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Donnerstag, 29. Juli 2021

Filmszene, die ich gerne sähe

Ein neuer Lehrer tritt seinen Dienst an. In der ersten Unterrichtsstunde verteilt er ein Buch und sagt zu seiner Klasse: "Nehmt das Buch, das ihr gerade von mir bekommen habt, in die Hand. Und jetzt: Zerreißt es!" Die Schülerinnen und Schüler tun wie geheißen, dabei sieht man: Es handelt sich um das Buch "Spaß haben, das Leben genießen und einfach nur Kind sein". Als alle Exemplare zerfetzt sind, greift der Lehrer in seinen Koffer und verteilt ein neues Buch. In einem zweiten Plot-Twist erfahren wir nun, dass es sich um eine Neuauflage desselben Werks handelt! (Der Titel war zu sperrig.)

Freitag, 1. Januar 2021

Eine Neujahrsgeschichte (2/2)

Franz Schakal öffnete die Startseite des Online-Spiegel. Gott sei Dank, dachte er, das "Bleiwunder" (bzw. "Blei-Wunder", wie es u.a. bei Bild.de hieß) war nicht mehr das Topthema. Stattdessen stand an oberster Stelle ein Artikel mit der Überschrift "Weiße Weihnacht – ein Mythos?". Franz las die Einleitung: "Rodeln, durch den Schnee stapfen, durchweichte Stiefel mit zerknülltem Zeitungspapier ausstopfen: Das waren die Haupttätigkeiten in den Adventstagen unserer Kindheit. So erinnern sich zumindest die meisten von uns an früher. Neue Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes haben jetzt ergeben: In Deutschland hat es noch nie geschneit! Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ..." Das Schellen der Türklingel riss ihn aus seiner Lektüre. Er legte das Tablet beiseite und ging die Haustür öffnen. "Hahaha", lachte er dem illustren Besuch entgegen, dessen er ansichtig wurde. "Sie sind zu spät. Wir haben ihn eingeschmolzen und aus seiner Materie bewegliche Lettern gegossen. Von welchem Medium sind Sie überhaupt?" Die Kameras und Mikrofone des Teams hinter der Frau auf der Fußmatte waren ebenso unmarkiert wie der Ü-Wagen, den Franz aus dem Augenwinkel erblicken konnte. "Das wollte ich eigentlich von Ihnen wissen", bekam er zur Antwort. "Wir sind nicht wegen Ihrer Wiefelspütz-Statue hier, sondern weil Ihre Adresse gezogen wurde. Meine Sendung heißt 'Erkennen Sie mich?'. Darin besuche ich zufällig ausgewählte Haushalte in der ganzen Republik und frage, ob die dort Lebenden mich erkennen beziehungsweise kennen." Franz legte die Stirn kraus und sagte: "Hm. Tut mir leid, ich habe Sie noch nie gesehen."

Keine drei Minuten nachdem die Sendungsleiterin mit "Okay, das war's dann, Abbruch, tschüs" das Signal zum Einpacken gegeben hatte, war von der TV-Crew nichts mehr zu sehen. Leicht irritiert schlurfte Vater Franz zurück ins Wohnzimmer. Ähnliche Visiten und Überfälle hatten er und die Seinen seit dem Neujahrstag gehäuft ertragen müssen, aber stets war es dabei um das außergewöhnliche Ergebnis des familiären Bleigießens gegangen: Für den lebensgroßen Zufalls-"Abguss" des Politikers und Verwaltungsrichters a.D. Dieter Wiefelspütz hatten sich u.a. die Redaktionen von "Außenseiter-Spitzenreiter", "Das gibt's doch gar nicht!", "Das gibt's sehr wohl!" und "Die Show des Spaßes" interessiert. Reporterinnen und Moderatoren hatten sich 48 Stunden lang die Klinke in die Hand gegeben. Die Klinke war beim Bleigießen 2017 entstanden und auch schon recht beeindruckend, aber freilich löste der verblüffend echte SPD-Mann ungleich größere Faszination aus. Die Schakals genossen die 15 Minuten Ruhm und waren nicht wenig stolz auf ihre Attraktion. Für das eine oder andere Interview gab es sogar kleine Geschenke. Mehr als "Och, das war keine Absicht" oder "Ja, uns allen war sofort klar, wer das ist" konnten die Befragten allerdings kaum zu diesen Interviews beitragen. Irgendwann nervte das ständige Geläute und Getrampel dann nur noch, und der Familienrat beschloss einstimmig, Dr. Wiefelspütz wieder zu verflüssigen und etwaige Presseanfragen fürderhin abzuschmettern.

Franz Schakal berichtete seiner Frau und seinen Kindern von der seltsamen Fernseh-Hausiererei. Lange schwiegen sie danach einander an. "Warum wurden wir bisher noch nicht informiert, wann die Beiträge über uns ausgestrahlt werden?", gab Tochter Frenja zu Bedenken. – "Und wieso sind die Zeitungsberichte voller Fehler?", warf Eins ein, diverse ausgeschnittene Artikel durchgehend. "Hier wird zum Beispiel behauptet, wir hätten einen Hund. Und hier steht, Mama wäre zwei Meter hoch." – "Wahrheitspflicht, quo vadis?", schüttelte Sylphe den Kopf. Die Silvester-Playlist dudelte unterdessen immer noch vor sich hin; zurzeit lief eine dämonisch verfremdete Version von Ilse Werners "Wir machen Musik". Etwas stimmte nicht im Hause Schakal, so viel stand fest.

Frenja grübelte vor sich hin, während sie lustlos ihre Brennnesselsuppe löffelte. "Diese Frau vor der Tür", sagte sie schließlich, "wie genau sah die denn aus?" Ihr Vater überlegte kurz. "Ich kann sie beim besten Willen nicht beschreiben", buchstabierte er und gähnte zum wiederholten Male. Sohn Eins und seine Mutter, die nebenan die ganze Zeit kopflos die Post durchwühlt hatten, betraten das Esszimmer. "Wir haben etwas Komisches gefunden", sagte Eins und zeigte den anderen einen Ausriss aus dem Wochenblatt. "Könnt ihr euch einen Reim darauf machen?"


"Wer zum Teufel ist der Wurm?", wunderte sich Franz angesichts der auffälligen Annonce. Frenja schlug das Offensichtliche vor: "Wir sollten ihn kontaktieren." – "Unbedingt!", pflichtete ihr Bruder ihr bei. "Dank unserer Mobil- und Festnetz-Flatrate kostet uns der Anruf nix!" Die Eltern berieten sich telepathisch, wie es nur lange Verheiratete können, und nickten nachdenklich. "Frenja, du bist die rhetorisch Geschickteste von uns. Du übernimmst das Telefonat", gebot die Mutter. Frenja war einverstanden. Sie begab sich zu dem an der Trennwand zwischen Küche und Esszimmer hängenden Fernsprecher, drehte die Wählscheibe, bis die Dame vom Amt sich meldete, und ließ sich mit der Funknummer des mysteriösen Inserenten verbinden.

"Hier ist der Wurm", ertönte nach gefühlt hundertmaligem Klingeln eine relativ hohe, leicht quäkende Männerstimme. Frenja bedankte sich zunächst für die netten Grüße in der Anzeige und wünschte ein frohes neues Jahr. Dann schilderte sie die Vorkommnisse und Unregelmäßigkeiten, die sich seit dem Silvesterabend 2020 ereignet hatten. Der Wurm hörte sich die Ausführungen in aller Ruhe an, lieferte lediglich hier und da ein ernstes, aber freundliches "Hm-mm" als Feedback. Als Frenja fertig war, räusperte sich der Wurm und sagte: "Es war eine kluge Entscheidung, meine Nummer zu wählen, über die ihr selbstverständlich nicht zufällig gestolpert seid. Ich habe bereits einen Verdacht, aber um ihn zu verifizieren, gib mir bitte deine Mutter oder deinen Vater oder deinen Bruder. Am besten alle drei nacheinander." Das Mädchen tat wie geheißen. In den kommenden 45 Minuten erzählten die übrigen Familienmitglieder das Geschehene aus ihrer Sicht. "Dem Himmel sei Dank für die Flatrate", wiederholte Sohn Eins zwischendurch. Dem Vater, welcher als Letzter sein Statement abgab, stellte der Wurm im Anschluss eine Reihe von Fragen, die Franz mit wachsendem Unverständnis wahrheitsgemäß bejahte, nämlich "Hatten Sie in den vergangenen Tagen Kopf-, Bauch- und/oder Gliederschmerzen? Fühlen Sie sich schwach und/oder orientierungslos? Hat sich Ihre Haut ins Bläulich-Gelbe oder Blass-Graue verfärbt? Leiden Sie unter Appetitlosigkeit?" – "All das und mehr, ja! Es ist die Hölle auf Erden", gestand Schakal senior. "Ich fürchte, wir haben das wegen der ganzen Aufregung total verdrängt. Hätten wir uns Sorgen machen sollen?" Ein Seufzer erklang am anderen Ende der Leitung. "Und ich fürchte", sagte der Wurm, "dass Sie alle vier eine schwere Bleivergiftung erlitten haben und ins Koma gefallen sind. Genauer gesagt stehen Sie an der Schwelle zum Tod, schweben in einer Art Zwischenreich. Ihr kollektives Gedächtnis versucht eine Ersatz-Realität zu konstruieren, doch es gibt Fehler in der Matrix, die Ihnen zum Glück rechtzeitig aufgefallen sind." – "Aber was können wir dagegen tun?", schrie Sylphe im Hintergrund. Der Vater hatte die Lautsprecherfunktion des Fernsprechers aktiviert, so dass die anderen alles mithören konnten.

Wer an diesem 31.12.2020 um 23 Uhr 59 zufällig über das Grundstück der Schakals geflogen wäre, statt wie von den Behörden verordnet in den eigenen vier Wänden zu bleiben, hätte ein sonderbares Schauspiel beobachtet: Vier Menschen unterschiedlichen Alters rollen mit geschlossenen Augen auf ihren Swimming-Pool zu, lassen sich ins Wasser fallen, erwachen aus einem scheinbaren Trance-Zustand, wissen nicht, wie ihnen geschieht, und rudern orientierungslos in dem eisigen Becken herum, bevor sie ihm keuchend entsteigen. Doch genau das hatte der Wurm – der freilich nur in der Zwischenwelt existierte – ihnen in buchstäblich letzter Minute befohlen. Hätten die Limbus-Personae ihre physischen Hüllen nicht aus dieser Traumwelt heraus dazu gebracht, den Anweisungen Folge zu leisten, wären die Schakals für immer dort geblieben, und das hätte bedeutet, sie wären in der echten Welt gestorben!

"Wir hätten schon stutzig werden sollen, als unser heranwachsender Sohn und vor allem unsere minderjährige Tochter den Alt-Politiker Wiefelspütz auf Anhieb erkannten", sinnierte Vater Franz am nächsten Morgen über einer Tasse Metall-Detox-Tee. Mutter Sylphe klopfte ihm auf die Schulter. "Niemandem ist ein Vorwurf zu machen", meinte sie. "Jede vergiftete Familie ist auf ihre eigene Weise vergiftet." Darauf lachten die Schakals hyänenartig wie aus einem Halse. 2021 würden sie auf Quecksilber zurückgreifen.

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Eine Silvestergeschichte (1/2)

Familie Schakal war außer Puste. Mutter Sylphe, Vater Franz, Tochter Frenja und Sohn Eins kamen überein, dass es Zeit für eine Pause sei. Seit den frühen Nachmittagsstunden hatten sie geschuftet, allmählich wurde es dunkel. Nun gut, das bedeutete, dass die vier lediglich zwei Stunden gearbeitet hatten, denn langes Ausschlafen war ihnen auch am Silvestertage heilig. Trotzdem war allerhand zu tun gewesen. Um sich an diesem außergewöhnlichen Jahreswechsel ein Quentchen Routine vorzugaukeln und Ablenkung zu schaffen, hatten sich die Schakals vorgenommen, extra viel Mühe in ihre Feier zu stecken.

Die Mutter rollte Mini-Maiskölbchen in Bierschinken ein; der Vater zauberte aus Möhren, Käse, Rosinen und gekochten Eiern essbare "Mäuse"; die Kinder setzten verschiedene Bowlen an (das hatten sie in einer Ausgabe von "Checker Julian" im KiKa gelernt, weil in diesem Jahr war eh alles egal). "Also, 15 Minuten Pause", schnaufte Vater Franz. "In der Zwischenzeit können wir uns überlegen, was alles auf die Playlist soll. Welche Lieder oder Alben fallen euch ein?" – "'Auld Lang Syne' in ganz vielen Versionen!", sagte Sohn Eins. – "Den 'Jurassic Park'-Soundtrack", schlug Mutter vor. – "Alles von Hanne Haller!", warf Frenja ein. – "Fein, fein, fein", freute sich Franz, "und gegen die Chipmunks habt ihr sicher auch nichts?" Da klingelte es an der Tür. Der Vater sprang von seinem Hocker auf und bedeutete seinem Filius, ihm zur Tür zu folgen.

"Lieferung für Schakal!", tönte es vom Grundstückstor bis zur Haustür hinüber, bevor die beiden Letztere geöffnet hatten. Franz lächelte vorfreudig und rief dem Lieferanten zu: "Lassen Sie das Paket ruhig vor dem Tor stehen, mein Sohn und ich tragen es gleich nach hinten in den Garten." – "Das ist nett", sagte der Mann hörbar erleichtert durch seinen Mundschutz hindurch. "Es ist wirklich sehr schwer. Was ist das überhaupt? Halt, sagen Sie's nicht, das geht mich nichts an. Ich liefere bloß pünktlich die Ware aus und stelle keine Fragen. Wird schon seinen Zweck haben, dass Sie heute, an Silvester, so ein monströses Ding erwarten ..." – "Ganz recht, junger Mann", nickte Franz und steckte dem Fahrer zwinkernd einen selbstgebastelten Fantasie-Geldschein zu ("30 Danke-Dollar"). – "Junger Mann?", erwiderte dieser. "Ich bin 67. Heute ist mein letzter Arbeitstag. Ich muss auch schon weiter, eine Europalette mit leicht zerbrechlicher Ware nach Rastatt bringen. Ach, wissen Sie was? Ich glaube, die schneide ich auf. Das interessiert mich jetzt doch, was da drin ist. Ich kann ja später behaupten, die Umverpackung sei beim Transport beschädigt worden. Von einem Marder!" Doch dieser Monolog entging Vater und Sohn bereits, hatten sie doch direkt behände zugepackt und die mysteriöse Lieferung in den Garten gewuchtet. Daher bekamen sie auch nicht mit, wie der Lieferwagen kurz darauf am Horizont in einer schwarzen Rauchwolke aufging (was für die Geschichte aber nicht wichtig ist).

"Es ist tatsächlich angekommen!", jubilierte Sylphe. "Auf ███ ist eben Verlass." – "In der Tat", sekundierte Franz. "███ ist nun mal der landesweit schnellste Versandservice." – "Kein Wunder, dass ███ regelmäßig die Bestnote in der Kategorie Zuverlässigkeit der Zeitschrift Logistik Heute erhält", merkte Eins an. Und Frenja schrie: "Ein Hoch auf ███!" Gemeinsam befreiten sie den massigen Inhalt von seinem Pappmantel. Zum Vorschein kam: ein Block Blei.

"Ab in die Wanne damit", drängte Frenja. Ebenjene Wanne schob Mutter Sylphe sogleich aus dem Geräteschuppen: ein rollbares Metallgefäß ähnlich einer Schubkarre, aber mit mehr Volumen, auf Baustellen zum Sammeln und Transportieren von Schutt oder Ziegeln verwendet. Franz hatte sie von einem befreundeten Polier geliehen, hatte aber nicht vor, sie zurückzugeben. Gemeinsam beförderten die vier den Bleiklumpen in die Wanne und entfachten darunter ein Feuer, um ihn bis spätestens 24 Uhr schmelzen zu lassen. "Klasse Idee, diese sogenannte Gelfeuerstelle", lobte Eins den praktischen Brenntopf aus Edelstahl. "Die Flammen können wir lodern lassen, ohne uns Sorgen machen zu müssen."

Gänzlich unbeaufsichtigt lassen konnten die Schakals die Apparatur freilich nicht. Hin und wieder musste das Blei gewendet bzw. umgerührt werden. Das Ziel dieses Experiments hat die werte Leserin, der werte Leser bestimmt längst erraten: Die Familie hatte vor, das spektakulärste Bleigießen aller Zeiten zu veranstalten. Hintergrund: Im Jahr 2020 hatte die Regierung den Verkauf von Feuerwerkskörpern und das Böllern in der Öffentlichkeit untersagt. Einige Kommunen hatten ihre Einwohner zu mehr oder weniger einfallsreichen Alternativen angeregt: In Kiel sollten alle Haushalte um Punkt 22 Uhr ihre Mikrowelle laufen lassen; in Herne wollten die Einheimischen zu jeder vollen Stunde das Wort "Rakete" aus dem Fenster brüllen. Solche Ersatzrituale waren den Schakals zu doof, und so hatten sie diese Sonderform des Schwermetall-Orakels ersonnen, welches ohnehin eine liebe Tradition in ihrem Hause war.

Die Zeit schritt stracks voran. Man unterhielt sich, spielte Kniffel, das Buffet war um Party-Champignons, Quäse-Pumpernickel und Salami im Blätterteig ergänzt worden und die Playlist um eine längere Screamo-Strecke. Der 18-jährige Sohn und die fünfjährige Tochter gingen abwechselnd alle 15 Minuten ins Freie, um nach dem Blei zu sehen, das sich inzwischen anständig verflüssigt hatte. "Ich glaube, wir können!", verkündete Frenja, als sie von draußen zurückkam. Es war kurz nach halb zwölf. "In Ordnung, lasset uns gießen", bestimmte Mutter Sylphe. "Danach machen wir eine Polonäse."

Man begab sich zu der verheißungsvoll dampfenden Bleiwanne und positionierte sie am Beckenrand des Swimming-Pools. Der Vater zog sich zwei rot-weiß-karierte Ofenhandschuhe an. "Ich werde das flüssige Metall mit einem Ruck ins Wasser gießen. Das Gebilde, das entsteht, wenn sich das Blei verfestigt, soll symbolisch voraussagen, wie unser aller 2021 werden wird. Womöglich sehen wir ein Flugzeug, das steht dann für eine Fernreise. Oder einen Sarg, der unseren sicheren Tod ankündigt ..." – "Mensch Papa", maulte Sohn Eins, "mach hin! Wir wissen, wie Bleigießen funktionert." – "Das war doch nur für die Lesenden, die erst jetzt eingestiegen sind", rechtfertigte sich Franz. "Aber gut. Achtung ... fertig ... hopp!" Das heiße Grau ergoss sich wie ein Lavastrom im Zeitraffer in den Pool. Ein scharfes Zischen begleitete die nahezu augenblickliche Änderung des Aggregatzustands. Sobald es verklungen war, sprangen die vier Schakals in das Schwimmbecken, tauchten auf den Grund und bargen den verhärteten Bleibatzen. Als sie ihn auf die Wiese fallen ließen, trauten sie ihren Augen kaum: Vor ihnen lag eine bleierne Skulptur, die exakt so aussah wie der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz.

Fortsetzung folgt.

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Eine Weihnachtsgeschichte

Ein alleinerziehender Vater von drei frechen Jungs fragt, was diese sich zu Weihnachten wünschen.
"Eine Schallplatte", antwortet Armin, der erste Sohn.
"... mit Weihnachtsliedern", fährt der zweite Sohn, Sigmar, fort.
"... von den Chipmunks!", ergänzt der dritte, Theobald.
Der Vater seufzt: "Ach Jungs, das wünscht ihr euch jedes Jahr. Ich habe es euch doch schon hundertmal erklärt. Die LPs 'A Chipmunk Christmas' und 'Christmas with the Chipmunks' gibt es nur noch antiquarisch. Ich war schon auf so vielen Flohmärkten und konnte sie nicht finden, und bei eBay bin ich gesperrt."
"Wir können doch einen eBay-Account anlegen!", schlägt Theobald vor. "Man bekommt die Platten schon für 25 Euro."
"Nein", sagt Daniel (so heißt der Vater) streng. "Das darf man erst ab 18. Ihr seid Kinder."
"Wusstest du", lenkt Armin ab, "dass der Erfinder der Chipmunks ..."
"Ross Bagdasarian, ein, wie man am Namen erkennt, Nachfahre armenischer Einwanderer", wirft Sigmar ein.
"... eine Nebenrolle in dem Hitchcock-Film 'Das Fenster zum Hof' hatte?"
"Oder war dir bekannt", meldet sich Armin zu Wort, "dass es von dem Original-Chipmunk-Lied von 1958 eine deutsche Version gab, in der die Streifenhörnchen durch Enten ersetzt wurden? 'Der Enten-Song' von Mr. Watschel und seinem Enten-Trio."
"Nein, das wusste ich nicht!", erwidert Daniel, inzwischen reichlich verärgert. "Aber erklärt mir mal eins: Wieso heißt es 'Alvin und die Chipmunks'? Alvin ist doch selbst ein Chipmunk!"
Dazu fällt den drei Knaben auch nichts mehr ein. Sie gehen in ihr Kinderzimmer und legen sich in ihre nebeneinander stehenden, identisch aussehenden Bettchen. 
'Bin ich zu streng mit ihnen?', fragt sich Daniel, vor einer Tasse Punsch sitzend. Da kommt ihm eine Idee: 'Irgendwo auf dem Speicher habe ich doch noch das Album "Weihnachten in der DDR" rumliegen ...' Damit meint er nicht ein digitales Album auf dem Festplattenspeicher, sondern eine echte Schallplatte, die auf dem Dachboden verstaut ist. Er geht nach oben und kramt die ganze Nacht herum, bis er die Rarität schließlich findet.
Als Armin, Sigmar und Theobald am nächsten Morgen in der Küche eintreffen und ihre Frühstücksflocken essen, ist von Daniel keine Spur zu sehen ... bis es aus dem festlich geschmückten Wohnzimmer schallt: "Jungens, kommt mal rüber, ich habe eine Überraschung für euch!" Die drei wieseln nach nebenan.
"Hört euch das an!", ruft der über Nacht grauhaarig gewordene Daniel. Er schaltet den Plattenspieler, auf dem bereits "Weihnachten in der DDR" liegt, an, stellt die Geschwindigkeit auf 45 Umdrehungen pro Minute und lässt den Tonarm über dem Beginn von Wolfgang Lipperts Hit "Ach wie ist der Winter schön" sinken. Das Lied beginnt – und "Lippi" singt mit einer Stimme, die fast wie die eines Chipmunks klingt!
Die Kinder können es kaum fassen: Das ist das Lustigste, was sie je gehört haben. Armin kommt die Milch vom Frühstück zur Nase raus geschossen. Sigmar schießt ein Milchstrom aus den Ohren. Theobald spritzt die Milch in einer eindrucksvollen Fontäne aus dem Mund. Da muss auch Daniel lachen; gleichzeitig ist er so gerührt, dass ihm ein dünnes Rinnsal Milch aus den Augen läuft. "Es ist nicht dasselbe", bekennt er, "aber Hauptsache, wir haben einander, nicht wahr?"
"Und nächstes Jahr", sagt Armin.
"... nehmen wir," sagt Sigmar.
"... unser eigenes Feiertags-Album auf!", sagt Theobald.
"Ihr spinnt wohl!", blafft Daniel wutentbrannt. "Das kommt überhaupt nicht infrage. Merry Christmas!"

Montag, 18. Dezember 2017

Berichte aus der groben Stadt (5)

"Bitte einmal 'Die fliegenden Jedis' ohne Ton."
"Originalton?"
"Nein, ohne Ton."
"Das gibt's hier nicht."
"Na gut, dann zwei Ohrenpfropfe mit dazu."
"Gerne."

[...]

"Guten Tag, zwei Tickets für 'Die nervigen Figuren 8', aber ohne Ton."
"Ha, gerade eben wollte auch jemand ohne Ton haben! Da drüben steht er n-- ... Ach nee, jetzt isser weg und an seinem Platz steht ein Emu. Das ist ja seltsam."
"Was genau finden Sie seltsam: dass schon jemand nach 'ohne Ton' gefragt hat, dass dieser Mensch verschwunden ist oder dass an seiner Stelle ein Emu steht?"
"Das mit dem Emu finde ich circa fünf Prozent seltsamer als die anderen Dinge."
"Okay. Also, bitte zweimal ohne Ton."
"Tut mir leid, ohne Ton hamwa nich'."
"Dann normal."
"Wo ist denn Ihre Begleitung, wenn ich fragen darf?"
"Hier, meine Tochter ... Huch, eben befand sie sich noch neben mir! Jetzt liegt an ihrer Stelle ein Gavial!"
"Gaviale dürfen aber erst ab zwölf in den Film!"
"Woher soll ich denn wissen, wie alt der G--"
"ICH BIN ÄLTER ALS DIE ZEIT."

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Berichte aus der groben Stadt (4)

"Abschließende Diagnose: Überdosis Morphin" schrieb die Pathologin nach dem Ende der Obduktion auf das Whiteboard. 'Ach ja', dachte sie traurig, 'das ist die unschöne Seite meines Berufs ...' Fürwahr, der schwarze Marker verursachte auf der Tafel ein ganz und gar gänsehauterregendes Ekelgeräusch. Doch dann erinnerte sich die Medizinerin an die schöne Seite ihres Berufs, nämlich dass die Patienten niemals nervten. Schmunzelnd zog sie sich um und ging in die Kantine, wo sie sich einen Teller Geschnetzeltes und als Nachtisch ein Stück Mohnkuchen gönnte.

Mittwoch, 29. November 2017

Berichte aus der groben Stadt (3)

"Uuuuund Augen auf!"
"..."
"Na?"
"Was ..?"
"Was 'was'? Wie gefällt Ihnen Ihr neues Wohnzimmer?"
"Was ist denn das?"
"Frisch gestrichene Wände in Ihrer Wunschfarbe!"
"Aber die Wände sind knallrot! Ich wollte Eierschale!"
"Ja, klar. Die Farbe von Eiern zu Ostern, wo man die Schale färbt. Ich dachte, ich soll meiner Fantasie freien Lauf lassen, und habe mich für Rot entschieden."
"Sie unverschämter, gerissener, wunderschöner Hund!"
"Hehe."
"Und jetzt raus, bevor ich die Inneneinrichter/-innen-Innung Innsbruck rufe!"
"Die InnInnInnInn? Alles, bloß das nicht!"

Dienstag, 21. November 2017

Berichte aus der groben Stadt (2)

Über der vielbefahrenen Straße hatten sie ein Transparent aufgehängt: "Runter vom Gas – Schulanfang". Erst in einem halben Jahr würde es ausgetauscht werden: "Ferienzeit. Jetzt bitte wieder in der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fahren!" Die ABC-Schützen tollten unbedarft darunter hinweg. "Was steht'n da? Da geht's doch bestimmt um uns", mutmaßten einige von ihnen angesichts der stilisierten Kinder auf dem verkehrserzieherischen Banner. Da, ein Ball!

Donnerstag, 16. November 2017

Berichte aus der groben Stadt (1)

Ein Mann bekommt – wie das halt so üblich ist – tagtäglich auf Facebook Freundschaftsanfragen von ganz offensichtlich nichtmenschlichen Betrugsprofilinhaberinnen, meist amerikanisch anmutende Namen mit drei Bestandteilen. Einer dieser Namen kommt ihm derart lächerlich und eindeutig fake-accountig vor, dass er die Anfrage dieser "Person" aus Quatsch bestätigt: Sandy Hottie69 Sexmouse. Es stellt sich heraus, dass die Dame mit diesem Namen tatsächlich existiert und wirklich so heißt. Die beiden chatten ein wenig und beschließen, sich im "real life" zu treffen. 
Bei diesem Treffen muss der Mann überrascht feststellen, dass die junge Dame exakt so aussieht wie auf ihrem (erotischen!) Profilbild, und wie auf jenem ist sie auch jetzt nackt. Zur Begrüßung sagt sie: "Hi, I'm looking for a sex, Semikolon Klammer zu." 
'Unglaublich', denkt der Mann, 'diese Bots werden immer realistischer.'

Dienstag, 19. September 2017

Ragnarök

Am 29. Februar 2416 schlug ein Asteroid mit dem Durchmesser von Shanghai auf der Erde ein. Ulkigerweise schlug das Objekt ausgerechnet auf der Stadt Shanghai ein. Das gesamte menschliche Leben erlosch. Als erster musste ein vietnamesischer Tourist dran glauben; ihm fiel der Asteroid nämlich direkt auf den Kopf. Als nächstes starben sämtliche Einwohner Shanghais, gefolgt von allen weiteren Personen, die sich in China aufhielten. Der Rest der Menschheit hatte nicht einmal mehr genug Zeit, sich den Bericht über die Katastrophe im Fernsehen oder Internet zu Ende anzuschauen.

Auch Flora und Fauna wurden in den Tod gerissen, sogar die Kakerlaken, welche bekanntlich als äußerst widerstandsfähig gelten. Der Planet Erde zerbrach in mindestens vier Teile. Nichts überlebte, nichts blieb heil. Das war der Untergang des bis dahin bekanntesten, fruchtbarsten und furchtbarsten Planeten in unserem Sonnensystem.

Warum konnte die Apokalypse nicht aufgehalten werden? Nun, Fakt ist, dass die Apokalypse durchaus hätte aufgehalten werden können! Das Problem war: Man hatte zu viel Zeit verloren. Nachdem der Himmelskörper entdeckt worden war, entfachte ein vollkommen unsinniger Streit über die Benennung. Wie sollte man den Asteroiden nennen? Die Regierung des Amerikanischen Königreiches schrieb einen Wettbewerb aus. Der Großteil der Bevölkerung votierte für den Namen "Hannes", aber das gefiel der Zentralafrikanischen Föderation nicht. Sie forderte: Der Asteroid solle "Lumumba II" heißen. Zwei Wochen verstrichen, bis man sich schließlich auf "Big Bad Rock" einigte.

Einen Tag später wurde der Beschluss gefasst, den Brocken zu besiedeln und durch gutes Zureden aus seiner Bahn zu lenken. Natürlich wollte jeder mitfahren, aber der Airbus fasste nur 20 Plätze plus zwei Pilotensitze. Also wurde ein zwölfköpfiger Rat gebildet – der Rat zur Planung der Besiedlung von Big Bad Rock –, der sich wie folgt zusammensetzte: drei Menschen, zwei Zwerge, zwei Elfen, zwei Gnome, ein Vampir, ein Troll und (als Vorsitzender) ein Maulwurf. Leider war der Maulwurf durch das bekannte Peter-Prinzip der Unfähigkeit an den Posten geraten. Das Tier war unfassbar dumm, beherrschte nicht einmal die Kunst der Sprache. Leider hatte es einflussreiche Freunde bei der Luftwaffe. Fazit: Der Rat kam zu keinem vernünftigen Ergebnis. Die Rettung der Erde scheiterte schlussendlich an bürokratischen Klippen.

Es ist in den letzten 24 Stunden noch sehr viel passiert. Weltuntergangssekten und Versicherungsanstalten wurden aus dem Boden gestampft, es gab noch mal ein riesiges Feuerwerk, die Olympischen Sommerspiele wurden kurzerhand vorgezogen, der Staat Belgien wurde nach langjähriger luxemburgischer Besatzung wieder für unabhängig erklärt, und insgesamt wurde wahnsinnig viel gesoffen. 

(Geschrieben im Mai 2004)

Dienstag, 8. März 2016

Hardy Brinx, Ordnungsamtsmitarbeiter undercover

"Entschuldigen Sie, wie hoch ist denn der Fettgehalt von diesem hier?", fragte der freundlich blickende Herr den Marktstandbetreiber und zeigte dabei auf die Schale mit dem Etikett "Rahmfrischkäse", die sich zwischen dem Emmentaler und dem Gruyère befand. "Der hat 39 Prozent", antwortete der Händler. Daraufhin riss sich der vermeintliche Kunde seinen Bart von der Oberlippe und die Sonnenbrille von der Nase. Dann zog er einen Baseballschläger aus seinem Mantel und zertrümmerte den Käsestand, bis nichts mehr davon übrig war. "Gestatten: Hardy Brinx, Ordnungsamtsmitarbeiter undercover!", sagte der Mann im Anschluss. "Wer Frischkäse mit weniger als 40% Fett in der Trockenmasse mit einem Hinweis auf Sahne oder Rahm versieht, verstößt gemäß Paragraph 31 Absatz 2 Ziffer 8 gegen die Käseverordnung. Nächstes Mal denken Sie besser daran!"

Einmal flanierte Hardy Brinx durch die Innenstadt und kam dabei auch in Sichtweite der örtlichen Justizvollzugsanstalt. Ihm fiel auf, dass durch eines der Gitterfenster ein Bürger guckte, gegen den Brinx vor kurzem wegen wiederholten unzulässigen Lärmens Erzwingungshaft angeordnet hatte. Fröhlich winkte Brinx dem Einsitzenden zu − um sich gleich darauf selbst einen Bußgeldbescheid über 5 Euro auszustellen, hatte er doch soeben eindeutig "Verkehr mit Gefangenen" (§ 115 OWiG) vollzogen. Lächelnd setzte Brinx seinen Spaziergang fort.

Nicht weniger als zwei Jahre seiner Lebenszeit brachte Hardy Brinx dafür auf, sich in die "Kali und Düngemittel Vertriebs GmbH Hasenwinkel" einzuschleusen, um ordnungswidrige Machenschaften aufzudecken. Tag für Tag versteckte sich "Harry Bricks", wie er im Betrieb bekannt war, nach Dienstschluss in einem der riesigen Silos und inspizierte das übelriechende Handelsgut. Schließlich wurde er fündig: Der Lieferschein zu einem Sack mit Mist, der in der folgenden Woche in die Niederlande gebracht werden sollte, war nicht kopiert worden, sondern lag nur in einfacher Ausfertigung vor! Welchen Absatz des § 7 der Verordnung über das Inverkehrbringen und Befördern von Wirtschaftsdünger diese Schandtat erfüllte, hatte Brinx nicht sofort auf dem Schirm, doch die Details konnten schon bald geklärt werden. "Abschaum wie Sie macht mich krank", zischte Brinx abschätzig, als er seine Kündigung einreichte.

Ins ländliche Niedersachsen verschlug es Hardy Brinx auch in einer anderen Mission. Mit einem maßgeschneiderten Kuhkostüm bekleidet, recherchierte er auf eigenen Verdacht hin in einem Lüneburger Mastbetrieb nach Missetaten. Und tatsächlich konnte der embeddede Ermittler alsbald auf dem Boden der Deck-Anlage eine zähe Flüssigkeit als Hinterlassenschaft eines Zuchtbullen identifizieren. "Die Verordnung zum Schutz gegen übertragbare Geschlechtskrankheiten der Rinder bedeutet wohl heutzutage überhaupt nichts mehr?!", schrie Brinx einem der Landwirte ins Gesicht. "Wer es versäumt, Samen zu beseitigen, handelt ordnungswidrig, ihr Monster!" Der Bauer schaute den immer noch getarnten Brinx entgeistert an und erwiderte sodann: "Du magst ja für eine Kuh ganz schön clever sein, aber das Gesetz betrifft ausdrücklich Samen von seuchenkranken Bullen, hähä." Da musste Hardy Brinx sich erstmals Nachlässigkeit eingestehen ...

Mittwoch, 11. November 2015

Die Reise nach Afrika (3)

Wir stürzten über einer Lichtung ab, gruben uns aus den Trümmern des Kleinflugzeuges frei und durchforsteten die Umgebung. Nicht weit mussten wir laufen, da wurden wir einer Siedlung ansichtig. Die Siedlungsbewohner krochen nach und nach aus ihren Rundhütten, die aus Waldfruchtmarmelade modelliert waren. Wir verhielten uns ruhig, denn wir wussten nicht, ob sie uns für Wilde hielten. Doch man hieß uns freundlich willkommen. Der Häuptling war von stämmiger Statur und mit Preziosen behangen.

Bemerkenswert war das Verständigungssystem dieses Völkchens. Zum Kommunizieren benutzte man Geschirr! Wollte beispielsweise jemand "Guten Tag" sagen, zerbrach er einen Teller. Wenn eine Versammlung der Ältesten anzukündigen war, wurden drei Tassen und zehn Untertassen auf den Boden geworfen. Und Suppenschüsseln zu demolieren bedeutete: "Wir brauchen neue Suppenschüsseln!" Somit waren die Leute den lieben langen Tag mit dem Anfertigen von Töpferware beschäftigt. Die Männer trugen dabei lediglich Intimtextilien, die Damen waren mit einfacher, aber geschmackvoller Reizwäsche ausgestattet. Nach dem üblichen Geplänkel über Wetter, Befindlichkeit und Benzinpreise taten wir unseren Hunger kund. Laut Wörterbuch mussten wir dazu zwei große Bierkrüge aneinander schlagen. Die Köche servierten uns eine Hausmacherplatte, bestehend aus Palmenblättern, auf Asche erhitztem Bananenmus, Borkenkäfer-Saft, Pinienkernen und einem Soufflé aus Eulenfleisch. Es schmeckte nicht schlecht. Nach dem Essen brauchte nicht abgewaschen zu werden; das angefallene Geschirr nutzte man gleich für beschwingte Konversation. Wir hielten uns 15 Jahre in dem Dorf auf, dessen Name hier leider geheim bleiben muss. Dann reisten wir ab. Vorher zeigten wir dem Häuptling noch den Fadentrickfilm.

In Teil eins dieser Geschichte habe ich von "Scherereien" gesprochen. Ich muss revidieren: Meine Zeit im afrikanischen Busch war gewiss die feinste in meinem Leben. 

ENDE

(Geschrieben im März 2005)

Dienstag, 10. November 2015

Die Reise nach Afrika (2)

Als wir den Äquator überflogen, machten wir alle gleichzeitig "Huiiiiii!!!" Der Professor sagte fröhlich "Ein bisschen Spaß muss sein", um sogleich mit ernster Miene fortzufahren: "Aber nun etwas Anderes. Wir haben vergessen, uns impfen zu lassen. Im afrikanischen Urwald erwarten uns kreuzgefährliche Krankheiten: Malaria, Dengue-Fieber, Flecktyphus und Hepatitis A, B, C, E und B12. Passt also auf, wo ihr hintretet, und esst kein angeschimmeltes Obst, auch wenn es noch so verlockend aussieht!" In dem Moment wurde die Cockpittür aufgetan und unsere Pilotin erschien. "Das Fliegen ist sehr anstrengend", sprach sie. Sie nahm ein Glas aus dem Wandschrank und mixte sich ein Kakaogetränk. Vater wurde nervös. "Und wer steuert in Ihrer Abwesenheit die Maschine?", fragte er. Die Pilotin beschwichtigte: "No worries, Gentlemen! Ich habe das Kleinflugzeug auf einer Wolke gelandet. Wir machen eine kurze Rast." Wir drei Kerle klatschten begeistert. "Ihr könnt mich übrigens Magda nennen", ergänzte sie. Erneut klatschten wir voller Enthusiasmus. Nach einer Viertelstunde ging der Flug weiter.

Beim Durchblättern meines Reiseführers stellten sich die ersten Fragen. "Welchen Stamm werden wir denn studieren?", wollte ich wissen. Windisch meinte: "Den werden wir vor Ort auserkiesen. Lassen wir uns überraschen, wo der Flieger abstürzt." Als es dunkel wurde, legte mein Vater eine Video-CD in ein im Tisch integriertes Abspielgerät. Ein Display wurde sichtbar. "Wir schauen einen Animationsfilm", kündigte Vater an. Dabei handelte es sich um einen sogenannten Fadentrickfilm, der im Trickfilmstudio Dresden produziert worden war. Vor einem tiefschwarzen Hintergrund bewegten sich weiße Bindfäden und stellten die Umrisse verschiedener Protagonisten dar. Eine Stimme sagte den Titel an: "Der Wolf und das Rotkäppchen in der Stadt. Ein modernes Märchen für junge Verkehrsteilnehmer." Dann begann die Handlung. Rotkäppchen: "Hallo, Wolf! Wie komme ich über diese Straße?" Wolf: "Du musst zu Fuß gehen. Auf dem Boden ist ein Fußgängerüberweg." Volkspolizist: "Den habe ich mit weißer Farbe gemalt!" Rotkäppchen: "Ich habe es mir anders überlegt. Ich will auf den Spielplatz gehen!" Wolf: "Dein Fahrrad ist nicht verkehrssicher. Wo ist denn der Gepäckträger für deinen Korb für die Großmutter, die im Altenheim wohnt?"

Schnell wurde es langweilig. Als nächstes sahen wir "Lolek und Bolek", und die Stimmung stieg wieder.

Montag, 9. November 2015

Die Reise nach Afrika (1)

Meine Schwester kam aus dem Schulhort und war grambehaftet. "Ei, was für ein artiges Ränzlein du trägst!", rief ich ihr zu, wie als Aufmunterung. Grund für ihren Kummer war das Hansaplast-Pflaster, das man ihr auf das linke Brillenglas geklebt hatte, um ihr den Silberblick zu nehmen. Ich setzte mir die Narrenkappe auf und hopste keck, damit ein Ulk sei. "Lass mich in Ruh!", fuhr mich Dorothy an (so hieß mein Geschwister-Mensch). Wir zogen uns jeweils in unsere Privatgemächer zurück.

Es muss Schlag drei gewesen sein, als eine unvermutete Störung in die Behaglichkeit der Residenz hineinbrach. Aus einem Zimmer im Westflügel stürmte Vaters Vorgesetzter; er hatte schon seit etlichen Monaten bei uns gehaust, wie später zu erfahren war. In Bälde stieß Vater selbst hinzu und machte Tumult. Die beiden Wissenschaftler suchten mich! Hätte ich mich besser versteckt gehalten, wären mir die folgenden Scherereien erspart geblieben ...

Zur Erklärung: Professor Theobald Windisch war Leiter des Lehrstuhls für "Ethnologie und Interessantes" an der Universität Helgoland. Bei ihm beschäftigt war mein Vater, Wissenschaftler auf dem Gebiet der Schnalz-, Klopf- und Zwitschersprachen indigener Völker. Heuer sollte der Forschungsetat in die Erkundung von Buschmännern und -frauen gesteckt werden, erklärte mir Vater. Windisch hatte eine Reise nach Schwarzafrika geplant, deshalb waren die zwei auch so aus dem Häuschen.

"Was ficht mich das an?", fragte ich. "Von mir aus könnt ihr ruhig die gesamten Ferien auf Achse sein." Der Professor zwinkerte meinem Vater verschmitzt zu. "Junger Bursche", sagte er dann, "wir dachten uns, dass du uns auf der Expedition behilflich sein könntest." – "Warum dies?", versetzte ich. Vater antwortete: "Du bist doch auf dem Gebiet der Naturheilkunde sehr bewandert. Das könnte sich im tiefen Dschungel als nützlich erweisen!" Es stimmte. Als angehender Pharmazeut hatte ich mir die Kräuterkunde als Lieblingsdisziplin ausgewählt. Nach knapper Bedenkzeit verkündete ich: "Wohl, ich bin dabei. Ein Abstecher in die Wildnis kann meinen Horizont nur erweitern. Wann soll die Reise losgehen?" – "Jetzt", sagte Windisch. "Wir nehmen mein privates Kleinflugzeug. Es braucht kein Kerosin, sondern lediglich reines Olivenöl." – "Herrlich!", jauchzte Vater. "Lasst uns rasch packen. Jeder nimmt einen Tornister mit. Spute dich, mein Sohn. Und sag deiner Schwester Adieu!"

Ich ging in Dorothys Spielsaal, doch sie hatte keine Zeit für mich. Sie spielte mit ihren neuen Freunden – das waren: ein Löwe, eine Vogelscheuche und ein Zinnmann. Nach dem Fünfuhrtee trotteten wir auf die Startbahn. Worauf hatte ich mich hier eingelassen?

Samstag, 22. November 2014

Weidenkätzchen

Theodora war aufgeregt wie eine Grasmücke beim Winterschlussverkauf. Noch zwanzig Minuten waren es, bis ihre praktische Führerscheinprüfung beginnen sollte; zwanzig Minuten, die sich quälend lange hinziehen würden, wie dreißig Minuten oder fünfunddreißig. Gestern hatte Theodora extra den ganzen Nachmittag geübt, hatte den Ford Ka ihrer Eltern entwendet und war bis nach Belgien gebraust. Insofern war sie ziemlich gut vorbereitet und hatte also überhaupt keinen Grund, nervös zu sein. Aber so war das halt: Die vermaledeite Körperchemie hatte auch bei dem Bewerbungsgespräch vergangene Woche für innere Anspannung gesorgt, und zehn Monate davor für innere Anspannung bei ihrem mündlichen Deutsch-Abi. Beide Situationen hatte Theodora mit Bravour gemeistert. Bereits zwei Minuten nach dem Ende des Bewerbungsgesprächs – Theodora befand sich noch im Treppenhaus der Firma – hatte ihr Telefon geklingelt, und dran war der Personalchef. "Das war ein sehr gutes Interview gewesen", sagte jener. "Kommen Sie doch nächste Woche zum Arbeiten vorbei. Wir zahlen auch!"

Morgen wollte sie ihren neuen Job antreten. Doch dazu brauchte sie einen Führerschein, denn das Unternehmen, eine "Tiefkühlagentur" (was immer das sein sollte), war ansässig in einer Gegend, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur unter mehrmaligem Umsteigen zu erreichen war: S-Bahn, Bus, S-Bahn, Regionalexpress, Bus, Fähre, Bus. "Standortvorteil Standortnachteil" hatten sich die Firmengründer wohl gedacht. Kurzum: Mit einem eigenen Vehikel wäre Theodora unabhängig und könnte mit einer Sorge weniger ins Berufsleben starten. Einen Wagen hatte sie sich bereits ausgesucht und zurücklegen lassen: einen Toyota Avensis, den sie von ihrem Abiturgeld bezahlen wollte. Jede Abiturientin und jeder Abiturient bekam heutzutage je nach Notendurchschnitt einen Geldbetrag von der Schule ausgezahlt, und in Theodoras Fall hatte dies für einen Mittelklasse-Kombi gereicht.

Nach nur zwanzig Minuten waren die zwanzig Minuten um. Herr Jackisch, Theodoras Fahrlehrer, rollte in seinem Auto auf den Hof der Zulassungsstelle. Im Fond saß ein ihr unbekannter, rundlicher Mann; das musste der Prüfer sein. "Theißen, guten Tag", sagte letzterer. "Hinein in die gute Stube, hähä!" (Theodora wusste nicht, wie der Name des Prüfers geschrieben wurde, er hörte sich jedenfalls an wie "Theißen".) Herr Jackisch rutschte auf den Beifahrersitz und Theodora nahm vor dem Lenkrad Platz. Herr Theißen klebte sich einen Schnauzbart auf die Oberlippe und sprach mit sanfter Stimme: "So, stellen Sie erst mal alles ein, wie Sie es für richtig halten: Außenspiegel, Innenspiegel, Radio. Suchen Sie ein schönes Programm raus, am besten den Heimatsender." Theodora ließ den Sendersuchlauf zweimal durchwuseln, doch einen "Heimatsender" konnte sie nicht finden. "Hmm, war da irgendwas bei, das Ihnen gefallen hat?", fragte sie den Prüfer. Dieser kratzte sich am Kinn und sagte: "Nicht so richtig. Aber vielleicht hat der Suchlauf was übersprungen oder es kam gerade Werbung. Lassen Sie's noch einmal durchrollen, bitte." Doch Theodora stieß auch bei diesem Versuch auf keinen gescheiten Kanal. "Das gibt's doch nicht!", schimpfte Herr Theißen und riss sich den künstlichen Schnauzbart herunter. "Heute morgen habe ich doch noch diesen wunderbaren Heimatsender gehört. Da kam Volksmusik und Schlager und Wetterbericht für die ganze Republik. Kennen Sie vielleicht die Frequenz, Herr Jackisch?" Der Gefragte zuckte mit den Achseln. Theodora bemühte ein weiteres Mal den Suchlauf. Mindestens ein Dutzend Sender ertönten, darunter die Jugendwelle, der Kirchenfunk und das Belgisch-Kongo-Folk-Rock-Radio, doch Heimatkanal? – Fehlanzeige. "Sakrament!", rief plötzlich Herr Theißen und klebte sich geistesgegenwärtig den falschen Bart wieder an. "Jetzt läuft die Prüfung schon eine Viertelstunde, und wir haben noch keinen Kilometer zurückgelegt. Vergessen Sie das Radio. Fahren Sie! Wir müssen doch noch zu Opa Waldemar!" – "Der soll mal einen Becher vier Wochen überlagerter Margarine ausgelöffelt haben", flüsterte Herr Jackisch herüber.

Leicht verwirrt steuerte Theodora das Fahrzeug auf die Straße. "Sehr gut, sehr gut", schnaufte Theißen anerkennend. "Und jetzt auf die A3!" Theodora tat wie verlangt. Die Autobahn war verhältnismäßig leer. Herr Theißen rutschte aufgedreht wie ein Vorschulkind im Zuckerrausch auf der Rückbank herum. "Schneller!", jauchzte er. "Viel schneller!" Theodora reizte den Tacho aus, bis ihr unbehaglich wurde. "Jaaa", jubelte der Prüfer, "so gefällt mir das. Als nächstes halten wir auf einem Rastplatz. In zwei Kilometern kommt einer..." 'Was soll denn das für eine Prüfung sein?', wunderte sich Theodora, als sie das Tempo drosselte, um den allmählich sichtbar werdenden Rastplatz anzusteuern. Nachdem der Wagen zum Stehen gekommen war, sagte Herr Theißen: "Danke. Warten Sie bitte hier. Ich habe etwas zu erledigen." 'Bestimmt muss er pinkeln', dachte Theodora. Als sie grinsend zu Herrn Jackisch schaute, bemerkte sie, dass ihr Beifahrer eingeschlafen war.

Herr Theißen war inzwischen ausgestiegen und eilte zielstrebig auf einen Strauch zu. Dort begann er aber keineswegs mit der Verrichtung eines allzu menschlichen Geschäfts, sondern ... mit dem Sammeln von Weidenkätzchen. Ein Blütenkätzchen nach dem anderen brach er ab und warf es in eine Plastiktüte von "Conrad", die er aus seinem Mantelinneren gezogen hatte. Ungläubig beobachtete Theodora das Geschehen und fragte sich, ob hier nicht ein grober Verstoß gegen das Naturschutzgesetz ablief. Nach circa zehn Minuten war der Weidenstrauch ratzekahl. Ein paar Kätzchen hatte Theißen sogar mitsamt den Zweigen entfernt. Breit strahlend kam er zum Prüfungsauto gehüpft. "Nun gucken Sie sich das an", sagte er zu Theodora, "die schenke ich meiner Frau. Wie weich die sind! Hähä! Ach so, die Prüfung haben Sie übrigens bestanden. Steigen Sie aus, hier ist Ihr Führerschein!" Sie schnallte sich ab, verließ den Wagen und besah sich das ihr ausgehändigte Dokument. Etwas stimmte damit nicht. 'Das Foto!', schoss es ihr durch den Kopf. Tatsächlich: Theodora konnte sich nicht erinnern, dieses Lichtbild eingereicht zu haben, ja, nicht einmal seine Entstehung war ihr erklärlich. Sie befand sich nämlich auf der Fotografie ganz offensichtlich in einem Radiostudio. Bei genauerem Hinsehen erkannte sie sogar einen Schriftzug über ihrem Haupt: "Radio Melodei. Ihr Heimatsender." Dabei war sie garantiert noch nie in einem Radiostudio gewesen! Theodora hob zu einer Frage an, musste aber feststellen, -- dass der Prüfer mitsamt dem Pkw und ihrem Lehrer verschwunden war. Wie sollte sie denn jetzt nach Hause kommen? Sie war fünf Kilometer von der belgischen Grenze entfernt. An der Rastplatzausfahrt entdeckte sie eine Bushaltestelle.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

In weiteren Meldungen

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Sandro ist ein komischer Hund. Als der Yorkshire-Terrier vor vier Jahren aus seinem Heim im niedersächsischen Elze verschwand, hatte das Tier nur drei Beine; eines war ihm von seinem Herrchen versehentlich mit dem Rasenkantenschneider abgetrennt worden. Nun ist er, Sandro, zurück bei seinem Besitzer – und hat wieder vier Beine wie am ersten Tag. +++
Wilhelmine ist ein komisches Pony. Als die Ponydame (78) vor vier Jahren aus ihrem Ponyhof im niedersächsischen Gronau (bei Elze) verschwand, sprach sie kein einziges Wort Englisch. Nun ist das Tier überraschend und buchstäblich wieder aufgetaucht – im thüringischen Fluss Oelze und in Gestalt einer Forelle. +++
Herr Kauz ist ein komischer Mensch. Als der niedersächsische Journalist vor vier Wochen aus seinem Büro der "Tier macht Sachen"-Redaktion verschwand, schrieb er ein ausgeprägtes Simpeldeutsch. Nun ist er von seinem vierwöchigen Spanischkurs im elsässischen Illzach zurückgekehrt – und schreibt nur noch Spanisch ("Animal hace cosas").

Donnerstag, 25. September 2014

Stellen einer Ausbildung (Teil 4)

Das Haus, vor dem ich stand, wies verspielte Ornamente im gesamten Farbspektrum auf. Zudem waren die Dachgiebel mit allerhand Tonfiguren und Motiven aus der indischen Mythologie verziert. Als endlich die Tür aufgetan wurde, erschien eine schätzungsweise siebenundzwanzigeinhalb Jahre alte Frau. Hurtig verliebte ich mich. Vom Äußeren her entsprach sie in etwa meinen Vorstellungen der idealen Partnerin. Die vielzitierten inneren Werte mussten noch ergründet werden, ich malte mir aber diesbezüglich gute Chancen aus. Hauptsache, sie gehörte nicht der mir verhassten Kategorie der Diskoschlampen an, welche einen Großteil der Mädelfraktion meiner ehemaligen Schulklasse stellte. Ich hatte eher einen Zugang zu den verschwiegenen, zahnbespangten, sittlich integren Streberinnen aus dem Algebra-Club zur Ausprägung gebracht. Denn wisset, ihr Spötter: In früher Schulzeit noch introvertiert, blühen jene Geschöpfe allmählich auf und entfalten sinnliche Brillenschlangen-Erotik, gepaart mit Intelligenz und einem wohligen Wesen. Mit so einer ließ sich die Zeit auf angenehme Weise verbringen! Man könnte nach einem ausgedehnten Skilanglauf in ein uriges Schankhaus einkehren und bei Kaffee und Apfelstrudel über neuronale Netzwerke parlieren. Cousin Pontius hatte geringere Ansprüche: "Sie muss nur dumm genug sein, um gefälschten Schmuck nicht zu erkennen!"

Fräulein Lenhardt ließ all dies vergessen. Folgendes Gespräch entspann sich: "Guten Tag, ich bin Gerhard. Ich arbeite bei der Möbelpackfirma und habe eine Lieferung für Sie." – "Möbelpackfirma? Du? Was soll das heißen? Ich erwarte keine Lieferung." – "Ist das hier Indien?" – "Nein, nein. Das ist nur die indische Besatzungszone Deutschlands. Willst du reinkommen?" – "Es wär mir ein Plaisir!" Im Wohnzimmer ließen wir uns nieder. Ich erläuterte die Sachlage. Fräulein Lenhardt kuckte mitleidig und sagte: "Das ist bestimmt ein Missverständnis!" "Na schön, zur Klärung sollte ich meine drei Kollegen hinzuziehen", schlug ich vor, worauf das Fräulein erbleichte und schrie: "Nein! Alles, nur das nicht! Bleib, bitte, junger Gerhard, ich weihe dich in ein Geheimnis ein!" Ratlos hielt ich inne und wartete darauf, was sie zu sagen hatte. "Diese drei Männer stellen mir nach", seufzte sie. "Seit zehn Jahren sind sie mir auf den Fersen. Ich hätte nie geglaubt, dass sie meinen geheimen Aufenthaltsort aufspüren würden." "Aber woher kennen die Rowdys Sie?" "Komm mit in den Keller ... ich zeige es dir." Wir deszendierten, und Frl. Lenhardt kramte eine Pappkiste hervor, die etliche vergilbte Magazine barg. Ich staunte nicht schlecht, als ich las, um welche Publikation es sich handelte, nämlich die Zeitschrift Busen! Die Lenhardtsche zog wahllos ein Exemplar heraus und reichte es mir. Schamvoll blätternd entdeckte ich auf mehreren Farbfotos ... sie. "Das sind ja Sie!", rief ich aus. "Meine Güte, ich bin selber Konsument dieses Journals, aber Sie sind mir bis dato nie aufgefallen! Ich lese immer nur die Texte." "Ich war jung und brauchte das Geld", flüsterte die Frau, "außerdem wollte ich rebellieren. Da hab ich mich für dieses Schundblatt ablichten lassen. Seitdem sind die drei schwanzgesteuerten Machos Ebby, Ralle und Herr Spinne hinter mir her." Ich schaute mir das Impressum an und wurde vom nächsten Schlag getroffen: Herausgeber des Magazins war ... "Opa Waldemar!", keuchte ich. "Das ist die Graue Eminenz der Möbelpackerei. Er muss den dreien verraten haben, dass du in Indo-Deutschland lebst! Deswegen vergöttern sie ihn so!" Lenhardt winkte ab: "Der Alte hat mal ranzige Margarine gefressen ... Aber jetzt sollten wir die ungehobelten Kerle entsorgen. Mir nach, Gerhard!" "Da will ich gern behilflich sein!", rief ich.

Im Vorgarten schlummerten die Kollegen nach wie vor in ihren Röhren. "Die betonieren wir zu", riet Frl. Lenhardt. Binnen fünf Minuten war der Streich erledigt. Wir wuchteten die Litfaßsäulen in ihre natürliche Position, worauf aus dem Innern lautes Klopfen ertönte, was aber nach wenigen Stunden erstarb. Die junge Frau lud mich in ihr Eigenheim ein. Sie verriet mir sogar ihren Vornamen: Maximilia. "Süüüüß", jauchzte ich. "Darf ich hier wohnen?" "Hast du denn keine Freunde, Kleiner?" Ich klagte: "Leider nein. Meine einzigen Freunde sind Leela, Fry, Bender, Professor Farnsworth, Amy und Hermes." "Und was ist mit Dr. Zoidberg?", fragte Maxi. – "Ach", puffte ich, "den mag niemand. Aber ich bin ein Freund des Fernsehens." "Ich auch", erwiderte sie. "Was kommt denn gerade?" Ich sagte: "Entweder 'Arg sportlich für euch' oder 'In einer unteren Bildschirmecke sitzt ein Prominenter und kommentiert den hinter ihm auf einem Blue-Screen laufenden Filmbeitrag mit Biss und Humor'. Wir können aber auch Schach spielen. Für Sex bin ich noch zu jung." "Einverstanden", meinte Maximilia.

ENDE

Dienstag, 23. September 2014

Stellen einer Ausbildung (Teil 3)

Herr Spinne fuhr uns in die Agavenchaussee, wo die wohnungswechselnden Eheleute schon warteten. "Wo kommen Sie denn jetzt her, verdammt? Es ist 23 Uhr!", schimpfte Herr Beutelmüller. Ebby rülpste laut und griff dem Mann ans Schlafittchen. "Wir können auch wieder abdampfen, du Backpfeifengesicht! Dann kannste sehen, wo du neue Möbel herkriegst." "Genau!", warf Ralle ein. "Außerdem waren wir bei Opa Waldemar!" Da hatten die Beutelmüllers ein Einsehen. Nichtsdestotrotz gaben sie kein Trinkgeld, denn die Möbel waren allesamt zertrümmert. Auch die neue Erdgeschosswohnung des Ehepaars war größtenteils zerstört worden, als der Lastkraftwagen mit 100 Sachen hineingekachelt war. Ein herbeibeorderter Polizist konnte nur noch feststellen, dass der Grund für den Unfall das Fehlen einer Bremse war. Zusammen mit den Packern ging er dann einen trinken. Ich musste den Beutelmüllers noch beim Aufräumen helfen, ehe ich nach Hause gehen durfte. Erst vier Uhr früh lag ich auf meiner Couch und sah fern. Als die Sendung "Um Geld knobeln mit Spaß" vorbei war, schellte mein Wecker. Unter dem Sofa rollte Pontius hervor, nahm mich auf und lieferte mich abermals im Umzugsfirmencontainer ab.

Wie am Vortag hatte ich mich ins Schlepptau des klobigen Herrn Spinne nebst seinen zwei Lakaien Ebby und Ralle zu fügen. Dabei fiel mir auf, dass der Mann, der gestern noch Ralle geheißen hatte, mit "Ebby" angesprochen wurde, während der andere "Ralle" genannt wurde, obwohl ich jenen unter dem Namen Ebby abgespeichert hatte. Oder verwechselte ich die beiden? Möglich war's eingedenk meiner chronischen Verwirrtheit und des Schlafdefizits. "Auf zum Schwansteiner Platz!", blökte Herr Spinne. Wir gingen per pedes. Auf dem angekündigten Marktplatz herrschte reges Treiben, und der Chef erklärte: "Die Litfaßsäulen müssen mitgenommen werden. Beeilt euch aber, wir wollen nicht zu viel Aufsehen erregen!" "Was ist denn das für'n komischer Auftrag?", sagte ich. "Ich dachte, wir sind eine Möbelpackerei." Herr Spinne wurde fuchtig und zog mir die Ohren lang. Ich versuchte mich zu widersetzen, wies auf die offensichtliche Sinnlosigkeit unseres Tuns hin, aber Herr Spinne saß am längeren Hebel.

Insgesamt waren drei Säulen zu entfernen. Sie steckten in stählernen Verankerungen im Asphalt und konnten nur durch heftiges Rütteln und unter großer Kräftezehrung extrahiert werden. Am frühen Nachmittag nannte Spinne mir eine Adresse: "Hermelingässchen 60. Da müssen die Litfaßsäulen hingerollt werden! Ebby, Ralle und ich sind jetzt müde. Jeder von uns legt sich in eine Säule, und du rollst uns zum Bestimmungsort! Keine Widerrede! Verwende diesen Holzstab. Bis später." Ich wunderte mich, warum wir nicht erst Opa Waldemar besuchten, da hatten sich die drei Männer schon in ihren steinernen Schlafsäcken verkrochen. 

Wenn mich jemand sah, was musste der denken?! Ein halbwüchsiger Lehrling drischt mit einem Holzstecken drei vermeintlich leere Litfaßsäulen vor sich her! Welches Konzept sollte hinter so einer Aktion verborgen sein? Ich stieg nicht dahinter. Einerlei – ich hatte schweigen gelernt und erledigte meine Aufgabe verantwortungsbewusst. 16 Uhr 30 erreichte ich einen indisch anmutenden Landstrich, der als Hermelingässchen (in Devanagarischrift) ausgewiesen war. Ich hatte ohne Landkarte mein Ziel gefunden! So was lernt man in keiner Schule! Hausnummer 60 war schnell ausfindig gemacht, "Fräulein Lenhardt" wohnte dort laut Briefkastenbeschriftung. Ich läutete. Erst jetzt bemerkte ich das eigentümliche Odeur, das in der Luft schwebte und Nuancen von Pfeffer, Safran, Koriander, Curry, Kardamom und Ingwer zu enthalten schien. Schnuppernd sinnierte ich, ob ich tatsächlich auf dem indischen Subkontinent gelandet war.

Sonntag, 21. September 2014

Stellen einer Ausbildung (Teil 2)

Als ich erwachte, befand ich mich bereits auf dem Rücksitz der Droschke meines Cousins, der mich zu meiner Arbeitsstelle fuhr. "Guten Morgen", sagte er und reichte mir eine Thermoskanne, "du musst Kaffee trinken. Das gehört dazu. So beginnen wir Deutschen unseren Arbeitstag." "Und wie beenden wir ihn?", wollte ich wissen. – "Mit Bier." 'Das hört sich doch gut an!', frohlockte ich innerlich. Irgendwann bremste Pontius unvermittelt. "Hier musst du aussteigen!", rief er. "Geh in den schlammbespritzten Container!" Ich tat wie geheißen. "Guten Morgen", sagte ich, als ich den Container betreten hatte. Tätowierte Muskelpakete nickten mir zu. Einer von ihnen erhob sich von seinem Klappstuhl und ging auf mich zu: "Du bist der Neue, was? Ich bin Herr Spinne, dein Chef. Komm mit, wir fahren zum ersten Auftrag. Ebby, Ralle!! Einsteigen!" Wir stiegen in einen Lkw und fuhren los. Der Laster hatte keine Sitze, selbst der Fahrer musste stehen! Keiner von uns vieren sagte einen Ton, bis ich mich dazu durchrang, eine Frage zu stellen: "Wo fahren wir denn hin?" Die drei sahen einander an und brachen alsdann in schepperndes Gelächter aus. Fortan hielt ich mich geschlossen. 

Als es elf Uhr schlug, riss der Fahrer die Handbremse hoch und der Lkw machte einen heftigen Satz. Ein bisschen Kaffee wurde dabei verschüttet. "Alle raus!", rief Herr Spinne, und wir folgten ihm in ein kirschrotes Mehrfamilienhaus. Jetzt wurde mir klar, dass hier diejenigen wohnten, die heute umziehen wollten. Bevor wir die entsprechende Wohnung betraten, schmierten sich meine Kollegen ordentlich Matsch an die Stiefel. "Für die Teppiche", flüsterte Ralle zwinkernd. Dann gab er mir noch ein handbeschriebenes Blättchen, das ich lesen sollte: »SPIEL: Kaputtmachen → Lampe 10 Punkte, Aquarium 20 Punkte, techn. Geräte 50 Punkte, Haustier 100 Punkte, Geschirr je 5 Punkte.« Wir klingelten. Ein kleiner rundlicher Mann mit Glatze und Schnauzbart öffnete. "Hallo", sagte er, "kommen Sie rein. Mein Name ist Beutelmüller. Alle Möbelstücke im Korridor müssen in die neue Wohnung. Sie wissen ja, wo die ist. Meine Frau und ich fahren mit dem Kleinkram vor. Bis dann!" Er verschwand. Ich trug einen Ohrensessel nach unten. Die anderen taten nicht dergleichen, sondern begaben sich ins Badezimmer und urinierten. Es endete damit, dass ich sämtliche Möbeleinheiten alleine in den Lkw schleppte, wobei mir insgesamt dreimal die Beckenpfanne aus der Hüfte sprang. Abgekämpft betrat ich ein letztes Mal das Appartement und verkündete, dass wir aufbrechen können. "Gute Arbeit!", sagte Herr Spinne. Die Kollegen rauchten ihre Zigaretten zu Ende, zerschlugen die übrig gebliebenen Glühlampen und trotteten hinter mir her. "Auf zu Opa Waldemar!", brüllten sie wie aus einem Halse, als der Wagen losfuhr. Ich fragte lieber nicht, was das schon wieder zu bedeuten hatte.

Vor Erschöpfung und Gliederschmerz verlor ich kurzzeitig das Bewusstsein. Ich schreckte erst auf, als ich gegen die Windschutzscheibe knallte, weil der Laster einen gewaltigen Sprung machte. Ebby, der gefahren war, hielt die Handbremse in der Hand. "Ups, ich hab sie rausgerissen", feixte er. Vor einem baufälligen Jugendstilhaus waren wir zum Stehen gekommen. Diesmal halfen mir die drei Packer sogar beim Tragen. Als alle Möbel in der obersten Etage des muffigen Gebäudes aufgestellt waren, setzten wir uns auf den Boden. Ich hörte etwas quietschen. "Was ist das?", fragte ich. Leise antwortete Herr Spinne: "Das ist Opa Waldemar, unser Held. Er hat mal eine vier Wochen überlagerte Margarinedose ausgelöffelt." Und da kam er auch schon: ein freundlich blickender Mann im Rollstuhl. "Tach, Jungens. Hallo, Gerhard", sagte er. Verdutzt stotterte ich: "Äh, Sie müssen Opa Waldemar sein. Aber woher kennen Sie meinen Namen?" Die Männer kicherten frech. "Opa Waldemar weiß alles", erklärte Ralle. Ich wusste trotzdem nicht, was hier los war. "Und was machen wir mit den Möbeln?", erkundigte ich mich. Herr Spinne verdrehte die Augen. "Mensch, die bringen wir in die neue Wohnung der Beutelmüllers. Das ist doch klar!" "Aha", brummte ich, "aber wieso haben wir sie hier hoch getragen? Die hätten wir doch im Laderaum lassen können." Herr Spinne gab mir eine saftige Ohrfeige. "Werd nich' vorlaut, Bengel!", versetzte er. "Wir machen das schon seit Jahren so. Die Möbelstücke müssen immer zu Opa Waldemar!" "Genau", bestätigte Ralle, um darauf ehrfürchtig zu flüstern: "Opa Waldemar, der mal eine vier Wochen überlagerte Margarinedose ausgelöffelt hat ..." Ich blieb stumm, genau wie die restlichen Männer. So verharrten wir, bis es dämmerte. "Auf geht's!", schnalzte der Chef schließlich. Zur Strafe für meine vorangegangene Aufmüpfigkeit sollte ich den Laster wieder ohne Hilfe beladen. Mitleidig sah ich Opa Waldemar an. Der schüttelte aber nur den Kopf. "Nee, nee, Junge! Da musste durch", brabbelte er. Der Alte war mir unsympathisch. Vier Wochen alte Margarine – was war da schon Besonderes dran?

Freitag, 19. September 2014

Stellen einer Ausbildung (Teil 1)

(geschrieben im Mai 2005)

Pontius van der Liet ist für ein menschliches Wesen eindeutig zu groß. Die Angewohnheit, seine Gesprächspartner zur Wahrung des Blickkontakts mit seinen enormen Pranken zu packen und vor sein Gesicht zu halten, schreckt die meisten seiner Freunde ab – deshalb hat er auch keine. Im Moment befand ich mich in seinem stählernen Griff und starrte in glasige Augäpfel. Aber lassen Sie mich kurz ausholen.

Mein Name ist Gerhard von Smyrna. Ich bin, wie man an meinem Namen erkennt, adelig. Unter der grausamen Herrschaft meiner Eltern wuchs ich auf, bis diese beim Schnorcheln in der Adria in eine Schiffsschraube gerieten. Seitdem lebe ich unter den Fittichen meines ebenfalls adeligen Cousins Pontius. Zum Beginn dieser Geschichte war ich fünfzehn Jahre alt und es ging mir gut. (Am Ende der Geschichte war ich auch fünfzehn Jahre alt; sie erstreckt sich über eine nicht allzu lange Spanne.) Pontius ließ mich tun und lassen, wonach mir der Sinn stand, und dies war im Wesentlichen Faulenzen und Fernsehen. Nicht mal mein Zimmer ersuchte er mich aufzuräumen. Himmel, was war das vormals für ein Martyrium gewesen! Meine Eltern hatten mich sogar jedes Wochenende gezwungen, meine Tapeten zu wechseln.

Es war am frühen Abend, als ich auf der Couch lag und die Fernsehshow "Lachen muss sein!" anguckte. Man zeigte Ausschnitte aus einer inzwischen abgesetzten Show, in welcher wiederum Ausschnitte aus anderen Shows gezeigt wurden, die wiederum Shows zeigten, und so weiter ... Ich wusste gar nicht mehr, welche Ebene der Realität entsprach. Die Fernsteuerung greifend, murmelte ich: "Was für eine gottlose Kacke! Ich verschwende hier nur meine Zeit." In dem Moment kroch mein Cousin aus der Sofaritze und griff nach mir wie nach einem Welpen. "Du verschwendest deine Zeit?", raunte er. "Gut, dass du das endlich merkst!" Ich zitterte und fragte den Hünen, was er vorhabe. "Du musst endlich was Sinnreiches anstellen! Ich werde dir einen Ausbildungsplatz besorgen." Dann ließ er mich fallen und stolzierte zum Telefon. "Nein, nein, alles, bloß das nicht! Ich will nicht arbeiten! Nein!", schrie ich, doch es war zwecklos. Pontius kurbelte am Fernsprecher und rief begeistert: "So wirst du wieder Sonnenlicht sehen, Gerhard. Ich kann dein Nichtstun nicht länger ertragen. Wann warst du das letzte Mal in der Schule?" Ich zuckte mit den Achseln. Bildungserwerb hatte ich nach dem Tode meiner Eltern beizeiten verworfen. Erwachsene scheinen eine absonderliche Vorstellung von dem zu haben, womit man in der Schule vollgedröhnt wird. In Mathematik befasst man sich mit Zahlen, in Biologie steht ausschließlich Tierkunde auf dem Lehrplan, in Geografie muss man Hauptstädte lernen, und in Reli wird nur gebetet – derartige Klischees findet man in elterlichen Gehirnen! Ich erachtete mittlerweile den Fernsehapparat als unterschätzten Born des Wissens. Außerdem war ich sogar des Lesens mächtig. Meine Lieblingslektüre waren der Videotext vom Sport-Kanal und die Zeitschrift Busen.

Nach wenigen Minuten hängte Pontius den Hörer ein und pfiff mich herbei. "Ich habe mit dem Arbeitsamt gesprochen. Du wirst ab morgen als Möbelpacker arbeiten. Stell dir einen Wecker!" Möbelpacker?! Der Schock fuhr mir in die Glieder. "Du spinnst wohl?", rief ich aus und rannte bockig davon. Kopflos berief ich eine Eilkonferenz mit meinen Kuscheltieren ein. Der Hohe Rat beschloss, dass ich mich meinem Schicksal zu fügen hatte. Na toll! Jetzt war ich also Möbelpacker.