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Donnerstag, 23. Januar 2025

Kurz notiert: Künstliche Wiederbelebung

In der gestrigen Ausgabe von "Aktenzeichen XY ungelöst" wurde wie so oft das rekonstruierte Gesicht einer Leiche gezeigt. Neu war dabei, dass neben dem Foto der Hinweis "KI-bearbeitet" stand. Rudi Cerne erklärte, das Bild sei "mit Hilfe Künstlicher Intelligenz ein wenig retuschiert" worden. Da sage ich: Okay, das ist doch mal ein sinnvoller Einsatz moderner Software! Ich könnte mir vorstellen, dass KI mittlerweile nicht nur in der Lage ist, zu berechnen, wie ein unidentifizierter Toter zu Lebzeiten ausgesehen haben könnte (ich bin mit der Formulierung bewusst vorsichtig), sondern auch Personen, die seit langer Zeit vermisst werden oder untergetaucht sind, "altern" zu lassen – ihr wisst schon, die berühmte Fahndungsphrase "Inzwischen könnte die Gesuchte so aussehen."

Dienstag, 14. November 2023

Das fetzt nicht wirklich

Viel Gutes, Schönes, Wahres gibt es nicht in diesen Zeiten, doch wenigstens auf die Güte, Schön- und Wahrheit der Konkret-Kolumne "Kunst & Gewerbe" von Stefan Gärtner kann man sich allmonatlich verlassen. Unter der Überschrift "Klipp & klar" wird in der aktuellen Ausgabe ein Vorfall im Literaturbetrieb dokumentiert und kommentiert, den ich am Rande der Buchmesse mitbekommen, jedoch nicht weiter verfolgt hatte.

"Der aus Dresden gebürtige Ingo Schulze hat den auf die Buchpreis-Longlist gelangten DDR-Roman Gittersee der Kollegin Charlotte Gneuß, geboren 1992 im schwäbischen Ludwigsburg, gelesen und dem S.-Fischer-Verlag hernach eine Fehlerliste geschickt". Das mag uncool sein, macht das Vorgebrachte aber nicht unrichtig. Wenn in einem Roman, der im Dresden der Siebzigerjahre spielt, Wörter wie "Plastiktüte" oder "lecker" fallen, finde ich das mindestens disputabel. Neulich stellten sie bei "Aktenzeichen XY ungelöst" einen Cold Case aus der DDR vor, und im Einspielfilm dazu sagten die Leute – ich hab's mir extra notiert – u.a. "ciao", "Plastik" und "Lass mal treffen". Es sind gar nicht mal sprachliche Anachronismen, die mich besonders abtörnen, nein, unnatürliche, kaputte Dialoge generell können mir, wie ich schon öfter festgehalten habe, gehörig die Petersilie verhageln, in Filmen und Serien noch mehr als in Belletristik. Deswegen scheue ich deutsche Produktionen so sehr: Die meisten Autor(inn)en pfeifen auf auch nur halbswegs natürlich klingende gesprochene Sprache.

Weiter in der Causa Gittersee ("Alles gut, alles gut, flüsterte ich der Kleinen ins Ohr. ... Škoda reparieren, Kleine bespaßen. Das war der Samstag."): Das Börsenblatt des deutschen Buchhandels verteidigt die Autorin ("... welche Rolle spielt es ...?") und zitiert Sandra Kegel, FAZ, die "diesen philiströsen Anmerkungen [...] entgegen[setzt]": "Romane müssen dramaturgisch verdichten, um ihre innere Wahrheit zu intensivieren. Daran sind sie zu messen, das ist der Goldstandard." Gärtner: "Der Platin- oder wenigstens Mindeststandard wäre aber, dass eine Schriftstellerin nicht so automatisiert philiströs dummdeutsch daherredet, falls es Gneuß nicht darum gegangen ist, den selbstgerecht westdeutschen Nachwendeblick zu karikieren. Alle Empirie lehrt jedoch, dass auch ihre innere Wahrheit aus lecker, bespaßen, alles gut besteht und dass die Unschuld der DDR darin bestanden hat, diese Wahrheit nicht zu kennen."

Oder den fürs Massenpublikum Schreibenden ist schlicht alles egal, weswegen wohl auch niemand außer ich etwas zu beanstanden hat, wenn Zonis bei "Aktenzeichen XY" keine Broiler essen, sondern:

Donnerstag, 9. Dezember 2021

Kurz notiert: Lass

In der vorletzten Ausgabe von "Aktenzeichen XY ungelöst" lief ein Filmbeitrag über einen Fall vom Anfang der 1990er-Jahre. In einer Szene stand eine Gruppe junger Frauen vor einer Diskothek, und eine von ihnen sagte: "Lass reingehen!" Ich bin mir zu 99 % sicher, dass Phrasen mit "Lass ...!" – man spricht dabei übrigens von einem periphrastischen Adhortativ – damals selbst in den sprachprogressivsten Milieus noch nicht unter Auslassung von "uns" geäußert wurden. Klar: Heute tilgt man sogar bei zwei aufeinander folgenden "uns" gleich alle beide; aus "Lass uns uns treffen" wird immer häufiger "Lass treffen", und bestimmt ist irgendwo im deutschen Sprachraum schon mal der Satz "Lass scheiden!" gefallen.

Bei einer entsprechenden Google-Suche stößt man schnell auf einen Beleg bei Grillparzer, welcher in seinem Trauerspiel "König Ottokars Glück und Ende" von 1825 (!) einmal ein Reflexivpronomen unter den Tisch hat fallen lassen ("Laß uns eignen Wertes freuen"), aber erstens war der Österreicher, zweitens mag das dichterische Freiheit gewesen sein. "Lass"-Sätze ganz ohne "uns" kann ich mir jedenfalls vor (gefühlt) dem Jahr 2005 nicht vorstellen.

Donnerstag, 14. Juli 2016

Herzliches bei Leid. Eine Gewissensfrage

Gestern lief im ZDF wieder "Aktenzeichen XY ungelöst". Es ist dies eine der wenigen Sendungen im Fernsehen, die ich mir regelmäßig ansehe. Nicht selten esse ich beim Schauen Abendbrot, konsumiere also Dinge, die mir schmecken, und mache es mir dabei gemütlich. Darf ich das? Darf ich während einer Sendung, die nicht in erster Linie der Unterhaltung dient, Chips knabbern und Bier saufen? Darf man genießen, wenn es um etwas tendenziell sehr Ernstes geht? Verwandte Frage: "Was sind das nur für Menschen, die zur Filmmusik von 'Schindlers Liste' Boogie-Woogie tanzen?" (Goldt/Lenz in Titanic 4/94). (Haben Kinobesucher, die sich diesen Film damals ansahen, Popcorn mit in den Saal genommen?)

Schwierig, so schwierig, das alles! Aber wem ist denn geholfen, wenn man immer nur sauertöpfisch und leidend vor dem Bewegtbildmedium sitzt?

Sonntag, 5. Mai 2013

Aktenzeichen XY – Die Seifenoper

Wenn man aus den Einspielfilmen in Aktenzeichen XY ungelöst alle Szenen entfernt, die irgendetwas mit den jeweiligen Verbrechen zu tun haben, bleibt das hier übrig: die langweiligste Soap opera der Welt.


Anm.: Ich bin gerade erst dabei, in die Untiefen von Adobe Premiere Pro einzutauchen. Falls es einen zweiten Teil der XY-Soap geben sollte, werde ich hoffentlich mit etwas mehr videoschneiderischem Know-how aufwarten können.