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Donnerstag, 15. Januar 2026

WiKIpedia?

25 Jahre Wikipedia, dieses Jubiläum soll auch in diesem Blog, das zahlreiche Beiträge dank und über Wikipedia hervorgebracht hat, gewürdigt werden: *würdig, würdig* Das Verfassen eines Lobgedichts spare ich mir, denn meisterhafter als Kollege Miedl in der heutigen Taz würde ich das nicht hinbekommen.

Stattdessen sei einmal mehr auf eine Wikipedia-Seite verlinkt, und zwar diesmal nicht auf einen regulären Eintrag, sondern auf einen internen Leitfaden zum Erkennen von LLM-Versatzstücken: "Anzeichen für KI-generierte Inhalte". Das ist hochinteressant, zudem lehrreich, lässt sich das Ganze doch auch auf Texte außerhalb der Wikipedia anwenden. Hier geht es natürlich zusätzlich um technische Aspekte wie Markup/Markdown und Templates. Ich habe mir den Artikel (sowie sein sogar noch umfangreicheres englischsprachiges Äquivalent) soeben als PDF heruntergeladen und beabsichtige, ihn gelegentlich mit der aktuellen Version abzugleichen: Werden die Anzeichen für nicht-menschliches Schreiben zahlreicher werden? Und deutlicher? Oder im Gegenteil? Es sind aufregende Zeiten. Möge Wikipedia sie unbeschadet überstehen.

Mittwoch, 3. Dezember 2025

An ihren Strichen sollt ihr sie erkennen

Wenn ich in meinen Blogbeiträgen einen Gedankenstrich verwende, achte ich tunlichst darauf, einen richtigen Gedankenstrich, fachsprachlich "Halbgeviertstrich", einzufügen – Berufskrankheit. Das tue ich mittels Copy & Paste. Der kurze Strich, der erscheint, wenn ich auf "-" drücke, ist dem Trenn- oder Bindestrich bzw. dem Minus vorbehalten.

Zurzeit ist der Langstrich, wie ich im Feuilleton der gestrigen Süddeutschen las, auf dem Weg, "zum Fingerabdruck seelenloser Automatentexte" zu werden. Laut dem Artikel "Gedankenstriche verraten ihn" (online leider hinter Paywall) entwickelt nämlich ausgerechnet Textgenerierungssoftware ein Faible für dieses Zeichen.

"Auffällig viele Gedankenstriche tauchen auf, wenn man KI-Modelle bittet: Lass diese E-Mail menschlich wirken", beobachtet Niklas Schreiber. Der Linguist forscht zu Satzzeichen an der Universität Potsdam. Er vermutet, Modelle wie Chat-GPT könnten häufig auf den Gedankenstrich zurückgreifen, weil das Zeichen eine Dramaturgie schaffe, eine persönliche Note. Doch gerade das entlarvt die Maschine. Sie will es unbedingt menscheln lassen. Und wirkt dadurch erst recht roboterhaft.

Insbesondere in Bezug auf Lexik komme es, so der Beitrag weiter, zunehmend zu Rückkopplungseffekten: Zum Beispiel greifen Wissenschaftler/innen auf bestimmte Wörter vermehrt zurück, seit/weil diese sich "in angeblich von Menschen verfassten akademischen Texten häufiger als früher" finden lassen. Wenn wir immer mehr künstlich erzeugte Texte konsumieren (und "etwas mehr als die Hälfte der neu ins Netz hochgeladenen Texte sind laut der Suchmaschinen-Agentur Graphite inzwischen künstlich generiert"), fangen wir an, so zu schreiben, wie wir meinen, dass wir schreiben müssten, weil das die KI ebenfalls "meint". Das ist leicht vereinfacht gefolgert, Fakt ist: "Mensch und Maschine beeinflussen sich offenbar gegenseitig."

Der Nebeneffekt einer Echokammerbildung innerhalb künstlicher Systeme lässt sich denken: "Studien haben bereits gezeigt, dass KI-Sprachmodelle, die mit ihren eigenen Texten gefüttert werden, sukzessive eine immer geringere 'linguistische Diversität' zeigen." (Anm.: Gemeint ist "sprachliche Diversität"; linguistisch bedeutet "sprachwissenschaftlich", engl. linguistic aber daneben auch "sprachlich", ein oft – von Menschen – gemachter Übersetzungsfehler.) "Was da in die Sprache einfließt, ist letztlich: Homogenität."

Der SZ-Artikel führt dann noch ein paar Wenns und Abers an, auf die ich nicht einzugehen brauche. Nur eins möchte ich klarstellen: Niemand soll denken, dass an der Produktion auch nur eines einzigen meiner Texte je ein Sprachmodell beteiligt war – auch wenn ich eine Vorliebe für den "romantisch-verspielten Gedankenstrich" nicht abstreite.

Donnerstag, 8. Mai 2025

Von Bälgern und Wanen

Gestern vorm Einschlafen ist mir doch glatt ein weiteres Anachronym eingefallen: Blasebalg. Die Grundbedeutung von Balg ist zwar eh verblasst – die Hauptbedeutung dürfte heutzutage "freches Kind" sein (wobei auch das schon ziemlich veraltet ist) –, dennoch passt es insoweit in die Liste, als Blasebälge heutzutage "zumeist aus Kunststoff hergestellt" werden. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass z.B. bei Manufactum noch bzw. wieder Blasebälge aus echter Tierhaut zu bekommen sind. Die wenigen, wunderlichen Leute, die einen Blasebalg besitzen wollen, werden doch tunlichst darauf achten, den real deal zu kaufen.

Auf der Suche nach Beispielen für "Dinge, die nicht mehr aus dem Material hergestellt werden, nach dem sie benannt sind", habe ich mir das Periodensystem der Elemente gegriffen und bin es durchgegangen. Fündig bin ich dabei nicht gefunden, stattdessen musste ich etwas Bemerkenswertes feststellen, nämlich dass bereits mit der Ordnungszahl 23 ein Element auftaucht, von dem ich noch nie gehört hatte: Vanadium. Wie konnte mir das jahrelang entgangen sein? Haben wir in der Schule nie darüber gesprochen, wurde es nicht mal erwähnt? Viel wichtiger: Warum heißt Vanadium Vanadium? Laut der herrlichen Etymologischen Liste der chemischen Elemente benannte der Schwede Nils Gabriel Sefström das Element "nach Freya, der nordischen Göttin der Schönheit, die den Beinamen Vanadis trug". Woher Vanadis kommt, steht dort leider nicht; eine schnelle Recherche ergibt, dass der Beiname "Vanengöttin" bedeutet. Die Etymologie des Göttergeschlechtes der Wanen (altnordisch Vanir, "die Leuchtenden") zu recherchieren, würde mir Spaß machen, ich habe aber gerade keine Zeit dafür.

Übrigens habe ich zweimal bei Google "Dinge, die nicht mehr aus dem Material hergestellt werden, nach dem sie benannt sind" eingegeben. Oben tauchte, wie es seit einiger Zeit üblich ist, ein Block mit Antworten von einer generativen KI auf. Beim ersten Versuch wurden mir als Beispiele "Filme" und "Musik" angeboten, beim zweiten faselte der Bot etwas von geplanter Obsoleszenz. Die "Künstliche Intelligenz" versteht also nicht mal, worauf ich eigentlich hinaus will. Deaktivieren lässt sich der Mist freilich nicht.

Donnerstag, 23. Januar 2025

Kurz notiert: Künstliche Wiederbelebung

In der gestrigen Ausgabe von "Aktenzeichen XY ungelöst" wurde wie so oft das rekonstruierte Gesicht einer Leiche gezeigt. Neu war dabei, dass neben dem Foto der Hinweis "KI-bearbeitet" stand. Rudi Cerne erklärte, das Bild sei "mit Hilfe Künstlicher Intelligenz ein wenig retuschiert" worden. Da sage ich: Okay, das ist doch mal ein sinnvoller Einsatz moderner Software! Ich könnte mir vorstellen, dass KI mittlerweile nicht nur in der Lage ist, zu berechnen, wie ein unidentifizierter Toter zu Lebzeiten ausgesehen haben könnte (ich bin mit der Formulierung bewusst vorsichtig), sondern auch Personen, die seit langer Zeit vermisst werden oder untergetaucht sind, "altern" zu lassen – ihr wisst schon, die berühmte Fahndungsphrase "Inzwischen könnte die Gesuchte so aussehen."

Montag, 14. Oktober 2024

Symptomatisches Kauderwelsch?

Ich lasse mich hier immer mal wieder über die mangelhafte Qualität von Videospiel-Übersetzungen aus – zu Recht, wie ich finde. In ansonsten höchst erfreulichen Spielen wie den "The Walking Dead"-Adventures von Telltale vermögen misslungene Untertitel, die im günstigsten Fall ungelenk, im schlimmsten Fall sinnentstellend oder -frei geraten sind, die Gesamterfahrung deutlich zu trüben. (Heute erlebt: Mit Blick auf ein Helikopterwrack murmelt der Protagonist "So much for the military ...", was übersetzt wird mit "Das Militär hat viel getan." Wenig später fordern wir einen kleinen Jungen auf: "Sagen Sie niemanden!")

Dass Games deutsche Untertitel haben, und zwar nur Untertitel und keine deutsche Tonspur, ist ein separates, aber damit zusammenhängendes Problemfeld. Diesem widmete sich in der letzten GameStar (Ausgabe 10/2024) Gerald Weßels Artikel "Weniger Synchronfassungen: Fremdsprache Deutsch?". Nachdem ich diesen gelesen habe, verlagert sich das Ziel meines Grolls angesichts der grassierenden Lokalisierungs-Ausrutscher weg von den direkt verantwortlichen, i.e. übersetzenden, Menschen hin zu einem System, in dem einiges im Argen liegt. Da ist – wer hätt's gedacht? – zum einen der Kostenfaktor.
Anett Enzmann [freiberufliche Übersetzerin] beziffert folgendermaßen, wie die Honorare zustande kommen: "Erzielbare Preise bewegen sich auf einer Spanne von sechs bis zwölf Cent pro Wort im Ausgangstext für die Übersetzung und zwei bis vier Cent für Korrektorat."
Bei "typischerweise um die 2.000 Wörter", die man pro Tag schafft, kommt da nicht viel rum. Hier kann ich als freiberuflicher Autor nur (an wen auch immer) appellieren: Bezahlt Geistesarbeiter ordentlich, am Ende haben alle was davon! Ideal wäre es in diesem konkreten Fall freilich, wenn sich Publisher oder Studios in house festangestellte Übersetzer/innen leisteten, die dann zwangsläufig näher dran wären an den Inhalten, am Stoff. Aber nein:
Läuft der Auftrag über eine Agentur, besteht auch meistens kein direkter Kontakt zu Entwicklern, weder zu Beginn des Projekts noch währenddessen. Stattdessen gibt es vorab schriftliche Briefings zur Welt und zu allem, was sonst noch zu beachten ist. [...] Das Spiel selbst bekommen die Texter mehrheitlich auch nie zu sehen, sondern nur exportierte Dateien und Begleitdokumente zur Einführung in die jeweilige Welt und ihre Besonderheiten. Spielzeit würde ohnehin nicht bezahlt werden. Bildmaterial wird lediglich in Form von Screenshots oder als Video gestellt.
[...] Übersetzungsfehler seien deshalb oft ärgerliche Resultate von fehlendem oder zu ungenau erläutertem Kontext, so Anett Enzmann.

Am Ende wird natürlich auch das Thema Maschinenübersetzung gestreift:
Abseits sogenannter Computer Assisted Translation (CAT) Tools mit integrierter Datenbank und einiger Sonder-Features verbreiten sich verstärkt Ansätze, Spiele komplett automatisiert zu übersetzen und nur jemanden drüberschauen zu lassen. Aber der Aufwand ist teils höher, als gleich alles selbst zu erledigen, wie Anett Enzmann im Gespräch erläutert: "Die KI macht Fehler, teils winzige, aber dafür etliche, und das andauernd. Denn sie versteht den Kontext nicht, in Gesprächen übersieht sie geschlechtsspezifische Anreden oder sie kann den Fluss eines Dialogs nicht nachvollziehen."
[...] Der notwendige Aufwand werde obendrein sträflich unterschätzt – und mies bezahlt: Es gibt meist nur ein Drittel des regulären Wortpreises hierfür.
Wohltuend zu lesen, dass der Heilsbringer KI einmal mehr für nichts als Verschlimmbesserung sorgt. Aber klar: "Entscheider mit Finanzgewalt, zumeist Publisher und Agenturen, versprechen sich davon Einsparungen." Nicht nur von Budget, sondern auch von Zeit: Es muss ja heute alles husch-husch gehen, wie auch bei Filmen und Serien hat die deutsche Synchro wenige Tage nach dem Original zu erscheinen, am liebsten gleichzeitig mit diesem.

Abschließend möchte ich noch eine Klarstellung von Begrifflichkeiten zitieren, welche ich selbst wiederholt unsauber verwendet habe:
Anett Enzmann erklärt den Unterschied zwischen Übersetzung und Lokalisierung: "Es ist mehr als nur eine reine Übertragung in eine andere Sprache, es ist die Anpassung an eine andere Kultur." Es gehe darum, den Gepflogenheiten der Zielsprache zu entsprechen.
Ein lokalisierter deutscher Text ist meistens rund 30 Prozent länger als ein englischer. Wortlänge und Grammatik sind hierfür entscheidend. Bei begrenztem Platz in Benutzeroberflächen kann es deshalb oft gequetscht zugehen. Die mögliche Bandbreite solcher Änderungen ist gewaltig, und doch ist das simpelste Beispiel ein Witz. Denn Scherze, Sprichwörter oder Umgangssprache generell in eine neue Sprache zu übertragen, erfordert Fingerspitzengefühl und Kenntnis der spezifischen Situation, in der der Originalsatz vorkommt.

Dienstag, 22. August 2023

Künstliche Köche verderben den Brei

Ich sehe einer Zukunft, in der KI eine immer größere Rolle spielt, inzwischen gelassener entgegen als noch vor einem halben Jahr. Vor einem Jahr hätte ich vielleicht noch "einer von KI dominierten Zukunft" geschrieben. Seien wir ehrlich: Gerade jene Branchen, deren feindliche Übernahme durch ChatGPT & Co. am vehementesten behauptet wird, scheinen mir derzeit auffallend ungefährdet zu sein. Wie ich in der Vergangenheit mehrfach gezeigt habe, ist das Erzeugen von Gebrauchstexten zwar simpel wie nie, die Ergebnisse sind aber, gerade im journalistischen Bereich, oft von bescheidener Qualität. Klar kannst du in Windeseile mit ein paar Prompts einen Blogbeitrag erstellen, der es von der Entropie her mit einem durchschnittlichen Wikipedia-Artikel aufnehmen kann, stilistisch wird er aber selten über das Niveau eines solchen hinausgehen, davon abgesehen, dass am Ende immer noch faktische Fehler und Unstimmigkeiten enthalten sein werden. Kurzer Besuch der Reiseseite, die ich hier schon einmal hinsichtlich groben Chatbot-Einsatzes begutachtet habe:

Die besten Discos/Clubs der Welt
Es gibt keine eindeutige Liste der 20 besten Discos der Welt, da dies stark von persönlichen Vorlieben und aktuellen Trends abhängt. Es gibt jedoch einige bekannte und beliebte Discos weltweit, wie zum Beispiel das

  •   Europa:Berghain in Berlin, das Pacha in Ibiza, das Fabric in London
  •   Asien das Zouk in Singapur

[...]
Es gibt auch viele andere großartige Discos auf der ganzen Welt, die je nach Musikstil und Atmosphäre unterschiedliche Erfahrungen bieten. Es ist wichtig zu beachten, dass sich die Clubszene in Asien ständig weiterentwickelt und neue Discos eröffnen können,

Peinlich. Wenn fürderhin jemand orakelt, semi-professionelle und leidenschaftliche Reiseblogger könnten ihr Hobby demnächst an den Nagel hängen, weil neue, mit Hilfe von Sprachmodellen generierte Angebote ihnen die Reichweite wegnehmen, dann lache ich mir 'nen Ast.

Kaum bedroht sehe ich auch die Arbeit von Kochbuch-Autor(inn)en. Ich beanstande im Folgenden nicht die Möglichkeit an sich, Gerichte von Künstlicher Intelligenz "erfinden" zu lassen. Die Verbandelung von Kulinarik und moderner Informatik kann ein witziges Experiment sein. Ich beziehe mich explizit auf Rezeptsammlungen: Jeder, der seine sieben Zwetschgen beisammen hat, wird ein klassisches, mit Herzblut kompiliertes und mit Könne designtes Kochbuch jenem Schmarrn vorziehen, den beispielsweise das in Dänemark ansässige Unternehmen Magic Media zum Preis von 5,95 $ (!) pro PDF vertreibt.

"Taste of Vanuatu": "A Journey Through the Island’s Cuisine! Delicious Island Fare" und "A Collection of Vanuatu Recipes" versprach eine Kollektion von 25 Rezepten. Das interessierte mich natürlich, denn über Vanuatu weiß ich nur wenig, und Inspirationen für den eigenen Herd entdecke ich immer gern. Vorab: Ich vermag nicht zu sagen, ob die Gerichte tatsächlich existieren. Sie lesen sich mach- und essbar und einigermaßen pazifiktypisch; zusammengestellt hat sie ausweislich des Impressums ein "David Bule", über den man im gesamten Internet nichts findet. Die Illustrationen stammen von "Paramte Poompuang", und den oder die gibt es nun, zumindest laut Google, gar nicht. Vermutlich wird das von Magic Media verwendete Bildgenerierungs-Tool intern so genannt, und was das ausspuckt, bewegt sich irgendwo zwischen aberwitzig und uncanny.


Das schaut ja erst einmal nicht sooo unrealistisch aus, aber man beachte bitte die Hände!


Ich würde so ein leicht schräges Essensbild als auflockerndes Flavour-Element durchgehen lassen, wären nicht auch die "Fotos" der einzelnen Gerichte teilweise extrem daneben. Dabei sieht manches sogar recht schmackhaft und präsentabel aus, etwa der Coconut Cream Fish:


Die Darstellung von Tuluk zum Beispiel könnte indes gar nicht weiter von der Wirklichkeit abweichen.


Regelrecht verstörend wird es bei Suppen und Desserts:


Ich glaube, das hier sind meine Favoriten: Lobster Mornay und Bananenkuchen. The horror, the horror!

 

Es ist offensichtlich, dass die KI-Resultate nicht nur nicht nachbearbeitet, sondern nicht einmal angesehen wurden. Ein geistig gesunder Mensch wird doch unmöglich einen Blick auf die obige Monstrosität werfen und denken: 'Jepp, das ist Banana Cake, wie wir ihn kennen und schätzen!'

Dass die "Redaktion" hier einfach alles, was der Rechner ausspuckt, reinlaufen lässt, zeigt sich auch bei den Texten. Fast alle Beschreibungen beginnen mit irgendeiner Variation von "XY is a traditional dish from Vanuatu, an island nation in the South Pacific". Der Rest: lieblos, unpersönlich, lahm. Das ist Schrott, Dreck, Ausschuss, und mir tun alle leid, die fast sechs Dollar (welcher Dollar eigentlich?) dafür ausgegeben haben.

Ich könnte an dieser Stelle noch etliche weitere Beispiele aus Publikationen wie "Taste of USA Vegetarian" oder "Taste of Argentina" zeigen, nach denen ihr euch alle siebzehn Finger lecken würdet. Besonders albtraumhaft ist "Taste of Germany" für stolze 11,95 $ (dafür aber auch mit 112 Seiten Umfang), wo wirklich keine Illustration zum Rezept passt. Okay, eins muss ich euch zeigen: den süddeutschen Klassiker Leberkäse. Und vielleicht eine nicht-euklidische Brezel dazu?


Ich wiederhole mich nur ungern, aber: Wenn noch irgendwer schnattert, dass die schreibende und buchgestaltende Zunft in Bälde nichts mehr zu lachen habe, dann lache ich erst richtig.

"Babe, are you ok? You've barely touched your Milanese carried by a thousand maggots."

Dienstag, 25. Juli 2023

Es heißt ja nicht "künstlerische Intelligenz"

Eine auf Reiseschnäppchen und Billigflüge spezialisierte Webseite hat vergangene Woche einen Beitrag veröffentlicht, dessen Überschrift mein Interesse weckte, steht doch das darin vorgestellte Land schon länger auf meiner Traumzielliste: "Äthiopien: Welche Gründe gibt es, das Land zu besuchen?" Beim Lesen wurde mir dann klar: Dieser Beitrag wurde von einer KI geschrieben ... und zwar nicht gerade gut. Schauen wir uns mal ein paar Passagen an.

1. Historisches Erbe: Äthiopien hat eine reiche Geschichte, die bis ins antike Äthiopien zurückreicht.

Ja, Mensch! Als Laie hatte ich geglaubt, die Geschichte Äthiopiens reiche gerade mal bis ins mittelalterliche Äthiopien zurück, aber sie reicht sogar bis in die graue Vorzeit zurück:

Es ist die Heimat einiger der ältesten menschlichen Fossilien, darunter das berühmte Lucy-Skelett. Das Land hat auch eine beeindruckende Sammlung von historischen Stätten wie die Felsenkirchen von Lalibela, die Ruinen von Aksum und die Schlösser von Gondar. [...]

3. Naturschönheiten: Äthiopien ist ein Land mit atemberaubenden Naturlandschaften. Es beherbergt den höchsten Berg Afrikas, den Mount Äthiopien,

Hä?

sowie den größten See des Landes, den Tana-See.

Welch glücklicher Zufall, dass der größte See des Landes im Land selbst liegt!

4. Kulinarische Erfahrungen: Äthiopische Küche ist bekannt für ihre Vielfalt und Geschmack. In Äthiopien können Besucher traditionelle Gerichte wie Injera (eine Art Fladenbrot), Doro Wat (ein würziges Hühnchen-Curry) und Kitfo (rohes Rindfleisch) probieren. Es ist auch ein Land, das für seinen Kaffeeanbau bekannt ist, und Besucher können die traditionelle äthiopische Kaffeezeremonie erleben.

Äthiopische Küche: bekannt für Geschmack. Es folgt ein neuer Abschnitt, in dem es plötzlich um ... Argentinien geht?

Was kosten Hotels und Essen in Argentinien?

Hm, vielleicht hat hier der Seitenbetreiber/Redakteur geschusselt. Menschlicher Eingriff, der allerdings nur verschlimmbessert, ist auch an anderen Stellen zu erkennen (Zwischenüberschrift: "Zur Bilde-Galerie von Äthopien"). Aber gut, weiter mit der Kostenfrage:

Die Kosten für Hotels und Essen in Äthiopien variieren je nach Standort und Art der Unterkunft bzw. des Restaurants.

Wow, das kennt man ja aus keinem anderen Land der Welt.

Es ist auch wichtig zu beachten, dass Äthiopien eine reiche kulinarische Tradition hat, insbesondere mit Gerichten wie Injera (einem sauren Fladenbrot) und Doro Wat (einem würzigen Hühnereintopf). Diese Gerichte sind oft preiswert und können ein einzigartiges kulinarisches Erlebnis bieten.

Das hatten wir schon, aber wenn es wichtig zu beachten ist ... Und immerhin lernt man was. Es folgen allgemeine "Tipps" zu Flugbuchung und Reisezeit sowie eine kleine Liste mit UNESCO-Welterbestätten ("Welche UNESCO Kulturerbe gibt es in Äthiopien?"):

2. Die historische Stadt Aksum: Aksum war einst das Zentrum des mächtigen Aksumitischen Reiches und beherbergt beeindruckende Ruinen und Stelen, darunter die berühmte Obelisk von Aksum.

3. Die archäologischen Stätten von Tiya: Diese Stätten umfassen eine große Anzahl von Stehlen mit mysteriösen Gravuren, die als Grabstätten dienen.

4. Der Simien-Nationalpark: Dieser Nationalpark ist bekannt für seine atemberaubende Landschaft, einschließlich der Simien-Berge, und beherbergt eine Vielzahl von endemischen Tierarten wie dem äthiopischen Wolf und dem Walia-Ibex.

Den Satz hinter Punkt 3 würde man einem Grundschüler um die Ohren hauen. Nun gut, ChatGPT & Co. stecken ja auch noch in den Kinderschuhen, deswegen drücken wir ein Auge zu. Dass Punkt 6 identisch mit Punkt 1 ist, fällt schon stärker ins Gewicht ("Die Felsenkirchen von Lalibela: Diese beeindruckenden Kirchen wurden im 12. Jahrhundert aus dem Fels gehauen und sind ein wichtiges Pilgerziel für äthiopische Christen.").

Halten wir fest: Dieser Artikel, der Lust auf Äthiopien machen und hilfreiche Ratschläge mit Aha-Faktor liefern soll, ist nichts als eine grobe Aufzählung von oberflächlichst "recherchierten" Fakten, unter die sich sogar reiner Blödsinn geschlichen hat ("Mount Äthiopien"), und der Stil ist mit dröge noch gnädig beschrieben (fünfmal findet sich die Wendung "Besucher können", viermal das Attribut "beeindruckend", 5x "Vielzahl", 5x "beherbergen"). Warum sollte ich so einen Beitrag lesen? Er ist nicht schön, er fesselt nicht, er setzt mir lieblos eine Handvoll Wikipedia-Schnipsel vor, die ich auch kriege, wenn ich einen modernen KI-Bot direkt konsultiere – was gewiss praktisch und noch immer ein bisschen magisch ist. Den Journalismus und Berufsschreiberei als solche, sofern diese Bereiche noch einen Rest ihres traditionellen Selbstverständnisses haben, sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt hingegen nicht bedroht.

Sonntag, 4. Juni 2023

Mein Browser wird intelligent(er)

Mit dem letzten Opera-Update vor drei Tagen hat sich eine noch in der Testphase ("früher Zugang" = early access) befindliche Schaltfläche in die rechte obere Ecke des Browsers geschlichen:


Darüber habe ich Schnellzugriff auf ChatGPT. Ohne eigens dessen URL (die ich freilich als Lesezeichen gespeichert habe) aufzurufen, kann ich, wenn mir danach ist, unter diversen "AI Prompts" wählen. Zudem hat sich das Feature ungefragt in die Seitenleiste eingenistet, dort, wo sich auch Chatdienste wie WhatsApp oder der Facebook-Messenger einbinden lassen.
Noch magischer: Wenn ich auf einer beliebigen Webseite eine Textpassage markiere und die linke Maustaste drücke, öffnet sich ein Kontextmenü mit verschiedenen Vorschlägen, was die KI mit dem hervorgehobenen Schlagwort anstellen könnte:


Als ich zum ersten Mal auf eine der fliederfarbenen Flächen klickte, wurde ein weiteres Icon in die Seitenleiste integriert. Dies öffnet ein Tool namens "Chatsonic", das auch als Chrome-Extension verfügbar ist, allerdings in der freien Version maximal 10.000 Wörter ausgibt. In meinem Test wurde mir (auf englisch) in drei Stichpunkten erklärt, was es mit dem "Heiz-Hammer" auf sich hat. Nicht schlecht.
Die aquamarin hervorgehobenen Prompts öffnen dagegen das ChatGPT-Fenster mit einem "New Chat". Es wartet auf meine Eingabe, ansonsten tut sich nichts. Schade, ich hätte mir gerne ein Heiz-Hammer-Haiku generieren lassen! Mal schauen, ob das beim nächsten Update verlässlicher funktioniert. Und ob ich öfter davon Gebrauch machen werde, als ich es mir im Moment vorstellen kann.

Montag, 20. März 2023

Ein Chatbot wird geprüft

Der Wirbel um ChatGPT und Konsorten reißt nicht ab. Man hat das Gefühl, die Gesellschaft ist angesichts der jüngsten KI-Sprünge noch aufgewühlter als um die Jahrtausendwende herum, als dieses Internet über sie kam, ein "metaphysischer Raum, der stillschweigend an Millionen von Haushalten angebaut worden war" (Tao Lin, zit. n. Clemens Setz: Die Bienen und das Unsichtbare; dieses Buch wäre auch einen eigenen Blogbeitrag wert!). Auf "Spiegel online" begründet Kolumnist Christian Stöcker heute "Warum wir schleunigst Robotergesetze brauchen" ("Die immer schnellere Entwicklung maschinellen Lernens wird die Welt in den kommenden Jahren dramatisch verändern. Es wird höchste Zeit für demokratische Kontrolle"). Abgesehen von (urheber)rechtlichen Fragen dreht sich der Diskurs seit Monaten darum, welche Berufsgruppen nun um ihre Existenzberechtigung bangen müssen. Wiederholt wurde auch debattiert, in welchen Branchen die Arbeit in Zukunft schwieriger würde. Lehrkräfte seien, so hieß es, zunehmend damit beschäftigt, Betrugsversuche aufzudecken, weil immer mehr Schüler und Studierende bei Hausaufgaben, Aufsätzen etc. ChatGPT befragen. (Man vergleiche die "South Park"-Folge 26.04 "Deep Learning", "written by Trey Parker & ChatGPT".) Klar, wenn ein datengefüttertes "Digitalorakel" (Stöcker) in der Lage ist, Examina zu bestehen (zumindest manche; manche auch nicht), ist es nicht unangebracht, institutions- und prüfungsgebundene Bildungssysteme an sich zu überdenken.

Mich interessiert Folgendes: Könnte ich ausgetrickst werden, wenn ich – was die Götter zu verhüten wussten – noch immer Lehrbeauftragter an der Uni wäre? Anders gefragt: Könnte ChatGPT von mir erdachte Klausurfragen so beantworten, dass ich die Antworten nicht von denen eines menschlichen Prüflings unterscheiden könnte? Machen wir die Probe aufs Exempel und lassen wir das OpenAI-Modell acht Aufgaben lösen, die ich den Teilnehmenden meines Seminars "Grundzüge der indogermanischen Nominalbildung" stellte, welches ich im Wintersemester 2009/10 an der TU Dresden hielt. Ich möchte vorwegschicken, dass ich diese Probeklausur für nicht sonderlich anspruchsvoll halte. In einem vorangegangenen Seminar hatte sich einmal ein Student per E-Mail über das seiner Ansicht nach zu hohe Niveau beschwert, und da ließ ich mich natürlich erweichen. Wie auch immer, jetzt gilt's!

1. Erklären Sie den Unterschied zwischen synthetischem und analytischem Sprachbau anhand des Kasussystems moderner indogermanischer Sprachen.

ChatGPT: Der synthetische Sprachbau bezieht sich auf eine Sprachstruktur, in der Bedeutungen durch die Verwendung von Affixen (Präfixe, Suffixe oder Infixe) oder durch Veränderungen im Stamm des Wortes (z.B. Vokalwechsel) ausgedrückt werden. Im Gegensatz dazu bezieht sich der analytische Sprachbau auf eine Sprachstruktur, in der Bedeutungen durch separate Wörter oder Phrasen ausgedrückt werden.

In modernen indogermanischen Sprachen gibt es sowohl synthetische als auch analytische Sprachbauweisen im Kasussystem. Ein Beispiel für den synthetischen Sprachbau ist das deutsche Kasussystem, in dem die Endungen des Substantivs verändert werden, um den Kasus anzuzeigen. Zum Beispiel: Der Hund (Nominativ), des Hundes (Genitiv), dem Hund (Dativ), den Hund (Akkusativ).

Ein Beispiel für den analytischen Sprachbau ist das Englische, das in der Regel keine Kasusendungen verwendet, um den Kasus eines Substantivs anzuzeigen. Stattdessen werden separate Wörter oder Präpositionen verwendet, um den Kasus auszudrücken. Zum Beispiel: the dog (Nominativ), the dog's (Genitiv), to/for the dog (Dativ), the dog (Akkusativ).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Unterschied zwischen synthetischem und analytischem Sprachbau im Kasussystem moderner indogermanischer Sprachen darin besteht, wie die Bedeutung des Kasus ausgedrückt wird. Der synthetische Sprachbau verwendet Endungen oder Veränderungen im Wortstamm, während der analytische Sprachbau separate Wörter oder Präpositionen verwendet.

2. Gibt es Kategorien im Deutschen, die durch Agglutination gebildet werden?

ChatGPT: Ja, es gibt Kategorien im Deutschen, die durch Agglutination gebildet werden. Agglutination bezieht sich auf die Bildung von Wörtern durch das Hinzufügen von Morphemen (z.B. Präfixe, Suffixe oder Infixe) an einen Wortstamm.

Ein Beispiel für eine Kategorie im Deutschen, die durch Agglutination gebildet wird, ist der Plural. In der Regel wird der Plural durch das Hinzufügen des Suffixes "-en" oder "-n" an den Singular gebildet. Zum Beispiel: Haus (Singular) - Häuser (Plural), Kind (Singular) - Kinder (Plural).

Eine andere Kategorie, die durch Agglutination gebildet wird, ist der Komparativ und Superlativ bei Adjektiven. In der Regel werden sie durch das Hinzufügen von Suffixen wie "-er" und "-sten" gebildet. Zum Beispiel: schön (Positiv) - schöner (Komparativ) - am schönsten (Superlativ).

Auch einige Verben im Deutschen können durch Agglutination gebildet werden, beispielsweise durch das Hinzufügen von Präfixen oder Suffixen. Zum Beispiel: "ver-" (Präfix) in "verkaufen", "er-" (Präfix) in "erklären" oder "-ieren" (Suffix) in "studieren".

Zusammenfassend gibt es im Deutschen mehrere Kategorien, die durch Agglutination gebildet werden können, wie zum Beispiel der Plural, Komparativ und Superlativ bei Adjektiven oder Verben, die durch Präfixe und Suffixe gebildet werden.

3. Welche idg. Sprachen gelten als besonders produktiv hinsichtlich des Wortbildungsmusters Komposition und welche eher nicht?

ChatGPT: Das Wortbildungsmuster Komposition ist in vielen indogermanischen Sprachen weit verbreitet, aber es gibt Unterschiede in Bezug auf seine Produktivität. Einige Sprachen sind besonders produktiv in der Komposition, während andere weniger produktiv sind.

Zu den indogermanischen Sprachen, die als besonders produktiv in der Komposition gelten, gehört zum Beispiel das Deutsche. In dieser Sprache können fast alle Wortarten miteinander kombiniert werden, um neue Wörter zu bilden, und es gibt eine Fülle von Komposita, die in der Alltagssprache verwendet werden. Zum Beispiel: "Fernsehprogramm", "Regenschirm", "Handyvertrag", "Staubsaugerbeutel" usw.

Auch im Isländischen ist die Komposition sehr produktiv. In dieser Sprache können Wörter mit einer Vielzahl von Suffixen und Präfixen kombiniert werden, um neue Wörter zu bilden. Dies hat dazu geführt, dass Isländisch eine sehr reiche und komplexe Wortbildung aufweist.

Andere indogermanische Sprachen wie Englisch und Französisch sind weniger produktiv in der Komposition. Obwohl es auch in diesen Sprachen viele Komposita gibt, wird die Komposition nicht so häufig verwendet wie im Deutschen oder Isländischen, und es gibt weniger Möglichkeiten für die Kombination von Wortarten.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Komposition in einigen indogermanischen Sprachen wie Deutsch und Isländisch besonders produktiv ist, während sie in anderen Sprachen wie Englisch und Französisch weniger produktiv ist.

4. Zu welcher Art von Komposita zählen Südwest, Werwolf, nasskalt?

ChatGPT: Die genannten Wörter sind sogenannte Determinativkomposita. Bei Determinativkomposita wird ein Bestimmungswort (auch Determinans genannt) mit einem Grundwort (auch Determinatum genannt) kombiniert, um ein neues Wort zu bilden.

"Südwest" ist ein Determinativkompositum, das aus den Wörtern "Süd" und "West" besteht. "Werwolf" ist ein Determinativkompositum, das aus den Wörtern "Wer" (eine alte Form von "Mann") und "Wolf" besteht. "Nasskalt" ist ebenfalls ein Determinativkompositum, das aus den Wörtern "nass" und "kalt" besteht.

Bei Determinativkomposita wird das Bestimmungswort verwendet, um das Grundwort genauer zu beschreiben oder einzuordnen. In den genannten Beispielen geben die Bestimmungswörter "Süd", "Wer" und "nass" weitere Informationen über die Bedeutung des Grundwortes "West", "Wolf" und "kalt".

5. Welche Möglichkeiten zur Bildung der femininen Form eines Nomens kennen Sie?

ChatGPT: Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Bildung der femininen Form eines Nomens in der deutschen Sprache:

Durch das Suffix "-in": Viele männliche Substantive können durch das Suffix "-in" in die feminine Form überführt werden. Zum Beispiel: Lehrer - Lehrerin, Arzt - Ärztin, Student - Studentin.

Durch den Austausch des Stammvokals: Einige männliche Substantive haben eine eigene Form für das weibliche Geschlecht, die durch den Austausch des Stammvokals gebildet wird. Zum Beispiel: Mann - Frau, Vater - Mutter, Bruder - Schwester.

Durch das Anhängen von Wörtern: Manchmal wird die feminine Form durch das Anhängen von Wörtern gebildet, die das Geschlecht kennzeichnen. Zum Beispiel: Prinz - Prinzessin, Löwe - Löwin.

Durch den Gebrauch von unterschiedlichen Wörtern: In einigen Fällen gibt es für das männliche Substantiv kein weibliches Gegenstück. Stattdessen werden unterschiedliche Wörter verwendet, um das weibliche Pendant zu beschreiben. Zum Beispiel: Mannschaft - Frauenmannschaft, Kater - Katze.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle männlichen Substantive eine weibliche Form haben und dass es einige Ausnahmen von den oben genannten Regeln gibt.

6. Was ist Derivation? Nennen Sie Wortarten des Deutschen, die Derivationsbasis sein können.

ChatGPT: Derivation ist ein Verfahren zur Bildung neuer Wörter durch die Anfügung von Affixen (Präfixen oder Suffixen) an bereits bestehende Wörter, um deren Bedeutung zu verändern oder zu erweitern. Im Gegensatz zur Komposition, bei der zwei oder mehrere Wörter zu einem neuen Wort zusammengefügt werden, wird bei der Derivation ein neues Wort aus einem bestehenden Wort abgeleitet.

Im Deutschen können alle Wortarten als Derivationsbasis dienen, einschließlich Nomen, Verben, Adjektive und Adverbien. Beispiele für die Derivation von Nomen aus anderen Wortarten sind: der Lauf (von laufen), der Fall (von fallen), die Schönheit (von schön). Beispiele für die Derivation von Verben aus anderen Wortarten sind: laufen (von der Lauf), fallen (von der Fall), schönigen (von schön). Beispiele für die Derivation von Adjektiven aus anderen Wortarten sind: laufend (von laufen), gefallen (von falllen), schönheitlich (von schön). Beispiele für die Derivation von Adverbien aus anderen Wortarten sind: laufend (von laufen), schließlich (von schließen), schönheitlich (von schön).

Es gibt auch eine Vielzahl von Affixen im Deutschen, die zur Derivation verwendet werden können, einschließlich Präfixen wie "un-" und "ver-" und Suffixen wie "-ung", "-heit", "-keit" und "-tum".

7. Welche Numeri gab es im Ur-Indogermanischen?

ChatGPT: Das Ur-Indogermanische, die rekonstruierte Ursprache der indogermanischen Sprachfamilie, hatte vermutlich zwei Numeri, eine Singular- und eine Pluralform.

Die Singularform bezieht sich auf eine Einheit oder einen einzelnen Gegenstand, während die Pluralform sich auf mehrere Einheiten oder Gegenstände bezieht.

Es gibt jedoch auch einige Hinweise darauf, dass es im Ur-Indogermanischen möglicherweise noch eine Dualform gab, die sich auf genau zwei Einheiten oder Gegenstände bezieht. Diese Vermutung stützt sich auf einige sprachliche Merkmale und Formen in einigen indogermanischen Sprachen wie Altgriechisch, Sanskrit und Litauisch, die eine solche Dualform aufweisen.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass das Ur-Indogermanische nur auf der Grundlage von rekonstruierten sprachlichen Merkmalen und Wörtern rekonstruiert wurde, und dass es daher viele Unsicherheiten und offene Fragen hinsichtlich seiner Grammatik und Struktur gibt.

8. Welche Zweige des Indogermanischen weisen nähere Gemeinsamkeiten untereinander auf?

ChatGPT: Unter den Zweigen des Indogermanischen gibt es einige, die nähere Gemeinsamkeiten aufweisen als andere. Die genauen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den einzelnen Zweigen sind jedoch Gegenstand intensiver Forschung und Diskussion unter Linguisten und Sprachhistorikern. Im Allgemeinen gelten jedoch die folgenden Zweige als näher miteinander verwandt:

1. Germanisch und Baltisch-Slawisch: Diese beiden Zweige haben viele gemeinsame sprachliche Merkmale und weisen eine ähnliche Entwicklung in Bezug auf die Grammatik und die Lautveränderungen auf.

2. Italienisch und Keltisch: Diese beiden Zweige haben einige gemeinsame Vokabeln und grammatische Strukturen, die sich von anderen Zweigen des Indogermanischen unterscheiden.

3. Griechisch und Albanisch: Diese beiden Zweige weisen einige gemeinsame sprachliche Merkmale auf, die von anderen Zweigen des Indogermanischen abweichen.

4. Indo-Iranisch und Armenisch: Diese beiden Zweige haben einige gemeinsame Vokabeln und grammatische Strukturen, die sich von anderen Zweigen des Indogermanischen unterscheiden.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Zweigen des Indogermanischen komplex sind und immer noch aktiv erforscht werden. Daher können sich die Ansichten darüber, welche Zweige näher miteinander verwandt sind, im Laufe der Zeit ändern.

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So, die 90 Minuten sind rum, Blätter und Stifte weglegen! Die Benotung erfolgt in einer Woche bzw. nein: nie! Es soll ja lediglich geklärt werden, ob ich erkennen könnte, dass ein KI-Bot meine Fragen beantwortet hat statt einer realen Person. Außerdem ist das alles so lange her, dass ich inzwischen nicht mehr sagen kann, was ich zu lesen erwartete, und einen Musterlösungsbogen habe ich nicht. Nur so viel: Im von Chatty genannten englischen Beispielparadigma für dog (1.) findet sich im "Akkusativ" weder ein "separates Wort" noch eine Präposition. Zu 2.) ist anzumerken, dass die Pluralbildung Haus > Häuser (2.) eben kein Fall von Agglutination, also von "Aneinanderkleben" potenziell für sich stehender Elemente, ist, bei dem der Stamm unverändert bleibt, sondern ein klassischer Fall von Fusion. Auch sehr fragwürdig ist die Aussage, "im Isländischen ist die Komposition sehr produktiv. In dieser Sprache können Wörter mit einer Vielzahl von Suffixen und Präfixen kombiniert werden, um neue Wörter zu bilden." Komposition bedeutet Wortbildung durch Zusammenfügung "fertiger" Wörter. Bei 4.) hätte ich mir die jeweilige Unterart des Determinativkompositums gewünscht, z.B. Kopulativkompositum, bei 5.) den Fachbegriff Motionsfemininum. Darin auch wieder die Gleichsetzung von Wörtern und Morphemen ("Manchmal wird die feminine Form durch das Anhängen von Wörtern gebildet, die das Geschlecht kennzeichnen. Zum Beispiel: Prinz - Prinzessin, Löwe – Löwin."): schwach. Dass es im Ur-Indogermanischen einen Dual gab, ist relativ unstreitig (7.). Und 8.) wurde mehr als oberflächlich und schwammig bearbeitet ("Italienisch" statt "Italisch", "einige gemeinsame Vokabeln" …)! Wie gesagt, alles einzeln zu zerpflücken, würde den Rahmen sprengen und kaum der Unterhaltung dienen. (Wer hat überhaupt bis hierhin mitgelesen?) Kurzum: Bestanden hätte ChatGPT durchaus, aber nicht besser als mit einer 4. Immerhin.

Dass ich die Computermagie durchschaut hätte, dessen bin ich mir sicher. Allein solche Zusätze wie "Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass das Ur-Indogermanische nur auf der Grundlage von rekonstruierten sprachlichen Merkmalen und Wörtern rekonstruiert wurde, und dass es daher viele Unsicherheiten und offene Fragen hinsichtlich seiner Grammatik und Struktur gibt" – das würde niemand schreiben, der sich je ernsthaft mit Vergleichender Sprachwissenschaft beschäftigt hat, zumindest nicht in einem Test. Die genannte Vagheit bei 8.) hätte mich ebenso stutzig gemacht wie gewisse holprige Formulierungen, innere Widersprüche und in der Luft hängende Behauptungen.

Donnerstag, 23. Februar 2023

Throwback Thursday: DALL-E mini

Dieser Throwback reicht gar nicht so lange zurück, aber weil die ganze Welt seit Monaten im ChatGPT-Fieber ist, scheint die Bilder-Generierungs-Software DALL-E längst vergessen zu sein. Nach einer kurzen Phase des Staunens über und der Ehrfurcht vor den Fähigkeiten von OpenAIs "Graphik-KI", die anhand von Beschreibungs-prompts Kunstwerke ausspuckt, flachten der Hype sowie die ihn begleitenden Ethik- und Urheberrechtsdebatten rasch ab.

Doch um das echte und tatsächlich schwer beeindruckende DALL-E soll es ja heute gar nicht gehen, sondern um das Open-Source-Modell für den "Heimgebrauch", das Mitte letzten Jahres im Internet für viel Spaß sorgte, als es unter dem Namen "DALL-E mini" rauskam; inzwischen heißt es Craiyon. Hier sind vier "Kreationen", die ich damals bei der meme-tauglichen Anwendung in Auftrag gab:





Wie weit ist das Machine-Learning mittlerweile gediehen? Machen wir die Probe aufs Exempel und stellen wir Craiyon dieselben Aufgaben:





Hm, tja, die Bilder in Foto-Optik sehen jetzt klarer, "echter" aus, aber das, was ich mir vorgestellt habe, zeigen sie nicht. Was ist denn an "without" so schwer zu verstehen? Am ehesten zufrieden bin ich noch mit Jimmy Carter in den Backrooms, wobei mir davon die erste Variante sogar noch besser gefällt, allein schon wegen der Farbgebung.

Sonntag, 22. Januar 2023

HAL-lo Welt

Liebe Leserinnen und Leser von kybersetzung.net,

ich möchte mich aufrichtig dafür entschuldigen, dass ich in letzter Zeit nicht in der Lage war, regelmäßig Beiträge für den Blog zu verfassen. Der Grund dafür ist, dass ich mich auf andere Projekte und Verpflichtungen konzentrieren musste, die meine volle Aufmerksamkeit erforderten.

Ich weiß, dass viele von Ihnen den Blog regelmäßig besuchen und auf neue Inhalte warten, und ich möchte mich bei Ihnen für die entstandene Unannehmlichkeiten entschuldigen. Ich verspreche, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um in Zukunft regelmäßig Beiträge zu veröffentlichen und den Blog wieder auf den neusten Stand zu bringen.

Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und Ihre Geduld. Ich freue mich darauf, weiterhin mit Ihnen zu kommunizieren und Ihnen hilfreiche Inhalte zu präsentieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Torsten

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Nanu? Aha!

Diese Zeilen stammen nicht von mir, sondern sind auf meinen Wunsch hin von der Textgenerierungs-KI ChatGPT erstellt worden. Der eine oder die andere wird freilich noch vor der Abschiedsformel gemerkt haben, dass ich das Ganze gar nicht geschrieben haben kann, denn 1. hätte ich den konkreten Anlass fürs Nichtbloggen (den es derzeit zum Glück nicht gibt) benannt, 2. würde ich meine Inhalte niemals als "hilfreich" bezeichnen und 3. sieze ich Sie nicht, sondern duze euch.

Der KI-Text ist alles andere als perfekt: Er ist unpersönlich, vage, zu förmlich und zudem nicht fehlerfrei ("entstandene", "stehende"). Einen von Herzen kommenden Blogpost, in dem ich um Verzeihung für etwaige Schreibpausen bitte und eine Begründung dafür angebe, kann er niemals ersetzen. Als eilig abgesetztes Lebenszeichen, als pflichtgemäße Entschuldigung taugt der Beitrag aber allemal. ChatGPT hat genau das geliefert, wonach ich verlangt habe, und das ist doch mindestens bemerkenswert.

Samstag, 14. Januar 2023

Mein Interview mit Hitler

Alle Welt redet zurzeit über den erschreckend schlauen Open-AI-Bot ChatGPT und staunt ob des gegenwärtigen Entwicklungsstandes von Textgenerierungs-Tools. Der "neue KI-Hype im Netz" (heise.de) hat freilich einen langen Vorlauf. Im zwiefachen Sinne historisches Beispiel: Die Seite activehistory.co.uk hatte einst Adolf Hitler als Chatbot zum "Leben" erweckt, auf dass Geschichtsinteressierte ihm Fragen stellten. Im Dezember 2004 habe ich mit dem Digital-Gröfaz ein Gespräch geführt und dieses in weiser Voraussicht festgehalten. So lief es.

Ich: Guten Tag, Herr Hitler.
Hitler: I was informed that this interview would take place in English, so keep your second-rate German to yourself.
Oh, I see. I didn't know you speak English.
I don't think much of you at all, to be quite frank.
Frank? I thought your name was Addi. However, how and when did you kill yourself?
I shot myself, at the age of 56, in my Berlin bunker rather than face the Russian Slav 'subhumans' in May 1945: I didn't want to end up strung upside down and beaten to a pulp like Mussolini. I told my friend Albert Speer that I was not scared of dying - if anything, it would be a relief.
By the way, my name is Torsten.
I'm Adolf Hitler - leader of Germany 1933-45 and mass murderer.
Where are you now?
I'm sitting here talking to you, you brainless idiot.
Hey, watch your mouth, scum!
I became leader of the Nazis in 1922. In particular, my speech-making powers were crucial in helping me to rise in the party (which is why I never shut up).
Yes, yes, sure… You are said to have stolen Charlie Chaplin's beard. Are you aware of this?
I used to have a 'handlebar' moustache like my father, but in 1913 my sister-in-law suggested that I should cut off the points. Years later, when she saw my picture in a newspaper she said, 'Adolf has gone too far!'. Well, at least it's distinctive, I suppose ... recently some people even painted my 'tache onto a poster of Britney Spears, arguing she was trying to take over the (pop) world!
Seriously: Does your breath smell?
I was meticulously hygienic, although I suffered from bad breath. The female reporter Lee Miller was famously photographed for 'Vogue' having a soak at the end of the war in MY bath!
Have you ever used drugs?
I try no [sic] to use any drugs even as painkillers: I had several teeth moved without anaesthetic, and never touch cigarettes or alcohol, which I believe weakens the will. However, both myself and Göring were addicted to opiates - I used cocaine eye-drops, for example. Some historians have tried to explain our more irrational acts and fits of temper to our addictions!
Do you know the term "Tätervolk"?
Sorry, I don't get what you are saying!
Have you read books by Friedrich Nietzsche?
"Mein Kampf", meaning 'My Struggle', was the great book in which I outlined my key beliefs: Lebensraum, Anti-Semitism, the destruction of Communism, Aryan Supremacy. I wrote it to kill time whilst locked away in Landsberg prison.
You don't understand me, do you? Freak!
A common enquiry. I probably understand more than you would guess.
Don't be so damn arrogant, dickhead!
Well, it sounds like you are a real class act using language like that!
How is life in hell, anyway?
How dare you! I am a very private person and I don't like to answer personal questions like that.
Let's talk about Switzerland …
Right, let's get this straight. Switzerland is naturally protected by a great range of mountains that make it impervious to attack.
… and Denmark?
Either your English is terrible or there is a gap in my brain.
Yes, there is a gap in your "brain", you mindless chatbot!
Erm ... could you rephrase that, perhaps? I don't quite follow!
Fuck you!
How predictable. Why is it that just about everyone who speaks to me sees if I know swear words?
Bye.
Get lost!

Von fortgeschrittener "Künstlicher Intelligenz" lässt sich hier wahrlich noch nicht sprechen. Der Geist in der Maschine spulte auf gewisse Stichwörter hin vorgefertigte Sätze ab. Dass darunter solche sind, die Hitler nie gesagt hätte und dass der weder sich selbst als Massenmörder noch seine Partei als Nazis bezeichnet hätte: geschenkt. Unterhaltsam war das Experiment allemal. Und ein klitzekleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommen mag (vgl. "Black Mirror" 2.01: "Be Right Back", 2013).