Donnerstag, 7. Juni 2018

Meine Vorstellung von Luxus

Wann immer ich als junger Mensch in den Genuss einer Cocktailkirsche kam, sagte ich mir: "Oh Mann, irgendwann werde ich mir ein Glas kaufen, in dem nichts anderes drin ist als Cocktailkirschen – falls es so etwas gibt –, und es in einer einzigen Sitzung verputzen!" Schon die in Mengen von <2 in Dosenobstsalaten versteckten Kaiserkirschen übten einen ungeheuren Reiz auf mich aus: Etwas, das so selten und unerhört schmackhaft ist, muss irre teuer sein! Nun gut, Kaiserkirschen im Glas fand ich alsbald zum nicht besonders hohen Preis in einem beliebigen einheimischen Supermarkt; damit war der Zauber passé. Auf die knackigen, marmornen Kirschen, die als Garnitur in etlichen alkoholischen Mixgetränken zu finden sind, stieß ich jedoch nie und nirgends.

Letzte Woche musste ich aus heiterem Himmel daran denken, suchte kurz im Netz und wurde (natürlich in jenem mit A beginnenden großen Onlineversandhaus) fündig. 13,95 € für 400 Gramm – so eine "Hausnummer" hatte ich vermutet. Aber jetzt kann ich es mir ja leisten! Also bestellte ich ein Glas. Beim Naschen der (entgegen der Tradition nicht alkoholischen, da nicht in Maraska-Kirschlikör eingelegten) Früchte packte mich noch eine Erinnerung. Wann immer ich als junger Mensch in den Genuss von Amaretti kam (etwa weil sie mir jemand, der einen Espresso bestellt hatte, spendete), sagte ich mir: "Oh Mann, irgendwann werde ich mir eine Tüte kaufen, in der nichts anderes drin ist als Amaretti – falls es so etwas gibt –, und sie in einer einzigen Sitzung verputzen!" Nun fügte es sich, dass ein befreundetes Paar gerade durch Italien reiste und anfragte, ob man mir etwas mitbringen möge. Ich orderte entsprechend.


Nun befinden sich also diese zwei Produkte in meinem Haushalt, und ich komme mir vor, als hätte ich den Gipfel der Dekadenz erreicht. 😍

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