Montag, 22. Februar 2016

Der Font macht die Musik

Manchmal kommt auch was Gutes im Radio. Nicht selten lade ich mir interessante Features und Wortbeiträge aus den diversen Mediatheken herunter und nutze sie als Einschlafhilfe oder Zugfahrunterhaltung. Erst letzte Woche hörte ich ein langes Gespräch mit der Typographie-Legende Erik Spiekermann. Da fiel mir wieder ein, wie zauberhaft die Welt der Schriften überhaupt ist! Das Buch "Just my Type" beispielsweise kann ich nur jedem empfehlen, der beim Lesen schon einmal länger darüber nachgedacht hat, wie das aussieht, was da geschrieben steht.

... also auf keinen Fall jener Frau, die einmal zusammen mit mir ein Textlinguistik-Seminar besuchte. Darin sollten wir Teilnehmenden gruppenweise verschiedene Textsorten produzieren und den anderen vorstellen. Als die Gruppe der besagten Studentin ihr Erzeugnis, in dem Fall eine Werbebroschüre, vorgestellt hatte und die Dozentin uns um Kritik bat, meldete ich mich und sagte, dass ich inhaltlich nichts auszusetzen hätte, dass Comic Sans als Schriftart in einem Instrument der Unternehmenskommunikation aber heutzutage "gar nicht geht". Daraufhin blaffte mich die Kommilitonin in einem superordinären Tonfall an: "Orrr, das ist doch egal!!!" Danach hielt ich die Klappe. Es hätte eh nichts gebracht, meinen Einwand genauer zu begründen, denn heute haben Leute, die einen Scheiß auf Formalien und Höflichkeitsstandards geben, in allen denkbaren Positionen Fuß gefasst. Kürzlich erreichte die Redaktion, in der ich arbeite, ein anwaltliches (!) Schreiben, das vollständig in Comic Sans gesetzt war. Wäre dieses an mich persönlich gerichtet gewesen, ich hätte es ungelesen durch den Schredder gejagt und kein einziges Wort mit der verantwortlichen Kanzlei gewechselt.

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