mal ganz allgemein fragen, ob es angebracht ist, den Selbstmordversuch eines prominenten Teenagers breitzutreten.


Bleiben wir bei der Bild-Redaktion. Die hat es inzwischen aufgegeben, ihrem Kolumnisten so grundlegende Dinge zu erklären wie was ein englisches Wort ist. Bei dem ganzen Gezwitscher in Wagners Kopf kommt da einfach nichts mehr an.


Was heißt denn hier "Ich bislang auch nicht"? Ich wusste, was Lookism ist, und da war ich bestimmt nicht der Einzige. Es ist ja auch nicht so, dass man sich die Bedeutung des Wortes nicht durch zehn Sekunden Nachdenken herleiten könnte. Jan Fleischhauer traut seinen Leserinnen und Lesern anscheinend weniger zu als sich selbst.

Montag, 22. April 2013

Foto des Tages


Danke, Bild.de! Ohne dieses gestochen scharfe Beweisfoto hätte ich der Nachricht keinen Glauben geschenkt.

Freitag, 30. November 2012

Kannibalismus

Ein Klassikbeitrag aus dem Mai 2010, den ich für den Junior Web Award vorschlage

"Er aß ihn" stand vor einigen Jahren in riesigen Lettern auf dem Titelblatt einer Boulevardzeitung. Es ging um den Kannibalen von Rothenburg, und ganz Deutschland verfolgte die Berichterstattung mit wohligem Gruseln. Die Tat war kein Einzelfall. Wer etwa die Bild verfolgt, stößt alle paar Monate auf entsprechende Vorfälle. "Menschenfresser aß Berliner" habe ich mir z.B. vor ca. acht Jahren ins Notizheft geschrieben, und damit war kein Pfannkuchen gemeint. Legendär ist auch diese kaum kommentierbare Meldung vom April des Jahres 2010.


Und jetzt macht der "neue Jack the Ripper" von sich reden, der das Fleisch von drei ermordeten Huren verspeist haben soll. Kannibalismus ist also keine Seltenheit. Ich glaube, es gibt im Wesentlichen drei Motive:
Liebe Ein Mensch will sich einen anderen "einverleiben", will ihn voll in sich aufnehmen. Die Causa Meiwes war ein Beispiel dafür, ein anderes wird in dem sehr lesenswerten Buch "Verbrechen" von Ferdinand von Schirach geschildert.
Rituelle Gründe Ich sage nur: Papua-Neuguinea. Da frisst man, glaub ich, die ehrwürdigen Ahnen, aber manchmal werden auch Jüngere zubereitet. Wie ich irgendwo mal las, spielen durchaus auch kulinarische Erwägungen eine Rolle. Fleisch aus der Wange soll von einigen Völkern besonders geschätzt werden. Auch Gehirne sind beliebt. Unschöne Nebenwirkung: u.a. Kuru.
Notlagen Die erste derartige Darstellung in der Literatur findet sich bei Mark Twain. Die (ziemlich langweilige) Kurzgeschichte "Kannibalismus auf der Eisenbahn" handelt von einer Gruppe Reisender, die mit ihrem Zug im Nirgendwo feststeckt und, um zu überleben, einen Menschen zum Nahrungsspender wählen muss. Man hörte Ähnliches auch schon von Flugzeug-Passagieren. Im Zweifel muss der Dickste dran glauben. Ich nehme an, bei dem modernen britischen Ripper spielte auch übersteigertes Verlangen, gepaart mit einem Ödipus-Komplex, eine Rolle für sein Handeln. Vielleicht gibt es auch noch ein viertes Motiv: Rache an seinen Feinden. Beispiele: Yoshi in Super Mario World (obwohl der keine Vertreter der eigenen Spezies verschlingt) sowie Hannibal Lecter.

Ich werde noch weitere Forschungen zu diesem Thema anstellen (mal sehen). 

Samstag, 7. Juli 2012

Sand im Kopf

(Unkenntlichmachung von mir)

Immer wenn man denkt, dümmer und schlimmer könne die Bild-Zeitung inzwischen eigentlich nicht mehr werden, verirrt man sich auf bild.de und wird eines Besseren belehrt.

Auf der Insel Amrum ist ein kleiner Junge in einem Sandloch erstickt bzw. laut Bild online ja vielmehr "ertickt". Das ist ohne Frage sehr traurig. Für Bild-Redakteure ist das aber auch das Ende der Welt, wie wir sie kennen. "Der Sand hat seine Unschuld verloren".

Dass Bild sich an toten Kindern aufgeilt, ist hinlänglich bekannt. Dass Bild tragische Einzelschicksale überdramatisiert, auch. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist aber schon beispiellos perfide. Lesen wir einmal - *schauder* - den vollständigen Artikel:

"Der Himmel weint milde Nieseltränen auf die Nordsee vor Amrum. [...] Die Fähre 'Schleswig-Holstein' öffnet ihr weißes Maul und spuckt Hunderte Familien an Land." Ja, wie kann diese Scheißfähre es wagen?! Hier ist gestern ein grauenhafter Unfall geschehen, hier "ist nichts mehr, wie es war", sogar der Himmel weint, und Hunderte Familien gehen einfach so "zum fröhlichen Löcherbuddeln" an den Strand, als wäre alles eitel Sonnenschein! "Es war eine merkwürdig zwiespältige Stimmung an Bord, als wir, die BILD-Reporter, die Fähre nach Amrum betraten. Es war der Tag danach." Man kann nur hoffen, dass die zu dieser traurigen, aber leider journalistisch notwendigen Dienstreise gezwungenen Bild-Reporter das nötige Maß Pietät an Bord gebracht haben.

"Da ist kein Loch im Sand, er ist fein, glatt, rinnt unschuldig durch die Finger, und doch ist es genau hier passiert." Und schöpfte man einen Eimer Wasser aus dem Pazifik, in dem immer wieder Tsunamis wüten und Tausende Todesopfer fordern - es würde genauso unschuldig durch die Finger rinnen. Wie kann Gott nur so zynisch sein? "Wenn der Sand Kinder verschluckt, spurlos und heimtückisch, unsichtbar und schweigend, dann kann das morgen wieder ..." Die Autoren wagen nicht, den Satz zu Ende zu schreiben. Zu denken allerdings schon, denn insgeheim fänden sie's natürlich super, wenn "das morgen wieder" passierte. Wie viele Seiten sich mit dem Thema füllen ließen, wie viele Schlagzeilen sich ergäben! Darf man je wieder das Sandmännchen gucken? / Frau Merkel, wann verbieten Sie endlich den teuflischen Nordseesand?

"Die weiße Fähre spuckt die nächste Ladung Familien aus, mit Eimerchen, Förmchen, Schaufeln und Spaten. Alles, was man braucht zum fröhlichen Buddeln im Sand." So endet der Beitrag, und man weiß nicht, was ekelhafter ist: die schwülstig-prosaische Schreibe oder die Implikation, welche die Aussage, der Sand habe "seine Unschuld verloren", hat. Sandstürme, Erdrutsche, Treibsand - das gibt's doch alles gar nicht. Nein nein nein, erst wenn ein einzelnes Kind auf unserem schönen unschuldigen Amrum verunglückt, dann hat der Sand seine Unschuld verloren. 

Wann die Bild-Mitarbeiter Hauke Brost und Thomas Knoop ihren Verstand verloren haben, ist leider nicht überliefert.