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Mittwoch, 23. Dezember 2020

Das Rätsel der verschwundenen Ziffer

Auf der Startseite von Prime Video sah ich einen Thumbnail, der mich stutzen ließ:


"Der dreite Krieger"? Das kann doch unmöglich als Plakat oder als Ankündigungsbild durchgegangen sein, dachte ich mir. Ich öffnete die Filmbeschreibung, und dort wurde die korrekte Version sichtbar:


Was war da passiert? Das Vorschaubild wurde ganz offensichtlich nicht automatisch generiert, es muss von einem echten Menschen erstellt worden sein. Wie konnte dieser Person einfach so eine 1 abhanden kommen? Man sollte doch meinen, dass Amazon für Qualitätssicherung dieser Art noch den einen oder anderen Dollar locker machen kann ...

Sonntag, 5. Februar 2017

Spaß mit Synonymen


Slogan dieses ganz sicher herausragend anspruchsvollen Films: "Payback... the best form of revenge."
Auf dem Plakat für den deutschen Markt läse ich gern die Unterzeile "Rache ... die beste Form der Rache".

Freitag, 1. Februar 2013

Der Zauber von Filmplakaten

Der Wortvogel hat sich in seinem gestrigen Blogeintrag mit Filmplakaten beschäftigt und dabei auf eine hübsche Sammlung bei 9gag verwiesen. Dort sind Filmposter nach häufig auftretenden Gestaltungselementen geordnet, z.B.:

Ich selbst habe vor längerer Zeit einmal versucht, eine ähnliche Sammlung zu erstellen, mit bescheidenem Ergebnis:

Klar, man setzt auf Wiedererkennungseffekte; das Publikum – zumindest der Teil davon, der zu faul ist, sich Trailer anzuschauen oder Inhaltsangaben zu lesen – möchte an die Hand genommen werden, möchte per Filmposter wenigstens einen ungefähren Eindruck davon vermittelt bekommen, worum es geht. 

Nun zu einer anderen Eigentümlichkeit von Kinoplakaten. Ein Freund erzählte mir, dass ihn schon lange eine Frage umtreibt, mit der er, wenn er sie in den Raum wirft, auf allgemeines Unverständnis stößt, und auf die es auch im Internet keine Antwort zu geben scheint. Ich verstand ihn aber sofort, denn eigentlich muss jedem, der mit offenen Augen durch die Welt spaziert, dieses "Problem" auffallen: Warum stimmt bei Filmplakaten, auf denen ein Ensemble-Cast abgebildet ist, die Reihung bzw. Aufstellung der Darsteller nicht mit der Anordnung der Namen überein? Beispiel: 

Ich vermute, dass es mit den menschlichen (und speziell westlichen) Sehgewohnheiten zusammenhängt. Wir lesen zwar von links nach rechts, schauen aber bei Bildern grundsätzlich zuerst in die Mitte bzw. darauf, was irgendwie hervorsticht. Das haben wir schon im Kunstunterricht gelernt. Chris Cooper ist auf dem "Married Life"-Plakat ein bisschen weiter im Vordergrund als die anderen und schaut dem Betrachter direkt in die Augen. Bei anderen Plakaten wird es deutlicher: 

Hier ist die Erstgenannte zwar die dritte von links, ist aber eindeutig im Vordergrund positioniert. 
Fazit: Plakatdesigner müssen psychologisch geschult sein.

Montag, 15. Februar 2010

Filmtitel VI

Wolfgang Maier hat in seinem Buch Spielfilmsynchronisation (Frankfurt a.M. et al.: Peter Lang 1997) ein ganzes Kapitel dem Problem des Übersetzens von Filmtiteln gewidmet. Für alle Möglichkeiten bietet er schlüssige Erklärungen. Wird der Originaltitel beibehalten, weil es sich um einen (bekannten) Eigennamen handelt, hat dies den Vorteil, dass "durch die internationale Presse der Film möglicherweise schon vor einem Deutschlandstart aufgrund des einprägsamen kurzen proper name bekannt ist; das macht das Publikum neugierig" (S. 75). Nach der "Allemanitis" der 50er/60er Jahre, wo man jeden englischen Titel (mitunter krampfhaft und misslungen) eindeutschte, begann die bis heute anhaltende Phase, in der auch unverständliche Filmtitel beibehalten werden. "Anscheinend liegen die Wurzeln darin vergraben, daß die Werbestrategen dem potentiellen Käufer/Zuschauer weiszumachen versuchen, bloß was 'neu' ist, sei 'gut'" (S. 79). Und weiter: "'Jurassic Park' hätte in den fünfziger Jahren wohl 'Panik im Dinosaurier-Park' geheißen." Die Englisch-Kompetenz des heutigen Publikums [= dem von 1997] sei jedoch nicht besser als die des Publikums von damals (diese Aussage stimmt heute, 2010, m.M.n. nicht mehr); "wichtig bleibt alleine der Erkennungseffekt der für manche inhaltslos gewordenen englischen Titel." (S. 80)
Sehr unterhaltsam sind die Ausführungen zu nicht am Original angelehnten Filmtiteln. Die schärfsten Schoten entstanden in der Trash-Horror-Welle der späten 60er bis 80er Jahre, als man das Publikum mit Titeln über "gefolterte Jungfrauen" und "gequälte Hexen" ködern wollte. The Haunted Palace (basierend auf H.P. Lovecrafts Erzählung Der Fall Charles Dexter Ward, ulkigerweise aber vermarktet als "based on a story by Edgar Allan Poe") wurde in Deutschland zu - festhalten! - "Die Folterkammer des Hexenjägers". Ein weiteres Highlight (S. 89f.):

"Nehmen wir Jean Rollins Öko-Thriller 'Les Raisins de la Mort' [...] was machte der deutsche 'A.B.'-Filmverleih daraus? Man möchte es nicht glauben, aber bei uns werden 'Die Trauben des Todes' zur 'Foltermühle der gefangenen Frauen'. Was sich der Verleiher unter einer 'Foltermühle' vorstellt, sei dahingestellt, jedenfalls kommt in diesem Film keine vor, ebensowenig wie 'gefangene Frauen'. Dem Titel entsprechend war übrigens auch die Graphik des deutschen Filmplakats ausgerichtet: Halbnackte, angekettete Mädchen (die im Film natürlich überhaupt nicht vorkommen) und grausig aussehende Totenköpfe, und als Slogan auf dem Poster die Aufschrift 'Zombie G.m.b.H. & Co. in Action' (sic!). Aber selbst so ein idiotischer Titel [...] kann noch übertroffen werden: Auf Video hieß derselbe Streifen nämlich 'Zombis geschändete Frauen' (man achte auf die Orthographie!), was zur Folge hatte, daß er umgehend indiziert wurde [...] Der Dumme ist in jedem Falle der Zuschauer: diejenigen, die wirklich 'gefangene', 'geschändete' oder 'gefolterte' Mädchen erwarten, werden enttäuscht, und die 'ernsthaften' Kinogänger müssen sich unweigerlich genieren, wenn sie an der Kinokasse eine Karte für 'Foltermühle der gefangenen Frauen' lösen [...] [D]as (übrigens minderwertige) deutsche Bauerndrama 'Das Mädchen vom Hof' versuchte man im Zuge der Horrorwelle als 'Die Totenschmecker' besser verkaufen zu können, und schließlich endete das Machwerk als 'Der Irre vom Zombiehof'."
Faszinierend sind auch die Versuche, Geld mit getürkten Franchises aufgrund früherer Erfolgsfilme zu machen:

"Man denke nur an die von Sergio Corbucci 1966 geschaffene Figur des 'Django'. Der Name wird auch heute noch gleichgesetzt mit dem Helden der Spaghetti-Western, und so fanden sich in Deutschland nicht weniger als 50 Filme, die sich des populären Namens der Kultfigur zu eigen machten. Doch wieviele 'echte' Django-Filme gibt es eigentlich wirklich? Die Antwort ist einfach: nur einen, eben den von Corbucci inszenierten. Alle anderen Produktionen, die sich daran anlehnen, haben mit dem eigentlichen 'Django' überhaupt nichts zu tun. Und trotzdem brach bald darauf eine wahre 'Django'-Flut über die bundesdeutschen Kinos herein [...]: Die Vorstellung 'Django spricht das Nachtgebet' steht in krassem Widerspruch zu 'Django spricht kein Vaterunser', ja die Palette reicht sogar bis hin zu 'Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill'."