Donnerstag, 2. Mai 2013

Gebt uns Punkte!

Jedem wird schon einmal aufgefallen sein, dass das Verb "beinhalten" (= etw. enthalten) auf den ersten Blick auch als "Bein halten" verstanden werden könnte. In der Tat liegt hier ein Missstand in den deutschen Rechtschreibregeln vor. Dieser Missstand ließe sich beheben, indem man das Trema einführte, ein diakritisches Zeichen in Form zweier Punkte über dem Wirrnis erzeugenden Vokal. Man würde also z.B. "Hämorrhden" schreiben, um der Lesart "Hämorrheuden" vorzubeugen. Nun argumentiert man, dass diese Aussprache eh nicht zu erwarten sei, "weil der Diphthong /ɔʏ/ in der Regel mit eu oder äu verschriftet wird" (Wikipedia), wogegen sich anführen lässt, dass es durchaus (Fremd-/Lehn-)Wörter gibt, die ein <oi> enthalten, das man ganz natürlich wie ein eu oder äu ausspricht: Sirloin-Steak, Goi, Poier (Alf Poier, österr. Kabarettist) und natürlich Oi!

Wie dem auch sei, der Duden sieht das Trema nicht vor, lediglich gewisse Personennamen dürfen sich damit schmücken (Hoëcker, Piëch). Umso baffer war ich, als ich auf S. 169 der Graham-Chapman-Biografie "Autobiografie eines Lügners" Folgendes las: "das Bett, welches David bëinhaltete". Übersetzer: kein geringerer als Harry Rowohlt. Nur zwei Seiten später ist sogar von "Koffëin-Einläufen" zu lesen. Nett. Einen kleinen Einwand habe ich allerdings: Müssten die Tremata nicht – nach griechischem Vorbild – auf dem jeweils zweiten Vokal sitzen? Müsste es nicht korrekt "beïnhalten" und "Koffeïn" heißen? Wäre demnach nicht auch die Schreibung "Alëuten" falsch? Oder ist letzteres nur eine speziell deutsche Lösung, damit man das <ü> in "Aleüten" nicht wie das <ü> in "Alditüten" spricht? Ja, ja, ja, wahrscheinlich. Oder?


PS: Ich habe soëben herausgefunden, dass der New Yorker die Schreibweise "coöperation" bevorzugt.

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