Donnerstag, 25. Februar 2016

Wort des Tages: Tyromantie

Tyromantie, die: Wahrsagung mit Hilfe von Käse

Man munkelt, in "The Witcher 3" würde ein Tyromant auftreten. Das schöne Wort (und der schöne Begriff) wird also mehr Leuten geläufig sein als noch vor ein paar Jahren. Es gibt aber auch noch ...
Axinomantie: Wahrsagung mit Hilfe von Sägen
Sykomantie: ~ mit Hilfe von Feigen
Koskinomantie: ~ mit Hilfe von Sieben
Kephaleonomantie: ~ durch Beobachtung der Köpfe von Eseln

Sykomantie beschreibt vermutlich die Praxis, Fragen, die man beantwortet, oder Wünsche, die man erfüllt wissen möchte, auf ein Feigenblatt zu schreiben und dieses dem Winde zu überantworten. Über Koskinomantie schreibt Leander Petzoldt in Magie: Weltbild, Praktiken, Rituale: "Um den Urheber eines Diebstahls oder sonstigen Frevels auszumachen, ließ man zwei Personen jeweils mit ihrem Mittelfinger einer mit einer Zange (oder einer Schafschere) aufgehängtes Sieb halten. Dann sprach man die sechs Worte 'Dies, Mies, Jeschet, Benedoeffi, Dovvina, Enitemaus', die weder man selbst noch ein anderer verstand. Sie dienten dazu, einen Dämon in das Sieb zu treiben, der wiederum bewirken sollte, dass sich das Sieb umdrehte, sobald der Name des Verdächtigen genannt wurde – was als Beweis der Schuld galt. Noch Goethe erwähnt das Siebdrehen im ersten Teil seines Faust" (S. 102f.; in Google Books gefunden). Über Axinomantie liest man im Katechismus der Wahrsagekünste von Gustav W. Gessmann (gibt's ebenfalls bei Google Books): "[...] dass man ein Stück schwarzen Bernstein auf eine heiss gemachte Axt legte und beobachtete, ob es zu brennen beginne oder nicht. War letzteres der Fall, so betrachtete man dies als eine Bejahung der gestellten Frage." (S. 66) Bei der Googlesuche nach dem Wort Kephaleonomantie findet man lediglich drei Stellen, wo es zudem ohne weitere Erklärung genannt wird. Kephalomantie ("Kopf-Wahrsagung") zumindest muss es gegeben haben; in soeben zitiertem Werk heißt es unter jenem Stichwort (S. 182f.), dass diese Praxis (abgeschnittene Köpfe auf Kohlen rösten und daraus etwas herleiten) auch mit Eselsköpfen praktiziert worden sei. Von wem? Das lassen die Quellen offen. "Who practised cephalomancy, the custom of boiling donkeys' heads in water and predicting fate from the emerging bubbles?" (Tony Allan: Prophecies: 4,000 Years of Prophets, Visionaries and Predictions, S. 32); es handelt sich bei vielen dieser "Mantie"-Wörter anscheinend um eigens zur Belustigung und Wortschatzerweiterung gebildete Vokabeln analog zu den zahlreichen im Netz kursierenden "bizarren Phobien".

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